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Montag, 10 April, 2006
**Sie nahmen mir die Freiheit
Geständnisse einer Illegalen
Anja Kolberg:
Maria, alleinerziehende Mutter, führt in Südamerika erfolgreich ein
Elektrogeschäft. Über Nacht wird sie ausgeraubt und steht vor dem Ruin.
Sie wehrt sich im Zuge der Ermittlungen gegen den übergriffigen und
korrupten Polizeichef. Mit fatalen Folgen: Nicht die Räuber werden
verfolgt, sondern sie selbst. Sie landet unschuldig im Gefängnis, ihre
Familie wird bedroht. Sie sieht keine andere Möglichkeit, als zu
fliehen, um sich und ihre Familie zu schützen. In Deutschland lebt eine
Freundin, bei der sie unterschlüpfen kann. Ihre beiden Kinder muss sie
bei deren cholerischem Vater zurück lassen. Maria findet illegal Arbeit
in Deutschland. Sie spart Geld, um sich eine eigene Wohnung leisten und
ihre Kinder zu sich holen zu können. Alles dauert viel länger, als sie
gedacht hat. Sie erlebt Rückschläge, Ausbeutung, aber auch Hilfe und
Unterstützung. Maria zeigt enormen Lebenswillen, körperliche Kraft und
Durchhaltevermögen, um mit ihren Kindern in Freiheit leben zu können.
Als sie die Kinder in Europa endlich in die Arme schließen kann, warten
weitere Herausforderungen auf sie: Die Kinder haben über die Jahre das
Vertrauen zu ihrer Mutter verloren. Maria arbeitet tagsüber und oft am
Wochenende und kann nicht für die Kinder da sein, die sich in der
Wohnung langweilen. Die Tochter sehnt sich nach einer Schule, auf die
sie wegen der fehlenden Papiere nicht gehen kann. Ständig leben sie in
Angst, entdeckt und ausgewiesen zu werden. Der mutigen Südamerikanerin
wird klar, dass sie nur in Sicherheit in Deutschland leben können, wenn
sie einen Deutschen heiratet. Ihr Vertrauen zu Männern ist seit ihrer
Ehe in Südamerika erschüttert. Wird sie einen deutschen Mann finden, den
sie liebt, der es wirklich ehrlich mit ihr meint und sie auch heiraten
will? Wird ihr Ehemann jemals in eine Scheidung einwilligen? Bewegend -
echt und in einem Rutsch zu lesen!
Dienstag, 07 März, 2006
**Maybrit Illner (Hg.): Frauen an der Macht
Der Verlag: Maybritt Illner: Gehen Frauen anders mit Macht um als
Männer? Anscheinend ja. Sie sind tendenziell skrupulös, neigen zu
Selbstzweifeln. Was ihnen zwei Optionen eröffnet: sich in eine Rüstung
ostentativen Selbstbewusstseins zu werfen oder ihre Gefühle zu zeigen. Im
ersten Fall laufen sie Gefahr, als maskulin oder unweiblich abgestempelt
zu werden. Im zweiten Fall dürfen sie sich auf das Label "Heulsuse"
freuen. Das klingt nicht gerade ermutigend? Aber der Balanceakt lohnt
sich. Das belegen die hier gesammelten Berichte erfolgreicher, mächtiger
Frauen. Die Autorinnen sind weder blind für die Fehler ihrer Schwestern
noch für die Vorzüge ihrer Männer. Sehr ehrlich beschreiben sie ihre
Freude am Erfolg, aber auch, wann sie das letzte Mal vor Wut Tränen in den
Augen hatten. Sie wissen, dass die Luft ganz oben dünn ist: Wer sich in
Konkurrenz begibt, muss sie auch aushalten können.
Anja Kolberg: Interessante Einblicke in die Welt ihrer Macht geben 21 Frauen, darunter Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Claudia Roth. Mir als Unternehmerin fällt gleich auf, wie viele dieser Frauen aus der Politik und öffentlicher Verwaltung kommen. Gibt es nicht genügend Frauen in Führungspositionen der freien Wirtschaft? Davon hätte ich gerne noch mehr gelesen!
*Wolkenkind
Der Verlag: Ihr Name bedeutet "Glücksmelodie", und zu einer anderen Zeit hätte Soname eine glückliche Kindheit unter Tibets weitem Himmel verbringen können. Aber die chinesischen Machthaber überzogen sie und ihre Familie mit grausamen Nachstellungen. Zehn Jahr lang wurde das kleine Mädchen wie eine Gefangene gehalten. Sie lebte in einem Alptraum, aus dem es kein Erwachen gab. Jetzt erzählt Soname ihre Geschichte - die Geschichte einer jungen Frau, die sich auf einen langen Weg begibt, um der Melodie ihres Lebens zu folgen und die Freiheit und sich selbst zu finden.
Anja Kolberg: Der Einblick in die Landesgeschichte Tibets und auch in das Leben dieser freiheitsliebenden, starken Frau hat mich beeindruckt. An einigen Stellen fühlt sich das Geschriebene überzogen an, doch dann wieder sehr tief, echt, mitreißend und bewegend. Soname berichtet u.a., dass Frauen in Tibet gleichberechtigt neben den Männern aufwachsen. Eine wirkliche Besonderheit bei all der Unterdrückung in anderen Ländern. Webseite zum Buch
***Rapa Nui - Eine Liebe auf der Osterinsel
T I P P !Die Kölnerin Stephanie Pauly begibt sich Anfang 40 auf eine einjährige Auszeit, die sie um die Welt führen soll. Nicht aufhalten lassen will sich die Lehrerin, viel reisen und sehen. Auf ihrer ersten Station, der Osterinsel, lernt sie den Einheimischen Karlo kennen. Der studierte Künstler lebt einsam, ohne Wasser und Strom in einer selbst gebastelten Behausung an der Anakena-Bucht. Karlo hat für sich eine Frau bei seinen Göttern bestellt und Stephanie ist es für ihn. Der Hühne wünscht sich, dass sie bei ihm bleibt und seine Frau wird. Hin und her gerissen lässt Stephanie sich ein auf ein neues, karges Leben und schiebt ihre Weiterreise auf, um dann eines Tages den Entschluss zu fassen, ganz bei ihm zu bleiben und die Zelte in Köln nebst ihrer Krankenversicherung abzubrechen. In diesem Buch berichtet sie von ihrem (steinigen) Weg, der sie reicher leben lässt, als sie jemals in ihrem bisherigen Leben gelebt hat. Sie berichtet offen von ihren Ängsten und Gefühlen und nimmt die Leserin mit auf ihre Reise.
Immer wieder nimmt sie Bezug auf das Gedicht von Hermann Hesse:
Ich wünsche mir nicht
In mein früheres Leben zurückzuspringen.
Aber ich wünsche mir Einmal, wenn die Stunde kommt
Und es notwendig sein wird,
Mich auch losmachen und springen zu können,
Bloß nicht zurück ins
Geringere Sondern vorwärts und ins Höhere.
Anja Kolberg: Ein wundervolles Werk, das Mut macht, seiner Bestimmung zu folgen, auch wenn der Weg noch so steinig ist. Stephanie Pauly regt ganz nebenbei dazu an, über das eigene Leben und den Überfluss, in dem wir leben, nachzudenken. Die Autorin zeigt, wie reich ein Leben sein kann, das ganz einfach ist. "Ich bin ein- nicht ausgestiegen", so empfindet die Kölnerin ihre neues Leben auf der Osterinsel. Eine auch spirituelle, wahre Geschichte mit Tiefgang!
***Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen
Die Leserin begleitet Shirin-Gol, ein Bauernmädchen aus Afghanistan, durch ihr Leben und ihren Alltag, die geprägt sind von der Sinnlosigkeit und brutalen Grausamkeit des Krieges. Als Mädchen, junge Frau und später als Mutter ist sie mit ihrer Familie beständig auf der Flucht und wünscht sich so sehr, endlich anzukommen und ihr Leben zu leben. So will Shirin-Gol zum Beispiel Ärztin werden, doch Frauen in Afghanistan ist es verboten zu lernen...
Anja Kolberg: Ich hätte das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt, so fesselnd ist die Geschichte. Die iranische Filmemacherin Siba Shakib gibt mit ihrem Werk einen Einblick in die Stellung der Frau in der afghanischen Gesellschaft und schafft bei der Leserin ein Bewusstsein dafür, wie gut es uns Frauen in der westlichen Welt geht und wie "reich wir sind": Zu lernen, zu arbeiten, Geld zu verdienen, die eigene Meinung zu äußern, laut zu lachen, zu tanzen, zu singen, einen Mann zu wählen, der uns gefällt - alles Dinge, die für die Frauen in Afghanistan Widerstand bedeuten und wenn überhaupt nur im Verborgenen geschehen. Das Buch ist leicht zu lesen und die wunderbaren Wortspiele der Autorin verbinden uns mit dem Gefühlsleben und den Gedanken der Shirin-Gol. Ich bin erschüttert über das Leid, welches die Menschen dort ertragen und dankbar, dass Siba Shakib auch die positiven Momente in diesem schweren Leben aufzeigt: Die Liebe zu ihren Kindern, die gelebte Freundschaft und dass - auch wenn man gar nichts mehr hat - immer ein "Engel" da ist, der hilft. Dies und die immer wiederkehrende Frage nach dem "Warum" des Krieges, den Blick auf die andere Seite (Wie geht es den Müttern von russischen Soldaten, wenn sie ihre Söhne verlieren?) macht die Geschichte trotz aller beschriebenen Grausamkeiten leichter. Ich wünsche den Menschen in Afghanistan von ganzem Herzen: Frieden, Freiheit, Bildung, Arbeit und dass sie zu ihrer eigenen Kraft und der ursprünglichen Schönheit ihres Landes zurück finden!
***Das Sterntaler-Experiment
Mein Leben ohne GeldDer Verlag: Heidemarie Schwermer löste sich seit 1996 aus ihren bestehenden Strukturen, um das Wertesystem zu überdenken und alternative Formen des Miteinanders zu finden: In Dortmund gründete sie die Gib-und-Nimm-Zentrale, einen der ersten Tauschringe in Deutschland. Zwei Jahre später verschenkte sie ihre Möbel, kündigte ihre Wohnung und Krankenversicherung und gab ihre Praxis als Psychotherapeutin auf. Die Lehrerin lebt seit 1996 ohne Geld. Sie lebt vom Tausch ihrer Arbeit gegen das, was sie braucht. Es funktioniert und sie ist zufriedener und glücklicher als zuvor. Vielleicht haben Sie schon von ihr über Funk und Fernsehen gehört. In Ihrem Buch schreibt sie über ihr Leben, ihren Weg in einen neuen Umgang mit dem Geld, ihre Ideale und Visionen. Heidemarie Schwermer beschönigt nichts, denn sie schreibt über die Höhen und Tiefen ihres Weges. Sie will Mut machen, dass fröhliches und glückliches Leben fernab von Kommerz und Konsumrausch möglich ist und auf die Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen.
Anja Kolberg: Mich hat dieses Buch gefesselt. Sehr empfehlenswert. Eine meiner Kundinnen hat sich dem Beispiel angenommen, ihre Wohnung in München aufgelöst und lebt seit dem in Südafrika.
**Mögen deine Hände niemals schmerzen
Iran. Eine verbotene LiebeIranische Freunde wecken das Interesse auf den Iran und seine Kultur bei einer jungen Deutschen. Bepackt mit den Adressen der Familien ihrer Freunde, Tipps und dem geforderten "Outfit" der Frauen dort bereist sie alleine das Land.
Anja Kolberg: Eine spannende Reisegeschichte. Immer wieder schaut man vorne auf der Landkarte nach, wo sie gerade ist. Sie erhält Einblick in das Familienleben, die stille Freiheit und das Leben der Frauen in diesem Land, die Kulturschätze aber auch den Druck und die freiheitsraubenden Regeln der Sittenwächter.


