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Montag, 19 Juli, 2010

An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen

Es gibt so Tage im Leben, Mann o Mann, da ist wirklich nur unter größter Konzentration etwas Gutes dran zu finden. Heute habe ich das Gefühl, ich sitze in einem dicken, miesen, schweren Sumpf. Er hält mich fest, lässt mich nicht los. Richtig besch...en ist das!

 

Wie sich das anfühlt? Schwer. Hoffnungslos. Lähmend. Desillusionierend. Nie endend. Es macht wütend, traurig und hilflos zugleich. Bäh!

Wie ich da reingekommen bin? Keine Ahnung. Ich bin nicht in das Sumpfloch gelaufen. Auf einmal war ich da. Es war, als hätte ich auf einmal meine inneren Augen geöffnet und schwups ist der Sumpf da. Blöde!

Warum ist das so? Warum fühle ich mich so? Und warum jauchze ich nicht: "Super! Eine riesengroße Schlamm-Wellnessgrube. Hier kann ich mich treiben lassen und wohlfühlen, mich mit Schlamm einsuhlen, andere damit bewerfen. Herrlich!"

Ups. Vielleicht ist das ja schon die Lösung? Den Sumpf mit anderen Augen betrachten? Klar, ich bin diejenige, die die Situation bewertet und entscheidet, ob ich sie super oder doof finde. Vielleicht ist sie auch beides - superdoof? Nein, super und doof. Also gut und schlecht.

Schlecht, weil ich mich so mies fühle. Gut, weil ich die Situation anders betrachten und was gutes daraus machen kann.

Tja, und nun?

Erst einmal möchte ich akzeptieren, was ist und erkennen, dass es mir seelisch heute Nachmittag beschissen geht. So jetzt habe ich das Wort doch geschrieben. Musste raus. Ich kann mein Befinden nirgendwo richtig dran festmachen, ich weiß nicht genau, was es ist. Es ist eher ein Wollknäuel aus x verschiedenen Fäden. Fäden, die ich (noch) nicht erkenne. Fäden, die ich nicht sehen und nicht wissen will. Fäden, die ich einfach nicht anpacke. Fäden, die mir zuviel sind. Fäden, die mir tierisch auf den Keks gehen, die ich aber nicht ändern kann. Fäden...

Was es auch ist, es ist da. Nicht wegzudiskutieren oder wegzublinzeln oder wegzuzaubern. Aus meinem Inneren kommt ein "Doch!"

Anja: Du kannst es wegzaubern, innere Stimme?
Innere Stimme: Ja klar.
Anja: Dann mach mal.
Innere Stimme: Nö.
Anja: Wieso nö?
Innere Stimme: Weil ich nicht will.
Anja: Na toller Trick! Warum willst du nicht?
Innere Stimme: Weil du erst was daraus lernen sollst.
Anja: War ja klar. Was soll ich daraus lernen?
Innere Stimme: Rate mal.
Anja: Dass das Leben so ist. Dass es mal einen Sumpf für uns parat hat und mal ein heiteres Plätzchen mit Cocktail im Schatten?
Innere Stimme: So ähnlich.
Anja: Dass es darauf ankommt, wie ich mit solchen Situationen umgehe, was ich daraus mache? Dass ich einen Weg finde, dass es mir trotz dem Sumpf gut geht?
Innere Stimme: Ja genau!

Okay, das Ergebnis sieht so aus:

Ich habe mich zu einer Schlammschlacht entschlossen. Mit dem Sumpf spielen, das ist für mich das Beste, aus der Situation zu machen. Ich kann sie nicht ändern, nur meine Einstellung. Heute ist eben ein sumpfiger, schlammiger Nachmittag, mit schlechter Stimmung. So ist es, das Leben.

Attackeeeeeee!

Anja Kolberg

Donnerstag, 20 Mai, 2010

Was mir nicht gut tut

Der letzte Beitrag "Manchmal ist es zum Schreien" - ist ein schönes Beispiel für das Kalenderzitat im Mai: "Ich lasse sein, was mir nicht gut tut."

... und dafür, dass die Umsetzung gar nicht mal so einfach ist. Denn wir haben ja einen Grund, warum wir die Dinge tun und nicht lassen. Bei mir war es gestern das Pflichtbewusstsein, doch mir fallen noch mehr Gründe ein, warum es mir schwer fällt, bestimmte Dinge sein zu lassen: Anstand, Ehrgeiz, Angst, nicht mehr gemocht zu werden und anzuecken, innere Sätze wie 'Absagen, das macht man nicht.' oder 'Das gehört sich nicht.' oder 'Was sollen denn die anderen denken....' Seufz. Die Liste könnte ich gefühlt endlos fortführen...

Gerade deswegen fällt es ja so schwer, die Dinge sein zu lassen, die mir nicht gut tun. Diese Regeln und auch Werte (Andere nicht verletzen) haben ihren Grund, warum sie da sind.

Ein Teil in mir gibt resigniert auf. Ich will keinen verletzen. Ich will nicht gegen Regeln verstoßen. Ich will brav und lieb sein und von allen gemocht werden. Also bleibt mir wohl gar nichts anderes übrig, als alles zu tun, was andere von mir wünschen, gleichgültig, ob es mir dabei gut geht oder nicht oder ob ich darauf Lust habe oder nicht.

 

Das fühlt sich ganz schön mies an, trostlos, sinnlos, lähmend.

 

Ich spüre wie beim Betrachten dieses Bildes Wut in mir hochsteigt, gemischt mit dieser Lähmung, doch nichts tun zu können. Mir kommen Worte wie Opfer und Hilflosigkeit in den Sinn.

Das kann es doch nicht sein!

 

Zeit für einen Austausch mit meinem Inneren.

Anja: Ja, was denn?

Innere Stimme: Anja, was machst du gerade?

Anja: Ich mache mich fertig.

Innere Stimme: Was meinst du?

Anja: Ich mache mich runter, warum ich etwas nicht sein lassen kann, dass mir nicht gut tut.

Innere Stimme: Warum machst du das?

Anja: Weil es sich nicht gehört, eine Verabredung abzusagen.

Innere Stimme: Warum nicht?

Anja: Weil ich zugesagt habe.

Innere Stimme: Warum hast du zugesagt?

Anja: Weil ich mich nicht getraut habe, 'nein' zu sagen.

Innere Stimme: Warum hast du dich nicht getraut, 'nein' zu sagen?

Anja: Weil ich zuerst Lust auf das Treffen hatte.

Innere Stimme: Jetzt hast du keine Lust mehr?

Anja: Es ist eine Mischung aus 'Vielleicht wird es mir gut tun. Es ist bestimmt schön, diese Menschen zu treffen.' und 'Ich kenne die Umgebung nicht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe Angst. Ich weiß nicht, was mich erwartet.'

Innere Stimme: Was ist das für ein Grundgefühl?

Anja: Unsicherheit und Angst.

Innere Stimme: Ich verstehe dich. Das ist keine gute Basis, um zu einem Treffen zu gehen.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Und nun?

Anja: Ich fühle mich verpflichtet, weil ich zuerst ja gesagt habe. Das ist nicht fair den anderen gegenüber, die das Treffen organisiert haben.

Innere Stimme: Ja, das stimmt.

Anja: Ich könnte schreien!

Innere Stimme: Dann schrei!

Anja: (halbe Lautstärke in Rücksichtnahme auf die Nachbarn) aaaaaaaaaaaaarg!

Innere Stimme: Du nimmst dich zurück. Warum machst du das Fenster nicht zu und schreist nochmal?

Anja: Ich schäme mich.

Innere Stimme: Würde es dir gut tun, zu schreien?

Anja: Oh ja!

Innere Stimme: Dann tu es auch. Denke mal nur an dich und das, was dir gut tun würde.

Anja: ... schließe das Fenster ... nehme all meinen Mut zusammen.... und schreie... sehr laut... Minu guckt verdutzt hoch... reicht noch nicht... schreie nochmal... das hallt ganz schön... reicht noch nicht... schreie nochmal... es wird leichter. Ich denke mal nicht an die Nachbarn und was die wohl denken mögen...grinse, weil ich an ihre Gesichter denke...

Innere Stimme: Wie geht es dir jetzt?

Anja: Ich fühle mich energiegeladen. Irgendwie besser.

Innere Stimme: Auf zu unserem ursprünglichen Thema. Das Treffen und deine Gefühle diesbezüglich.

Anja: (leise) ja.

Innere Stimme: Möchtest du darüber überhaupt noch reden?

Anja: Ja, natürlich. Es ist wichtig. Ich will nicht einfach meine Gefühle ignorieren, sie wegdrücken und pflichtgemäß das tun, was sich eigentlich doof anfühlt.

Innere Stimme: Bleiben wir bei dem Wort 'doof'. Warum fühlt es sich doof an?

Anja: Weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Weil ich nicht weiß, warum ich - was ich davon habe.

Innere Stimme: Spaß?

Anja: Ja, vielleicht, das weiß ich aber nicht.

Innere Stimme: Was könntest du denn davon haben?

Anja: Einen netten Abend. Unterhaltung.

Innere Stimme: Und das ist nichts?

Anja: Doch schon, aber ich habe keine Lust.

Innere Stimme: Manchmal gibt es doch auch Situationen, da hattest du erst keine Lust und dann war es ganz toll. Erinnerst du dich an die Karnevalsveranstaltung an deinem Heimatort, wo du viele Freunde von früher getroffen hast?

Anja: Hm.

Innere Stimme: War das nicht ähnlich?

Anja: Doch schon, nachher war ich froh. Es war schön.

Innere Stimme: Siehst du, vielleicht wird es hier ja auch so laufen.

Anja: (gequält) ja, vielleicht

Innere Stimme: Au weih, es geht dir nicht gut damit, oder?

Anja: Nö.

Innere Stimme: (seufzt) Anja, ich stehe zu dir, was immer du tun willst, gleich wie du dich entscheidest. Ich stehe zu dir.

Anja: Ich komme mir so unzuverlässig vor, wenn ich absage.

Innere Stimme: Nun ja, wenn du erst zusagst und dann absagst, dann ist das ja auch nicht zuverlässig. Das würde ja bedeuten, du sagst ja und tust es dann auch.

Anja: Ja eben. Ich will aber zuverlässig sein. Ich will lieb sein. Ich will glänzen. Brav sein.

Innere Stimme: Das, was du gerade sagst, fühlt sich ganz schrecklich an. In meinem Bauch krümmt sich alles zusammen. Was hast du davon, so zu sein?

Anja: Ich ecke nicht an und werde gemocht.

Innere Stimme: Das kannst du nur vermuten. Genau wissen kannst du das nicht.

Anja: Ja, stimmt. Ich vermute es, weil es eine Erfahrung von mir ist.

Innere Stimme: Was ist denn, wenn diese Erfahrung überhaupt nicht stimmt oder nur ein einziges Mal gestimmt hat und heute nicht mehr stimmt?

Anja: Ich weiß es nicht, du verunsicherst mich.

Innere Stimme: Es ist meine Absicht, das zu tun. Weil ich das, was dich zum Handeln bewegt, hinterfragen will. Du tust Dinge, obwohl du keine Lust darauf hast, obwohl du dich mies fühlst, weil du nicht nein sagen willst, weil du nicht anecken willst, weil du nicht willst, dass die Menschen schlecht über dich reden. Denn wer erst zusagt und dann absagt, der kann damit rechnen, dass die anderen über ihn reden, richtig?

Anja: Ja, richtig.

Innere Stimme: Du willst um jeden Preis geliebt werden.

Anja: Ja, will ich.

Innere Stimme: Das ist ungesund.

Anja: Wieso?

Innere Stimme: Du hast keine Lust, dorthin zu gehen. Du hast keine guten Gefühlen wegen des Treffens, richtig?

Anja: Ja, ich freue mich nicht richtig darauf. Bin unsicher.

Innere Stimme: Genau, und obwohl es dir nicht gut damit geht, willst du es trotzdem tun, richtig?

Anja: Ja, weil ich Angst habe, dass die anderen schlecht über mich reden oder schlecht von mir denken.

Innere Stimme: Du versuchst, Einfluss auf die Gedanken und Gefühle der anderen zu nehmen, in dem du dich möglichst so verhältst, dass du nicht aneckst, richtig?

Anja: Ja, stimmt. Weil ich gemocht werden will. Die anderen sollen eine gute Meinung von mir haben.

Innere Stimme: Weißt du, dass du darauf keinen Einfluss hast, was andere von dir denken?

Anja: (zögerlich nachdenkend) Ich weiß nicht.

Innere Stimme: Du hoffst das. Das ist aber nicht der Fall. Das einzige was du beeinflussen kannst, das bist du selbst. Deine Gedanken. Deine Gefühle. Dein Wohlbefinden. Du wirst die anderen so nehmen müssen wie sie sind, gleichgültig, was sie von dir denken.

Anja: Das tue ich doch auch.

Innere Stimme: Nicht wirklich, denn dann würdest du unabhängig von den Gefühlen und Gedanken der anderen handeln. Das tust du nicht, du versuchst, dich so zu verhalten, dass sie etwas bestimmtes von dir denken, nämlich was positives.

Anja: Ja, stimmt. (nachdenklich)

Innere Stimme: Und genau das ist ungesund, Anja. Es ist, als versuchst du durch dein Verhalten die Richtung des Windes zu bestimmen oder ob die Sonne scheint oder nicht. Ähnlich wie dem Spruch: "Wenn du deinen Teller leer isst, dann scheint Morgen die Sonne." Umgekehrt, wenn du es nicht tust, dann wird's regnen. Weiß du, was ich meine?

Anja: (schüttelt den Kopf)

Innere Stimme: Du glaubst, dass du Dinge beeinflussen kannst, die du nicht beeinflussen kannst. Zum Beispiel, durch dein Verhalten die Gefühle und Gedanken von anderen Menschen zu beeinflussen. Wenn du schön brav bist, dann finden dich die anderen dufte. Wenn du lieb bist, dann mögen dich die anderen. Wenn du aufisst, dann scheint die Sonne. Wenn du tust, was andere von dir erwarten, dann bist du lieb.

Anja: Ja, das glaube ich.

Innere Stimme: Und genau das ist das ungesunde. Du machst dich abhängig von den Gefühlen und Gedanken anderer. Verstehst du, warum das ungesund ist?

Anja: Weil ich das nicht beeinflussen kann, was andere denken?

Innere Stimme: Ja, du machst dich abhängig, du bist nicht mehr frei. Du machst dich zum Spielball der anderen. Nicht, dass die anderen das möchten, du bist dabei der entscheidende Punkt, nicht die anderen. Du lässt das zu, du machst dich abhängig. Du glaubst, nur, wenn die anderen dich lieben, dann bist du in Ordnung. Nur, wenn die anderen gut heißen, was du tust, dann bist du lieb. Nur wenn dir anderen deinen Plänen zustimmen, dann darfst du sie umsetzen. Siehst du die Abhängigkeit?

Anja: Ja, ich sehe sie. Es ist wie ein Band, dass ich einem anderen zuwerfe und der andere bestimmt, je nachdem wie er daran zieht, ob ich mich gut oder schlecht fühle.

Innere Stimme: Genau so ist es. Und der andere weiß größtenteils noch nicht mal von diesem Band.

Anja: Dabei muss ich gar nichts mit den Gefühlen des anderen zu tun haben.

Innere Stimme: Genau.

Anja: Wenn der andere schlechte Laune hat, denke ich 'Oh, was habe ich falsch gemacht?' und fühle mich mies. Die Laune des anderen muss aber gar nichts mit mir zu tun haben.

Innere Stimme: Ja genau. Ob der andere fröhlich ist oder schlecht gelaunt - die Gründe dafür liegen immer in dem anderen begründet. Darauf hast du keinen Einfluss. Es hat mit seiner Geschichte zu tun, mit seinen Werten, Regeln - vielleicht auch mit deinem Verhalten. Es kann sein, muss aber nicht. Das weiß nur der andere.

Anja: Also kann es auch sein, dass der andere sagt: 'Ich finde es klasse, dass du die Verabredung absagst und so gut für dich sorgst.'

Innere Stimme: Das kann natürlich sein. Aber der andere kann auch enttäuscht sein und sagen: 'Ich finde es schade, dass du nicht kommst. Ich habe mich so auf dich gefreut. Ich bin sauer, dass du so kurzfristig absagst, warum sagst du nicht gleich Bescheid?' usw.

Anja: Mir wird klarer, dass ich bisher versucht habe, durch mein Verhalten Einfluss auf den anderen zu nehmen. Und dass ich ein großes Bedürfnis habe, geliebt und gemocht zu werden.

Innere Stimme: Ja, weil du glaubst, nur dann okay zu sein. Du bist aber immer okay, gleich was du machst und sagst. Du bist auch okay, wenn du absagst oder wenn du nein sagst oder wenn du anderen auf die Füße treten musst.

Anja: Aber das will ich nicht.

Innere Stimme: Das weiß ich. Nur geht es manchmal einfach nicht anders. Wenn du eine Verabredung absagst, dann ist der andere vielleicht traurig oder sauer oder was auch immer. Der andere darf so reagieren und ist damit genau so okay wie du es bist. Ihr beide seid völlig in Ordnung. Eure Gefühle, Gedanken... Wichtig ist, dass du unabhängig von der Reaktion anderer - gleich wie die aussehen mag, ob positiv, negativ, gleichgültig.... - das tust, was sich für dich richtig anfühlt.

Anja: (denkt nach) So langsam verstehe ich.

Innere Stimme: Ich weiß, dass dir das schon lange klar ist und dass du die Systematik, das Muster kennst, das sich dahinter verbirgt: 'Wenn du dich so verhältst wie es mir gut tut, dann habe ich dich lieb. Wenn du aufmüpfig bist oder schwierig oder unbequem, dann habe ich dich nicht lieb.' So lautet das alte Muster, das hier in der Situation wirkt. Du kannst dich von dieser Last, diesem alten Muster befreien. Du darfst 'nein' sagen, wenn es dir damit besser geht. Du darfst absagen, wenn es dir nicht gut geht. Auch wenn es schön werden könnte, auch wenn es dir etwas geben könnte, auch wenn du etwas verpasst... Hör auf dein Herz und dein Gefühl. Das ist entscheidend. Du kümmerst dich um dich selbst, auf die anderen hast du keinen Einfluss.

Anja: PUH! Und nun?

Innere Stimme: Ich weiß es nicht. Wie geht es dir denn jetzt?

Anja: Etwas besser. Mir wird klar, warum es mir so schwer fällt, gut für mich zu sorgen, ich bekomme alleine bei dem Gedanken schon wieder Bauchweh. Das Kalenderzitat von diesem Monat 'Ich lasse sein, was mir nicht gut tut.' ist ein ganz schönes Paket.

Innere Stimme: Ja das stimmt. Herausfordernd und wichtig und tiefgreifend.

Anja: (atmet ganz tief durch). Ja. (guckt auf den nächsten Monat, dort steht: 'Ich erlaube mir, unperfekt zu sein.') Boah, das passt ja.

Innere Stimme: Ja, das passt prima. Wenn du gut für dich sorgst, kann es auch sein, dass du aneckst, andere vor den Kopf stößt und damit bist du nicht mehr so pflegeleicht wie bisher. Wenn "pflegeleicht, einfach zu handhaben, immer das 'richtige' tun" - perfekt sein bedeutet - was bedeutet dann unperfekt sein?

Anja: Na, wenn ich tue, was mir gut tut und zum Beispiel die Verabredung absage, obwohl ich vorher zugesagt habe, obwohl ich etwas verpassen könnte, obwohl andere sauer auf mich sein können (was ich ja in Wirklichkeit nicht weiß), obwohl die 'alte Anja' so etwas nie getan hätte... dann bin ich unperfekt.

Innere Stimme: Und, lohnt es sich, unperfekt zu sein?

Anja: Ja, weil alles andere gegen mich selbst geht. Ich will nicht länger funktionieren. Und ich will mich auch nicht länger abhängig machen von den Gefühlen und dem Wohlwollen anderer Menschen. Ich möchte so sein wie ich bin. Ich möchte so sein wie ich mich fühle. Ich möchte zu mir stehen und mich verstehen und zu mir halten, auch wenn ich unbequem bin. Ich erlaube mir, unperfekt zu sein. Ich erlaube mir, sein zu lassen, was mir nicht gut tut. Auch wenn ich damit das große Risiko eingehe, nicht mehr so gesehen zu werden wie ich mir das wünsche, nämlich lieb, nett, freundlich, verbindlich, zuverlässig, lustig, bequem, praktisch... Alles Werte und Tugenden, die auch einengen können. Ja, sie engen mich ganz aktuell ein.

Innere Stimme: Das fühlt sich gut an.

Anja: (atmet wieder tief durch) Ja, das tut es. Wenn auch gleichzeitig ein bischen komisch...

Innere Stimme: Das gehört dazu. Alles neue Verhalten fühlt sich komisch an, weil es neu ist. Es ist wie durch den Dschungel querfeldein statt auf der breiten bekannten Straße zu gehen. Das ist völlig anders, daran muss man sich erst mal gewöhnen.

Anja: Okay. (fängt wieder an zu grübeln) Was soll ich jetzt machen? Soll ich absagen oder nicht?

Innere Stimme: Das weiß ich nicht. Was möchtest du denn am liebsten?

Anja: Ich möchte zu Hause bleiben.

Innere Stimme: Dann hast du doch deine Antwort.

Anja: Aber es tut so weh.

Innere Stimme: Das stimmt. Das gehört dazu. Es gehört dazu, auszuhalten, dass du anderen vielleicht weh tust, sie enttäuscht. Ent-Täuschung bedeutet auch, den Schleier fallen zu lassen. Die Täuschung war, dass du so getan hast, als hättest du Lust, um den anderen zu gefallen.

Anja: Aber ich möchte die anderen nicht enttäuschen.

Innere Stimme: Du entscheidest. Du erinnerst dich, du kannst nicht beeinflussen, ob die anderen enttäuschst sind oder nicht, das bestimmen alleine die anderen.

Anja: Ja stimmt. Ich will den anderen nicht weh tun.

Innere Stimme: Ich weiß. Auch das kannst du nicht beeinflussen. Die anderen entscheiden, ob du sie damit verletzt oder ob sie Verständnis für dich haben oder oder oder.... All das ist okay. Das gehört nicht in deinen Machtbereich. Damit überschreitest du die Grenze des anderen. Lass den anderen ihre Gefühle. Kümmere dich nur um deine Gefühle. Das ist dein Hoheitsbereich.

Anja: Aber es ist so schwer.

Innere Stimme: Ja, das stimmt. Es ist schwer. Veränderung ist schwer.

Anja: Ich brauche noch Hilfe.

Innere Stimme: Welche Hilfe brauchst du?

Anja: Die Gewissheit, dass alles gut wird und dass ich das darf.

Innere Stimme: Gut, dann fragen wir die weise Achtzigjährige in dir um Rat.

Anja: Wird alles gut werden?

Achtzigjährige: Natürlich wird alles gut werden, Anja. Mach dir keine Sorgen.

Anja: Aber darf ich das denn, absagen?

Achtzigjährige: Natürlich darfst du das. Du darfst alles.

Anja: Aber was ist mit den Folgen?

Achtzigjährige: Was soll damit sein?

Anja: Verbaue ich mir damit nicht etwas?

Achtzigjährige: Ich kann dir nicht sagen, was gewesen wäre, hättest du dich damals anders entschieden. Ich kann dir nur sagen, dass es mir gut geht.

Anja: Also habe ich damals abgesagt?

Achtzigjährige: Dazu möchte ich nichts sagen, Anja. Ich will dir nicht die Entscheidung abnehmen. Das kannst du nur heute entscheiden. Im Alter sind einfach andere Dinge wichtig und ich habe heute andere Gefühle als früher. Heute sind deine aktuell, Anja, und die alleine zählen.

Anja: Ich möchte am liebsten schreien.

Achtzigjährige: Ja, du möchtest schreien, weil du beides willst: Du willst gut im Licht stehen und keinen Schaden hinterlassen. Doch beides geht nicht. Entscheide heute nach deinen Gefühlen, alles andere liegt nicht in deiner Hand. Vielleicht wirst du Ansehen verlieren, vielleicht wirst du Angst haben, vielleicht wirst du dich schlecht fühlen, vielleicht wirst du dich aber auch großartig fühlen, weil du dich ernst genommen hast, vielleicht wirst du Ansehen gewinnen... Das alles sind Blicke in die Zukunft, die dich jetzt nicht weiter bringen.

Anja: Warum nicht?

Achtzigjährige: Weil du die Folgen nie ganz abschätzen kannst. Einen Schritt nach dem anderen. Hör mal auf deine Lust und deine Freude: Hast du Lust, die Verabredung anzunehmen?

Anja: Nein, ich fühle mich aber schlecht bei diesem Gedanken.

Achtzigjährige: Warum?

Anja: Weil ich die anderen nicht verletzen will. Ich mag die anderen, aber ich fühle mich nicht freudig, wenn ich an das Treffen denke.

Achtzigjährige: Okay, jetzt hast du die Möglichkeit, über dein Wohlbefinden zu entscheiden. Denn das tust du, das ist deine Aufgabe: Gut für dich zu sorgen. Wenn du ganz frei wählen könntest, was würdest du dann am liebsten tun?

Anja: Nicht gehen, aber da ist auch die Neugier, was aus den anderen geworden ist.

Achtzigjährige: Es geht eben nicht alles, Anja. Du zahlst immer einen Preis für deine Entscheidungen. Du kannst nicht beides haben: Deine Neugier befriedigen und dich wohl fühlen.

Anja: (horcht auf) Wieso nicht?

Achtzigjährige: Sag du es mir.

Anja: Nun, wenn ich mich für das Treffen morgen präparieren könnte, so dass es mir gut geht, dann könnte ich mich wohlfühlen, würde allen anderen nicht auf die Füße treten, ich wäre geliebt und geschätzt, ich würde Neues erfahren, würde mir nichts verbauen...

Achtzigjährige: Du versuchst, zu funktionieren. Du versuchst, in ein Raster reinzupassen, dich dem anzupassen, was du glaubst, dass andere von dir erwarten. Genauso dass du glaubst, die anderen würden dich dann mögen. Es kann auch ganz anders sein, zum Beispiel, dass die dennoch denken: 'Was für eine doofe Kuh'. Nicht dass sie das tun, aber du kannst anderen nicht hinter die Stirn schauen und das willst du. Du willst kontrollieren.

Anja: Aua.

Achtzigjährige: Stimmt es?

Anja: Ja.

Achtzigjährige: Siehst du, das ist das Problem. Du willst kontrollieren, was nicht in deinem Machtbereich steht.

Anja: Grmpf.

Achtzigjährige: Es gefällt dir nicht.

Anja: Nein.

Achtzigjährige: Das ist okay und gehört dazu. Du darfst darüber traurig sein. Du darfst wütend sein. Du darfst Angst haben. Du darfst dir Sorgen machen. Alles ist okay. Du willst von mir die Erlaubnis haben, damit du nicht die Verantwortung tragen musst. Die bekommst du aber nicht von mir.

Anja: Na toll.

Achtzigjährige: Du bist wütend.

Anja: Ja! Ich finde das total blöde!

..................................

Nach dem Dialog habe ich all meinen Mut zusammen genommen und abgesagt. Es war sehr wichtig für mich, keine Ausrede zu benutzen, sondern über meine wirklichen Gefühle zu sprechen. Nach der Absage habe ich mich erst schrecklich gefühlt, dann war ich stolz, dass ich so auf meine Gefühle geachtet habe. Es fühlt sich immer noch komisch an, das darf es auch. Es ist für mich neues Verhalten, wirklich meine Gefühle und Bedürfnisse konsequent ernst zu nehmen. Neues Verhalten (Urwald statt breite Straße) fühlt sich komisch an.

Doch je öfter ich den Urwaldweg gehe, desto bekannter wird er für mich. Eines Tages gehe ich ihn blind. Dann ist es ein gewohntes Verhalten von mir, ohne Gewissensbisse gleich zu sagen, was ich fühle. Ja, das möchte ich: Noch ehrlicher zu mir selbst und anderen sein. Mich unabhängig von der Bewertung anderer machen. Auch zu den 'nicht so angesehenen' Gefühlen wie Unlust zu stehen und damit ganz zu mir zu stehen. Verständnis für mich haben. Mich wichtig nehmen. Mir erlauben, so zu sein wie ich bin.

Anja Kolberg

Montag, 17 Mai, 2010

Manchmal ist es zum Schreien

Ich stehe vor einem Glaskasten. Innendrin schwebt ein goldener Umschlag mit der Lösung. Die Anleitung, was ich tun muss, damit es mir besser geht, ich fühle mich nicht so dolle. Aber keine Möglichkeit an das goldne Ding ran zu kommen, es gibt weder ein Schloss noch eine Türe im Glaskasten. Schon alles untersucht. Genau an der Stelle möchte ich am liebsten laut schreien - aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Vor lauter Wut, weil ich nicht weiß, wie ich an den Umschlag komme.

... ein bischen Zorn scheint auch dabei...

... könnte auch der Schlachtruf einer Kriegerin sein! Hey, das gefällt mir, denn darin liegt ganz viel Kraft und Energie. Mit der könnte ich einem Karatekämpfer den Glaskasten in Einzelteile zerlegen und so an die Lösung kommen. ... aber Gewalt fühlt sich nicht gut an.

Wie kann ich damit umgehen? Der Schrei hat schon mal geholfen, meine Gefühle auszudrücken. Immer noch rot im Gesicht fühlt es sich jetzt schon ein bischen besser an.

An den Umschlag bin ich aber noch immer nicht rangekommen.

Ich vermute ja nur, dass sich darin die Anleitung zum "Wie es mir besser geht" befindet. Vielleicht ist es so. Vielleicht ist dieser Glaskasten aber auch nur ein Sinnbild für etwas. Er ist ja durchsichtig und ich kann den goldenen Umschlag sehen. Vielleicht ist der Kasten ein Sinnbild für mich selbst, der goldene Umschlag ein Hinweis auf mein Inneres und der vermutete Inhalt ein Sinnbild für die Lösungen, die in mir schlummern?

Das gefällt mir. Ich will doch die Lösung in mir selbst finden und nicht im äußeren. Das passt. Zeit für einen Dialog mit meinem Inneren.

Anja: Stimmt das Bild? Ist der Glaskasten mit dem goldenen Umschlag eine Metapher für mein Inneres und dass die Lösung in mir selbst liegt?

Innere Stimme: Natürlich!

Anja: Okay. Dann sag mir doch mal bitte, wie es mir besser gehen kann. Was kann ich tun? Was soll ich tun?

Innere Stimme: Halt, nicht so schnell. Du willst viel zu schnell vorwärts kommen. Das tut dir nicht gut. Du brauchst viel mehr Zeit. Die willst du dir aber nicht geben. Deswegen hast du auch so Kopfschmerzen.

Anja: Aha. Doof. Ich will jetzt aber die Lösung. Jetzt gleich will ich wissen wie es mir besser geht!!!!! Maaaaaaannnnoooooo!

Innere Stimme: Ich sehe dich schon wieder rot angelaufen schreien. Du bist unglücklich, dass es nicht so läuft wie du es gerne willst.

Anja: (mault) Ja und, was ist daran so schlimm?

Innere Stimme: Daran ist gar nichts schlimm. Es ist einfach so.

Anja: Ja und? Wie soll mir das bitte schön weiter helfen?

Innere Stimme: Du bist sehr angespannt.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Schau dich gerade mal um, ob dich etwas in deiner Umgebung stört.

Anja: Ja, das Fenster ist offen und der Straßenlärm und das Geräusch eines Kompressors nerven mich.

Innere Stimme: Dann mach das Fenster zu.

Anja: (wieder maulend) Ja gut, aufstehen ist aber lästig... so habe ich gemacht.

Innere Stimme: Ist es jetzt besser?

Anja: Nur ein bischen.

Innere Stimme: Was stört dich noch?

Anja: Der Rechner ist so laut.

Innere Stimme: Dann mach den PC aus.

Anja: Ja, dann kann ich hier aber nichts mehr schreiben und nicht mehr weiter arbeiten.

Innere Stimme: Ja und? Dann ist das jetzt eben so. Du kannst jetzt nichts mehr am PC schreiben und auch nichts anderes machen. Dafür gehen aber vielleicht deine Kopfschmerzen weg und du entspannst dich endlich. Das ist doch ein Grundproblem. Du sagst, du fühlst dich nicht gut.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Aber die Lösung suchst du im Außen. Dabei liegt die Antwort so nah: Schau, was dir ganz konkret gut tut und was nicht. Was tut dir gerade nicht gut?

Anja: Das Rechnergeräusch.

Innere Stimme: Was würde dir jetzt gut tun?

Anja: Den Rechner ausmachen. Wärme, eine heiße Dusche, mich hinlegen, japanisches Heilpflanzenöl auf die Stirn.

Innere Stimme: Da hast du die Anleitung für die Lösung, Anja. So einfach - und offensichtlich auch gleichzeit so schwer - ist das. Die Welt geht nicht unter, wenn du jetzt den Rechner ausmachst. Du tust dir etwas Gutes, auch wenn sooooo viel liegen bleibt und du deswegen erst mal ein doofes Gefühl hast. Glaube mir, es wird sich auszahlen, dass du dir jetzt was Gutes tust, viel mehr als jetzt noch eine Stunde und noch eine Stunde und noch... hier zu sitzen und dich zu quälen. Kannst du das annehmen?

Anja: Ja. Na gut. Ich versuche es und mache den PC jetzt aus, stelle mich unter die heiße Dusche und bin mir eine ganz besonders liebevolle und umsorgende Mama.

Tschööööö

Anja Kolberg

Freitag, 27 November, 2009

Wenn die Angst übermächtig wird...

Es gibt Situationen, da sitze ich bewegungsunfähig wie ein Häschen vor der Schlange. Meine Angst hat mich gelähmt.

Was ist passiert? Wenn ich der Angst nicht zuhöre, wird sie immer mächtiger und kann mich regelrecht lähmen. Wenn ich sie jedoch als wichtigen Anteil von mir respektiere und ihr zuhöre, dann hat sie heilsame Worte für mich, die mich auf meinem Weg weiterbringen.

Ich nehme die Gelegenheit beim Schopfe und unterhalte mich mal mit meiner Angst:

Anja: Warum habe ich Angst?
Angst: Weil du verletzt worden bist.
Anja: Wer hat mich verletzt?
Angst: Du selbst.
Anja: Nicht andere?
Angst: Nein. Wenn du nicht willst, dass dich jemand verletzt, kann dich niemand verletzen.
Anja: Was kann ich tun?
Angst: Hör auf, dich zu verletzen.
Anja: Aber ich weiß doch gar nicht wie ich mich verletze.
Angst: Doch, das weißt du schon. Es sind Worte wie: "Wusste ich doch, dass es nicht klappt. Das war nicht gut genug. Das reicht noch nicht. Ich kann das nicht. Ich traue mich nicht. Ich bin nicht gut genug. Ich mache einen Fehler. Mach dich nicht zu groß. So toll bist du gar nicht. Ich habe noch nicht genug getan. Ich muss erst noch das und das tun, dann bin ich gut. Ich muss anders werden, dann werde ich geliebt. Ich muss abnehmen, dann bin ich richtig. Mit mir stimmt was nicht. Ich muss mehr Geld verdienen, erst dann darf ich für meine Meinung eintreten."... Weißt du jetzt, was ich meine?
Anja: Ja, Angst, ich weiß jetzt, was du meinst. Was kann ich denn tun?
Angst: Höre zunächst hin, wenn du zu dir selbst sprichst. Höre hin, wann du Worte benutzt, die dich selbst klein machen, dich verletzen, dir nicht gut tun.
Anja: Und dann?
Angst: Erkenne an, dass das schon ein ganz wichtiger Schritt ist. Du unterbrichst den bisherigen Abflauf. Halte inne und finde Worte, mit denen du Verständnis für dich selbst hast und erkläre dir, warum du diese Worte bisher benutzt hast.
Anja: Warum soll ich das tun?
Angst: Weil es dir hilft zu verstehen, warum du so gehandelt hast.
Anja: Und dann?
Angst: Dann sagst du dir liebevolle, aufmunternde Worte. Worte, die sich dein Innerstes wünscht. Worte, die dich glücklich machen.
Anja: Gleich was?
Angst: Ja, das, was dir gut tut. Das weißt du dann schon.

Hm, das klingt gut. So schlimm ist die Angst gar nicht. Eigentlich ist sie sogar sehr lieb zu mir. Wer hätte das gedacht?

Ich wünsche Ihnen ein schönes erstes Adventswochenende!

Anja Kolberg

Dienstag, 10 März, 2009

Etwas für mich selbst tun

Heute Nachmittag hätte ich eigentlich ein Treffen in einem Café gehabt. Auf das Gespräch habe ich mich schon länger gefreut. Bis ich Kopfschmerzen bekam. Ein Dialog mit meinem Inneren half mir, eine Entscheidung zu finden: Ich habe den Termin verschoben. Ich muss nicht auf dem Boden kriechen oder sterbenskrank sein, um eine Verabredung abzusagen. Es ist meine Aufgabe, gut für mich zu sorgen, wenn schon das Gefühl da ist, dass ich etwas anderes brauche.

Ich bin froh, dass ich mein Pflichtgefühl (was man vereinbart, muss man halten) nicht an die erste Stelle gesetzt habe, sondern mich selbst! Und das fühlt sich gut an.

Ein freier Nachmittag!

Herzensgrüße aus verregneten Domstadt

Anja Kolberg

Dienstag, 10 Februar, 2009

Wie verändern wir uns in Partnerschaften?

Ein Thema, über das ich nachdenke, weil das Wiedersehenstreffen mit der Jugengruppe naht. Wo ich Menschen treffe, zu denen ich seit meinen Umzug nach Köln, also nachdem ich meinen Partner kennen gelernt habe, keinen Kontakt mehr hatte. Wir uns aus den Augen verloren haben. Jugendfreundschaften. Menschen, die mich vor meiner Ehe gekannt haben.

War ich damals anders als heute? Ich glaube ja. Ich habe Lust auf einen Plausch mit meiner inneren Stimme.

Anja: Habe ich mich zu meinem Vorteil verändert?
Innere Stimme: Ja.
Anja: Was denn zum Beispiel?
Innere Stimme: Du hast einen enormen inneren Entwicklungsprozess hinter dir. Bist erwachsener geworden.
Anja: Habe ich mich auch zu meinem Nachteil verändert?
Innere Stimme: Ja.
Anja: Oh, das interssiert mich. Was hat sich zu meinem Nachteil verändert?
Innere Stimme: Dass du dich selbst ein Stück in der Partnerschaft vergisst. Du bist viel mit der Aufmerksamkeit bei deinem Partner, statt bei dir selbst.

Anja: Und das war vorher anders?
Innere Stimme: Ja, das war anders. Du hast viel mehr für dich selbst gesorgt. Darauf geachtet, dass es dir gut geht. Dich als eigenständige Persönlichkeit gezeigt.
Anja: Und heute bin ich eher ein 'wir'.
Innere Stimme: Ja.
Anja: Und dafür trage ich selbst die Verantwortung.
Innere Stimme: Ja natürlich. Dein Partner hat damit nichts zu tun. Du entscheidest, welchen Weg du innerhalb einer Partnerschaft gehst. Wie sehr du dein eigenes Ich lebst oder dich anpasst oder verschmelzt mit dem anderen oder dich hinter deinem Partner versteckst. Es gibt ganz viele Möglichkeiten. Lebst du deine Wünsche und Träume oder hast du sie aufgegeben, weil dein Partner sie nicht wichtig findet? Was willst du, was fühlt sich gut an? Lebst du eigene Hobbies? Eigene Freundschaften? Vertrittst du deine Meinung? Dein eigenes Ich zu leben ist auch innerhalb einer Gemeinschaft, einer Partnerschaft möglich. Es ist sogar sehr wichtig. Es hält die Partnerschaft und dich selbst lebendig.

Anja Kolberg

Freitag, 16 Mai, 2008

Wie ein Stiefkind...

... in einem Märchen behandle ich einen Anteil von mir. Welchen? Den der Schreibenden. Sie bekommt alles, was sie braucht zum Überleben. Ihr geht es gut, keine Frage. Sie schreibt Tagebuch, sie schreibt im Blog. Ihre Grundbedürfnisse werden erfüllt. Aber sie will mehr.

Sie ist diejenige in meinem Team, die ganz wibbelig auf dem Stuhl sitzt, Block und Stift in der Hand, voller Energie. Sie will loslegen.

Und was mache ich, ihre Teamchefin? Ich missachte sie, schenke Coach und Trainerin Aufmerksamkeit, damit sie Lust haben, aufzustehen, konzentriere mich auf die Kreative, die weiter entwirft, auf die Fotografin, auf die Betriebswirtin, die alles managt. Aber die Schriftstellerin, die kann noch so laut brüllen. Ich überhöre sie.

Das ist eine Unverschämtheit von mir! Ungeheuerlich! Unmöglich!

Ich tue es aber.

Eben las ich in einer Mail des Autorenhausverlages von Schreibblockaden, vom Erfolgsdruck und dem Drang, schreiben zu müssen. Alles ist mir geläufig. Für mich gehört aber noch etwas dazu: Nämlich die fehlende Unterstützung, die fehlende Aufmerksamkeit von mir für mein Stiefkind. Unsere Kommunikation scheint gewaltig gestört. Liebe fließt nicht zwischen uns, sondern Leere. Das ist ganz und gar nicht gut. Ich habe mich erschrocken, als mir das bewusst wurde.

Was tun? Wie dafür eine Lösung finden? Denn es ist ja klar: Ich will mehr schreiben als nur im Blog und im Tagebuch und ich weiß, darum geht es auch. Es hilft mir im Moment aber kein "nicht reden, sondern einfach machen" weiter. Ich weiß, über das Thema schreibe ich nicht zum ersten Mal. Ein Zeichen, wie sehr es mich beschäftigt.

Zeit für einen inneren Dialog:

Anja: Hallo, Schriftstellerin. Wie geht es dir?

Schriftstellerin: Beschissen! Ich werde einfach nicht gehört! Dabei will ich unbedingt loslegen.

Anja: Wer hält dich auf?

Schriftstellerin: Na du!

Anja: Womit?

Schriftstellerin: Mit deinen ewigen Zweifeln. Mit deiner Angst, nicht gut genug zu sein. Mit deinem Anspruch, dass ich was richtig gutes bringen muss, damit es sich lohnt. Nicht, dass ich das nicht schaffen kann, aber es ist wie eine zähe Masse, die mich umgibt und mich nicht loslegen lässt.

Anja: Was wünschst du dir von mir?

Schriftstellerin: Unterstützung. Zuspruch. Eine lange Leine. Gib mir Freiheit. Lass mich einfach machen.

Anja: Wie stellst du dir das praktisch vor?

Schriftstellerin: In dem du mir eine feste Zeit am Tag gibst, in der I-C-H bestimme, was gemacht wird. So einfach ist das.

Anja: Aha. Und wann soll das sein? Eine bestimmte Uhrzeit?

Schriftstellerin: Natürlich, sonst gehe ich wieder im Alltag unter. Ich brauche und verlange unbedingt eine feste Zeit!

Anja: Wann möchtest du die haben?

Schriftstellerin: Morgens eine halbe Stunde bevor du mit Minu gehst. Bevor du den PC anmachst. Gib mir den Laptop und ein leeres Dokument. Und meine halbe Stunde.

Anja: O.k., das kann ich machen. Ist das alles?

Schriftstellerin: Nein. Noch was: Lass mich einfach machen. Zerpflücke nicht das, was ich mache. Lass es einfach so stehen. Stell keine Ansprüche an Vollständigkeit, an Sinn, daran, dass daraus etwas werden muss. Ich brauche meinen Freiraum. So wie die private Türe zu meinem eigenen Zimmer, die ich verschließen kann, wenn ich Ruhe vor deinem Druck und deiner Zensur haben will. Kapiert?

Anja: Ja, kapiert.

Anja: Woher willst du denn wissen, dass ich die Zeit auch wirklich jeden Tag einhalte?

Schriftstellerin: Sei dir sicher: Ich werde dir gewaltig auf den Keks gehen, wenn du nicht aktiv wirst. Wehe du brichst mit meinem Freiraum. Ich verlange ganz wenig, aber sei dir sicher: Du wirst reich beschenkt.

Anja: Gut, ich will es tun. Noch was?

Schriftstellerin: Ja. Du machst das alles richtig gut. Sei dir sicher, ich melde mich zum richtigen Zeitpunkt, so wie ich es jetzt getan habe. Ich habe mich zwar vorher schon immer bemerkbar gemacht, aber jetzt stimmt der Zeitpunkt. Jetzt will ich so richtig loslegen. Ärgere dich nicht, dass du mir nicht schon vorher mehr Aufmerksamkeit geschenkt hast. Das stimmt schon so wie es ist.

Anja: O.k., danke. Mir ist aber auch noch etwas wichtig.

Schriftstellerin: Ja, was denn?

Anja: Dass du es mir leicht machst, in dem du dich mehr durchsetzt. In dem du wirklich die Türe schließt und dann loslegst, dir den Raum nimmst, den du brauchst und du ihn so gestaltest, wie du möchtest.

Schriftstellerin: Kein Problem. :o)

Anja: Abgemacht?

Schriftstellerin: Abgemacht!

Schönes Wochenende

Anja Kolberg

Freitag, 04 April, 2008

Wahrhaftig geschafft!

Ja, ich hab's gestern gepackt: Ich habe geschrieben. Und nicht nur 2 Seiten - nein 10! Danach war ich körperlich ziemlich verkrampft, daran muss ich noch arbeiten. Und während des Schreibens hätte ich meine innere Perfektionistin am liebsten gefesselt und geknebelt, damit sie mich in Ruhe lässt und nicht anschließend den ganzen Text zerpflückt...

(Jetzt erlaube ich mir mal wieder eine Zeichnung.)

 

Nein, keine Sorge, ich hab's nicht getan. Irgendwie konnte ich sie auch so in Schach halten.

Es ist ein Anfang. Ein weiterer Schritt. Mein Herz sagt in die richtige Richtung. Es hüpft. :o)

Zeit für den Blick auf den Kalender.

Anja: Seele, was brauchst du heute um froh zu sein?
Seele: Eine Pause.
Anja: Eine Pause wovon?
Seele: Von allem.
Anja: Aber ich kann doch nicht einfach eine Pause machen, wo ich doch hier so viel zu tun habe!!!
Seele: Wieso nicht?
Anja: Das geht doch nicht. Es gehört sich nicht. Ich will nicht als faul dastehen.
Seele: Du und faul? Hör auf, Anja. Du weißt genau, dass es nicht stimmt.
Anja: Ja, aber ich war doch diese Woche schon im Japanischen Garten.
Seele: Na und?
Anja: Was soll ich den für eine Pause machen?
Seele: Geh spazieren.
Anja: Näh! Ich gehe jeden Morgen mit Minu spazieren. Ich habe darauf jetzt echt keinen Bock!
Seele: Dann schlag was anderes vor.
Anja: Mir fällt nix ein. Weiter arbeiten?
Seele: ANJA!
Anja: Also, ich versuche es mal anders: Liebe Seele, welche Pause wünschst du dir heute, damit du froh bist?
Seele: Ich möchte eine zeitlang draußen sein. Das kann im Garten sein.
Anja: Und wenn es regnet?
Seele: Das ist mir egal.
Anja: Und diese Pause würde dir reichen, um froh zu sein? Eine Stunde z.B.?
Seele: Nickt. Ja, würde mir reichen.
Anja: Dann muss ich also nicht den ganzen Tag nichts tun?
Seele: Nein, musst du nicht.
Anja: Soll ich in der Zeit draußen etwas machen?
Seele: Nein, einfach da sitzen und die Natur beobachten. Du kannst überall hinfahren und einfach die Natur beobachten. Das macht mich froh.
Anja: Seufz. Buh, das ist eine schwere Aufgabe. Arbeiten ist leichter. Mich beschäftigen mit anderen Sachen ist leichter, als diese Pause zu machen.
Seele: Ich weiß.

Puh, da merke ich wieder mal, dass die Beschäftigung mit dem eigenen Ich eine ganz schöne Herausforderung sein kann. Nun, gestern habe ich es auch geschafft, heute werde ich es auch schaffen. Irgendwie...

Ganz liebe Grüße aus Köln

Anja Kolberg

Freitag, 12 Oktober, 2007

Manno!

So richtig blöd im Leben ist es für mich, wenn meine innere Stimme mir sagt: "Ruh dich aus" und mir aber genau das schwer fällt. Geht nicht. Ich laufe innerlich auf 180, bin aber in einer Warteschleife, weil ich auf grünes Licht vor einer roten Ampel warte. Urg!

Ruhig Brauner.

Hmhm. Leichter gesagt als getan...

Soll ich mal mit meiner inneren Stimme sprechen? Jaaaaa! (Da fängt förmlich was in mir zu hüpfen!)

Anja: Was ist denn los?

Innere Stimme: Du bist auf 180 und nimmst dir gar nicht mehr die Zeit, mal inne zu halten.

Anja: Leichter gesagt als getan.

Innere Stimme: Ich weiß.

Anja: Was kann ich tun?

Innere Stimme: Mach den PC aus, lass es gut sein.

Anja: Aber ich könnte doch die Sache noch fertig machen.

Innere Stimme: Natürlich könntest du das.

(Ich merke, dass ich weiter total kribbelig bin.)

Anja: O.k., was ist, wenn ich das hier noch fertig mache und

Innere Stimme unterbricht mich: NEIN!

Anja: Was nein?

Innere Stimme: Du sagst immer "noch dies", "noch das". Und irgendwann ärgerst du dich, dass du deine Zeit nicht für dich genommen hast.

Anja: Es ist aber auch schwer. Ich versuche, möglichst viel zu schaffen, komme aber im Moment nicht weiter. Will aber auch nicht auf der "faulen" Haut liegen und mir ein schlechtes Gewissen machen.

Innere Stimme: Aber warum denn das nicht?

Anja: (ganz leise) weiß nicht (traurig) mir fällt es nicht ein, ich will da gar nicht hingucken

Innere Stimme: Musst du auch nicht. Hast du schon mal daran gedacht, dass es dir auch gut tun könnte, dich einfach auszuklinken aus dem, was du noch alles tun könntest? Ich meine jetzt NICHT (!) Hausarbeit erledigen, den Wocheneinkauf machen, mit dem Kochen beginnen. Nein, irgend etwas für dich tun. Etwas, worauf du Lust hast. Es muss nichts großes sein.

Anja: (schaut freudig auf) egal was?

Innere Stimme: Egal was. Worauf hast du denn Lust?

Anja: Mich mit dem neuen Buch auf's Bett zu legen und darin zu stöbern. Ja, das möchte ich.

Innere Stimme: Dann mal los!

Ich mache jetzt den PC aus und wünsche Ihnen daheim oder auf der Arbeit, im Internetcafé oder wo immer Sie dies hier lesen eine wunderschöne kommende Stunde und ein zauberhaftes Wochenende!

Tschööööhö

Anja Kolberg

Dienstag, 07 August, 2007

Festbetoniert...

... ja, so fühle ich mich gerade. Und gefühlt sieht das so wie auf der Zeichnung aus. Ich weiß, was ich will und "kann" es einfach nicht machen. Geht nicht. Blödes Gefühl.

Ich bin nicht nur in Beton Marke "SUPERFEST" einbetoniert. Nein, auch noch festgetackert. Und ich stehe so stabil, dass ich noch nicht mal umkippen kann und mich so aus dem Staub machen. MENSCH!

Es ist wohl mal wieder Zeit, nach Innen zu schauen, hören, was mein Herz mir zu sagen hat...

Anja: Was ist los, Herz?

Herz: Nichts.

Anja: Warum fühle ich wie festgetackert, wie einbetoniert?

Herz: Das hat seinen Grund.

Anja: Darf ich auch wissen, welchen?

Herz: Ja.

Anja: Welchen Grund hat es?

Herz: Damit du nicht zu schnell vorwärts rennst, sondern im hier und jetzt bleibst.

Anja: Aber warum denn? Was habe ich denn davon?

Herz: Nun, es gibt im hier und jetzt noch etwas zu klären, zu lernen, zu lösen. Dann geht es weiter.

(Ich fühle eine mannshohe Ungeduld in mir aufbegehren.)

Anja: *räusper* *hm* *ja* Ich fühle mich damit aber nicht gut.

Herz: Ich weiß. Das gehört dazu.

Anja: Na toll!

Herz: (Stille)

Anja: Weiß du, was ich noch zu klären habe?

Herz: Ja.

Anja: Sagst du es mir auch?

Herz: Ja.

Anja: Was ist es denn?

Herz: Lernen, das anzunehmen, was im Moment ist. Und es zu genießen. Das Genießen ist wichtig. Nicht nur dunkel dreinschauen und mit dir und der Situation hadern. Nein, mach was draus.

Anja: Mach was draus. Mach was draus. Wie denn, wenn ich FESTGETACKERT bin?

Herz: Anja, ruhig! Wenn du das Glück im Kleinen findest, wird es dir besser gehen.

Anja: "Das Glück im Kleinen finden" - das klingt so abgedroschen.

Herz: Das mag sein, dass du das so empfindest. Erkenne den Wert, der sich dahinter verbirgt.

Anja: Der Wert dahinter. Mir fällt dazu ein: "Annehmen, was ist. Ich kann es doch nicht ändern."

Herz: Ja, richtig. Weiter so.

Anja: Das Glück im Kleinen... Das Glück im Kleinen... Was kann das sein? Das Beste aus der Situation machen.

Herz: Ja, auch das.

Anja: Fehlt noch was?

Herz: Natürlich!

Anja: Was denn?

Herz: Denk mal nach.

Anja: Hast du jetzt "Denk" gesagt? Nicht "Fühl"?

Herz: Ja sicher.

Anja: Annehmen was ist... Das Beste aus der Situation machen... Genießen fehlt noch.

Herz: Ja, richtig.

Anja: Wie kann ich die Situation genießen? Genießen, dass ich nicht weiterkomme, obwohl meine Ideen und Gedanken schon meilenweit von mir entfernt sind? Ich schon so genau weiß, wie es weitergehen kann, aber es geht einfach nicht. Die Situation ist schrecklich. Ich fühle mich schlecht. Habe ein schlechtes Gewissen.

Herz: Dennoch. Anja. Dennoch.

Anja: Dennoch soll ich die Situation genießen?

Herz: Ja, natürlich, Anja. Darum geht es. Du kannst dir nicht immer die Sonnenseite aussuchen. Es geht darum, dass du den dunklen Zeiten in deinem Leben möglichst viel Wärme und Licht gibst. Das Gute im "Bösen" sehen. Das ist wichtig. Das sollst du jetzt lernen. Dann geht es weiter, sei dir sicher. Es geht schnell weiter. Und mit viel viel Liebe.

Anja: Brauche ich lange, um das zu begreifen?

Herz: Anja. Hallo, deine Ungeduld ist wieder da. Du brauchst solange wie du dafür brauchst.

Anja: Hm. Nicht leicht.

Herz: Richtig. Aber wenn es leicht wäre, hättest du es ja schon längst getan. Dann müsstest du es ja nicht lernen. Und auf der anderen Seite ist es ganz leicht. Wenn du dich innerlich von deinen Ängsten, dem schlechten Gewissen und dem Blick nach außen frei machst, dann wird es dir leicht fallen, deine Pause zu genießen.

Anja: O.k., verstanden. Aber leichter gesagt als getan.

Herz: Ja, das stimmt.

Anja: Es ist also so viel Zeit da wie ich brauche?

Herz: Ja, aber das heißt nicht, dass du nicht an dir arbeiten sollst.

Anja: Klar. Lernen, dem Dunklen etwas Schönes abzugewinnen.

Herz: Ja, auch.

Anja: Und im Dunklen ein Licht entzünden.

Herz: Ja.

Anja: Annehmen was ist. Das Beste aus der Situation machen. Und im Dunklen das Schöne finden und dies mit Liebe und Wärme erhellen.

Herz: Ja, jetzt hast du es. Genau darum geht es. Darum fühlst du dich so unbeweglich im Moment.

 

Anja: Was ist Gutes an der Situation? Ich habe Zeit. Mir geht es gesundheitlich gut, weil ich keinen Streß von außen habe. Auch die finanzielle Seite habe ich gut im Griff und auch wenn die Ressourcen geschwunden sind, dafür waren sie da. Sie waren es wert. Und ich weiß, ich werde sie wieder auffüllen. Ich bin frei, außer mir selbst kann mir kein Mensch Druck machen. Ich kann morgens auf der Terrasse sitzen und meinen Milchkaffee schlürfen. Ich kann den Tag so gestalten, wie es mir gut tut. Meine Gedanken sind frei. Ich habe Zeit, Tagebuch zu schreiben. Ich habe noch viel mehr Freiheiten in dieser Zeit, die noch wie neue T-Shirts unbenutzt im Schrank liegen. Ich bin wirklich frei. Und die Freiheit ist mir sehr sehr wichtig.

Danke Herz, für deine Antworten.

Herz: Gerne.

Mittwoch, 11 Juli, 2007

Manchmal...

... ist es ganz schön schwer, auf sein Herz zu hören. Dann, wenn man damit jemand anderen verletzt. Oder mehr als einen einzigen Menschen.

Argumente helfen nicht weiter: Für beide Entscheidungsmöglichkeiten gibt es gute Gründe.

"Sei nicht so" ruft eine Stimme aus dem Hintergrund. "Komm, stell dich nicht so an" eine zweite. "Überwinde dich, es ist doch nur einmal" die dritte. "Das kannst du nicht machen" die vierte. "Reiß dich zusammen" die nächste.

"RUHE!!!" rufe ich in den stimmgewaltigen Chor.

Ich weiß selbst, was sich gehört, sonst wäre die Entscheidung längst gefallen. Sie war längst gefallen, doch dann beschlich mich mein schlechtes Gewissen, als ich die Reaktion des Betreffenden gespürt habe. Und dann meldeten sie sich wieder, die Stimmen des Gewissens. Mächtig Einwürfe hatte der Chor parat. Und ich war gewillt, auf die Bedürfnisse und Gefühle der Anderern mehr zu achten als auf meine eigenen.

Kurze Besinnung.

Was will mein Körper? "Ich will Ruhe, Pause, keine Überanstrengung wie du sie vorhast."

Was sagt mein Familienherz? "Entscheide, was für dich richtig ist."

Warum kann ich die Gefühle der Anderen nicht einfach ignorieren? Wahrscheinlich, weil ich dafür zu emphatisch bin. Diese Emphatie sollte ich mal in vollem Umfang für mich aufwenden.

Sind die Bedingungen so, dass du dich wohlfühlst, Anja? "Nein, auf keinen Fall."

Ist es dann richtig, deine Gefühle zu übergehen? Ganz leise kommt ein "Nein".

Dann hör auf dich, Anja. Es gibt nur einen Menschen, der gut für dich sorgen kann. Das bist du selbst. Du willst lieber dich selbst und deine Gefühle ignorieren und verletzen, statt andere. Du kannst nicht damit rechnen, dass andere Verständnis für dich haben. DU musst Verständnis für dich und deine Gefühle haben. Dafür bist du da. Darum geht es.

Herz, was sagst du dazu? "Ja" sagt das Herz. "hör auf dich. Du bekommst solange Prüfungen geschickt, bis du es begreifst."

Puh. Nicht einfach. Aber so ist wohl das Leben, wenn es ansteht, etwas zu lernen.

Ich höre auf mein Herz, auch wenn ich damit andere verletze. Ich will begreifen: So ist das Leben.

Anja Kolberg

Donnerstag, 05 Juli, 2007

Die ehrliche Lösung gibt es nicht von außen

Gerade war mir danach, mal wieder eine Karte aus der Postkarten-Edition Nr. 1 als Impuls für mich zu ziehen. Diese habe ich gezogen:

Eine Spirale aus Sand. Ein Grashalm wirft einen Schatten über das Bild. Wie ein Eindruck, ein Thema, eine Frage, die von außen kommt und geklärt werden möchte.

Der Text: "Die Lösung liegt in dir!"

Manchmal wünsche ich mir, dass jemand anderes die Verantwortung für die Entscheidungen übernimmt, die in meinem Leben anstehen. Das ist einfach und praktisch. Jemand anderes sagt mir, was ich tun oder lassen soll. Ich folge dem einfach. Denke nicht weiter nach. Übergehe mich. Trete nicht mit meiner inneren Stimme in Kontakt. Es läuft an mir vorbei wie der Grashalm über die Spirale läuft.

Einfach ist diese Antwort vielleicht. Nur nicht ehrlich. Auf meinem Lebensweg bringt sie mich nicht weiter.

Wahre Antworten kann ich nur in mir selbst finden.

Das ist zuweilen anstrengend.

Erfordert Zeit.

Aufmerksamkeit.

Ehrlichkeit.

Gnadenloses Vertrauen in mich selbst.

Ich wünsche mir mehr Mut, mir zuzuhören und mir und meinem Inneren wirklich ganz und gar zu vertrauen!

Anja Kolberg



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