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Montag, 16 August, 2010

Och Mensch!

Heute ist wieder einer dieser Tage! Mist!

Mit Bauchweh und schlechter Stimmung bin ich aufgewacht. Was ich auch immer diese Nacht geträumt habe, gute Laune hat es nicht verbreitet. Ich find's total doof, einfach so mit mieser Laune aufzustehen. Heute kommt mir alles so dunkel draußen vor. Blööööööööööööd!

 

So richtig bekomme ich keinen Grund zu packen. Das Wochenende war einfach schön. Gestern habe ich bei dem Regen im Bett gelegen, Fenster auf Kipp. Dieses Prasseln. Gemütlich! Drei Stunden habe ich am Nachmittag geschlafen. Das hatte so gut getan. Auch der Samstag war gelungen: Schönes Wetter. Terrasse. Lesen. Ausatmen. Abends habe ich an einer Aufstellung bei Birgit Lenzen-Liedtke teilgenommen. War auch gut und erkenntnisreich.

Mensch, ist das dooooooooooooof!

Ich weiß nicht, ob mir das nasskalte Wetter zugesetzt hat. Die Wärmflasche, die ich mir abwechselnd vorne auf den Bauch und dann wieder auf den Rücken lege, hilft mir. Auch langes Liebhalten von meinem Mann hilft. Oder Minu streicheln und mir die Hände von ihr abschlecken lassen. Ablenkung hilft. Seufz. Mann, ist das ein Sch***!

 

Vielleicht hilft ein Dialog mit meinem Inneren.

Hallo Inneres, was ist los? Ich bin traurig. Sehr traurig.

Du bist traurig? Ja, sehr traurig.

Warum bist du sehr traurig? Weil du nicht auf mich achtest und nicht auf mich hörst.

Ich höre nicht auf dich und achte nicht auf dich? Nein!

Wann habe ich nicht auf dich gehört? Eben.

Was war das für eine Situation? Du hast gesagt, dass du gleich wieder ins Bett gehen willst. Das bist du aber nicht. Weil du tausend Dinge wichtiger findest als mein Wohlbefinden.

Das stimmt nicht. Doch - wohl stimmt das! Du denkst nur an deine Pflichterfüllung. Dass du doch nicht an einem normalen Werktag wieder ins Bett gehen kannst NUR weil es dir mal nicht gut geht. Wo kommen wir denn da hin, wenn du dich gehen lässt?

Ja, ich glaube, du hast Recht. Ich will mich nicht gehen lassen. Habe Angst davor, zu versumpfen. Aber warum denn? Du hast jetzt Bauchschmerzen und ganz schlechte Laune. Du kümmerst dich aber nicht um dich, sondern versuchst es durch die Arbeit wegzudrücken. Haaaaalllo! Du arbeitest zu Hause. Du sitzt nicht in irgeneiner wildfremden Firma am Schreibtisch und kannst schlecht weg. Ja, ich weiß. Du gehst härter mit dir um als es jeder Chef tun würde. Selbstständig sein kann schlimmere Kasteiung sein, als jedes Angestelltenverhältnis. Du bist einfach zu hart zu dir, Anja. Du wirst nicht versumpfen, wenn du dir jetzt erst mal "frei" nimmst, den PC ausmachst und dich ins Bett legst, vielleicht warm duschst, vielleicht eine neue Wärmflasche machst, was auch immer. Ich find's auf jeden Fall ganz schön grausam (!), wie du mit dir selbst umgehst. Es ist wie im Mittelalter.

Puh! Was für eine Packung! Mein Inneres hat Recht. Ich bin nicht liebevoll zu mir, versuche das Unwohlsein wegzudrücken, mir zu sagen "Ist doch nicht so schlimm, stell dich nicht so an." Es ist aber offensichtlich nicht wegzudrücken, sonst würde ich den Beitrag hier nicht schreiben.

Also: Eine Entscheidung für mein Wohlbefinden: Ich nehme mir jetzt frei. Mache den PC aus. Vertage alles offene auf morgen oder übermorgen. Ich sorge jetzt gut für mich und lege mich hin. Ich habe keine Garantie, dass es mir hilft, aber es ist ein Weg, ein Anfang, ein erster Schritt auf mich zu statt von mir weg.

Anja Kolberg

PS: So ging es mir am nächsten Tag.

Montag, 19 Juli, 2010

An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen

Es gibt so Tage im Leben, Mann o Mann, da ist wirklich nur unter größter Konzentration etwas Gutes dran zu finden. Heute habe ich das Gefühl, ich sitze in einem dicken, miesen, schweren Sumpf. Er hält mich fest, lässt mich nicht los. Richtig besch...en ist das!

 

Wie sich das anfühlt? Schwer. Hoffnungslos. Lähmend. Desillusionierend. Nie endend. Es macht wütend, traurig und hilflos zugleich. Bäh!

Wie ich da reingekommen bin? Keine Ahnung. Ich bin nicht in das Sumpfloch gelaufen. Auf einmal war ich da. Es war, als hätte ich auf einmal meine inneren Augen geöffnet und schwups ist der Sumpf da. Blöde!

Warum ist das so? Warum fühle ich mich so? Und warum jauchze ich nicht: "Super! Eine riesengroße Schlamm-Wellnessgrube. Hier kann ich mich treiben lassen und wohlfühlen, mich mit Schlamm einsuhlen, andere damit bewerfen. Herrlich!"

Ups. Vielleicht ist das ja schon die Lösung? Den Sumpf mit anderen Augen betrachten? Klar, ich bin diejenige, die die Situation bewertet und entscheidet, ob ich sie super oder doof finde. Vielleicht ist sie auch beides - superdoof? Nein, super und doof. Also gut und schlecht.

Schlecht, weil ich mich so mies fühle. Gut, weil ich die Situation anders betrachten und was gutes daraus machen kann.

Tja, und nun?

Erst einmal möchte ich akzeptieren, was ist und erkennen, dass es mir seelisch heute Nachmittag beschissen geht. So jetzt habe ich das Wort doch geschrieben. Musste raus. Ich kann mein Befinden nirgendwo richtig dran festmachen, ich weiß nicht genau, was es ist. Es ist eher ein Wollknäuel aus x verschiedenen Fäden. Fäden, die ich (noch) nicht erkenne. Fäden, die ich nicht sehen und nicht wissen will. Fäden, die ich einfach nicht anpacke. Fäden, die mir zuviel sind. Fäden, die mir tierisch auf den Keks gehen, die ich aber nicht ändern kann. Fäden...

Was es auch ist, es ist da. Nicht wegzudiskutieren oder wegzublinzeln oder wegzuzaubern. Aus meinem Inneren kommt ein "Doch!"

Anja: Du kannst es wegzaubern, innere Stimme?
Innere Stimme: Ja klar.
Anja: Dann mach mal.
Innere Stimme: Nö.
Anja: Wieso nö?
Innere Stimme: Weil ich nicht will.
Anja: Na toller Trick! Warum willst du nicht?
Innere Stimme: Weil du erst was daraus lernen sollst.
Anja: War ja klar. Was soll ich daraus lernen?
Innere Stimme: Rate mal.
Anja: Dass das Leben so ist. Dass es mal einen Sumpf für uns parat hat und mal ein heiteres Plätzchen mit Cocktail im Schatten?
Innere Stimme: So ähnlich.
Anja: Dass es darauf ankommt, wie ich mit solchen Situationen umgehe, was ich daraus mache? Dass ich einen Weg finde, dass es mir trotz dem Sumpf gut geht?
Innere Stimme: Ja genau!

Okay, das Ergebnis sieht so aus:

Ich habe mich zu einer Schlammschlacht entschlossen. Mit dem Sumpf spielen, das ist für mich das Beste, aus der Situation zu machen. Ich kann sie nicht ändern, nur meine Einstellung. Heute ist eben ein sumpfiger, schlammiger Nachmittag, mit schlechter Stimmung. So ist es, das Leben.

Attackeeeeeee!

Anja Kolberg

Donnerstag, 08 Juli, 2010

Rückschläge überwinden

Siege feiern ist nicht schwer, Niederlagen wegstecken, dagegen sehr. Es ist wie im wahren Leben: Es gibt nicht immer Erfolge zu feiern, viel öfter gibt es Rückschläge zu verkraften. Heute früh frage ich mich allen Ernstes: Gibt es ein Leben nach dem verlorenen Halbfinale der WM in Südafrika?

Gestern Abend war ich so traurig und es hält immer noch ein wenig an. So gerne hätte ich unsere Nationalmannschaft im Finale am Sonntag gesehen, ihnen den Pokal gegönnt und uns die Freude daran. Hach. Seufz. Es ist nicht leicht, mit dem Aus umzugehen. Auch wenn Parolen wie "Kopf hoch, wird schon wieder", trösten wollen, gibt es doch Momente, wo man einfach untröstlich ist. Die ARD zeigte gestern nach dem Spiel ein weinendes Kind, blonde lange Haare luckten unter der Deutschland-Mütze hervor. Die Eltern schaften nicht, es zu trösten. Es weinte weiter und zeigte die Gefühle offen, die andere unterdrückten.

Gestern Abend vor dem Spiel sagte mein Mann, als er vom Spaziergang mit unserem Hund zurück kam: "So viele sind mit Trikots und Fahnen unterwegs, gehen zu ihren Nachbarn. So viele sieht man im Garten zusammen sitzen und grillen. Was der Fußball alles schafft!" Die WM 2006 schaffte es, dass wir Deutschen wieder Flagge zeigen ohne ein mulmiges Gefühl zu haben, wieder die Nationalhymne mitsingen, ohne Scham. Dieser Sport verbindet uns, lässt uns zusammen feiern, fiebern und auch trauern. Gemeinsamkeit verbindet. Den Spot des Deutschen Fußballbundes über die feiernden Eltern der Mannschaft aus unterschiedlichsten Nationalitäten (Link zum Integrationsspot) find ich super. Der Sport schafft es, aus unterschiedlichen Nationalitäten ein Team zu machen. Hautfarbe, Religion, Haarfarbe, Herkunft - das spielt keine Rolle, nur die gemeinsame Begeisterung, das gemeinsame Ziel.

Es ist uns nach der WM 2006 schon gelungen, wieder aufzustehen und auch nach der EM 2008. Das Ergebnis des Rückschlags ist eine kraftvolle junge Mannschaft. Auch wenn ein nach vorne gucken schwer ist, so macht es doch Mut, auf das nächste Turnier - die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine - zu blicken und sich mit Hilfe der Vorfreude Stück für Stück aus dem Sumpf zu ziehen und auch mit einem Blick zurück auf all die wunderschönen Momente, die uns das Fußballteam geschenkt hat.

Traurigkeit darf sein. Irgendwann schwenkt sie um und wird zu Kraft, Erfahrung, innerer Stärke, neuem Mut und Hoffnung.

Danke an die Nationalmannschaft für diese unterhaltsamen Stunden!

Anja Kolberg

PS: Nachtrag zur Pressekonferenz des DFB, die ich mir gerade online angeschaut habe: Ich kann verstehen, dass der Mannschaft nicht nach Feiern in Berlin zumute ist, sie lieber das nächste Mal mit den Fans Party machen wollen, wenn sie einen Pokal in der Hand haben und ich verstehe nur zu gut, dass sie jetzt endlich in den wohlverdienten Urlaub möchten.

PPS: Warum hat keiner der Reporter gefragt, wie der Kapitän, die Mannschaft mit Rückschlägen umgeht? Wie motivieren sie sich dann wieder? Wie verarbeiten sie das? Was hilft ihnen? Was nicht? Das wären Fragen bzw. Antworten gewesen, die mich brennend interessiert hätten. Ich muss da wohl mal selbst hingehen... :o)

Mittwoch, 23 Juni, 2010

Ja, auch das gehört dazu

Ich habe in letzter Zeit oft eine traurige Stimmung. Ich habe das Gefühl, dass es raumgroß und erdrückend ist. Ich wünschte, es wäre anders. Ich wünschte, ich würde wie eine Biene über eine Blumenwiese hüpfen und nur fröhlich sein und Liedchen trällern.

Doch das bin ich im Moment nicht. Ich bin traurig. Ich darf so sein. Meine Gefühle dürfen auch traurig sein. Ich muss nicht immer fröhlich sein und guter Dinge. Auch die traurige Stimmung gehört zu mir dazu. Ich erlaube mir so zu sein - unperfekt, einfach ich.

Jetzt bin ich gerade traurig. Das ist okay. Ich bin okay.

Anja Kolberg

Dienstag, 25 Mai, 2010

Es fehlt was...

Im vorigen Blogeintrag schrieb ich über das 'auf dem Weg stehen bleiben' und wie schwer es mir fällt. Als ich den Beitrag online las, fiel mir auf, das mir etwas fehlte: Nämlich so richtig traurig zu sein, dass es so ist wie es ist. Dem Ausdruck zu geben.

Das hole ich jetzt mal nach:

 

Da ist erst mal ganz viel Traurigkeit. Tränen.

 

Hoffnungsvoll die Frage danach, ob es überhaupt mal weiter geht.

Gefolgt von der Angst, was wenn nicht?

Schwups, kommt der Trotz in mir durch: Na und - dann bleibe ich eben stehen!

Sekundenbruchteile und die Wut ist da: Warum passiert mir sowas????? Warum habe ich es so schwer????

Daraus entwickelt sich Kraft...

... und ein Gefühl von Freiheit und das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Jetzt ist es besser. Jetzt fühle ich Frieden in mir.

Anja Kolberg

Mittwoch, 05 Mai, 2010

Ich habe Verständnis für mich selbst

Ich kann nicht erwarten, dass andere Menschen mein Verhalten, meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Haltung verstehen. Auch wenn das ein großer Wunsch von mir ist. Eine Hoffnung.

Und sich nicht verstanden zu fühlen, kann unglaublich weh tun. Verstanden werden ist für mich so ein Gefühl wie angenommen zu sein, gesehen zu werden. Jemanden begegnen, der mich verstehen will, der wirklich Interesse an mir hat, ist ein Himmelsgeschenk.

Doch was, wenn das nicht der Fall ist? Wenn ich mich unverstanden fühle oder nicht auf Menschen treffe, die mich verstehen möchten?

Dann kann ich das tun: Verständnis für mich selbst haben. Meine Argumente zu verstehen. Meine Gefühle nachvollziehen können. Meine Geschichte zu sehen. Denn dafür bin ich da: Um für mein Wohlbefinden zu sorgen. Und wenn kein Mensch auf der Welt mich versteht, ich kann es tun: Mich verstehen.

Und das fühlt sich wunderbar an: Von einem Menschen auf der Welt wirklich ganz und gar verstanden zu werden. Es lindert auch das Bedürfnis, von anderen verstanden werden zu wollen.

Mich selbst verstehen, für mich da sein - tut einfach gut.

Anja Kolberg

Freitag, 15 Januar, 2010

Endlich besser

Manchmal ist das Leben wirklich zum Abgewöhnen. Mir geht es heute endlich besser. Traurig war ich die letzten Tage und dann noch Schmerzen wie schon ewig nicht mehr bei meiner Periode. Gerade die Tage davor könnte ich weinen, wenn ich nur jemanden anschaue. Tieftraurig meine Stimmung. Nichts, aber auch gar nichts Gutes kann ich dann finden. Tröstlich ist einzig, dass aller Mist auch irgendwann vorbei geht. Ich habe mir möglichst versucht, Gutes zu tun. Zum Beispiel einen Nachmittag frei gemacht und mit Wärmflasche auf die Couch und einen richtig schönen Film angeschaut. "Mansfield Park" - eine Verfilmung von Jane Austens Roman. Ich liebe ihre Geschichten. Die Schauspieler haben mir sehr zugesagt und noch heute erfreue ich mich an den Szenen: "Es hätte auch anders kommen können. Ist es aber nicht."

Heute ist es endlich besser. Seit gestern Mittag keine Bauchschmerzen mehr. Heute Vormittag endlich auch wieder fröhlich gestimmt. Das tut so unendlich gut!

Heute mag ich es wieder. Das Leben.

Anja Kolberg

PS: Das Bild oben gibt es als E-Card und als Poster ab DIN A4 (auf Seite 4)

Freitag, 08 Januar, 2010

Cool bleiben und abwarten

Mein Inneres ist der Meinung, dass ich das besonders gut könne und jetzt gerade an der Reihe ist: Cool bleiben und abwarten!

Da lache ich aber mal ganz laut! Ich und gut abwarten können? Ich und cool bleiben? Himmel, das sind garantiert zwei Dinge, die auf meiner Liste der Dinge stehen, die ich garantiert nicht gut kann...

Das nervt mich gerade sehr. Ich möchte sofort wissen, wie es weiter geht, aber ich komme einfach nicht dran. Aaaaaaaaaaaaah! Widder sind ungeduldig, das gehört scheinbar in meine Natur und dann so eine Aufgabe. Ist das doof! Doof. Doof. Doof. Doppelt doof.

Mensch!

Ich komme mir gerade vor wie eine Raupe, die der Meinung ist, schon ein wenig zu lange im Kokon zu warten und endlich endlich Schmetterling sein will. Aaaaaaaaaah! Ich will da jetzt raus...

Anja Kolberg

Montag, 16 November, 2009

Gibt es etwas Gutes an diesem Wetter?

Das frage ich mich gerade. Es ist düster draußen. Windig. Der Himmel dunkelgrau schattiert. Etwas freundliches kann ich auf den ersten Blick nicht entdecken. Ich sehne mir Sonne herbei und Wärme.

Wofür ist das trübe Novemberwetter gut? Wofür?

Es kommt auf keinen Fall wie im Sommer Energie von außen auf mich zu. Keine lauen Sommertage, die mich nach draußen bringen, in den Garten, in die Sonne und mein Herz erwärmen und mein Gemüt erhellen.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe das Gefühl, dass mir das trübe Wetter Energie nimmt. Klar, ausgerechnet auch noch Montag morgen.

Nochmal die Frage: Was kann das miese Wetter für einen Sinn haben?

Ich schaue mich um: Ich sehne mich nach Licht und Wärme. Das einzige Licht, was mich erhellt, ist das, das durch das Fenster auf meinen Schreibtisch fällt. Es ist offensichtlich zu wenig, sonst würde es mir besser gehen. Also, erste Maßnahme: Schreibtischlicht an. Dann die schönen Wandlichter über meiner Packstation. Zu guter Letzt die Kerze in meinem grünen Gesteck. Ah, schon besser.

Kalt ist mir. Trotz kuschliger lila Fleecejacke. Ist die Heizung an, Anja? Nein. Also: Heizkörper aufdrehen, auch neben an in dem Raum. Es ist heute besonders wichtig für mich, dass es kuschlig ist. Moment, ich stehe eben auf und mache das. Das dauert jetzt etwas, aber dann wirds mir kuschlig warm.

Duft. Mir fehlt ein guter Duft. Ich reibe eines der Salbeiblättchen aus dem Gesteck zwischen meinen Fingern. Nein, die riechen nicht mehr. Ich stehe jetzt auf und wasche die Schale aus und lege frische Kräuter darauf. Moment...

Das sieht hübsch aus. Weniger als beim letzten Mal, dafür haben die Stiefmütterchen eine besonders intensive Farbe. Sieht toll aus. Obwohl sie frisch gepflückt sind, riechen Salbei aus dem Garten und Lavendel nicht mehr gut, ihnen fehlt wohl ebenso die Wärme der Sonne. Pfefferminze und Zitronenmelisse duften intensiv, als ich die Blätter zwischen meinen Fingern reibe. Hm. Ein Augenschmaus und eine Dufterinnerung, wenn ich mir meine Schale anschaue.

Es fehlt aber wirklich noch Duft. Der dauerhaft ist. Ich erinnere mich an das Räucherzeug, das mir mein Vater geschenkt hat. Oh, da sind schöne Düfte bei. Ich wähle den Reiki-Duft. Ah, er entfaltet langsam seine Kraft.

Hier im Raum ist es jetzt schon merklich wärmer. Was fehlt noch, damit es mir gut geht? Heißer Kakao! Obwohl ich schon heißen Tee getrunken habe, ein heißer Kakao, im Idealfall noch mit einer Sahnehaube - das wär's jetzt. Ich mach mir das mal eben. Bin gleich wieder da...

Ah, noch besser. Der Kakao ist inzwischen halb ausgetrunken. Hm, war der lecker. Ich habe oben auch noch Schokostreusel und gehackte Mandeln draufgestreut und wie einen Nachtisch gelöffelt. Was für eine Leckerei. Hmmmmm!

Hier im Raum ist es jetzt wohlig warm und hell. Es duftet angenehm. Mein Gaumen wurde verwöhnt. Ich blicke auf ein wunderschönes Gartenarrangement. Fehlt noch was?

Ja! Musik? Ja! Normalerweise höre ich kaum Musik. Aber jetzt täte mir etwas klangvolles ganz gut. Da fällt mir das Lied "Light my fire" von Wil Young ein. Moment, ich suche es mal raus. Hier ein Link, damit Sie auch hören können. Wenn ich das Lied einmal im Ohr habe, bleibt es da meist den ganzen Tag... Dann mag ich noch die meditative Klaviermusik von Claus Rank ("Musik, weil ich fühle", Lieblingstitel: "Morningdew"), dessen Webseite leider derzeit nicht aktiv ist. Dieser Shop bietet seine Musik-CDs an. [Ich habe die CD zufällig über eine Suche dort gefunden. Ich kenne den Shop selbst nicht, d.h. habe dort noch nie bestellt.)

Hm, mit der Musik wird es noch besser. Fehlt jetzt noch was zum Glücklich sein?

Ja! Was? Etwas schönes für meine Seele. Liebevolle Worte, die mich zum Strahlen bringen.

Ok. Mich selbst zum Strahlen bringen. Ich versuch's: "Anja, ich habe mich lieb. Ich bin wertvoll und wichtig für mich. Ich mache mir Freude und Mut."

Geht das in die richtige Richtung? Ja.
Reicht es? "Nein", antwortet mein Herz.
Was wünschst du dir noch? "Das du mir verzeihst, dass ich nicht so schnell bin und vorwärts komme wie ich sein könnte."
Ich verzeihe mir, dass ich nicht so schnell vorwärts komme, dass ich nicht schon da bin, wo mein Verstand mich sieht. Ich versuche meine eigene Geschwindigkeit anzunehmen.

Besser? "Ja", sagt mein Herz.
Fehlt noch etwas? "Ja."


Was fehlt noch? Mein Herz atmet tief durch: "Ich bin nicht perfekt. Ich schaffe es einfach nicht. Du machst mir aber Druck, alles zu schaffen, in der vorgegebenen Zeit. Das ist einfach zu viel für mich."
Ja, das stimmt. Ich bin ungnädig mit mir selbst. Ich vergleiche mich mit anderen und bin einfach unzufrieden, wenn es nicht so schnell vorwärts geht wie es gehen könnte. Nicht so schnell und leicht wie andere das - so glaube ich - schaffen. Dann fühle ich mich klein und schlecht.

"Oh Anja", sagt mein Herz, "es schmerzt mich, das zu hören. Wärst du anderen gegenüber auch so hart wie dir selbst gegenüber?"
Nein, wäre ich nicht. Ich würde anderen die Zeit lassen, die sie brauchen. Ihnen wünschen, dass sie liebevoll mit sich selbst sind und anerkennen, dass es manchmal eben nicht so schnell geht wie andere Anteile in einem selbst das wünschen.

"Warum gibst du dir selbst nicht diese Liebe?", fragt mein Herz.
Weil es so schwer ist, liebevoll zu mir selbst zu sein. "Ja", seufzt mein Herz, "das fühle ich."

- Wir beide schweigen eine Weile. -

"Weißt du was?", fragt das Herz mich. Was? frage ich. "Ich habe dich genau so lieb wie du bist, Anja", lächelt mein Herz mich an. "Obwohl du weicher zu dir selbst sein könntest. Obwohl es dir manchmal noch schwer fällt, liebevoll mit dir selbst umzugehen und dir zu verzeihen, wenn es nicht so läuft wie du es dir wünschst. Ich sehe, wie sehr du dich entwickelt hast. Das gibt mir ein warmes und glückliches Gefühl. Ich glaube an dich und daran, dass du es Schritt für Schritt schaffen wirst, immer noch liebevoller mit dir selbst umzugehen."

Ich bin zu Tränen gerührt. Das fühlt sich gut an. In mir selbst ist es jetzt licht und hell. Tränen der Rührung fließen hinab und tun mir so gut.

Ich bin erfüllt von einem stimmigen Gefühl.

Das Wetter draußen erinnert mich jetzt an Momente, wenn ich ungnädig mit mir selbst bin, quengle, unzufrieden bin. Und ich entdecke die vielen besonderen Schattierungen des Graus in den Wolken. Es sieht phantastisch aus.

Ja, vielleicht ist dafür das Novemberwetter gut: Um in mir selbst ein Licht zu entzünden. Mir selbst Gutes tun. Mir selbst Energie zu spenden. Mir selbst eine liebevolle, aufmerksame, verständnisvolle und ermutigende Mutter zu sein. Seufz.

Ja, das fühlt sich gut an.

Von Herzen

Anja Kolberg

Mittwoch, 12 August, 2009

Schlechte-Laune-Radar

Manchmal habe ich schlechte Laune, genauer: Ich bin traurig, bedrückt. Erst verstehe ich gar nicht, warum das so ist, weil es mir doch "eigentlich" gut geht. Und dann schalte ich meinen inneren Schlechte-Laune-Radar an und frage mich: 'Seit wann bin ich so traurig? Was war da?' Das geht mal schnell, mal dauert es Stunden und dann weiß ich, was die Ursache für meine Stimmung ist. Meist bessert sich meine Stimmung schon dadurch, dass ich den Grund kenne.

Worüber ich traurig werde? Vor einiger Zeit war ich traurig, weil jemand eine berufliche Überfliegerphase hatte und ich dachte: "Der hat's gut. Warum passiert mir das nicht? Das will ich auch." Nein, (ich schüttel mit dem Kopf), das ist keine Mißgunst. Ich gönne Anderen ihr Glück. Es ist eher so, dass ich dann auf mich schaue und traurig bin, weil ich genau das in meinem Leben nicht finde und schmerzlich vermisse. Ja, es ist Neid. Ich lerne gerade zu all meinen Gefühlen zu stehen. Und auch Neid ist ein Teil meiner Gefühlswelt.

Doch ich werfe nur einen Scheinwerfer auf eine Stelle eines anderen Menschen und meine automatisch, alles andere wäre bei ihm auch so sonnig: "Der hat jetzt keine Probleme mehr, verdient jede Menge Geld und macht, was er möchte..."

Bei dem Anderen ist aber nicht nur Sonne, sondern auch Schatten, denn diese eine - glückliche - Sache ist eben nur ein Ausschnitt, ein Puzzlestein eines anderen Menschen. Wenn ich wirklich mit dem Anderen spreche und dadurch überall Licht mache, merke ich, dass es dem Anderen eben nicht nur gut geht. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, wenn auch andere als ich trage. Jeder hat sein Sonnenlicht und jeder seinen Schatten.

Ein Beispiel aus einem anderen Blickwinkel auf meinem derzeitigen Lebensabschnitt: Auch wenn ich viel Papier losgelassen habe, ist bei mir jetzt nicht "alles" in Ordnung und ich bin nicht überglücklich. Das eine Problem ist gelöst, aber andere sind noch da. Oder die Coaching- und Trainingsauszeit tut mir gut und ist wichtig, hat für mich aber keineswegs! den Geschmack einer glücklichen Urlaubszeit, in der alles wunderbar ist. Auszeit fördert vieles zu Tage, was durch die Tretmühle Alltag unterdrückt wurde, weil keine Zeit dafür da war. So kommen seelische Themen auf den Tisch, die jetzt bearbeitet werden können/müssen, weil ich dafür durch die Abwesenheit von der Arbeit mit Klienten überhaupt erst einen Kopf habe. Diese Aufarbeitung ist kein Zuckerschlecken.

So ist ein erster Blick auf die vermeintliche Sonnenseite nur ein Stück vom wahren Ganzen. Erst beim genaueren Hinschauen wird die Schattenseite offenbahrt. Wenn ich die ganze Geschichte kenne, möchte ich nicht wirklich tauschen. Auch der berufliche Überflieger hat seinen Preis zu zahlen, zum Beispiel mit zeitlichem Druck und Streß und verminderter Freizeit. Muss nicht, aber es kann so sein.

Mit diesem Wissen kann ich wieder gelassen auf mein Leben blicken und es gut finden, so wie es ist. Ich will kein anderes haben und die Traurigkeit oder schlechte Laune ist während dessen verflogen.

Herzensgrüße

Anja Kolberg

Dienstag, 16 Juni, 2009

Ich darf das

Was? Traurig sein. Ich darf niedergeschlagen sein. Ich darf das Blöde, Unbequeme, Belastende, Einschränkende, Lähmende, Schwere in meinem Leben sehen. Und damit durch den Alltag gehen. Ich muss nicht immer die "Es-ist-alles-gut"-Lampe anschalten, die die dunklen Seiten vertreibt.

Traurigkeit, Schwere, Lähmung, Schmerz und Leid gehören zum Leben dazu. Sie sind ein Teil von mir und von der Welt. Ich darf traurig sein. Es ist nichts Schlimmes. Die schweren Seiten gehören zum Leben wie die Fröhlichkeit, die Leichtigkeit und das Lachen.

Auch wenn die Menschen lieber solche sehen, die fröhlich sind. Solche, die gesund sind und denen es gut geht. Warum? Wer in das Leid von anderen schaut, spürt selber Leid. Es tut weh, andere leiden zu sehen. Es ist so. Ich kann aber keinem sein Schicksal nehmen, seine Schmerzen ersparen, seinen Weg ebnen. Jeder hat seinen eigenen Weg zu gehen, mit all den leuchtenden und glücklichen Momenten und den dunklen und schweren Abschnitten. Und jeder hat ein Recht darauf, seine Prüfungen selbst zu meistern. Jeder darf das auf seine Weise.

Ich erlaube mir meine Traurigkeit. Sie gehört zu mir. Schön, dass du da bist. :o)

Anja Kolberg

Freitag, 05 Juni, 2009

Mir selbst näher kommen

In letzter Zeit häufen sich die Blogeinträge, wo es mir nicht so dolle geht. Fühlt sich zumindest so an. Toll finde ich das nicht, aber es ist im Moment einfach so. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich offener werde. Heute bin ich traurig, fühle mich wie gelähmt und komme nicht richtig in Bewegung. Ätzend! Ich mag das nicht besonders, aber es lässt sich nicht wegzaubern.

 

Tiefes Durchatmen. Menno! Ich möchte, dass es weg geht. Die Traurigkeit geht aber nicht. Da fällt mir die Geschichte der traurigen Traurigkeit ein. (Wenn Sie "traurige Traurigkeit" in eine Suchmaschine eingeben, werden Sie die Geschichte xfach finden). Die Geschichte erinnert mich an das Gute der Traurigkeit: Sie möchte mich mir selbst näher bringen, mir die ungeweinten Tränen zeigen. Tiefes Seufzen. Ja, das spricht mein Inneres an.

Vor einigen Jahren ergab sich diese Situation in einem meiner Workshops... Stop, vorher brauche ich hier beim Schreiben Musik. Etwas schweres, ehrliches, vielleicht Tracy Chapman oder Xavier Naidoo, die passen ziemlich gut in meine Stimmung. Aaah, schon besser. Normalerweise höre ich gar keine Musik. Aber jetzt, jetzt brauche ich sie.

Zurück zum Workshop. Ich neige dazu, mich selbst stark zu kritisieren und habe den Anspruch alles möglichst zur Zufriedenheit aller zu machen. Da ich sehr feinfühlig bin, bekomme ich nicht nur meine eigenen Gefühle mit, sondern auch die der Menschen, die mich umgeben, so auch die der Teilnehmer. Thema des Workshops war die berufliche Veränderung und da meldet sich der Kritiker ziemlich stark. Und ich spürte, wie der Kritiker an diesem Tag an uns allen nagte. Er lag förmlich in der Luft.

Ich hatte immer Angst, dass der Kritiker in mir noch riesiger wird, wenn ich ihm zuhöre, also: Je mehr Aufmerksamkeit er bekommt, je größer wird er. Ergo: Nicht beachten, nicht hinhören, missachten. Doch er war dennoch da und riesig groß, ohne ihm Aufmerksamkeit zu geben. Diese Theorie und Angst konnte also nicht stimmen.

Während der Übungen hatte ich Zeit zum Nachdenken und ich überlegte, was wäre, wenn ein Teilnehmer zum Workshopbeginn in den Raum kommen würde und ich als Leiterin würde ihn weder begrüßen, noch einen Platz anbieten, noch mit einbeziehen? Ein stiller, leiser Charakter würde vielleicht den Kopf einziehen und verschwinden. Ha, aber nicht der Kritiker. Dafür ist er viel zu groß und stark. Dieser Teilnehmer würde sich immer deutlicher bemerkbar machen, mich rütteln und schütteln und erst Ruhe geben, wenn ich ihn wirklich wahrnehme. Und das tat er gerade mit aller Kraft. Der Kritiker bedrängt mich, redet auf mich ein wie ein Wasserfall... Puh, das kann anstrengend werden.

Dieses Ignorieren würde ich niemals mit einem Teilnehmer machen. Gleich, wer kommt, ich würde ihn freundlich und offen begrüßen, Aufmerksamkeit schenken, mich kümmern, einen Platz anbieten, etwas zu trinken. Wie kann ich also so mit einem Teil von mir selbst umgehen? Morgens auf dem Weg zur Coachingwerkstatt war mir der Aufkleber auf einem vorausfahrenden Wagen aufgefallen: Das Ying-Yang-Zeichen.

Da machte es *Pling*: Es ist gar nicht ganz weiß (= nur gut), es ist auch nicht dreiviertel weiß und einviertel schwarz. Nein, genau die Hälfte weiß und die Hälfte schwarz. Das Gleichgewicht entsteht dadurch, dass beides gleich viel Aufmerksamkeit bekommt. Auch das Schwarze (Negative, Schwere, Kritische). Es hat seinen Sinn und seine Berechtigung!

'Kein Wunder, dass der Kritiker so laut schreit', dachte ich mir damals.

Mir wurde bewusst: Wenn ich ihm nicht zuhöre, wird er größer. So kam ich auf die Idee, dem Kritiker Raum zu geben. Ganz bewusst. Ich lud in einer Übung dazu ein, den inneren Kritiker zu malen und aufzuschreiben, was er zu sagen hat. Nachdem alle ihren Kritiker angeschaut, ihm Aufmerksamkeit gegeben hatten, ihn gefragt hatten, welche positive Absicht er hat und wie sie die für ihren Weg berücksichten könnten, kehrte Frieden in den Raum ein. Eine ganz andere Stimmung war da. Welch wertvolle Übung und Veränderung! Seit dem hatte diese Übung einen festen Platz in meinem Workshopplan. Denn nichts ist nur schlecht, auch der Kritiker hat seine gute Seite. Auch er hat mir/uns eine Botschaft mitzuteilen, die für den Lebensweg wichtig ist.

Damals begann ich ein Kritikertagebuch zu führen: Ich kaufte mir dafür eine schwarze (natürlich schwarz!) A4-Kladde ohne Linien. Ich nahm mir vor, meinem Kritiker jeden Morgen zehn Minuten zu geben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich begann auf der linken Seite mit einer Zeichnung. Ich habe einfach rausgelassen, was mir in den Kopf kam. Mal waren es nur Krickelkrackel, Farben, die ohne erkennbare Formen auf dem Blatt übereinander liefen, mal entstand eine Figur. Die unterschiedlichsten Seelenbilder fanden ihren Weg auf diese weiße Seite. Rechts daneben schrieb ich all die negativen, belastenden Gedanken auf, die mir in den Sinn kamen. Ohne Bewertung, ohne Zensur. Danach klappte ich das Heft zu und hatte für den Rest des Tages Ruhe. Aaaah, war das gut! Über ein Jahr schrieb ich das Kritikertagebuch (in der Collage einige Ausschnitte) und es wurde von Tag zu Tag besser. Nachher hatte ich das Gefühl, ich brauchte es nicht mehr. Ich habe vom Kritiker viel Gutes für mich erfahren.

Es ist ein Anteil in mir, der mir etwas sagen möchte. Der wichtig ist, genau wie die Traurigkeit und jeder andere nicht so lustige Anteil von mir. Es ist gut, dies gerade nochmal bewusst zu erkennen. Ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt, um dem traurigen Teil von mir Aufmerksamkeit zu schenken. Und mir selbst dabei ein Stück näher zu kommen. Und ich merke nach langer Zeit wieder - ohne eine Last auf meinen Schultern zu spüren: Mein Workshop war schon schön. :o) Der Kritiker ist gerade ganz still und nickt mir zu, hebt den Baumen hoch und lächelt mich an. Schön!

Ich wünsche Ihnen ein zauberhaft schönes Juniwochenende!

Anja Kolberg

PS: Hm, unten stehen zwei Schalen Erdbeeren und im Kühlschrank wartet Vanillejoghurt. Leckerschmecker. Und grüner Spargel. Oh, das wird ein Schlemmerwochenende! ... und der Hals ist zu 95% wieder okay. Schöööön!

Mittwoch, 27 Mai, 2009

Nix passiert

Heute - nein schon einige Tage - tue ich mir selbst richtig doll leid. Es will nicht so richtig vorwärts gehen. Korrekt ausgedrückt: Es passiert nix. Zumindest offensichtlich nichts. Ich dümpel vor mich hin, was mich überhaupt nicht zufrieden stellt. Ich schlafe, surfe im Netz, spiele Gewinnspiele, gieße meine Blumen, schiebe Projekte von der einen Seite meines Schreibtisches auf die andere, schreibe Tagebuch, beantworte Mails, gehe zu meiner Freundin in den Blumenladen quatschen, mache lange Pause... nichts wirklich Produktives, wo mein Konto sich drüber freut. Zumindest nicht auf dem direkten Weg. Mein innerer Antreiber läuft Amok, aber mein Körper ist stärker. Er lähmt mich richtig. Buäh!

Und so bade ich in Selbstmitleid oder gieße es kübelweise über mir aus.

 

Nu ist die dicke Portion Selbstmitleid wider Erwarten nicht braun, eklig und klebrig, sondern beim Malen spürte ich: Sie ist helllila und fedrig leicht. Fast wie Zauberpuder. Und dies Zauberpuder tut meinem Körper und vor allem meiner Seele gut. Ach schnief, es gibt gerade nix schlimmeres, als dass es nicht vorwärts geht. Ich leide. Ganz ganz ganz ganz doll. Auf der anderen Seite leide ich wieder nicht, denn ich habe ja keine körperlichen Schmerzen, die Grundbedürfnisse (trinken, essen, zu Hause...) sind erfüllt. Also was stelle ich mich an?

Und genau da liegt glaube ich gerade das Problem: Ich mache mich selbst fertig! Ich verurteile mich selbst dafür, dass ich nicht so schnell vorwärts komme wie ich mir das wünsche. Und das verursacht seelischen Schmerz. Aua!

 

Das würde ich mir von keinem anderen gefallen lassen. Da würde ich zurück schlagen. Da ich es selbst bin, bringt mich das nicht wirklich vorwärts. Oder vielleicht zu einem Doppel-k.o.?

 

Hm. "Annehmen, was ist", kommt mir in den Sinn. Auch wenn es NICHT vorwärts geht, sondern stagniert. Mir fällt die Geschichte aus der Natur ein, die mir einmal erzählt wurde und mich so fasziniert hat, dass ich sie meinen Klientinnen erzählt habe, wenn sie auf ihrem Weg ins Stocken gerieten und darüber traurig waren. Zeit, sie mir selbst noch einmal zu erzählen:

Eine Kornähre wächst eine zeitlang ziemlich schnell in die Höhe. Und dann geschieht eine zeitlang gar nichts mehr. Hat sie aufgehört zu wachsen?

Es dauert eine Weile und dann auf einmal wächst sie rasend schnell weiter in die Höhe.

Was ist in der Zwischenzeit passiert? Die Knötchenbildung, die der Pflanze die nötige Stabilität verleiht, ohne die sie nicht so hoch wachsen könnte.

Was sagt mir das für mich? Gerade passiert ein wichtiger Prozess in mir selbst und meinem Leben: Alles setzt und vernetzt sich. Ich verarbeite vieles, bereite mich auf ein weiteres Wachstum vor. Was nach außen wirkt, als geschehe nichts, ist in Wahrheit ein wertvoller, stabilisierender und nötiger Schritt auf meinem Lebensweg. Und wenn dieser scheinbar lahme, mich lähmende Prozess abgeschlossen ist, geht es rasend schnell auf meinem Weg weiter.

Mir bleibt, was auch die Pflanze macht: Jeden neuen Tag begrüßen. Für meine Grundbedürfnisse sorgen. Da sein. Und alles andere die Natur machen lassen, den Dingen ihren Lauf lassen. Und das fällt mir - behaupte ich zumindest mal - viel viel schwerer als der Pflanze. Seufz. Aus diesem Zusammenhang, der vielen Menschen auf dem Weg der Veränderung begegnet, mir in meiner Arbeit als Coach unzählige Male und mir als Mensch in letzter Zeit in immer kürzeren Abständen, entstand diese Postkarte: "Zum richtigen Zeitpunkt fließt alles von alleine. Bis dahin: Genieße die Pause!", die an die schönen Seiten einer solchen Pause erinnert:

Link zum Webshop

Eigentlich ist dieser Schritt ganz einfach, wenn man es genießen kann. Warum ist alles Einfache meistens so schwer?

Grüße vom Lebensweg

Anja Kolberg

Dienstag, 09 Dezember, 2008

Ich weiß jetzt...

 ... was hinter der Wolke steckt, die mir gestern folgte.

Es sind die Gedanken an den bevorstehenden Zahnarztbesuch am Montag.

Ich habe schon ewige Zeiten keine Füllung mehr bekommen. Und mir graut vor Montag.

Immer wieder denke ich an den Termin. Klar, kann ich mich davon auch wieder ablenken. Aber der kommende Termin bleibt wie eine dunkle Wolke über mir, mal ist sie näher und mal weiter weg ...

Anja Kolberg

Montag, 08 Dezember, 2008

Dunkle Wolke

 

Sie fiel mir heute früh beim Spaziergang auf. Eine dunkle Wolke über mir. Sie folgte mir und auch jetzt ist sie über mir. Blödes Ding! Sie macht mir schlechte Laune! Einfach so, dabei bin ich fröhlich aufgewacht, nicht mit dem linken Fuß aufgestanden. Blöde Wolke! Mensch!

Auch Beschimpfungen lösen sie nicht auf. Mist! Ich will gute Laune haben. Ich will, dass die Wolke weggeht. Tut sie aber nicht!

Dann muss ich wohl gerade mal mit ihr leben... Manno!

Anja Kolberg

Mittwoch, 15 Oktober, 2008

Mal geht's rauf ...

 ... und mal geht's runter auf der Achterbahn. Montag ging's steil bergauf mit meinen Gefühlen. Saugut ging's mir. Voller Energie. Lust. Tatendrang. Ich dachte, das geht die ganze Woche so weiter... Irrtum.

Dienstag: Es ging steil bergab mit meiner Stimmung. Starke Kopfschmerzen überraschten mich während ich die Umsatzsteuer für das dritte Quartal fertig machte. Mist! Nachmittags lag ich im Bett. Erst gegen Abend bin ich aufgewacht um dann nach einer kurzen Pause wieder ins Bett zu gehen... So kann's gehen.

Heute früh habe ich dann erst mal die gesamte Erwartungslast, die ich mir auf die Schultern gelegt hatte - was ich alles tun wollte - wieder von meinen Schultern genommen. Ich habe mir gesagt: Dann geht's eben nicht. Letzte Woche war megaanstrengend, diese Woche darf es halblang gehen.

Und heute mittag geht es mir schon wieder richtig gut. Der Tatendrang ist zurück.

Wann war ich eigentlich das letzte Mal auf einer Achterbahn? Das ist doch schon Jahre her. Ich glaube im Phantasialand. Ich liebe es, wenn es rasch runter geht so richtig laut zu schreiben. Boah, macht das Spaß!

Viele Grüße!

Anja Kolberg

Dienstag, 23 September, 2008

Traurig...

... bin ich über die Nachricht, dass Knuts Pfleger Thomas Dörflein gestern gestorben ist. Er war erst 44 Jahre jung! Traurig, weil ich ihm noch viele Jahre mit Knut und seiner Familie und seinen Freunden gegönnt hätte und ein bischen in Sorge, wie es dem jungen Eisbären gehen mag, der fortan die täglichen Besuche seines Pflegers vermissen wird. Weiß er, spürt er, dass sein Pfleger nicht mehr lebt? Doch nicht nur er wird den Ziehvater schmerzlich vermissen. Ich hoffe, seine Familie findet Trost. Jeder findet seinen Weg, mit diesem Verlust umzugehen.

Die Bilder wo Herr Dörflein mit Knut spielt, waren bisher ein Quell der Freude für mich. Jetzt schmerzen sie. Mist! Ähnlich wie Elton Johns Lied "Goodbye Englands Rose", bei denen mir schnell die Tränen kommen - denn ein bischen musste ich eben an den Tod von Lady Diana denken, der mir ähnlich nahe ging.

Warum passiert sowas? Es ist nicht fair.

Wobei ich davon überzeugt bin, dass es der Seele des Toten gut geht. Er ist gut versorgt, gut aufgehoben, in Gesellschaft mit den geliebten Menschen, die vor ihm gegangen sind. Schwierig ist es immer nur für die, die zurück bleiben.

Anja Kolberg

Montag, 11 August, 2008

Die innere Ordnung wiederherstellen

Heute war ein Tag, an dem nichts planmäßig verlief. So viele Erlebnisse, die mich nachdenklich gemacht haben, durcheinander gewirbelt, aus meinem inneren Plan geschmissen. Ich habe den Eindruck, völlig neben mir zu stehen. Gefühlt sieht das so aus:

 

Wenn ich die wichtigen, liegen gebliebenen Aufgaben erledigt habe, wird die äußere Ordnung langsam wieder hergstellt. Das Funktionieren hört auf und ich spüre intensiv: Ich bin immer noch neben der Spur. Höchste Zeit, auch meine innere Ordnung wiederherzustellen.

Ich brauche Rituale, um wieder zu mir zu kommen. So ein Ritual ist ein Moment der Stille. Nichtstun und Löcher in die Luft starren oder im Garten sitzen und inne halten. Etwas trinken. Atmen. Die Natur beobachten. Noch tiefer durchatmen. Seufzen. Die Gedanken ziehen lassen. Die Augen schließen. Mir Zeit geben. Schreiben.

Langsam kehrt Ruhe ein und mit ihr meine innere Ordnung.

 

Bei jedem Durcheinanderwirbeln merke ich mehr, wie gut mir die tägliche Regelmäßigkeit tut. Meine innere und äußere Ordnung.

Anja Kolberg

Betroffen

Heute vormittag erhielt ich die Nachricht vom Tod des Autors Kurt Peipe. Sein Buch "Dem Leben auf den Fersen" hatte ich letzte Woche vorgestellt. Der unheilbar erkrankte Gärtnermeister hatte sein großes Anliegen, seinen 166tägigen Pilgerweg öffentlich zu machen, verwirklicht und starb am 8. August 2008. Dem Tag der Buchveröffentlichung.

Mich macht das betroffen. Ich hatte Hoffnung, dass er länger leben würde, noch viele glückliche Tage im Kreis seiner Familie verbingen würde. Um so tröstlicher ist der Gedanke, dass er seinen großen Traum, den Fernwanderweg von der deutsch-dänischen Grenze bis nach Rom zu wandern, letztes Jahr noch verwirklichen konnte. Trotz künstlichem Ausgang, trotz schwerer gesundheitlicher und konditioneller Einschränkungen. In diesem Moment begreife ich nocheinmal mehr, wie viel dieser Mann auf seinem Weg geleistet hat. Ich habe ihn nicht persönlich gekannt, nur sein Buch gelesen und dennoch geht mir sein Tod nahe.

Heute begegnet mir der Tod nicht zum ersten Mal. Ich habe heute früh einen Nachbarn gesehen, der neben seinem Hund auf der Kofferraumkante saß und weinte. Der Retriever war schon sehr alt, ich hatte ihn in letzter Zeit selten gesehen und dann sehr langsam und humpelnd. Es sieht so aus, als wäre er jetzt im Hundehimmel.

 

Wie schrecklich ist es, jemanden zu verlieren, den man liebt.

Anja Kolberg

Mittwoch, 06 August, 2008

Schutzengel

Heute vormittag hatte ich ein längeres Telefongespräch. Ich habe Zeit verschenkt zum Zuhören. Vor Mittag kam das Geschenk unverhofft zur Einlösung. Mir fällt gerade auf, dass ich kurz zuvor ja im Blog etwas dazu geschrieben habe. Der Beschenkte kennt meinen Blog nicht. Zufall?

Bei dem Gespräch wurde mir wieder bewusst: Zuhören ist eine Kunst. Nämlich wirklich nur zuzuhören ohne Lösungen in kniffligen Situationen zu geben, ohne das Gespräch bewusst in eine bestimmt Richtung zu lenken. Zuhören und offen sein für das, was sich entwickelt.

Danach bin ich ein paar Sachen im nahen Supermarkt einkaufen gegangen. Auf dem Rückweg - es sind nur wenige Minuten zu Fuß - ließ ich das Gespräch Revue passieren. Es hat mich nachdenklich gemacht. Und dann auf einmal hatte ich das Bild vom Schutzengel im Kopf, das ich gerade gemalt habe und diese Worte: "Jeder von uns hat einen Schutzengel. Sie können die schwierigen Zeiten in unserem Leben nicht wegnehmen oder lindern. Aber unsere Schutzengel sind bei uns und bleiben bei uns, gleich wie dunkel es um uns herum wird. Und sie halten unsere Hand. Wir sind nie alleine, sie begleiten uns auf jedem Weg."

Ach, das hat so richtig gut getan. Ich hab mich ganz beschwingt gefühlt mit diesem Bild. Ich habe von dem Bild eine E-Card gemacht, einfach auf das Bild klicken, dann öffnet sich die Karte und sie können sie verschicken. Wenn Sie auf die E-Card-Seite sind, finden Sie sie ab sofort in der Rubrik: "Ermutigung und Zuversicht in schwierigen Zeiten".

Liebe Grüße!

Anja Kolberg

Dienstag, 01 Juli, 2008

Es gibt Tage, die sind wirklich...

... für die Tonne. Bei dem gestern hatte ich das Gefühl. Am Nachmittag, ich war noch gar nicht so richtig produktiv, wurde ich hundemüde und konnte die Augen gar nicht mehr am PC aufhalten. Also habe ich mich ergeben und mich ins Bett gelegt und zwei Stunden geschlafen. Danach war ich völlig durch den Wind. Ich habe mir selbst richtig leid getan. Danach ging es besser. :o)

Meinem Mann ging es gestern auch nicht supi, wir haben beide gemerkt, wie uns das Wetter zu schaffen macht. Diese Woche soll es heiß werden, sagte gestern jemand. Ich hoffe, jeder der das nicht verträgt, findet ein kühles Plätzchen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Diese Woche zählt die Kraft der kleinen Schritte. Halblang machen. Ansprüche runter. Wohlbefinden rauf.

Anja Kolberg

PS: Seelentröster und aufmunterer spielt da glatt die neue Serie "Doctors Diary", die Montag Abend auf RTL läuft. Eine Mischung aus "Bridget Jones", "Mein Leben und ich" und "Grey's Anatomy". Perfekte Unterhaltung. :o)

Samstag, 28 Juni, 2008

Die Leere überwinden

Es gibt Situationen, da bin ich leer. Ich halte inne und weiß nicht, wo ich weiter machen soll. Zu viele Baustellen. Nichts, was mich wirklich anzieht. Vielleicht ist das der richtige Moment, um mich auszuruhen? All das liegen zu lassen, was ich tun müsste, was sinnvoll wäre oder doch etwas anpacken, damit ich mich anschließend besser fühle?

Gerade ist so ein leerer Moment. Ich könnte eine Menge tun und doch mache ich nichts. (Klar, ich schreibe gerade hier, das ist nicht nichts.)

Ich glaube wirklich, ich lege mich hin und gönne mir ein Stündchen im Bett. Begebe mich auf eine rosa Schlafwolke, träume vom Mond und den Sternen. Ich werde ganz müüüüde. Meine Beine sind gaaaanz schwer. Meine Arme werden ganz schwer.... Zzzzzzzzzzzz

Anja Kolberg

Freitag, 16 Mai, 2008

Schöne Zeichen

Vor einigen Wochen hatte ich eine Sinnkrise, in der ich so manches in Frage gestellt habe. Ich habe mir eine Deadline gesetzt. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt nichts passieren würde, dann würde ich einen neuen Weg einschlagen. Ich bat um Zeichen.

 

Einen Tag vor dem Ablauf der Deadline bekam ich ein deutliches Signal, dass ich weiter machen soll auf meinem Weg. Ein Zeichen der Zuversicht, das mir neuen Auftrieb gegeben hat. Und am Tag selbst ein weiteres Zeichen. Das hat so gut getan. Ich fühle mich beflügelt und bin unendlich dankbar!

Für mich ein Signal, dass es etwas Größeres gibt, das über uns wacht, das uns stärkt und uns den Weg zum Licht zeigt, wenn wir zweifeln und es uns zu dunkel auf unserem Weg geworden ist.

DANKE!

Anja Kolberg

Mittwoch, 07 Mai, 2008

Verständnis und Mitfühlen
als wirkliche Hilfe

Es gibt Zeiten, da läuft es nicht so wie ich das will. Das passt mir überhaupt nicht in den Kram. Gott sei dank ist heute nicht so ein Tag, weil ich sonst nicht darüber schreiben könnte. Ich wäre viel zu traurig, demotiviert, emotional. Heute ist ein Tag, an dem es mir gut geht. Heute blicke ich mit Gelassenheit auf die Zeit zurück, in der es mir nicht so gut ging. Es übermannt mich nur selten, aber wenn...

Puh, dann ist es heftig. Irgendwas ist völlig aus dem Ruder gelaufen, Hoffnungen wurden nicht erfüllt, Illusionen sind zerplatzt und die Realität zeigt ihre Fratze. Ein Gesicht, das ich mir schöner vorgestellt habe. Und wenn ich so enttäuscht bin, will ich am liebsten alles hinschmeißen. Nichts kann mich so richtig aufmuntern. Was mir dann hilft:

Ein schweigsamer (!) Mensch, der mir zuhört. Der aushalten kann, dass es mir schlecht geht, weil er innerlich weiß: 'Die Phase hat jeder mal und sie geht vorbei.' - das aber nicht so sagt. Wenn er dies nämlich so sagen würde, könnte es so ankommen, als würde er die Situation nicht ernst nehmen oder meine Gefühle abwerten. Also keine "Stell dich nicht so an, das geht vorbei."-Einstellung, sondern eine positive und zuversichtliche, die auch nicht in das andere Extrem, nämlich ängstliche "Hilfe, sie kommt nie wieder hoch." kippt.

Ein Mensch, der weiß, solche Situationen gehören zum Leben dazu. Der keinen auf "wird schon wieder" macht oder gleich einen Tipp parat hat (sinnlos, die habe ich nämlich alle (!) längst ausprobiert), sondern wirklich mitfühlt und sagt "das ist wirklich schlimm".

Bisher war es so, dass mir das die Freiheit gab, es auch anders zu sehen, so als würde der Gegenüber meine Gefühle akzeptieren, respektieren, bestätigen und mich damit beruhigen. Ich bin frei. Auch wenn es dann mit meiner Stimmung nicht gleich aufwärts geht, so ist doch eine Erleichterung spürbar.

Es fühlt sich an, als sei durch das Verständnis ein Stein von meinem Herzen genommen. Was kann es besseres geben in einem solchen Moment?

Anja Kolberg

Mittwoch, 23 April, 2008

Seelenzeit

Ich sitze am Schreibtisch und beobachte meine Gedanken:

 

Ich muss dies noch machen... Warum habe ich das noch nicht erledigt... Warum melden die sich nicht? So kann ich nicht weiter... Ich bin zu langsam...

Ich ärgere mich darüber, dass ich mehr Zeit brauche, meine Projekte umzusetzen, als mir lieb ist.

Ich erinnere mich an die Geschichte eines Besuchers, der mit einem Indianervolk auf Wanderschaft ging. Ohne erkennbaren Grund blieben die Indianer unterwegs immer wieder stehen. Auf seine Frage nach dem Warum antworteten sie: "Unser Körper ist schon hier. Aber unsere Seele ist nicht so schnell, sie ist noch nicht angekommen. Sie braucht noch Zeit. Wir warten auf sie."

Diese Erinnerung hilft mir, meine Ansprüche wieder herunter zu schrauben. Ja, mein Verstand kann schnell zu neuen Zielen reisen. Aber ich in meiner ganzen Person brauche einfach Zeit, um wirklich mit all meinen Teilen anzukommen. Meine Seele braucht Zeit!

Ich will die Zeit annehmen, die "es" braucht, um anzukommen. Geduld haben mit mir. Mir bewusst machen, dass die Seelenzeit eine andere ist als die meines Verstandes. Ich blicke auf mein Poster "Die Seele braucht Zeit." und komme herunter von meinem Anspruchsdenken. Besinne mich auf den nächsten kleinen Schritt, der vor mir liegt.

Einen zauberhaften Tag!

Ihre Anja Kolberg

Mittwoch, 09 April, 2008

Gut getan...

 

... hat der genehmigte Schlechte-Laune-Vormittag. Denn im Rückblick war es gar nicht mehr. Schon als ich mir erlaubt habe, schlechte Laune zu haben, statt ständig so zu tun, als wäre meine Stimmung super, ging es mir besser. Muss ich mir merken!

Heute weiß ich gar nicht viel zu schreiben. Doch, per Post kam gestern die DVD "Zusammen ist man weniger allein" - der Bestseller verfilmt. Ich bin gespannt, wie der Film ist. Seit Weihnachten haben wir ein DVD-Leihabo bei Amazon (praktisch, weil Flatrate, kein Porto). Und das macht richtig Spaß, weil mein Mann und ich gerne Filme schauen und dank einer langen Wunschliste ist für jeden was dabei. Mal was für uns beide (z.B. "Wo ist Fred?"), mal was nur für meinen Mann (da fällt mir natürlich kein Titel ein) und mal was für's Frauenherz, für mich (z.B. "Die Herbstzeitlosen" - der meinem Mann nachher aber auch gefallen hat).

So, heute mache ich weiter mit meinem Postershop. Einige ausgewählte Postkartenmotive und andere Lieblingsmotive werden Sie künftig als Poster bestellen können. Die Arbeit daran macht richtig Spaß!

Einen schönen Tag!

Anja Kolberg

PS: Bei der Erfüllung meiner Aufgabe am Montag (1/2 Stunde NICHTS tun) bin ich kläglich gescheitert. Maximal 1/4 Stunde habe ich geschafft. *grummel* Dann musste ich weglaufen. Puh, was für eine schwere Aufgabe. Wie Sie sehen, habe ich keine Meditationsroutine. Die Aufgabe gestern war besänftigend für mich: "Einfach mal Ruhe bewahren." Das habe ich geschafft! :o) Und heute? "Ich brauche einfach ein bischen Ruhe. Eine kleine Auszeit vom Alltag. Schau, wie lange es dir gelingt, nichts zu tun." O.k., das schaffe ich.

Dienstag, 08 April, 2008

Tja...

Ein neuer Tag. Hm. Heute früh habe ich Anlaufschwierigkeiten.

Puh, so Tage sind immer mal wieder dabei, ohne dass ich ausmachen kann, woran es liegt. Genau so gut passiert es, dass ich aufstehe und ich fühle mich so energiegeladen, dass ich Bäume ausreißen könnte... Heute nicht. Gestern habe ich so gar nicht geschafft, was ich wollte. Vielleicht ist das der Sahneklecks auf meiner Stimmung.

Ich habe immer die Befürchtung, wenn ich sage: "Heute geht's mir mies." zu hören: "Geht schon wieder vorbei." Das macht mich rasend. Ich weiß es selbst. Aber ich will im hier und jetzt bleiben. Und da habe ich MIESE STIMMUNG! *räusper* Das im Umfeld auszuhalten ist schwer. Wenn mein Bruder mir am Telefon z.B. sagt, er hat schlechte Laune, versuche ich ihn immer aufzumuntern, damit es ihm besser geht. Aber wieso komme ich nicht drarauf, dass es auch gut tut, miese Stimmung zu haben? Ich fühle mich gerade in meiner miesen Stimmung "wohl". Nein, dass ist nicht der richtige Ausdruck. Es ist o.k. und ich weiß, es geht vorbei, aber jetzt ist es so. Ich tue anderen ja nichts, ihnen gegenüber bin ich freundlich. Nur ich in meinem kleinen Kosmos habe für mich miese Stimmung.

Ich sollte öfters mal die Sichtweise wechseln, das gibt schöne Erkenntnisse. Lieber Gott, lass mich anderen künftig bitte ihre miese Laune lassen, so lange sie die nicht über mich stülpen. Ob ich das schaffe?

Ich gehe jetzt erst mal mit Minu 'ne Runde spazieren. Mal sehen, was heute in der Post ist. Wissen Sie, wie selten "echte" Briefe in der Post sind? Mit echten Briefen meine ich handgeschriebene. Zum Geburtstag habe ich immer welche im Briefkasten, aber an 90% wenn nicht 98% der übrigen Tage im Jahr empfange ich nicht solche handgeschriebenen Schätze. Ich bin mir sicher, Ihnen geht es ähnlich. Seit ich 12 bin und in Bayern mit meiner Familie Urlaub auf dem Bauernhof gemacht habe, habe ich eine Brieffreundin. Ja, letztes Jahr hatten wir wohl silbernes Briefjubiläum. :o) Zwar schreiben wir uns im E-Mail-Zeitalter auch Mails, aber echte Briefe, die bekomme ich immer noch am liebsten. Handschrift, schönes Papier, Tinte... Davon sollte es einfach mehr geben!

Was habe ich heute gelernt? Ich erlaube mir heute einen miese-Laune-Tag.

Jetzt geht es mir schon ein bischen besser. Auf Minu, wir gehen spaziiiiiiieren!

Anja Kolberg

Freitag, 18 Januar, 2008

Heute mal anders...

Ich bin unzufrieden. Nach den Glücksgefühlen und gestern dem Fertigstellen der Umsatzsteuer für das letzte Quartal (nicht wirklich eine kreative Arbeit) stellt sich Mißmut ein. Manchmal geht mir alles nicht schnell genug. Dann bin ich unzufrieden mit mir selbst. Auch die hübschen Frühlingsblumen im Kasten vor meinem Bürofenster helfen da nicht weiter. Ich sollte mal meiner schlechten Laune auf den Grund gehen. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an einen total bescheuerten Traum. Den habe ich wohl noch nicht abgeschüttelt. Ja, das ist wohl ein Grund.

Also, liebes Inneres: "War dieser Traum die Wirklichkeit?" "Nein." "Wie kann ich ihn dann loslassen? Soll ich mich schütteln?" "Versuch's."

Mir ist jetzt ein bischen schwindelig im Kopf, aber es geht etwas besser. "Reicht das aus?" "Ja."

O.k., das ist der eine Teil meiner schlechten Laune gewesen. Sie ist aber noch nicht ganz weg. "Hat es mit dem Wetter zu tun?" "Ja, heute drückt mir das trübe Wetter draußen auf die Stimmung." Vielleicht geht es ja besser, wenn ich mit Minu meine Runde an der frischen Luft gedreht habe. Die hält sich noch ganz still und ist froh, wenn sie etwas länger schlafen kann...

Aber es gibt noch einen Anteil. "Hat er mit den Glückwunschkarten zu tun?" "Nein." "Womit denn?" "Mit deinem Anspruch an dich selbst. Du willst immer, dass alles direkt perfekt läuft. Du erlaubst dir eigentlich keine Fehler. Und bevor alles anfängt, blockierst du dich schon." "Hm." "Klingt hart." "Ja, das ist es auch. Es fühlt sich doch nicht gut an, oder?" Ich seufze laut. "Nein, es fühlt sich deprimiert an." "Dann lass' deine Ansprüche los, Anja. Ich weiß, dass ist sehr sehr schwer. Gerade für einen Menschen wie dich, der alles möglichst gut machen will. Aber gerade aus Fehlern entsteht neue Kreativität und Freiheit. Gönn' dir die Freiheit, nicht direkt perfekt sein zu müssen. Das sind andere auch nicht. Meß' dich nicht mit Menschen, die schon Jahrzehnte im Geschäft sind und dann nicht alleine, sondern mit einer ganzen Mannschaft am Start sind. Bleib bei dir, gönne dir Experimente - die schief gehen können und gelingen, probiere dich aus. Das ist dein Weg." Ich atme tief ein. Ja, das tut gut. Ich fühle mich schon etwas leichter, befreiter.

Ich stelle mir vor, wie ich meinen Anspruch loslasse: Sicher mit Luftballons verschnürt lasse ich die Schachtel mit meinen Ansprüchen (Was ist da noch mal alles drin? Noch mehr als mein Anspruch: Ehrgeiz. Perfektionismus. Angst. Unsicherheit.) los. Von den Ballons und der Luft wird sie in die Höhe getragen. Immer höher zieht sie davon, bis sie - die Ballons platzen! Die Kiste explodiert in unzählige Funken in Regenbogenfarben. Wie schön! Damit habe ich gar nicht gerechnet. Schönes Bild. Ich lächle. Mir geht es besser!

Anja Kolberg

Freitag, 11 Januar, 2008

Ungewollte Tipps und Ratschläge...

... sind etwas ziemlich überflüssiges!

Wie kommt ein Außenstehender darauf, einem zu sagen, wie man besser sein sollte, wie man besser fühlen sollte, wie man etwas anders machen sollte, wie man richtig ist? Ich empfinde dies als eine unverschämte Grenzüberschreitung. Wenn ich einen Rat (und das meine ich ohne das Wort "schlag") brauche, dann kann ich den Mund aufmachen und darum fragen.

Ich reagiere allergisch auf die Besserwissenden, diejenigen, die die Weisheit gepachtet haben und dein Eindruck haben, sie müssen ihre gewonnene Weisheit mit allen teilen. Menschen, die anderen vermitteln, nur ihr Weg sei der richtige und alle "Abtrünnigen" laufen ohne sie, ohne ihr Wissen in ein heilloses Chaos, ins Verderben. Oh Mann!

Eine Sache ist doch wohl allen "Abtrünnigen" klar: Wir fühlen uns wohl, so wie wir sind. Wir kommen klar. Wir sagen Bescheid, wenn wir Hilfe brauchen oder eine Info wollen. Bitte kümmert euch um euch selbst, ihr lieben Weisen des Alltags! Lasst uns einfach so sein wie wir sind und lasst uns unser Schicksal!

Anja Kolberg (langsam verpufft eine Wutspitze auf meiner Gefühlskurve)

PS: "Hybris" nannte dieses Verhalten übrigens einmal eine Ausbilderin - ich verstehe jetzt sehr gut, was sie damit meinte.

Donnerstag, 22 November, 2007

Schlawiner

Wow! Schon gestern Abend hat er mich bezirzt: Der Mond! Es ist ein Spiel von Wolken, Licht, Schatten - ich könnte unentwegt an den Himmel schauen und mich von ihm einhüllen lassen. Ist das schön!

Mein Tag startete heute mit schlechter Laune. Warum? Weil ich fast am Zebrastreifen mit Minu von einem Raser über den Haufen gefahren worden wäre. Mensch! Ich habe mich so erschrocken... Danach ging meine Laune ziemlich runter, habe ich gemerkt. Mein Tagebucheintrag war ziemlich mies. Ein Teil von mir versucht immer noch etwas Gutes am Tag, am Moment zu finden. Ging aber nicht. Heute ist mein schlechte-Laune-Tag und ich habe mir erlaubt, ihn zu haben.

Als ich heute Nachmittag Besorgungen machte, habe ich mich richtig vor mir selbst erschrocken, als ich mich im Spiegel gesehen habe: Nicht nur, dass ich meinen Bad-Hair-Day (meinen mieses-Haar-Tag) hatte, ich sah richtig schlecht gelaunt aus....

Meine Stimmung gehoben hat dann wieder der nette ältere Mann in der Waschstraße, der mir doch anbot, ich könne nicht nur das Waschprogramm individuell zusammen stellen, sondern ihn auch noch gratis dazu haben. *grins* War leider nicht Dr. Shepherd aus Grey's Anatomy, sonst wäre ich vielleicht - nein, natürlich nicht!

Alles Gute aus Köln

Anja Kolberg

Freitag, 16 November, 2007

Ein neuer Tag...

Träge liege ich vor ihm. Vor dem Morgen. Ich sehe die Sonne schon - Wolken reißen auf. Und ich sitze vorm PC, schaue mir den Himmel an und habe das Gefühl, innerlich noch zu schlafen. Doch, doch, alle Körperfunktionen sind o.k., sonst könnte ich ja hier nichts tippen. Aber innerlich, irgendwie schlafe ich da noch. Oder soll ich es die große Ruhe nennen? Ja, klingt besser. :o) Innerlich bin ich noch ganz entspannt. Tipptapp, da kommt Minu und klappert mit ihren Tatzen bzw. den Krallen über's Parkett. Draußen hat es gefroren. Als ich heute früh aufwachte, dachte ich: "Es ist Schneewetter." So hört es sich zumindest an und so sieht es aus. Keine Ahnung, wie ich das Hören und Sehen in Zusammenhang mit dem Wetter bringe. Ich erinnere mich gerade an einen Urlaub in Scheveningen, Holland mit meiner Familie. Ich war ungefähr 6 Jahre und habe ich mir mit meiner Cousine einen Spaß gemacht: Jeden Morgen habe ich aus dem Fenster geschaut und gesagt wie das Wetter wird. Erstaunlicherweise hat es funktioniert. (Nein, es war nicht morgens grundsätzlich blauer Himmel.) Nach ein paar Tagen kam mir das komisch vor und es funktionierte nicht mehr. Vielleicht hätte ich Wetterfee werden sollen?

Gestern durfte ich wieder einmal lernen zu reklamieren. Werkstatttermin. Sommerreifenwechsel. Als ich vom Platz fuhr, machte es: "Klack...klack...klack..." Sch....! Also bin ich eine Runde um den Block gefahren, dachte erst: 'Ich fahre nach Hause und lass meinen Mann mal hören.' Aber dann dachte ich: 'So ein Quatsch! Ich höre, hier stimmt was nicht. Ich fahre zurück und reklamiere.' Sie müssen wissen: Vor 3 Jahren bin ich vom Hof dieser Werkstatt gefahren und die Elektronik spielte verrückt. Als ich zurück zur Werkstatt fuhr und die Symptome beschrieb, machte der Werkstattmeister einen riesen Terz: 'Es hätte ja auch schon vorher sein können. Sie hätten gar nichts an der Elektrik gemacht....' Ich kann Ihnen meine Wut gar nicht beschreiben. Ich bin mir sicher, wenn ich ein Mann gewesen wäre, hätte er mir Glauben geschenkt. Naja, ich habe mich nicht beirren lassen und bin dann vom Werkstattmeister zurück an die Annahme und habe mich beim Filialleiter beschwert, denn der Meister war nicht nur unfreundlich, er hat mir auch nicht richtig zugehört. Denn der Mechaniker, das hatte ich gesehen, hatte was an der Elektrik gemacht, vorne und hinten. Der Fililalleiter sprach nochmal mit dem Meister, wutschnaubend schaute er hinten in den Kofferraum und siehe da: Der Mechaniker hatte hinten irgendwelche Steckverbindungen nicht wieder richtig zusammen gemacht, dadurch sponn die Elektronik. Auf einmal war der laute Meister ganz leise und hat sich entschuldigt (war aber sehr in den Bart gemurmelt). Ich hätte ihm am liebsten in den Allerwertesten getreten, weil ich mich von ihm überhaupt nicht ernst genommen fühlte. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah!

Na auf jeden Fall hatte ich diese Erinnerung im Kopf, als ich zurück in die Werkstatt fuhr. Aber diesmal ging alles ruckzuck: Zugehört. Wagen auf die Bühne. Wuchtgewicht war zu groß und rieb sich am Bremssattel, daher kam das Geräusch. Fehler behoben. Gute Fahrt. Na bitte, geht doch! (War zwar die gleiche Werkstatt, aber nicht der Kollege vom letzten Mal.) Ich habe gelernt: Es liegt nicht an mir. Ich höre auf mich, wenn etwas nicht stimmt, auch wenn ich nicht verstehe, was genau los ist. (Das erwarte ich fast von mir... unmöglich, ich interessiere mich Null für Technik.)

Jetzt ist aber Zeit, mit Minu eine Runde zu drehen. Die Post dürfte inzwischen im Postfach liegen und heute gibt es viel zu tun. Ich freue mich auf heute Nachmittag, da werde ich vor der Adventsausstellung in Schloss Loersfeld (siehe Blog am Mittwoch) einige Fotos schießen. Mal sehen, ob die Kamera dies bringt, wie ich mir die Fotos vorstelle, denn die Lichtverhältnisse werden nicht die besten sein und ich habe noch keinen externen Blitz.

Ich wünsche Ihnen und mir ein wunderschönes Wochenende und jeden Tag ein Kompliment (das kann man sich ja auch selbst geben, wenn man den Gatten nicht immer fragen will: "Sag mir mal was Nettes.")
Ich fange mal damit an: Sie sind eine wunderbare Leserin! Danke. Ich bin froh, dass Sie da sind, auch wenn ich Sie nicht sehen kann oder weiß, wer Sie sind. Schön, dass Sie da sind!

Tschüüüüß

Anja Kolberg

Dienstag, 13 November, 2007

Manchmal...

... liegen große, neue Aufgaben oder Projekte wie ein unbezwingbarer Berg vor mir, dass ich am liebsten weglaufen würde. Mich verkriechen und warten, bis alles vorbei ist.

Geht nicht? Geht schon, aber ich bin nicht bereit mit den Konsequenzen zu leben. Also fange ich an. Schaufel für Schaufel, diese große Aufgabe in vielen kleinen Schritten abzutragen. Ich konzentriere meinen Blick auf jede einzelne Schaufel, die ich als nächstes in den Berg stecke, um wieder etwas von dieser riesigen Aufgabe abzutragen. Nicht nach oben gucken, wo ich sehe, was ich noch alles zu tun habe. Sondern auf meinen derzeitigen Schritt und immer wieder auf das, was ich schon geschafft habe.

Und dann funktioniert es. Schritt für Schritt. Step by step.

 

Übrigens hat dieses Weglaufen wollen nichts damit zu tun, dass ich das nicht kann. Nein, nein. Eher mit meiner Ungeduld oder einer Unsicherheit, ob alles klappt. Oder Zweifel, ob ich das kann und nicht andere es besser können. Ich finde, hier haben mir viele Männer etwas voraus: Sie denken nicht lange nach, verstricken sich nicht in Unwägbarkeiten, mögliche Gefahren, für und wider - nein, sie machen einfach. Schritt für Schritt. Manchmal kracht dabei etwas zusammen. Was soll's? Jeder macht Fehler, jeder erleidet Rückschläge, aber er kann nur Erfolge sammeln, wenn er wagt und bereit ist, diese Risiken einzugehen.

Und ich kann das auch. Also: Frisch voran!

Ihre Anja Kolberg

Montag, 12 November, 2007

Irgendwie...

... bin ich heute früh ziemlich geschafft. Trotz des schönen Wochenendes.
Müde bin ich. Trotz Sonnenschein und blauem Himmel.
Dabei hatte ich mir so viel vorgenommen für heute...

Also erst mal kleine Brötchen backen. Schritt für Schritt Ordnung schaffen, eine aktuelle Aufgabenliste erstellen, Prioritäten setzen, bei manchen Dingen Geduld haben, bei anderen genau darauf achten, dass es mir gut geht und ich sage, was ich will. Bei anderen Aufgaben 'Nein' sagen oder mich erst gar nicht ins Spiel bringen. Bei manchen Aufgaben ist ein kühler Kopf gefragt, Visionsfähigkeit und Risikobereitschaft.

Puh, und all diese Fähigkeiten habe ich. Ich muss sie nur anwenden. Aber das ist nicht immer leicht...

Jetzt bin ich wieder bei meinen kleinen Schritten und mit dem ersten fange ich jetzt an: Aufräumen - Ideen sortieren...

Sonne aus Köln!

Anja Kolberg

Montag, 03 September, 2007

Türe zu. Schlüssel...

... drinnen. Oh nein! Ich wollte nur eben die Zeitung kaufen gehen und nehme das Geld mit, aber den Schlüssel lasse ich liegen. Zu allem Überfluss habe ich noch den Backofen auf 200 Grad an und Brötchen zum Aufbacken darin. Sch.....

Also erst einmal zur Nachbarin, die mich freudig aufnimmt. Die über 80jährige Dame bietet mir einen gemütlichen Sessel und ihr Telefon zur Hilfe an. Zwei Schlüssel gibt es noch: Den einen hat mein Mann, der arbeiten ist und den anderen meine Schwiegermutter im benachbarten Ort. Die Telefonnummer von Schwiegermutter habe ich im Kopf, doch da ist nur der Anrufbeantworter. Die neue Handynummer meines Mannes habe ich zu Hause auf dem Schreibtisch, aber nicht im Kopf... Was tun? Ich sehe schon die Feuerwehr kommen, weil die Brötchen im Ofen zu brennen beginnen.

Und unsere Minu sitzt drinnen vor der Türe und kann außer freudig mit dem Schwanz wedeln auch nicht helfen... Warum haben wir ihr noch nicht beigebracht, den Backofen auszumachen? Grübel. Was tun? Keine einzige Nummer will mir einfallen, die meisten sind ja alle im Telefon gespeichert... Dann der rettende Einfall: Mein Schwiegervater arbeitet in einem großen Unternehmen in Köln, die Telefonnummer müsste im Telefonbuch stehen. Meine Nachbarin hat Gott-sei-dank eines zur Hand. Ich schmeiße sie zu Hause wegen der guten Quelle Internet immer gleich weg. Und wahrhaftig mein Schwiegervater hat die neue Handynummer meines Mannes. Welch ein Glück! Er würde sogar nach Hause fahren und den Schlüssel holen und zu mir bringen, wenn ich Guido nicht erreichen. So viele Engel um mich herum!

Wie war das noch mal mit Murphy's Gesetz? Nicht mein Mann ist dran, sondern seine Mailbox! Ich rieche förmlich den kokelnden Geruch der Brötchen. Gut, dass mir mein Schwiegervater in weiser Voraussicht auch noch gleich die Nummer von Guidos Chef mitgegeben hat. Den habe ich auch prompt am Telefon. Er weiß wo Guido ist und will ihn gleich nach Hause schicken. Puh! Mein Mann beeilt sich und rettet Minu und auch mich und den Ofen aus der misslichen Lage! Zugegeben, für die Brötchen war es zu spät. Was für ein Montag! Welch ein glückliches Ende! Wie schön, Menschen um mich zu wissen, die helfen, wenn Not am Mann ist!

Dabei wollte ich Ihnen doch eigentlich berichten, dass ich heute Morgen beim Spazieren gehen die ersten Kastanien gefunden habe.  

Dienstag, 07 August, 2007

Festbetoniert...

... ja, so fühle ich mich gerade. Und gefühlt sieht das so wie auf der Zeichnung aus. Ich weiß, was ich will und "kann" es einfach nicht machen. Geht nicht. Blödes Gefühl.

Ich bin nicht nur in Beton Marke "SUPERFEST" einbetoniert. Nein, auch noch festgetackert. Und ich stehe so stabil, dass ich noch nicht mal umkippen kann und mich so aus dem Staub machen. MENSCH!

Es ist wohl mal wieder Zeit, nach Innen zu schauen, hören, was mein Herz mir zu sagen hat...

Anja: Was ist los, Herz?

Herz: Nichts.

Anja: Warum fühle ich wie festgetackert, wie einbetoniert?

Herz: Das hat seinen Grund.

Anja: Darf ich auch wissen, welchen?

Herz: Ja.

Anja: Welchen Grund hat es?

Herz: Damit du nicht zu schnell vorwärts rennst, sondern im hier und jetzt bleibst.

Anja: Aber warum denn? Was habe ich denn davon?

Herz: Nun, es gibt im hier und jetzt noch etwas zu klären, zu lernen, zu lösen. Dann geht es weiter.

(Ich fühle eine mannshohe Ungeduld in mir aufbegehren.)

Anja: *räusper* *hm* *ja* Ich fühle mich damit aber nicht gut.

Herz: Ich weiß. Das gehört dazu.

Anja: Na toll!

Herz: (Stille)

Anja: Weiß du, was ich noch zu klären habe?

Herz: Ja.

Anja: Sagst du es mir auch?

Herz: Ja.

Anja: Was ist es denn?

Herz: Lernen, das anzunehmen, was im Moment ist. Und es zu genießen. Das Genießen ist wichtig. Nicht nur dunkel dreinschauen und mit dir und der Situation hadern. Nein, mach was draus.

Anja: Mach was draus. Mach was draus. Wie denn, wenn ich FESTGETACKERT bin?

Herz: Anja, ruhig! Wenn du das Glück im Kleinen findest, wird es dir besser gehen.

Anja: "Das Glück im Kleinen finden" - das klingt so abgedroschen.

Herz: Das mag sein, dass du das so empfindest. Erkenne den Wert, der sich dahinter verbirgt.

Anja: Der Wert dahinter. Mir fällt dazu ein: "Annehmen, was ist. Ich kann es doch nicht ändern."

Herz: Ja, richtig. Weiter so.

Anja: Das Glück im Kleinen... Das Glück im Kleinen... Was kann das sein? Das Beste aus der Situation machen.

Herz: Ja, auch das.

Anja: Fehlt noch was?

Herz: Natürlich!

Anja: Was denn?

Herz: Denk mal nach.

Anja: Hast du jetzt "Denk" gesagt? Nicht "Fühl"?

Herz: Ja sicher.

Anja: Annehmen was ist... Das Beste aus der Situation machen... Genießen fehlt noch.

Herz: Ja, richtig.

Anja: Wie kann ich die Situation genießen? Genießen, dass ich nicht weiterkomme, obwohl meine Ideen und Gedanken schon meilenweit von mir entfernt sind? Ich schon so genau weiß, wie es weitergehen kann, aber es geht einfach nicht. Die Situation ist schrecklich. Ich fühle mich schlecht. Habe ein schlechtes Gewissen.

Herz: Dennoch. Anja. Dennoch.

Anja: Dennoch soll ich die Situation genießen?

Herz: Ja, natürlich, Anja. Darum geht es. Du kannst dir nicht immer die Sonnenseite aussuchen. Es geht darum, dass du den dunklen Zeiten in deinem Leben möglichst viel Wärme und Licht gibst. Das Gute im "Bösen" sehen. Das ist wichtig. Das sollst du jetzt lernen. Dann geht es weiter, sei dir sicher. Es geht schnell weiter. Und mit viel viel Liebe.

Anja: Brauche ich lange, um das zu begreifen?

Herz: Anja. Hallo, deine Ungeduld ist wieder da. Du brauchst solange wie du dafür brauchst.

Anja: Hm. Nicht leicht.

Herz: Richtig. Aber wenn es leicht wäre, hättest du es ja schon längst getan. Dann müsstest du es ja nicht lernen. Und auf der anderen Seite ist es ganz leicht. Wenn du dich innerlich von deinen Ängsten, dem schlechten Gewissen und dem Blick nach außen frei machst, dann wird es dir leicht fallen, deine Pause zu genießen.

Anja: O.k., verstanden. Aber leichter gesagt als getan.

Herz: Ja, das stimmt.

Anja: Es ist also so viel Zeit da wie ich brauche?

Herz: Ja, aber das heißt nicht, dass du nicht an dir arbeiten sollst.

Anja: Klar. Lernen, dem Dunklen etwas Schönes abzugewinnen.

Herz: Ja, auch.

Anja: Und im Dunklen ein Licht entzünden.

Herz: Ja.

Anja: Annehmen was ist. Das Beste aus der Situation machen. Und im Dunklen das Schöne finden und dies mit Liebe und Wärme erhellen.

Herz: Ja, jetzt hast du es. Genau darum geht es. Darum fühlst du dich so unbeweglich im Moment.

 

Anja: Was ist Gutes an der Situation? Ich habe Zeit. Mir geht es gesundheitlich gut, weil ich keinen Streß von außen habe. Auch die finanzielle Seite habe ich gut im Griff und auch wenn die Ressourcen geschwunden sind, dafür waren sie da. Sie waren es wert. Und ich weiß, ich werde sie wieder auffüllen. Ich bin frei, außer mir selbst kann mir kein Mensch Druck machen. Ich kann morgens auf der Terrasse sitzen und meinen Milchkaffee schlürfen. Ich kann den Tag so gestalten, wie es mir gut tut. Meine Gedanken sind frei. Ich habe Zeit, Tagebuch zu schreiben. Ich habe noch viel mehr Freiheiten in dieser Zeit, die noch wie neue T-Shirts unbenutzt im Schrank liegen. Ich bin wirklich frei. Und die Freiheit ist mir sehr sehr wichtig.

Danke Herz, für deine Antworten.

Herz: Gerne.



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