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Dienstag, 10 September, 2013

Ich bin ein Landkind

Vierzehn Tage verbrachte ich in meiner Heimat, einem kleinen Örtchen im Bergischen Land, in dem ich aufgewachsen bin. Mein Onkel und meine Tante fuhren in Urlaub, so zogen meine Mutter und ich bei meiner Großmutter ein. Zwei Wochen frische Luft, viel Grün, Zusammen sein und viel viel Abwechslung.

'Was ist heutzutage noch eine Woche?', fragte meine Großmutter, als wir feststellten wie schnell die erste Woche vergangen war, in der unsere Hündin Minu uns Gesellschaft leistete. Und auch die zweite Woche - wie ein Fingerschnippen vorbei. Es bleiben viele Eindrücke und schöne Erinnerungen und dafür bin ich aus tiefstem Herzen dankbar, denn ich weiß: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ich meine Oma noch habe und meine Eltern und ich Zeit mit ihnen verbringen kann. Wurzeln sind etwas sehr kostbares.

Ich habe mich so wohl gefühlt und auch unsere Minu. Sie war wie ausgewechselt. So brav und ruhig und entspannt ist sie sonst zu Hause nicht. Auch ihr hat wohl der viele Platz und die Natur gut getan. (Und sie durfte wie der urlaubende Haushund meiner Tante aufs Sofa. Das hat Minu natürlich genossen ohne Ende.)

Als ich wieder zu Hause war, fiel mir auf, dass ich die ganze Zeit auf dem Land wirklich mit meiner Aufmerksamkeit dort war und obwohl ich Mails abgerufen hatte, war ich mit meinen Gedanken nicht bei der Arbeit oder den Aufgaben, die ich nach meiner Urlaubszeit im Büro zu erfüllen habe. Was für ein Geschenk!

Mein Onkel und meine Tante haben einen herrlichen und gleichzeitig riesigen Garten mit Rasenflächen, Teichen, vielen Blumenbeeten, einem großen Gemüsegarten, Gewächshaus, Hühnerpirk und vielen Sitzecken. Ich bin immer wieder überwältigt von all dem und als meine Mutter und ich hinterm Haus in der Morgensonne am Laptop saßen und in das prächtige Blumenbeet schauten, da war mir klar: Das würde ich wohl nicht so häufig tun, wenn ich dort leben würde. Denn dann würde ich all die Arbeit sehen, die dort anfällt - und sie auch tun. Und wir konnten sie einfach genießen.

Nun waren meine Aufgaben beim Haussitten leicht: Blumen tränken, die kein Regenwasser abbekommen und den frischen Salat, wenn es nicht regnet. Da wir nur wenige heiße Tage hatten, kein Problem. Die Tomaten im Gewächshaus wurden täglich geerntet und gegossen. Sie rochen nach Tomate und schmeckten auch danach. Besser als die Biotomaten im Supermarkt.

Wie so mein Tagesablauf war? Mein erster Gang führte mich in den Garten zum Hühnerstall, dort begrüßte ich mit 'Guten Morgen, Mädels' die acht braunen Hühner, zog an der Schnur für die kleine Türe und rasenden Fußes liefen meine gefiederten Freunde in den großen Auslauf mit vielen Büschen, Bäumen und Grünfläche. Es sieht so witzig aus, wenn die Hühner eine große Stechmücke entdecken, die über dem Gras herfliegt und alle versuchen sie zu fangen. Gibt es Tiere, die schönere Geräusche machen als Hühner? So etwas beruhigendes, ich habe ihre Stimmen auf Video aufgenommen, ich könnte glatt eine Entspannungs-CD davon machen. Zu den Hühnern habe ich eine besondere Beziehung aufgebaut und so einiges erlebt. Später mehr dazu.

Nachdem ich die Hühner noch etwas beobachtet hatte, bin ich durch den Rasen geschlurft, der voller Tau war und zog so meine Spuren. Wenn Mama und Oma noch nicht in der Küche waren, habe ich mich hinters Haus gesetzt und meine Dankesseiten geschrieben und was am Tag zuvor passiert war. Dann haben wir in der Küche vom Onkel oder meinem Vater selbstgebackenes Brot getoastet, dazu Salbeitee (lecker von Teekanne) getrunken und vor allen Dingen gequatscht.

Danach stand meist irgendetwas auf dem Plan: Zum Beispiel einen Wäschekorb an die Leine in den Garten tragen, wo meine Oma sie aufhängte. Mit 88 Jahren (!) ist sie noch so fit, dass sie meine Mutter und mich locker in die Tasche steckt. Überhaupt, was gibt es fitte Senioren! Eines abends um 9 Uhr schellte es an der Türe. Davor standen zwei Brüder meiner Großmutter (beide auch über 80) mit ihren Frauen, die zurück von einem Besuch bei einem anderen Bruder noch vorbei schauen wollten, wie es Oma geht und das neuste berichten. Sie waren viele Kilometer mit dem Auto gefahren, hatten sich am Ziel einige Stunden aufgehalten, zurück ins Bergische und dann noch fit und munter bei uns. Das sind Vorbilder! So fit will ich auch im Alter sein.

Meine Oma macht noch die gesamte Wäsche im Haus und sie ist glücklich, dass sie diese Aufgabe hat. Und obwohl sie nicht mehr richtig sehen kann und Schmerzen in den Händen, hat sie immer die Kartoffeln geschält und einen von den riesigen Schmelzkohlrabi oder einen Spitzkohl aus Onkels Garten klein geschnitten. Es war herrlich, direkt aus dem Garten frisches und gutes Gemüse zum Kochen zu haben. Mein Onkel hat darin Salat, Rotkohl, Spitzkohl, Weißkohl, Kohlrabi, Möhren, Bohnen, rote Beete (soooo lecker! Roh frisch gerieben mit einem Apfel als Salat, dazu nur etwas Öl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Zucker), Feldsalat, Breitlauch, Schnittlauch, Petersilie ..., im Gewächshaus Tomaten, davor jede Menge Küchenkräuter, Kürbisse, Peperoni, Gurken. Puh!

Zurück zum Tagesablauf: Entweder haben Mama und ich dann am PC geübt oder es gab etwas für nachmittags vorzubereiten oder wir sind auch mal in die Stadt gefahren oder zu meinem Vater oder meine Oma hat mir gezeigt wie sie Socken strickt. Auch hier ist sie wieder unermüdlich. Obwohl sie als ehemalige Vielstrickerin schon lange keine mehr gestrickt hatte, testete sie so lange, bis sie es wieder raushatte mit der kniffligen Ferse. Dafür trennte sie wieder und wieder auf. Ich hätte längst die Lust verloren. Aber nicht meine Oma. Sie war nicht eher zufrieden, bis beide Socken fertig waren.

Ich weiß gar nicht mehr wie alle Vormittage vergingen. Dann war bald 11 oder 11 Uhr 30 und mittags wird dort im Haus immer warm gegessen. Ich habe die meiste Zeit gekocht und durfte vegane Küche präsentieren. Erst wollte ich nicht die 14 Tage kochen, aber dann hat mir das Lob so gut getan, dass ich Freude hatte, es zu tun. Was wir gegessen haben? Zweimal gab es Pillekuchen (konventionell mit Eierkuchenteig und klein geschnittenen Kartoffeln) - eine Gemeinschaftsarbeit von Oma und Mama. Dann hatten wir Spaghetti mit Basilikum-Pesto und frischen Tomaten, Spitzkohl mit Kartoffeln untereinander und dazu Gemüsefrikadellen (Alnatura, siehe Bild oben), Spaghetti mit Blumenkohl und gerösteten Zwiebeln, Kohlrabi mit Kartoffeln, Veganer Wurstgullasch mit Paprika, Tomaten dazu Reis, Brokkoli-Nudelauflauf mit Pinienkernen. Ich glaube das wars. Meist habe ich so gekocht, dass es für zwei Tage reichte, dann war es nicht so viel Arbeit.

Zu jedem Mittagessen: Natürlich Apfelkompott und gerne einen frischen Kopfsalat aus dem Garten. Auf dem Bild Kohlrabigemüse vom Vortag mit Salat und mit Bratkartoffeln (Mamas Werk).

Nach dem Mittagessen haben wir uns alle ausgeruht, an einem schönen Sonnentag habe ich mich einfach aufs große Trampolin gelegt und in den Himmel geschaut. Dabei durfte ich einen Greifvogel beim Ziehen seiner Runden beobachten. Nachmittags gab es fast jeden Tag Besuch. Oma hat zweimal Waffeln gebacken. Als dienstags die Zwillingsschwester meiner Mutter mit ihrem Mann und den beiden Teenager-Enkeln wieder weg war, sagte ich zu Mama und Oma: 'Was war das für ein erfüllter Tag!' Ich fühlte mich so glücklich, da war so viel Leben und Abwechslung. Richtig schön!

Am späten Nachmittag wurden die Tomaten getränkt, zwischendurch nochmal geschaukelt, die Hühner ins Bett gebracht und die Eier eingesammelt. Dann noch ein Abendbrot, wieder quatschen, fernseh schauen, stricken oder zu dritt Halma spielen. Unsere Spezialität. Mein Vater hat vor vielen Jahren wunderschöne Spielbretter aus Holz gemacht, wo Löcher im Boden sind, so dass die Püppchen mit einem Holzpinn am Fuß versehen, sicher stehen. Da verrutscht selbst im dicksten Püppchenstau in der Mitte nichts mehr.

Boah, jetzt habe ich viel geschrieben. Einen winzigen Bruchteil von dem, was ich erlebt habe. Mittags saßen wir zum Beispiel in der Küche und es klang, als schnaubt ein Pferd auf der Terrasse! Als wir gucken gingen, hatte der Nachbar seine Pferde auf die Weide neben den Garten gebracht und ihr Schnauben war so laut, dass es sich anhörte, als stehe es vor der Türe. :o)

Als ich Minu spät abends nochmal rausbrachte, war es bis auf die Beleuchtung am Haus stockdunkel. 'UhhhUhhh uuuuhuuuu' schallte es zu mir rüber. Wie in einem Film! Ein Käuzchen machte sich bemerkbar.

Über mir der Sternenhimmel. In Köln sehe ich durch das Streulicht kaum welche. Und hier: So viele Sterne! Ich erkannte gleich den kleinen Wagen und erinnerte mich an die Sternenhimmel, die ich als Kind immer gesehen hatte.

Was für ein Glück, das alles erleben zu dürfen. Morgen erzähle ich Ihnen die Geschichte von Berta Füßchen und mir.

Alles Liebe

Anja Kolberg

PS: Bild 1 und 4 sind neue E-Cards.

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