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Juten Morjen

Guten Morgen (oder auf Kölsch: Juuuten Morjen) aus Köln!

Die letzten Tage waren geprägt durch intensive Arbeit, mehr als ich dachte und mich von Vorjahren erinnerte. So viele neue Produkte, die angelegt, fotographiert, dere Fotos webfähig gemacht und Produkttexte gemacht werden wollten. Stimmen die Länder noch, in die Hermes ausliefert? Welche der Glückwunschkarten und Weihnachtskarten will ich anbieten? Über was muss ich informieren, wie ist das mit der neuen Widerrufsbelehrung? Was muss jetzt noch an rechtlichen Informationen im Shop enthalten sein? (Für jemand wie mich, die alles richtig machen will: Horror.) Puh! Ganz schön viel, die Verspannung im Nacken wurde derweil immer stärker. Ich habe mich selbst zu stark unter Druck gesetzt. Den Shoptermin zum 15.10. wollte ich unbedingt schaffen, weil das Datum Mitte des Monats doch so stimmig ist, ich auch die Einnahmen brauche und ich Angst habe, ich verkaufe nicht genug, wenn der Shop "noch" später ins Netz geht. (Ich mache mir Gedanken, Sie glauben es nicht. Dann denke ich: "Warum hast du so Sachen denn nicht schon früher gemacht? Du hattest doch den ganzen Sommer Zeit? Die Antwort ist einfach: Weil es nicht ging. Ich brauche diesen Druck, um die Dinge zu tun, die zu tun sind.)

Gestern Nachmittag habe ich die Reißleine gezogen: Kopfschmerzen. Müdigkeit. Ich habe mich so gefühlt wie zu meinen ärgsten Projektzeiten als Angestellte (einen Tag vor Präsentationsterminen beim Kunden, wo noch so viel getan werden musste und alle arbeiteten bis in die Nacht) und wie vor meinem ersten Workshop. Damals habe ich die Tage vorher so viel gearbeitet. Wollte alles richtig und möglichst perfekt machen. Gearbeitet bis spät abends, mir fiel immer mehr ein und irgendwann war ich einfach "durch". Konnte nicht mehr schlafen, war sehr aufgeregt und nervös. Damals hat mein Mann die "Reißleine" gezogen und hat mich mit in die Claudius-Therme (herrliche Saunalandschaft in Köln mit Blick auf den Dom) mitgenommen. Die Auszeit hat mir damals gut getan, erst wollte ich nicht, weil ich ja noch so viel... dann habe ich zugestimmt. Ich weiß noch, wie ich im Ruheraum lag, mit Blick auf den Dom und die Phantasiereise machte, die eine Yogalehrerin mir empfohlen hatte und mich sehr beruhigte. Ich liebe diese Übung, weil sie mich erdet und meinem Naturempfinden so nahe kommt:

Ich stelle mir vor, dass ich mit beiden Beinen fest auf einer sehr schönen Stelle in der Natur stehe. Aus meinen Füßen wachsen Wurzeln in den Boden bis ins Erdinnere. Rote, pulsierende Erdenergie steigt nun durch die Wurzeln empor und strömt durch meinen Körper, versorgt mich mit Energie. Daraufhin wächst Rinde um meinen Körper, lässt mich noch sicherer stehen. Ich breite meine Arme aus und beobachte, wie sie länger und länger werden und daraus Zweige, starke Äste und Blätter wachsen. Bis eine wunderschöne Baumkrone entstanden ist. Vögel lassen sich auf mir nieder, erfreuen mich mit ihrem Gesang, kitzeln mich. Wind kommt auf, bläst durch die Blätter, bewegt Zweige und Äste. Meine Baumkrone neigt sich im Wind und ich spüre wie stark ich bin und mich zwar im Wind beuge und doch sicher stehen bleibe.

Gestern nun, den Wunsch vor Augen, dass heute der Shop seine Pforten öffnet, spürte ich mittags, dass es mehr als an der Zeit war, die Reißleine zu ziehen und mich selbst aus dem Druck zu befreien. Okay, ehrlich gesagt, war es nicht mein Verstand, sondern mein Körper, der die Reißleine zog. Mein Verstand wollte ja noch weiter machen. Diese Müdigkeit, fehlende Energie und die Kopfschmerzen. Keine gute Mischung. Erst habe ich mich ins Bett gelegt, wollte nur eine Pause machen. Doch an Schlafen war nicht zu denken. Weil mein Kopf alles andere wollte als schlafen, der wollte über das nachdenken, was noch zu tun ist.... Körper sorgt für noch mehr Kopfschmerzen...

Also bin ich aufgestanden und habe mich unter die Dusche gestellt. Heißes Wasser hilft mir gewöhnlich. Lange habe ich mir diese Entspannung gegönnt. Aaaaah, hat das gut getan. Dann die neue sehr lange Bequemhose angezogen und ein schönes Lümmelshirt. Dann habe ich alle Termine in meinem Kopf losgelassen, den PC ausgemacht und den Ofen im Wohnzimmer angemacht, denn mir war richtig dolle kalt. Hm, schon besser. Inzwischen war mein Mann da, der sich freute, dass ich mich auf die Couch legen wollte, das macht er auch gerne. Also holte er das Bettzeug aus dem Schlafzimmer für uns beide runter und schmierte unsere Brötchen zum Mittagessen. Die Krönung war der Münstertatort von Sonntag, den er aufgenommen hatte, den lieben wir beide sehr.

Das alles, mit immer wieder Augen schließen zwischendurch, hat soooo gut getan. Dann noch eine Nackenmassage. Aua, da saß all die Anspannung.... seufz, es wurde besser. Und endlich habe ich diese Nacht richtig gut geschlafen. Kein Wind, kein Gedankenkarusell. Was mir auch diesen Herbst so viel mehr Streß macht als all die Jahre zuvor, ich weiß es nicht.

Ich bin glücklich, dass ich gestern so gut für mich gesorgt habe und losgelassen habe, was mich unter Druck setzt. Ich bin eben ein Eine-Frau-Unternehmen und mache alles von Unternehmensleitung über Buchhaltung, Marketing, Kalkulation, Kreativabteilung, Lager, Versand - selbst. Bin richtig stolz auf mich, was ich die letzten Tage und Wochen geleistet habe!

Bei all der freudebringenden Arbeit und dem Spaß: Nichts ist wichtiger als mein Wohlbefinden. Da gilt es immer wieder neu zu schauen und zu spüren, Prioritäten zu setzen und ein Gleichgewicht zwischen all dem zu finden. Eine Herausforderung, die viele Einzelunternehmer/innen kennen. Auf der einen Seite, der Geist/Verstand, der Ideen hat, der ganz viel umsetzen und schaffen will, auf der anderen Seite der Körper, der seine Grenzen hat und Auszeiten zum Ausruhen und Kraft generieren braucht und dazwischen die Seele mit ihren Gefühlen, Ängsten, Sorgen, Erinnerungen, Prägungen. Ein stimmiges Gleichgewicht, das ist mein Ziel. Diese Woche habe ich mal wieder die Grenzen ausgelotet. :o)

Mich in jeder Situation für das zu entscheiden, was nun für mich richtig und stimmig ist, unabhängig von dem, was "eigentlich sein sollte oder muss", das lerne ich in dieser Woche mal wieder. So habe ich mich jetzt auch dafür entschieden, über meine derzeitige Situation hier diesen Blogbeitrag zu schreiben und zu reflektieren, was gerade ist, statt eine Stunde weiter am Shop zu arbeiten. *Hüpf* Das war so wichtig und hat gut getan!

Der Shop läuft inzwischen auf einem Testpfad, doch es gibt noch etwas darin zu überprüfen und zu ergänzen. Ich übe mich derweil in Geduld - meine Meisteraufgabe in diesem Leben als Widder, Aszendent Löwe (Ungeduld :o) ist ihre Stärke)- ich schaffe es ... immer ein klitzekleines bischen mehr.

Heute geht es mir mit der Stärkung von gestern schon viel viel besser. Kopfschmerzen sind Vergangenheit. Druck versuche ich weniger aufzubauen, was mir schwer fällt. Ich bin die einzige, die mir Druck macht. Okay, auch das lerne ich noch. So, mit neuer Kraft geht es jetzt wieder frisch ans Werk. ... mal sehen, wie mein nächster Blogeintrag lauten wird. :o)

Alles wird gut.

Ganz liebe Grüße aus Köln

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 15 Oktober, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Körper & Schmerzen
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