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Meine Ethik & die Folgen - Teil 1 »

Mittwoch, 26 Januar, 2011

Meine Ethik ... und die Schwierigkeiten danach zu leben

Dieser Artikel ist über Wochen entstanden. Er bedeutet mir viel. Ich habe weiterführende Links bewusst unter dem Artikel und nicht darin platziert, da einige Bilder enthalten sind, die meine Seele stark berührt haben und so jeder zum Schluss entscheiden kann, was er sich anschauen möchte.

Etwas bewegt sich in mir, seit ich über die Situation der Pferde in Irland erfahren habe und mich damit beschäftige. Zu sehen, wie es diesen Tieren geht, berührt mich sehr. Ich möchte den Iren keinen Vorwurf machen, ich glaube, sie wissen sich nicht anders zu helfen. Was seit ewigen Zeiten so war, kann anders werden wie auch das Beispiel der deutschen Organisation Equiwent e.V. rund um einen deutschen Hufschmied zeigt, die Pferden in Rumänien und damit auch ihren Besitzern helfen, z.B. in dem sie diese schulen, besser mit ihren Tieren umzugehen.

Viel Leid passiert, ohne dass ich selbst groß darüber nachdenke, weil es schon immer so gemacht wurde oder ich gar nicht weiß, welche Konsequenzen mein Handeln hat.

Ein Beispiel: Ich möchte ja gerne mal nach Wien und habe die romantische Vorstellung, dort mit einer Pferdekutsche die Stadt zu erkunden. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass dies für die Pferde Stress ist, weil sie z.B. von Autos angehupt werden, die Autogase einatmen. Nachdem ich das weiß, würde ich niemals mehr auf die Idee kommen, mich in eine Pferdekutsche zu setzen!

Auf dem Weg, herauszufinden, wer in Irland aktiv ist, dem ich vertrauen kann, wandelte ich immer weiter auf den Pfaden des Tierschutzes, fand dabei auch Organisationen und Menschen, die sich für die Hunde dort engagieren. Zwangsläufig wurde ich bei meiner langen Internetrecherche auch auf schwarze Schafe aufmerksam, die angeblich systematisch Hunde aus Krisengebieten importieren, um sie gewinnbringend weiter zu vermitteln, Worte wie Tierschutzmafia begegneten mir. Stunden beschäftigte ich mich mit lesen und dann saß ich da, völlig desillusioniert, traurig, erschöpft von den Bildern und Geschichten. Ich wollte doch nur den Pferden in Irland helfen, dabei eine verlässliche Information zu bekommen, einen Verein zu finden, der dort so arbeitet wie ich mir das wünsche: Es war eine zeitraubende und energiezehrende Sache. Das war vor drei Wochen und ich musste das alles erst einmal verdauen, bis ich die nächste Recherche startete.

Dabei fand ich auch Organisationen, deren Einsatz ich sehr bewundere. Zum Beispiel die Seite der Animals Angels, die sich europaweit für die Tiere auf Tiertransporten und das Schicksal von "Milch"kühen einsetzen. Zuerst dachte ich: "Warum das denn? Die Kühe haben es doch gut!" und dachte an grasende Kühe, ihr Muhen, die köstliche Milch. Meine Illusion zerplatzte. Auf der Seite der Animals Angels erfuhr ich, dass Kühe, um regelmäßig Milch geben zu können, einmal im Jahr ein Kälbchen bekommen müssen. Das wusste ich gar nicht. Dieses Kälbchen wird ihnen nach der Geburt weggenommen, damit ich als Verbraucherin statt dessen die Milch bekomme. Die Kuh ruft noch Tage nach ihrem Nachwuchs. Ist mir das bewusst, wenn ich Milch im Supermarkt kaufe, auf dessen Packung einige "glückliche" Kühe auf der Wiese grasen? Nein. Weiß ich als Verbraucherin, dass viele der Milchkühe nie eine Wiese oder den blauen Himmel sehen und statt dessen zu Hunderten in Tierfabriken leben, weil das wirtschaftlicher ist? Nein. Auf der Seite der Animals Angels erfuhr ich noch mehr über die Situation der Milchkühe und Tiere auf Transporten. Starke Nerven waren gefragt. Wenn ich jetzt wieder darüber schreibe, merke ich wie mir die Tränen über die Wange laufen. Gestern sah ich in einem Prospekt einen Bildband über Kühe, unter dem stand, dass Kühe zu den sanftesten Lebewesen gehören, die es gibt.

Kein Platz für das einzelne Tierschicksal in der „Nutztierhaltung“, das zeigt auch der heimliche Besuch der Autorin Karen Duve mit den Tierschützern von Die Tierfreunde e.V. auf einer Biohühner-Farm. Ich war erschrocken über die Zustände dort. Ein Huhn hing kopfüber durch die Gitter, es hatte sich mit dem Fuß verfangen. Die Beobachter befreiten das Huhn und nahmen es mit, es hatte sich das Bein gebrochen. Seine Geschichte hat ein gutes Ende: Beim Tierarzt wurde das Bein gegipst, heute lebt das Huhn Rudi putzmunter bei der Autorin. Den Artgenossen geht es laut deren Berichten nicht so gut. Mir war nicht bewusst, dass ca. die Hälfte der Küken getötet werden, weil sie keine Eier legen (die männlichen eben) oder Hühner nur ca. ein Jahr leben, weil sie dann nach ihrem Legemarathon völlig ausgelaugt sind. Nach einem Jahr müssen die Ställe desinfiziert werden und die Hühner werden als Suppenhühner „endverwertet“. Ich hatte mich bewusst vor einem Jahr entschieden, nur noch Bio-Eier zu kaufen, weil die Hühner dort mehr Auslauf haben als bei den anderen Haltungsformen.

Die Filme und Bilder von Die-Tierfreunde haben mich aus meinen heile-Welt-Gedanken geholt. Es wird wohl nicht immer kontrolliert, ob der Auslauf den Tieren stets zur Verfügung steht, in der Zwischenzeit wartet der enge Stall. Klar, auch in dieser Branche gibt es Menschen, die gut zu ihren Tieren sind. Aber woher will ich das als Verbraucherin wissen?

Auch Bio geht auf auf Kosten der Tiere, denn langfristig lassen sie dabei ihr Leben. Ich glaube, keiner von diesen Tieren würde sich diese Situation freiwillig aussuchen.

Ich kann das Leben der Biohühner in keinster Weise mit der glücklichen Situation vergleichen, in der die Hühner im Garten meines Onkels leben, mit ihren so beruhigenden Stimmen, ihren flauschigen Federn und ihrem Gackern, während sie zwischen den Sträuchern nach Naschereien suchen.

Auf meinem Rechercheweg begenete mir wieder eine Geschichte, die mir das Leid der Tiere verdeutlicht hat und am eigenen Körper spürbar werden lies. Ich hatte sie vor einem Jahr schon mal "angelesen" und wollte und konnte dann nicht weiter darüber nachdenken, weil ich damals nicht die Konsequenzen wollte, die das bis zum Ende darüber nachdenken haben würde.

Die Geschichte in meinen Worten: Wenn es Superwesen geben würde, die stärker wären als wir Menschen, die unser Fleisch mögen, unsere Haut, unsere Milch, unser Haar, unsere Kinder. Wesen, die die Möglichkeit hätten, uns ohne weiteres einzufangen, in Käfigen in kleinen Gruppen zu halten und nach belieben zu mästen, die - wenn der richtige Zeitpunkt ist - uns aus den engen Käfigen befreien, um uns dann stundenlang ohne Wasser und Nahrung über heiße Autobahnen zu transportieren mit dem Ziel, uns in Schlachthäusern zusammen zu treiben und zu töten. Letzteres gelinge nicht immer auf anhieb, so dass wir manchmal noch mitbekommen, was dann geschieht. Manche von uns landen in Versuchslaboren, wo getestet wird, ob Kosmetika Entzündungen bei den Superwesen hervorrufen könnten oder uns werden Krankheiten angezüchtet, damit sie die Wirksamkeit ihrer Medikamente testen können. Diese Vorstellung ist grausam und dreht mir den Magen um.

Für mich ist das keine Wirklichkeit, für die Tiere ist das alltägliche Realität. Nur weil ich glaube, sie bekommen das nicht mit, ach für die ist das nicht schlimm, das war schon immer so, heißt das nicht, dass sie nicht die gleichen Gefühle haben wie ich sie in ihrer Situation hätte. Was nehme ich mir als Mensch heraus, über die Wesen zu bestimmen, die ich in Käfige, Ställe, Transportboxen zwingen kann? Wie unterscheide ich mich von diesem Superwesen?? Hier begann meine Ethik und mein Mitgefühl.

Denn die Wahrheit wurde mir immer deutlicher: Ich als Konsumentin entscheide über das Schicksal der Tiere. Mit jeder Packung Fleischwurst, jedem Schnitzel, Hähnchenfilet, jeder Packung Billigmilch, jeder Scheibe Käse, welche ich kaufe, fälle ich ein Urteil über ein Tier. Das ist so, auch wenn es mir nicht bewusst ist und ich es sehr leicht ausblenden kann. Und nicht nur das, ich entscheide mit dem Preis auch darüber, wie die Tiere gehalten werden. Je billiger der Preis, desto unwürdiger die Lebensumstände, mit denen die Tiere leben müssen. Eine unbewusst und schnell getroffene Entscheidung für wenige Minuten Genuss.

Ich entscheide mit dem Kauf von Milchprodukten, dass die Kühe so leben, wie sie leben. Ich entscheide, dass sie von ihren Kälbchen getrennt werden, dass sie so hochgezüchtet werden, dass sie fast nicht mehr stehen können, Hüftschäden haben von ihren riesigen Eutern. Manche Kühe geben in ihrem Lebensjahrzehnt bis zu 100.000 Liter Milch!

Wissen Sie, was das grausigste an der ganzen Geschichte ist?

Es schmeckt mir, mein bisheriges Eßverhalten. Richtig gut sogar. Ich liebe Joghurt, Käse, Butter, Leberwurst, Hähnchenbrustaufschnitt. Ich liebe Eierkuchen, Gebäck, Kuchen. Ich liebe Hühnerfleisch. Ich mag ab und an Currywurst und einen Cheeseburger essen.

Die Vorstellung, auf tierische Produkte zu verzichten, um den Tieren ihr Leid zu ersparen, fällt mir sehr sehr schwer. So leicht lassen sich die Bilder und Gedanken wegwischen, nicht umsonst sind die riesigen Stallungen hinter Mauern verborgen und nicht auf den Verpackungen abgebildet. Ich soll sie als Konsument nicht sehen, statt dessen lachen mich auf den Verkaufsverpackungen Bildern von wenigen Hühnern auf Strohboden oder pickend auf der Wiese an. Damit wird mir eine heile Welt vorgegaukelt, die weit entfernt von der Realität ist.

Will ich die Wahrheit überhaupt hören? Will ich die Wahrheit sehen? Ich muss Tiere ja nicht töten. Müsste ich in einem Schlachthaus arbeiten, wäre ich innerlich tot, ohne Gefühle. Aber so: Ich gehe in einen Supermarkt, in dem die Wurst, das Fleisch, der Käse appetitlich verpackt in großen Mengen liegt. Ein Lebensmittel wie Brot oder Möhren. Was interessieren mich beim Kauf die Tiere und ihr Leiden?

Was für eine Zwickmühle: Auf der einen Seite meine Ethik, mein Wunsch, den Tieren kein Leid zuzufügen, ihnen Massentierhaltung zu ersparen und auf der anderen Seite mein Genusswunsch nach tierischen Produkten.

Nachdem ich einige Tage Abstand von meinen Recherchen genommen hatte, kochte ich sonntags Rinderrouladen. Ich hatte das Fleisch vor Weihnachten gekauft und eingefroren. Mein Mann liebt die Rouladen und ist sonst derjenige, der das Fleisch zubereitet, ich mag das Zubereiten von rotem rohen Fleisch nicht. Da mein Mann aber im Moment nicht kochen kann, gab ich mich Sonntag vor zwei Wochen an die Arbeit, die Rouladen zuzubereiten und beobachtete, wie meine Stimmung sank. Das rote Fleisch, das Blut, der Geruch. Ich biss die Zähne zusammen, mein Mann saß am Esszimmer, füllte und rollte die Rouladen, das war eine Hilfe. Ich briet sie an, stand unter Hochspannung, kurz vorm Explodieren. Nachdem sie vor sich hin köchelten, bekam ich einen Putzflash, wusch die Arbeitsplatte bis in den letzten Winkel mit heißem Wasser ab, den Boden und obwohl ich kein Putzfreak bin, räumte ich die gesamte Besteckschublade aus, um sie sauber zu machen. Ich weinte und wusste nicht, warum, wusste, es ist irgendetwas gehörig falsch und ich musste mich abreagieren.

Dann der krasse Wandel: Das angebratene Fleisch roch herrlich, ich bekam Appetit und aß die Rouladen. Zwar fühlte ich mich nicht so unbefangen wie wenn mein Mann sie zubereitet hat und ich den Rohzustand nicht erlebe, aber es schmeckte mir. Nach dem Essen stellte ich mich lange unter die heiße Dusche und dann brachen die Tränen aus mir heraus. Ich fühlte mich schrecklich und erinnerte mich.

Als ich klein war, hielt mein Vater Schafe. Jeden Frühling wuchs die Herde um kleine Lämmchen und wir Kinder hatten Freude an diesen Tieren. Es kam auch vor, dass ein Muttertier ein Schäfchen nicht annahm. So war es auch mit einem auf wackeligen Beinen stehenden Schäfchen mit schwarzem Kopf und schwarzen Füßchen. Mein Vater legte es auf ein Strohbett unter die Rotlichtlampe und wir gaben ihm die Flasche. Wir hatten Glück, es überlebte und wir tauften es Morle. Morle wurde immer kräftiger, das Böckchen reagierte, wenn wir es riefen, es war uns ans Herz gewachsen. Ich weiß nicht mehr genau wie es sich verhielt, aber eines Tages war Morle nicht mehr da. Wie andere Schafe der Herde hatte es das Schicksal, geschlachtet zu werden. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich damals reagiert habe, ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich das Fleisch nicht essen wollte, was auf meinem Teller war. Ich hasse heute noch Schafsfleisch!

Vor einem Jahr tauchte dieses Schäfchen in einer Phantasiereise auf und mir wurde der Verlust, den ich als Kind erlitten hatte, wieder bewusst. Mehr als eine Stunde konnte ich mich kaum beruhigen, auch jetzt laufen wieder die Tränen und an jenem Sonntag wurde ich wieder daran erinnert. Mein Freund war tot.

Keiner der Erwachsenen hatte wohl damals damit gerechnet, wie es ist, wenn wir Kinder, ich besonders, zu einem Schaf eine besondere Beziehung aufbauen. Seit der Zeit gibt es eine Wunde, die schmerzt, wenn ich Tiere leiden sehe.

Auch durch Minu, unseren Hund, der seit 2003 bei uns lebt, ist dieses Gefühl intensiviert worden. Wir erleben Minu, wie sie Freude hat, schläft, schnarcht, rülpst, Angst hat, ausgelassen ist und auch, wenn sie Schmerzen oder Streß hat. Wir erleben ein Wesen, das in vielen Dingen gleich fühlt wie wir. Und mein Mann und ich leiden, wenn es unserem Familienmitglied nicht gut geht. Es ist eine Verbindung da, an ihren Augen und ihrer Mimik kann ich so viel ablesen. Bin ich froh, dass wir in einem Land leben, in dem kein Hundefleisch gegessen wird.

Letzten Sonntag beim Blick auf unseren Frühstückstisch sahen mein Mann und ich uns das erste Mal an, wieviele der Dinge, die wir essen, von Tieren stammen: Wurst, Käse, Butter, die Milch im Kaffee, die Eier in der Remoulade. In so vielen Lebensmitteln sind tierische Produkte enthalten, inklusive Gummibärchen und Schokolade. Übrig blieben auf dem Tisch übrigens nur Brötchen, Marmelade und Rübenkraut.

Wieviele Fleischprodukte habe ich schon entsorgt, weil ihr Verfallsdatum überschritten war oder ich zu viel zubereitet hatte? Bei einem Preis von nicht mal einem Euro für eine Packung Fleischwurst ist das kein großer finanzieller Verlust. Für das Tier sah das anders aus. Für diese Scheibe Wurst ist es gestorben.

Auf der Seite der Tierschutzorganisation Peta e.V. entdeckte ich vor einem Jahr die Broschüre Veggie Starter Kit, bei der es ums vegetarische Essen geht. Doch ich schaffte es nicht, die Inhalte in meinen Alltag zu integrieren. Mein Schweinehund, meine Gewohnheit und mein über Jahrzehnte antrainierter Geschmackssinn waren stärker als ich.

Schaffe ich es wirklich, mich meiner Ethik entsprechend zu ernähren? Ich glaube, es braucht lange, um mich umzustellen, um Ersatz für gewohnte Gerichte zu finden, für den gewohnten Aufschnitt aufs Brot. Ob es tatsächlich so ist, weiß ich nicht. Es erinnert mich an den Anfang einer Diät mit x Rezepten: Mühsam ist er. Einkaufszettel schreiben. Die richtigen Lebensmittel im richtigen Laden finden. Zubereiten.

Mein Problem: Ich mag (bisher?) kein Tofu und auch die Streichpasten als Brotaufstrich mag ich nicht besonders. Mein Geschmackssinn ist an bestimmte Lebensmittel gewöhnt. Das Einkaufen im Supermarkt funktioniert wie im Schlaf. Eine Packung Wurst ist schnell gekauft, geöffnet und mit Butter auf ein Brötchen geschmiert. Dagegen einen Salat zubereiten, dauert länger.

Wie lange dauert es, bis sich mein über Jahrzehnte antrainierter Geschmackssinn verändert? Wie lange dauert es, geschmackliche attraktive Alternativen zu finden? Wie lange dauert es, bis ich weiß wo ich was einkaufen kann, was mir/uns schmeckt?

Wird es mir gelingen, Leckeres zu finden, das mich wirklich befriedigt? Oder ist es wie ein Sucht und ich komme von dem gewohnten Geschmack nicht los wie schon vor einem Jahr, wische mein schlechtes Gewissen einfach weg?

Mein Mann hat als ersten Schritt vorgeschlagen, bei tierischen Produkten nur noch Bio-Produkte zu kaufen, um so wenigstens etwas bessere Lebensbedingungen für die Tiere zu gewährleisten. Auch wenn diese Produkte teurer sind und es bedeutet, dass wir insgesamt weniger davon kaufen können. Wenn ich alleine leben würde, wäre ich wohl radikaler, würde versuchen, ganz auf die tierischen Lebensmittel zu verzichten, aber ob mir das wirklich gelingen würde, weiß ich natürlich auch nicht. Gesagt oder geschrieben ist sowas leicht.

Meine Motivation ist nicht meine Gesundheit. Meine Motivation ist einzig mein Mitgefühl, ich möchte nicht für das Leid der Tiere verantwortlich sein. Mich grausen die Bilder, die ich gesehen habe, die Geschichten, die ich gelesen habe. Mein Bruder, der als Fotograf für eine Tageszeitung arbeitet, sagte, es müsste jeder, der Fleisch ist, mal in ein Schlachthaus gehen, danach würde kaum einer noch Fleisch essen...

So gilt es einen Kompromiss zu finden. Ob er uns gelingt? Ich hoffe es. Im Moment ist der Kühlschrank noch voll, in der Kühltruhe ist noch Fleisch und Milch haben wir noch genügend - vom Discounter - im Vorrat. Ich will sie aufbrauchen, fände es grausam, sie zu entsorgen. Was, wenn diese Lebensmittel aufgebraucht sind? Wird es mir gelingen, entsprechend meiner Ethik zu leben? Oder werde ich meiner Gewohnheit erliegen und die Gedanken an das Schicksal der Tiere ausblenden wie ich es schon so oft gemacht habe?

Zeitweise hatte ich überlegt, hier im Blog ein Projekt ins Leben zu rufen, wie es ist Vegetarierin zu werden. Doch ich habe mich dafür entschieden, mich nicht so unter Druck zu setzen, ich habe auch Angst, zu scheitern.

Ich brauche Zeit, mich umzustellen. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es mir gelingt, Schritt für Schritt weniger tierische Produkte zu konsumieren. Denn es bedeutet aus heutiger Sicht Verzicht. Verzicht von gewohntem Einkaufsverhalten, von gewohntem Genuss, was für mich auch Lebensqualität bedeutet.

Ich wünsche mir, einen Ausgleich zu finden, der nicht auf Kosten Anderer geht.

Ich als Verbraucherin habe mehr Macht als ich mir vorstellen kann. Ich entscheide beim Einkauf. Was auf Dauer in den Regalen liegen bleibt, wird nicht mehr nachbestellt.

Ich habe die Macht, das Leben der Tiere entscheidend zu verändern.

Die Macht der Verbraucher ist in ihrer Gesamtheit gigantisch. Und das finde ich ein tolles Gefühl, eine schöne Sicht auf die Zukunft, wenn ich es schaffe, mich für das zu entscheiden, was mein Herz wirklich will.

In der letzten Woche habe ich beobachtet, wie die zunehmende Beschäftigung mit dem Thema dafür sorgt, dass meine Sensibilität zunimmt. Immer mehr erfahre ich. Ich arbeite mich tiefer in die Materie ein, es fällt mir bei meinen Recherchen auf und wird mir bewusst. Wie können Fernsehköche, die doch Vorbildfunktion haben weiterhin Stopfleber nutzen, Bettwarenanbieter Daunen aus Lebendrupf anbieten und Supermärkte das Fleisch dieser Gänse? Warum wird für die Palmölgewinnung, welches für Biossprit genutzt werden soll, Regenwald zerstört?

Mir fällt eine Fernsehreihe auf ZDF-Neo ein, die über die Situation der Textilindustrie Indiens berichtet, in dem junge Engländer dort vor Ort jede Station von der Baumwollgewinnung bis zur Fertigung als Arbeiter durchlaufen. Danach veränderte sich ihr Einkaufsverhalten in der Heimat stark und auch ich als Zuschauerin kam ans Nachdenken. Abfall wurde in den Slums einfach hinter einer Mauer entsorgt, Kinder arbeiteten in der Textilfabrik. Ich unterstütze diese Zustände, wenn ich billige Kleidung haben möchte.

Ich bin als Verbraucherin mit diesen weitreichenden Konsequenzen überfordert und wünsche mir Hilfe, zum Beispiel durch ein Ethik-Siegel, welches gewährleistet, dass dieses Produkt weder die Lebensgrundlage von Einheimischen zerstört, noch schädliche Umweltkonsequenzen hat oder Tieren Leid zu fügt. Ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen seinen Lieferanten faire Preise zahlt, den Mitarbeitern faire Arbeitsbedingungen bietet und die Umwelt schützt.

Ich konsumiere nicht nur Produkte, die in Deutschland produziert werden, mein Konsumverhalten betrifft Produktionsstätten in der ganzen Welt.

Auch bei den Lebensmitteln wird mir klar: Selbst wenn jeder nur noch Biofleisch und Biomilch kauft, werden diese Lebensmittel nicht in der gleichen Menge zur Verfügung stehen wie bei der bisherigen Massentierhaltung.

Egal wie ich es drehe und wende:

Wenn ich meiner Ethik konsequent folge, verändert sich mein Einkaufs- und Konsumverhalten. Bio-Essen, Öko-Kleidung, Öko-Bettdecken sind teuer. Ich werde weniger einkaufen, weil ich für die gleiche Menge Geld nicht mehr die gleiche Menge an Ware gekommen werde. Ich glaube nicht, dass dieser Verzicht für mich bedeutet, unglücklicher zu leben. Diese Entscheidung lässt mich bewusster leben und aktiver werden. Ich schaue genauer hin, frage nach, packe künftig nicht mehr wie mechanisch Produkte in meinen Einkaufswagen.

Erste Prüfungen.

Inzwischen habe ich die ersten Erfahrungen mit meinem Wunsch, fleischlos zu essen, gesammelt.

Ich habe versucht, den Wurstaufschnitt und den Scheibenkäse wegzulassen. Es hat geklappt. Statt dessen habe ich mangels Alternativen Marmelade, Honig, Rübenkraut und Nutella aufs Brot geschmiert, die Butter blieb, ebenso wie der Frischkäse und wie die Milch für den Kaffee.

Ich hatte einen Abend vor, einen Tortellinisalat zuzubereiten. Normalerweise gehört da gekochter Schinken rein. Soll ich den wirklich weglassen? Wird mir nicht etwas fehlen? Ich spürte regelrecht Gier auf den gekochten Schinken. Dennoch habe ich es geschafft, ihn wegzulassen. Und der Salat hat wahrhaftig auch so geschmeckt.

Freitag Abend hatte ich keine Lust zu kochen und wir beschlossen etwas beim Bringdienst zu bestellen. Wie gewohnt freute ich mich schon auf mein Hühnchen mit Reis, Gemüse und Erdnuss-Soße. Halt, fiel mir ein, dann esse ich ja Fleisch. Mist! Ich spürte regelrechte Sehnsucht nach genau diesem Essen! Dann handle ich aber gegen meinen Wunsch, kein Fleisch mehr zu essen. Mist! Mist! Mist! Das war so schwer! Ich schaute auf der Speisekarte nach fleischlosen Alternativen und fand eine vegetarische Pizza - natürlich mit Käse, aber ich will ja spielerisch schrittchenweise voran kommen und kein Dogma aufstellen. Die Pizza schmeckte im Vergleich zu meinem Ursprungswunsch nicht so gut, war aber ein Ersatz, der mich satt machte.

Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, einige Male auf tierische Produkte zu verzichten! Das "alte" Essen schmeckt mir bisher immer noch besser, aber das neue, das spüre ich schon jetzt, macht mich glücklich. Ich merke, dass ich das Fleisch oder den Aufschnitt nicht essen will, weil ich mehr weiß als vorher.

Heute, am Sonntag, den 23.1.11 habe ich mich erneut durchs Internet gewühlt, um mehr über vegetarisches Essen heraus zu finden. Das hat mir Sicherheit gegeben. Ich fühle mich beschwingt und froh, ein kleines bischen weiter auf dem Weg. Ob ich ankomme? Ich weiß es nicht, einen Versuch ist es allemale wert.

Anja Kolberg

PS: Mit diesem Artikel ist etwas ins Rollen gekommen. Alle weiteren Berichte lesen hier in der Kategorie: Blog - Tierschutz.

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