Anisklümpchen

Das war mein letztes Anisklümpchen. Auf dem Weihnachtsmarkt am Rudolfplatz hab ich die knirschende Klarsichttüte mit den sattgelben Glücklichmachern erstanden. Lecker.

Mit ihnen bringe ich meinen Opa in Verbindung. Die bekam ich bei ihm, wenn ich zu Besuch war. Er hatte auch andere, saure, soweit ich mich erinnere in einer Dose. Das war ein schönes Ritual: Zu Besuch gibts ein Klümpchen (= platt für Bonbon).

Ich habe sie zelebriert. Und bei jedem an den Mann gedacht, der mir so kostbar war. Mein Opa. Ich habe hier im Blog schon zu ihm geteilt. Am Dienstag wäre er 110 Jahre geworden. Schnief. Bin immer noch traurig, dass er nicht mehr da ist. Tränen rollen. Klar, ich weiß, ich kann in Gedanken Kontakt zu ihm aufnehmen und mir auch vorstellen, er steht hinter mir und legt die Hand auf meine Schulter, wie er das bei meiner Firmung als Firmpate gemacht hat.

Aber das alles ist nichts im Vergleich zu dem 'echten' Menschen. Der in seinem Sessel sitzt, mit Vorliebe Sportsendungen schaut und ich darf neben ihm auf dem Boden Zeitschriften durchblättern. Herrlich war das. Eine Harmonie ohne groß zu quatschen. Einfach sein dürfen. Sein verschmitztes Lächeln. Schnief. Menno!

Ich überlege gerade wie lange er schon tot ist. In dem Jahr habe ich meine Abschlussprüfung zur Bürokauffrau gehabt. Das war 1989. Im April sind es 26 Jahre. Mehr als ein Vierteljahrhundert. Eine kleine Ewigkeit. Und manche Erinnerungen sind mir so nah und so vertraut.

Opa, ich hab dich immer noch ganz doll lieb und bin so froh, dass Oma noch hier auf der Erde leben darf! Danke, dass du da warst. Für mich warst du immer ein beständiger Pol der Ruhe.

Schnief.

Auf das Leben und die Menschen, die unser Leben ein wenig schöner machten, auf die Erinnerungen an sie und auf all die wunderbaren Menschen, die unser Leben heute noch bereichern. Manchmal sind Himmel und Erde auf einem Platz. In unserem Herzen.

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Samstag, 17 Januar, 2015
Thema: Blog - 2015, 1. Halbjahr, Blog - Kleines Glück im Alltag
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