Sie befinden sich hier: Blog - Innere Stimme
« Blog - Inneres Kind | Home | Blog - Kleines Glück im Alltag »

Donnerstag, 10 September, 2015

Gelassenheit auf dem Tischkalender für September

Tischkalender 2015

Das ist das Kalenderblatt für September 2015 des Tischkalenders 'Balsam für die Seele'.

Ich sende Ihnen zu diesem für mich so wundervollen Bild die Impulse als kleine Inspiration. Die Impulse werden per Mail verschickt. Es sind meine monatlichen Gedanken zu beiden Kalenderseiten. So können Sie sich einen Eindruck verschaffen, was ich darin so schreibe. Dieses Mal habe ich einen inneren Dialog geschrieben.

Auf dem Foto: Hortensien aus meinem Garten umkreisen eine leuchtende Kerze. Im Hintergrund ein Liegestuhl.

Der Text: 'Was in unserem Leben sein soll, wartet auf uns.'

Bild und Text lösen Ruhe, Entspannung und Gelassenheit in mir aus. Ich liebe diese Gefühle. Sie erlösen mich von einer Angst, etwas zu verpassen, wenn ich befürchte nicht gut genug oder nicht schnell genug zu sein.

Der September lässt mich durchatmen. Ich 'muss' nichts tun, mich nicht quälen oder zu etwas zwingen, weil: Was kommen soll, wird kommen. Gerade in der momentanen Situation - wo ich mehr will als ich kann und damit klar kommen 'muss'/will/darf ..., hilft mir dieses Bild, gnädig mit mir zu sein. Immer, wenn ich darauf schaue, beruhige ich meinen Geist.

Ich habe Lust auf einen Dialog mit meinem Inneren, um mir meine Ungeduld, mein Zaudern mit meiner körperlichen Situation anzuschauen. (Es ist wieder stärker geworden mit der Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeit. Warte jetzt auf Bericht eines Endokrinologen ... Blutwerte Hausarzt ok, das ist ein gutes Gefühl.)

Anja: Mich nervt die Situation so an. Nichts wird gefunden und mir geht es einfach nicht gut. Was mache ich falsch?

(Überlege kurz, wer mir antworten könnte. Au ja, ein Dialog mit meinem Inneren Heiler!)

Innerer Heiler: Du machst nichts falsch, Anja. Alles, alles ist richtig.

Anja (A): Aber es ist doch total unfair, dass ich mich schon so lange quäle und es einfach nicht besser wird. Ich will einfach wissen, was ich tun muss, damit es mir besser geht.

Innerer Heiler (IH): So einfach ist es aber nicht im Leben. Ich kann nachempfinden, dass du die Situation unfair findest, aber glaube mir, rückblickend wirst du erkennen, warum diese Phase in deinem Leben so wichtig war.

A: Na toll! Das stimmt mich nicht gerade zufrieden. Ich hab da keinen Bock mehr drau.

IH: Hm. Ja. So ist es.

A: (ärgerlich) Wie? So ist es. Ist das alles, was du mir sagen kannst? Warum kann das nicht endlich vorbei sein?

IH: Weil es noch dauert.

A: Warum dauert es denn?

IH: Weil du noch was lernen sollst.

A: So, was denn?

IH: Zum Beispiel, das Leben 'dennoch' genießen und wertschätzen.

A: Das nervt und ist so anstrengend.

IH: Ja, ich weiß.

A: Boah, nervt mich das gerade. Ich hab da echt keinen Bock mehr drauf. Gibt es keine Abkürzung?

IH: Nö.

A: Na toll. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich drehe mich im Kreis und es geht nicht vorwärts.

IH: Das ist deine Bewertung der Situation, Anja. Du kannst es auch anders sehen?

A: Ja, mag sein, aber im Moment bin ich nur frustriert und traurig und genervt und ungeduldig. Ich will und kann nicht. Das ist Folter für einen strebsamen Menschen, wie mich. Ich habe Ideen und kann sie nicht umsetzen. Das tut weh. Ich fühle mich nur wie ein halber Mensch. Ich will aktiv sein und kann nicht. Ich mach mich selbst runter, weil ich nicht so aktiv bin wie mein Kopf das gerne hätte. Ich schiele auf andere, wie viel die schaffen und mache mich klein. Ich bin außerhalb meiner Kraft, außerhalb meiner Möglichkeiten.

IH: Anja, wenn du dir selbst zuhörst, was fällt dir auf? Lies dir nochmal durch, was du oben gesagt hast.

A: Ich fühle ganz doll mit mir. Wie schwer die Situation für mich ist.

IH: Ja. Es macht traurig, oder?

A: Ja und ein Teil von mir schimpft: 'Stell dich nicht so an. Reiß dich zusammen!'

IH: Auch das. Wenn eine gute Freundin dir das erzählen würde, was du seit ein paar Monaten empfindest und erlebst und wie es dir jetzt geht und die Worte: 'Stell dich nicht so an. Reiß dich zusammen!' Was würdest du dann sagen?

A: Ich weiß nicht. Es würde mich zuerst sehr traurig machen. Ich sehe wie hart dieser Mensch mit sich selbst umgeht. So würde sie mit niemandem sonst umgehen. Sie würde mitfühlen, aufmuntern, da sein, aber niemals so harte Worte sagen, wie sich zusammen zu reißen oder sich nicht anzustellen. Ich hätte Verständnis.

IH: Und, hast du nun Verständnis für dich selbst?

A: Ja, es fällt mir leichter durch diesen anderen Blickwinkel. Ich fühle, wie schwer es für mich ist und dass es wohl keine leichte, einfache Lösung (alles ist wie vorher, nur besser) gibt, sondern es darum geht, anzunehmen was ist und mir so viel Freude wie möglich zu machen. Fürsorglich mit mir umgehen, mir eine gute Freundin sein.

IH: Ja, genau.

A: Ok. Wenn ich mir eine gute Freundin wäre, was würde ich mir dann sagen? Ich hab dich lieb, Anja. Es tut mir leid, dass es gerade so schwer für dich ist. Im Moment hast du viel zu tragen und ich finde klasse, wie du den Kopf immer wieder aufrichtest, obwohl es nicht so vorwärts geht wie du das möchtest, obwohl deine inneren Antreiber dir kaum Ruhe lassen. Mir gefällt, wie du dich an den kleinen Dingen erfreust und immer wieder liebevoll zu dir bist. Es wird besser werden, es wird. Du darfst halblang machen, du musst nicht perfekt sein, du darfst schwach sein und nur die Leistung bringen, die dir gerade möglich ist. Ich weiß, du stellst dich nicht an. Du brauchst dich für mich nicht zusammen reißen, sondern einfach nur so sein wie du bist. Für mich darfst du auch traurig sein und hadern. All das gehört doch dazu.

IH: (Atmet auf.)

A: Das fühlt sich gut an.

IH: Ja. Tut es. Wie geht es dir jetzt?

A: Besser, wenn auch das Grundproblem nicht gelöst ist. Es tut gut, einfach mal aussprechen zu können, was ist.

Ich habe die Hoffnung, dass das wirklich wichtige im Leben auf mich wartet wie das Kalenderblatt mir sagt. Und all das, was mir im Moment nicht gelingen will, weil ich es nicht schaffe, einfach nicht sein soll. Ich setze mich in den Liegestuhl, lehne mich zurück und atme durch. In meiner jetzigen Situation wird auch mein Mitgefühl, mein Verständnis geschult. Ich erfahre jetzt wie sich andere fühlen, denen es auf Dauer nicht gut geht und wo keine schnelle Lösung gefunden wird.

Es gibt im Leben immer wieder Phasen, in denen es nicht so läuft, wie wir das eigentlich brauchen und uns wünschen. Es ist eine Herausforderung, dann zu üben, damit dennoch gut zu leben.

Ich wünsche uns allen diese Kraft, die uns wie ein Sonnenstrahl berührt und von innen heraus Mut macht und uns bestärkt. Und die Hoffnung: Gleich wie es kommt, es wird besser werden. Die Situation kann sich jeden Moment verbessern, Heilung und Entlastung sind immer möglich. Heilung kann sein, die Dinge anders zu sehen und sie so anzunehmen.

~ * ~

Das waren die Impulse für eines der beiden Kalenderblätter September. In dem anderen geht es um die innere Weisheit, mich selbst um Rat fragen. Herrlich, der September ist so richtig mein Ding.

Wenn Sie Interesse bekommen haben: Die Impulse können im Shop bestellt werden. Der Shop öffnet Mitte Oktober, dann können Sie die neuen Kalender und Impulse für 2016 bestaunen und bestellen. Ich informiere hier im Blog, auf meiner Facebook-Seite und im Newsletter, wenn der Shop seine Tore geöffnet hat.

Liebe Grüße

Anja Kolberg

Sie können gerne auf diesen Artikel hinweisen, in dem Sie diesen Link teilen:
http://www.frauencoaching.de/archives/2015/09/entry_6945.html
Darüber hinaus erlaube ich die Nutzung außerhalb dieser Webseite nur mit meiner Genehmigung.

Samstag, 01 Oktober, 2011

Meine Träume verwirklichen - Oktober 2011 - Wandkalender Herzensangelegenheiten

Wandkalender 2011: Herzensangelegenheiten

Positive Affirmation: Ich verwirkliche meine Träume.

Fotographie: Ein von mir selbst gebundener Herbstkranz in Grün und Lilatönen, befestigt an einem Weidenkorb. Aufgenommen in der Abendsonne.

Ich liebe dieses Bild. Ich liebe diesen Text. Als ich dieses Blatt für die Druckerei fertigstellte, hatte ich Tränen in den Augen. Das ist immer und immer wieder mein Thema: An mich selbst und meine Träume und Wünsche glauben. Sie so ernst nehmen, dass ich sie verwirkliche. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl.

In der Kalendervorstellung letzten Herbst habe ich einiges zu diesem Kalenderblatt geschrieben, schauen Sie hier (bis Oktober runterscrollen).

Zusätzlich dazu möchte ich heute ganz besonders den Augenmerk darauf richten, mich selbst zu unterstützen. Anderen Mut machen, fällt mir leicht. So viel schwerer ist es für mich, mir selbst beizustehen und mir Mut zu machen. Die Kraft, die Energie und Liebe kommt dafür aus dem Inneren. Wenn ich mich selbst liebe, ist dies leichter möglich, als wenn ich das nicht tue.

Selbstliebe ist das Stichwort.

Liebvoll zu mir selbst sein. Wie eine gute Mutter/guter Vater zu meinem inneren Kind zu sein, das sie bedingungslos lieben. Denn das ist meine Aufgabe als Erwachsene, genau so zu mir zu sein.

Das möchte ich jetzt mal ausprobieren und mich hier öffnen. Zeit für einen kurzen Dialog zwischen meinen inneren Anteilen: Dem liebevollen Erwachsenen in mir und dem inneren Kind, das Träume hat.

Liebevoller Erwachsene: Welche Träume hast du?
Inneres Kind: Sag ich dir nicht.

Liebevoller Erwachsene: Warum nicht?
Inneres Kind: Weil ich nicht weiß, ob ich dir vertrauen kann.

Liebevoller Erwachsener: Du weißt nicht, ob du mir vertrauen kannst. Warum? Habe ich dich schon mal verletzt?
Inneres Kind: (lacht bitter, schaut dann auf den Boden) Nicht nur einmal.

Liebevoller Erwachsener: (betroffen) Oh, das tut mir leid. Das war nicht meine Absicht. Entschuldige, wenn ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt war, dass ich mich dir nicht widmen konnte wie du es gebraucht und verdient hast.
Inneres Kind: Hmmm. (guckt noch immer traurig auf den Boden)

Liebevoller Erwachsener: (Hockt sich hin, damit er dem inneren Kind auf gleicher Höhe in die Augen schauen kann) Kannst du mir verzeihen?
Inneres Kind: (verschränkt die Arme vor der Brust, schüttelt mit dem Kopf, weicht dem Blick aus)

Liebevoller Erwachsener: War wohl ziemlich schlimm, was ich gemacht habe, oder?
Inneres Kind: (hebt den Blick und nickt heftig)

Liebevoller Erwachsener: Was brauchst du denn von mir, damit es dir besser geht?
Inneres Kind: Liebe. Verständnis. Da sein für mich. (jetzt mit lauter und wütender Stimme) MEINE TRÄUME NICHT LÄCHERLICH MACHEN, SONDERN MICH ERNST NEHMEN!

Liebevoller Erwachsener: Das habe ich nicht getan?
Inneres Kind: NEIN!

Liebevoller Erwachsener: (setzt sich jetzt im Schneidersitz auf den Boden) Es tut mir leid, dass ich deine Träume lächerlich gemacht habe und dich nicht ernst genommen habe. Es tut mir leid, dass ich so wenig Verständnis für dich habe und nicht genug für dich da bin. Es tut mir leid, dass ich dich nicht so liebe wie du bist und du es verdienst. Es tut mir leid.
Inneres Kind: (guckt dem liebevollen Erwachsenen jetzt genau in die Augen)

Liebevoller Erwachsener: Ist es ein bisschen besser?
Inneres Kind: (zuckt lustlos mit den Schultern)

Liebevoller Erwachsener: Hilft es dir denn zu wissen, warum ich so gehandelt habe?
Inneres Kind: (WÜTEND) NEIN! Dann geht es wieder nur um dich. Wie immer. (sie wird leiser) Immer geht es nur um dich.

Liebevoller Erwachsener: (ist betroffen) Das war mir gar nicht bewusst. Ich dachte, es würde dir helfen. Aber du hast Recht, dabei geht es um mich. Die Aufmerksamkeit liegt bei mir und nicht bei dir. Du hast gar nichts davon, wenn du weißt, warum ich so handle, oder?
Inneres Kind: Nein. (leiser werdend, den Blick nun auf den Boden gerichtet) Endlich begreifst du.

Liebevoller Erwachsener: Das hilft nur mir, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. (schlägt mir der Hand vor die Stirn) Jetzt begreife ich. Es tut mir so unendlich leid. Du musst mir nicht verzeihen. Ich sehe deinen großen Schmerz. Da ist bestimmt ganz viel Traurigkeit und Schmerz und Resignation, oder?
Inneres Kind: (guckt auf den Boden und nickt)

Liebevoller Erwachsener: Wie kann ich das bloß wieder gut machen?
Inneres Kind: (streckt die Schultern nach hinten, richtet sich regelrecht auf, guckt hoch und grinst frech) In dem du mir meine Wünsche erfüllst!

(Ich habe gerade beim Schreiben einen solchen Spaß und eine große Freude, diese beiden Anteile von mir zu beobachten, ihre Gestik und Mimik, ihre Antworten. Reines Vergnügen!)

Liebevoller Erwachsener: (lächelt) Was sind denn deine Wünsche?
Inneres Kind: Erzähle ich dir nicht.

Liebevoller Erwachsener: Aber wie soll ich sie dir denn erfüllen?
Inneres Kind: In dem du auf mich hörst. Ich sende dir deutliche Signale, was ich will. Überhöre mich nicht. Höre hin.

Liebevoller Erwachsener: Oh, das fällt mir bestimmt ganz schön schwer.
Inneres Kind: Ist mir egal. Du wolltest wissen, wie du das wieder gut machen kannst. Das ist meine Antwort.

Liebevoller Erwachsener: (grinst) Ok, ich werde achtsam sein und auf deine Signale hören.
Inneres Kind: Versprochen?

Liebevoller Erwachsener: (wird etwas traurig, die Schultern schmerzen und ziehen nach unten) Ich will dich nicht wieder enttäuschen und habe Angst, dir das zu versprechen. Was, wenn ich es nicht halten kann, weil ich Fehler mache?
Inneres Kind: Fehler sind mir wurscht! Dein Wille zählt. Versprichst du mir, dass du auf meine Signale hörst und mir meine Wünsche erfüllst?

Liebevoller Erwachsener: (windet sich) Aber ich kann doch nicht global sagen, dass ich dir deine Wünsche alle erfülle. Was wenn du dir wünschst, für eine zeitlang in ein anderes Land zu gehen oder dir etwas wünschst, das ich mir nicht leisten kann?
Inneres Kind: (entrüstet, stemmt die Hände in die Hüften) Ich wünsche mir nur Sachen, die gehen. Ich sage nicht, dass ich mir Sachen wünsche, die einfach sind. Für manche sind Veränderungen nötig, die dir schwer fallen. Aber alle Wünsche gehören in dein, in unser Leben. Wenn du wirklich auf mich hörst, wirst du den richtigen Weg gehen.

Liebevoller Erwachsener: Puh! (zieht die Augenbrauen nach oben) Das ist ganz schön heftig für mich, macht mir auch ehrlich gesagt ein bisschen Angst.
Inneres Kind: (lächelt, reicht dem liebevollen Erwachsenen die Hand) Brauchst keine Angst haben. Wir sind doch zu zweit.

 

Kurz war der Dialog nicht, dafür mich sehr bewegend.

Gesegnete Oktobertage!

Anja Kolberg

PS: Der neue Wandkalender wird gerade gedruckt. Ich freue mich schon auf sein Eintreffen! Mehr dazu bald hier auf der Webseite.

Wenn Sie auf diesen Beitrag hinweisen möchten, können Sie einen Link hierhin setzen: http://www.frauencoaching.de/archives/2011/10/entry_6695.html
Das Nutzen der Inhalte außerhalb dieser Webseite ist verboten.

Dienstag, 19 April, 2011

Spaziergang durch mein Inneres

Ich habe große Phantasie und kann mir vieles vorstellen, wenn ich mich darauf konzentriere. Mein Inneres kann ich mir zum Beispiel in Form von Räumen mit Türen und Fluren vorstellen. (Ich kann es mir auch in anderen Bildern vorstellen, jetzt erkunde ich es anhand dieser Idee.)

Ich stehe in einem Flur, von dem Türen abgehen. Manche Türen nehme ich nur im Augenwinkel beim Vorbeigehen wahr, bei manchen schnappe ich Töne auf, die nach außen dringen. Es gibt Türen, die regelrecht verbarrikadiert sind und ich habe das Gefühl, längst nicht alles zu kennen, was von diesem Flur abgeht.

Um es anschaulicher zu machen, zeichne ich mein Inneres - wie ich es mir gerade vorstelle - von oben. Das mache ich intuitiv, keine Ahnung, ob ich es beim nächsten Mal noch genauso zeichnen würde oder ganz anders. Es sit also eine Momentaufnahme.

In der Mitte gibt es ein Treppenhaus (lila), das in andere Ebenen führt. Kann mich nicht erinnern, ob und wann ich schon mal darin unterwegs war.

Um das Treppenhaus herum führt ein Flur, von dem Türen zu den dahinterliegenden Räumen abgehen. Ich habe den Flur hellblau gekennzeichnet und auch die anderen Bereiche farbig gestaltet, um es anschaulicher zu machen. Ich nehme im "echten" Flur keine Farben wahr. Da sind nur Weiß- und Grautöne.

Die meisten Türen sind verschlossen. Eine ist leicht geöffnet, diese Türe führt in den hellgelben Raum, der gefühlt für meine Vergangenheit ("Früher") steht. Ich halte mich darin nur noch selten auf.

Im Moment befinde ich mich hauptsächlich im grün eingezeichneten Raum der Gegenwart ("Jetzt"). Seine Türe ist weit geöffnet, der hellblaue Flurboden davor schon arg abgenutzt.

Im Raum "Jetzt" kenne ich mich bestens aus. Aber ehrlich gesagt: Er langweilt mich. Ich fühle mich unterfordert. Nicht ausgefüllt. Er ist mir zu eng geworden. Ich spüre regelrecht einen Druck auf dem Brustkorb mit dem Gedanken: "Ich muss hier raus.".

Zu einem großen Teil meiner Räume habe ich gar keinen Kontakt, weil im Flur Grenzen stehen, die ich lila gezackt eingezeichnet habe.

Diese zwei Grenzen stehen einerseits für Regeln, die die Gesellschaft vorgibt (was sich "gehört" und was nicht) und andererseits für das, was ich mir selbst nicht erlaube. Keine Frage, ich könnte diese Grenzen einreißen, wenn ich es mir erlauben würde. Es gibt aber noch ein starkes Gefühl, das mir sagt: "Das geht nicht!"

Zwischen den beiden Grenzen liegt eine Zone, die ich noch nicht betreten habe. Ich habe sie deswegen "Verbotene Zone" getauft. Von diesem Stück Flur gehen natürlich auch Räume ab.

Doch es gibt auch Räume, die vor diesen Grenzen liegen, die ich ebenfalls nicht betrete. Warum? Hm. Weil ich mich nicht traue. Weil ich keine Zeit habe (mir sie nicht nehme). Weil ich sie nicht sehen will. Damit möchte ich mich beim nächsten Mal intensiver beschäftigen und die Fragen beantworten:

  • Was liegt hinter den Räumen?
  • Was hält mich davon ab, meinen Weg zu gehen?

Hier das innere Bild im Gesamten:

Soviel für heute.

Herzensgrüße

Anja Kolberg

 © 15.4.2011 by Anja Kolberg. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe gleich welcher Art verboten. Wenn Sie auf diesen Beitrag hinweisen möchten, können Sie einen Link hierhin setzen. Er lautet:
http://www.frauencoaching.de/archives/2011/04/entry_6676.html

Montag, 28 Februar, 2011

Wenn's gerade nicht vorwärts geht

Ich möchte einen Blogbeitrag schreiben, kann das Thema aber nicht richtig greifen. Ich möchte ein neues Projekt in Angriff nehmen, doch auch hier spüre ich eine Blockade. Ein waberndes undurchsichtiges Etwas hält mich davon ab. Es fühlt sich unangenehm an. Mein Kopf hat die Aufgaben längst erledigt. Doch meine Seele, mein Körper packen es nicht.

Der richtige Zeitpunkt.

Wenn er gekommen ist, bricht es aus mir heraus wie aus einem Vulkan. Dann schreibe ich wie in Trance einen Artikel runter. Erledige Aufgaben in kürzester Zeit, die ewig auf meiner Unerledigt-Liste standen.

Der richtige Zeitpunkt lässt sich nicht herbeizaubern.

Warum eigentlich nicht? Doofes Ding. Warum ist der richtige Zeitpunkt nicht genau dann da, wann ich es will? Vielleicht liegt da das Problem? Das ich gar nicht will? Nein, ich will ja. Woran liegt es dann?

Tischkalender Februar 2011

Heute ist der 28., der letzte Tag im Monat Februar. Heute noch lächelt mich der Buddha vom Februar-Kalenderblatt mit seiner liebevollen Ruhe an und sagt mir: "Ich höre mir zu."

Wie wär es mit einem Dialog mit meinem Inneren? "Jaaaaa!" Mein inneres Kind springt freudestrahlend in die Höh'. Also los:

Verstand: Warum packst du die Dinge, die du tun willst nicht endlich an? Warum machst du es dir mit manchen Dingen so schwer?

Inneres: ...... (keine Antwort)

Verstand: Hallo? Ist da niemand?

Inneres: ..... (keine Antwort)

Verstand: Unfassbar! Hallo! Da muss doch jemand sein! Hallo! Unverschämtheit, mich hier so stehen zu lassen! Hallloooo???!!!

Inneres: ..... (keine Antwort)

Verstand: Na super! (kreuzt schmollend die Arme vor der Brust) Das habe ich mir anders vorgestellt.

Stimme: (leise) Ich mir auch.

Verstand: (guckt interessiert auf und spricht jetzt auch sanft und leise) Hallo, wer bist du?

Stimme: Ich.

Verstand: (bohrend) Wer ist ich?

Stimme: Na 'Ich' eben. Lass mich in Ruhe, sei nicht so fordernd.

Verstand: Entschuldige. Wollte dir nicht zu Nahe treten, nur wissen wer du bist. Wenn du es eben nicht weißt, dann...

Stimme: (wütend) Hallo? Hast du mir nicht zugehört? Ich bin Ich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Verstand: Na gut. Ich dachte, du hättest einen Namen.

Stimme: Ich ist ein Name. Es ist MEIN Name. Ich sage ja auch nichts über deinen Namen.

Verstand: Du kennst ihn doch gar nicht.

Stimme: Wie heißt du denn?

Verstand: Ich bin der Otto.

Stimme: Hallo Otto.

Verstand: Ich bin sauer.

Stimme: Aha.

Verstand: Alles geht mir zu langsam.

Stimme: Aha.

Verstand: Immer muss ich warten, warten, warten und es geht nicht vorwärts. Dabei musst du doch nur...

Stimme: Halt. Wieso sagst du "du musst doch nur". Wieso ich?

Verstand: Na du bist doch das Ich, oder?

Stimme: (Seufzt. Leicht wütend. Atmet tief ein und aus. ) Ich bin ein Teil von Anja. Genau wie du.

Verstand: Aha. Na, dann sag ich eben, dass 'Anja' doch nur den besagten Artikel schreiben muss oder nur eine bestimmte Mail schreiben oder einen bestimmten Anruf machen und schon geht es weiter. Was macht sie? Nichts von dem.

Stimme: Sie macht andere Sachen, die wichtig sind.

Verstand: (höhnisch) Ach ja? Was denn bitte schön?

Stimme: Sie bearbeitet Bestellungen, kümmert sich um das Essen, räumt auf, beantwortet Mails, macht die Buchhaltung, m...

Verstand: Jaja, schon gut. Sie liegt nicht rum und tut nichts.

Stimme: Selbst das wäre auch wichtig. Sich ausruhen. Entspannen. Zu sich selbst kommen. Nachdenken.

Verstand: Jaaaaha, schon gut. Trotzdem komme ich in den Dingen, die mir wichtig sind, nicht vorwärts.

Stimme: Richtig, sie sind DIR wichtig. Aber nicht allen Anteilen von Anja. Und so lange da kein grünes Licht kommt, geht es auch in DEINEN Projekten nicht vorwärts.

Verstand: Na toll! Aber es ist doch so wichtig, was ich will. Es geht um ihre berufliche Zukunft. Ideen. Projekte. Geld. Money. Du verstehst?

Stimme: Ich verstehe, was dir wichtig ist. Es gibt aber auch Anteile von Anja, denen sind andere Dinge wichtig.

Verstand: (stemmt die Hände in die Hüften) So, was denn zum Beispiel?

Stimme: Sich innerlich ordnen. Den Shop erst abschließen. Mit der Ernährungsumstellung einen Rhythmus finden. Zu sich kommen. Ausmisten.

Verstand: Schon wieder ausmisten?

Stimme: Es gibt immer etwas Neues, das losgelassen werden möchte. Dinge, die sich wieder angesammelt haben oder inzwischen überflüssig geworden sind.

Verstand: (genervt) Aha. Das mit der Ernährung kann ich ja noch verstehen. Aber "sich innerlich ordnen" - was soll das denn, bitte schön?

Stimme: In den letzten Wochen und Monaten ist viel passiert und es hat sich einiges geändert. Anja hat zum Beispiel für mehr als 10 Wochen komplett alles alleine gemacht, was sie sich sonst geteilt hat. Sie hat viel Neues erfahren, zum Beispiel was die Ernährung angeht. Das, aber auch was daraus folgte, wollte im Alltag seinen Platz finden. Sie setzt sich mit immer mehr Dingen kritisch auseinander. Das verändert Menschen.

Verstand: Zum positiven?

Stimme: Ich finde schon, dass es wichtig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dazu gehört, sich mit der entsprechenden Materie auseinander zu setzen. Menschen, die eine eigene Meinung haben und sie vertreten, sind wichtig. Oder findest du es nur gut, das zu tun, was alle tun, weil es schon immer so war und bequem ist?

Verstand: (hebt die Hände hoch) Natürlich nicht. Aber es ist so anstrengend, genauer hinzugucken und auch, dass sich so vieles ändert.

Stimme: Und um das alles zu verarbeiten, dafür braucht man Zeit. Anja braucht dafür Zeit.

Verstand: (nickt) Das verstehe ich.

Stimme: (lächelt) Das freut mich.

Verstand: Aber was ist denn jetzt mit meinen Wünschen und Projekten? Die sind doch wichtig. Und was, wenn es zu spät ist, wenn andere schon machen, was ich machen will? Was, wenn...

Stimme: (sagt ganz ruhig) Atmen, Anja, Atmen.

Verstand: (Atmet tief ein und aus.)

Stimme: Alles kommt zum rechten Zeitpunkt. Sei dir sicher. Wenn es nicht klappen sollte, war es nicht das richtige für Anja. Das richtige kommt, ganz von alleine.

Verstand: Du hast gut reden.

Stimme: Ich vertraue. Ich fühle es. Alles ist so wie es jetzt ist, richtig. Alles hat einen Sinn, auch wenn du ihn heute noch nicht erkennst.

Verstand: Aha.

Stimme: Du glaubst mir nicht?

Verstand: Weiß nicht. Ich habe Angst, dass ich nicht genug habe.

Stimme: Genug von was?

Verstand: Genug zum Leben. Genug Liebe. Genug Geld. Genug was weiß ich was.

Stimme: Vertraue mir. Es wird genug da sein. Das allerwichtigste ist, dass du dir das gibst, was du brauchst.

Verstand: Geld?

Stimme: Nein, Liebe.

Verstand: Woher willst du wissen, dass Liebe wichtiger ist als Geld?

Stimme: Ohne Liebe ist Geld nichts. Weißt du wie grausam sich Leben ohne Liebe anfühlt?

Verstand: Pah. Ohne Geld ist das Leben nichts.

Stimme: Woher willst du das wissen? Erinnerst du dich nicht an den Obdachlosen, den Anja in der Fußgängerzone angesprochen hat? Der hatte bestimmt sehr wenig Geld. Sah der wirklich traurig aus?

Verstand: Nein, er wirkte fröhlich und zufrieden.

Stimme: Und wie war das Gefühl als du die Webseite von Gulliver, dem Projekt für Kölner Obdachlose, angeschaut hast?

Verstand: Ich fand's richtig schön, was die machen und wieviel Hilfe da ist, wenn jemand sie braucht.

Stimme: Ja. Fühlst du jetzt Vertrauen?

Verstand: Ich weiß nicht. Auf jeden Fall fühle ich Zuversicht. Ich habe ja so viel zum Leben. Ich werde nie unter einer Brücke schlafen müssen.

Stimme: Das stimmt. Glaubst du immer noch "Ohne Geld ist das Leben nichts."?

Verstand: Nein, das glaube ich nicht mehr, wenn ich daran denke, wie Menschen leben, die kein Geld haben. Wie kamen wir nochmal darauf?

Stimme: Ich habe gesagt, dass 'Ohne Liebe Geld nichts ist.' und dass es das allerwichtigste ist, dass du dir das gibst, was du brauchst. Liebe.

Verstand: Ja, ich erinnere mich. Wie soll ich mir Liebe geben?

Stimme: In dem du zum Beispiel darauf vertraust, dass sich alles für dich entwickeln wird. Dir läuft nichts weg. Auch wenn du das Gefühl hast. Du bist in Sicherheit. Keiner nimmt dir etwas weg. Alles ist da, was du brauchst. Alles. Alles ist gut, so wie es jetzt ist.

Verstand: (Atmet tief ein und meint leise:) Ich bin auf einmal so müde.

Stimme: Feierabend?

Verstand: Ja. Feierabend!

Wandkalender 2011

Jetzt habe ich zwar nicht den Beitrag geschrieben, den ich wollte, dafür einen anderen, der mit rasender Geschwindigkeit aus meinen Fingern floss.

Von Herzen,

Anja Kolberg

Wenn Sie diesen Beitrag verlinken möchten, nutzen Sie bitte diese URL: http://www.frauencoaching.de/archives/2011/02/entry_6658.html

Montag, 19 Juli, 2010

An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen

Es gibt so Tage im Leben, Mann o Mann, da ist wirklich nur unter größter Konzentration etwas Gutes dran zu finden. Heute habe ich das Gefühl, ich sitze in einem dicken, miesen, schweren Sumpf. Er hält mich fest, lässt mich nicht los. Richtig besch...en ist das!

 

Wie sich das anfühlt? Schwer. Hoffnungslos. Lähmend. Desillusionierend. Nie endend. Es macht wütend, traurig und hilflos zugleich. Bäh!

Wie ich da reingekommen bin? Keine Ahnung. Ich bin nicht in das Sumpfloch gelaufen. Auf einmal war ich da. Es war, als hätte ich auf einmal meine inneren Augen geöffnet und schwups ist der Sumpf da. Blöde!

Warum ist das so? Warum fühle ich mich so? Und warum jauchze ich nicht: "Super! Eine riesengroße Schlamm-Wellnessgrube. Hier kann ich mich treiben lassen und wohlfühlen, mich mit Schlamm einsuhlen, andere damit bewerfen. Herrlich!"

Ups. Vielleicht ist das ja schon die Lösung? Den Sumpf mit anderen Augen betrachten? Klar, ich bin diejenige, die die Situation bewertet und entscheidet, ob ich sie super oder doof finde. Vielleicht ist sie auch beides - superdoof? Nein, super und doof. Also gut und schlecht.

Schlecht, weil ich mich so mies fühle. Gut, weil ich die Situation anders betrachten und was gutes daraus machen kann.

Tja, und nun?

Erst einmal möchte ich akzeptieren, was ist und erkennen, dass es mir seelisch heute Nachmittag beschissen geht. So jetzt habe ich das Wort doch geschrieben. Musste raus. Ich kann mein Befinden nirgendwo richtig dran festmachen, ich weiß nicht genau, was es ist. Es ist eher ein Wollknäuel aus x verschiedenen Fäden. Fäden, die ich (noch) nicht erkenne. Fäden, die ich nicht sehen und nicht wissen will. Fäden, die ich einfach nicht anpacke. Fäden, die mir zuviel sind. Fäden, die mir tierisch auf den Keks gehen, die ich aber nicht ändern kann. Fäden...

Was es auch ist, es ist da. Nicht wegzudiskutieren oder wegzublinzeln oder wegzuzaubern. Aus meinem Inneren kommt ein "Doch!"

Anja: Du kannst es wegzaubern, innere Stimme?
Innere Stimme: Ja klar.
Anja: Dann mach mal.
Innere Stimme: Nö.
Anja: Wieso nö?
Innere Stimme: Weil ich nicht will.
Anja: Na toller Trick! Warum willst du nicht?
Innere Stimme: Weil du erst was daraus lernen sollst.
Anja: War ja klar. Was soll ich daraus lernen?
Innere Stimme: Rate mal.
Anja: Dass das Leben so ist. Dass es mal einen Sumpf für uns parat hat und mal ein heiteres Plätzchen mit Cocktail im Schatten?
Innere Stimme: So ähnlich.
Anja: Dass es darauf ankommt, wie ich mit solchen Situationen umgehe, was ich daraus mache? Dass ich einen Weg finde, dass es mir trotz dem Sumpf gut geht?
Innere Stimme: Ja genau!

Okay, das Ergebnis sieht so aus:

Ich habe mich zu einer Schlammschlacht entschlossen. Mit dem Sumpf spielen, das ist für mich das Beste, aus der Situation zu machen. Ich kann sie nicht ändern, nur meine Einstellung. Heute ist eben ein sumpfiger, schlammiger Nachmittag, mit schlechter Stimmung. So ist es, das Leben.

Attackeeeeeee!

Anja Kolberg

Donnerstag, 20 Mai, 2010

Was mir nicht gut tut

Der letzte Beitrag "Manchmal ist es zum Schreien" - ist ein schönes Beispiel für das Kalenderzitat im Mai: "Ich lasse sein, was mir nicht gut tut."

... und dafür, dass die Umsetzung gar nicht mal so einfach ist. Denn wir haben ja einen Grund, warum wir die Dinge tun und nicht lassen. Bei mir war es gestern das Pflichtbewusstsein, doch mir fallen noch mehr Gründe ein, warum es mir schwer fällt, bestimmte Dinge sein zu lassen: Anstand, Ehrgeiz, Angst, nicht mehr gemocht zu werden und anzuecken, innere Sätze wie 'Absagen, das macht man nicht.' oder 'Das gehört sich nicht.' oder 'Was sollen denn die anderen denken....' Seufz. Die Liste könnte ich gefühlt endlos fortführen...

Gerade deswegen fällt es ja so schwer, die Dinge sein zu lassen, die mir nicht gut tun. Diese Regeln und auch Werte (Andere nicht verletzen) haben ihren Grund, warum sie da sind.

Ein Teil in mir gibt resigniert auf. Ich will keinen verletzen. Ich will nicht gegen Regeln verstoßen. Ich will brav und lieb sein und von allen gemocht werden. Also bleibt mir wohl gar nichts anderes übrig, als alles zu tun, was andere von mir wünschen, gleichgültig, ob es mir dabei gut geht oder nicht oder ob ich darauf Lust habe oder nicht.

 

Das fühlt sich ganz schön mies an, trostlos, sinnlos, lähmend.

 

Ich spüre wie beim Betrachten dieses Bildes Wut in mir hochsteigt, gemischt mit dieser Lähmung, doch nichts tun zu können. Mir kommen Worte wie Opfer und Hilflosigkeit in den Sinn.

Das kann es doch nicht sein!

 

Zeit für einen Austausch mit meinem Inneren.

Anja: Ja, was denn?

Innere Stimme: Anja, was machst du gerade?

Anja: Ich mache mich fertig.

Innere Stimme: Was meinst du?

Anja: Ich mache mich runter, warum ich etwas nicht sein lassen kann, dass mir nicht gut tut.

Innere Stimme: Warum machst du das?

Anja: Weil es sich nicht gehört, eine Verabredung abzusagen.

Innere Stimme: Warum nicht?

Anja: Weil ich zugesagt habe.

Innere Stimme: Warum hast du zugesagt?

Anja: Weil ich mich nicht getraut habe, 'nein' zu sagen.

Innere Stimme: Warum hast du dich nicht getraut, 'nein' zu sagen?

Anja: Weil ich zuerst Lust auf das Treffen hatte.

Innere Stimme: Jetzt hast du keine Lust mehr?

Anja: Es ist eine Mischung aus 'Vielleicht wird es mir gut tun. Es ist bestimmt schön, diese Menschen zu treffen.' und 'Ich kenne die Umgebung nicht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe Angst. Ich weiß nicht, was mich erwartet.'

Innere Stimme: Was ist das für ein Grundgefühl?

Anja: Unsicherheit und Angst.

Innere Stimme: Ich verstehe dich. Das ist keine gute Basis, um zu einem Treffen zu gehen.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Und nun?

Anja: Ich fühle mich verpflichtet, weil ich zuerst ja gesagt habe. Das ist nicht fair den anderen gegenüber, die das Treffen organisiert haben.

Innere Stimme: Ja, das stimmt.

Anja: Ich könnte schreien!

Innere Stimme: Dann schrei!

Anja: (halbe Lautstärke in Rücksichtnahme auf die Nachbarn) aaaaaaaaaaaaarg!

Innere Stimme: Du nimmst dich zurück. Warum machst du das Fenster nicht zu und schreist nochmal?

Anja: Ich schäme mich.

Innere Stimme: Würde es dir gut tun, zu schreien?

Anja: Oh ja!

Innere Stimme: Dann tu es auch. Denke mal nur an dich und das, was dir gut tun würde.

Anja: ... schließe das Fenster ... nehme all meinen Mut zusammen.... und schreie... sehr laut... Minu guckt verdutzt hoch... reicht noch nicht... schreie nochmal... das hallt ganz schön... reicht noch nicht... schreie nochmal... es wird leichter. Ich denke mal nicht an die Nachbarn und was die wohl denken mögen...grinse, weil ich an ihre Gesichter denke...

Innere Stimme: Wie geht es dir jetzt?

Anja: Ich fühle mich energiegeladen. Irgendwie besser.

Innere Stimme: Auf zu unserem ursprünglichen Thema. Das Treffen und deine Gefühle diesbezüglich.

Anja: (leise) ja.

Innere Stimme: Möchtest du darüber überhaupt noch reden?

Anja: Ja, natürlich. Es ist wichtig. Ich will nicht einfach meine Gefühle ignorieren, sie wegdrücken und pflichtgemäß das tun, was sich eigentlich doof anfühlt.

Innere Stimme: Bleiben wir bei dem Wort 'doof'. Warum fühlt es sich doof an?

Anja: Weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Weil ich nicht weiß, warum ich - was ich davon habe.

Innere Stimme: Spaß?

Anja: Ja, vielleicht, das weiß ich aber nicht.

Innere Stimme: Was könntest du denn davon haben?

Anja: Einen netten Abend. Unterhaltung.

Innere Stimme: Und das ist nichts?

Anja: Doch schon, aber ich habe keine Lust.

Innere Stimme: Manchmal gibt es doch auch Situationen, da hattest du erst keine Lust und dann war es ganz toll. Erinnerst du dich an die Karnevalsveranstaltung an deinem Heimatort, wo du viele Freunde von früher getroffen hast?

Anja: Hm.

Innere Stimme: War das nicht ähnlich?

Anja: Doch schon, nachher war ich froh. Es war schön.

Innere Stimme: Siehst du, vielleicht wird es hier ja auch so laufen.

Anja: (gequält) ja, vielleicht

Innere Stimme: Au weih, es geht dir nicht gut damit, oder?

Anja: Nö.

Innere Stimme: (seufzt) Anja, ich stehe zu dir, was immer du tun willst, gleich wie du dich entscheidest. Ich stehe zu dir.

Anja: Ich komme mir so unzuverlässig vor, wenn ich absage.

Innere Stimme: Nun ja, wenn du erst zusagst und dann absagst, dann ist das ja auch nicht zuverlässig. Das würde ja bedeuten, du sagst ja und tust es dann auch.

Anja: Ja eben. Ich will aber zuverlässig sein. Ich will lieb sein. Ich will glänzen. Brav sein.

Innere Stimme: Das, was du gerade sagst, fühlt sich ganz schrecklich an. In meinem Bauch krümmt sich alles zusammen. Was hast du davon, so zu sein?

Anja: Ich ecke nicht an und werde gemocht.

Innere Stimme: Das kannst du nur vermuten. Genau wissen kannst du das nicht.

Anja: Ja, stimmt. Ich vermute es, weil es eine Erfahrung von mir ist.

Innere Stimme: Was ist denn, wenn diese Erfahrung überhaupt nicht stimmt oder nur ein einziges Mal gestimmt hat und heute nicht mehr stimmt?

Anja: Ich weiß es nicht, du verunsicherst mich.

Innere Stimme: Es ist meine Absicht, das zu tun. Weil ich das, was dich zum Handeln bewegt, hinterfragen will. Du tust Dinge, obwohl du keine Lust darauf hast, obwohl du dich mies fühlst, weil du nicht nein sagen willst, weil du nicht anecken willst, weil du nicht willst, dass die Menschen schlecht über dich reden. Denn wer erst zusagt und dann absagt, der kann damit rechnen, dass die anderen über ihn reden, richtig?

Anja: Ja, richtig.

Innere Stimme: Du willst um jeden Preis geliebt werden.

Anja: Ja, will ich.

Innere Stimme: Das ist ungesund.

Anja: Wieso?

Innere Stimme: Du hast keine Lust, dorthin zu gehen. Du hast keine guten Gefühlen wegen des Treffens, richtig?

Anja: Ja, ich freue mich nicht richtig darauf. Bin unsicher.

Innere Stimme: Genau, und obwohl es dir nicht gut damit geht, willst du es trotzdem tun, richtig?

Anja: Ja, weil ich Angst habe, dass die anderen schlecht über mich reden oder schlecht von mir denken.

Innere Stimme: Du versuchst, Einfluss auf die Gedanken und Gefühle der anderen zu nehmen, in dem du dich möglichst so verhältst, dass du nicht aneckst, richtig?

Anja: Ja, stimmt. Weil ich gemocht werden will. Die anderen sollen eine gute Meinung von mir haben.

Innere Stimme: Weißt du, dass du darauf keinen Einfluss hast, was andere von dir denken?

Anja: (zögerlich nachdenkend) Ich weiß nicht.

Innere Stimme: Du hoffst das. Das ist aber nicht der Fall. Das einzige was du beeinflussen kannst, das bist du selbst. Deine Gedanken. Deine Gefühle. Dein Wohlbefinden. Du wirst die anderen so nehmen müssen wie sie sind, gleichgültig, was sie von dir denken.

Anja: Das tue ich doch auch.

Innere Stimme: Nicht wirklich, denn dann würdest du unabhängig von den Gefühlen und Gedanken der anderen handeln. Das tust du nicht, du versuchst, dich so zu verhalten, dass sie etwas bestimmtes von dir denken, nämlich was positives.

Anja: Ja, stimmt. (nachdenklich)

Innere Stimme: Und genau das ist ungesund, Anja. Es ist, als versuchst du durch dein Verhalten die Richtung des Windes zu bestimmen oder ob die Sonne scheint oder nicht. Ähnlich wie dem Spruch: "Wenn du deinen Teller leer isst, dann scheint Morgen die Sonne." Umgekehrt, wenn du es nicht tust, dann wird's regnen. Weiß du, was ich meine?

Anja: (schüttelt den Kopf)

Innere Stimme: Du glaubst, dass du Dinge beeinflussen kannst, die du nicht beeinflussen kannst. Zum Beispiel, durch dein Verhalten die Gefühle und Gedanken von anderen Menschen zu beeinflussen. Wenn du schön brav bist, dann finden dich die anderen dufte. Wenn du lieb bist, dann mögen dich die anderen. Wenn du aufisst, dann scheint die Sonne. Wenn du tust, was andere von dir erwarten, dann bist du lieb.

Anja: Ja, das glaube ich.

Innere Stimme: Und genau das ist das ungesunde. Du machst dich abhängig von den Gefühlen und Gedanken anderer. Verstehst du, warum das ungesund ist?

Anja: Weil ich das nicht beeinflussen kann, was andere denken?

Innere Stimme: Ja, du machst dich abhängig, du bist nicht mehr frei. Du machst dich zum Spielball der anderen. Nicht, dass die anderen das möchten, du bist dabei der entscheidende Punkt, nicht die anderen. Du lässt das zu, du machst dich abhängig. Du glaubst, nur, wenn die anderen dich lieben, dann bist du in Ordnung. Nur, wenn die anderen gut heißen, was du tust, dann bist du lieb. Nur wenn dir anderen deinen Plänen zustimmen, dann darfst du sie umsetzen. Siehst du die Abhängigkeit?

Anja: Ja, ich sehe sie. Es ist wie ein Band, dass ich einem anderen zuwerfe und der andere bestimmt, je nachdem wie er daran zieht, ob ich mich gut oder schlecht fühle.

Innere Stimme: Genau so ist es. Und der andere weiß größtenteils noch nicht mal von diesem Band.

Anja: Dabei muss ich gar nichts mit den Gefühlen des anderen zu tun haben.

Innere Stimme: Genau.

Anja: Wenn der andere schlechte Laune hat, denke ich 'Oh, was habe ich falsch gemacht?' und fühle mich mies. Die Laune des anderen muss aber gar nichts mit mir zu tun haben.

Innere Stimme: Ja genau. Ob der andere fröhlich ist oder schlecht gelaunt - die Gründe dafür liegen immer in dem anderen begründet. Darauf hast du keinen Einfluss. Es hat mit seiner Geschichte zu tun, mit seinen Werten, Regeln - vielleicht auch mit deinem Verhalten. Es kann sein, muss aber nicht. Das weiß nur der andere.

Anja: Also kann es auch sein, dass der andere sagt: 'Ich finde es klasse, dass du die Verabredung absagst und so gut für dich sorgst.'

Innere Stimme: Das kann natürlich sein. Aber der andere kann auch enttäuscht sein und sagen: 'Ich finde es schade, dass du nicht kommst. Ich habe mich so auf dich gefreut. Ich bin sauer, dass du so kurzfristig absagst, warum sagst du nicht gleich Bescheid?' usw.

Anja: Mir wird klarer, dass ich bisher versucht habe, durch mein Verhalten Einfluss auf den anderen zu nehmen. Und dass ich ein großes Bedürfnis habe, geliebt und gemocht zu werden.

Innere Stimme: Ja, weil du glaubst, nur dann okay zu sein. Du bist aber immer okay, gleich was du machst und sagst. Du bist auch okay, wenn du absagst oder wenn du nein sagst oder wenn du anderen auf die Füße treten musst.

Anja: Aber das will ich nicht.

Innere Stimme: Das weiß ich. Nur geht es manchmal einfach nicht anders. Wenn du eine Verabredung absagst, dann ist der andere vielleicht traurig oder sauer oder was auch immer. Der andere darf so reagieren und ist damit genau so okay wie du es bist. Ihr beide seid völlig in Ordnung. Eure Gefühle, Gedanken... Wichtig ist, dass du unabhängig von der Reaktion anderer - gleich wie die aussehen mag, ob positiv, negativ, gleichgültig.... - das tust, was sich für dich richtig anfühlt.

Anja: (denkt nach) So langsam verstehe ich.

Innere Stimme: Ich weiß, dass dir das schon lange klar ist und dass du die Systematik, das Muster kennst, das sich dahinter verbirgt: 'Wenn du dich so verhältst wie es mir gut tut, dann habe ich dich lieb. Wenn du aufmüpfig bist oder schwierig oder unbequem, dann habe ich dich nicht lieb.' So lautet das alte Muster, das hier in der Situation wirkt. Du kannst dich von dieser Last, diesem alten Muster befreien. Du darfst 'nein' sagen, wenn es dir damit besser geht. Du darfst absagen, wenn es dir nicht gut geht. Auch wenn es schön werden könnte, auch wenn es dir etwas geben könnte, auch wenn du etwas verpasst... Hör auf dein Herz und dein Gefühl. Das ist entscheidend. Du kümmerst dich um dich selbst, auf die anderen hast du keinen Einfluss.

Anja: PUH! Und nun?

Innere Stimme: Ich weiß es nicht. Wie geht es dir denn jetzt?

Anja: Etwas besser. Mir wird klar, warum es mir so schwer fällt, gut für mich zu sorgen, ich bekomme alleine bei dem Gedanken schon wieder Bauchweh. Das Kalenderzitat von diesem Monat 'Ich lasse sein, was mir nicht gut tut.' ist ein ganz schönes Paket.

Innere Stimme: Ja das stimmt. Herausfordernd und wichtig und tiefgreifend.

Anja: (atmet ganz tief durch). Ja. (guckt auf den nächsten Monat, dort steht: 'Ich erlaube mir, unperfekt zu sein.') Boah, das passt ja.

Innere Stimme: Ja, das passt prima. Wenn du gut für dich sorgst, kann es auch sein, dass du aneckst, andere vor den Kopf stößt und damit bist du nicht mehr so pflegeleicht wie bisher. Wenn "pflegeleicht, einfach zu handhaben, immer das 'richtige' tun" - perfekt sein bedeutet - was bedeutet dann unperfekt sein?

Anja: Na, wenn ich tue, was mir gut tut und zum Beispiel die Verabredung absage, obwohl ich vorher zugesagt habe, obwohl ich etwas verpassen könnte, obwohl andere sauer auf mich sein können (was ich ja in Wirklichkeit nicht weiß), obwohl die 'alte Anja' so etwas nie getan hätte... dann bin ich unperfekt.

Innere Stimme: Und, lohnt es sich, unperfekt zu sein?

Anja: Ja, weil alles andere gegen mich selbst geht. Ich will nicht länger funktionieren. Und ich will mich auch nicht länger abhängig machen von den Gefühlen und dem Wohlwollen anderer Menschen. Ich möchte so sein wie ich bin. Ich möchte so sein wie ich mich fühle. Ich möchte zu mir stehen und mich verstehen und zu mir halten, auch wenn ich unbequem bin. Ich erlaube mir, unperfekt zu sein. Ich erlaube mir, sein zu lassen, was mir nicht gut tut. Auch wenn ich damit das große Risiko eingehe, nicht mehr so gesehen zu werden wie ich mir das wünsche, nämlich lieb, nett, freundlich, verbindlich, zuverlässig, lustig, bequem, praktisch... Alles Werte und Tugenden, die auch einengen können. Ja, sie engen mich ganz aktuell ein.

Innere Stimme: Das fühlt sich gut an.

Anja: (atmet wieder tief durch) Ja, das tut es. Wenn auch gleichzeitig ein bischen komisch...

Innere Stimme: Das gehört dazu. Alles neue Verhalten fühlt sich komisch an, weil es neu ist. Es ist wie durch den Dschungel querfeldein statt auf der breiten bekannten Straße zu gehen. Das ist völlig anders, daran muss man sich erst mal gewöhnen.

Anja: Okay. (fängt wieder an zu grübeln) Was soll ich jetzt machen? Soll ich absagen oder nicht?

Innere Stimme: Das weiß ich nicht. Was möchtest du denn am liebsten?

Anja: Ich möchte zu Hause bleiben.

Innere Stimme: Dann hast du doch deine Antwort.

Anja: Aber es tut so weh.

Innere Stimme: Das stimmt. Das gehört dazu. Es gehört dazu, auszuhalten, dass du anderen vielleicht weh tust, sie enttäuscht. Ent-Täuschung bedeutet auch, den Schleier fallen zu lassen. Die Täuschung war, dass du so getan hast, als hättest du Lust, um den anderen zu gefallen.

Anja: Aber ich möchte die anderen nicht enttäuschen.

Innere Stimme: Du entscheidest. Du erinnerst dich, du kannst nicht beeinflussen, ob die anderen enttäuschst sind oder nicht, das bestimmen alleine die anderen.

Anja: Ja stimmt. Ich will den anderen nicht weh tun.

Innere Stimme: Ich weiß. Auch das kannst du nicht beeinflussen. Die anderen entscheiden, ob du sie damit verletzt oder ob sie Verständnis für dich haben oder oder oder.... All das ist okay. Das gehört nicht in deinen Machtbereich. Damit überschreitest du die Grenze des anderen. Lass den anderen ihre Gefühle. Kümmere dich nur um deine Gefühle. Das ist dein Hoheitsbereich.

Anja: Aber es ist so schwer.

Innere Stimme: Ja, das stimmt. Es ist schwer. Veränderung ist schwer.

Anja: Ich brauche noch Hilfe.

Innere Stimme: Welche Hilfe brauchst du?

Anja: Die Gewissheit, dass alles gut wird und dass ich das darf.

Innere Stimme: Gut, dann fragen wir die weise Achtzigjährige in dir um Rat.

Anja: Wird alles gut werden?

Achtzigjährige: Natürlich wird alles gut werden, Anja. Mach dir keine Sorgen.

Anja: Aber darf ich das denn, absagen?

Achtzigjährige: Natürlich darfst du das. Du darfst alles.

Anja: Aber was ist mit den Folgen?

Achtzigjährige: Was soll damit sein?

Anja: Verbaue ich mir damit nicht etwas?

Achtzigjährige: Ich kann dir nicht sagen, was gewesen wäre, hättest du dich damals anders entschieden. Ich kann dir nur sagen, dass es mir gut geht.

Anja: Also habe ich damals abgesagt?

Achtzigjährige: Dazu möchte ich nichts sagen, Anja. Ich will dir nicht die Entscheidung abnehmen. Das kannst du nur heute entscheiden. Im Alter sind einfach andere Dinge wichtig und ich habe heute andere Gefühle als früher. Heute sind deine aktuell, Anja, und die alleine zählen.

Anja: Ich möchte am liebsten schreien.

Achtzigjährige: Ja, du möchtest schreien, weil du beides willst: Du willst gut im Licht stehen und keinen Schaden hinterlassen. Doch beides geht nicht. Entscheide heute nach deinen Gefühlen, alles andere liegt nicht in deiner Hand. Vielleicht wirst du Ansehen verlieren, vielleicht wirst du Angst haben, vielleicht wirst du dich schlecht fühlen, vielleicht wirst du dich aber auch großartig fühlen, weil du dich ernst genommen hast, vielleicht wirst du Ansehen gewinnen... Das alles sind Blicke in die Zukunft, die dich jetzt nicht weiter bringen.

Anja: Warum nicht?

Achtzigjährige: Weil du die Folgen nie ganz abschätzen kannst. Einen Schritt nach dem anderen. Hör mal auf deine Lust und deine Freude: Hast du Lust, die Verabredung anzunehmen?

Anja: Nein, ich fühle mich aber schlecht bei diesem Gedanken.

Achtzigjährige: Warum?

Anja: Weil ich die anderen nicht verletzen will. Ich mag die anderen, aber ich fühle mich nicht freudig, wenn ich an das Treffen denke.

Achtzigjährige: Okay, jetzt hast du die Möglichkeit, über dein Wohlbefinden zu entscheiden. Denn das tust du, das ist deine Aufgabe: Gut für dich zu sorgen. Wenn du ganz frei wählen könntest, was würdest du dann am liebsten tun?

Anja: Nicht gehen, aber da ist auch die Neugier, was aus den anderen geworden ist.

Achtzigjährige: Es geht eben nicht alles, Anja. Du zahlst immer einen Preis für deine Entscheidungen. Du kannst nicht beides haben: Deine Neugier befriedigen und dich wohl fühlen.

Anja: (horcht auf) Wieso nicht?

Achtzigjährige: Sag du es mir.

Anja: Nun, wenn ich mich für das Treffen morgen präparieren könnte, so dass es mir gut geht, dann könnte ich mich wohlfühlen, würde allen anderen nicht auf die Füße treten, ich wäre geliebt und geschätzt, ich würde Neues erfahren, würde mir nichts verbauen...

Achtzigjährige: Du versuchst, zu funktionieren. Du versuchst, in ein Raster reinzupassen, dich dem anzupassen, was du glaubst, dass andere von dir erwarten. Genauso dass du glaubst, die anderen würden dich dann mögen. Es kann auch ganz anders sein, zum Beispiel, dass die dennoch denken: 'Was für eine doofe Kuh'. Nicht dass sie das tun, aber du kannst anderen nicht hinter die Stirn schauen und das willst du. Du willst kontrollieren.

Anja: Aua.

Achtzigjährige: Stimmt es?

Anja: Ja.

Achtzigjährige: Siehst du, das ist das Problem. Du willst kontrollieren, was nicht in deinem Machtbereich steht.

Anja: Grmpf.

Achtzigjährige: Es gefällt dir nicht.

Anja: Nein.

Achtzigjährige: Das ist okay und gehört dazu. Du darfst darüber traurig sein. Du darfst wütend sein. Du darfst Angst haben. Du darfst dir Sorgen machen. Alles ist okay. Du willst von mir die Erlaubnis haben, damit du nicht die Verantwortung tragen musst. Die bekommst du aber nicht von mir.

Anja: Na toll.

Achtzigjährige: Du bist wütend.

Anja: Ja! Ich finde das total blöde!

..................................

Nach dem Dialog habe ich all meinen Mut zusammen genommen und abgesagt. Es war sehr wichtig für mich, keine Ausrede zu benutzen, sondern über meine wirklichen Gefühle zu sprechen. Nach der Absage habe ich mich erst schrecklich gefühlt, dann war ich stolz, dass ich so auf meine Gefühle geachtet habe. Es fühlt sich immer noch komisch an, das darf es auch. Es ist für mich neues Verhalten, wirklich meine Gefühle und Bedürfnisse konsequent ernst zu nehmen. Neues Verhalten (Urwald statt breite Straße) fühlt sich komisch an.

Doch je öfter ich den Urwaldweg gehe, desto bekannter wird er für mich. Eines Tages gehe ich ihn blind. Dann ist es ein gewohntes Verhalten von mir, ohne Gewissensbisse gleich zu sagen, was ich fühle. Ja, das möchte ich: Noch ehrlicher zu mir selbst und anderen sein. Mich unabhängig von der Bewertung anderer machen. Auch zu den 'nicht so angesehenen' Gefühlen wie Unlust zu stehen und damit ganz zu mir zu stehen. Verständnis für mich haben. Mich wichtig nehmen. Mir erlauben, so zu sein wie ich bin.

Anja Kolberg

Montag, 17 Mai, 2010

Manchmal ist es zum Schreien

Ich stehe vor einem Glaskasten. Innendrin schwebt ein goldener Umschlag mit der Lösung. Die Anleitung, was ich tun muss, damit es mir besser geht, ich fühle mich nicht so dolle. Aber keine Möglichkeit an das goldne Ding ran zu kommen, es gibt weder ein Schloss noch eine Türe im Glaskasten. Schon alles untersucht. Genau an der Stelle möchte ich am liebsten laut schreien - aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Vor lauter Wut, weil ich nicht weiß, wie ich an den Umschlag komme.

... ein bischen Zorn scheint auch dabei...

... könnte auch der Schlachtruf einer Kriegerin sein! Hey, das gefällt mir, denn darin liegt ganz viel Kraft und Energie. Mit der könnte ich einem Karatekämpfer den Glaskasten in Einzelteile zerlegen und so an die Lösung kommen. ... aber Gewalt fühlt sich nicht gut an.

Wie kann ich damit umgehen? Der Schrei hat schon mal geholfen, meine Gefühle auszudrücken. Immer noch rot im Gesicht fühlt es sich jetzt schon ein bischen besser an.

An den Umschlag bin ich aber noch immer nicht rangekommen.

Ich vermute ja nur, dass sich darin die Anleitung zum "Wie es mir besser geht" befindet. Vielleicht ist es so. Vielleicht ist dieser Glaskasten aber auch nur ein Sinnbild für etwas. Er ist ja durchsichtig und ich kann den goldenen Umschlag sehen. Vielleicht ist der Kasten ein Sinnbild für mich selbst, der goldene Umschlag ein Hinweis auf mein Inneres und der vermutete Inhalt ein Sinnbild für die Lösungen, die in mir schlummern?

Das gefällt mir. Ich will doch die Lösung in mir selbst finden und nicht im äußeren. Das passt. Zeit für einen Dialog mit meinem Inneren.

Anja: Stimmt das Bild? Ist der Glaskasten mit dem goldenen Umschlag eine Metapher für mein Inneres und dass die Lösung in mir selbst liegt?

Innere Stimme: Natürlich!

Anja: Okay. Dann sag mir doch mal bitte, wie es mir besser gehen kann. Was kann ich tun? Was soll ich tun?

Innere Stimme: Halt, nicht so schnell. Du willst viel zu schnell vorwärts kommen. Das tut dir nicht gut. Du brauchst viel mehr Zeit. Die willst du dir aber nicht geben. Deswegen hast du auch so Kopfschmerzen.

Anja: Aha. Doof. Ich will jetzt aber die Lösung. Jetzt gleich will ich wissen wie es mir besser geht!!!!! Maaaaaaannnnoooooo!

Innere Stimme: Ich sehe dich schon wieder rot angelaufen schreien. Du bist unglücklich, dass es nicht so läuft wie du es gerne willst.

Anja: (mault) Ja und, was ist daran so schlimm?

Innere Stimme: Daran ist gar nichts schlimm. Es ist einfach so.

Anja: Ja und? Wie soll mir das bitte schön weiter helfen?

Innere Stimme: Du bist sehr angespannt.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Schau dich gerade mal um, ob dich etwas in deiner Umgebung stört.

Anja: Ja, das Fenster ist offen und der Straßenlärm und das Geräusch eines Kompressors nerven mich.

Innere Stimme: Dann mach das Fenster zu.

Anja: (wieder maulend) Ja gut, aufstehen ist aber lästig... so habe ich gemacht.

Innere Stimme: Ist es jetzt besser?

Anja: Nur ein bischen.

Innere Stimme: Was stört dich noch?

Anja: Der Rechner ist so laut.

Innere Stimme: Dann mach den PC aus.

Anja: Ja, dann kann ich hier aber nichts mehr schreiben und nicht mehr weiter arbeiten.

Innere Stimme: Ja und? Dann ist das jetzt eben so. Du kannst jetzt nichts mehr am PC schreiben und auch nichts anderes machen. Dafür gehen aber vielleicht deine Kopfschmerzen weg und du entspannst dich endlich. Das ist doch ein Grundproblem. Du sagst, du fühlst dich nicht gut.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Aber die Lösung suchst du im Außen. Dabei liegt die Antwort so nah: Schau, was dir ganz konkret gut tut und was nicht. Was tut dir gerade nicht gut?

Anja: Das Rechnergeräusch.

Innere Stimme: Was würde dir jetzt gut tun?

Anja: Den Rechner ausmachen. Wärme, eine heiße Dusche, mich hinlegen, japanisches Heilpflanzenöl auf die Stirn.

Innere Stimme: Da hast du die Anleitung für die Lösung, Anja. So einfach - und offensichtlich auch gleichzeit so schwer - ist das. Die Welt geht nicht unter, wenn du jetzt den Rechner ausmachst. Du tust dir etwas Gutes, auch wenn sooooo viel liegen bleibt und du deswegen erst mal ein doofes Gefühl hast. Glaube mir, es wird sich auszahlen, dass du dir jetzt was Gutes tust, viel mehr als jetzt noch eine Stunde und noch eine Stunde und noch... hier zu sitzen und dich zu quälen. Kannst du das annehmen?

Anja: Ja. Na gut. Ich versuche es und mache den PC jetzt aus, stelle mich unter die heiße Dusche und bin mir eine ganz besonders liebevolle und umsorgende Mama.

Tschööööö

Anja Kolberg

Freitag, 27 November, 2009

Wenn die Angst übermächtig wird...

Es gibt Situationen, da sitze ich bewegungsunfähig wie ein Häschen vor der Schlange. Meine Angst hat mich gelähmt.

Was ist passiert? Wenn ich der Angst nicht zuhöre, wird sie immer mächtiger und kann mich regelrecht lähmen. Wenn ich sie jedoch als wichtigen Anteil von mir respektiere und ihr zuhöre, dann hat sie heilsame Worte für mich, die mich auf meinem Weg weiterbringen.

Ich nehme die Gelegenheit beim Schopfe und unterhalte mich mal mit meiner Angst:

Anja: Warum habe ich Angst?
Angst: Weil du verletzt worden bist.
Anja: Wer hat mich verletzt?
Angst: Du selbst.
Anja: Nicht andere?
Angst: Nein. Wenn du nicht willst, dass dich jemand verletzt, kann dich niemand verletzen.
Anja: Was kann ich tun?
Angst: Hör auf, dich zu verletzen.
Anja: Aber ich weiß doch gar nicht wie ich mich verletze.
Angst: Doch, das weißt du schon. Es sind Worte wie: "Wusste ich doch, dass es nicht klappt. Das war nicht gut genug. Das reicht noch nicht. Ich kann das nicht. Ich traue mich nicht. Ich bin nicht gut genug. Ich mache einen Fehler. Mach dich nicht zu groß. So toll bist du gar nicht. Ich habe noch nicht genug getan. Ich muss erst noch das und das tun, dann bin ich gut. Ich muss anders werden, dann werde ich geliebt. Ich muss abnehmen, dann bin ich richtig. Mit mir stimmt was nicht. Ich muss mehr Geld verdienen, erst dann darf ich für meine Meinung eintreten."... Weißt du jetzt, was ich meine?
Anja: Ja, Angst, ich weiß jetzt, was du meinst. Was kann ich denn tun?
Angst: Höre zunächst hin, wenn du zu dir selbst sprichst. Höre hin, wann du Worte benutzt, die dich selbst klein machen, dich verletzen, dir nicht gut tun.
Anja: Und dann?
Angst: Erkenne an, dass das schon ein ganz wichtiger Schritt ist. Du unterbrichst den bisherigen Abflauf. Halte inne und finde Worte, mit denen du Verständnis für dich selbst hast und erkläre dir, warum du diese Worte bisher benutzt hast.
Anja: Warum soll ich das tun?
Angst: Weil es dir hilft zu verstehen, warum du so gehandelt hast.
Anja: Und dann?
Angst: Dann sagst du dir liebevolle, aufmunternde Worte. Worte, die sich dein Innerstes wünscht. Worte, die dich glücklich machen.
Anja: Gleich was?
Angst: Ja, das, was dir gut tut. Das weißt du dann schon.

Hm, das klingt gut. So schlimm ist die Angst gar nicht. Eigentlich ist sie sogar sehr lieb zu mir. Wer hätte das gedacht?

Ich wünsche Ihnen ein schönes erstes Adventswochenende!

Anja Kolberg

Donnerstag, 30 April, 2009

Orientierung finden

 

Wenn ich vor einer Entscheidung stehe und mir nicht sicher bin, was ich tun soll, rede ich gerne mit anderen darüber. Das hat aber zur Folge - völlig logisch - dass mir andere ihre Meinung mitteilen.

Warum tue ich das überhaupt? Vielleicht bin ich unsicher, weil ich mich nicht traue, ganz zu mir zu stehen. Vielleicht erhoffe ich mir, dass sie sagen: "Stehe zu dir.", oder dass sie etwas sagen, dass mir bei meiner Entscheidungsfindung hilft. Da sie nicht wissen, was ich brauche und hören will, ist es ein Glücksfall, wenn es passiert.

Die vielen Antworten haben dies hier zur Folge:

Ich weiß noch weniger, was richtig ist und was falsch. Es sind die Meinungen der anderen, das muss gar nicht mit mir selbst zu tun haben. Jeder von ihnen meint es sehr sehr gut mit mir. Aber es hilft mir nicht weiter, weil nur ein Mensch mit weiterhelfen kann: Ich selbst!

Das erfordert Mut, denn es kann sein, dass die Antworten, die ich in mir selbst finde, nicht der Rat ist, den mir andere gegeben haben oder geben würden. In mich hinein zu horchen erfordert Mut, weil die Antworten vielleicht nicht dem entsprechen, was vernünftig ist, also dem Konto gut tut oder der Karriere oder dem gesellschaftlichen Ansehen oder dem, was bequem ist.

Es lohnt sich - weil es mein Leben ist, mein Weg, meine Verantwortung. Heute ist ein guter Tag, meinem Inneren zuzuhören, dem inneren Kind Aufmerksamkeit schenken und zu schauen: Was will ich selbst eigentlich? Was ist gut für mich? Welchen Weg will ich gehen?

Anja Kolberg

Dienstag, 10 März, 2009

Etwas für mich selbst tun

Heute Nachmittag hätte ich eigentlich ein Treffen in einem Café gehabt. Auf das Gespräch habe ich mich schon länger gefreut. Bis ich Kopfschmerzen bekam. Ein Dialog mit meinem Inneren half mir, eine Entscheidung zu finden: Ich habe den Termin verschoben. Ich muss nicht auf dem Boden kriechen oder sterbenskrank sein, um eine Verabredung abzusagen. Es ist meine Aufgabe, gut für mich zu sorgen, wenn schon das Gefühl da ist, dass ich etwas anderes brauche.

Ich bin froh, dass ich mein Pflichtgefühl (was man vereinbart, muss man halten) nicht an die erste Stelle gesetzt habe, sondern mich selbst! Und das fühlt sich gut an.

Ein freier Nachmittag!

Herzensgrüße aus verregneten Domstadt

Anja Kolberg

Dienstag, 10 Februar, 2009

Wie verändern wir uns in Partnerschaften?

Ein Thema, über das ich nachdenke, weil das Wiedersehenstreffen mit der Jugengruppe naht. Wo ich Menschen treffe, zu denen ich seit meinen Umzug nach Köln, also nachdem ich meinen Partner kennen gelernt habe, keinen Kontakt mehr hatte. Wir uns aus den Augen verloren haben. Jugendfreundschaften. Menschen, die mich vor meiner Ehe gekannt haben.

War ich damals anders als heute? Ich glaube ja. Ich habe Lust auf einen Plausch mit meiner inneren Stimme.

Anja: Habe ich mich zu meinem Vorteil verändert?
Innere Stimme: Ja.
Anja: Was denn zum Beispiel?
Innere Stimme: Du hast einen enormen inneren Entwicklungsprozess hinter dir. Bist erwachsener geworden.
Anja: Habe ich mich auch zu meinem Nachteil verändert?
Innere Stimme: Ja.
Anja: Oh, das interssiert mich. Was hat sich zu meinem Nachteil verändert?
Innere Stimme: Dass du dich selbst ein Stück in der Partnerschaft vergisst. Du bist viel mit der Aufmerksamkeit bei deinem Partner, statt bei dir selbst.

Anja: Und das war vorher anders?
Innere Stimme: Ja, das war anders. Du hast viel mehr für dich selbst gesorgt. Darauf geachtet, dass es dir gut geht. Dich als eigenständige Persönlichkeit gezeigt.
Anja: Und heute bin ich eher ein 'wir'.
Innere Stimme: Ja.
Anja: Und dafür trage ich selbst die Verantwortung.
Innere Stimme: Ja natürlich. Dein Partner hat damit nichts zu tun. Du entscheidest, welchen Weg du innerhalb einer Partnerschaft gehst. Wie sehr du dein eigenes Ich lebst oder dich anpasst oder verschmelzt mit dem anderen oder dich hinter deinem Partner versteckst. Es gibt ganz viele Möglichkeiten. Lebst du deine Wünsche und Träume oder hast du sie aufgegeben, weil dein Partner sie nicht wichtig findet? Was willst du, was fühlt sich gut an? Lebst du eigene Hobbies? Eigene Freundschaften? Vertrittst du deine Meinung? Dein eigenes Ich zu leben ist auch innerhalb einer Gemeinschaft, einer Partnerschaft möglich. Es ist sogar sehr wichtig. Es hält die Partnerschaft und dich selbst lebendig.

Anja Kolberg

Freitag, 16 Mai, 2008

Wie ein Stiefkind...

... in einem Märchen behandle ich einen Anteil von mir. Welchen? Den der Schreibenden. Sie bekommt alles, was sie braucht zum Überleben. Ihr geht es gut, keine Frage. Sie schreibt Tagebuch, sie schreibt im Blog. Ihre Grundbedürfnisse werden erfüllt. Aber sie will mehr.

Sie ist diejenige in meinem Team, die ganz wibbelig auf dem Stuhl sitzt, Block und Stift in der Hand, voller Energie. Sie will loslegen.

Und was mache ich, ihre Teamchefin? Ich missachte sie, schenke Coach und Trainerin Aufmerksamkeit, damit sie Lust haben, aufzustehen, konzentriere mich auf die Kreative, die weiter entwirft, auf die Fotografin, auf die Betriebswirtin, die alles managt. Aber die Schriftstellerin, die kann noch so laut brüllen. Ich überhöre sie.

Das ist eine Unverschämtheit von mir! Ungeheuerlich! Unmöglich!

Ich tue es aber.

Eben las ich in einer Mail des Autorenhausverlages von Schreibblockaden, vom Erfolgsdruck und dem Drang, schreiben zu müssen. Alles ist mir geläufig. Für mich gehört aber noch etwas dazu: Nämlich die fehlende Unterstützung, die fehlende Aufmerksamkeit von mir für mein Stiefkind. Unsere Kommunikation scheint gewaltig gestört. Liebe fließt nicht zwischen uns, sondern Leere. Das ist ganz und gar nicht gut. Ich habe mich erschrocken, als mir das bewusst wurde.

Was tun? Wie dafür eine Lösung finden? Denn es ist ja klar: Ich will mehr schreiben als nur im Blog und im Tagebuch und ich weiß, darum geht es auch. Es hilft mir im Moment aber kein "nicht reden, sondern einfach machen" weiter. Ich weiß, über das Thema schreibe ich nicht zum ersten Mal. Ein Zeichen, wie sehr es mich beschäftigt.

Zeit für einen inneren Dialog:

Anja: Hallo, Schriftstellerin. Wie geht es dir?

Schriftstellerin: Beschissen! Ich werde einfach nicht gehört! Dabei will ich unbedingt loslegen.

Anja: Wer hält dich auf?

Schriftstellerin: Na du!

Anja: Womit?

Schriftstellerin: Mit deinen ewigen Zweifeln. Mit deiner Angst, nicht gut genug zu sein. Mit deinem Anspruch, dass ich was richtig gutes bringen muss, damit es sich lohnt. Nicht, dass ich das nicht schaffen kann, aber es ist wie eine zähe Masse, die mich umgibt und mich nicht loslegen lässt.

Anja: Was wünschst du dir von mir?

Schriftstellerin: Unterstützung. Zuspruch. Eine lange Leine. Gib mir Freiheit. Lass mich einfach machen.

Anja: Wie stellst du dir das praktisch vor?

Schriftstellerin: In dem du mir eine feste Zeit am Tag gibst, in der I-C-H bestimme, was gemacht wird. So einfach ist das.

Anja: Aha. Und wann soll das sein? Eine bestimmte Uhrzeit?

Schriftstellerin: Natürlich, sonst gehe ich wieder im Alltag unter. Ich brauche und verlange unbedingt eine feste Zeit!

Anja: Wann möchtest du die haben?

Schriftstellerin: Morgens eine halbe Stunde bevor du mit Minu gehst. Bevor du den PC anmachst. Gib mir den Laptop und ein leeres Dokument. Und meine halbe Stunde.

Anja: O.k., das kann ich machen. Ist das alles?

Schriftstellerin: Nein. Noch was: Lass mich einfach machen. Zerpflücke nicht das, was ich mache. Lass es einfach so stehen. Stell keine Ansprüche an Vollständigkeit, an Sinn, daran, dass daraus etwas werden muss. Ich brauche meinen Freiraum. So wie die private Türe zu meinem eigenen Zimmer, die ich verschließen kann, wenn ich Ruhe vor deinem Druck und deiner Zensur haben will. Kapiert?

Anja: Ja, kapiert.

Anja: Woher willst du denn wissen, dass ich die Zeit auch wirklich jeden Tag einhalte?

Schriftstellerin: Sei dir sicher: Ich werde dir gewaltig auf den Keks gehen, wenn du nicht aktiv wirst. Wehe du brichst mit meinem Freiraum. Ich verlange ganz wenig, aber sei dir sicher: Du wirst reich beschenkt.

Anja: Gut, ich will es tun. Noch was?

Schriftstellerin: Ja. Du machst das alles richtig gut. Sei dir sicher, ich melde mich zum richtigen Zeitpunkt, so wie ich es jetzt getan habe. Ich habe mich zwar vorher schon immer bemerkbar gemacht, aber jetzt stimmt der Zeitpunkt. Jetzt will ich so richtig loslegen. Ärgere dich nicht, dass du mir nicht schon vorher mehr Aufmerksamkeit geschenkt hast. Das stimmt schon so wie es ist.

Anja: O.k., danke. Mir ist aber auch noch etwas wichtig.

Schriftstellerin: Ja, was denn?

Anja: Dass du es mir leicht machst, in dem du dich mehr durchsetzt. In dem du wirklich die Türe schließt und dann loslegst, dir den Raum nimmst, den du brauchst und du ihn so gestaltest, wie du möchtest.

Schriftstellerin: Kein Problem. :o)

Anja: Abgemacht?

Schriftstellerin: Abgemacht!

Schönes Wochenende

Anja Kolberg

Freitag, 04 April, 2008

Wahrhaftig geschafft!

Ja, ich hab's gestern gepackt: Ich habe geschrieben. Und nicht nur 2 Seiten - nein 10! Danach war ich körperlich ziemlich verkrampft, daran muss ich noch arbeiten. Und während des Schreibens hätte ich meine innere Perfektionistin am liebsten gefesselt und geknebelt, damit sie mich in Ruhe lässt und nicht anschließend den ganzen Text zerpflückt...

(Jetzt erlaube ich mir mal wieder eine Zeichnung.)

 

Nein, keine Sorge, ich hab's nicht getan. Irgendwie konnte ich sie auch so in Schach halten.

Es ist ein Anfang. Ein weiterer Schritt. Mein Herz sagt in die richtige Richtung. Es hüpft. :o)

Zeit für den Blick auf den Kalender.

Anja: Seele, was brauchst du heute um froh zu sein?
Seele: Eine Pause.
Anja: Eine Pause wovon?
Seele: Von allem.
Anja: Aber ich kann doch nicht einfach eine Pause machen, wo ich doch hier so viel zu tun habe!!!
Seele: Wieso nicht?
Anja: Das geht doch nicht. Es gehört sich nicht. Ich will nicht als faul dastehen.
Seele: Du und faul? Hör auf, Anja. Du weißt genau, dass es nicht stimmt.
Anja: Ja, aber ich war doch diese Woche schon im Japanischen Garten.
Seele: Na und?
Anja: Was soll ich den für eine Pause machen?
Seele: Geh spazieren.
Anja: Näh! Ich gehe jeden Morgen mit Minu spazieren. Ich habe darauf jetzt echt keinen Bock!
Seele: Dann schlag was anderes vor.
Anja: Mir fällt nix ein. Weiter arbeiten?
Seele: ANJA!
Anja: Also, ich versuche es mal anders: Liebe Seele, welche Pause wünschst du dir heute, damit du froh bist?
Seele: Ich möchte eine zeitlang draußen sein. Das kann im Garten sein.
Anja: Und wenn es regnet?
Seele: Das ist mir egal.
Anja: Und diese Pause würde dir reichen, um froh zu sein? Eine Stunde z.B.?
Seele: Nickt. Ja, würde mir reichen.
Anja: Dann muss ich also nicht den ganzen Tag nichts tun?
Seele: Nein, musst du nicht.
Anja: Soll ich in der Zeit draußen etwas machen?
Seele: Nein, einfach da sitzen und die Natur beobachten. Du kannst überall hinfahren und einfach die Natur beobachten. Das macht mich froh.
Anja: Seufz. Buh, das ist eine schwere Aufgabe. Arbeiten ist leichter. Mich beschäftigen mit anderen Sachen ist leichter, als diese Pause zu machen.
Seele: Ich weiß.

Puh, da merke ich wieder mal, dass die Beschäftigung mit dem eigenen Ich eine ganz schöne Herausforderung sein kann. Nun, gestern habe ich es auch geschafft, heute werde ich es auch schaffen. Irgendwie...

Ganz liebe Grüße aus Köln

Anja Kolberg

Freitag, 12 Oktober, 2007

Manno!

So richtig blöd im Leben ist es für mich, wenn meine innere Stimme mir sagt: "Ruh dich aus" und mir aber genau das schwer fällt. Geht nicht. Ich laufe innerlich auf 180, bin aber in einer Warteschleife, weil ich auf grünes Licht vor einer roten Ampel warte. Urg!

Ruhig Brauner.

Hmhm. Leichter gesagt als getan...

Soll ich mal mit meiner inneren Stimme sprechen? Jaaaaa! (Da fängt förmlich was in mir zu hüpfen!)

Anja: Was ist denn los?

Innere Stimme: Du bist auf 180 und nimmst dir gar nicht mehr die Zeit, mal inne zu halten.

Anja: Leichter gesagt als getan.

Innere Stimme: Ich weiß.

Anja: Was kann ich tun?

Innere Stimme: Mach den PC aus, lass es gut sein.

Anja: Aber ich könnte doch die Sache noch fertig machen.

Innere Stimme: Natürlich könntest du das.

(Ich merke, dass ich weiter total kribbelig bin.)

Anja: O.k., was ist, wenn ich das hier noch fertig mache und

Innere Stimme unterbricht mich: NEIN!

Anja: Was nein?

Innere Stimme: Du sagst immer "noch dies", "noch das". Und irgendwann ärgerst du dich, dass du deine Zeit nicht für dich genommen hast.

Anja: Es ist aber auch schwer. Ich versuche, möglichst viel zu schaffen, komme aber im Moment nicht weiter. Will aber auch nicht auf der "faulen" Haut liegen und mir ein schlechtes Gewissen machen.

Innere Stimme: Aber warum denn das nicht?

Anja: (ganz leise) weiß nicht (traurig) mir fällt es nicht ein, ich will da gar nicht hingucken

Innere Stimme: Musst du auch nicht. Hast du schon mal daran gedacht, dass es dir auch gut tun könnte, dich einfach auszuklinken aus dem, was du noch alles tun könntest? Ich meine jetzt NICHT (!) Hausarbeit erledigen, den Wocheneinkauf machen, mit dem Kochen beginnen. Nein, irgend etwas für dich tun. Etwas, worauf du Lust hast. Es muss nichts großes sein.

Anja: (schaut freudig auf) egal was?

Innere Stimme: Egal was. Worauf hast du denn Lust?

Anja: Mich mit dem neuen Buch auf's Bett zu legen und darin zu stöbern. Ja, das möchte ich.

Innere Stimme: Dann mal los!

Ich mache jetzt den PC aus und wünsche Ihnen daheim oder auf der Arbeit, im Internetcafé oder wo immer Sie dies hier lesen eine wunderschöne kommende Stunde und ein zauberhaftes Wochenende!

Tschööööhö

Anja Kolberg

Dienstag, 07 August, 2007

Festbetoniert...

... ja, so fühle ich mich gerade. Und gefühlt sieht das so wie auf der Zeichnung aus. Ich weiß, was ich will und "kann" es einfach nicht machen. Geht nicht. Blödes Gefühl.

Ich bin nicht nur in Beton Marke "SUPERFEST" einbetoniert. Nein, auch noch festgetackert. Und ich stehe so stabil, dass ich noch nicht mal umkippen kann und mich so aus dem Staub machen. MENSCH!

Es ist wohl mal wieder Zeit, nach Innen zu schauen, hören, was mein Herz mir zu sagen hat...

Anja: Was ist los, Herz?

Herz: Nichts.

Anja: Warum fühle ich wie festgetackert, wie einbetoniert?

Herz: Das hat seinen Grund.

Anja: Darf ich auch wissen, welchen?

Herz: Ja.

Anja: Welchen Grund hat es?

Herz: Damit du nicht zu schnell vorwärts rennst, sondern im hier und jetzt bleibst.

Anja: Aber warum denn? Was habe ich denn davon?

Herz: Nun, es gibt im hier und jetzt noch etwas zu klären, zu lernen, zu lösen. Dann geht es weiter.

(Ich fühle eine mannshohe Ungeduld in mir aufbegehren.)

Anja: *räusper* *hm* *ja* Ich fühle mich damit aber nicht gut.

Herz: Ich weiß. Das gehört dazu.

Anja: Na toll!

Herz: (Stille)

Anja: Weiß du, was ich noch zu klären habe?

Herz: Ja.

Anja: Sagst du es mir auch?

Herz: Ja.

Anja: Was ist es denn?

Herz: Lernen, das anzunehmen, was im Moment ist. Und es zu genießen. Das Genießen ist wichtig. Nicht nur dunkel dreinschauen und mit dir und der Situation hadern. Nein, mach was draus.

Anja: Mach was draus. Mach was draus. Wie denn, wenn ich FESTGETACKERT bin?

Herz: Anja, ruhig! Wenn du das Glück im Kleinen findest, wird es dir besser gehen.

Anja: "Das Glück im Kleinen finden" - das klingt so abgedroschen.

Herz: Das mag sein, dass du das so empfindest. Erkenne den Wert, der sich dahinter verbirgt.

Anja: Der Wert dahinter. Mir fällt dazu ein: "Annehmen, was ist. Ich kann es doch nicht ändern."

Herz: Ja, richtig. Weiter so.

Anja: Das Glück im Kleinen... Das Glück im Kleinen... Was kann das sein? Das Beste aus der Situation machen.

Herz: Ja, auch das.

Anja: Fehlt noch was?

Herz: Natürlich!

Anja: Was denn?

Herz: Denk mal nach.

Anja: Hast du jetzt "Denk" gesagt? Nicht "Fühl"?

Herz: Ja sicher.

Anja: Annehmen was ist... Das Beste aus der Situation machen... Genießen fehlt noch.

Herz: Ja, richtig.

Anja: Wie kann ich die Situation genießen? Genießen, dass ich nicht weiterkomme, obwohl meine Ideen und Gedanken schon meilenweit von mir entfernt sind? Ich schon so genau weiß, wie es weitergehen kann, aber es geht einfach nicht. Die Situation ist schrecklich. Ich fühle mich schlecht. Habe ein schlechtes Gewissen.

Herz: Dennoch. Anja. Dennoch.

Anja: Dennoch soll ich die Situation genießen?

Herz: Ja, natürlich, Anja. Darum geht es. Du kannst dir nicht immer die Sonnenseite aussuchen. Es geht darum, dass du den dunklen Zeiten in deinem Leben möglichst viel Wärme und Licht gibst. Das Gute im "Bösen" sehen. Das ist wichtig. Das sollst du jetzt lernen. Dann geht es weiter, sei dir sicher. Es geht schnell weiter. Und mit viel viel Liebe.

Anja: Brauche ich lange, um das zu begreifen?

Herz: Anja. Hallo, deine Ungeduld ist wieder da. Du brauchst solange wie du dafür brauchst.

Anja: Hm. Nicht leicht.

Herz: Richtig. Aber wenn es leicht wäre, hättest du es ja schon längst getan. Dann müsstest du es ja nicht lernen. Und auf der anderen Seite ist es ganz leicht. Wenn du dich innerlich von deinen Ängsten, dem schlechten Gewissen und dem Blick nach außen frei machst, dann wird es dir leicht fallen, deine Pause zu genießen.

Anja: O.k., verstanden. Aber leichter gesagt als getan.

Herz: Ja, das stimmt.

Anja: Es ist also so viel Zeit da wie ich brauche?

Herz: Ja, aber das heißt nicht, dass du nicht an dir arbeiten sollst.

Anja: Klar. Lernen, dem Dunklen etwas Schönes abzugewinnen.

Herz: Ja, auch.

Anja: Und im Dunklen ein Licht entzünden.

Herz: Ja.

Anja: Annehmen was ist. Das Beste aus der Situation machen. Und im Dunklen das Schöne finden und dies mit Liebe und Wärme erhellen.

Herz: Ja, jetzt hast du es. Genau darum geht es. Darum fühlst du dich so unbeweglich im Moment.

 

Anja: Was ist Gutes an der Situation? Ich habe Zeit. Mir geht es gesundheitlich gut, weil ich keinen Streß von außen habe. Auch die finanzielle Seite habe ich gut im Griff und auch wenn die Ressourcen geschwunden sind, dafür waren sie da. Sie waren es wert. Und ich weiß, ich werde sie wieder auffüllen. Ich bin frei, außer mir selbst kann mir kein Mensch Druck machen. Ich kann morgens auf der Terrasse sitzen und meinen Milchkaffee schlürfen. Ich kann den Tag so gestalten, wie es mir gut tut. Meine Gedanken sind frei. Ich habe Zeit, Tagebuch zu schreiben. Ich habe noch viel mehr Freiheiten in dieser Zeit, die noch wie neue T-Shirts unbenutzt im Schrank liegen. Ich bin wirklich frei. Und die Freiheit ist mir sehr sehr wichtig.

Danke Herz, für deine Antworten.

Herz: Gerne.

Mittwoch, 11 Juli, 2007

Manchmal...

... ist es ganz schön schwer, auf sein Herz zu hören. Dann, wenn man damit jemand anderen verletzt. Oder mehr als einen einzigen Menschen.

Argumente helfen nicht weiter: Für beide Entscheidungsmöglichkeiten gibt es gute Gründe.

"Sei nicht so" ruft eine Stimme aus dem Hintergrund. "Komm, stell dich nicht so an" eine zweite. "Überwinde dich, es ist doch nur einmal" die dritte. "Das kannst du nicht machen" die vierte. "Reiß dich zusammen" die nächste.

"RUHE!!!" rufe ich in den stimmgewaltigen Chor.

Ich weiß selbst, was sich gehört, sonst wäre die Entscheidung längst gefallen. Sie war längst gefallen, doch dann beschlich mich mein schlechtes Gewissen, als ich die Reaktion des Betreffenden gespürt habe. Und dann meldeten sie sich wieder, die Stimmen des Gewissens. Mächtig Einwürfe hatte der Chor parat. Und ich war gewillt, auf die Bedürfnisse und Gefühle der Anderern mehr zu achten als auf meine eigenen.

Kurze Besinnung.

Was will mein Körper? "Ich will Ruhe, Pause, keine Überanstrengung wie du sie vorhast."

Was sagt mein Familienherz? "Entscheide, was für dich richtig ist."

Warum kann ich die Gefühle der Anderen nicht einfach ignorieren? Wahrscheinlich, weil ich dafür zu emphatisch bin. Diese Emphatie sollte ich mal in vollem Umfang für mich aufwenden.

Sind die Bedingungen so, dass du dich wohlfühlst, Anja? "Nein, auf keinen Fall."

Ist es dann richtig, deine Gefühle zu übergehen? Ganz leise kommt ein "Nein".

Dann hör auf dich, Anja. Es gibt nur einen Menschen, der gut für dich sorgen kann. Das bist du selbst. Du willst lieber dich selbst und deine Gefühle ignorieren und verletzen, statt andere. Du kannst nicht damit rechnen, dass andere Verständnis für dich haben. DU musst Verständnis für dich und deine Gefühle haben. Dafür bist du da. Darum geht es.

Herz, was sagst du dazu? "Ja" sagt das Herz. "hör auf dich. Du bekommst solange Prüfungen geschickt, bis du es begreifst."

Puh. Nicht einfach. Aber so ist wohl das Leben, wenn es ansteht, etwas zu lernen.

Ich höre auf mein Herz, auch wenn ich damit andere verletze. Ich will begreifen: So ist das Leben.

Anja Kolberg

Donnerstag, 05 Juli, 2007

Die ehrliche Lösung gibt es nicht von außen

Gerade war mir danach, mal wieder eine Karte aus der Postkarten-Edition Nr. 1 als Impuls für mich zu ziehen. Diese habe ich gezogen:

Eine Spirale aus Sand. Ein Grashalm wirft einen Schatten über das Bild. Wie ein Eindruck, ein Thema, eine Frage, die von außen kommt und geklärt werden möchte.

Der Text: "Die Lösung liegt in dir!"

Manchmal wünsche ich mir, dass jemand anderes die Verantwortung für die Entscheidungen übernimmt, die in meinem Leben anstehen. Das ist einfach und praktisch. Jemand anderes sagt mir, was ich tun oder lassen soll. Ich folge dem einfach. Denke nicht weiter nach. Übergehe mich. Trete nicht mit meiner inneren Stimme in Kontakt. Es läuft an mir vorbei wie der Grashalm über die Spirale läuft.

Einfach ist diese Antwort vielleicht. Nur nicht ehrlich. Auf meinem Lebensweg bringt sie mich nicht weiter.

Wahre Antworten kann ich nur in mir selbst finden.

Das ist zuweilen anstrengend.

Erfordert Zeit.

Aufmerksamkeit.

Ehrlichkeit.

Gnadenloses Vertrauen in mich selbst.

Ich wünsche mir mehr Mut, mir zuzuhören und mir und meinem Inneren wirklich ganz und gar zu vertrauen!

Anja Kolberg

Mittwoch, 25 April, 2007

Bei mir selbst bleiben

Jeden Tag strömen unzählige Informationen auf mich ein. Im Beruf. Zu Hause. Unterwegs. Im Kontakt mit anderen Menschen. Manche Informationen belasten mich. Andere schweben an mir vorbei. Manche beeindrucken mich. Machen mich nachdenklich. Berühren mich. Erheitern mich. Öffnen Türen, die ich vielleicht lieber wieder schließe, weil es dahinter viel zu heiß ist und ich nicht für diese Temperaturen geschaffen bin. Ich werde geblendet von einer Scheinwelt, ohne überprüfen zu können, was echt ist.

Und während diese ganzen Informationen auf mich einprasseln, bleibt mir nur ein Weg. Immer wieder nach innen zu horchen, mich fragen, wie es mir selbst geht. Ob ich immer noch ein gutes Gefühl habe bei einem Kontakt. Ob mir die Informationen gut gut. Warum passieren mir manche Begegnungen? Welchen Illusionen sitze ich auf?

Rückzug nach innen. Mich auf mich selbst besinnen. Was stimmt für mich? Wo bleibe ich bei einer gesunden Skepsis? Was will ich annehmen, was nicht? Was tut mir gut, was nicht? Apprallen lassen, was ich nicht aufnehmen möchte in meine innere Welt.

Ich bleibe bei mir selbst und nutze kleine Auszeiten im Alltag, um (wieder) zu mir zu kommen. So wie jetzt: Ich gehe mit meinem Tagebuch auf die Terrasse und frage mein Inneres, was es von einer Begegnung mit vielen Informationen und Eindrücken hält. Filtern. Da sein. Klären. Wieder ganz in mir selbst sein mit meiner Aufmerksamkeit.

Mit Ruhe und Frieden

Anja Kolberg

Donnerstag, 22 März, 2007

Aktiv werden

Es gibt da ein kleines putziges Wesen ist mir. Übrigens kennt jeder dieses Wesen - unterschiedlich stark ausgeprägt. Darf ich vorstellen: Mein innerer Schweinehund - kurz: S Punkt H Punkt!

 

Mein innerer Schweinehund grunzt immer schön dazwischen, wenn ich was vorhabe. Schläft gerne, sult sich faul in einem Schlammloch und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Ein schönes Leben! Wie also locken, um aktiv zu werden und in die "Pötte" zu kommen? Eine Wurst anbieten? Wohl kaum der richtige Weg. *räusper - wie gemein!!!* Wie wär's wenn ich S.H. frage?

  • Wie wär's mit einem Spiel als Belohnung, wenn die Arbeit getan ist (auf die ich keine richtige Lust habe, sie aber getan werden muss, wenn ich weiter kommen will...)? Mein Schweinehund zeigt mir ein Vögelchen. "Nö!"
  • Aber Belohnung ist gut? Eifriges Nicken folgt.
  • Welche Belohnung denn? Was zu futtern? Kopfschütteln.
  • Schlafen? Kopfschütteln.
  • Ausruhen? S.H. hält kurz im Schütteln inne und denkt nach. Bewegt sich nicht mehr.
  • (Scheint der richtige Weg zu sein.) Auf der Couch ausruhen? S.H. wiegt den Kopf hin und her.
  • (Fieberhaft läuft meine Denkmaschine. Was kann's sein?) P.C. früher ausmachen und was unternehmen? S.H. wiegt den Kopf hin und her.
  • (Anspruchsvoll!) P.C. ausmachen ist gut? Er nickt.
  • Spontan dann etwas entscheiden? S.H. nickt ganz wild.
  • Aha. Ein Anfang ist gemacht. Also du unterstützt mich jetzt, damit ich ganz konzentriert das machen kann, was ich mir vorgenommen habe und ich verspreche dir, dass ich danach den PC ausmache. O.k.? S.H. grinst breit.

O.k. - an die Arbeit und deswegen gibt's heute mal keine Karte des Tages hier im Blog. Haben Sie Lust, Ihre eigene Karte zu ziehen? Möglich ist das mit dem Postkarten-Set, das Sie über meinen Shop beziehen können. Durchmischen, an eine Frage denken und einfach spontan eine der Karten ziehen. Das Bild und den Text auf sich wirken lassen. Welche Assoziationen werden in Ihnen hervorgerufen?

Quiekwuff aus Köln

Anja Kolberg

Dienstag, 14 November, 2006

Einen Moment...

... Ruhe im Alltag zwischen all den Informationen, Anforderungen, Erwartungen, Ideen, Aufgaben und Impulsen zu finden.

bei mir sein
die ohren nach innen richten
die stille in der vielfalt finden
da sein
für mich
ruhe
inne halten
mich fühlen
mich fragen
mir zuhören
nur ich
stärkung in meiner tiefe finden
hoffnung
kraft
licht
in mir

Mittwoch, 24 Mai, 2006

So graue Tage im Leben...

Es gibt so Tage im Leben, da scheint gar nichts so richtig zu klappen. Ich habe eine bestimmte Vorstellung wie bestimmte Dinge ablaufen. Die trifft nicht ein. Ich bin traurig und enttäuscht. Ich habe mich auf ein Gespräch gefreut und es läuft ganz anders, als ich mir das erhofft habe (wenn ich ehrlich bin: Ich hatte es schon befürchtet, wollte es aber nicht wahr haben). Ich möchte einen Ausflug machen und es regnet. Es gibt ja Tage, da macht es mir gar nichts aus. Anders ist das heute. Es ist so ein "himmelhoch-jauzend-zu-Tode-betrübt"-Tag. Eher der betrübte Teil davon. Hätte ich das gleich gewusst, dass der Tag so läuft, dann hätte ich das und das gemacht. Hätte... Hätte... Am liebsten würde ich mich verkriechen und schmollen und mich bemitleiden und ihn abhaken. Den Tag. Ist ja auch mal schön.

Aber am allerliebsten wäre mir natürlich, dass es doch noch ein schöner Tag für mich wird. Was könnte mir denn gut tun? Was brauche ich, um zufrieden zu sein?   Da fällt mir wahrhaftig nichts ein. Weiter schmollen? Nein. Ich versuch's mal mit einem inneren Dialog*:

Anja: Trauriger Teil. Warum bist du traurig?

Trauriger Teil: Weil es nicht so gelaufen ist wie ich das gerne wollte.

Anja: Was wolltest du denn?

Trauriger Teil: Dass die Person an mir das gleiche Interesse hat wie ich an ihr.

Anja: Und das war nicht der Fall?

Trauriger Teil: Nein.

Anja: Kannst du bei einem nächsten Kontakt etwas besser machen?

Trauriger Teil: Nein.

Anja: Was wäre dir am liebsten?

Trauriger Teil: Mir bessere Kontakte zu suchen.

Anja: Reicht das?

Trauriger Teil: Ja. Und die nicht guten Kontakte meiden.

Anja: Noch was?

Trauriger Teil: Ja, ich bin traurig, dass der ehemals gute Kontakt nicht mehr so ist wie früher. Das tut weh.

Anja: Hm. Kann ich etwas für dich tun?

Trauriger Teil: Ja, zuhören.

Anja: Was möchtest du mir denn noch erzählen?

Trauriger Teil: Mir fehlt etwas.

Anja: Was denn?

Trauriger Teil: Anerkennung.

Anja: Wie soll die aussehen?

Trauriger Teil: Interesse. Zuhören. Mich akzeptieren.

Anja: Akzeptieren, dass du einfach dazu gehörst?

Trauriger Teil: JA! Ich weiß, dass du mich nicht so sehr magst wie den positiven, fröhlichen, unbeschwerten Anteil in dir. Aber ich bin ein Teil von dir.

Anja: Das fällt mir wirklich schwer, dich anzuerkennen. Es tut mir leid, aber es ist so. Es ist immer leichter, fröhlich zu sein. Alles im Griff zu haben. Klar zu sehen. Zufrieden zu sein.

Trauriger Teil: Und dennoch bin ich da. Und wichtig.

Anja: Warum bist du wichtig?

Trauriger Teil: Weil ich dich aufmerksam mache.

Anja: Worauf?

Trauriger Teil: Auf die Dinge, die einfach nicht mehr stimmen. Dinge, die dir nicht gut tun. Dinge, die du ändern solltest.

Anja: Was soll ich ändern?

Trauriger Teil: Hör mehr darauf, worauf du Lust hast. Und wenn du kein gutes Gefühl hast: Lass es. Auch wenn dann ein ehemals intensiver Kontakt auseinander geht. Wenn jemand geht, darf jemand neues in dein Leben treten, der besser zu dir passt. Der zu der Person von heute passt und nicht zu der von vor x Jahren.

Anja: Das fällt mir schwer. Hm. Ich spüre, dass ich noch immer traurig bin - nein: UNZUFRIEDEN! Unruhig. Dann will ich den Teil mal in mir befragen:

Anja: Unzufriedener Anteil. Was ist los mit dir?

Unzufriedener Anteil: Ich bin ganz kribbelig. Es geht mir nicht schnell genug.

Anja: Was geht dir nicht schnell genug?

Unzufriedener Anteil: Die Postkarten fertig zu machen. Endlich mit den richtigen und wichtigen Projekten anzufangen. Statt dessen trödelst du! Das NERVT mich gewaltig.

Anja: Genau so fühle ich mich. Kann ich etwas daran ändern, damit du ruhiger wirst?

Unzufriedener Anteil: JAAAAA!!!!!!

Anja: Was denn?

Unzufriedener Anteil: Tu irgend etwas von den Dingen, die du unbedingt tun willst/musst, um weiter zu kommen. Pick dir nur eine einzige Sache aus der Liste der Dinge heraus, die du unbedingt tun willst. Und tu sie. Dann bin ich ruhiger und zufriedener. Du brauchst gar nicht viel zu machen. Nur eine Sache. Worauf du noch am meisten Lust hast. Und dann ist gut für heute.

Anja: Und wenn ich gar nichts mache?

Unzufriedener Anteil: Geht auch. Aber dann bleibe ich.

Anja: Mal sehen. (Blick schweift über den Schreibtisch.) Dann will ich das Angebot für die Postkarten überarbeiten. Ist das O.k.?

Unzufriedener Anteil: Ja, klar!

Anja: (atmet auf)

So, das mache ich jetzt. Und danach mache ich gar nichts mehr Produktives. Sondern erkenne an, dass es auch mal miese Tage geben darf. Schließlich scheint ja auch nicht jeden Tag die Sonne. Es darf auch mal ein mieser Tag sein, den ich in den Mülleimer werfen kann. Ich merke, ich komme wieder mit meinem Beitrag über die Geduld in Kontakt...

Ungeduldige Grüße!

Anja Kolberg

Dienstag, 16 Mai, 2006

Nur die Ruhe?

Manchmal weiß ich innerlich schon längst, wo mein Weg weiter lang geht. Meine Seele ist schon längst da, sieht die neue Aufgabe, spürt die Freude, die es machen würde, nur von dem zu leben, was mir jetzt wirklich Spaß macht. "Aber geht das wirklich?" fragt da jemand aus meinem inneren Team. "Ja, es geht wirklich", sagt meine innere Stimme. Eigentlich wäre es ganz leicht. Einfach - ohne groß nachzudenken - das tun, was mir wirklich Freude macht. Aber es gibt da einen großen Teil von meinem inneren Team (zum Beispiel meine Betriebswirtin, die Ängstliche und der Kontrolleur), die blockieren. Die wollen nicht so schnell rüber. Da habe ich noch einen großen Teil Arbeit, den "am Alten festhaltenden Teil" zu motivieren, rüber zu gehen. Und ich werde durch sie daran erinnert, in langsamen Schritten zu gehen. Die Anteile, die zögern, sind ja auch wichtig, sonst wären sie nicht da. Alles hat seine Zeit. Jaja, gut gesagt. :o)

Liebe Grüße, Anja Kolberg



WebshopWebshopWebshop

DIE FRAU DAHINTER...

Mehr über Anja Kolberg
Hallo, ich bin Anja Kolberg. Mehr über mich.
Lust auf ein Feedback? Mail

ZITATE

E-CARDS

Klick zu den E-Cards

Mir gefällt...

WERTSCHÄTZUNG

Dankeschön
Ihnen gefällt mein Blog, Sie möchten mir danken?
Ich mag Überraschungen per Post...
eine Freude ist auch ein Dankeschön via Paypal:

Bitte wählen Sie Ihren

STARTSEITE

Machen Sie Frauencoaching zu Ihrer Startseite!
Mehr Infos