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Türchen 16: Warum passierte das alles? Die Ursache finden und dann...

Nachdem der Adrenalinschub vorbei war, ging es mir nicht gut. Mein ganzer Körper schmerzte von den beiden Stürzen, dem Hochstemmen, Hochklettern und auch dem Stress. Nacken und die Schultern fühlten sich ebenso wund an wie die Handgelenke. Mein Mann schaute nach, ob ich Verletzungen hatte und rieb mir den Nacken mit einer Muskelsalbe ein. 

Dieser Urlaub war so verrückt! Warum passierte uns das alles? Was war blos los?

Noch nie hatten wir in einer solchen Intensität Herausforderungen im Urlaub zu meistern. Ich hatte Sorge, dass es so weiter geht und ich gar nicht mehr zu Ruhe komme. Es musste endlich aufhören mit den "Abenteuern". Ich wollte nur noch wirklichen Urlaub und Frieden haben.

Ich ging ins Bett und legte Heilungsmusik auf, um mich zu beruhigen und weinte. Ich nahm Bachblüten Notfalltropfen und versprühte Lavendelöl. Langsam kam ich zur Ruhe und dachte immer wieder über all das vergangene nach. Die Baustelle. Das Festfahren am Strand. Das Ausschließen auf dem Balkon. Wo hatte das alles seinen Anfang genommen?

Mir fiel eine Situation ein, als wir in Köln losgefahren waren und uns stritten, weil mir aus Unachtsamkeit etwas am Wagen passiert war, da ich morgens um halb vier noch müde und unkonzentriert war. Damit hatte es begonnen. Wie ein roter Faden zogen sich die Themen Schuld, einander verstehen, für sich selbst einstehen, Lösungen im Blick haben, Mitgefühl und Verzeihen durch die Herausforderungen.

Mir wurde auf einmal klar: Egal was uns widerfährt und wie sehr uns das stresst oder wir uns ärgern wie ungerecht eine Sache ist oder auch wie unverständlich die Reaktion von anderen: Wichtig ist nicht, ob oder was uns widerfährt, sondern wie wir anschließend mit uns selbst und den anderen umgehen.

Am nächsten Morgen sprach ich mit meinem Mann darüber. Wir bekamen zwei Tage später eine kleine Situation "geschenkt", um unsere Gefühle nochmal zu durchleben und konnten nochmal darüber sprechen und weiteres verstehen. 

Das Schicksal ärgert uns ja nicht nur, dahinter verbirgt sich meiner Auffassung nach ein Grund. Und mir war die Lernaufgabe dahinter klar geworden. Ich nahm mir vor, mich nun so gut es ging, auf das Gute konzentrieren und zu versuchen, das Beste aus dem Urlaub wie er nunmal war zu machen. Die Schultern, Beine und Arme waren noch vierzehn Tage von blauen Flecken überzogen, doch das war zu verschmerzen.

Es ist bis auf eine rätselhafte Begebenheit am letzten Abend nichts stressiges mehr passiert. Wir hatten verstanden, was zu lernen war und dann war es gut.

Von da an passierten nur noch schöne Dinge und ich hatte den Eindruck, ich werde belohnt wie noch nie zuvor in einem Dänemark-Urlaub. Genießen Sie mit mir nun den Norden, das Meer, die Kraft der Natur, kleine und große Wunder und Geschenke!

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Der Adventskalender ist gestartet - mit Verlosung

Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß

Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen?

Türchen 7: Es tut sich was. Hoffnung. War das denn immer schon so? Hochsensiblität.

Türchen 8: Die Chancen im Unglück entdecken – Entscheidung

Türchen 9: Die Stärke der Natur und wie kommen wir da blos wieder raus?

Türchen 10: Festgefahrene Situation

Türchen 11: Und nu? Helfer in der Not.

Türchen 12: Die nächste Prüfung überrascht uns am Abend

Türchen 13: Wie kommen wir da wieder rein? 

Türchen 14: Hilfe von außen muss her. Aber wer und wo? 

Türchen 15: Ob das wirklich klappt?

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Samstag, 16 Dezember, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dänemark, Blog - Dunkle Tage

Türchen 15: Ob das wirklich klappt?

Ich teilte meine Beobachtungen mit und fragte den Nachbarn, ob er vielleicht mit mir gucken würde, ob da irgendwas in der Kellerdecke zu sehen wäre. Wir gingen in den Keller, machten Licht und ich fand die Stelle, worüber sich mein Schlafzimmer befand. Wahrhaftig, da etwas in die Holzdecke eingelassen, es sah aus wie eine Luke. "Super, da wäre ich nie drauf gekommen. Gut, dass Sie gefragt haben!" sagte ich zu meinem Begleiter.

"Hoffentlich ist sie nicht abgeschlossen." Ich überlegte: "Und genau da steht das Doppelbett drauf, ein Stuhl und der Koffer. Aber wir können ja mal probieren." Ich drehte an dem Knopf. Sie war nicht abgeschlossen. Der Nachbar, viel größer als ich, versuchte die Klappe über seinem Kopf mit der Hand anzuheben. Immerhin, einen kleinen Spalt ließ sie sich öffnen. Allerdings war die Kellerdecke hoch und die Luke wegen dem darauf stehenden Gewicht kaum zu heben.

"Wir brauchen was, um etwas dazwischen zu stecken, damit es nicht immer wieder zugeht." meinte mein Helfer. Ich fand schmale Holzbalken, die wir dazwischen klemmten. Hm, immer noch viel zu schmal und von oben viel zu viel Gewicht, um da rein zu kommen. Würde das überhaupt gehen: Das schwere Bett hochheben? 

"Wissen Sie was, ich brauche was stabiles, wo ich mich draufstellen kann, dann gucke ich mal", sagte ich. Ich fand zwei Böcke und in der Garage eine Schaltafel. Der Platz unter der Luke war eng, aber es passte. Ich stellte mich gebückt auf das gebaute Podest und wollte mit Kopf, Nacken und Schultern die Klappe in die Höhe stemmen. Mit aller Kraft drückte ich dagegen und konnte wahrhaftig das Gewicht von Bett, Stuhl und Koffer bewegen. Der Spalt war jetzt ca. 30 cm hoch, dass ich theoretisch durch klettern könnte. Allerdings war es auch etwas gefährlich. Wenn ich abrutschte, konnte mir die Luke mit dem Gewicht auf den Nacken schlagen. Ich musste ja die ganze Zeit das Gewicht von oben halten.

Trotzdem. Ein Lichtblick. "Das könnte gehen", freute ich mich. "Ja, aber sie brauchen was zur Absicherung, damit sie sich nicht verletzen", entgegnete mein Nachbar. 

Er wollte sich in der Garage nach was passendem umsehen. Ich versuchte mit der Hand über die Luke zu greifen und die inzwischen herunter gepurzelte Wäsche zur Seite zu schieben, damit der Ballast leichter wurde. Ich hörte wie nebenan Glasflaschen auf den Betonboden gestellt wurden.

Aber wie sollte ich da hochkommen? Der Höhenunterschied zwischen dem Podest und dem Fußboden in der oberen Etage war zu hoch. Ich hätte nicht genug Kraft, um mich selbst dort hochzuheben und das Gewicht auf der Luke hochzustemmen. Mein Mann wohl wahrscheinlich, aber der war ja noch draußen auf dem Balkon.

"Jetzt brauche ich nur noch eine Leiter, damit ich seitlich an der Wand hochklettern kann. Ich gucke mal", sagte ich. Während ich suchte, kletterte der Nachbar auf die Böcke, wuchtete Luke, Bett & Co. hoch und klemmte einen leeren Wasserkasten unter das angehobene Bett, so dass es gesichert war und ich nicht am Nacken oder Bauch gequetscht würde, sollte ich abrutschen und das ganze Gewicht auf mich fallen. Ungefährlich war es nicht. Doch das war mir egal.

Ich wollte da rein. Ich wollte alles versuchen, um da endlich wieder rein zu kommen und meinen Frieden zu haben. 

Im Keller fand ich eine Trittleiter. Die stellte ich gegen die Wand neben die aufgebauten Böcke. Ich hielt mich oben fest und mit den Füßen kletterte ich Tritt für Tritt auf der Leiter empor, während ich die Luke mit Kopf und Schultern gegen den Druck von Bett und Stuhl weiter hochhob und so mit meinem Körper höher kam. Irgendwann war ich so weit, dass ich mit dem Fuß auf den Teppichboden gelangen konnte und zog mich Zentimeter für Zentimeter durch den schmalen Spalt hoch. Dann war ich drin und die Luke schlug zu.

Es hatte geklappt! Ich war wahrhaftig rein gekommen!!!! 

Aus eigner Körperkraft hatte ich es geschafft und dank Hilfe von außen. HÜPF!

Voller Glückseligkeit öffnete ich meinem Mann die Terrassentüre, der es kaum glauben konnte. Minu kam freudig auf mich zugelaufen. Schnell schloss ich die Haustüre auf und rannte wieder in den Keller. Der hilfsbereite Nachbar hatte schon angefangen, alles wegzuräumen. Heilfroh bedankte ich mich für seine Hilfe und bekräftigte nochmal, dass wir es ohne seine Hilfe nicht geschafft hätten, weil ich gar nicht auf die Luke gekommen wäre. Erst durch seine Frage sei ich darauf gekommen.

Er wünschte uns noch einen schönen Urlaub und verabschiedete sich. Ich fragte nach seiner Adresse, damit ich mich bedanken könne und er kam mit hoch. Dort schilderten wir ihm den Hergang ausführlicher, weil er verständlicherweise nicht verstand, wie wir uns ausgeschlossen hatten, da es ja üblich ist, dass sich Terrassentüren wieder aufschieben lassen, solange man sie nicht von innen verschließt. Wir zeigten ihm die nun neu kennen gelernten, verhängnisvollen "dänischen Schnappschlösser", die heutzutage so sicherlich nicht mehr gebaut werden.

Nach dem Urlaub schickten wir ihm und seiner Familie ein Dankeschön. Einige Zeit später erhielten wir eine süße Karte, worauf die beiden meinten, dass das kleine abendliche Abenteuer auch ihre Urlaubserinnerungen bereichert hätte und ihre Kinder fänden die Geschichte superspannend. :-))

Was bin ich froh, dass Hilfe da ist, wenn wir sie brauchen und ich danach frage. Was bin ich froh, dass wir so einen glücklichen Ausgang erleben durften. Was bin ich froh, dass ich als Kind im Stall die schmale, an der Wand befestigte Leiter durch ein schmales Loch auf den Heuboden klettern musste, um Heu runter zu werfen. All das konnte ich jetzt nutzen! 

Wie verrückt war unser Erlebnis? Terrassentüren, die sich nicht von außen öffnen lassen, obwohl sie nicht abgeschlossen waren. Wie oft war das an diesen Türen schon passiert? Wie viele Situationen sind uns eingefallen, wo man draußen auf dem Balkon steht und die Türen zum Wohnraum zuzieht. Was, wenn hier alte Leute urlaubten, die können nicht mal eben vom Balkon springen? Was ein Glück, dass die Nachbarn noch wach waren und so vertrauensvoll, mir zu öffnen, mitzukommen und zu helfen.

Danke, lieber Himmel, danke! 

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Türchen 14: Hilfe von außen muss her. Aber wer und wo? 

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 15 Dezember, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dänemark, Blog - Dunkle Tage

Türchen 14: Hilfe von außen muss her. Aber wer und wo?

Von wo konnte denn Hilfe kommen, wo war ein Haus bewohnt? Zwei Häuser unterhalb von uns brannte noch Licht. Wer weiß wie lange noch. Es war ja schon spät am Abend und wenn wir wirklich irgendwo anrufen müssten, wäre wohl je früher je besser. Ich hatte dort ein Auto mit deutschen Kennzeichen gesehen, also keine Schwierigkeit, mich verständlich zu machen.

Auf den Balkon würde ich nicht mehr so leicht von außen klettern können. Es war für Minu besser, wenn mein Mann oben blieb. Ich hatte wenigstens Schluffen an und könnte runter laufen (und war in dem Moment froh, dass ich einen BH anhatte.)

Vielleicht hatten die Nachbarn ein Handy. Ich sprach mein Vorhaben mit meinem Mann ab und rannte die dunkle Straße herunter. Ich konnte den Eingang nicht sehen, wusste vom Vorbeigehen, dass wie bei uns ein schweres Holztor Eingang und Einfahrt begrenzte. Ich versuchte das ca. 1,20 hohe Tor zu öffnen. Keine Chance, es war so dunkel, ich konnte nichts sehen. Es nützte nichts, ich musste drüber klettern. Meine Füße fanden den Boden nicht, mein Hintern schon. Aua. 

Wo war die Haustüre? Es war zu dunkel, ich fand sie nicht. Beherzt klopfte ich gegen das mit Jalusien verhangene, erhellte Fenster. Nichts passierte. Nochmal.

Eine junge Frau zog die Jalusien nach oben, neben ihr ein kleines, etwa drei Jahre altes Mädchen. Ich sah wie sie etwas nach hinten sagte, dann öffnete sie das Fenster. "Guten Abend, verzeihen Sie die Störung. Danke, dass Sie aufmachen. Wir brauchen Hilfe", sagte ich gleich. "Wir haben uns ausgeschlossen und kommen nicht mehr rein."

"Oh nein, warten Sie, ich mache Ihnen die Türe auf." Ich hörte wie sich eine Tür öffnete, das Außenlicht ging an und sah nun auch den seitlich gelegenen Eingang. Die Frau hatte das Kind auf dem Arm, hinter ihr erschien ein junger Mann, der gerade eine Pfanne abtrocknete. 

"Wir haben ein Problem. Wir haben uns ausgeschlossen und kommen nicht mehr ins Haus rein. Es ist alles abgeschlossen. Wir haben nichts dabei. Kein Handy, auch keine Telefonnummer von der Agentur. Nichts." Die Frau fragte: "Wissen Sie denn, wo Sie gebucht haben?" Mir fiel in dem Moment nicht ein wie die Agentur hieß.

"Draußen am Zaun ist bei uns am Briefkasten ein Schild mit der Nummer der Agentur. Haben Sie vielleicht ein Handy und eine Taschenlampe, damit wir dort anrufen können?" (Voller Vertrauen, dass dort ein Anrufbeantworter lief und eine Notfallnummer angegeben war. Es gab auf jeden Fall eine in der Hausmappe, aber an die kam ich ja nicht ran...)

Der junge Mann stimmte zu, nahm Handy und Taschenlampe und folgte mir. Wieder auf dem Grundstück sagte ich meinem Mann, dass der Nachbar freundlicherweise mitgekommen wäre und wir nun nach der Nummer schauen und bei der Hausverwaltung anrufen würden. Der Nachbar sah das offene Garagentor. "Können Sie nicht von der Garage aus ins Haus?" Ich verneinte, da wäre kein Zugang, alles nur der Bereich des Hausbesitzers ohne Aufgang nach oben.

Halt. Als wir das Bett in meinem Schlafzimmer verschoben hatten, waren mir doch Metallschienen in einer Ecke auf dem Teppich aufgefallen. Ich hatte mich gefragt, was wohl darunter verborgen war. Vielleicht war ja da ein Zugang zum Obergeschoss? 

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 14 Dezember, 2017
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Türchen 13: Wie kommen wir da wieder rein?

Der Gedanke: Ist das wahr? Haben wir uns wirklich ausgeschlossen? war kein Traum, er war Realität. Um uns herum war es dunkel. Das Wohnzimmer hell beleuchtet. Wir guckten uns um. Auf dem Balkon standen vier Stühle, eine Liege, ein Tisch und ein Kasten Bier.

Da war nichts, das uns half, reinzukommen. Wir guckten runter. Dunkelheit. Es blieb uns gar nichts anderes übrig, als vom Balkon zu springen. Mein Mann fand meine Idee alles andere als gut, weiß er aufgrund seines Berufs als Schornsteinfeger doch wie gefährlich das ist.

Mir war das egal, irgendwas musste passieren und ich hatte die Terrassentüre zugezogen. Ich kletterte an der Stelle über das Balkongeländer, wo ich vermutete, dass statt Steinen unter mir der Hang mit Rasen war und wo es nicht ganz zwei Meter bis zum Boden waren. Ich wollte es einfach probieren.

Ich versuchte an der Hauswand mit dem Fuß Halt zu finden. Nichts. Fand ich denn sonst irgendwo Halt? Nein. Ich musste loslassen. Meine Oberarme sind nicht so kräftig, dass sie mich halten können, so dass ich mich hätte hängen lassen und so langsam runter gekommen wäre. Also lies ich los. 

Und landete auf dem Rasen, fiel nach hinten auf den Po und Rücken. Ein Uffff entfleuchte mir. Der Aufprall schmerzte, kurzer Check: Alles noch heile. Ein Glück. Also auf und weiter.

Um zu sehen, ob die Haustüre vielleicht doch nicht abgeschlossen war wie von meinem Mann befürchtet, lief ich erst mal ums Haus. In den letzten Tagen war die Türe bei Wind öfter aufgesprungen, deswegen hatten wir sie abgeschlossen und den Schlüssel stecken lassen, falls unsere 14jährige Hündin Minu mal schnell musste und wir dann nicht lange nach dem Schlüssel suchen brauchten.

Ich kletterte im Dunklen die Treppe zur Eingangstüre hoch. Abgeschlossen.

Dann suchte ich die Fenster ab, doch nirgendwo war ein Fenster offen. Ich lief auf die andere Seite des Hauses. Das Badfenster konnte ich erkennen, es war gekippt in ca. 3 Meter Höhe, doch viel zu hoch und so klein wie ein Blatt Papier. Keine Chance, da rein zu kommen.

Ich ging zurück zum Parkplatz, worüber der Balkon trohnte und teilte meinem Mann mit, dass wir nichts offen gelassen hatten. Der fluchte und raufte sich die Haare. Für den Bruchteil einer Sekunde stellte ich mir vor, dass wir wieder oben drin und alles gut gegangen wäre, ohne Probleme und stundenlangen Aufwand.

"Guck mal, ob du was in der Garage findest, irgendeinen Draht, vielleicht kann ich damit die Schiebetüre öffnen", fiel ihm ein. Mit aller Kraft hob ich das zum Glück nicht abgeschlossene schwere Garagentor in die Höhe.

Mit der Hand tastete ich nach einem Lichtschalter. Gefunden. Ich suchte die Räume nach Werkzeug ab. Fand zwei Schraubenzieher und eine Lampe mit längerem Kabel. Zum Glück war neben dem Tor gleich die Steckdose für die Waschmaschine. Dort schloss ich die Lampe an, gab sie und die Schraubenzieher durch das Geländer nach oben.

Ich sah mich unten um. Theoretisch könnten wir beide zur Not im Keller übernachten. Hier war es warm und trocken. Ich sah eine Leiter, mit deren Hilfe mein Mann sicher nach unten kommen könnte. Nicht auszudenken, er würde runter springen und sich wie vor einigen Jahren das Bein brechen. (Er erzählte mir später, dass er wohl versucht hätte, mit beiden Beinen aufzukommen, was gefährlicher gewesen wäre als dass was ich gemacht hatte: Mich einfach fallen lassen.)

Aber wenn wir nicht mehr auf dem Balkon wären, wie sollte das mit Minu oben gehen? Erfahrungsgemäß würde sie irgendwann Panik bekommen, wenn wir nicht wieder auftauchen würden. Sie hätte die Bude zwar nicht auseinander genommen, dafür war sie schon zu alt, aber es wäre kein gutes Gefühl gewesen. So war es gut, dass sie ihr Herrchen durch die Scheibe anschauen und hören konnte, wenn auch ihm nicht helfen. ;o)

"Die Schraubenzieher sind zu dick. Ich brauch einen Draht." Wieder den Keller durchsucht. Da Kleiderbügel aus der Reinigung. Ich reichte zwei durch die Brüstung nach oben. Von oben nach einiger Zeit ein Fluchen. Er sagte, er würde nicht ans Schloss kommen. Sch.... 

Was nun? Noch länger probieren? Die Zeit schritt voran...

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 13 Dezember, 2017
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Türchen 11: Und nu? Helfer in der Not.

"Da muss noch was festeres drunter", so der ältere Herr. Aber was soll das hier am Strand sein? Mein Mann machte sich mit ihm auf die Suche. Ich krabbelte noch weiter unter das Auto. Der Sand war ganz fest um das Rad und in den Radkasten rechts und links gepresst. Langsam wurde es frei. Mein Mund war trocken, ich konnte kaum schlucken.

Doch ich hatte den Antrieb, da wieder raus zu kommen, so lange die Flut noch weit weg war, Licht vorhanden und vor allen Dingen Menschen, die uns helfen konnten – das taten sie alleine durch ihre wohlwollende, positive Präsenz. Alle eingebrachten Ideen wurden umgesetzt und ausprobiert. Minu war ganz ruhig in ihrer Transportkiste. Wahrscheinlich die ruhigste von uns allen. 

Mein Mann kam mit einem großen Betonstück wieder, (wie hatte er das blos tragen können?), auch der nette Helfer brachte Beton mit, was wohl von den Bunkern abgebrochen war. Die wollten sie unter das rechte Vorderrad legen. Wir buddelten, was das Zeug hält. Reicht nicht, noch tiefer. Ich wollte den Unterboden vorne noch weiter frei legen, weil ich Angst hatte, wir würden uns den beim Rausfahren aufreißen. Nein, das würde nicht passieren, wir würden hoch kommen, keine Gefahr. Ich glaubte einfach den Menschen um mich herum.

Wir könnten es probieren. Ich solle wieder fahren, weil mein Mann mehr Kraft zum Schieben hätte, die Heckklappe aufmachen, dann könnten sie alle von hinten schieben und ich sollte links runter Richtung Meer fahren, wo fester Boden sei. Wir schauten uns die Stelle links an, um nicht ins Meer zu fahren. Ja, das müsste gehen. Vorne rechts unter dem Reifen lagen die Betonstücke, hinten standen die drei Senioren und mein Mann. 

"OK, jetzt Gang rein uns los!" Das machte ich vorsichtig. Erst bewegte sich der Wagen nicht, dann ein wenig und dann fuhr ich aus der Kuhle raus, Richtung Wasserkannte. Ich stoppte gar nicht erst, sondern fuhr noch einige Meter weiter, so dass der Wagen wirklich wieder festen Boden unter sich hatte. Hinter mir hörte ich ein Jubeln und sah glückliche Gesichter. Ich stoppte den Wagen, mehrere schwere Betonblöcke waren mir vom Herzen gefallen. WAS FÜR EIN GLÜCK!

Ich lief sofort zu unseren Helfern zurück, hob die Arme und umarmte einen nach dem anderen. Die kölsche Herzlichkeit bekamen sie körperlich zu spüren.

"Vielen Dank, dass Sie uns geholfen haben. Ohne Sie hätten wir das nicht geschafft. Sie sind unsere Engel." Ich sagte, wir würden nie wieder am Strand fahren. Eine Helferin guckte lachend: "Ach wieso, das kann doch mal passieren. Gestern haben wir auch einem geholfen, der sich festgefahren hatte." :-)

Auf dem Rückweg nach Noerre Lyngby, wo wir auf den Strand aufgefahren waren, fuhren wir mit so großer Vorsicht wie möglich, der Boden wurde mit den Augen abgesucht. Das Gefühl, dann endlich wieder Asphalt unter den Reifen zu haben: Unbeschreiblich sicher! Es war offensichtlich nichts am Auto dran. Wir hatten das Abenteuer unbeschadet überstanden. HÜPF!

Am ersten Supermarkt hielten wir an, um etwas zu trinken zu kaufen. "Weißt du, worauf ich jetzt richtig Lust hab? Auf Fritten!" Auf keinen Fall hatte ich nach der Anstrengung noch Lust, zu Hause etwas zu kochen. Mein Mann auch nicht. Wir waren von oben bis unten voll Sand. Das Auto innen und außen voller weißen Körner. Jetzt musste diese Belohnung sein. Wir fanden neben einem Imbiss in Loekken gleich einen Parkplatz, konnten draußen in der Sonne mit Minu sitzen und unseren Schock bei Fritten, für meinen Mann mit Bratfisch verdauen.   

Zu Hause steckte ich unsere Sachen in die Waschmaschine, die für mich so wichtig war, damit ich meine Kompressionswäsche alle zwei Tage waschen konnte. Wir machten den frisch erstandenen Sichtschutz auf dem Balkon fest. Anschließend wuschen wir uns den Sand aus den Ohren. Durchatmen. Was für ein Tag!

Rückblickend (heute am 2. Advent 2017 in Köln, wo ich diesen Text für die Veröffentlichung überarbeite und illustriere) bleibt ein schönes Gefühl zurück. Es war aufregend und so berührend, wie uns geholfen worden war und wir auch offen für Hilfe waren.

Es wäre für meinen Geschmack völlig ausreichend gewesen, wenn wir ab da keine Abenteuer mehr gehabt hätten. Doch es sollte anders sein...

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 11 Dezember, 2017
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Türchen 10: Festgefahrene Situation

Mein Mann lenkte auf den Sandberg zu. Wir kamen einige Meter weit, dann drehten die Reifen drehten durch und der Wagen bewegte sich keinen Centimenter mehr weiter. Ohoh.

Rückwärtsgang. Der Wagen bewegte sich auch in diese Richtung nicht, die Reifen drehten weiter durch. Schluck. Wir gucken uns an. Passierte das gerade wirklich? Wir steckten im Sand fest!

Ich stieg aus, um es mit Schieben zu probieren. Keine Chance bei dem schweren Wagen. Hoch oben auf der Klippe saßen zwei Männer und beobachteten uns. Ich hörte, wie einer von denen sagte: "Jetzt haben sie sich festgefahren." Ja, stimmt. Vielleicht hätte ich das auch gesagt, wenn ich da gesessen hätte. So Kommentare als selbst Betroffene zu hören, sind in dem Moment nervig und schon gar nicht hilfreich. (Gut, die andere Seite mal zu erleben.)

Am Auto spazierten zwei Seniorinnen mit ihren Hunden vorbei. Mit vereinter Kraft würde es vielleicht klappen, hoffte ich. Ich fragte die beiden Frauen: „Wir haben uns festgefahren. Könnten Sie vielleicht mit schieben?“

Sofort stimmten die Urlauber – es waren auch Deutsche - zu. Eine der Frauen rief noch ihren Gatten herbei. Wir gaben uns alle Mühe, doch auch zu vier Schiebenden bewegte sich der Wagen nicht. Wäre auch zu schön gewesen.

Der Senior meinte, wir müssten die Reifen freibuddeln, so kämen wir nicht raus. Der älteren Dame neben mir, mit rotem Haar, Brille und mit zwei Dackeln, sagte ich, während ich mir die Jacke auszog: "So ein Mist. Ich habe gelesen, wir können hier entlang fahren. Doch es gibt keinen Ausgang mehr in Loekken und jetzt das, oh nein." Sie meinte, man hätte hier bisher auch fahren können, die Brücke wäre erst vor kurzem kaputt gegangen.

Meine innere Sorgen-Maschine war angesprungen. Sie arbeitet in Milisekunden alle möglichen Szenarien durch:

Angst, da nicht selbst rauskommen. Womöglich einen Abschleppwagen besorgen müssen. In dieser verlassenen Gegend sicherlich keine Sache von fünf Minuten, ganz zu schweigen von den Kosten. Es war schon später Nachmittag. Und was, wenn die Flut kam? Wie hoch stieg die hier?

Mein Mann und ich schmissen uns in den weichen Sand, um die Situation von unten zu begutachten. Die Sonne brannte. Der Sand war zum Glück trocken. Weiterhin kaum Wind. Der Wagen war vorne unten auf dem Strand aufgesetzt und die Reifen im Sand eingegraben. Wir versuchten, die Vorderreifen mit der Hand frei zu schaufeln. Eine der Damen fragte, ob wir nicht etwas zum Buddeln dabei hätten. Eine Schaufel oder so. Normalerweise gehören wir ja zu den Eichhörnchen unter den Urlaubern und haben alles mögliche dabei. An einen Klappspaten haben wir bisher nicht gedacht. Wir überlegen, ihn künftig auf die Liste zu setzen. :-)

Ich suchte den Wagen ab und fand eine feste Parkscheibe aus Kunststoff und den Eiskratzer. So lagen und knieten wir zum Teil zu fünft um die Front des Autos im Sand. Ist das nicht toll, wie sich die Senioren einfach so einbrachten? Mehrfach sagte ich ihnen wie froh ich war, dass sie da waren. Alleine die moralische Unterstützung täte so gut!

Es war unglaublich viel Sand vorne um das Auto und die Vorderreifen hatten sich tief eingegraben. Der Motorraum lag unten auf. Ich hörte wie der Mann fragte, ob wir ein Abschleppseil dabei hätten, worauf mein Mann entgegnete, das ginge nicht, weil wir einen Automatikantrieb haben, deswegen hätten wir auch kein Abschleppseil dabei. Mir wurde anders - müssten wir sogar einen Kranwagen bestellen? Und wie sollte der hier in der Gegend zu finden sein?

Wir buddelten weiter. „Haben Sie nichts zum Unterlegen dabei?“ fragte der Senior. Wir haben nur durchgehende Fußmatten, die befestigt sind. Mein Mann fand aber mein Kniekissen, das ich für Fotos immer dabei hatte, wenn ich mich auf den Boden knie, um einen schöneren Aufnahmewinkel zu bekommen. Sonst war da nichts im Auto. Wir legten es rechts unter den Reifen. Eine der Frauen hatte die Idee, nicht an der Motorhaube zu schieben, sondern die Fenster aufzumachen, damit wir an den Türholmen schieben konnten und wir so keine Beule in die Haube bekämen. Gute Idee! Daran hätten wir in der Aufregung nicht gedacht.

Die Matte lag unter, ich setzte mich ans Lenkrad. Die Kraft meines Mannes war beim Schieben besser genutzt. Ich versuchte den Rückwärtsgang, gab vorsichtig Gas und alle schoben. Der Wagen bewegte sich nicht, die Reifen drehten durch. Motor wieder aus. Mein Mann zog das angefetzte Kniekissen weg. (Oben ein Foto, das ich zu Hause von dem guten Stück machte, bevor ich es in den Müll verabschiedete.)

Wieder kein Erfolg. Würden wir da ohne einen Abschleppwagen wieder rauskommen? Und rechtzeitig vor der Flut? Hatte der Wagen Schaden genommen durch das Aufsetzen und konnten wir mit ihm wieder nach Hause fahren?

Glauben Sie mir: In diesem Moment dachte ich, wie klein dagegen das Problem der Baustelle doch ist und versprach mir - wenn wir aus der Situation heile wieder rauskommen würden - zu üben, sie mit allen Unannehmlichkeiten anzunehmen.  

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Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß

Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen?

Türchen 7: Es tut sich was. Hoffnung. War das denn immer schon so? Hochsensiblität.

Türchen 8: Die Chancen im Unglück entdecken – Entscheidung

Türchen 9: Die Stärke der Natur und wie kommen wir da blos wieder raus? 

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Sonntag, 10 Dezember, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dänemark, Blog - Dunkle Tage

Türchen 7: Es tut sich was. Hoffnung. War das denn immer schon so? Hochsensiblität.

Als wir von der Besichtigung der Hausalternativen zurück kamen, entdeckten wir einen weiteren Gesellen auf der Baustelle. Auf einmal ging es vorwärts. Sie hatten schon auf der zweiten Dachfläche mit dem Abriss der Bedachung begonnen. Toll!

Hatte der Anruf vielleicht doch etwas bewirkt und der Chef einen weiteren Mitarbeiter zur Baustelle geschickt? Vielleicht würden sie doch eher als in drei Wochen fertig und wir hätten noch eine Woche wirklichen Urlaub? Hoffnung keimte auf.

Ich konnte im Haus nicht nachdenken, deswegen schnappte ich mir meine Walkingstöcke und ging los. Als Ziel hatte ich mir eine Gegend etwas weiter entfernt ausgesucht, wo in einer Heidelandschaft noch ein freies Haus für uns stand. Auf dem Weg dorthin hörte ich Bagger arbeiten. Hm, also war auch dort keine wirkliche Ruhe. Auf der schmalen Straße rumpelte ein großer mit Dreck beladener Lkw an mir vorbei.

Mir wurde schmerzhaft klar: Es gibt keine Garantie, in einem anderen Haus in unserem Urlaub Ruhe zu haben.

Wie war das vorher in Dänemark Urlauben gewesen? Hatten wir denn vorher nie Baustellen in der Nähe gehabt?

2005 im Bjerregard - einem großen Ferienhausgebiet im Süden Dänemarks in der Nähe des Ringkoeping Fjord - wurde etwa zwei Häuser entfernt ein neues Haus gebaut. Es hatte mir damals nichts ausgemacht, zumindest erinnere ich mich nicht daran. Gut, es lag auch nicht in Blicklinie und war weiter entfernt von uns als dieses Jahr war.

Aber worin lag der große Unterschied zu heute?

Der Unterschied waren die Belastungen, die ich von 2011 bis 2015 durch die Sanierungen der direkten Nachbarhäuser zu Hause erfahren hatte. Durch die damit einhergehenden Beeinträchtigungen (Krach, Schmutz, Erschütterungen, Sorge um Beschädigungen...) war ich ausgebrannt und müde, da ich kaum Ruhe und Regeneration gefunden hatte. (Seit dem mir das passiert ist, kann ich andere so gut verstehen, die über ähnliche Erfahrungen sprechen.)

Mein Stresssystem läuft bei lauten Geräuschen, den ich unangenehm finde, auf Hochtouren. Entspannung unmöglich.

Verstärkend wirkt meine Hochsensibilität. Das bedeutet unter anderem, dass ich Stressauslöser aber auch schöne Dinge intensiver wahrnehme. (Über meine Hochsensiblilität habe ich hier ausführlicher berichtet.)

Ich übe, mich nicht mit anderen zu vergleichen oder dafür zu verurteilen, dass ich so empfindsam bin. Zum Beispiel statt "Sei doch wie dein Mann, der macht sich nichts draus." mir zu sagen: "Ich bin wie ich bin in Ordnung. Jeder ist anders. Jeder hat woanders seine Stärken und seine Schwächen. Das ist ok so." oder statt: "Warum bist du so empfindlich. Stell dich nicht so an." mir zu sagen: "Ich darf empfindsam sein. Es ist völlig in Ordnung, dass mir die Situation zu schaffen macht." Zwei Möglichkeiten von unzähligen.

Komisch. Mir viel auf, dass sich diese Stressauslöser in den beiden letzten Urlauben leise an mich heran geschlichen hatten, als solle ich lernen, damit wieder besser umzugehen.

Vor zwei Jahren (Bericht hier) zum Ende der zweiten Bauphase in unserer Kölner Nachbarschaft war ich völlig ausgelaugt und mit den Nerven am Ende. Der Nachbarin auf der anderen Seite ging es ähnlich. Im Urlaub hielt ich die Luft an, ob wirklich wie mir von der Vermietungsagentur versichert wurde, keine Bauarbieten im Ferienhausgebiet seien. Danach hatte ich zuvor nie gefragt.

Zum Glück waren dort nur Urlauber, keine werkelnden Arbeiter oder Eigentümer. Sonntags kam nur ein Däne zu seinem Haus und renovierte das Dach. Da das aber relativ weit weg war, ich es hören, aber nicht gleichzeitig sehen konnte, gelang es mir, dies auszublenden und mich immer wieder auf mich konzentrieren. Eine gute Übung!

Letztes Jahr, 2016 wurde es etwas intensiver. In der 70er Jahre Ferienhaussiedlung am Meer renovierten alle Besitzer mehr oder weniger ihre Häuschen. Da hörte ich mal kurz ein Schleifen, dann wurde gestrichen, was ja nicht zu hören ist. Das zu sehen macht mir nicht so viel aus, wie es zu hören. (Es gibt Streßpunkte bezogen auf unsere Sinneskanäle, wo man besonders empfindlich ist. Bei mir sind es Geräusche, bei anderen was sie sehen oder riechen...).

Diese Arbeiten dauerten ein paar Stunden und es war vorbei. Auch die riesigen Bagger am Strand, die große Steine bewegten oder die Sägearbeiten an einem oben gelegenen neuen Ferienhaus konnte ich ausblenden. Es war erträglich, wenn auch nicht schön.

Dann stoppte von jetzt auf gleich meine Erholung: Ich genoss Samstag in der zweiten Woche die über dem Meer untergehende Sonne auf unserer kleinen Terrasse im blauen Holzhäuschen wie wohl die meisten in dieser abgeschiedenen Siedlung. Ein Traum!

Plötzlich polterte ein voll beladener VW-Bus den Kiesweg herunter, fuhr knapp an unserer Terrasse vorbei und bremste neben dem grünen Haus neben uns. Es stiegen zwei Erwachsene, drei kreischende Kinder und ein bellender Hund aus. Die Lautstärke änderte sich schlagartig von Naturgeräuschen zu High Live.

Der Mann begann mit einem Hochdruckreiniger das Haus von außen zu reinigen. Dahin war die Abendstimmung. Ich wollte wegen der immer mehr werdenden Mücken sowieso reingehen. Bis in die späte Nacht hörten wir ihn durch die dünnen Holzwände arbeiten. Am nächsten Tag ging es gleich in der früh weiter: Der Rasen wurde gemäht, das Haus gestrichen.

Wie sollte ich das aushalten? Die ersten vierzehn Tage lang hatte ich es so genossen, auf der Terrasse zu frühstücken, zu lesen und aufs Meer zu schauen. Diese Erholung hat mir so geholfen und gut getan. Und nun? (2017 dachte ich darüber: Welch ein Luxus - 14 Tage Ruhe!)

Es widerstrebte mir, mich von dem Krach nach drinnen ins Haus vertreiben zu lassen. Auf keinen Fall wollte ich meinen Glücksplatz an der frischen Luft mit Blick aufs Meer hergeben.

Ich zog mir Kopfhörer an - womit ich mich normalerweise gar nicht konzentrieren kann, doch mit einer noch nie gehörten Musik (einer Mischung aus Entspannung und Techno würde ich es beschreiben) funktionierte es wunderbar - und schrieb mir stundenlang meinen ganzen Frust über diese Situation von der Seele. Schaute nach innen, fand einen verletzten Anteil und arbeitete mit ihm, schenkte ihm Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig war mir durch das Gesetz der Anziehung klar, dass es gut war, mir gute Gedanken wegen der Baustelle zu machen und keine negativen. So schwer das ausgerechnet in einer solchen Situation auch ist.

Am Nachmittag war ich müde geschrieben und wir drei machten einen Ausflug zum Leuchtturm. Ich wünschte mir, die Nachbarn wären dann weg, alles nur eine Fata Morgana gewesen. Die Kinder waren im Schulalter, sie mussten ja auch zur Schule.

Als wir zurück waren, sahen wir keinen Bus mehr vor dem umgestrichenen Haus neben uns. Stille. So laut wie die Wikinger über uns hergefallen waren, so leise waren sie gegangen. Ich war so unendlich erleichtert und dankbar. Mein Urlaubsglück war wieder hergestellt!

Diese Erfahrungen in den beiden vergangenen Urlauben waren Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was uns in diesem Jahr wiederfuhr und Winzigkeiten im Gegensatz zu dem, was die mehrjährigen Bauarbeiten der Nachbarn in Köln an Spuren bei mir hinterlassen hatten.

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich wäre - wie von oben geleitet - von Jahr zu Jahr wieder mit etwas mehr Lärm beschallt worden, um zu üben, wieder mit solchen Belastungen umzugehen. Dieses Jahr war wirklich die Meisterarbeit. :-)

Aber es gibt auch Situationen, die sind unangenehmer als die Baustelle wie Sie bald lesen werden...

Hier geht es weiter mit Türchen 8: Die Chancen im Unglück entdecken – Entscheidung

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Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß

Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen? 

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 07 Dezember, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dänemark, Blog - Dunkle Tage

Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen?

Als wir von unserem Strandbuggy-Picknick am Strand Dienstag späten Nachmittag nach Hause kamen, hatten die Arbeiter zum Glück Feierabend. Aufatmen. Wenn die Arbeiten vorüber sind, kann ich mir meist nicht vorstellen, warum der Lärm so stressig für mich ist. Ach, war vielleicht doch alles nicht so schlimm?

Doch innerlich fand ich keine Ruhe. Das Problem war ja nicht wirklich weg, nur weil nebenan Feierabend war. Und langsam war klar: Das war keine 2-Tages-Baustelle nebenan. Das dauerte länger und schlich sich in meine Urlaubsfreude herein. Was hatte ich denn für Handlungsmöglichkeiten?

In der Hausmappe las ich unter Lärmbelästigung: "Während sie Urlaub machen, geht das Leben in Dänemark weiter. Es kann deshalb durchaus sein, dass sie Lärm von Baustellen, Restaurants, Flugzeugen, Autos, Motorbooten, Landwirtschaft, Militärübungen u.a. hören können. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Urlaubsgäste dafür Verständnis haben, das wir dafür keine Verantwortung übernehmen können."

Diese Aussage hinterließ bei mir einen fahlen Geschmack.

Abends schrieb ich an die deutsche Vermittlungsagentur und schilderte die Situation, auch wenn ich wusste, dass sich die dänische Agentur vor Ort aus der Verantwortung zieht. Mir war einfach wichtig mitzuteilen, wie es mir ging und für meine Bedürfnisse einzustehen.

Mittwoch Morgen ging der Baustellenalltag weiter mit dem ganzen Programm. Die Handwerker hatten die Musik aufgedreht. Gefühlt kamen die zwei Mann nicht vorwärts. Von den acht Dachflächen war gerade eine einzige abgerissen, die Dämmung entfernt und ein Regenschutz aufgetackert. Der Kompressor lief.

Ich fühlte mich auf dem Balkon - wo wir hätten wieder so schön frühstücken können - überhaupt nicht mehr wohl, sondern beobachtet und beobachtend. Ständig mit der Baustelle beschäftigt, da von dort Krach kommt und sie genau auf der Höhe sind, wo sie uns in die Wohnung gucken konnten. Das war das Gegenteil von Erholung für mich.

Selbst hinter dem Haus hörte man sie wirken. Meine Laune sank in den Keller. Ich war im Schockzustand und in alten Verletzungen aus den Bauphasen der Nachbarschaft in Köln gefangen. Musste ich meine Herzenswünsche des auf dem Balkon Lesens und Schreibens an den Nagel hängen? Selbst im Haus bei geschlossenem Fenster war all das Wirken zu hören. Dafür waren wir 950 km gefahren?

Musste ich den ganzen Tag über Kopfhörer Musik hören, um bei mir sein zu können? Oder den Tag über fliehen, bis die Arbeiten gegen Abend ruhten? Ich fand das so ungerecht. Was für ein furchtbares Gefühl, mich "zu Hause" nicht wohlzufühlen. Der Gedanke, bei schönem Wetter nicht mehr draußen essen zu können, sondern nur noch drinnen, war unerträglich.

Mein Mann fand die Baustelle auch nicht toll, aber wiederholte, dass ihm der Lärm nichts ausmachte. Er als Handwerker fand sie eher interessant. Was ihm was ausmachte, war dass ich damit Stress hatte. Was sollte ich tun? Ich fuhr mit dem Auto zum Strand, wollte dort den Wagen abstellen, walken gehen und mich dann vielleicht etwas neben das Auto in die Campingstühle setzen und lesen bzw. schreiben.

Im Auto änderte meinen Plan. Ich fuhr zur dänischen Vermietungsagentur vor Ort in Loekken und erzählte dort von der Situation und wie unglücklich ich damit sei. Man wollte sich mal schlau machen, wie lange das denn ginge. (Ich spreche kein Dänisch und wäre selbst mit Englich mit der Situation - auch wegen dem inneren Stresspegel - an meine Grenzen gestoßen.)

Danach ging es mir ein klitzekleines bisschen besser. Es hatte einfach gut getan, etwas zu unternehmen. Aktiv zu werden. Danach fuhr ich zum Strand, zog mich um, erklomm die hohe Düne, vor der ich geparkt hatte und genoss eine grandiose Aussicht über das Meer und das Dünengebiet. Hach, war das schön hier!

Danach walkte ich bis zu den Strandhäuschen in Loekken, was ungefähr 6 km eine Strecke waren. Wow, toll, dass ich das geschafft hatte! Ich war stolz auf mich.

Zurück am Auto wollte ich eigentlich mit dem Campingstuhl etwas Lesen. Das neue Ingrid Noll Buch hatte ich dabei. Doch es war kühl und zu windig, um draußen zu sitzen. Ich probierte es drinnen, doch im Auto fühlte ich mich wie eingesperrt. Also Zähne zusammen beißen und zurück ins Haus.

Dort erwartete mich die Nachricht der dänischen Vermietungsagentur, dass die Bauarbeiten für drei Wochen (= genau unsere Urlaubszeit) geplant seien. Der Chef der Baufirma hätte aber gesagt sie würden versuchen, leiser zu arbeiten (witzig). Die gute Nachricht sei noch, dass sie freitags um eins Feierabend machen würden und wir dann ja das ganze Wochenende Ruhe hätten. (Unfassbar! Durchatmen, sonst platzt du gleich, Anja) Ansonsten schrieb die Frau, sie könne nichts weiter für mich tun und verwies auf den oben zitierten Passus. Mitgefühl? Lösungen? Nein. Ich war wütend, enttäuscht, traurig.

 

Mein innerer Kümmerer wurde aktiv. Ich überlegte, was ich für mich tun könnte.

Wäre ein anderes Haus eine Lösung? Gleich wie es ausging, es war einfach wichtig für mich, alles zu versuchen, damit es mir besser ging und gut für mich und meine Bedürfnisse einzustehen.

Ich schrieb nochmal an die deutsche Agentur, die uns das Haus vermittelt hatte, von denen ich noch nichts gehört hatte und fragte, ob es möglich sei, dass wir nach einer Woche in ein anderes, ruhigeres Haus umziehen und uns ein Teil der für die drei Wochen gezahlten Miete erstattet würde. Kurz darauf klingelte mein Handy, eine freundliche Mitarbeiterin der deutschen Agentur teilte mir ihr Mitgefühl mit, hörte sich meine Idee an und sagte, sie wolle schauen, welche Häuser frei wären. Sie wären bereit 10% des gezahlten Hauspreises zu erstatten, wenn wir erneut buchen würden.

Mit der dänischen Agentur, wo das Haus unter Vertrag ist, wollte sie zumindest über eine Umbuchung sprechen. Sie vermutete aber, dass es keine Erstattung geben würde, da jedes Haus einem anderen Eigentümer gehört und unserer ja nichts für die Baustelle seines Nachbarn könnte.

Keine super befriedigende Antwort. Aber wie gut hatte alleine das Mitgefühl, das Zuhören und Kümmern getan.

Im Internet recherchierte ich nach Hausalternativen. Ich sah mir die abends eingetroffenen Vorschläge der Agentur an. Mein Mann und ich diskutierten hin und her. Es war für mich kein Urlaub, sondern ein Alptraum. Es machte mir puren Stress, hier zu sein. Schwierig war, dass wir genau das optimale Haus gefunden hatten: Toller Meerblick, nah zum Strand, ein abgeschlossenes Grundstück, Waschmaschine, W-Lan ...

Keines der noch freien Häuser konnte da mithalten. Es war heftig, nochmal ein Haus voll zu bezahlen, wo wir unseren Urlaub ja schon bezahlt hatten.

Donnerstag früh beim Spaziergang mit Minu sahen wir uns zwei Ausweichquartiere in der Nähe an. Das eine lag unscharmant nur mit Blick auf eine Straße, weit ab vom Meer und das andere in einem Waldgebiet. Der Blick ging nur wenige Meter in schäbige Tannen hinein. Außerdem hörte man von dort die Schnellstraße und irgendwo hörte ich Bagger. Seufz. Abgeschlossen waren die Grundstücke auch nicht.

Was war die richtige Lösung?

Im Haus bleiben und den Baulärm irgendwie versuchen auszuhalten, Kopfhörer tragen, mehrere Stunden am Tag wegfahren (statt da zu bleiben und das zu tun, was ich eigentlich wollte: Lesen, schlafen, schreiben, aufs Meer schauen), vielleicht einen Sichtschutz kaufen, damit wir etwas mehr Privatsphäre hatten?

Oder packen, das Haus reinigen, uns auf das neue Haus einstellen, Stress mit Minu haben, weil sie vielleicht ausbüchsen will, den Meerblick missen? Oder ganz nach Hause fahren? Die Zeit drängte nach einer Entscheidung, wenn wir wirklich das Haus zum Wochenende wechseln wollten.

Erst mal gingen wir zum Haus zurück, um zu frühstücken und entdeckten wahrhaftig etwas Positives auf der Baustelle...

Hier geht es weiter mit Türchen 7: Es tut sich was. Hoffnung. War das denn immer schon so? Hochsensiblität.

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Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

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Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

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Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

PS: Heute hatte ich auch ein Glückserlebnis. Prof. Dr. Ingrid Gerhard vom Netzwerk Frauengesundheit hat meine Tischkalender empfohlen. Sie glauben gar nicht wie sehr ich mich darüber freue. Ein Geschenk für mich!

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 06 Dezember, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dänemark, Blog - Dunkle Tage

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

Am ersten Montagmorgen unseres dreiwöchigen Urlaubs wurde ich gegen sieben Uhr von seltsamem Krach geweckt und dachte unser Hund würde etwas anstellen. Stand auf. Minu schlief seelenruhig. Ich ging den Geräuschen nach. Unterhalb von uns stand ein riesiges Ferienhaus. Männer bauten darum mit Geklapper und Geschepper ein Gerüst auf. Ein weißer Lieferwagen mit Aufschrift "Tournemester" (Schreinermeister) stand davor. Konnte das wahr sein? Eine Baustelle?

Seit dem zu Hause in Köln ab 2011 jeweils neue Nachbarn die beiden direkten Reihenhäuser neben uns weit über ein Jahr sanierten - nicht zur gleichen Zeit, sondern mit einem Abstand von ca. anderthalb Jahren, bin ich davon richtig geschädigt. Die von 1926 stammenden Häuser wurden komplett erntkernt bzw. zum Teil abgerissen und wieder aufgebaut. Das bedeutete Baulärm von Montag früh um sieben bis Samstag abend. Noch nicht mal sonntags war Ruhe, weil die Inhaber dann aktiv wurden.

Während dessen versuchte ich in meinem Homeoffice zu arbeiten oder sonntags zumindest Ruhe zu finden. Wofür ich anfangs noch gute Lösungen hatte, damit umzugehen, fand ich nachher keine Ruhe mehr.

Es war nur noch schädigender Stress für meine Gesundheit wie ich heute weiß. Ein Teil meiner Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und Ausgebrannt sein der letzten Jahre hat meiner Meinung nach genau mit dem Baulärm zu tun. Dauerstress über einen so langen Zeitraum führt zum Ausbrennen der Nebennieren. Das ist nicht so schnell wieder behoben. Kein Spaß für den Körper. Früher hat mir Baulärm nichts ausgemacht. Ich habe es gar nicht so stark wahr genommen wie jetzt. Da hatte ich diese Erfahrung auch noch nicht gemacht.

Seit dieser Erfahrung reagiere ich auf Baulärm, besonders an meinem Wohnort: Mein Herz rast, ich bin innerlich unruhig, mir wird heiß und kalt, der Hals geht zu, die Stimmung in den Keller, meine Nacken- und Rückenmuskulatur verspannt sich und ich kann mich nicht mehr konzentrieren oder mit meiner Aufmerksamkeit bei mir sein, geschweige denn entspannen. Stress pur. Also das Gegenteil von Urlaub und Erholung.

Beruhigende Prognosen stellten wir erst noch an, während wir am ersten Tag noch oberhalb der Baustelle auf dem Balkon frühstückten. Ausgerechnet rechts Richtung Meerblick, unterhalb vom schönen Sitzplatz entstand die Baustelle. Ach, vielleicht muss ja nur die Regenrinne neu gemacht werden oder was am Dach repariert. Das Gerüst sprach jedoch für einen Umfang von mehr als einem Tag. Vielleicht eine Woche?

Ich dachte erstmal: Ich lenke mich ab. Es gibt hier noch so viel zu gucken und vielleicht war das alles ein kurzer Schreck und die Baustelle wieder weg, wenn ich zurück nach Hause komme. Mein Mann hatte Rückenschmerzen und wollte sich ausruhen - ihm machte der Baulärm nichts aus. Ich musste raus. Im Haus kam ich gar nicht zur Ruhe. Also fuhr ich alleine 9 km am Strand mit dem Auto entlang.

Den nächsten Ort konnte ich so gut erreichen. Das Wetter war traumhaft. Ich wollte mir die in Blockhus ebenfalls am Strand stehenden weißen Badehäuschen mal aus der Nähe anschauen.

Herrlich sahen die weißen Würfel vor dieser Kulisse aus.

Die Häuschen sind ganz unterschiedlich eingerichtet. Mal praktisch, mal schnuckelig.

Und in unterschiedlichem Zustand. Manche zeigen Rostspuren, das Holz ist verwittert, in andere möchte man gleich einziehen. :-)

Am Strand hatte ich Urlauber gesehen, die mit Campingstühlen neben dem Auto saßen, etwas tranken, den Ausblick genossen.

Wäre das auch etwas für uns? Falls ich im Haus nicht mehr entspannen könnte, zumindest hier am Strand sitzen und entspannen? Doch woher Campingstühle bekommen? Ich versuchte, mich so gut es ging, während meines Ausflugs abzulenken, mich auf die schöne Natur zu konzentrieren und mir Gutes zu tun.

In einem Supermarkt in Blockhus sah ich einen ähnlichen veganen Brotaufstrich wie ich ihn verwende. Beruhigend, falls ich nicht genug dabei hatte. Für meinen Mann fand ich wieder eine Süßigkeit zum Nachmittagskaffee. Den könnten wir auf der Terrasse bei dem tollen Wetter jetzt genießen!

Als ich zurück kam, war das Gerüst aufgebaut und ein großer Container geliefert worden. Die Handwerker hatten begonnen, das Dach abzureißen. Das sah aus, als würde es mehr als eine Woche dauern. Was tun? Ich versuchte irgendwie die Fassung zu bewahren, doch meine Stimmung sank in den Keller. Ich hatte Sorge, gar keine Ruhe finden zu können. Deswegen waren wir doch hierhin gefahren.

Den Tee versuchte ich in der Sonne zu genießen, während nebenan eine Plane aufs Dach geschlagen wurde. Ein Handwerker mit einem Hilfsarbeiter, der so gar nichts von der Arbeit zu verstehen schien, auch die Sprache nicht, waren die einzigen auf der Baustelle. Mein Mann, selbst Handwerker, fand es hoch interessant, dies zu beobachten. Ich fands furchtbar und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich fühlte mich so in meinem Urlaubsfrieden, meinen Plänen gestört. Was tun?

Ich musste wieder weg. Da das Wetter sonnig war, brach ich zu einem Ausflug an den Strand auf. Ich wollte mit den nackten Beinen durchs Wasser laufen. Etwas, das ich einfach liebe! Hm, tat das gut!

Ich hatte Freude den rasend schnellen Strandläufern zuzusehen, wie sie versuchen, den flachen Wellen davon zulaufen. So putzige winzige Vögel:

Als ich zurück zu unserem Ferienhaus kam, hatten die Handwerker Feierabend. Die vom Wochenende so geschätzte Stille war wieder hergestellt. Ein Segen. War das mit der Baustelle wirklich so schlimm? Doch kaum blickte ich aus dem Fenster dorthin, ging es mir wieder mies. So sah der Sonnenuntergang vom Balkontisch am Montag Abend aus. Zum Glück verdeckt der rechts stehende Nadelbaum den größten Teil der dahinter liegenden Dachflächen.

Ein Teil von mir wollte das alles nicht wahrhaben. Ich bin jetzt (3.12.) beim Korrigieren und Illustrieren des in Dänemark geschriebenen Artikels froh, dass ich vor Ort Schritt für Schritt eine Lösung entwickelte, wie ich mit der Situation umgehen konnte, damit es mir möglichst gut ging. Eine enorme psychische Leistung. Da solche Störungen und Herausforderungen immer wieder im Leben passieren können, war es mir auch wichtig, hier im Blog darüber zu schreiben. Vielleicht finden Sie sich darin wieder und können etwas für sich mitnehmen. Ich brauche es auch als Erinnerung für ein nächstes Mal.

Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich am Donnerstag der ersten Woche dachte: "Die Baustelle ist mir doch wirklich piepegal, wenn wir hier nur wieder rauskommen." Zum Ende des Urlaubs habe ich begriffen, was ich davon hatte, dass diese Baustelle und noch viel mehr Abenteuer dort oben passiert sind. Daran möchte ich Sie teilhaben lassen - und an der Schönheit der Natur und dass in jedem Grauen auch ein Geschenk für uns liegt.

Hier geht es weiter mit Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß 

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 04 Dezember, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dänemark, Blog - Dunkle Tage

9 Dinge, die gegen Novemberblues helfen

Grauer Himmel, Regen und Kälte. Tage, an denen es nicht richtig hell wird, sind Dünger für den Novemberblues. Im Idealfall ist es auch noch Montag, die Straßen überfüllt, die Finger werden selbst bei bollernder Heizung nicht warm - so wie an diesem Tag, wo ich diesen Artikel schreibe. Die Stimmung könnte besser sein. Was tun?

Hier 9 Dinge, die mir helfen, um dem November-Stimmungstief ein Schnippchen zu schlagen:

1. Schönes zum Rausgucken vor dem Fenster

 

Ich habe die Blumenkästen vor dem Fenster neu bepflanzt. Bei der Floristin meines Vertrauens fand ich das Minibäumchen, Zapfen, Christrose, Silberdraht (der kleine Busch rechts vor dem Bäumchen) und Moosplatten.

Das Rehkitz aus gestanztem Blech hatte ich schon vor einiger Zeit erstanden. Zusammen ergibt alles eine wunderbare Winterlandschaft. Ich freue mich schon auf den Anblick, wenn Schneeflocken darauf liegen.

Nun freue ich mich - gleich bei welchem Wetter - wenn ich aus dem Fenster gucke oder wenn ich nach Hause komme und dorthin blicke.

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2. Licht hilft bei Dunkelheit

Die Adventslichter habe ich einfach schon im November aufgehangen. Mit Lichtern geschmückt zaubert der beleuchtete Blumenkasten auch bei einem sehr trüben Nachmittag ein Lächeln auf mein Gesicht. Überhaupt brauche ich Licht - denn Licht vertreibt Dunkelheit.

So erhellt ein Licht-Wasserfall unsere Küche und knipst in mir ein Licht an. Auch Kerzenschein tut mir einfach gut.

Klick zur E-Card

(Das Kerzenbild ist eine E-Card: Klicken, in der Übersicht etwas nach unten scrollen, Karte aussuchen und verschicken.)

* ~ *

3. Was Warmes trinken

Ecard

Ich mag Tee. Gerne frische Pfefferminze aufgeschüttet, Ingwer frisch gerieben, eine heiße Zitrone aus frisch gepresstem Saft oder ein leckerer Biofertigtee, am liebsten mit einem Spruch am Beutelchen. Wenn der Dampf nach oben steigt, ich meine Hände an der Tasse wärme .... hm, da spüre ich wie ich ruhiger werde ... und gar nicht mehr an das Wetter draußen denke.

Das Teebild oben ist übrigens eine meiner vielen E-Cards. Einfach auf das Foto klicken, verschicken und jemand anderem eine Freude bereiten.

* ~ *

4. Mit netten Menschen treffen

Wenn ich mich mit meinen Herzmenschen treffe, wenn wir erzählen, verfliegt die Zeit im nu und das Wetter ist auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Das tut soooooooo gut!

* ~ *

5. Was aus der Natur nach drinnen holen:

Klick zur E-Card

Vor einigen Jahren holte ich mir all die Blüten und Blätter aus meinem Garten hinein, die sich noch zeigten. So wohltuend war diese Pracht. Der November kann auch richtig schön sein. Vor einigen Tagen holte ich mir die letzten Rosen ins Büro. "Parole", so heißt diese große Duftrose, blühte noch wunderbar auf und duftete herrlich:

Wenn ich was Schönes auf dem Schreibtisch habe, worauf ich schauen kann, geht es mir schon besser. In einem Glas habe ich Lavendelblüten gesammelt. Zwischendurch zerreibe ich einige Blüten und der Duft des Lavendels macht mich auch froh.

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6. Arbeit, die dem Herz gut tut!

Ein Hingucker auf dem Schreibtisch ist auch mein Tischkalender. Die stimmungsvollen Fotographien und tiefsinnigen Texte tun mir einfach gut. Deswegen mache ich sie ja. :-)

Einmal im Jahr öffne ich meinen Webshop zum Verkauf der Kalender. Gerade jetzt ist es wieder soweit - seit Anfang November 2017 sind die Tore geöffnet bis 6. Januar 2018. Die Kalender werden sehr gerne verschenkt und mit den Jahren (ich gestalte und verkaufe sie seit 2005) hat sich eine Gruppe Menschen zusammen gefunden, die jedes Jahr wieder bestellen. Mein ganz großes Glück und mein Highlight in den dunklen Monaten. Ich liebe den Kontakt zu den Bestellerinnen, habe große Freude am Packen der Pakete und bei dem Gedanken, wie sie bei den Menschen in Deutschland und auch Europa ankommen. Manche Kalender reisen durch die Geschenke bis nach Afrika und Australien.

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7. Raus in die Natur

Es gibt Tage, da verkneife ich mir selbst das Walken: Heute, Montag ist es um die 5 Grad, kalter Wind, es regnet an einem Stück. Aber sonst war ich an den meisten Tagen seit Mitte Januar in diesem Jahr draußen. Die Natur steigert meine Stimmung - auch im November. Ich fühle mich danach einfach wohl, erfrischt und der Kopf ist wieder frei. Natürlich bin ich auch froh, dass ich meinem Körper etwas gutes getan habe.

Hier ein paar Eindrücke vom bunten Novemberwald in Köln.

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8. Hyggelig machen

Wenn's draußen fies wird, wird's drinnen gemütlich: Wir fahren seit 2003 nach Dänemark in Urlaub. Das momentane In-Wort "hyggelig" - es sich gemütlich, heimelig machen, das aus Dänemark stammt, ist uns daher gut bekannt. Als im Okober der kalte Wind ums Ferienhaus pfiff, wurde mir klar warum das für die Dänen so wichtig ist: Weil es draußen am Meer oder in der kargen Landschaft einfach sehr ungemütlich werden kann. Da ist die Wärme des Kaminofen drinnen ein Traum. (Eine lange heiße Dusche oder Bad tun es auch.) Ebenso schöne Deko. Kerzenschein. Eine gemütliche Couch.

Der Kaminofen ist meine Lieblingswärmequelle im Winter. Sie gibt mir Energie und Ruhe zugleich. In Dänemark sind wir auf den Geschmack gekommen und haben uns vor ich glaube 14 Jahren selbst einen zugelegt. Das Dezemberbild vom "Seelenglück" Tischkalender 2018 zeigt übrigens das Feuer darin:

Klick zum Kalender

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9. Gute Filme und Serien anschauen

Ich mag die historischen Jane-Austen-Filme sehr und finde es wahnsinnig gemütlich, mir diese an fiesen kalten Tagen - ganz gemütlich auf der Couch - anzuschauen. Das Wetter muss dabei genau so sein!

Hier habe ich eine Liste meiner Lieblingsserien und Filme - als Geheimtipp für trübe Tage gemacht. Im Moment habe ich keine schöne neue Serie, aber das kann ja noch kommen!

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Das waren meine Lieblingshilfen bei Novemberblues.

... und bald ist der November vorbei!

Ganz liebe Grüße

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 28 November, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Lieblingsserien und Filme - Geheimtipp für trübe Tage

Genau das richtige an trüben Tagen ist eine gute Unterhaltung. Ich mag gerne lustige Filme schauen oder richtig gute Serien und Historische Filme, am liebsten englische. Hier eine Sammlung meiner Lieblingsfilme und -serien (mit Link zu Amazon):

Jane Austen's Stolz & Vorurteil - in Langfassung - mit Colin Firth (schmacht! Die Seeszene....) - geschrieben 1813 von Jane Austen, mehrfach verfilmt. Dies hier ist meine Lieblingsversion. (Mag an Colin Firth und Jennifer Ehle liegen.) 5 Töchter hat die auf dem Land lebende Familie Bonet und die sind auf Bräutigamsuche. Zwei wohlhabende Junggesellen tauchen auf, doch die dickköpfige Elisabeth findet Marc Darcy unausstehlich.
Ebenfalls gefällt mir "Emma" mit Gwyneth Paltrow und "Mansfield Park" von Jane Austen, die auf der DVD ebensfalls befindliche Verfilmung von "Stolz und Vorurteil" mit Keira Knightliy gefällt mir nicht so gut wie die obige Version mit Colin Firth. Und "Sinn und Sinnlichkeit" mit Hugh Grant war auch sehr schön. Historisch. Schöne Kleider. Englisches Landleben. Eine Liebesgeschichte. Das ist die Mischung, die ich mag und die trifft auf die zuvor genannten zu.

Passend dazu die moderne und lustige Adaption von Stolz und Vorurteil: Schokolade zum Frühstück mit der grandiosen Renée Zellweger, Hugh Grant und Colin Firth. Die tapsige Singlefrau Brigdet sucht den Mann fürs Leben. Doch das ist schwerer als gedacht, wenn auch gleich zwei spannende Kandidaten auftauchen. Teil 2: Am Rande des Wahnsinns (im Bonusmaterial unter Marcs Favoriten interviewt Bridget Jones Colin Firth und spricht ihn auf die sexy Lake Szene aus "Stolz und Vorurteil" an - einfach klasse!) und der dritte und letzte Teil: Bridget Jones Baby. Hier wird Hugh Grant durch "McDreamy" Patrick Dempsey ersetzt.

Downton Abbey - viele Jahre unsere Highlight-Gemütlichkeitsstunden um die Weihnachtszeit. Wenn ich schon die Erkennungsmelodie höre, schalte ich auf einen wunderbaren Ruhe-Entspannungs-Vorfreude-Modus. Sechs Staffeln und Weihnachtsspecials sind erschienen. Die englische Adelsfamilie Crawley besitzt ein großes Anwesen. Im unteren Stockwerk, wo die Küche und Wirtschaftsräume sind, arbeiten ihre Angestellten, wo so manche Intriege gesponnen wird (nicht so mein Ding, aber es gehört wohl dazu). Wir erfahren vom Leben beider Welten und mit zunehmender Staffel wie die Unterschiede der Schichten immer mehr verwischen. Eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist "Granny", gespielt von Maggie Smith. Wenn Sie diese Serie noch nicht gesehen haben: Sie Glückliche! Dann können Sie sich auf viele schöne Stunden freuen. Ich wünschte, ich hätte das noch vor mir.

Larc Rise to Candleford: Ende des 19. Jahrhunderts beginnt für Laura der Ernst des Lebens. Von ihrem kleinen und einfachen Dörfchen Larc Rise reist sie zu einer Verwandten ins kleine Städtchen Candleford, wo sie beim Führen der Postfiliale hilft. Toll, das Land- und Stadtleben zu damaliger Zeit miterleben zu können. Unterhaltsam und - natürlich - was fürs Herz! Staffel 1 und Staffel 2 sind auf Deutsch erhältlich. Die folgenden Staffeln 3 und 4 wurden leider nicht mehr synchronisiert, sind nur auf Englisch und als Import aus England erhältlich. Ich habe mir die Dritte Staffel noch geholt, doch ist es recht mühsam ohne super Englischkenntnisse anzuschauen. Vielleicht werden sie noch synchronisiert. Das wäre toll!

Elisabeth Gaskell's Cranford beschreibt das Leben von älteren Singledamen im verschlafenen englischen Örtchen Cranford um 1840. Herrliche Kostüme, unterhaltsame Geschichten rund um die Menschen und den Ort im Wandel der Zeit. Ich habe die Zeit mit diesen Damen soooo genossen und war traurig, dass es viel zu schnell vorbei ging. Seufz. Soooo schön!

North & South - stammt auch aus der Feder Elisabeth Gaskells und erzählt die Geschichte der im Süden Englands behütet aufgewachsenen Pfarrerstochter Margaret, die ihrem Vater in den ärmeren Norden folgt, wo die sozialen Unterschiede spürbar sind. Margaret schlägt sich auf die Seite der Arbeiterfamilien und hat fortan den attraktiven Fabrikbesitzer als Feind. Ein wunderbarer Einblick in Englands Geschichte. Toll erzählt. Und natürlich - auch was fürs Herz!

The Paradise - erzählt im Viktorianischen Zeitalter (ca. 1837-1901) die Geschichte der jungen Denise, die vom Land in die Stadt kommt, um bei ihrem Onkel im Textilgeschäft zu arbeiten, bis gegenüber das erste Kaufhaus "The Paradise" eröffnet wird. Das schwächt das Geschäft ihres Onkels und so muss sich Denise eine neue Arbeit suchen. Sie versucht es im Paradise. Wieder einmal spannende und unterhalsame Einblicke in frühere Zeiten. Nicht so gut wie die oberen Serien und Filme. Dennoch gut. Staffel 1 + 2

Call the Midwife - Staffel 1 - 5 - handelt von den Hebammen im Nonnatus-Haus in Londons Armenviertel in den 1950er Jahren. Zusammen mit Nonnen sind die jungen Frauen Ansprechpartnerinnen bei Schwangerschaft, Geburten und Säuglingspflege und wir blicken mit ihnen den den Alltag der Frauen zur damaligen Zeit. Interessant & sehr unterhaltsam.

Schon oft hatte ich etwas über die Gilmore Girls gehört, mich aber nie für die Serie interessiert. Bis letzten Herbst. Erst war es schwer reinzukommen - und dann hoffte ich, diese Serie geht ewig weiter. So schön ist es, wenn sich bei der Melodie das Zuhausegefühl einstellt und die Vorfreude steigt, was die chaotische alleinerziehende Mutter Lorelai und ihre süße Tochter Rory wieder anstellen, ob sich der Vater von Rory und Lorelai endlich wieder bekommen oder doch der Caféhausbesitzer Luke das Rennen macht? Wir erleben wie Rory größer wird, die erste Liebe... und wie es mit den vielen anderen Einwohnern des (immer jahreszeitlich geschmückten) kleinen Städtchens Stars Hollow weiter geht. Einfach anschalten und wohlfühlen! Von mir aus könnte es noch unendlich viele weitere Staffeln geben. Staffel 1 - 7 und die 2016 nach vielen Jahren Pause erschienene 8. Staffel. Bei der ist besonders spannend, wie sich die Schauspieler weiter entwickelt haben (Lorelais Darstellerin war leider beim Schönheitsdoc) und was mit den Charakteren nach all den Jahren passierte. Schöner Abschluss - oder doch kein Abschluss für immer?

Soweit meine Liiiiieblingsfilme, die mir zu solchen Zeiten einfach gut tun. Einige andere Filmtipps in dieser Kategorie Film-Tipp 

Ich wünsche Ihnen unterhaltsame Stunden

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 28 November, 2017
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Film-Tipp

Bitte schütze mich vor meinen Erwartungen.
Idealbild und Realität

Ich habe welche. Erwartungen. An mich selbst. Wie ich sein sollte, damit ich gut bin, brav, geliebt, geschätzt, ein wertvoller Bestandteil dieser Gesellschaft. Ich trage ein Bild von mir in mir, wie ich aussehen sollte, charakterlich sein soll, mich verhalten sollte, was ich leisten sollte ...

Ein Problem tritt auf, wenn ich spüre: Ich entspreche diesem Bild nicht (mehr). Weil ich dicker bin, unbeweglicher, mich nicht so nett verhalte wie ich es von mir erwarte, nicht mehr so bin wie ich früher einmal war, nicht die Leistung bringe, die ich von mir erwarte, nicht so gesund bin wie andere, empfindsamer als andere, nicht beruflich so erfolgreich, keine Kinder bekomme, andere Ansichten habe ...

Also wenn Wunsch und Realität aufeinanderprallen und gar nicht zusammen passen. Dann gibt es einen inneren Kampf. Anstrengend ist das. Der Kampf zwischen dem Idealbild und der erschreckenden Tatsache der Realität. Der Vergleich. Der Druck, dem Idealbild genügen zu müssen, sonst bedroht mich etwas.

Was mich bedroht, ist die Angst, nicht mehr geliebt zu werden, weil - nun folgen veraltete Glaubenssätze - ich nur geliebt werde oder ok bin, wenn ich einem bestimmten Bild oder Muster entspreche. Und wenn ich dem Bild nicht mehr entspreche, kriecht die Panik in mir hoch, dass ich jetzt ins Fettnäpfchen getreten bin, nicht mehr 'dazu' gehöre, nicht mehr geschätzt und geliebt bin ... Die Liste lässt sich lange fortführen. Ich fühle mich mies.

Wie entsteht denn so ein inneres Bild, die Erwartung an uns selbst? Sie entstehen durch Vorbilder, durch Familie, durch Schule, durch Arbeitsstellen, durch andere Menschen mit denen ich Kontakt habe, durch Medien, im Grunde durch alles, was ich wahrnehme ... Wir erkennen: Wenn ich mich so oder so verhalte, dann bekomme ich gutes Feedback, gute Noten, heutzutage wohl Klicks oder Likes in sozialen Netzwerken. Dann werde ich geliebt. Und wollen wir das nicht: Geliebt werden? Also merken wir uns das und entwickeln ein Idealbild von uns wie wir gut mit uns und unserer Umwelt klar kommen.

Oder ein Kind wird geliebt und gut benotet, wenn es sich so verhält, dass Eltern oder auch Lehrer damit selbst gut umgehen können. Entspricht es nicht diesem Verhaltensmuster und kann das Umfeld damit nicht umgehen (also das Kind so annehmen wie es ist), drohen Sanktionen. Also lernt das Kind: Entspreche diesen Anforderungen - dann bist du ok. Wenn nicht, gibt es Stress, Liebesentzug, schlechte Noten ...

Dieses Bild, diese Gedanken trägt das Kind auch noch als Erwachsener in sich - in Form von Erwartungen, die wir an uns selbst stellen, in Form von Idealbildern.

Natürlich spielt dabei die individuelle innere psychische Stabilität und der Charakter eine Rolle, dem einen sind diese Erwartungen egal, sie ziehen ihr Ding durch, sind innerlich so stark, dass ihnen Gegenwind nichts ausmacht. Dazu gehöre ich leider nicht. Ich gehöre zu den Menschen, denen es innerlich Stress machte und macht, wenn ich erkannte und erkenne: Ich entspreche diesem Bild nicht bzw. nicht mehr und eventuell zusätzlich: Anderen geht es damit nicht gut, dass ich so bin. Dann kann es sein, dass ich in altes Verhalten flüchte und befürchte: Also bin ich nicht ok, also werde ich nicht geliebt. Für Kinder ist das existenziell. Als Erwachsener bin ich handlungsfähiger.

Ausweg aus dem inneren Stress und Chaos? Hm. Das geht bei mir nicht mit einem Fingerschnipp. Veränderung jahre- oder jahrezehntelang mit uns getragener Muster braucht Zeit. Das ist meine Erfahrung. Was mir hilft, ist überhaupt erstmal zu merken: Warum fühle ich mich gerade so gestresst, warum fühle ich mich wertlos ...? Und das zu erkennen lockert mich schon mal ein wenig auf, weil ich mich selbst verstehe.

Schmerzvolles Erkennen. Ich hatte das in der Woche vor Pfingsten. Ich lag mit einem Magen-Darm-Infekt im Bett, fühlte mich so elend. Mein Körper hatte die letzten Wochen scheinbar immer 'hier' geschrien, wenn eine Krankheit vorüberflog. Erst eine leichte Grippe, die mich eine Woche ausknockte, dann Heuschnupfen, der mich nachts nicht schlafen lies und auch nicht mehr in meinem geliebten Garten, dann der Magen-Darm-Infekt. Alles so intensiv und belastend, dass ich keinen Bock mehr hatte. Es müsste doch mal endlich besser werden. Ich habe das Gefühl, die letzten Jahre kämpfe ich nur noch mit irgendwelchen Beeinträchtigungen meiner Gesundheit. Ich will endlich gesund sein und fit und "am Leben teilnehmen wie früher".

Zu spüren: Ich entspreche nicht mehr dem Bild der jungen, fitten, immer gesunden und aktiven Anja von früher, die gerne unterwegs ist, gerne feiert (dem Bild entspreche ich ja schon lange nicht mehr) oder etwas organisiert, die viel leistet so "wie sich das gehört" - mit einem Job von 8 bis 5 und geregeltem Einkommen. Das bin ich nicht (mehr). Und auch einem anderem typischen Bild entspreche ich nicht: Ich habe keine Kinder und statt dessen auch keine Karriere gemacht (zumindest nach meinen Maßstäben). Der gesamte Unterschied auf einmal wahrgenommen war heftig. Mir wurde bewusst was mir Stress machte: Ich bin nicht mehr die Anja von vor 20 Jahren. Ich entspreche nicht mehr meinen Erwartungen, erst Recht nicht einem Idealbild, das ich mit mir herum trage. Die Erkenntnis hat so weh getan. Ich fühlte mich wertlos, weil ich diesem Bild, das für Wert, für Liebe, für Anerkennung, für Dazugehören stand, nicht mehr entsprach. Weil ich nicht den Beitrag zum Leben leiste, den ich von mir erwarte. Puh, das war heftig. Gut, dass zu dem Zeitpunkt eine meiner besten Freundinnen anrief, mir zuhörte, mich ablenkte und aufmunterte. Das hat gut getan. Danach habe ich eine Runde heftigst geweint, fühlte mich erleichtert und bin dann eingeschlafen.

Ist es nicht das, was uns alle erwartet, wenn wir älter werden? Wir sind nicht mehr die, die wir mal waren. Die Haut ist nicht mehr so straff wie mit 30 Jahren. Die Haare grau und sie fallen nicht mehr so gut wie früher. Die Nerven sind dünner geworden. Wir sind nicht mehr so aktiv, nicht mehr so lustig, nicht mehr so fröhlich und unbeschwert. Der Körper ist nicht mehr so belastbar und steckt fehlenden Schlaf weniger weg. (Ganz klar: Es gibt viele Menschen, die diese Probleme nicht haben, ich gehöre jedoch zu den Menschen, die das haben.) Ist es das, womit auch meine Großmutter seit Jahren zu kämpfen hat, wenn sie sagt, dass sie schlechter sehen kann, schlechter greifen oder keine Gartenarbeit mehr machen kann? Ist es das, was mich auch mit fortschreitendem Alter erwartet? Klar kommen damit, dass ich etwas nicht mehr machen kann, dass ich einst liebte? Etwas nicht mehr entspreche, das ich einst war? Wäre es dann nicht klug, mich frühzeitig damit zu arrangieren, dass nichts so bleibt und sich das Leben ändert?

Wie will ich damit umgehen? Kämpfen, um dem alten Bild in jedem Falle weiter zu entsprechen? So tun, als ob alles wie früher ist? Bei beidem schüttelt es mich gewaltig.

Aber tat ich denn bisher nicht genau das? Nicht wahrhaben wollen, dass ich eben meinen Idealbildern von mir und meinem Leben, meinen Erwartungen an mich, nicht mehr entspreche. Den inneren Stress irgendwie aushalten und die Angst, nicht mehr geschätzt und geliebt zu sein, wenn mir die Kluft zwischen Ideal und Realität bewusst wird. Sondern ich mich anstrenge, dem Bild möglichst wieder zu entsprechen und es doch desillusioniert nicht zu schaffen. Puh! Die Traurigkeit unterdrücken und auch die Trauer, um das, was ich nicht mehr ist. Was ich in jungen Jahren, als ich fitter war, nicht wagte und vielleicht jetzt nicht mehr geht.

Das Leben wandelt sich. Ich habe mich gewandelt. Mein Körper, mein Geist, meine Seele, mein Umfeld, mein Leben. Meine Erfahrungen haben mich verändert und Spuren hinterlassen. Aber das alte Bild von mir wie ich sein sollte, die Erwartungen die ich an mich stelle, die sind noch die alten. Und es ist Zeit, hier aufzuräumen. So kann es nicht weiter gehen. Ich bin nicht mehr die Anja mit den Adleraugen. Nein, bei uns im Haus gibt es seit letztem Herbst auf jeder Etage mindestens eine Lesebrille. Mein Körper verändert sich, meine Psyche. Aber solange ich das innere Bild nicht anpasse, habe ich Stress, solange nehme ich mich nicht an wie ich wirklich bin.

Also heißt die Aufgabe: Mich lieben und annehmen wie ich bin. Das, was wir Kinder früher gebraucht hätten, wenn wir der Norm nicht entsprachen: Geliebt werden, gleich wie wir sind. Keinen Ärger bekommen, auch wenn wir widersprechen, unbequem sind, nicht funktionieren, sondern unseren inneren Impulsen folgen. Genau das ist heute meine Aufgabe: Mich bedingungslos lieben. Keine leichte. Aber eine sehr sehr wichtige und existenziell notwendige, um gesund zu leben.

Wie könnte mein inneres Bild denn aussehen? Sollte ich es ganz wegputzen? Geht das? Muss ich mir jedes einzelne Bild anschauen, wie ich denke (dachte), sein zu müssen und es überprüfen?

Überprüfende Fragen, die alte Idealbilder durchleuchten:

Bin ich nur eine "richtige Frau", bin ich nur dann wertvoll und gehöre dazu, wenn ich Kinder bekommen und großgezogen habe? Das unabhängig davon, ob ich keine Kinder bekommen wollte, nicht bekomme konnte oder nicht bekommen habe, ohne dass ein Grund bekannt ist. Vielleicht weil ich unentschlossen war, weil ich noch warten wollte, weil der Himmel oder der Körper nicht genickt haben, weil xyz ....

Bin ich nur dann ein anerkannter Teil der Gesellschaft, wenn ich einen bestimmten Betrag verdiene, wenn ich einen bestimmten Teil zum Haushaltsbudget beitragen kann, den ich von mir erwarte, wenn ich jedes Jahr einen Urlaub oder zwei machen kann, wenn ich mich ehrenamtlich engagiere, wenn ich genügend Steuern zahle, mit anderen mithalten kann und völlig unabhängig und autark von anderen leben kann? Bin ich nur dann wertvoll, wenn ich etwas leisten kann - und was ist wenn ich krank bin, wenn ich will, es aber nicht schaffe, sei es körperlich oder psychisch oder ohne erkennbaren Grund?

Bin ich nur dann ok, wenn ich immer nett zu anderen bin, freundlich, fair, wertschätzend kommuniziere, zuhöre, verständnisvoll und mitfühlend bin? Was ist wenn ich frech bin, mal nur an mich denke und keine Rücksicht nehme, eine andere Meinung habe, laut werde, beleidigend, wütend, keine Lust habe anderen Erwartungen zu entsprechen oder gar meinen eigenen?

Bin ich nur dann eine Frau, wenn ich schöne lange Haare habe, einen üppigen Busen, tolle Kurven, schlanke glatte unbehaarte Beine, hohe Schuhe trage und faltenfrei oder zumindest attraktiv und ansehnlich bin? Und was ist, wenn ich mich in bequemen Klamotten am wohlsten fühle, wenn es mir egal ist, ob ich dem neusten Trend entspreche und am liebsten kurze Haare trage oder mir völlig egal ist, wie ich aussehe?

Bin ich nur dann eine gute Selbständige, wenn ich immer etwas neues biete, Leistung bringe, Geld verdiene, meine Altersvorsorge ausreichend bedienen kann, eine gute Auftragslage habe und stets weiß wie es weiter geht? Und was ist, wenn Durststrecken kommen, wenn ich Pläne habe, sie aber nicht umsetzen kann, wenn ich nicht weiß, was ich will, wenn ich nicht vorwärts komme, sondern irgendwie festhänge und auf eine hohe Wand statt auf Wege und Möglichkeiten schaue?

Bin ich nur dann eine gute Angestellte, wenn ich den Anforderungen eines Arbeitgebers entspreche, wenn ich alles zur Kundenzufriedenheit erfülle, wenn ich eine tolle Kollegin und Teamplayerin bin? Und was, wenn ich das nicht mehr kann und nicht mehr will, wenn es mir die Luft zum Atmen abschneidet?

Eigentlich gibt es nur einem, dem ich entsprechen muss: Mir selbst. Und ich selbst bin ein Individuum, das sich ändert. Beständig. Mein Körper altert und verjüngt sich. Meine Zellen ändern sich. Meine Einstellungen wandeln sich. Ich mache Erfahrungen und verändere mein Verhalten. Erlebnisse hinterlassen Spuren und Narben. Was mir gestern nichts ausmachte, ist mir heute längst nicht mehr egal. Ich bin nicht mehr bereit, bestimmte Dinge zu tun, die für andere ok sind oder für mich mal ok waren.

Es ist an der Zeit, mich anzunehmen mit all den Veränderungen, die da in mir sind. Meine grauen Haare machen mir noch am wenigsten aus. Die Dellen an den Oberschenkeln schon mehr. Meinen Körperumfang ist je nach Stimmung und Tagesform ok oder gar nicht ok für mich. In bestimmter Gesellschaft, wo ich mich Blicken und Wertung ausgesetzt fühle, ist es schwerer als wenn ich mit "meinen Menschen" zusammen bin oder ganz alleine. Wenn ich ganz alleine bin und mit etwas schönem beschäftigt, dann bin ich ok. Meistens jedenfalls. Sobald ich in Dialog oder Vergleich mit anderen gehe, dann wird es schwer für mich. Ich wünschte, davon wäre ich unberührt, aber so ist es noch nicht. Doch ich habe den Wunsch, dass ich unabhängig - von den Erwartungen anderer und einem überholten Idealbild in mir - glücklich und zufrieden leben kann.

Mir fällt noch etwas ein: Führe ich nur dann eine gute Ehe, wenn ich immer wieder mit meinem Partner auf einen Nenner komme, wenn wir zusammen an einem Strang ziehen, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, wenn wir uns körperlich immer noch anziehend finden wie im ersten Jahr? Und was ist, wenn das nicht der Fall ist, wenn mir der Partner auf den Keks geht und seine Ansichten (und umgekehrt), wenn der eine sein Ding macht ohne auf den Partner Rücksicht zu nehmen? Was dann?

Geht es nicht darum, seine eigene und heute stimmige Definition von Zufriedenheit und Glück zu finden, auch in der Partnerschaft? Zum Beispiel: Der Druck, der von Medien ausgeübt wird, zu Umfragen über das Sexualverhalten von langjährigen Paaren, dessen Fragen sowieso nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wer gibt schon so etwas zu - ehrlich? Das Problem ist doch: Wer seine Beziehung damit vergleicht und feststellt: "Oh, dem entsprechen wir nicht.", der zweifelt vielleicht an seiner Beziehung, wird unglücklich und ein Schiff bekommt Schieflage, das gar nicht hätte sein müssen.

Beziehung, Ehe, Partnerschaft ist eben so, wie sie ist. Und wenn zwei damit einverstanden sind, ist es doch ok. Und wenn nicht, kann man drüber sprechen. Vielleicht lässt sich etwas ändern, vielleicht nicht. Und vielleicht lässt sich dennoch Frieden schließen mit der Situation in der Partnerschaft so wie sie ist, auch wenn oder gerade weil sie nicht dem gesellschaftlichen Ideal entspricht und auch nicht dem eigenen idealen Bild. Vielleicht gewinnt man dennoch etwas aus der Partnerschaft, für das es sich lohnt, zusammen zu bleiben. Ich glaube nicht, dass es in der nächsten Partnerschaft nach der gleichen Zeit auch noch unbeschwert wie zu Beginn ist. Zu jeder Beziehung gehört Arbeit. Sicher gibt es Ausnahmen wie auch bei Menschen, die immer Glück haben, denen scheinbar alles gelingt. Ich erlebe das (leider) nicht.

Ich glaube in der Partnerschaft geht es darum, den anderen so zu lieben oder lernen zu lieben wie er ist. So wie ich mir das schon als Kind gewünscht hätte. Das ist eine Herausforderung. Denn Ehe, Partnerschaft ist nicht das, was uns in Filmen oder Romanen gezeigt wird, die meist dort enden, wo es am schönsten ist - beim Zusammenkommen, bei der Hochzeit. Ehe ist Arbeit, den anderen respektieren, seine Veränderungen seit dem Kennenlernen annehmen - als alles noch rosarot war und wir uns bemühten, dem anderen zu gefallen. Mit den Enttäuschungen klar kommen. Ja, vielleicht gehen und eigene Wege gehen oder innerhalb der Partnerschaft üben, das eigene Ich mehr zu stärken, innerhalb der Partnerschaft einen eigenen Weg gehen und trotzdem zusammen sein.

Von einer Person können wir uns nicht trennen, nicht davon laufen: Vor uns selbst. Wir bleiben ein Leben lang zusammen. Mit uns selbst klar kommen, mit unseren Veränderungen, mit Enttäuschungen über unsere eigenen nicht erfüllten Erwartungen oder die von anderen, das ist Herausforderung und Aufgabe zugleich.

Mich selbst so lieben und annehmen wie ich bin. Wie ich jetzt bin. Nicht wie ich gerne hätte, dass ich bin oder wie ich mir erhoffe, dass andere mich dann mögen. Mich kennen lernen, wie ich jetzt bin, was ich bin und was nicht mehr. Was ich nicht mehr will, was ich nicht mehr kann, was ich nicht mehr möchte.

Von Erwartungen Abschied nehmen. Mich selbst neu kennen lernen wie einen Menschen, dem ich erstmals begegne. Mich schätzen, mir vertrauen lernen. Mich lieben - gleich wie ich bin oder weil ich bin wie ich bin. Das möchte ich üben. Jeden Tag aufs neue.

Ich bin nicht mehr die, die ich mit 20 war, auch nicht wie mit 30 oder 40. Ich entspreche vielen Erwartungen nicht oder nicht mehr, die an mich (unbewusst) gestellt werden und wurden. Auch nicht meinen eigenen Wünschen und Erwartungen. Ich brauche aber keine Angst mehr haben, nicht geliebt zu werden, wenn ich diesem Bild nicht (mehr) entspreche. Mir keinen Stress mehr machen, in tiefe Abgründe stürzen. Weil ich nah bei mir bin und mich liebe - weil ich bin und wie ich bin. Endlich nicht mehr einem gekünstelten Bild entspreche. Sondern mir selbst. Heute.

Und das macht mich frei. Unabhängig. Authentisch ich selbst sein.

Ich hoffe, diesen Text lese ich mir durch, wenn es mir gerade schlecht geht, weil ich entdecke: Ich bin nicht die, die bestimmten Erwartungen entspricht, die mir vermeintliche Sicherheit gaben oder geben könnten. Ich stehe mir selbst zur Seite und mag mich, auch wenn ich nicht zu bestimmten Gruppen dazu gehöre, auch wenn ich mal alleine da stehe. Ich bin bei mir. Es wird auf dieser Welt oder im Himmel immer eine Seele geben, die mich liebt. Und ich mich selbst. Besonders das letzte kann ich mir versprechen und immer wieder üben und darauf mit zunehmender Sicherheit vertrauen.

Danke für den Raum, meine Gedanken hier mit Ihnen und mit dir teilen zu können. Danke fürs Zuhören. Das war lang, aber es musste raus und hat mir geholfen, klarer zu sehen. Vielleicht kann ich ja jetzt besser mit meinen Augen sehen. ;o)

Ihre und deine

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 27 Mai, 2016
Thema: Blog - 2016, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Psychologie

* Nur für mich *

Obwohl der November ja bei uns Menschen dafür bekannt ist, trübe Stimmungsphasen auszulösen - ging es mir die ganze Zeit über gut. Aber heute morgen, am 2. Dezember erwischte mich der Blues. Schlechte Stimmung, keine richtige Lust auf gar nix ... Doch Hilfe war schon unterwegs, ich merkte aber erst mal nix davon.

Gestern war einer der seltenen Abende, an denen ich einfach nicht einschlafen konnte. Ich lag im Bett und Kopf und Körper dachten nicht daran, einzuschlafen. Mein Kopf machte einfach weiter. Da habe ich mir gedacht, wenn ich eh schon hier wach rumliege, kann ich mir auch endlich einen Adventskalender basteln. Süßes fürs Herz. Nur für mich.

In meinem Nachttisch liegen für die Notizen zwischendurch die Vorder- und Rückseiten von Tischkalendern. Die weißen Rückseiten des stabilen Papiers lassen sich so herrlich beschreiben und die Größe ist einfach praktisch. Zwölf Kärtchen habe ich mir heraus geholt und auf jedes Kärtchen oben und unten einen Spruch geschrieben, der mit gut tut. Liebesbotschaften, Anregungen, wie sie auch im Tischkalender vorkommen. Manche gefallen mir so gut, vermutlich werden sie in einem nächsten Tischkalender Einzug halten. In meinem Büro wartet im großen Holzschrank hinter den beschlagenen Türen eine große Sammlung von Sätzen ungeduldig darauf, in die Tischkalender hinein zu dürfen. :-)

Heute früh habe ich die Karten halb durchgeschnitten und in ein Kartönchen gestellt. Daraus werde ich mir jetzt jeden Tag eine Adventskarte ziehen. Bis Weihnachten. Vielleicht auch bis 25.12., ich habe ja 24 und heute erst angefangen. Oder ich habe einen Joker dabei, wenn mir mal eine Karte nicht gefällt.

Diese Karte zog ich heute früh:

Und zack verstärkte sich meine eh schon nicht so tolle Laune. Mist! Warum es mir damit nicht gut ging? Weil ich mich nicht glücklich fühlte. Anja, lies nochmal die Karte:

Ich sorge dafür, dass ich glücklich werde + bin.

Hm. Ich sorge dafür. Es fällt nicht einfach vom Himmel. Es macht kein anderer. Was kann ich für mich tun? Mal nicht für andere sorgen oder andere erfreuen, überraschen. MICH SELBST fürsorglich und liebevoll behandeln. Das macht glücklich.

Also, was könnte ich tun? Irgendwas möchte ich mir gönnen. Blumen. Ich gönne mir Blumen. Auf zu Petra ein paar Häuser weiter ins Blumengeschäft Blumen-Stil. Dort habe ich bei einem netten Plausch Moos erstanden, mit dem ich mir eine Adventsdeko basteln wollte. Und dann sah ich einen wunderschönen Blumenstrauß. Der würde sich vortrefflich auf meinem Schreibtisch machen und mich erfreuen! Gesagt, gekauft.

Zu Hause habe ich dann die Weihnachtsdeko rausgekramt. Diesmal gibt es nur Zapfen, Moos und rot-weiße Pilze. Gläser befüllt mit Moos und Teelichtern. So schaut unser Eßtisch aus:

Eine Schale noch für meinen Schreibtisch gemacht und die schöne Kerze, die ich geschenkt bekam, sollte ebenfalls einen Ehrenplatz bekommen. Sie passt so schön zum Strauß. Während ich zauberte, stieg meine Laune. Aufatmen. Ja, so fühlt es sich gut an. Ich bin nicht superglücklich, aber viel viel glücklicher als heute früh. Ich habe für mich selbst gut gesorgt. Sehr gut, Anja!

So sieht meine Freude spendende Ecke auf dem Schreibtisch jetzt aus:

Und so geht es mir jetzt:

Viele Grüße aus Köln

Anja Kolberg

PS: Möchten Sie auch etwas nur für sich tun? Wie wäre es mit meinen Kalendern und Karten. Wegbegleiter, Herzstärker, Mutmacher durchs Jahr:

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 02 Dezember, 2015
Thema: Blog - 2015, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Zeit für mich

... dann gehe ich in einen Buchladen. Das Bücher-Orakel

Wenn es mir nicht gut geht und ich merke, ich brauche Input, Ablenkung, Bewegung: Dann gehe ich, wenn es sich stimmig anfühlt, in einen Buchladen.

Dort lasse ich mich treiben, meist lande ich im Bereich Esoterik, Lebenshilfe. Ich suche mir einige Titel aus, die mich ansprechen. Und dann setze ich mich mit den Büchern gemütlich hin. Je nach Buchladen kann ich mir sogar einen Kaffee dazu ziehen.

Erst mal durchatmen. Ich fühle die Umschläge, das Papier, betrachte die Gestaltung und schlage das Buch spontan auf, lese ein paar Zeilen, blättere weiter.

Bei denen, die mich am meisten berühren, bleibe ich hängen und atme auf. Das ist genau die Lektüre, die mir in dem Moment hilft. Ich lese die Informationen zum Autor oder der Autorin und es gibt bald einen Stapel: 'Will ich.' und einen weiteren 'Will ich nicht.' Auf dem letzten landen die Bücher, die mich beim Durchblättern doch nicht ansprechen oder bei denen ich den Inhalt nur schwer aufnehmen kann, weil sie für mich schwer verdaulich geschrieben sind.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nichts bringt, mehr als ein Buch zu kaufen, was mir wirklich schwer fällt. Warum nicht mehr als ein (gut, maximal zwei) Bücher?

Das Buch spricht mein momentanes Befinden und Interesse an, was nicht ewig andauert. Ich kann nur ein Buch mit Aufmerksamkeit lesen, so bleibt eines un- oder nur angelesen liegen. Was schade ist. Ich möchte mein Geld bewusst einsetzen und darauf vertrauen: Eine Sache hilft, nicht x Dinge. Das will wohldosiert und überlegt sein. Und zuviel Input kann auch lähmen, wie ich in Endlich mehr Output als Input! beschrieb.

Die ersten Jahre meiner Selbstständigkeit habe ich so viele Bücher bestellt wie mich zu einem mich beschäftigenden Thema ansprachen. Was habe ich da alles im Buchregal stehen gehabt, vieles kaum durchgearbeitet, nur quer- oder angelesen. Gut, die Sachbücher lassen sich gebraucht prima verkaufen, aber diesen Weg kann ich mir durch eine bewusste Entscheidung vorher sparen.

Also: Entscheidung her. Dafür nehme ich jedes Buch vom Stapel 'Will ich.' halte es einen Moment in den Händen und frage mich: 'Hilft mir das weiter?' oder 'Tut mir das jetzt gut?' - mein Inneres hat meist eine klare Meinung. Wenn nur noch zwei übrig sind, spinxe ich noch mal rein und entscheide spontan oder nehme wie beim letzten Mal beide aus der Endauswahl mit. Wobei eines noch ungelesen und eingepackt auf dem Schrank liegt. Ich will es aber schon lange haben und es passte wirklich gut. Es muss noch was warten. Und es kommt auch vor, dass ich ohne einen Kauf den Buchladen verlasse, weil mich keines so anspricht, dass ich mich damit intensiver beschäftigen möchte.

An der Kasse lasse ich mir meine Auserwählten als Geschenk für mich einpacken. Das ist ein herrliches Gefühl beim Auspacken. Es sind ja Geschenke an mich selbst.

Beim letzten Buchhandelsbesuch habe ich mir "Die sanfte Kraft des Yoga" aus dem blv-Verlag mitgebracht:

Mich hat neben der schönen Gestaltung besonders die Erklärung der spirituellen Hintergründe angesprochen, die ich hilfreich fand. Und die Haltung, dass die Übungen richtig sind, die sich auf den Stand der Leserin einlassen. Im Text fand ich eine Atemübung, die ich gleich mal ausprobierte: Den Atem zu mir hinein lassen (= Gott/die Sonne/...), inne halten (= Gott ist bei mir) und Ausatmen (= ich komme Gott nahe). Und dabei so aufmerksam sein wie es geht. Das war ich auch, weil ich Übung und Gedanken (was in den Klammern steht) miteinander verband. Das war wirklich hilfreich, denn ich war so ganz im Hier und Jetzt.

Die Erklärung, dass die Übung dann richtig ist, wenn ich weder unterfordert (die Gedanken gehen spazieren) noch überfordert bin (habe schnell keine Lust mehr), fand ich auch klasse. Es geht nicht darum, besonders schnell und viel zu schaffen, sondern das zu machen, was geht.

So saß ich letztes Wochenende auf der Bank hinterm Haus und machte dort eine Übung mit den Händen, die eigentlich fürs Stehen gedacht war, ich lies einfach alle Fußbewegungen weg. Zu mehr hätte ich mich nicht aufraffen können.

Wichtig war: Die Übung hat mir in dem Moment gut getan und die Gedanken im Buch tun mir gut, ich kann daraus einiges für mich mitnehmen. Das war der Hauptgrund des Kaufs für mich. Auch wenn ich die meisten Übungen wahrscheinlich nicht machen werde. Ich finde Yoga total sinnvoll für mich, aber ich schaffe es bisher nicht, mir wirklich die Zeit dafür zu nehmen... Das ist ok und kann ja noch kommen. Kleine Schritte zählen.

Das Buch hat mir schöne Impulse gegeben und mir geholfen, auf andere Gedanken zu kommen. Das Bücher-Orakel hilft herrlich.

Liebevolle Grüße aus Köln

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Samstag, 08 August, 2015
Thema: Blog - 2015, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Boing - geht es mir besser! Tssss

Heute geht es mir besser. Einfach so. Das Herzklopfen ist kaum noch da. Genau heute, wo ich ein Langzeit-EKG bekomme... Jetzt muss ich mal kräftig mit den Augen rollen. Ich freue mich natürlich, dass es mir besser geht, aber mir wäre lieber gewesen, ich hätte letzte Woche oder davor den Termin zum EKG gehabt, als es besonders extrem war. Diese Wartezeiten nerven mich und helfen nicht wirklich weiter.

Boing - einfach so besser. Ich bin noch unsicher, ob das so bleibt oder wie lange. Ein Tag? Zwei? Bis nächstes Jahr? Für immer? Heute hat mich auf jeden Fall nicht plötzlich diese extreme bleiernde Müdigkeit wie ein Gespenst überfallen, auch sonst fühle ich mich fit im Kopf, kann mich gut konzentrieren.

Letztes Jahr im Sommer hatte ich diese Phase ja auch und sie wurde besser. Gestern spürte ich noch so deutlich, dass ich komplexe Sachverhalte kaum erfassen kann, stellte Projekte zurück und heute ist es - zumindest gefühlt in diesem Moment- kein Thema. Zwar bin ich noch nicht superfit, aber viel besser. Tssss verstehe einer meinen Körper!

Ich habe nichts anders gemacht. Mir wäre am liebsten, ich wüsste die Ursache ganz genau, damit ich - wenn es mir wieder schlecht geht - weiß, auf welchen Knopf ich drücken muss. Ist aber nicht so, denn noch weiß ich nix.

Besonders merkwürdig und ich erinnere, so war es auch letztes Jahr: Kaum geht es mir wieder besser, frage ich mich, was denn 'so schlimm' war. Wie ein Geist sind die Symptome verschwunden. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass ich letztes Jahr viele Wochen gar nicht ins Bergische gefahren bin, weil ich mich dazu überhaupt nicht fit fühlte (so ist es jetzt auch, seit Ende Juni war ich nicht mehr zu Hause) und mich dann im Winter fragte, warum ich das im Sommer denn nicht geschafft hatte. Jetzt habe ich mein Verhalten vom letzten Sommer so gut nachvollziehen können. Es ging einfach nicht.

Die 'gute Phase' heute habe ich genutzt, um die Druckdaten der Tischkalender 2016 für die Druckerei fertig zu stellen. Seit etwas mehr als zwei Wochen arbeite ich intensiv an der Konzeption. Es wird wieder zwei Tischkalender geben, so viel mag ich schon verraten. Bald mehr dazu.

Ich bin so froh, dass ich die Konzeption und Druckdatenerstellung geschafft habe, obwohl mein Körper so schlapp war. Yeah! Erstaunlich, was der Mensch alles schaffen kann, wenn er eine Motivation hat.

So, gleich was morgen oder übermorgen kommen mag: Heute freue ich mich, dass es mir besser geht. Und das feiere ich mit diesem Blogbeitrag und mit meinem nun folgenden Sprung in meine Hängematte.

Die hat mich besonders am Wochenende so herrlich aufgefangen und geschaukelt. Himmel, hat das gut getan, mich so auszuruhen. Mehr vom Hängematten-Gefühl gibt es hier.

Ganz liebe Grüße aus Köln

Anja Kolberg

PS: Ein Unterschied ist mir abends eingefallen. Morgens war ich leicht müde, dann kam die Gemüsekiste und ich machte mir aus Banane, Weizengraspulver, getrockneten Datteln und Kohlrabiblättern einen Smoothie. Ob der geholfen hat? Ich hatte schon wochenlang keinen mehr zubereitet. Hm...

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 04 August, 2015
Thema: Blog - 2015, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Körper & Schmerzen

Akzeptieren, was nicht geht - annehmen, was ist

Nachfolgenden Text schrieb ich am 7. Juli und veröffentlichte ihn nicht. Ich wollte auch was positives schreiben, ging aber nicht. Deswegen lag er unveröffentlicht im Entwurfsordner meines Blogprogramms. Heute, am 29. Juli 2015 schaute ich in den Entwurfsordner und stelle fest: Es hat sich nicht allzuviel Neues getan.

Ich schaffe einiges, aber nicht alles, was ich will. Das führt zur Konzentration auf das Wesentliche und wirklich Wichtige. Derzeit gestalte ich die Kalenderseiten für 2016. Ich mag das und bin froh, dass mir das trotz allem gut gelingt. Mehr als die Hälfte der Druckdaten ist fertig. Vielleicht hilft die Situation, Texte zu finden, die in schwierigen Situationen gut tun. Denn das ist der Fall: Die Texte tun mir gut und sie helfen mir, liebevoller mit mir umzugehen. Ich arbeite dann, wenn es mir gut geht und ich fit bin, zum Teil auch spät am Abend, wenn Ruhe eingekehrt ist. Das geht auch.

Und weil ich so lange nichts gebloggt habe, stelle ich den Text vom 7.7. nun doch ins Netz, weil er beschreibt sehr gut wie es mir geht. Denn nicht immer scheint im Leben die Sonne, mal ist es auch so wie es gerade ist:

.... 7. Juli 2015 ....

Es gibt Tage, da könnte ich nur schreien, weil ich es so leid bin. Ich will leistungsfähig sein und bin es nicht. Ich will alle Projekte und Ideen verwirklichen und schaffe es nicht. Das fällt mir so unendlich schwer.

Gerade jetzt möchte ich gerne aktiv sein, aber es geht nicht. In meinem Kopf ist gefühlt Watte. Ich kann mich nicht konzentrieren. Das macht mich fertig. Wobei - was eigentlich noch viel schlimmer ist, wie ich die Situation bewerte:

'Stell dich nicht so an! Das muss doch klappen! Versuch es nochmal!'

Doch trotz x Versuchen klappt es nicht. Konzentration nicht möglich. Antreiben hilft also definitiv nicht.

Was auch nicht hilft, sind die Versuche, die Situation auszutricksen: Kurze Pausen, zurück an den Schreibtisch. Nö, geht immer noch nicht. Mist!

Immerhin sitze ich hier und schreibe diese Zeilen. Ich habe die Hängematte versucht, ich kam nicht zur Ruhe, auch dank des immer noch anhaltenden Baulärms von der Baustelle nebenan. Derzeit wird immer wieder mit laut kreischenden Geräuschen gesägt, gehämmert. Dabei kann ich nicht entspannen. Auf Lesen kann ich mich nicht konzentrieren. Ich habe keinen Drang, mit dem Auto irgendwo hin zu fahren, geschweige denn eine Runde von hier aus zu Fuß spazieren zu gehen.

Ich hasse solche Phasen. Weil ich dann das Gegenteil von dem bin, was ich sein will:

Fit. Leistungsfähig. Aktiv. Tun, was ich will.

Und mein Körper? Er hustet mir was. Hat andere Pläne. Und alles, was ich bisher unternommen habe, hilft nicht oder nur kurzfristig. Ich bin ja heilfroh, dass es nicht mehr so heiß ist. Die Hitze hat mir extrem zu schaffen gemacht. Ich konnte mich zwischen nicht gerade fröhlich machendem Dunkel in der Wohnung entscheiden (Rolladen runter, damit es möglichst lange kühl bleibt) oder dem Hitzekollaps bei sonnigem Licht. Ich habe träge rumgelegen, hatte auf nichts wirklich Lust. Ein Genuss war der schattige Garten am Vormittag, solange nicht die heiße Luft alles Kühle selbst in der Nacht vertrieben hatte.

Am 4. Juli (dem heißesten Samstag nach einer unfassbar heißen Woche über 30 Grad) habe ich nur noch gedacht: Wie lange kann ich das noch ertragen, wenn es weiter 37 Grad heiß ist? Das wollte ich mir gar nicht vorstellen. Von Stunde zu Stunde weiter gucken. Zwischenziele schaffen. Das selbstgemachte Eis als kleinen Höhepunkt. Abduschen. Die Ventilatorluft genießen. Einen Film gucken. Auf der App nachschauen, wann der Regen kommt und die Abkühlung.

Wie kann ich damit umgehen, wenn das Leben jetzt genau so ist, wie ich es nicht vertragen kann?

Das gilt ja nicht nur für extreme Wetterlagen, die dem Organismus einfach nicht gut tun, sondern auch für andere Situationen. Sei es Beziehung, Familie, Wohnsituation, Arbeitsplatz, Gesundheit oder auf Reisen ...

... 29.7.2015 ....

... darauf fand ich keine Antwort und postete den Beitrag damals nicht. Manchmal gibt es eben keine Lösung, außer versuchen zu akzeptieren und anzunehmen, was gerade im Leben so ist. So schwer das ist. Von Stunde zu Stunde weiter schauen. Oder von Minute zu Minute. Kleine Auszeiten finden, die Kraft geben.

Heute am 29.7. bin ich dankbar für die stürmische Herbstsommerwoche. Das ist eigentlich genau mein Wetter. Ich mag das, viel lieber als die Hitze Anfang Juli. Muss nur aufpassen, dass ich mir aus Gewohnheit nicht zu wenig anziehe. So wie diese Nacht, der kalte Luftzug aus dem Fenster hat mir einen steifen Hals beschert. Merke: Nachts wieder etwas anziehen, Anja.

Die Progesteronsalbe, die ich mehr als eine Woche nehme, hat die dunklen Wolken am Himmel vertrieben. Die mich plöltzlich überfallende Müdigkeit, die damit einhergehenden Konzentrationsschwierigkeiten und das Herzklopfen sind geblieben. Noch. Ich hoffe sehr, sie verflüchtigen sich auch. Es ist ein Rätsel, was dahinter steckt. (Hashimoto? Wechseljahre? Hitze?) Letzten Sommer hatte ich das auch und im Herbst wurde es besser. Wenn es mir wieder gut geht, dann denke ich: "Was war denn blos los?" Die Symptome sind dann wie ein Gespenst wieder verschwunden. Nun denn, ich bin dran, nach Lösungen zu schauen: Ich bekomme jetzt ein Langzeit-EKG und Langzeit-Blutdruckmessen, vielleicht gibt das einen Aufschluss, vielleicht aber auch nicht und es bleibt ein Gespenst, das mich im Sommer besucht und bald wieder geht.

Eine Ursache ist mit Sicherheit auch der immer noch anhaltende Baulärm im Reihenhaus nebenan. Seit 10 Monaten wird dort an fünf, seit April an sechs Tagen in der Woche gewerkelt. Nach dem gefühlten unendlichen kreischenden Flechsen der Bodenfliesen kam in der letzten und diesen Woche wieder schweres Gerät ans Werk: Mit dem Stemmhammer (das ist dieses schrecklich laute Geräusch, wo alles fibriert und man nur noch weglaufen will) wurden Bodenfliesen im Keller und der Belag draußen vor dem Haus teilweise entfernt.

Das ist purer Streß. Auch für nicht geräuschempfindliche Menschen. (Ich bin geräuschempfindlich.) Ein Wunder, dass ich bis jetzt noch so fit bin und den Lärm bisher so gut wegstecken konnte. Teilweise konnte ich nur mit Kopfhörer arbeiten, auf dem ich laute Klaviermusik hörte. Ja, ein Wunder, weil ich sonst Ruhe zum Arbeiten brauchte. Aber selbst die stärkste Psyche kann irgendwann nicht mehr. Die Grenze ist bei mir schon lange überschritten, auch bei den Nachbarn auf der anderen Seite der Baustelle. Es mussten wohl einige Werke neu gemacht werden, also Lärm und Dreck, der eigentlich nicht hätte sein müssen. Wenn ich schimpfe geht es nicht schneller... Augen zu und durch...

Nun denn: Auch das geht vorbei. Grundsätzlich wird es gut und besser werden, das ist sicher. In 3-4 Wochen soll alles vorbei sein. So richtig kann ich das noch nicht glauben, hoffe aber, es stimmt. Ich bin so froh, wenn ich meine Ruhe und Ordnung wieder habe. Kreatives und schöpferisches Arbeiten braucht gute Rahmenbedingungen.

Also liegt es nicht nur an meinem Körper. Der Umgebungsstreß spielt auch eine Rolle.

Ich wünschte, ich könnte etwas anderes schreiben. Aber: 'Et nützt nix. Et iss wie et iss.' Nicht berauschend, aber viel viel Hoffnung am Himmelszelt. Ich fühle mit all denen mit, die ähnliche Bedingungen ertragen müssen oder es noch schlimmer erleben. Ich habe meine Rückzugsmöglichkeiten, wo mich zwar der Lärm trifft, aber ich geschützt bin. Wie mag es Menschen in Krisengebieten gehen oder diejenigen, die auf der Flucht sind? Es ist erstaunlich, was wir Menschen tragen können. Was hat die Generation unserer Vorfahren getragen, während des Krieges, als sie unter Beschuss waren, ihre Liebsten verloren hatten oder in Gefahr wussten, als sie ihre Heimat verloren. Wir alle können viel schaffen, mehr als wir uns manchmal vorstellen können.

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. (Oscar Wilde)

Ihre Anja Kolberg (deren Schreiben gerade von Bohrgeräuschen begleitet wird)

PS: So war es Anfang Juli: Ich will die Symptome endlich in den Griff bekommen ...
Hashimoto & Progesteronmangel?
 

... und so sieht es am 4. August aus: Besser!

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Hach, Frühling! Licht im Schatten

Ich mache im Moment eine schwere Zeit durch. Zwei Baustellen rauben mir die Nerven und verursachen 5 Tage in der Wochen ohrenbetäubenden Lärm und Dreck. Seit Mitte April wird vor unserer Türe gebaggert: Die komplette Straße wird inkl. Bürgersteig saniert, das dauert bis August. Und seit September wird das Reihenhaus gleich nebenan saniert. Besonders schlimm ist es dort seit Ende März, wo das Gerüst steht, die Fassade abgeschlagen und fast alle Fenster größer gestemmt werden.

An meine Terrassennutzung? Derzeit nicht zu denken. Zum Schutz ist die Pergola mit einer Plane verhangen, damit darunter nicht alles zu sehr verschmutzt. Ich versuche jetzt bewusst nicht mein Leid zu teilen, sondern meinen Blick auf das richten, was mir trotz alledem gut tut:

Ich klaube mir am späten Nachmittag eine Stunde mit etwas zu Lesen und zu Trinken in meinem Liegestuhl, der hinten im Garten auf dem Grün steht. Dort versuche ich, wieder zu mir zu kommen und Kraft zu tanken. Denn manchmal will ich einfach nur noch abhauen.

Der Frühling knipst in mir das Licht an: Wie schnell sind die ersten Blättchen durch die Wärme gewachsen, die Tulpen blühen in großen bunten Schalen auf langen Stängeln hinten im Beet unter den rosa blühenden Zierkirschen. Ein Traum. Der Rasen ist voller strahlender Gänseblümchen.

Immer wieder schauen Kohlmeisen, Amseln, Tauben und Rotkehlchen am Teich und Bachlauf vorbei, um ein Bad zu nehmen. Eichhörnchen rennen die Blutpflaume rauf und runter. Ich kann nicht genau sehen, was sie machen, es kommt mir wie spielen vor.

Innerhalb einer Woche hat der Schneeball sich herrlich entfaltet:

 

 

Was hilft mir ansonsten? Musik lenkt mich ab, übertönt den Krach und erhöht meine Konzentration, wenn ich am Schreibtisch sitze. Ich bin dankbar, dass ich an meinem Projekt weiter machen kann. Ordnung im Inneren hilft mir, das äußere Chaos zu ertragen. Ich stehe gleich auf, wenn ich wach werde, um vor Beginn der Bauarbeiten schon etwas geschafft zu haben. Ich beschäftige mich intensiv mit meinem Inneren, wenn es ganz heftig ist, unternehme innere Reisen mit meinem inneren Kind oder mit mir selbst, um mir das zu geben, was ich brauche. Ich übe, gut für mich zu sorgen.

So gut es geht, bemühe ich mich, das Licht im Schatten zu finden. Und manchmal gelingt es mir. Danke, Himmel!

Was mich zum Beispiel aufrecht hält ist die Aussicht: Ab August müsste Ruhe sein. Die Straße ist dann fertig. Beide Häuser, sowohl rechts als auch links sind frisch saniert.

Ich sehne mich nach dem Moment, wo wir alles sauber machen können und ich wieder in meiner Hängematte unter dem Pergoladach liege und dieses wunderbare Friedensgefühl spüre. Morgens meinen Kaffee trinke. Oh ja, ich will dich, liebes Gefühl! (In Gedanken versuche ich mich jetzt schon dorthin zu beamen. Tagsüber ist das schwer. Wenn Ruhe ist, geht es.)

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 20 April, 2015
Thema: Blog - 2015, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Garten - Frühling

Graue Tage

Gestern: Blauer Himmel. Sonne. Wärme. Beschwingte, tatfreudige Frühlingsgefühle.

Heute: Grauer Himmel. Diesig. Kalt. Gedrückte Stimmung. Nervige Menschen, die unsere beiden Stellflächen auf unserem Grundstück zuparken und blöde Kommentare geben ('die sind aber nicht als Parkplätze ausgeschrieben', nein, es ist nur ein Schild an der Hauswand und die Fläche vor dem Haus ist gepflastert). Kraftloses Körpergefühl. Bauchschmerzen. Heute ist sogar ein Maulwurfshügel zu hoch, um die Motivation zu bekommen, ihn zu überspringen, drum rum gehen auch nicht. Eher genervt stehen bleiben oder mit den schönen Schuhen hindurch stolpern, inklusive Ärger, dass die Schuhe nun drekig sind. Seufz. Ganz großes Seufz.

Nach all dem Tun und dem Erfolg diese Woche, den Sohnenstrahlen, dem ersten Mittagsbrot auf der Terrasse, nun heute dieses Wetter, das mich so runterzieht. Gestern hatte ich mir meinen ersten Grünen Smoothies dieses Jahr gemacht. Lecker war er, aber heute, heute hatte ich so einen Zuckerentzug. Brötchen mit Schokoaufstrich, Kaffee mit viel Zucker mussten her. Und besänftigten mich. Aufatmen. Das tat mir gut. Daran spüre ich, welch Suchtpotenzial und kurzfristig beruhigende Wirkung das weiße Kristall auf mich hat.

Mir hilft es klar zu machen, warum ich so blöde drauf bin heute. Das sind also die Gründe für meine grauen Gedanken: Wetter. Kälte. Zuckerentzug. Sehr schlecht geschlafen. Ich weiß nicht, was Minu diese Nacht hatte, aber es führte dazu, dass ich ab drei Uhr einige Zeit wach lag und mich heute früh wie gerädert fühlte. Das ist kein guter Start für mich in den Tag. Schlaf kann ich schlecht missen, bzw. bringt es mich aus dem Gleichgewicht, wenn ich nachts am Schlafen gehindert werde. Mein Göttergatte kann das besser wegstecken als ich. Deswegen kümmert er sich nachts um unseren Hasen, dennoch ging es nicht spurlos an mir vorbei. Dann noch meine Periode in den Knochen. Perfekte Kombi für schlechte Laune!

Jetzt ist es mittag und nach dem Schreiben geht es mir schon besser. Was ich für mich getan hab?

1. Alle Pläne über Bord geschmissen, was ich heute oder morgen schaffen wollte. Verwöhnprogramm eingeschaltet. Was brauche ich heute?

2. Entscheidung für kurzfristiges Wohlbefinden: Heute gibt es zum Frühstück Brötchen mit süßem Aufstrich, Kaffee mit Zucker und - heute - keinen Grünen Smoothie zum Frühstück.

3. Zum Supermarkt nach dem Spaziergang mit Minu gestiefelt und Oreo-Kekse, Mr. Tom Ernussriegel, Ritter Sport Marzipan- und 50% Zartbitter Schokolade, dicke saftige Weintrauben und eine schöne Zeitschrift in den Einkaufskorb gelegt.

4. Auf dem Rückweg Boxenstopp in Petras Blumenladen. Mir ein süßes duftendes Schreibtisch-Sträußchen als Stimmungsaufheller gegönnt und den Plausch mit ihr über unsere ähnlichen Stimmungenserlabnisse ausgetauscht.

5. Schmerzmittel genommen. Einmal im Monat helfen sie nicht nur gegen meine Bauchschmerzen, sondern gegen die damit einhergehenden Stimmungsschwankungen.

6. Mir heute vormittag zwischendurch Surfen ohne schlechtes Gewissen erlaubt, an ein paar Gewinnspielen teilgenommen. Zwischendurch das hier geschrieben. Mir geht es echt schon besser. Jetzt male ich noch fluchs ein paar Bildchen für den Beitrag und schicke ihn ab.

Das einzig gute an Grauen Tagen: Sie gehen vorbei! (E-Card)

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 19 März, 2015
Thema: Blog - 2015, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Wenn sich das Leben plötzlich ändert...

Dieses Jahr mehren sich Krankheits- und Todesfälle in meinem Umfeld. Plötzlich ändern sich Lebensentwürfe. Gewohntes und Liebgewonnenes muss verlassen werden.

Von der Bekannten, die unerwartet starb, berichtete ich. Ungefähr zeitgleich musste eine meiner besten Freundinnen wegen einer Komplikation nach einer OP notoperiert werden. Ihr Leben hing am seidenen Faden. Sie ist Gott sei dank auf dem Weg der Besserung. Ein geschätzter und sehr gemochter Großonkel und seine ebenso nette Frau starben in diesem Jahr. Ein weiterer Großonkel (ich mag sie alle!) kam mit einer überraschenden Krebsdiagnose im nicht therapierbaren Stadium nach Hause und wird - kurz zuvor noch fit - nun von seinen Töchtern und Frau im Krankenbett zu Hause gepflegt. Eine Cousine meiner Großmutter liegt ebenfalls im Krankenhaus, auch sie mag ich sehr mit ihrem unnachahmlichen urkölschen Dialekt, der sich wie ein Lied anhört.

Diese Ereignisse so gebündelt treiben mir die Tränen in die Augen. Ein Ergeignis alleine reicht doch schon. Jeder muss den Schock einer solch tiefgreifenden Lebensänderung erst mal verdauen. Sowohl die Betroffenen selbst als auch ihr nahes und weiteres Umfeld. Vielleicht müssen Lebensträume begraben, der gewohnte Alltag aufgegeben, Abschied genommen werden.

All das fällt ja schon schwer, wenn man sich selbst entschließt, etwas zu ändern. Wird man jedoch vom Schicksal von solchen Veränderungen überrumpelt, fehlt die vorbereitende Entscheidungsphase, die ja da ist, wenn man selbst am Leben etwas ändern will.

Den Schock verarbeiten. Das Leben neu sortieren. Sich an Änderungen gewöhnen. Trauerarbeit leisten, wenn die Dinge nun anders laufen als bisher, als gewollt und gehofft. Die Wut rauslassen, damit Platz für inneren Frieden entsteht, der sich ganz leise seinen Raum verschafft. Die Zuversicht, dass 'dennoch' oder wieder Lebensqualität möglich ist, Freude, Lachen, Zusammensein. Die Menschen um mich herum in anderen Rollen neu kennen lernen, überrascht sein, Miteinander erfahren und Verbundenheit.

Sich mit dem arrangieren, was ist. Mitgefühl erfahren. Seine Gefühle zeigen dürfen. Trotz allem Freude erfahren und lebenswerte Momente. Schritt für Schritt leben.

Anja Kolberg

PS: Keine Stunde, nachdem ich den Artikel veröffentlichte, habe ich erfahren, dass mein Großonkel gestorben ist. Ich bin sehr traurig. Ich werde sein spitzbübisches Grinsen, die funkelnden Augen, seine charmante und witzige Art und den herrlichen Bad Emser Dialekt vermissen.

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 20 November, 2014
Thema: Blog - 2014, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Zum Tod von Robin Williams & Vom Überwinden der Ausweglosigkeit

Mir ist wichtig, über dieses Thema zu schreiben. Es in die Mitte unserer Gesellschaft zu stellen. Den Umgang mit Traurigkeit, Depression, Angst und den Gedanken, nicht mehr leben zu wollen. So kommt Licht und Luft an die Sache - hilfreiche Bestandteile für Verständnis und Heilung.

Unerwartet traf mich am Montag die Nachricht über den Tod von Robin Williams. Fassungslosigkeit über seinen Suizid spürte ich und auch Mitgefühl: Wie verzweifelt muss er gewesen sein? Er, der Mensch, der gleichzeitig so vielen Menschen Freude machte, sie zum Lachen brachte, zum Weinen und Nachdenken. Eine so feinsinnige und tiefsinnige Seele.

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Nur, weil jemand sehr fröhlich sein kann, heißt das nicht: Er kann nicht auch sehr traurig sein. Ich glaube eher, es schließt sich ein. Traurigkeit und Fröhlichkeit. Zwei Pole, die nah bei einander liegen können. Vereint in einem Menschen, aber auch vereint in einer Situation. Jeder kennt vielleicht den glücklichen Moment, wo man kurz zuvor noch tränenüberströmt mit einem Witz oder einem netten Spruch aus einer traurigen Situation geholt wird und lacht, laut lacht über das ganze Gesicht. Dieser Moment wandelt die Stimmung blitzschnell. Doch manchmal gibt es diese Spontanheilung nicht, es braucht etwas mehr an Unterstützung, um wieder das Licht zu sehen und Hoffnung zu haben.

Ich wünsche mir sehr, dass der Tod von Robin Williams einen Sinn macht. Zum Beispiel, dass mehr über Depressionen, Ängste, Süchte und Suizidgedanken gesprochen wird. Das ist auch ein Grund, warum ich hier darüber schreibe. Dass die psychischen Nöte und das "Nicht-Völlig-Funktionieren-und-Perfektsein" von Menschen nicht länger als Tabu oder Makel gelten. Sondern als normale Bestandteile unserer Gesellschaft, die dazu gehören wie Fußballfieber, Regenbogenliebe und Zähneputzen. Jeder ist wertvoll und liebenswert. Dafür braucht man nicht super aussehen, weder viel Geld verdienen, noch besonders angesehen sein oder beliebt oder x Statussymbole sein eigen nennen. Nein: Wir sind alle liebenswert und wertvoll. Einfach weil wir da sind und weil wir sind. So wie wir jetzt sind. Mit all unseren Licht- und Schattenseiten. Jeder ist vollkommen.

Wussten Sie, dass es in Deutschland viel mehr Suizidtote gibt als Verkehrstote? Nein? Das wissen die meisten nicht. Ich erfuhr es während der Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und war geschockt. Warum weiß das keiner? Das liegt unter anderem am Pressekodex, einer Verhaltensrichtlinie zur zurückhaltenden Berichterstattung über Suizide. Der Einfluss der Medien auf Selbsttötungen wurde wissenschaftlich nachgewiesen, z.B. weil es schnell zur Identifikation und Nachahmung kommen kann. Daher die zurückhaltende Berichterstattung. Suizidprävention Deutschland hat einen Flyer mit Informationen für Medien heraus gegeben.

Ich finde den Pressekodex sehr wichtig, aber es darf nicht dazu führen, gar nicht über die Problematik zu schreiben. Das führt meines Erachtens zum Verschweigen der Nöte, die Menschen ausstehen, wenn sie sich mit Selbsttötungsgedanken quälen. Für die Betroffenen selbst erweckt es schnell den Eindruck, nur selbst unter diesen Gedanken und den Folgen zu leiden.

Wer den Wunsch hat, nicht weiter weiter wie bisher leben zu wollen, braucht Verständnis und Mitgefühl und einen Raum, sein zu dürfen. Die Erlaubnis, mit diesen Gedanken auf dieser Welt gewollt zu sein, mit seinen Nöten, Ängsten und Depression. Dazu gehört, über diese Themen zu berichten, ihnen den Mantel des Tabus zu nehmen und Luft ranzulassen. Menschen mit viel Traurigkeit und Ausweglosigkeit einen Platz zu geben. Mitten in unserer Gesellschaft.

Übrigens haben die meisten Menschen in ihrem Leben den Gedanken nicht mehr leben zu wollen. In der Regel gehen diese Gedanken wieder.

Warum ausgerechnet Robin Williams? Humor, Fröhlichkeit, Liebenswürdigkeit, ein großes Herz, Talent ... so viele Begriffe fallen mir ein. Und mir fällt ein Junge ein, der sich das Leben nahm, als ich Teenager war. Ich kannte ihn aus der Nachbarschaft, er war dort öfter bei seinem Cousin zu Besuch und verbrachte mit uns die Sommerferien. Keinen kannte ich, der so gut Witze erzählen konnte wie er. Was war er fröhlich und lustig. Ich mochte ihn. Ausgerechnet er - verließ sein Leben. Ich habe es damals nicht begriffen. So gerne hätte ich seine Geschichte gehört, sein Warum, seine Sorgen und ihm zugehört, Mut gemacht, zur Seite gestanden und ihn unterstützt, Alternativen zu finden.

So geht es mir auch mit Robin Williams. So gerne hätte ich diesem Menschen zur Seite gestanden, etwas zurück gegeben von dem, was er mir mit seinen Filmen, der Verkörperung seiner Rollen geschenkt hat. Heute bleibt mir nur die Traurigkeit und der Impuls, über das Thema hier in meinem Blog zu schreiben.

Ich fühle mit den Angehörigen von Robin Williams und mit allen anderen Angehörigen und Freunden von Menschen, die sich das Leben nahmen.

Ich fühle mit jedem Menschen mit, der traurig ist, ängstlich, überfordert oder sich hilflos fühlt. Ihr seid nicht alleine, es gibt Menschen, die euch zuhören und zur Seite stehen, einen Weg zu finden, damit es euch im Leben wieder besser geht. Und wenn es auch Menschen gibt, die kein Verständnis haben oder abwertend sind: Dieses Verhalten hat mit den Menschen selbst zu tun, die sich äußern. Es hat nichts, aber auch gar nichts mit euch und eurer Wertigkeit zu tun. Jeder und jede von uns ist ein wichtiger, wertvoller und gewünschter Bestandteil dieser Gesellschaft. Du bist wichtig!

Wo gibt es Hilfe?

  • Die Aktion Freunde fürs Leben - die besonders junge Menschen anspricht - mit Depressiontest, vielen Infos, Videos...
  • Bei Telefonseelsorge hören Ihnen ausgebildete Ehrenamtliche rund um die Uhr zu: 0800 111 0 111. Kostenlos. Es gibt nach Anmeldung auch Hilfe über E-Mail und Chat.
  • Ihr Hausarzt ist Ansprechpartner auch für die seelischen Nöte, er kann helfen, psychotherapeutische Hilfe zu finden, die von der Krankenkasse übernommen wird.
  • Im Notfall: Der psychiatrische Dienst in Krankenhäusern hilft in der Regel rund um die Uhr weiter oder spezialisierte Kliniken für Psychosomatik und Psychiatrie. Tasche packen. Hinfahren oder je nach Gemütszustand per Taxi hinfahren lassen. Sagen, was Sache ist und dir helfen lassen. (App zur Kliniksuche - Im Internet medführer.de)
  • Wenn du Suizidgedanken von dir kennst und es dir gerade gut geht: Finde für einen nächsten Notfall heraus, welches die für dich beste Klinik in deiner Nähe ist, die 24 Stunden geöffnet hat und finde raus, wie du dort hinkommst. Alleine das beruhigt schon. Halte diese Adresse im Hinterkopf. Dort gehst du einfach hin, wenn es nicht mehr geht. Leg dir auch Telefonnummern für den Fall der Fälle zurecht: Gute Freunde, die dir zuhören und beistehen. Wenn du lieber Anonymität willst, hier die Nummer der Telefonseelsorge: 0800 111 0 111. Einfach wählen und dir die Last von der Seele quatschen. Es gibt auch Selbsthilfegruppen, die man persönlich besuchen kann oder an ihnen im Internet anonym teilnehmen. Begibt dich einfach auf die Suche im Internet: Thema eingeben (z.B. Depression, Ängste, Alkohol...) und das Wort Selbsthilfegruppe. Es tut so gut, auf Gleichgesinnte zu treffen und sich so Erleichterung zu verschaffen. Wenn der Notfall da ist und kein Mensch, keine Hilfe, die dir einfällt: Ruf die Polizei an 110. Sie ist für dich da und bringt dich in Sicherheit.
  • Liste von Hilfsstellen suizidprophylaxe.de - auch nach Bundesländern sortiert
  • Broschüren vom Nationalen Suizid Präventionsprogramm (z.B. für alte und für junge Menschen, Sprotler)
  • Auflistung günstiger therapeutischer Grundeinstellungen im Umgang mit Suizidgefährdeten
  • Netdoktor: Informationen zu Depressionen
  • Psychotherapiesuche: Fragen, Antworten & Suchmaschine für kassenzugelassene Psychotherapeuten
  • Hilfreiche Gedanken rund um das Thema Suizid für Betroffene und Angehörige von Planet Wissen.
  • Meine Gedanken zur Psychtherapie.

Von Herzen - fürs Leben

Ihre Anja Kolberg

Direktlink dieses Artikels, um darauf zu verweisen:
https://www.frauencoaching.de/archives/2014/08/entry_6851.html
Ich erlaube nicht, dass meine Texte und Bilder kopiert und außerhalb dieser Webseite genutzt werden. Wenn Sie das machen möchten, schreiben Sie mir, um eine Vereinbarung zu treffen.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 15 August, 2014
Thema: Blog - 2014, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

In den monatlichen Impulsen schnuppern und mitmachen:
Zutrauen in schwierigen Zeiten.

Am Anfang jeden Monats verschicke ich an einen Kreis von E-Mail-Empfängerinnen und -Empfänger meine Impulse zum neuen Blatt der Tischkalender 2014 'Ich bin gut zu mir' und 'Kurze Meditationen'.

Für alle, die daran teilnehmen möchten, biete ich hier die Gelegenheit zum Schnuppern an und stelle meine Gedanken zum Juni-Kalenderblatt ins Netz - es geht darin um die Bewältung schwieriger Phasen in unserem Leben. Am Ende des Beitrags erfahren Sie, wie Sie mitmachen können.

Jetzt - viel Freude und gute Gedanken beim Lesen!

~ * ~ Schnupperauszug der Juni-Impulse ~ * ~

Tischkalender 2014 'Ich bin gut zu mir' - Monat Juni

Tischkalender 'Ich bin gut zu mir' Juni 2014

Foto: Knospen und Blüten der Himbeere.

Text: Schwere Zeiten durchstehe ich... ... einen Tag nach dem anderen. Zutrauen

Welch wunderschöne Blütenrispe. Zartes Rosa. Helles Grün. Langstielige Staubblätter umkreisen das Zentrum, aus dem die rote Frucht ensteht.

Himbeere: Die rote aus einzelnen Kügelchen geformte Frucht. Köstlich saftiger Geschmack. Auch Stacheln, die sich böse in die Haut bohren können. Bei Wikipedia las ich von ihrer Heilwirkung: Sie bietet besonders viel Vitamin C, Kalium und Fruchtsäuren, stärkt damit die Abwehrkräfte und fördert die Heilung von Wunden.

Als ich Bild zum Text intuitiv auswählte, wusste ich nichts von ihrer Heilwirkung. Jetzt fällt mir auf, wie gut beides zusammen passt: 'Schwere Zeiten durchstehe ich einen Tag nach dem anderen.' Nämlich mit Zartheit und Geduld. Mit der Zuversicht, auch Verletzungen durch Stacheln überwinden zu können. Spätestens beim Vernaschen der Frucht spüren wir: Es hat sich gelohnt. So wie sich auch bewältigte Hürden im Leben lohnen.

Die Himbeere begegnet uns im Juni, um uns zu stärken und uns zu sagen: Wir werden die hohen Gebirge, die dunklen Täler und die öden Wüsten unseres Leben durchstehen.

Unsere Aufgabe ist nicht, zu wissen, wie wir das schaffen sollen. Auch wenn unser Verstand die Bedienungsanleitung für unser Leben und schwere Zeiten gerne hätte. Die gibt es nicht. Weder für unser Leben, noch für das eines anderen Menschen, noch für Reichtum oder für Heilung, für Gerechtigkeit oder die Liebe.

Manchmal wäre das Wissen, was noch wie kommt, geballt auf einen Moment auch zu überfordernd oder zu neu und anders. Und manches ergibt sich erst durch einen vorherigen Schritt, ein Zufall ist noch nicht soweit, unser innerer Reifungsprozess braucht noch Zeit. Deswegen durchstehen wir schwere Zeiten einen Tag, einen Schritt nach dem anderen. So wie wir, unsere Seele, bereit dazu ist. Und der Weg entsteht so beim Gehen.

Unsere Aufgabe ist, während dessen so gut zu leben und zu lieben wie es uns eben möglich ist. Heute. Heute die machbaren Schritte gehen. Wenn es nur ein einziger ist. Stehenbleiben, traurig sein und hadern mit dem Schicksal oder sauer sein, wie ungerecht das Leben sein kann - auch das sind wichtige Phasen, die unsere Seele braucht.

Wir können so gut es geht, nett zu uns sein. Spüren, was wir jetzt in diesem Moment brauchen. Und uns das geben. Uns so lieb haben, so mitfühlend, großzügig und zuversichtlich zu uns selbst sein wie wir es anderen gegenüber sind. Am nächsten Tag sehen, wie es uns geht und dann weiter entscheiden. Nicht mehr tun als wir können.

Sicher ist: Alles wirkt in uns. Tag für Tag. Moment für Moment. Aufgabe für Aufgabe. Und auch vermeintlicher Stillstand für Stillstand.

Wir durchlaufen viele Wachstums- und Reifeprozesse im Leben: Krankheiten. Zwischenmenschliche Probleme. Umzüge. Trennungen. Abschiede. Sinnentleerte Zeiten. Veränderungen am Arbeitsplatz. Finanzielle Unsicherheiten. Die gefühlt hundertste Warteschleife. Rückschläge. Sackgassen. Hoffnungslose Täler und hilflose Zustände...

Auch wenn wir es selbst manchmal nicht glauben wollen oder können, wenn wir zweifeln und es hoffnungslos scheint. Wenn alles länger dauert, als wir eigentlich planten oder dachten, aushalten zu können: Wir werden diesen Weg meistern, in unserem Tempo, auf unsere Weise. Sogar viel mehr als das.

Nicht durch Willenskraft oder einen Wunschgedanken ist die Himbeere - plopp - plötzlich essreif. Es braucht viele Monate des Wachsens, Veränderns und Reifens, bis es soweit ist. Tag für Tag wächst und reift die Himbeere.

Tag für Tag wandeln wir auf unserem Lebensweg. Entdecken. Erkennen. Verarbeiten. Trauern. Warten. Sind wütend. Zweifelnd. Zornig. Leer. Verstehen. Akzeptieren. Reifen. Genießen. Überwinden.

Das Leben traut uns die Überwindung schwerer Zeiten zu, sonst wären sie nicht da. Sie helfen uns, zu wachsen, uns weiterzuentwickeln und von alten, nicht mehr stimmigen Zuständen zu lösen.

Wenn das Leben mir zutraut, dies zu schaffen, könnte ich es selbst auch tun.

~ * ~ Ende des Schnupperauszugs der Juni-Impulse ~ * ~

Machen Sie mit!

Wenn Sie Feuer gefangen haben und ebenfalls zum Kreis der EmpfängerInnen gehören möchten, können Sie jetzt die Teilnahme buchen. Für insgesamt 6 Euro erhalten Sie von Juli bis Dezember 2014 jeden Monat eine Mail mit meinen Impulsen zu beiden Kalendern. Die Zusendung endet automatisch mit der Dezember-Mail. Preis inklusive MwSt. Versandkosten fallen nicht an.

Schreiben Sie mir bei Interesse einfach in einer Mail Ihren Teilnahmewunsch und Ihre Adresse. Ich schicke Ihnen eine Rechnung zu. Nach Überweisung der Gebühr nehmen Sie sofort an den Impulsen Juli bis Dezember 2014 teil.

Sie möchten alle Themen des Jahres 2014 als Kraftquelle für sich nutzen? Für weitere 6 Euro schicke ich Ihnen auch die Impulse zu den bereits per Mail erschienenen Themen des ersten Halbjahres Januar bis Juni 2014 zu. Die Themen des ganzen Jahres sind:

Tischkalender 2014 "Ich bin gut zu mir":

  • Langsam machen & Zeit lassen
  • Ansprüche & Leichtigkeit
  • Möglichkeiten (Ich stelle mir die beste Lösung vor)
  • Annehmen, was ist
  • Selbstliebe
  • Zutrauen in schweren Zeiten
  • Müßiggang als Kraftquelle
  • Selbstmitgefühl
  • Die eigene Leistung würdigen
  • Handeln, als ob ichs schon kann
  • Geben ohne Erwartungen
  • Mich selbst verwöhnen.

Tischkalender 2014 "Kurze Mediationen": Er umfasst kleine und einfache Übungen, die der regelmäßigen Mediationspraxis Monat für Monat näher bringen. Texte, Bilder und Gedanken dazu sind ebenfalls Teil der Impuls-Mail. Sie zahlen dafür nichts extra.

Sie erwerben mit der Teilnahme an den Impulsen folgende Nutzungsrechte: Sie können die Impulse für den persönlichen Gebrauch auf Ihrem Computer bzw. sonstigem elektronischen Gerät abspeichern und ausdrucken. Wenn Sie darüber hinaus den Inhalt oder Teile verändern, kopieren und Dritten privat oder kommerziell zur Verfügung zu stellen möchten, können Sie mir gerne schreiben, um eine weitere Honorarvereinbarung zu treffen.

Lieferzeitpunkt: Der Impuls wird in der Regel in einem Zeitraum von drei Tagen vor bis drei Tagen nach dem Monatswechsel verschickt. Bei Abweichungen (z.B. wenn ich Urlaub habe) wird die E-Mail vorher verschickt bzw. bei evtl. Krankheit wird der Impuls sobald wie möglich verschickt.

Machen Sie mit und schreiben Sie mir Ihren Teilnahmewunsch und Adresse: Mail.

Ich freue mich darauf, Ihnen zu antworten und Sie mit meinen Impulsen zu begleiten.

Herzlich,

Ihre Anja Kolberg

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Ich erlaube nicht, dass meine Texte und Bilder kopiert und außerhalb dieser Webseite genutzt werden. Wenn Sie das machen möchten, schreiben Sie mir, um eine Vereinbarung zu treffen.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Sonntag, 29 Juni, 2014
Thema: Blog - 2014, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Monatliche Impulse

Das Licht kommt zurück

Die längste Nacht, sie ist geschafft: Samstag Abend war Wintersonnenwende. 'Die Mitternacht im Jahreskreis' wie ich es treffend formuliert in einem Artikel über die Rauhnächte las. Das sind jene Nächte zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar.

Für mich fühlen sich diese Tage immer besonders an, ich kann es schwer in Worte fassen. Es ist, als herrsche ein anderer Rhythmus, als stehe die Zeit still und das Brausen des Alltags hält die Luft an. Ich mag diese Zeit sehr. Sie lädt ein, inne zu halten, innerlich (und äußerlich) aufzuräumen, Rückblick und Ausblick zu halten.

Das Leben ist so unglaublich spannend. Nicht immer lustig, leicht und fröhlich, sondern auch anstrengend, traurig, entmutigend - zumindest meines. Das alles sind nur Phasen, selbst die anstrengendsten halten nicht ewig an. Auch sie gehen vorbei - wie auch eine Nacht nicht ewig währt.

E-Card mit Text von Exupéry

So sind die Tischkalender und all die Texte hier in meinem Blog nicht nur dafür da, um Ihnen und anderen Menschen gut zu tun, zu bestärken für den eigenen Weg, sondern sie sind auch Begleiter für mich. Es sind Themen, an denen ich selbst auch arbeite oder die ich lernen will, an ihnen reifen und mich weiter entwickeln. Ich bin noch lange nicht fertig auf meinem Weg, es gibt noch ganz viel zu erleben, zu erobern, zu begreifen und auszuprobieren.

Gerade die schweren Strecken auf dem Weg sind die, die unsere äußeren und inneren Muskel trainieren, die uns stärker machen und gelassener mit künftigen Herausforderungen umgehen lassen. Mehr Kraft und Zuversicht für das, was vor uns liegt, wer kann das nicht gebrauchen?

Ich freue mich über das zurück kehrende Licht und die damit einhergehende Stärkung, die es auf unseren Organismus ausübt. Das passiert einfach so. Ein Geschenk der Natur. :o)

Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen schöne Feiertage und ein Jahr 2014, das Ihnen das zeigt und schenkt, was Sie brauchen, um sich weiter zu entfalten, um weiter zu erblühen, zu wachsen, zu genießen... Und das wünsche ich mir auch.

Alles Liebe!

Ihre Anja Kolberg

PS: Vielleicht melde ich mich dieses Jahr noch einmal hier im Blog, ich lasse es offen. Falls nicht, hier eine wunderschöne Jahresendgeschichte von mir.

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 23 Dezember, 2013
Thema: Blog - 2013, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Mitten in der dunklen Jahreszeit

Uh, heute früh war es um halb neun noch stockdüster und auch am Nachmittag ist es so früh schon dunkel. An manchen Tagen wird es gar nicht richtig hell...

Wenn ich mal nicht gut drauf bin, es dazu noch ständig halbdüster draußen ist, der Himmel mit dunklem Wolkendickicht verhangen, dann finde ich die dunkle Jahreszeit total doof.

Dabei gibt es Dinge, die ich nur dann, wenn es so usselig düster und kalt und nass ist, genießen kann:

  • Die Freude an schönem Licht im Zimmer, gleich ob Kerzenlicht oder elektrisches, hauptsache warm und hell.
  • Zu keiner Jahreszeit macht es so viel Spaß, ein heißes Bad zu nehmen - bei mir mangels Badewanne eine laaaaange heiße Dusche. Dazu ein gut duftendes Duschgel. Himmlisch. Ich liebe es, wenn mein Körper anschließend durch und durch warm ist. Dann in kuschlige, bequeme Lümmelklamotten hüpfen. Herrlich!
  • Überhaupt Wärme: Den Rücken an die Heizung lehnen, an den Füßen selbstgestrickte Socken, dabei etwas lesen oder mit jemandem telefonieren. Prima! Oder mich vor den Kaminofen auf den Boden setzen und in die Feuerstelle starren. Das tut nur bei Dunkelheit oder düstrem Himmel so richtig gut. Gut, es geht auch bei Sonnenschein, aber dann muss es für mich draußen knackekalt sein.
  • Tee: Seit einiger Zeit schütte ich mir morgens wieder eine Thermoskanne Tee auf, die Tasse für Tasse an meinem Schreibtisch geleert wird. Welche Teesorte ich nehme? Für einzelne Tassen bunt gemischt. Für die Kanne schneide ich mir von der frischen Ingwerknolle etwas ab, schäle es und brühe es auf. Er darf nur nicht zu lange ziehen, uh, dann wird der Tee arg scharf. Ist es nicht schön, die Hände an einer heißen Tasse aufzuwärmen?
  • Der Blick auf die Christrosen, die draußen in einem Kübel herrlich weiß blühen. So schön wie noch nie. Früher hatte ich gelb blühenden Winterjasmin im Garten und beim Spaziergang habe ich gestern rosa Schneeball gesehen. (Gibt es auch bei den E-Cards.) Es gibt eben Blüten, die bietet nur diese dunkle Jahreszeit. Der erste Ritterstern (Amaryllis) - diese sternförmigen großen Blüten sind ein Traum.
  • Ich habe nicht den Drang, im Garten etwas tun zu 'müssen'. Warum? Weil die Natur Pause macht. :o) Das ist so herrlich entlastend. Überhaupt lässt es sich am besten aufm Sofa rumlümmeln, wenns draußen richtig fieses, kaltes, dunkles Wetter ist. Schlafen, lesen, surfen, schöne DVD, telefonieren...

Früher dachte ich, Weihnachten ist Winter und danach muss es ganz schnell Frühling werden. Bis ich mir bewusst machte: Erst kurz vor Weihnachten - am 21.12. - beginnt der Winter. Bis dahin hat der Herbst sein Werk getan, die Blätter verfärbt, der Wind die Äste herrlich geputzt und vom Laub befreit. Auch die dunklen Novembertage und die Adventszeit - alles Herbst, Anja.

Wie wäre es, wenn ich den Winter mal bewusst genieße, die Ruhe, den Rückzug, der damit einhergeht, statt schon direkt nach Sylvester mit Neuem starten zu wollen wie der Frühling es macht? Der beginnt erst am 21. März! Bis dahin ist Winter, auch wenn ab der Wintersonnenwende nächsten Samstag die Tage wieder länger werden. Mach es wie die Natur, Anja. Zieh dich im Winter zurück, sammle deine Kräfte, bereite dich innerlich vor. Du hast Zeit und dafür ist diese Zeit da.

Der Winter schenkt mir auch so viel besonderes, was ich während der anderen Jahreszeiten nicht habe:

  • Die Atemwölkchen vor meinem Gesicht, wenn ich mit unserer Minu spazieren gehe und es ist richtig kalt.
  • Vom Frost glitzerndes Laub am Wegesrand. Überhaupt wie der Frost die Natur verändert. Manche Dinge putzt gerade er so richtig heraus, zum Beispiel Blattränder, Pfützen, Steine...
  • Die Vögelchen am Futterhäuschen meiner Oma - unmittelbar vorm Wohnzimmerfenster. Sie kann die gefiederten Weggefährten vom Sessel aus beobachten, ganz nah!
  • Handcreme. Ich liebe gut duftende Handcreme (z.B. von Weleda). Nur im Winter habe ich raue Hände und nur dann schmiere ich mir etwas darauf. Hmmm und dann schnüffle ich wie mein Hund wie gut das duftet...
  • Schneeflocken. Sie sehen bombastisch schön aus. Es gibt eine E-Card mit einer einzelnen Schneeflocke und auch auf dem Dezember-Kalenderblatt auf einem der Kalender ist eine einzelne Flocke auf einem Blatt gelandet. So schön!
  • Die Pracht der Bäume. Je älter ich werde, desto mehr fällt mir ihre Schönheit auf, wenn sie das Laub verloren haben. Denn nur dann kann ich auf alle Äste schauen, ihre Kronen betrachten. Sie haben dann ihren eigenen Reiz. Auf einem der neuen Tischkalender ist so ein besonderes Werk der Natur abgebildet.

Je mehr ich überlege, desto mehr positive Dinge fallen mir ein, die ich nur jetzt in der dunklen Jahreszeit so genieße. Da ist bestimmt noch mehr.

Anja, merke: Lese dir diese Liste durch, wenn's grad mal wieder düster am Himmel ist und ich daran so gar nix schönes finden kann... Vielleicht hilft es, diese schönen Dinge dann bewusst zu genießen.

Ich wünsche Ihnen und mir lichtvolle Momente an düstren Tagen

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Samstag, 14 Dezember, 2013
Thema: Blog - 2013, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Im Kokon. Zwischenzeit. Ungeduld. Vertrauen üben.

Hallo da draußen in der Welt,

es meldet sich eine mit sich sehr unzufriedene Anja Kolberg. Unzufrieden, weil ich gehofft hatte, im Januar zeigt sich, wie es konkret für mich beruflich weiter geht. Das ist aber nicht der Fall.

Ich habe vage Wünsche und sehe viele schöne Bilder in der Zukunft. Das ist ermutigend und stimmt mich zuversichtlich, ist aber noch viel zu unkonkret, um mich vorwärts zu bewegen. Denn dafür brauche ich ein klares Ziel - ein Thema, für das mein Herz schlägt. Dann gehe ich wie von alleine los. Und an diese Information komme ich nicht ran. Obwohl ich wirksame Methoden kenne, um dorthin zu kommen und um Blockaden aus dem Weg zu räumen. Doch das Leben es lässt sich nicht zwingen, wenn der Zeitpunkt noch nicht stimmt. (Hab's probiert.) Es geht nicht. Arg!

Diese Zwischenphase, in der ich mich befinde, kann ich gut mit dem Kokon eines Schmetterlings vergleichen. Nicht mehr Raupe. Noch nicht Schmetterling. Eine von außen unsichtbare Wandlung, die sich im Inneren vollzieht. Kein Liefertermin, wann der Schmetterling schlüpft.

Diese Situation fordert viel: Vertrauen haben. Mit meinen Ängsten, Sorgen, innerer Unruhe, Ungeduld und Unzufriedenheit umgehen. Darin bin ich überhaupt nicht gut, wenn ich mich diesem Prozess auch stelle.

Was ich gut kann, ist das Gegenteil: Auf ein Ziel mit Termin hinarbeiten mit großem Einsatz und Engagement. Menschen, die das tun, sind auch gesellschaftlich anerkannt. Auch das wirkt auf mich ein. Nicht-aktiv-sein ist gesellschaftlich anerkannt, wenn man Urlaub hat, krank ist, berentet oder Milliardär. Nix davon trifft im Moment auf mich zu. (Wobei mir klar ist: Den Stress mache ich mir selbst, kein anderer macht mir den.)

Diese Zwischenzeit - diese Warte- und Wandlungsphase - auszuhalten, fühlt sich an wie die Hölle, so anstrengend. Gemein. Erdrückend. Unkontrollierbar. Ich glaube nicht an die Hölle nach dem Tod. Wenn wir sterben, sind wir im Himmel, wo alles licht und hell und gut ist. Die Hölle ist eher hier auf Erden, denn für mich fühlt sich das Leben manchmal so an. So wie jetzt, weil es nicht so schnell voran geht, wie mein Verstand, meine inneren Antreiber es gerne möchten.

Mir wurde in den letzten Wochen bewusst, wie wertvoll es ist, eine Aufgabe zu haben im Leben. Klar zu wissen, das ist zu tun. Das gibt dem Leben Sinn. Und wie anstrengend es ist, keine Aufgabe zu haben, zumindest eine die für mich Sinn macht, mich erfüllt. Bis zu meiner Prüfung und während der Vorweihnachtszeit hatte ich letztes Jahr eine solche Aufgabe, ein klares Ziel. Seit Anfang Januar ist es still geworden. Ich weiß, es kommt was Neues. Aber wann? Wird es gut werden? Kommt es wirklich?

Meine Aufgabe ist, die Situation anzunehmen wie sie ist, sie nicht wegzaubern wollen, wegdrücken, wegdenken, wegtherapieren. Nein, Anja, auch eine noch 'bessere' Methode öffnet den Kokon nicht vor seinem Termin, es gibt auch keine Zauberworte, die das schaffen. Es gibt Situationen im Leben, die sind einfach schwer und brauchen Zeit.

Was wirklich ansteht, ist mit meiner Aufmerksamkeit im hier und jetzt zu sein. (Ich will diese Aufgabe nicht und finde sie doof!) Annehmen, wie es ist - MIT all dem Schmerz, der Unzufriedenheit und der gefühlten Ungerechtigkeit. Und mir in dieser Zeit Oasen schaffen, in denen es mir gut geht: Einen Ausflug in die Natur. Ein Frühlingsstrauß. Eine heiße Dusche mit duftender Pflege. Ein lustiger Film. Einem lieben Menschen das Herz ausschütten und angenommen werden in dieser Phase, so sein dürfen. Gerade weil es nicht dem Idealbild der Gesellschaft entspricht, auch nicht meinem eigenen.

Ich kann solche Warteschleifen auch nicht genießen. Dafür bräuchte ich einen terminierten Zeitraum, wo ich klar weiß: Am Tag X geht es weiter, bis dahin passiert nix und es kann auch nicht beschleunigt werden. So etwas geht im Rahmen einen Urlaubs, einer geplanten zeitlich begrenzten Auszeit, wo schon vorher klar ist, mit welchen Projekten es anschließend weiter geht. In einer Veränderungs- und Wandlungsphase ist ein klarer Endtermin nicht möglich. So wie es auch in der Natur nicht möglich ist, vorauszusagen, an welchem Tag etwas bestimmtes passiert. Natur ist nicht vorherbestimmbar. Eines der letzten Geheimnisse. Und ich begebe mich durch meinen Wunsch nach einer stimmigen und sinnvollen Veränderung in die Hände von Mutter Natur. Das bedeutet auch: Keinen Fixtermin. Keine Gebrauchsanweisung. Keine Kontrolle.

Klick zum Kalender

Auf dem Januarblatt meines Kalenders 'Ich gehe meinen Weg' steht: 'Ich habe Geduld mit mir.' Der Satz hilft mir, liebevoll mit mir umzugehen. Vertrauen zu üben, dass sich alles entwickelt und zeigt und Stehenbleiben und Innehalten auch wichtig ist. Dabei fällt mir das Bildnis des Grashalms wieder ein, der nur durch seine Ruhephasen die Stabilität entwickelt, um weiter sicher in die Höhe wachsen zu können. In der Ruhephase bildet sich ein Knoten, der dem Grashalm die notwendige Stabilität verleiht.

Ich befinde mich gerade in dieser Knötchenbildungsphase. Ich bin die Masse im Schmetterlingskokon, dessen Entstehungsprozess man nicht beschleunigen kann - durch keine Interventionstechnik der Welt. Es hilft nur annehmen und akzeptieren und warten. Geduld haben und Vertrauen in den Prozess des Lebens. Im Moment ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, zu schlüpfen. Selbst wenn die Schale schon angebrochen ist, braucht der Schmetterling auch noch den Befreiungsprozess, um Blut in seine Flügel zu pumpen, damit er fliegen kann. Die Natur hat es so angelegt, dass er sich selbst helfen kann. Zum richtigen Zeitpunkt hat er die Kraft dazu.

Diese Kraft der Wandlung im Kokon zwischen den Welten der Raupe und des Schmetterlings bringt uns in andere Welten, in eine andere Dimension unseres Lebens. Es spielt keine Rolle, wie lange wir für diesen Prozess brauchen, jeder hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene innere Uhr. Wir sind alle unterschiedliche Schmetterlinge. Kein einziger ist wie der andere. Jeder ist einzigartig mit einem eigenen inneren automatisch ablaufenden Zeitplan.

Ich kann liebevolle Beobachterin dieses Prozesses sein. Wie eine Hebamme, die nicht zwingt, sondern mit Wärme, Zuversicht, Trost, Zuhören, Annehmen, Aufmerksamheit, Liebe, Da sein und Verständnis hilft, diesen Prozess auszuhalten, durchzustehen. Mir wohlwollend zureden, meinen Schmerz wahrnehmen und annehmen als Teil des Ganzen. Es darf schwer sein. Ungerecht. Kaum aushaltbar. Wissend, es ist Teil des Lebens. Leben ist eine Kraft, die sich zum richtigen Zeitpunkt von alleine entwickelt, zum Licht, zum Guten und in eine nächste Entwicklungsstufe.

In diesen gefühlt nicht-endlichen Wandlungsphasen setze ich mich mit mir selbst auseinander. Es gibt keine Zeit wo ich mehr Tagebuch schreibe, als in für mich schwierigen Zeiten. Wo ich Traurigkeit spüre, sobald ich auf andere Menschen schaue, die es augenscheinlich leichter haben, die jünger sind, schon mehr erreicht haben - scheinbar viel glücklicher und erfolgreicher sind. Es tut weh, auch wenn ich weiß, dieser Blick von außen ist immer nur ein Teil der ganzen Geschichte. Jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Meine Seele - also ich - habe mir diesen Weg ausgesucht. Mit all den Herausforderungen. Weil ich lernen will. Mich weiterentwickeln. Mich selbst in schwierigen Zeiten annehmen wie ich bin. Mich lieben wie ich bin. Auch wenn ich Angst habe, traurig bin, neidisch, unter selbstgemachtem Druck stehe.

So geht es mir gerade. Mal gut. Mal schlecht. Tief innen voll Zuversicht. Und im Bewusstsein mit gemischen Gefühlen. Ich nehme mir all den Druck eines Zeitpunktes und nehme es jetzt an wie es ist: Unklar. Offene Fragen. Unsicherheit.

Die Schneedecke ist Vergangenheit. Bald werden die ersten Frühjahrsblumen vorwitzig nach draußen gucken, die Vögel zwitschern. Die Natur entwickelt sich ohne menschliches Zutun, durch die steigende Anzahl heller Stunden am Tag, durch Sonnenlicht, Wärme. Automatisch passiert das einfach. Das hat auch eine Wirkung auf mich, meinen Körper, meine Seele und dann entfaltet sich auch mein Inneres wie ein wundervoller Farnwedel ins Licht.

In Liebe und Erfurcht vor dem Leben
grüßt Sie ein übender, ungeduldiger Bald-Schmetterling

Anja Kolberg

*** Der Februar-Impuls erscheint morgen, Samstag. ***

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 31 Januar, 2013
Thema: Blog - 2013, 1. Halbjahr, Blog - Berufliche Orientierung, Blog - Dunkle Tage

Der längste Tag - 2012 & das Leben

Gestern war der längste Tag im Jahr. Das wurde mir erst bewusst, als es bereits dunkel war und die Spätnachrichten dies meldeten. Sonst denke ich immer vorher daran. Dieses Jahr ist es untergegangen.

2012 - ein Jahr der Veränderungen. So nannte es eine Freundin von mir. Stimmt. 2012 bewegt sich so viel wie Jahre nicht in meinem Leben. Ich arbeite konzentriert auf ein Ziel zu, das nimmt Zeit ein. Ich lerne viel Neues, das neue Räume öffnet und ich lerne viel über mich selbst. Eine gute und intensive Zeit.

Das Haus neben unserem Haus wird seit Januar zum Teil abgerissen und wieder aufgebaut. Manchmal bedeutet das Baulärm von 7 Uhr morgens bis vier oder fünf Uhr am Abend. Ich bin so froh, wenn endlich Ruhe ich. Noch nie habe ich das Wochenende so gebraucht, um Stille zu tanken.

Da ich ein sehr geräuschempfindlicher Mensch bin, wusste ich nicht, wie ich mit dieser Belästigung umgehen soll, um trotzdem im Haus bleiben zu können. Ich habe meine Phantasie eingesetzt, das hat mir manchmal geholfen. Wie? Ich habe versucht, die Schlag-, Bohr- und anderen undefinierbaren Geräusche, die unser Haus durchhallen, umzudeuten in ein 'positives' Geräusch. Zum Beispiel habe ich mir vorgestellt, dass sie nicht nur 'krankes' am Haus nebenan entfernen, sondern dies imaginär gleichzeitig auch an meiner Seele oder meinem Körper passiert. Dass zum Beispiel alte Schlacken wie beim Heilfasten entfernt werden. Vielleicht eine Form der Selbsthypnose. :o)

Geklappt hat es auch oft nicht. Wenn mehrere Stunden am Tag und das mehrere Tage hintereinander einen Schlaghammer oder auch ein normaler Hammer die Zwischenwand zwischen zwei Häusern behandelt oder anderes Mauerwerk, der die Wände fibrieren lässt und so laut ist, dass man nicht mehr telefonieren kann... So viel konnte doch gar nicht an Schlacken bei mir abgebaut werden, da war dann auch meine Phantasie am Ende ...

Die bisher schlimmste Erfahrung war wie morgens um 7 Uhr unerwartet der Dachstuhl auf das Haus gesetzt wurde (wir schlafen auch unterm Dach). Ich war noch im Tiefschlaf und auf einmal ohrenbetäubender Lärm, es fühlte sich so an, als laufen auf einmal zehn Bauarbeiter durchs Schlafzimmer. An dem Tag war ich nicht mehr zu gebrauchen. Da spüre ich meine Hochsensibilität in vollem Umfang. Obwohl - es hätte auch jedem "normal" empfindenden etwas ausgemacht.

Ich freue mich auf jede stille Minute, jeden Feierabend, jedes Wochenende und jede ruhige Nacht. Und jede Sekunde, wo ich unseren Garten wirklich nutzen kann, ohne durch sehr unangenehme Gerüche oder zu extreme Geräusche daran gehindert zu werden.

Was für ein Jahr. Von 2010 habe ich behauptet, dass noch keines vorher so heftig war, es könne nur besser werden. 2011 wurde noch schlimmer und ich dachte mir, jetzt kann nichts mehr kommen und blickte hoffnungsvoll auf 2012. Und das - ist alles andere als einfach. Eine enorme Herausforderung.

Seufz. Vielleicht schreibe ich dann im Blog am wenigsten, wenn es in meinem Leben am heftigsten ist? Weil ich meine Gefühle nicht verbergen kann und nicht zeigen will. Weil ich einen Schutzraum brauche und Rückzugsort?

Der Monat Juni steht unter dem Motto: 'Ich erfülle mir meine Bedürfnisse.' Das habe ich geschafft oder schaffe ich immer besser. Wenn der Baulärm zu heftig war, bin ich raus in die Natur und habe meine Arbeit liegen gelassen. Oder ich habe mich aufs Sofa gelegt und einen Film angeschaut, obwohl erst Mittag war, aber es ging einfach nichts. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Also Kapitulation und mir selbst etwas Gutes tun. Ich muss nicht erst körperlich krank sein, um mich tagsüber aufs Sofa zu legen. Das schlechte Gewissen klingelt immer weniger an. Ich weiß, wenn es mir gut geht, kann ich effektiv und konzentriert sehr viel schaffen und arbeiten. Um so wichtiger, mich selbst 'in Schutz' zu nehmen, wenn ich nicht so leistungsfähig bin.

Also weg vom 'Da musst du jetzt durch. Stell dich nicht so an.' hin zu 'Ich schaffe es im Moment nicht. Das ist ok. Was brauche ich wirklich?' Was für ein schönes Erlebnis, wenn ich dann am nächsten Tag bei guter Stimmung das liegengebliebende Pensum locker schaffe.

Ich achte mehr auf meine unterschiedlichen Rhythmen an Leistungsstärke und -schwäche und erlaube mir, meine Arbeit dem anzupassen. Großzügig und nachgiebig sein, wenn ich mich nicht konzentrieren kann (trotz Pausen) und darauf achten, wenn es mir gut geht, dass ich die Pausen nicht vergesse.

Ganz wichtig für mich: Mich genau so lieb zu haben, wenn ich mal nicht so fit bin und mich deswegen nicht abzuwerten. In unserer Gesellschaft wird Leistung belohnt. Das führt zu Stress und Krankheiten. Ich will das nicht mehr. Ich will mich annehmen wie ich bin - egal wie ich bin. Das gelingt mir - gerade wenn ich nicht so bin, wie ich es gerne hätte - nicht oft, aber immer häufiger. Und das ist wundervoll!

Ein neuer Tag beginnt. Neue Möglichkeiten, sehr lieb zu mir zu sein. Ich will sie ergreifen.

Von Herzen,

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 22 Juni, 2012
Thema: Blog - 2012, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Wie bekomme ich eine Wende in traurige Gedanken?
Die Geschichte von der kleinen blauen Blume

Wenn dunkle Gedanken wie schwere Wolken am Himmel nicht verschwinden wollen - hilft vielleicht die Geschichte der kleinen blauen Blume für frischen Wind und andere Gedanken. (Ich hatte sie im letzten Newsletter im Herbst 2010 veröffentlicht, nun steht sie auch im Blog.)

Ein kleines blaues Blümchen steht auf einer Wiese, genießt die wärmenden Strahlen der Sonne. Es bekommt Besuch von einem Schmetterling. Mit ihm zusammen wiegt sich das Blümchen im sanften Wind. Weiße Schäfchenwolken wandern über den blauen Himmel. Vogelstimmen hallen vom nahen Laubwald über Grashalme, Spitzwegerich und Löwenzahn bis zu der kleinen Blume hin. Sie fühlt sich wohl bis sie beginnt, sich mit den anderen Pflanzen zu vergleichen und spürt, dass sie anders ist als all die Pflanzen um sie herum, die meist in großen Gruppen leben. Die blaue Blume fühlt sich einsam. "Kennst du eine Blume, die so ist wie ich?", fragt sie den Schmetterling. Der überlegt lange. "Nein, ich kenne keine wie dich.", sagt er und fliegt davon.

Die blaue Blume ist traurig. 'Ich will auch so sein wie alle anderen. Ich will nicht anders sein.', denkt sie und fühlt wie sich Tränen in ihrer Blüte sammeln. Dadurch wird ihr Kopf ganz schwer und hängt tief und tiefer hinunter.

So hängt sie mehrer Tage kopfunter in der Wiese. Der Rücken schmerzt, sie fühlt sich immer unwohler.

Da erblickt sie auf dem Boden zwischen den Grashalmen einen klitzekleinen Käfer, der ein wenig humpelt. An einem kleinen Stöckchen, das er über den Panzer trägt, hängt ein kleines Blätterbündel. Sie überlegt, was da wohl drin sein mag.

"Hallo", spricht sie ihn an. "Wer bist du?" "Ich bin der Trolle. Und wer bist du?" "Ich bin die Blues."

Der Käfer guckt neugierig nach oben: "Ich hab noch nie einer Blume ins Gesicht sehen können. Alle tragen immer den Kopf zur Sonne hingewandt. Brauchst du die Sonne nicht?" Die Blume überlegt erschrocken: "Doch, ich glaub schon, aber ich bin so traurig und darüber ist mir der Kopf so schwer geworden." "Warum bist du traurig?", fragt Trolle. "Weil ich mich so einsam fühle und ich mir jemanden wünsche, der fühlt wie ich und mich so mag wie ich bin." Trolle richtet sich auf, stemmt die Beinchen in seinen Panzer und guckt sich Blues genau an: "Magst du dich denn?" Blues merkt, wie ihr Kopf noch schwerer wird und weiter nach unten sinkt: "Nein", sagt sie traurig. "Warum magst du dich nicht?" "Weil, weil, weil... Ich weiß es nicht. Ich fühle mich einfach nicht gut. Alles fühlt sich um mich herum sinnlos an und leer." "Hm", hört der kleine Käfer zu und sagt dann: "Ich glaube, du hast Angst, Blues."

Blues guckt ihn erstaunt an und schüttelt ganz kräftig den Kopf: "Nein, das kann nicht sein. Wovor sollte ich denn Angst haben?" Trolle: "Du hast Angst, dass du nicht gut genug bist, so wie du bist."

Blues überlegt und spürt: "Ja. Das stimmt." Unbemerkt hat sie sich einige Zentimeter aufgerichtet, durch das Schütteln sind Wassertropfen von ihrem Kopf geflogen und er ist leichter geworden.

"Weißt du was?", brüllt Trolle von unten, denn jetzt hat er den Eindruck, die Blume kann ihn nicht mehr so gut hören. "Ja, was denn?", mit einem klitzekleinen Lächeln guckt Blues Trolle an. "Ich komm jetzt mal zu dir. Darf ich?" "Ja, gerne", freut sich die Blume und ruckzuck sitzt der Käfer auf ihrem Kopf. "Darf ich auf dir Wippen?" "Ja, wenn du magst." "Au ja, ich liiiiiiiiiiiiiiebe Blumenwippen!", jauchzt der Käfer, hält sich an den Blütenblättern fest und beginnt in dem weichen gelben Zentrum der Blume auf und ab zu hüpfen. Das bringt Blues zum Lachen und sie verliert immer mehr Tropfen, ihr Kopf wird leichter und leichter, richtet sich immer mehr auf und der Sonne zu. "Aaaaaah, war das schön!", grunzt Trolle und legt sich in das weiche Innere von Blues auf das gelbe Pollenbett und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. "Darf ich noch was liegenbleiben?", fragt Trolle. "Oh ja, das ist schön", seufzt Blues und gemeinsam verbringen sie viele Sonnenstunden an diesem Tag miteinander.

Während dessen hat die blaue Blume ganz vergessen, dass sie traurig und einsam war. Auch der Inhalt des Blätterbeutels ist nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur, dass sie sich deswegen getraut hat, ihn anzusprechen und so raus aus ihrem Tief gekommen ist.

Nachdem ich mir diese Geschichte ausgedacht und aufgeschrieben hatte, sah es in mir so aus:

Strahlende Gesichter. Was für eine schöne Wende! So steckt in jedem Tief auch die Chance für ein Hoch. Die beiden Teile gehören zusammen wie Ying und Yang. Wenn ich mitten in einem Tief bin, kann ich mir nur schwer vorstellen, bald wieder fröhlich zu sein. Hier habe ich erlebt, dass schon eine kleine Geschichte eine rasche Gemütsänderung bewirken kann...

Anja Kolberg

 © 11/2010 geschrieben von Anja Kolberg. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe gleich welcher Art verboten. Wenn Sie auf diesen Beitrag hinweisen möchten, können Sie einen Link hierhin setzen:
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Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 26 April, 2011
Thema: Blog - 2011, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Heute mal ohne Schwung

Guten Morgen da draußen in der Welt!

Heute fühle ich mich nicht gut. Bin müde, obwohl ich lange genug geschlafen habe. Ich habe eine dunkle Wolke vor und über meinem Kopf. Draußen ist es so düster. So wirkt auch das Wetter nicht wirklich stimmungsaufhellend. Mein Mund weist heute früh eindeutig Angela Merkel Züge auf. Obwohl ich mich schon bewegt habe, um hier an den Schreibtisch zu kommen und schon einiges getan habe, fühlt sich mein Körper an, als schläft er noch. Mein Geist ist wach, aber auch nur so wach, wie er sein muss. Er signalisiert mir deutlich: Ich habe keine Lust!

Vielleicht ändert sich das, wenn ich mal draußen mit dem Hund meine Runde an der frischen Luft gemacht habe, was Schönes (*Daumen-drück*) im Postfach gefunden habe oder ich eine schööööne heiße Tasse Kaffee getrunken und etwas gegessen habe.

Vielleicht. Vielleicht bleibt dieser Dämmerzustand auch den ganzen Tag? Nein. Schüttel mit dem Kopf. Nein.

Im Moment befinde ich mich zwischen zwei Projekten. Oben sehen Sie meine Einsatzkurve in meinem derzeitigen Projekt: Den Kalendern. Ich befinde mich gerade hinter der pinken Phase, also auf dem Weg zu mehr Ruhe, weniger benötigter Zeit. Die meisten Kalender verkaufe ich in der Adventszeit und vor Weihnachten. Da ist meine volle Aufmerksamkeit und Zeit gefragt, damit bin ich gut beschäftigt. Doch genau in dieser Phase kam noch der Schnee dazu und der Beinbruch meines Mannes, der seit dem liegen muss.

Das bedeutete: Alles hing auf einmal an mir. Ich bin stolz, dass ich das alles geschafft habe, sogar einen Weihnachtsbaum habe ich noch gekauft und aufgestellt. Dabei blieb aber auch etwas auf der Strecke: Ich selbst. Dafür war kaum Zeit und diese Situation hat mir eine ganze Gefühlspalette beschehrt...

Das war vor Weihnachten. Inzwischen hat sich hier zu Hause alles eingespielt, das gibt mir Ruhe. Der Schnee ist weg, das schenkt mir Zeit. Und das Kalendergeschäft ist nicht mehr so intensiv wie noch vor Weihnachten. Und plötzlich stehe ich da, in meinen Knochen noch immer die Energie, die zuvor gebraucht wurde, jetzt aber nicht mehr so gebraucht wird:

Ich habe mich an die Belastung gewöhnt. Und spüre jetzt ein Energieloch, mit dem ich erst mal nicht richtig was anzufangen weiß. Ich kann mir auf einmal auch meine heutige Müdigkeit erklären. Mein Körper holt nach, was er in den letzten Wochen geleistet hat. Wie nach einem langen Marathonlauf muss ich erst mal auslaufen und langsam wieder runter kommen, die Energiereserven auffüllen. Kein Wunder, dass ich mich so schlapp fühle!

Zeit, umzudenken, umzupacken. Die Aufgaben des Tages passen inzwischen alle gut in meinen Rucksack hinein.

Und jetzt mache ich mich auf, das abzuholen, was zurückbleiben musste in dieser extremen Zeit: Ich selbst!

Jetzt weiß ich, wofür es sich lohnt, den Tag schön zu machen: Für mich selbst! So lange musste ich hintenanstehen und Lasten tragen, die mir zu viel waren. Es ist Zeit, wieder mehr auf mich zu achten, zu schauen, was ich will, was mir gut tut.

Ich liebe dieses Bild. Vereint mit meinem Inneren. Gemeinsam gehen. Was mag wohl alles in diesem wundervollen blauen Ich sein? Ich sehe uns schon immer breiter grinsen, schneller laufend, lachend, die Arme hochgerissen, auf einer Wiese hopsend und ins Gras plumsend. Ausgelassen. Fröhlich. Jauchzend.

Meine Wundertüte Ich & Ich.

Anja Kolberg

PS: Eines ist sicher: Jetzt bin ich hellwach! :o)

Direktlink zu diesem Artikel: https://www.anjakolberg.de/archives/2011/01/entry_6637.html

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 12 Januar, 2011
Thema: Blog - 2011, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Durchatmen.

Aus der Versenkung melde ich mich endlich wieder!

Die letzte Woche ging vorbei wie ein Fingerschnippen. Sonntag Abend letzte Woche hatte ich das Gefühl, so langsam einen Rhythmus gefunden zu haben, mit dem ich Haushalt, Hund und die Besuche und Besorgungen für meinen Mann im Krankenhaus gut bewältigen kann. In der Nacht auf Montag konnte ich mal wieder nicht einschlafen, weil ich Angst hatte (trotz meiner Mutparolen im Blogbeitrag). Also habe ich gut für mich gesorgt und gerne - und auch ohne Wind - bei Minu im Wohnzimmer geschlafen. Es war ein schönes Gefühl, so beschützt zu sein. Wir hatten beide unseren Spaß daran. :o)

 

Montag weckte mich das Läuten des Telefons. "Du kannst mich um zehn Uhr abholen. Ich werde heute entlassen." Das war eine Überraschung, ich war ziemlich überrumpelt und gleichzeitg froh, dass mein Mann wieder nach Hause konnte.

Seit diesem Moment versuche ich, ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Denn mein Mann durfte zwar nach Hause, aber nur unter der Auflage, dass er liegen bleibt. Zum Glück haben wir Bad und das große Sofa auf einer Etage. Mit seinen Krücken darf er gerade mal ins Bad, den Fuß jedoch weiterhin nicht aufsetzen. Seufz. Die Konsequenzen habe ich diese Woche erlebt. Mir wurde deutlich der Unterschied bewusst, ob ich mir die Arbeit mit einem Menschen teile oder alles alleine machen muss. Zusammen mit dem Schnee in Köln war das eine ganz schöne Packung.

Heute Nachmittag taucht endlich das Gefühl auf, dass ich so langsam wieder einen neuen Rhythmus finde. Mehrmals in den letzten 14 Tagen hatte ich das Gefühl, über ein gesundes Limit hinaus belastet zu sein.

Für meinen Mann ist es auch eine Herausforderung, denn ihm fällt es nicht leicht, weiter liegen zu bleiben. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Insgesamt sechs Wochen bleibt der Gips, dann kommen die Stellschrauben raus. Der Bruch war wohl insgesamt schlimmer als gedacht. Wir sind heilfroh, dass weiterhin alles gut verheilt.

Eine herrliche Überraschung war für mich diese Woche, richtige Post zu bekommen. Ich empfinde es wirklich so, als würde jemand ein Licht im Dunklen anzünden, das nicht nur mein Gesicht erhellt, sondern mir auch Wärme spendet. Briefe lesen, Karten und Gedichte. Das liebe ich. Jede einzelne Zeile, auch in Ihren Mails, schenkt mir Energie. Im Paket waren neben Blumensamen und anderen schönen Dingen auch selbst gebrannte Mandeln (siehe E-Card oben). Himmlisch!

Klick zum Shop

Ich hatte so ein Glück heute früh: Ich stellte mir vor, ich gehe zur Post und da ist entgegen den letzten Tagen keine lange Schlange. Ich kann viele frische Briefmarken für die nächsten Aufträge im Shop kaufen. Ganz leicht. Und wissen Sie was: So war es auch. Juchu! Juchu! Juchu! Ich hatte wirklich den richtigen Moment abgepasst, denn als ich die Post verließ, standen mindestens zehn Menschen in der Schlange! Jetzt habe ich genügend Porto bis zum neuen Jahr. :o)

Hier im Büro lichten sich so langsam die Reihen, viele Kartons sind geleert. Die nächsten Kalender sind bereits in Schutzfolie verpackt und neue Geschenkkartons mit Postkarten bestückt. Die Bestellungen vergangene Woche bearbeiten, das war meine Krafttankstelle. Diese Arbeit hat mir so unglaublich gut getan und mich durch die Woche getragen. Mein Rettungsanker. Mein Glück.

Gut, dass ich die Möglichkeit hatte, darin Energie zu tanken.

Im Laufe vom heutigen Samstag vormittag spürte ich, wie immer mehr Anspannung von meinen Schultern fiel, weil ich mein Gleichgewicht endlich so langsam zurück gewann. Ich fragte meinen Mann heute Mittag, ob er ein Stück Kuchen mag und so machte mich auf den Weg, welchen zu besorgen. Dabei packte ich, obwohl ich erst nicht wollte, meine kleine Kamera ein. Auf dem Weg betrachtete ich, was der Schnee für schöne Motive gezaubert hatte. Denn wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, nehme ich mir wirklich Zeit, genau hin zu schauen.

Herrlich, dieser Spaziergang durch den Schnee. Nur ich. Das hat mir so gut getan.

 

Blauer Himmel. Sonnenschein. Schnee. Knirschende Geräusche unter den Füßen. Angenehme Kälte im Gesicht. Viele schöne Kleinigkeiten, die mir Freude machten, so zum Beispiel dieser Schnee-Apfel-Baum:

 

Auf den Äpfeln, die noch am Baum hingen, dicke Schneehüte. Die Vögel hatten daran ihren Spaß und Gaumenschmaus.

Nach dem Spaziergang mit mir alleine und meiner Kamera geht es mir viel viel besser. Noch mehr Anspannung ist abgefallen. Ich habe gespürt wie wichtig es ist, mir selbst eine Freude zu machen. Da passt heute schon das Kalenderblatt des Wandkalenders für Januar:

Ich mache mir eine Freude. Wandkalender Januar 2011.

Ich habe in den letzten 14 Tagen so viel gelernt. Wenn jemand krank war, habe ich immer auf den Kranken geschaut und mich hauptsächlich dafür interessiert, wie es ihm geht, nicht darüber nachgedacht, was dies für sein Umfeld, für die Angehörigen bedeutet. Nun habe ich ein Gespür dafür bekommen, was dies auch für die Angehörigenfür eine Umstellung und auch Belastung ist. Eine neue Erfahrung.

Ich freue mich sehr auf die kommenden Tage, die letzten Tage vor Weihnachten. So langsam entwickelt sich Weihnachtsstimmung und diese herrliche Jahresendstimmung.

Zum Irland-Thema gibt es ein paar neue Erkenntnisse. Jetzt, wo ich mich in der neuen Situation eingefunden habe, wird es mir wohl gelingen, all die liegen gebliebenen Dinge abzuarbeiten und die neuen Nachrichten Anfang der Woche zu posten.

Ich habe die Weihnachts-E-Cards ins Netz gestellt. Viel Freude beim Versenden!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Samstag, 18 Dezember, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Notfallprogramm gegen Novemberblues

Mitten im Spaziergang startete mein Erste-Hilfe-Programm:

Petrus hatte ein Einsehen: Der Regen hörte auf. Meine Laune stieg um einen halben Punkt. Vorher war sie auf meiner Stimmungsskala von 1 (puh) - 10 (juchu) auf einer 1,5 - dank trockenem Spaziergang bei einer 2.

Am Postfach dann - ein einziger Brief. Aber der war soooooooo schön!

 

Der Brief einer Blogleserin auf meine Wunschaktion. Oh, was für eine gelungene Überraschung. Ich konnte nicht bis zu Hause warten, habe ihn gleich in der Post verschlungen. Hm, inklusive Ringelblume aus dem Garten, die sogar noch duftete. Danach war meine Launometer auf einer 7, gestiegen um 5 Punkte!

Auf meinem Spaziergang entdeckte ich an einer Buche auf meiner Augenhöhe viele Wassertropfen, die an klitzekleinen Ästchen hingen. Das sah zauberhaft aus. Machte glatt einen Punkt aus!

Dann ab in die Bäckerei. Leider gab es "mein" Lieblingsherz nicht. Schnief. Launometer geht einen Punkt runter. Als Ersatzbefriedigung gab's eine Apfeltasche. Einen halben Punkt hoch, weil sie so gut aussah.

Dann zwei Läden weiter rein in Petras Blumenladen. Auf meine Frage, ob Sie etwas Blühendes hat, das gegen meinen Novemberblues hilft, zauberte sie mir diesen schönen Blumenstrauß:

 

Oben drauf gab's noch ein süßes Daumenkino, oh, das war eine Freude! Machte glatt 5 Punkte auf meinem Launometer nach oben! Da blinkte es gleich vor Freude, denn die 10 war überschritten!

 

Zur Sicherheit habe ich mich noch mit einer Tafel meiner Lieblingsschokoladensorte Trauben-Nuss eingedeckt, die ich zu Hause gleich mal probiert habe.

 

Ja, die kann mir helfen, wenn der Blues wieder an mir hochkriecht.

 

Ah, wenn ich das graue Wesen da so sehe, tut's mir glatt leid. Vielleicht möchte es mir gar nix böses? Ist mir jetzt aber egal, keine Lust auf einen Plausch. Nein, wirklich nicht. Neihein! Nein. Nein. Nein. Nein, ich will nicht. Oh Manno! Das graue Dings hört nicht auf zu nerven. Also gut. Lass uns reden.

Ich: Also, was willst du?
Novemberblues (kurz Noblu - ist mir auf die Dauer zu lang): Sag ich dir nicht. So nicht. Wenn du mich so böse anguckst, sag ich dir gar nichts. Da wird dir auch die Schokolade nichts helfen, hast du verstanden???!

Ich (ziemlich genervt): Dann eben nicht. Tschö!
Noblu: Wie du willst. Wirst ja schon sehen, was du davon hast.

Ich (langsam wütend): Weißt du was, du kannst mich mal gerne haben.
Noblu: Du mich immer zweimal mehr.

Ich: Du nervst.
Noblu: Danke gleichfalls.

Ich (merke, dass es so nicht weitergeht. Atme tief ein und aus.): Okay Nervensäge. Lass uns Frieden schließen.
Noblu: Nö, so nicht!

Ich (verdrehe die Augen im Kopf. Nochmal. Stöhne genervt. Atme nochmal tief durch. Denke nach.): Du gehtst mir auf den Keks.
Noblu: Da kann ich doch nicht für!

Ich (stemme die Hände in die Hüften): Natürlich! Wer denn sonst!
Noblu: Na du selbst!

Ich: Ja, aber weil DU da bist, habe ich keine gute Stimmung.
Noblu: Ja, mag sein, aber für die schlechte Stimmung bist du selbst verantwortlich, nicht ich.

Ich: Na toll! So einfach möchte ich es mir auch mal machen! (Äffe seine Worte anschließend genervt nach.)
Noblu (Stemmt jetzt seine Ärmchen in die Hüften. Wird größer.): Pass mal auf!

Ich: Nein, pass du mal auf! So geht es nicht weiter. Wegen dir haben ganz viele Menschen schlechte Laune. Nicht nur ich. Ganz viele Menschen leider unter dir! Du bist schuld! Nicht wir!
Noblu: Du begreifst es einfach nicht, oder? Hast du nicht zugehört, was ich dir gesagt habe? Du bist für deine Laune verantwortlich, nicht ich.

Ich (seufze so genervt wie es eben geht, lenke mich mit Lesen von E-Mails ab, um einen klaren Kopf zu bekommen.): So. Jetzt aber. Was möchtest du mir sagen?
Noblu: Dass du für deine Stimmung verantwortlich bist. Es gibt Menschen, die nehmen zwar auch die Dunkelheit dieser Zeit wahr, aber sie sorgen dafür, dass es ihnen gut geht. In dieser dunklen Zeit sorgen sie ganz besonders für sich selbst. Eben weil die Sonne nicht scheint und gute Laune verbreitet. Weil der bunte Sommergarten mit seinen Düften nicht für Aufhellung sorgt. Sie schauen ganz genau hin, was ihre Stimmung verbessern könnte, probieren aus, so lange bis es ihnen besser geht.

Ich: Also so wie ich es eben gemacht habe?
Noblu: Ja, genau so. Ich bin dafür da, damit du lernst, noch besser für dich zu sorgen. Ob jetzt die Umstellung der hellen auf die dunkle Jahreszeit dir zu schaffen macht, ob in deinem Umfeld irgend etwas ist, dass dir Sorgen bereitet oder irgendwelche Nachrichten dich traurig machen: Du bist für deine Stimmung verantwortlich. Wenn die Bedingungen - so wie ich sie dir mit Dunkelheit und Regen biete - nicht gut für dich sind, dann ist das ein klarer Auftrag für dich, aus deinem gewohnten Alltag auszubrechen und dein Handeln so zu verändern, dass es dir gut geht. Dass kann ein Ritual sein wie eine heiße Tasse Tee bei Kerzenschein, lange und heiß Duschen, den Kaminofen schon vormittags anmachen, damit sich eine kuschlige Wärme ausbreitet, ein Strauß Blumen, der Besuch bei Menschen, die du magst, telefonieren, was schönes Essen, ja auch Schokolade, wenn du das magst, dass kann ein Duft sein, der dir gut tut wie die Sanddorn-Handcreme, die du eben genutzt hast, das kann Musik sein... Was auch immer. Wichtig ist, dass du registrierst: "Die Bedingungen tun meiner Stimmung im Moment nicht gut. Ich muss was für mich tun."

Ich: Okay, das habe ich verstanden. Eigentlich bräuchte ich im Dezember keinen Adventskalender, weil es da so viel schönes gibt. Ich bräuchte einen Novemberkalender, um mit Freude durch die dunkle Zeit zu gehen.
Noblu: Dann merk dir das für's nächste Jahr, dass du das brauchst. Mach dir eine Notiz in deinem Kalender.

Ich: Habe ich gemacht. Eben habe ich gelesen, dass heute der Todestag von Robert Enke ist.
Noblu: Ja. Es geht vielen Menschen in "meiner" Zeit nicht gut. Ich gehöre zum Leben dazu. Die dunkle Jahreszeit gehört zum Leben dazu. Wenn die Sonne scheint, die Blumen blühen, die Kräuter duften, die Vögel zwitschern, dann strömt so viel Positives auf die Menschen ein, was gute Stimmung macht. Da ist so viel Energie, die von außen kommt, dass die Menschen selbst gar nichts tun müssen, um gute Laune zu entwickeln. Die dunkle Jahreszeit - und ich gehöre zum ersten Monat, wo es dunkler ist und nasser, wo die bunten Blätter verschwinden, sich die Stauden im Garten zurück ziehen - ist auch Teil des Lebens. Jetzt gilt es, in sich selbst ein Feuer zu entfachen. Die Menschen sind auf sich selbst zurück geworfen, weil eben keine oder kaum Energie von außen kommt. Selbst, wenn eine Bestellung oder ein Brief eine solche Energie von außen für dich darstellt, ist es nicht gut, dich von ihr abhängig zu machen, Anja.

Ich: Wie meinst du das?
Noblu: Kommt etwas = gute Laune. Kommt nichts = gleich schlechte Laune.

Ich: Verstehe. Und was willst du mir damit sagen?
Noblu: Dass du gut für dich sorgen sollst, unabhängig davon, was von außen kommt. Wenn etwas von außen kommt, ist das gut. Wenn nicht, dann darf das nicht dazu führen, dass es dir schlecht geht. Dann bist du selbst gefordert. Dann gilt es, gut für dich selbst zu sorgen und zu gucken, was dir gut tun könnte. Zum Beispiel die Blumen heute früh oder die anderen Sachen, die wir schon aufgezählt haben.

Ich (seufze): Verstehe. Da kann ich jetzt erst mal drüber nachdenken.
Noblu: Ok.

Das hat gut mir gut getan. Hier noch zwei Bilder von meinem Frühstückstisch:

Rund um die Kerzen habe ich vor zwei Wochen Hortensienbälle aus dem Garten gelegt. Sie sind so weggetrocknet.

Auf meinem Liiiiiiiieblingsteller die Apfeltasche, daneber der Brief, eine Tasse Kaffee, das Daumenkino und darüber Blumen, Blumen, Blumen. Das hat mir gut getan!

Heute will ich liebevoller mit mir umgehen als gestern. Da hatte ich nämlich ein schlechtes Gewissen, weil ich den Rechner "so früh" ausgemacht habe. Ich denke heute ganz stark an Lycinda, die würde mir nämlich folgendes sagen:

Alles ist gut, mein Kind. Du bist in Sicherheit. Alles wird glücklich verlaufen. Guck ganz genau, was in jedem Moment gut für dich ist. Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut. Wenn dir danach ist, mach den PC aus. Dir wird dadurch nichts weglaufen, du wirst dadurch keinen Schaden nehmen und dein Geschäft auch nicht. Das allerallerwichtigste ist, dass du gut für dich sorgst. Wenn dir danach ist: Mach den Ofen an und schmeiß einen Film in den DVD Spieler. Warum hast du dir einen deiner geliebten Jane Austen Filme gekauft, wenn du sie doch nicht guckst? Das macht doch keinen Sinn. Du willst darauf warten, bis du wieder krank bist und dann gucken? Nein nein, so lange darfst du nicht warten. Siehst du denn nicht, dass deine Seele diese Auszeiten braucht? Sie dürstet in dieser Zeit nach Streicheleinheiten, nach Ausnahmen, nach dem totalen Verwöhnprogramm. Kontrolliere die Bankeingänge, packe die Pakete, bringe sie zur Post und dann mach Feierabend. Der Newsletter kann warten, auch wenn er schon so lange auf deiner Liste steht. Ja, geh dich heiß duschen mit dem besonders gut nach Kampfer duftenden Duschgel, kuschle dich zu Minu auf die Couch und lass fünfe gerade sein! Das ist die Kunst zu leben, mein Kind!

Ich: Das klingt gut. Seufz. Ich will sehen, was ich umsetzten kann. Denn es gibt Anteile in mir, die kommen damit gar nicht klar.
Lycinda: So? Wer denn?

Ich: Meine innere Betriebswirtin.
Lycinda: So? Warum denn?

Ich: Sie sagt, dass ich mindestens bis fünf Uhr arbeiten muss. Sie sagt, dass ich nicht einfach Pause machen darf. Sie sagt, ich muss noch so viel tun und darf mich jetzt nicht hängen lassen. Sie sagt, ich muss mich ganz doll anstrengen, damit genügend Geld herein kommt.

Lycinda (rückt ihre Brille gerade): So? Woher will sie das denn wissen? Es kann doch genau so gut sein, dass es viiiiiiel besser fließt, wenn du gut für dich sorgst, wenn du langsamer machst und viele Pausen, wenn du viel frei machst und es dir gut gehen lässt.

Ich: Das kann ich gar nicht glauben.
Lycinda: Weißt du denn ganz genau, dass es so ist, wie deine innere Betriebswirtin glaubt?

Ich: Nein.
Lycinda: Siehst du, du folgst ihr aber.

Ich: Ja, weil ich es so gelernt habe. So ist man nun mal als fleissige Deutsche.
Lycinda: Das mag sein, aber weißt du denn, ob du damit wirklich mehr Erfolg hast?

Ich: Nein.
Lycinda: Weißt du denn, ob du damit mehr verdienen wirst?

Ich: Nein.
Lycinda: Siehst du. Wie wäre es denn, wenn du mir glaubst und dir so richtig die Wünsche erfüllst, die du schon lange hast, zum Beispiel gleich Feierabend zu machen und mit dem Film "Sinn und Sinnlichkeit" einen Nachmittag mit Hugh Grant auf der Couch zu verbringen, dabei die Wärme des Kaminofens zu spüren, den Duft auf deiner Haut, das Schnarchen von Minu?

Ich: Seufz. Das klingt so schöööön!

Lycinda: Und, willst du es probieren?

Ich: Ja ich will!

Lycinda freut sich so sehr, dass sie in die Luft springt und dabei ihre Füße aneinander schlägt.

Einen schönen Nachmittag sagt mit einem Lächeln auf dem Gesicht

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 10 November, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Puh - Novemberblues!

Alle Jahre wieder...

Es ist kurz nach neun Uhr in der Früh und draußen ist es grau-dunkel. Es regnet Bindfäden. Heute ist nichts besonderes geplant, da muss ich mich schon bemühen, damit der Tag noch schön wird. Vielleicht ist ja was Schönes in der Post? Mein leckeres Frühstücksherz von der alten Bäckerei bei uns in der Straße und eine Tasse Kaffee wird wohl auch etwas helfen, aber so richtig? Hm, weiß nicht. Vielleicht helfen ganz viele Bestellungen? Ja, die würden was bewirken.

Gestern habe ich früh Schluß gemacht, gegen drei Uhr war der PC am Nachmittag aus. Pakete zur Post gebracht, Eier gekauft und Hefeteig für eine Pflaumenplatte gemacht. Die Früchte warteten in der Truhe auf ihre Erlösung. Irgendwo musste meine Energie hin. So was von lustlos...

Ich spüre, dass der Haupttrubel in mir, wie die Organisation des Webshops und all die Besorgungen, die damit zusammenhingen abgearbeitet sind. Alles hat sich eingespielt. Und ich falle in ein Loch wie bei allen großen Projekten, wo die extreme Anspannung abflacht, das Wetter gibt sein übriges dazu...

Mist!

Eigentlich warten noch jede Menge Newsletter-Abonennten darauf, in die Verteilerliste eingepflegt zu werden, der Newsletter will auch geschrieben werden. Doch es geht nicht. Irgendwie steht eine unsichtbare Mauer zwischen mir und den anstehenden Aufgaben. Ja, da ist noch mehr: Der Entsorgungsvertrag für die Teilnahme am Dualen System, an dem ich gesetzlich verpflichtet bin, teilzunehmen, will geprüft werden und die neuen Verpackungsmengen gemeldet. Darauf habe ich Null Bock!

Uh, da freue ich mich, morgen nach meiner Freundin Ariane zu fahren und sie nach ewigen Monaten persönlich wieder zu sehen und ihre süße ein Jahr junge Tochter. Eine schöne Abwechslung. Morgen habe ich garantiert keinen Novemberblues.

Letztes Jahr habe ich mir Blumen aus dem Garten reingeholt, doch da ist nicht wirklich noch was schönes. Inzwischen habe ich auch den Blumenkasten vor dem Bürofenster geleert, obwohl die Sommerblumen immer noch blühten. Ich konnte sie nicht mehr sehen.

So, jetzt schnappe ich mir mal Minu und wir zwei drehen durch den November-Regen eine Runde. Vielleicht hebt sich dadurch ja schon meine Stimmung. Und sonst lese ich mir durch, was ich letztes Jahr alles angestellt habe, um an Fröhlichkeit und Stimmung zu gewinnen:

Witzigerweise habe ich diese Beiträge und die E-Cards darin am 10. und 11. November vor einem Jahr geschrieben. Es scheint die dunkelste Zeit des Monats zu sein, bzw. hatte ich mich vielleicht danach an die Zeit gewöhnt oder ihr etwas Gutes abgewonnen. Kann nicht sein. :o)

Einen schönen Tag - ich versuche das Beste draus zu machen - und mich zu verwöhnen, damit ich gute Laune bekomme!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 10 November, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Haaaallloooo? Erde????

Guten Morgen aus Köln!

 

Ich fühle mich heute früh ziemlich komisch. Als wäre mein Inneres ziemlich unsortiert, als würde ich innerlich ständig über irgendetwas stolpern. Draußen auf der Straße war eben ziemlicher Trubel, Hupen, Ungeduld. Wenn ich eine Sternendeuterin wäre, vielleicht wäre mir dann klar, was los ist, weil irgendwelche Sterne vielleicht so stehen wie sie sonst selten zueinander stehen, was dieses Durcheinander auslöst. Ja, wäre jetzt praktisch, so eine Erklärung.

Die habe ich aber nicht! Mist!

So sitze ich jetzt hier an meinem Schreibtisch mit dem Gefühl und fühle mich unwohl. Blöde!

Ein Lichtblick erreichte mich eben, als ich die Türe öffnete und ein wunderschöner Kranz aus Buchs und Hagebutten mit einer witzigen und herzerwärmenden Karte auf der Fußmatte fand. Ooooooooh wie schön ist das denn? Ein Gruß meiner Blumenfreundin Petra. *HÜPF*

Mein Wochenende war sehr schön. Nicht nur, dass mein Mann und ich eine gute Teamarbeit abgeliefert haben: Er hat geputzt, ich habe den Einkauf gestemmt (zwei Wochen kein Auto, da staut sich Bedarf auf...), ich habe den Hefeteig gemacht und er den Zwiebelbelag. Er hat den Kaffee zubereitet, ich den Tisch gedeckt. Ja, wir zwei können superschön harmonisch zusammen arbeiten. Ich muss gerade grinsen, weil wir genaus so gut superschön streiten und uns fetzen können. :O) So bleibt Partnerschaft eben spannend.

Samstag war meine Familie mit Kuchen bepackt zu Besuch. Sie waren eingeladen unser neues Wohnzimmer zu begutachten. Es hat ihnen gefallen, das hat uns gefreut. Die Mischung aus süßem Kuchen und dem herzhaften Zwiebelkuchen machte sich übrigens herrlich im Gaumen. :o)

So war das Wochenende herrlich entspannt, ausschlafen, lesen, mit Minu das Herbstlaub bewundern gehen, gemütlich TV gucken... Alles prima.

Also, warum bitte schön bin ich dann heute früh so durcheinander? So aufgewühlt? So ---- aaaaaah ---- ich kann es gar nicht in Worte bringen, wie ich mich fühle. Unruhig. Nervös. Ich find's ätzend!

Wenn Sie das Bild anschauen, bekommen Sie einen klitzekleinen Einblick, wie sich das anfühlt.

Ach, ich könnte jetzt noch ewig so weiterjammern. Das tut mir auch gut, weil ich versuche, das was ist, in Worte zu fassen. Und das hilft mir klarer zu werden. Auch wenn ich es unter "jammern" ein bischen ins Lächerliche ziehe. Ist nicht nett, merke ich gerade, was ich da mit mir mache.

Also: Ich jammere nicht, sondern ich versuche rauszufinden, was los ist. Die Abkürzung ist einfach: Ein Dialog mit meiner inneren Stimme.

 

Also, Anja, was ist los? Ich bin müde.

Du bist müde? Du hattest doch ein langes gemütliches Wochenende! Ja das ist eben das Problem. Es war zu lange.

Das verstehe ich nicht ganz. Es war einen Tag mehr als sonst. Wo ist da das Problem? Dass hat mit meinem Inneren zu tun. Ich brauche den regelmäßigen, gleichmäßigen Ablauf. Der fehlte. Deswegen bin ich müde.

Hm, verstehe ich immer noch nicht so ganz, weil ich nicht sehe, was denn da so viel anders gewesen sein soll als sonst. Es war nicht viel anders.

Ja eben, das meine ich doch. Was soll deine Antwort dann? Ich bin müde, weil ich mich am Wochenende nicht wirklich ausgeruht habe. Ich habe immer mal wieder gearbeitet. Ich habe mich nicht wirklich fallen lassen. Mir nicht wirklich meine Auszeiten genommen und mich ausgeruht. Deswegen bin ich müde. Wenn es kürzer gewesen wäre, wäre es besser für mich gewesen, weil ich schon viel früher in meinen üblichen Rhythmus gekommen wäre. Jetzt habe ich das Gefühl, dass so viel liegen geblieben ist und die Woche so viel los ist, dass es mich schrecklich müde macht.

Aha, jetzt verstehe ich dich schon besser. Soll ich diese Woche etwas aus dem Terminkalender streichen, damit es dir besser geht? (Mein Inneres atmet tief durch.) Ja, bitte streiche den Termin in der Werkstatt. Das macht mich ganz nervös.

Ja, aber ich will, dass das Auto endlich fertig ist. Immer ist was neues damit und es steht auf meiner "To-Do-Liste", diese Liste macht mich ganz kirre. Diese Woche kommt der Waschmaschinen-Reparateur vorbei, ich möchte den Newsletter rausbringen, dafür muss ich noch neue Software kaufen (und mich reinarbeiten), ich will den Wandkalender noch vorher ausführlich vorstellen, das Holz für den Kaminofen wird geliefert, ich möchte gerne ins Bergische fahren... Ja, jetzt weißt du, was mich so nervös macht. Irgendwie fehlt mir der gestrige Werktag, um schon etwas davon erledigen zu können. Jetzt habe ich das Gefühl, fünf Tage werden in vier Tage gepackt. Das macht mich so durcheinander.

Ja, verstehe ich. Soll ich etwas aus dem Terminkalender nehmen? Mit dem Waschmaschinen-Monteur erst einen Termin für nächste Woche machen zum Beispiel? Hm. Ich weiß nicht richtig. Nein, eigentlich bin ich auch froh, wenn die Sachen endlich repariert sind.

Und nun? Geht es dir jetzt besser? Ein bischen schon. Gerade ist eine Mail reingekommen von einer Sache, die noch offen war und die jetzt geklärt ist. Das ist auch schon mal gut. Es ist eben anstrengend, wenn zu viele Baustellen gleichzeitig bearbeitet werden. Dann springe ich zwischen den verschiedenen Dingen hin und her und komme nicht zur Ruhe.

Okay, also lasse ich alles so laufen und entscheide aus dem Moment heraus, ob ich die Termine mache oder nicht? Vor allen Dingen ist mir ganz besonders wichtig, die Dinge zu machen, die ich gerne mache, die mir am Herzen liegen und mir gut tun, wie meine Familie diese Woche zu besuchen. Meine Oma hat nämlich Geburtstag und es ist mir seeeeehr wichtig, sie zu besuchen. :o) Das ist mein leuchtendes Sternchen diese Woche im Kalender.

:o)

Wie ist es jetzt?

Beim nochmaligen Durchlesen merke ich, dass es noch immer nicht wirklich gut ist. Mal sehen, ob es sich im Laufe des Tages mehr löst und klärt.

Update am späten Nachmittag: Jetzt geht es mir wirklich besser. Ich habe zwei der für mich stressigsten Punkte, wozu auch die Werkstatt gehörte, bereits abgearbeitet. *freu* Das gibt mir Luft ... und Schwung!

Herzliche Grüße aus Köln

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 02 November, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Das einfache Leben. Basisprogramm erwünscht.

Es gibt Tage, da bin ich einfach nicht gut drauf und nicht doll belastbar.

Entweder wache ich morgens auf und habe ein Stimmungstief aus heiterem Himmel. Oder ich spüre gleich: Heute bin ich nicht so belastbar wie sonst. Einfach so. Oder wenn ich meine Periode habe und Bauchweh. Oder .... oder... oder...

Was mir dann hilft, ist die Konzentration auf das einfache Leben: Die Aufgaben erfüllen, die wichtig sind. Nicht mehr. Alle Gedanken wie "Morgen musst du..." oder "Oh, das muss auch noch gemacht werden..." oder "Ah, da ist noch das Projekt, das wolltest du doch auch noch..." abwehren.

Immer wieder meine Aufmerksamkeit auf das wirklich wichtige richten: Meine Aufgaben erledigen. Pausen machen. Essen. Trinken. Möglichst früh Feierabend. Nichts Neues anfangen, in das ich mich erst reinarbeiten muss. Keine Termine. Alles, was Streß auslöst und Druck, vermeiden. Entscheidungen notfalls verschieben. Keine besonderen Ansprüche an mich stellen.

Kurz: Das Basisprogramm abspielen.

Das klappt ziemlich gut. Ich bin erstaunt, wenn ich diese Wohlfühl-Regeln befolge, was ich dann manchmal leisten kann.

Nehme ich mir für so einen Tag - ich weiß ja vorher nicht wie es mir geht, am Morgen selbst merke ich wie meine Stimmung und mein Körperbefinden ist - zu viel vor, drückt mir das aufs Gemüt. Ich habe das Gefühl, nicht voran zu kommen, wie ein riesiger Berg liegt der Tag dann vor mir. Kaum zu überwindende Aufgabenklippen. Dann hilft mir Umschalten auf das Basisprogramm. Das wichtigste und nötigste machen und alles andere auf den nächsten Tag verschieben.

Durchatmen. Glücklich sein mit dem, was ich geschafft habe.

Das tut so gut.

Oft geht es mir am Tag darauf schon wieder viel besser und ich schaffe das, was ich am Vortrag nicht geschafft habe, mit Leichtigkeit. Keine Ahnung, was in der Nacht passiert ist, dass es mir besser geht...

Immer mehr gelingt es mir, mich auf meinen Körper, meine Seele, meine Psyche einzustimmen und ausgeglichen und zufrieden zu sein mit dem, was geht. Denn es gibt neben dem Basisprogramm immer noch ein Notprogramm. Davon habe ich vor anderthalb Wochen berichtet, als ich die Reißleine gezogen habe. Das hat mir so geholfen und gut getan!

Manchmal meine ich, das Leben wird immer komplizierter - so kommt es mir zumindest manchmal vor. Zum Beispiel ein riesiger Fragebogen von der Rentenversicherungsdingsbumsanstalt, um Fehlzeiten zu klären. Himmel, da kann man seinen Doktor dran machen und es geht ja schließlich auch um was, da will man nichts falsch machen. Was fällt mir noch ein? Bedienungsanleitungen lesen - und verstehen, Bestimmungen lesen - und verstehen, Nachrichten verarbeiten, Angebote lesen, die richtigen Entscheidungen treffen - Der Autoverkehr in der Innenstadt. Stau auf der Autobahn plus Dauerregen. ... Bin ich ein Hochleistungscomputer? Nein, ein Mensch, der manchmal nicht so funktioniert wie das mein Verstand am liebsten will.

In solchen Momenten sehne ich mich nach einem gaaaanz einfachen Leben:

Ein Haus auf dem Land, in dem ich mich zu großen Teilen selbst versorgen kann. Ein großes Grundstück, Obstbäume, Gemüsegarten. Hühner, die mich mit Eiern versorgen. Eine Katze, unseren Hund, natürlich mein Mann. In der Nähe ein Bauernhof, wo ich Milch kaufen kann und andere Leckereien im Hofgeschäft. Ich bin im Sommer damit beschäftigt, den Garten zu pflegen und meine Vorräte zu füllen, vielleicht mache ich selbst Apfelmus und koche Kirschen und Birnen ein. Ich habe einfache Arbeiten zu verrichten, die ich gut bewältigen kann. Im Haus ein Ofen, den wir mit Holz befeuern. Und das alles mit einem modernen "Drum-Herum": Krankenhaus, Arzt oder eine kleinere Stadt nicht länger als eine halbe Stunde entfernt. Auto. Strom. Moderne Heizungs- und Sanitäranlage. Gute Dämmung. Gesunde Bausubstanz. Ich arbeite von zu Hause aus wie jetzt und habe ein Büro, von dem ich ins Grüne schaue. Ich verdiene mein Geld mit dem Schreiben. Wenn man nachts das Fenster öffnet: Stille, keine Geräusche von der Autobahn. Höchstens der Ruf einer Kuh auf der Weide. Seufz. So schöne Träume. ... Und zu wissen: Träume können wahr werden. :o)

Gestern habe ich so eine ganz einfache Tätigkeit gemacht: Kuchen gebacken.

Lecker & schnell mit Äpfeln aus unserem Garten. YamYam!

Heute mittag erfreute mich ein Schmetterling, der zusammen mit so einigen Bienchen Nektar im Blumenkasten vor meinem Bürofenster naschte:

Gleich hinterm Fenster bemerkte er mich nicht, ich konnte ihn mir mit Ruhe ganz aus der Nähe anschauen. Toll! Sogar die Härchen auf dem Rücken konnte ich sehen.

Ganz herzliche Grüße aus Köln!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 25 Oktober, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Mond, Wind & eine Fliege

Huhu da draußen! Ich hatte so gehofft, diese Nacht endlich schlafen zu können. Pustekuchen! Noch weniger als in der letzten Nacht. Mist! Erst konnte ich wieder nicht einschlafen. Was ich alles ausprobiert habe... Mein Vater sagte ja, es sei Neumond und meine Mutter, dass sie dann ebenso wenige schlafen könnte wie bei Vollmond. Seufz. Ich will das nicht! Ich will schlafen. Es gibt ja so viele Meinungen: Nein, der Mond hat keinen Einfluss auf den Schlaf. Ich habe da eine andere Erfahrung gemacht. Gut, nützt nix. Da muss ich durch.

Als ich diese Nacht endlich eingeschlafen war, dauerte es nicht lange und Minu stand neben dem Bett. SCHREI! Eine Windnacht. Sie beruhigte sich zwar immer wieder und legte sich in ihr Körbchen, dann dauerte es eine Stunde und sie stand wieder neben dem Bett. Och nööö! Geholfen hat dann die Dunstabzugshaube in der Küche, die ein schönes Grundgeräusch macht und das Radio, das ich im Wohnzimmer angemacht habe. Als um vier Uhr endlich Ruhe einkehrte, Sie glauben es nicht: Eine Fliege im Schlafzimmer. Das passiert so zweimal im Jahr. Ausgerechnet diese Nacht. Immer wieder flog sie durch den Raum, gegen die Fensterscheibe. Immer, wenn ich aufstehen wollte und meinen Kopf hob, um sie zu lokalisieren: Stille. Es war zum Piepen. Die Hand schon am Lichtschalter zu einem Fliegenmord bereit - sonst rette ich sie nämlich immer und entlasse sie nach draußen - war endgültig Stille. Und ich konnte einschlafen. Endlich. Schlafen. Ich hätte so gerne ausgeschlafen, aber leider war ja die Kalenderlieferung avisiert. Aufstehen, damit mich der Paketdienst nicht aus dem Bett klingelt und ich halb angezogen, mit zu Berge stehenden Haaren die Treppe runter flitzen muss.

Ich kann Schlaf so schlecht missen. Mir schmerzt der Kopf. Die Augen sind schwer. Arme, Beine schmerzen. Leistungsfähigkeit: Unter 40 Prozent. Schnell bin ich überlastet, kann mich nur auf manche Dinge konzentrieren. Früher kam auch ein Haufen schlechte Laune hinzu. Meine Eltern können ein Lied davon singen: Wenn wir Nachbarskinder in den Ferien zelteten, wo nachts aufbleiben zum guten Ton gehörte, war Anja immer ganz mies am nächsten Tag drauf und bekam Schlaf verordnet. Heute muss ich das für mich selbst tun.

Das habe ich auch heute gemacht. Die Lieferung kam nicht, also wohl morgen. Ich hatte überhaupt keine Lust, Artikel im Webshop anzulegen, also habe ich aufgeräumt und die Dinge getan, die mir Spaß machten. Zum Beispiel Briefpapier ausgemalt. Das habe ich diese Woche selbst entworfen und die bunten Stifte auf meinem Schreibtisch, das war genau das, worauf ich Lust hatte: Malen. Wie wäre es denn, wenn ich einen Brief beantworte, den ich hier von den lieben Menschen auf meine Wunschaktion bekommen habe? Okay, einer geht. Macht Spaß. Ist was ganz anderes. Noch ein zweiter? Ja, gut noch einer. So ging es immer weiter. Jetzt sind die Briefe beantwortet. Die Umschläge und Karten liegen hier bereit, dass ich sie zum Briefkasten trage. Ich möchte sie noch etwas hier liegen lassen. Es sieht so gut aus, auf diesen Stapel zu blicken. Schön, was geschafft zu haben!

Heute habe ich mir die Freiheit genommen, nix aber auch gar nix am Shop zu machen. Ich habe mich mit dem Schreiben beschäftigt, Briefe, Mails und aufgeräumt. Das hat gut getan und ein gutes Gefühl ist entstanden. Auch wenn da ein schlechtes Gewissen ist, eigentlich müsste ich weitermachen, damit der Shop bald öffnet. Ich frage mich, warum ich mir gerade dieses Jahr einen solchen Streß mache. Himmel, abstreifen, dieses enge Streßkostüm.

Es dauert, was es dauert. So ist es nunmal, Anja. Wichtig ist mir, dass ich meine Arbeit mit einem guten Gefühl mache und vor allen Dingen auch die Erholungsphasen bekomme, die ich brauche. So wie jetzt. Ich mache Feierabend und sorge gut für mich. Ich verordne mir eine Portion Bett am Nachmittag und hoffe, dass es geht, das Schlafen, denn Neumond ist heute und morgen.... Seufz.

Ich wünsche Ihnen ein zauberhaft schönes Wochenende!

Ihre Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 08 Oktober, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Licht hilft an dunklen Tagen

Seufz. Heute ist es schrecklich dunkel draußen und damit auch hier drinnen in meinem Büro. Feinster Dauernieselregen benetzt alles mit einem glänzenden Schimmer. Tropfen am Rosenbogen werden größer und größer bis sie schließlich - plopp und platsch - nach unten sausen.

Ich bin megaaufgeregt, weil ich auf die Antwort der Druckerei warte, dass meine Daten okay sind.

Es gibt so viel zu beachten, das einem schlecht werden kann: RGB-Modus - CMYK-Modus. ICC-Profile. PDF. Farbverschiebungen. Gefühlte x Millionen Einstellungen im Programm, die das Ergebnis verändern können... Och Mensch, für so einen kreativen Menschen wie mich ist das nicht gerade das Himmelreich. Um meine kreativen Projekte in Papier umzuwandeln, muss ich durch diesen Dschungel der Druckvorstufe. Ich schaffe es auch hindurch, aber bis dahin durchlebe ich Achterbahnfahrten ohne Ende. Im Bauch. Im Kopf. In meinen Träumen. Himmel! Aber so ist es und wie eine Leserin mir schrieb: Es ist stressig UND schön. Beides zusammen. Ein ganz schönes Paket.

Ich denke in solchen Situationen schnell: Bin noch nicht gut genug. Wenn du eine Ausbildung als Mediengestalterin hast, dann kannst du das. Wenn du die neusten DTP-Programme (die man für die Druckvorstufe verwendet) nutzt, und wenn du sie beherrschst, dann kannst du das. Du musst erst noch ein Seminar besuchen, damit du wirklich fit bist... Och, mit solchen Gedanken könnte ich Seiten füllen. Und während ich so denke, schaffe ich es unabhängig dieser trüben Gedanken mit einfachen Mitteln, Schritt für Schritt und mit Hilfe meines technikbegeisterten Mannes (der es liebt, knifflige Probleme am PC zu beheben, die mich eher schocken und aus dem Gleichgewicht bringen), und der Auskunft netter Menschen in der Grafikabteilung der Druckerei meinen Weg zu gehen. Mit bibbernden Knien, aber doch mutigen Schrittes. Ein bischen wie das Pfeifen im dunklen Keller. Aber immerhin mit einer Taschenlampe und einem Schokoriegel bewaffnet ;o) und nicht mehr in der oberen Etage grübelnd: "Würde ich mich doch nur in den Keller trauen." Das finde ich schon gut.

Durchatmen.

Das gute an dieser Phase, in der ich mich gerade befinde, ist: Sobald die Druckerei sagt: "Die Daten sind okay. Wir drucken.", ist meine Aufregung verflogen und ich bin mächtig stolz, dass ich es geschafft habe. Mein Selbstbewusstsein strahlt vor Stolz und Glück.

Ich lerne, lockerer mit meiner Aufgeregtheit umzugehen, indem ich mir gut zurede: "Du schaffst das schon, Anja. Selbst wenn die Daten nicht okay sind, wirst du einen Weg finden, sie so zu bearbeiten, dass es funktioniert. Das ist kein Weltuntergang. Gleich wie kompliziert du es am Anfang finden wirst. Wie viel Angst es dir auch immer macht. Du schaffst das. Schritt für Schritt. Du hast solche Herausforderungen schon oft gemeistert. Bleibe ruhig. Wenn du im Moment nichts anderes tun kannst, weil du sooo aufgeregt bist, dann lenke dich ab."

Okay, mache ich. Mit Gewinnspielen. Ich liebe es, daran teilzunehmen. Das lenkt mich völlig ab. Hausarbeit geht auch. Da habe ich gerade aber keinen Bock drauf. Gewinnspiele sind gut und davon zu träumen, ein Wochenende in Hamburg oder Wien zu gewinnen oder eine glänzende Küchenmaschine mit allem Drum und Dran oder einen neuen Laptop, ist eine herrliche Ablenkung... Manchmal höre ich eine Stimme in mir, die sagt: "Hey, was machst du Gewinnspiele? Mach eine andere Arbeit, dann hast du das Geld, dir das alles selbst zu kaufen." Mag schon sein. Dafür müsste ich jedoch eine Arbeit annehmen, die mir nicht gefällt und nicht gut tut. Das will ich nicht. Ich will diese Arbeit hier machen. Ich will nicht unbedingt die Achterbahnfahrt, aber sie gehört nunmal zum Paket dazu. Ich will mich mit kreativer Arbeit beschäftigen wie mit den E-Cards, den Illustrationen, den Blogbeiträgen, den Kalendern und Glückwunschkarten, dem Shop - das ist Arbeit, die mich erfüllt.

Und wenn ich dann mal "aussteigen" muss, um mich abzulenken, gehören auch Gewinnspiele zu meinem Repertoire an Ablenkungsmanövern, bei dem ich auch schon so einiges gewonnen habe. Karten für einen Schlossbrunch. Gartenwerkzeuge. Eine Gartengestaltung. Gartenlampe. Übernachtungen im Hotel. Weihnachts-DVD. Blumensträuße. Blumenerde... :o) Wie Sie merken, hauptsächlich meine Gartenelfe kommt dabei auf ihre Kosten. Die hüpft und freut sich. Gerade hat sie unter einem großen Blatt im Garten Platz genommen, schaut dem Regen zu, kuschelt sich zwischen trockene Blätter und hört dem Gluckern des Wassers zu.

Heute früh erreichte mich wie viele Tage zuvor ein Lichtstrahl von Ihnen, liebe Leserinnen. Ich tapte mit Minu durch Dunkelheit und Nieselregen am Postfach vorbei. Während vorher die Stimmung noch leicht getrübt war, ging es mir anschließend blendend: Ein Umschlag! Ein Umschlag! Ein Umschlag! Was für eine Freude.

Zu Hause bei einer Tasse Kaffee und einem Nutellabrötchen, packte ich mit Vorfreude aus: Ein laaaanger Brief und selbstgemachte Holzfigürchen: Weihnachtsmann. Stern und Engel. So liebevoll von Hand ausgeschnitten und bemalt und eingepackt. Ach eine Freude. Lesen. Schmunzeln. Ein Tränchen verdrücken. Glück spüren. Danach fühlte ich mich so herrlich wohl. Das hat so gut getan.

Danke Ihnen allen, die mir geschrieben haben. Ich liebe es, Ihre Briefe und Karten zu lesen. Sie streicheln meine Seele, lassen meine Schriftstellerin hüpfen und meine Illustratorin jubeln. Es stärkt mein Selbst und zündet ein Licht an den Stellen an, die manchmal ein bischen traurig sind und zweifeln.

... Jetzt müsste ich mal Mails abrufen, ob was von der Druckerei gekommen ist... Urg. ... Soll ich? Soll ich nicht? Soll ich? Soll ich nicht? Ach, egal, Augen zu und durch. Mehr als Sterben kann ich nicht. Mist, noch nix da. Also weitermachen. Ablenken, machen, was geht. Meeeeeeennnnnsschhhhh! Ich will endlich wissen, woran ich bin. Ungewissheit ist doof. Fakten haben und sie anpacken können, damit kann ich so viel besser umgehen. Okay, ich lerne es noch...

Ihre wibbelige, heute uncoole

Anja Kolberg

PS: Was auch wunderbar hilft, sind Blogbeiträge schreiben und sie illustrieren. Dann vergesse ich die Zeit und bin glücklich. :o)

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 28 September, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Och Mensch!

Heute ist wieder einer dieser Tage! Mist!

Mit Bauchweh und schlechter Stimmung bin ich aufgewacht. Was ich auch immer diese Nacht geträumt habe, gute Laune hat es nicht verbreitet. Ich find's total doof, einfach so mit mieser Laune aufzustehen. Heute kommt mir alles so dunkel draußen vor. Blööööööööööööd!

 

So richtig bekomme ich keinen Grund zu packen. Das Wochenende war einfach schön. Gestern habe ich bei dem Regen im Bett gelegen, Fenster auf Kipp. Dieses Prasseln. Gemütlich! Drei Stunden habe ich am Nachmittag geschlafen. Das hatte so gut getan. Auch der Samstag war gelungen: Schönes Wetter. Terrasse. Lesen. Ausatmen. Abends habe ich an einer Aufstellung bei Birgit Lenzen-Liedtke teilgenommen. War auch gut und erkenntnisreich.

Mensch, ist das dooooooooooooof!

Ich weiß nicht, ob mir das nasskalte Wetter zugesetzt hat. Die Wärmflasche, die ich mir abwechselnd vorne auf den Bauch und dann wieder auf den Rücken lege, hilft mir. Auch langes Liebhalten von meinem Mann hilft. Oder Minu streicheln und mir die Hände von ihr abschlecken lassen. Ablenkung hilft. Seufz. Mann, ist das ein Sch***!

 

Vielleicht hilft ein Dialog mit meinem Inneren.

Hallo Inneres, was ist los? Ich bin traurig. Sehr traurig.

Du bist traurig? Ja, sehr traurig.

Warum bist du sehr traurig? Weil du nicht auf mich achtest und nicht auf mich hörst.

Ich höre nicht auf dich und achte nicht auf dich? Nein!

Wann habe ich nicht auf dich gehört? Eben.

Was war das für eine Situation? Du hast gesagt, dass du gleich wieder ins Bett gehen willst. Das bist du aber nicht. Weil du tausend Dinge wichtiger findest als mein Wohlbefinden.

Das stimmt nicht. Doch - wohl stimmt das! Du denkst nur an deine Pflichterfüllung. Dass du doch nicht an einem normalen Werktag wieder ins Bett gehen kannst NUR weil es dir mal nicht gut geht. Wo kommen wir denn da hin, wenn du dich gehen lässt?

Ja, ich glaube, du hast Recht. Ich will mich nicht gehen lassen. Habe Angst davor, zu versumpfen. Aber warum denn? Du hast jetzt Bauchschmerzen und ganz schlechte Laune. Du kümmerst dich aber nicht um dich, sondern versuchst es durch die Arbeit wegzudrücken. Haaaaalllo! Du arbeitest zu Hause. Du sitzt nicht in irgeneiner wildfremden Firma am Schreibtisch und kannst schlecht weg. Ja, ich weiß. Du gehst härter mit dir um als es jeder Chef tun würde. Selbstständig sein kann schlimmere Kasteiung sein, als jedes Angestelltenverhältnis. Du bist einfach zu hart zu dir, Anja. Du wirst nicht versumpfen, wenn du dir jetzt erst mal "frei" nimmst, den PC ausmachst und dich ins Bett legst, vielleicht warm duschst, vielleicht eine neue Wärmflasche machst, was auch immer. Ich find's auf jeden Fall ganz schön grausam (!), wie du mit dir selbst umgehst. Es ist wie im Mittelalter.

Puh! Was für eine Packung! Mein Inneres hat Recht. Ich bin nicht liebevoll zu mir, versuche das Unwohlsein wegzudrücken, mir zu sagen "Ist doch nicht so schlimm, stell dich nicht so an." Es ist aber offensichtlich nicht wegzudrücken, sonst würde ich den Beitrag hier nicht schreiben.

Also: Eine Entscheidung für mein Wohlbefinden: Ich nehme mir jetzt frei. Mache den PC aus. Vertage alles offene auf morgen oder übermorgen. Ich sorge jetzt gut für mich und lege mich hin. Ich habe keine Garantie, dass es mir hilft, aber es ist ein Weg, ein Anfang, ein erster Schritt auf mich zu statt von mir weg.

Anja Kolberg

PS: So ging es mir am nächsten Tag.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 16 August, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen

Es gibt so Tage im Leben, Mann o Mann, da ist wirklich nur unter größter Konzentration etwas Gutes dran zu finden. Heute habe ich das Gefühl, ich sitze in einem dicken, miesen, schweren Sumpf. Er hält mich fest, lässt mich nicht los. Richtig besch...en ist das!

 

Wie sich das anfühlt? Schwer. Hoffnungslos. Lähmend. Desillusionierend. Nie endend. Es macht wütend, traurig und hilflos zugleich. Bäh!

Wie ich da reingekommen bin? Keine Ahnung. Ich bin nicht in das Sumpfloch gelaufen. Auf einmal war ich da. Es war, als hätte ich auf einmal meine inneren Augen geöffnet und schwups ist der Sumpf da. Blöde!

Warum ist das so? Warum fühle ich mich so? Und warum jauchze ich nicht: "Super! Eine riesengroße Schlamm-Wellnessgrube. Hier kann ich mich treiben lassen und wohlfühlen, mich mit Schlamm einsuhlen, andere damit bewerfen. Herrlich!"

Ups. Vielleicht ist das ja schon die Lösung? Den Sumpf mit anderen Augen betrachten? Klar, ich bin diejenige, die die Situation bewertet und entscheidet, ob ich sie super oder doof finde. Vielleicht ist sie auch beides - superdoof? Nein, super und doof. Also gut und schlecht.

Schlecht, weil ich mich so mies fühle. Gut, weil ich die Situation anders betrachten und was gutes daraus machen kann.

Tja, und nun?

Erst einmal möchte ich akzeptieren, was ist und erkennen, dass es mir seelisch heute Nachmittag beschissen geht. So jetzt habe ich das Wort doch geschrieben. Musste raus. Ich kann mein Befinden nirgendwo richtig dran festmachen, ich weiß nicht genau, was es ist. Es ist eher ein Wollknäuel aus x verschiedenen Fäden. Fäden, die ich (noch) nicht erkenne. Fäden, die ich nicht sehen und nicht wissen will. Fäden, die ich einfach nicht anpacke. Fäden, die mir zuviel sind. Fäden, die mir tierisch auf den Keks gehen, die ich aber nicht ändern kann. Fäden...

Was es auch ist, es ist da. Nicht wegzudiskutieren oder wegzublinzeln oder wegzuzaubern. Aus meinem Inneren kommt ein "Doch!"

Anja: Du kannst es wegzaubern, innere Stimme?
Innere Stimme: Ja klar.
Anja: Dann mach mal.
Innere Stimme: Nö.
Anja: Wieso nö?
Innere Stimme: Weil ich nicht will.
Anja: Na toller Trick! Warum willst du nicht?
Innere Stimme: Weil du erst was daraus lernen sollst.
Anja: War ja klar. Was soll ich daraus lernen?
Innere Stimme: Rate mal.
Anja: Dass das Leben so ist. Dass es mal einen Sumpf für uns parat hat und mal ein heiteres Plätzchen mit Cocktail im Schatten?
Innere Stimme: So ähnlich.
Anja: Dass es darauf ankommt, wie ich mit solchen Situationen umgehe, was ich daraus mache? Dass ich einen Weg finde, dass es mir trotz dem Sumpf gut geht?
Innere Stimme: Ja genau!

Okay, das Ergebnis sieht so aus:

Ich habe mich zu einer Schlammschlacht entschlossen. Mit dem Sumpf spielen, das ist für mich das Beste, aus der Situation zu machen. Ich kann sie nicht ändern, nur meine Einstellung. Heute ist eben ein sumpfiger, schlammiger Nachmittag, mit schlechter Stimmung. So ist es, das Leben.

Attackeeeeeee!

Anja Kolberg

Rückschläge überwinden

Siege feiern ist nicht schwer, Niederlagen wegstecken, dagegen sehr. Es ist wie im wahren Leben: Es gibt nicht immer Erfolge zu feiern, viel öfter gibt es Rückschläge zu verkraften. Heute früh frage ich mich allen Ernstes: Gibt es ein Leben nach dem verlorenen Halbfinale der WM in Südafrika?

Gestern Abend war ich so traurig und es hält immer noch ein wenig an. So gerne hätte ich unsere Nationalmannschaft im Finale am Sonntag gesehen, ihnen den Pokal gegönnt und uns die Freude daran. Hach. Seufz. Es ist nicht leicht, mit dem Aus umzugehen. Auch wenn Parolen wie "Kopf hoch, wird schon wieder", trösten wollen, gibt es doch Momente, wo man einfach untröstlich ist. Die ARD zeigte gestern nach dem Spiel ein weinendes Kind, blonde lange Haare luckten unter der Deutschland-Mütze hervor. Die Eltern schaften nicht, es zu trösten. Es weinte weiter und zeigte die Gefühle offen, die andere unterdrückten.

Gestern Abend vor dem Spiel sagte mein Mann, als er vom Spaziergang mit unserem Hund zurück kam: "So viele sind mit Trikots und Fahnen unterwegs, gehen zu ihren Nachbarn. So viele sieht man im Garten zusammen sitzen und grillen. Was der Fußball alles schafft!" Die WM 2006 schaffte es, dass wir Deutschen wieder Flagge zeigen ohne ein mulmiges Gefühl zu haben, wieder die Nationalhymne mitsingen, ohne Scham. Dieser Sport verbindet uns, lässt uns zusammen feiern, fiebern und auch trauern. Gemeinsamkeit verbindet. Den Spot des Deutschen Fußballbundes über die feiernden Eltern der Mannschaft aus unterschiedlichsten Nationalitäten (Link zum Integrationsspot) find ich super. Der Sport schafft es, aus unterschiedlichen Nationalitäten ein Team zu machen. Hautfarbe, Religion, Haarfarbe, Herkunft - das spielt keine Rolle, nur die gemeinsame Begeisterung, das gemeinsame Ziel.

Es ist uns nach der WM 2006 schon gelungen, wieder aufzustehen und auch nach der EM 2008. Das Ergebnis des Rückschlags ist eine kraftvolle junge Mannschaft. Auch wenn ein nach vorne gucken schwer ist, so macht es doch Mut, auf das nächste Turnier - die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine - zu blicken und sich mit Hilfe der Vorfreude Stück für Stück aus dem Sumpf zu ziehen und auch mit einem Blick zurück auf all die wunderschönen Momente, die uns das Fußballteam geschenkt hat.

Traurigkeit darf sein. Irgendwann schwenkt sie um und wird zu Kraft, Erfahrung, innerer Stärke, neuem Mut und Hoffnung.

Danke an die Nationalmannschaft für diese unterhaltsamen Stunden!

Anja Kolberg

PS: Nachtrag zur Pressekonferenz des DFB, die ich mir gerade online angeschaut habe: Ich kann verstehen, dass der Mannschaft nicht nach Feiern in Berlin zumute ist, sie lieber das nächste Mal mit den Fans Party machen wollen, wenn sie einen Pokal in der Hand haben und ich verstehe nur zu gut, dass sie jetzt endlich in den wohlverdienten Urlaub möchten.

PPS: Warum hat keiner der Reporter gefragt, wie der Kapitän, die Mannschaft mit Rückschlägen umgeht? Wie motivieren sie sich dann wieder? Wie verarbeiten sie das? Was hilft ihnen? Was nicht? Das wären Fragen bzw. Antworten gewesen, die mich brennend interessiert hätten. Ich muss da wohl mal selbst hingehen... :o)

Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 08 Juli, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Ja, auch das gehört dazu

Ich habe in letzter Zeit oft eine traurige Stimmung. Ich habe das Gefühl, dass es raumgroß und erdrückend ist. Ich wünschte, es wäre anders. Ich wünschte, ich würde wie eine Biene über eine Blumenwiese hüpfen und nur fröhlich sein und Liedchen trällern.

Doch das bin ich im Moment nicht. Ich bin traurig. Ich darf so sein. Meine Gefühle dürfen auch traurig sein. Ich muss nicht immer fröhlich sein und guter Dinge. Auch die traurige Stimmung gehört zu mir dazu. Ich erlaube mir so zu sein - unperfekt, einfach ich.

Jetzt bin ich gerade traurig. Das ist okay. Ich bin okay.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 23 Juni, 2010
Thema: Blog - 2010, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Es fehlt was...

Im vorigen Blogeintrag schrieb ich über das 'auf dem Weg stehen bleiben' und wie schwer es mir fällt. Als ich den Beitrag online las, fiel mir auf, das mir etwas fehlte: Nämlich so richtig traurig zu sein, dass es so ist wie es ist. Dem Ausdruck zu geben.

Das hole ich jetzt mal nach:

 

Da ist erst mal ganz viel Traurigkeit. Tränen.

 

Hoffnungsvoll die Frage danach, ob es überhaupt mal weiter geht.

Gefolgt von der Angst, was wenn nicht?

Schwups, kommt der Trotz in mir durch: Na und - dann bleibe ich eben stehen!

Sekundenbruchteile und die Wut ist da: Warum passiert mir sowas????? Warum habe ich es so schwer????

Daraus entwickelt sich Kraft...

... und ein Gefühl von Freiheit und das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Jetzt ist es besser. Jetzt fühle ich Frieden in mir.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 25 Mai, 2010
Thema: Blog - 2010, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Mich selbst annehmen

Ich habe Verständnis für mich selbst

Ich kann nicht erwarten, dass andere Menschen mein Verhalten, meine Bedürfnisse, meine Wünsche, meine Haltung verstehen. Auch wenn das ein großer Wunsch von mir ist. Eine Hoffnung.

Und sich nicht verstanden zu fühlen, kann unglaublich weh tun. Verstanden werden ist für mich so ein Gefühl wie angenommen zu sein, gesehen zu werden. Jemanden begegnen, der mich verstehen will, der wirklich Interesse an mir hat, ist ein Himmelsgeschenk.

Doch was, wenn das nicht der Fall ist? Wenn ich mich unverstanden fühle oder nicht auf Menschen treffe, die mich verstehen möchten?

Dann kann ich das tun: Verständnis für mich selbst haben. Meine Argumente zu verstehen. Meine Gefühle nachvollziehen können. Meine Geschichte zu sehen. Denn dafür bin ich da: Um für mein Wohlbefinden zu sorgen. Und wenn kein Mensch auf der Welt mich versteht, ich kann es tun: Mich verstehen.

Und das fühlt sich wunderbar an: Von einem Menschen auf der Welt wirklich ganz und gar verstanden zu werden. Es lindert auch das Bedürfnis, von anderen verstanden werden zu wollen.

Mich selbst verstehen, für mich da sein - tut einfach gut.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 05 Mai, 2010
Thema: Blog - 2010, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Endlich besser

Manchmal ist das Leben wirklich zum Abgewöhnen. Mir geht es heute endlich besser. Traurig war ich die letzten Tage und dann noch Schmerzen wie schon ewig nicht mehr bei meiner Periode. Gerade die Tage davor könnte ich weinen, wenn ich nur jemanden anschaue. Tieftraurig meine Stimmung. Nichts, aber auch gar nichts Gutes kann ich dann finden. Tröstlich ist einzig, dass aller Mist auch irgendwann vorbei geht. Ich habe mir möglichst versucht, Gutes zu tun. Zum Beispiel einen Nachmittag frei gemacht und mit Wärmflasche auf die Couch und einen richtig schönen Film angeschaut. "Mansfield Park" - eine Verfilmung von Jane Austens Roman. Ich liebe ihre Geschichten. Die Schauspieler haben mir sehr zugesagt und noch heute erfreue ich mich an den Szenen: "Es hätte auch anders kommen können. Ist es aber nicht."

Heute ist es endlich besser. Seit gestern Mittag keine Bauchschmerzen mehr. Heute Vormittag endlich auch wieder fröhlich gestimmt. Das tut so unendlich gut!

Heute mag ich es wieder. Das Leben.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 15 Januar, 2010
Thema: Blog - 2010, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Körper & Schmerzen

Cool bleiben und abwarten

Mein Inneres ist der Meinung, dass ich das besonders gut könne und jetzt gerade an der Reihe ist: Cool bleiben und abwarten!

Da lache ich aber mal ganz laut! Ich und gut abwarten können? Ich und cool bleiben? Himmel, das sind garantiert zwei Dinge, die auf meiner Liste der Dinge stehen, die ich garantiert nicht gut kann...

Das nervt mich gerade sehr. Ich möchte sofort wissen, wie es weiter geht, aber ich komme einfach nicht dran. Aaaaaaaaaaaaah! Widder sind ungeduldig, das gehört scheinbar in meine Natur und dann so eine Aufgabe. Ist das doof! Doof. Doof. Doof. Doppelt doof.

Mensch!

Ich komme mir gerade vor wie eine Raupe, die der Meinung ist, schon ein wenig zu lange im Kokon zu warten und endlich endlich Schmetterling sein will. Aaaaaaaaaah! Ich will da jetzt raus...

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 08 Januar, 2010
Thema: Blog - 2010, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Gibt es etwas Gutes an diesem Wetter?

Das frage ich mich gerade. Es ist düster draußen. Windig. Der Himmel dunkelgrau schattiert. Etwas freundliches kann ich auf den ersten Blick nicht entdecken. Ich sehne mir Sonne herbei und Wärme.

Wofür ist das trübe Novemberwetter gut? Wofür?

Es kommt auf keinen Fall wie im Sommer Energie von außen auf mich zu. Keine lauen Sommertage, die mich nach draußen bringen, in den Garten, in die Sonne und mein Herz erwärmen und mein Gemüt erhellen.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe das Gefühl, dass mir das trübe Wetter Energie nimmt. Klar, ausgerechnet auch noch Montag morgen.

Nochmal die Frage: Was kann das miese Wetter für einen Sinn haben?

Ich schaue mich um: Ich sehne mich nach Licht und Wärme. Das einzige Licht, was mich erhellt, ist das, das durch das Fenster auf meinen Schreibtisch fällt. Es ist offensichtlich zu wenig, sonst würde es mir besser gehen. Also, erste Maßnahme: Schreibtischlicht an. Dann die schönen Wandlichter über meiner Packstation. Zu guter Letzt die Kerze in meinem grünen Gesteck. Ah, schon besser.

Kalt ist mir. Trotz kuschliger lila Fleecejacke. Ist die Heizung an, Anja? Nein. Also: Heizkörper aufdrehen, auch neben an in dem Raum. Es ist heute besonders wichtig für mich, dass es kuschlig ist. Moment, ich stehe eben auf und mache das. Das dauert jetzt etwas, aber dann wirds mir kuschlig warm.

Duft. Mir fehlt ein guter Duft. Ich reibe eines der Salbeiblättchen aus dem Gesteck zwischen meinen Fingern. Nein, die riechen nicht mehr. Ich stehe jetzt auf und wasche die Schale aus und lege frische Kräuter darauf. Moment...

Das sieht hübsch aus. Weniger als beim letzten Mal, dafür haben die Stiefmütterchen eine besonders intensive Farbe. Sieht toll aus. Obwohl sie frisch gepflückt sind, riechen Salbei aus dem Garten und Lavendel nicht mehr gut, ihnen fehlt wohl ebenso die Wärme der Sonne. Pfefferminze und Zitronenmelisse duften intensiv, als ich die Blätter zwischen meinen Fingern reibe. Hm. Ein Augenschmaus und eine Dufterinnerung, wenn ich mir meine Schale anschaue.

Es fehlt aber wirklich noch Duft. Der dauerhaft ist. Ich erinnere mich an das Räucherzeug, das mir mein Vater geschenkt hat. Oh, da sind schöne Düfte bei. Ich wähle den Reiki-Duft. Ah, er entfaltet langsam seine Kraft.

Hier im Raum ist es jetzt schon merklich wärmer. Was fehlt noch, damit es mir gut geht? Heißer Kakao! Obwohl ich schon heißen Tee getrunken habe, ein heißer Kakao, im Idealfall noch mit einer Sahnehaube - das wär's jetzt. Ich mach mir das mal eben. Bin gleich wieder da...

Ah, noch besser. Der Kakao ist inzwischen halb ausgetrunken. Hm, war der lecker. Ich habe oben auch noch Schokostreusel und gehackte Mandeln draufgestreut und wie einen Nachtisch gelöffelt. Was für eine Leckerei. Hmmmmm!

Hier im Raum ist es jetzt wohlig warm und hell. Es duftet angenehm. Mein Gaumen wurde verwöhnt. Ich blicke auf ein wunderschönes Gartenarrangement. Fehlt noch was?

Ja! Musik? Ja! Normalerweise höre ich kaum Musik. Aber jetzt täte mir etwas klangvolles ganz gut. Da fällt mir das Lied "Light my fire" von Wil Young ein. Wenn ich das Lied einmal im Ohr habe, bleibt es da meist den ganzen Tag... Dann mag ich noch die meditative Klaviermusik von Claus Rank ("Musik, weil ich fühle", Lieblingstitel: "Morningdew"). [Die CDs sind nicht mehr erhältlich. Der begabte Musiker Claus Rank ist leider inzwischen verstorben.]

Hm, mit der Musik wird es noch besser. Fehlt jetzt noch was zum Glücklich sein?

Ja! Was? Etwas schönes für meine Seele. Liebevolle Worte, die mich zum Strahlen bringen.

Ok. Mich selbst zum Strahlen bringen. Ich versuch's: "Anja, ich habe mich lieb. Ich bin wertvoll und wichtig für mich. Ich mache mir Freude und Mut."

Geht das in die richtige Richtung? Ja.
Reicht es? "Nein", antwortet mein Herz.
Was wünschst du dir noch? "Das du mir verzeihst, dass ich nicht so schnell bin und vorwärts komme wie ich sein könnte."
Ich verzeihe mir, dass ich nicht so schnell vorwärts komme, dass ich nicht schon da bin, wo mein Verstand mich sieht. Ich versuche meine eigene Geschwindigkeit anzunehmen.

Besser? "Ja", sagt mein Herz.
Fehlt noch etwas? "Ja."


Was fehlt noch? Mein Herz atmet tief durch: "Ich bin nicht perfekt. Ich schaffe es einfach nicht. Du machst mir aber Druck, alles zu schaffen, in der vorgegebenen Zeit. Das ist einfach zu viel für mich."
Ja, das stimmt. Ich bin ungnädig mit mir selbst. Ich vergleiche mich mit anderen und bin einfach unzufrieden, wenn es nicht so schnell vorwärts geht wie es gehen könnte. Nicht so schnell und leicht wie andere das - so glaube ich - schaffen. Dann fühle ich mich klein und schlecht.

"Oh Anja", sagt mein Herz, "es schmerzt mich, das zu hören. Wärst du anderen gegenüber auch so hart wie dir selbst gegenüber?"
Nein, wäre ich nicht. Ich würde anderen die Zeit lassen, die sie brauchen. Ihnen wünschen, dass sie liebevoll mit sich selbst sind und anerkennen, dass es manchmal eben nicht so schnell geht wie andere Anteile in einem selbst das wünschen.

"Warum gibst du dir selbst nicht diese Liebe?", fragt mein Herz.
Weil es so schwer ist, liebevoll zu mir selbst zu sein. "Ja", seufzt mein Herz, "das fühle ich."

- Wir beide schweigen eine Weile. -

"Weißt du was?", fragt das Herz mich. Was? frage ich. "Ich habe dich genau so lieb wie du bist, Anja", lächelt mein Herz mich an. "Obwohl du weicher zu dir selbst sein könntest. Obwohl es dir manchmal noch schwer fällt, liebevoll mit dir selbst umzugehen und dir zu verzeihen, wenn es nicht so läuft wie du es dir wünschst. Ich sehe, wie sehr du dich entwickelt hast. Das gibt mir ein warmes und glückliches Gefühl. Ich glaube an dich und daran, dass du es Schritt für Schritt schaffen wirst, immer noch liebevoller mit dir selbst umzugehen."

Ich bin zu Tränen gerührt. Das fühlt sich gut an. In mir selbst ist es jetzt licht und hell. Tränen der Rührung fließen hinab und tun mir so gut.

Ich bin erfüllt von einem stimmigen Gefühl.

Das Wetter draußen erinnert mich jetzt an Momente, wenn ich ungnädig mit mir selbst bin, quengle, unzufrieden bin. Und ich entdecke die vielen besonderen Schattierungen des Graus in den Wolken. Es sieht phantastisch aus.

Ja, vielleicht ist dafür das Novemberwetter gut: Um in mir selbst ein Licht zu entzünden. Mir selbst Gutes tun. Mir selbst Energie zu spenden. Mir selbst eine liebevolle, aufmerksame, verständnisvolle und ermutigende Mutter zu sein. Seufz.

Ja, das fühlt sich gut an.

Von Herzen

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 16 November, 2009
Thema: Blog - 2009, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Gut gegen Novemberblues

Puh, der Spaziergang mit Minu heute früh um halb neun war alles andere als schön. Dunkelgrau der Himmel, kaum Licht kam durch die Wolken. Trüb und trist die Stimmung darunter. Nein, heute morgen konnte ich daran gar nichts schönes finden. Perfekter Novemberblues! Abends kann ich mir mit Licht und Kaminfeuer helfen und mich zum Beispiel durch Filme und Bücher ablenken. Doch tagsüber? Nochmal puh! Während es mir gestern nix ausgemacht hat: Heute sieht es anders aus!

Doch kaum zwei Stunden später sieht meine Stimmung völlig anders aus: Heiter. Gut gestimmt.

Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Ich habe mir ein Brötchen mit Nusscreme gegönnt und ein Schokoweckchen, dazu heißen Kaffee, eine Gartenzeitschrift und die obligatorische Tageszeitung mit vielen Bildern. Doch davor habe ich mir eine Kerze gekauft: Lila ist sie. Aus dem Küchenschrank habe ich mir eine Schale ausgesucht und bin damit in den Garten gestiefelt: Dort wollte ich sammeln, was grün und lila war. Erst dachte ich: Was soll da noch sein? Doch dann fand ich eine ganze Menge:

 

So sieht mein Novemberblues-Heilmittel von oben aus. Was ich alles gesammelt habe? Eine Blüte vom Stiefmütterchen, die Prinzessinen-Blume spendete eine große lilafarbene Blüte, ebenso die Clematis an meinem Rosenbogen. Auch die Echinazea schenkte mir eine Blüte. Für Duft sorgt Grün vom Lavendel, von Salbei, Pfefferminze und Melisse. Hellgrün strahlen die letzten Blüten des Frauenmantels auf seinem großen Blatt, worauf auch noch Regentropfen perlen. Lungenkraut und Ranken von Mühlenbeckie und Efeu sorgen für weiteres Grün.

Dieses Bild tut mir in der Seele gut!

Jetzt gerade wo ich diese Zeilen schreibe, fällt als Lichtgruß auch noch Sonne durch die Wolken auf meinen Schreibtisch. Und wenn sie wieder weg ist, der Himmel wieder trüb und grau, leuchtet mein lila-grüner Gartengruß. Fort ist er, der Novemberblues!

Herzlich aus Köln

Anja Kolberg

PS: Ich habe daraus eine E-Card gemacht. Einfach draufklicken und verschicken.

E-Card gegen Novemberblues

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 10 November, 2009
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Schlechte-Laune-Radar

Manchmal habe ich schlechte Laune, genauer: Ich bin traurig, bedrückt. Erst verstehe ich gar nicht, warum das so ist, weil es mir doch "eigentlich" gut geht. Und dann schalte ich meinen inneren Schlechte-Laune-Radar an und frage mich: 'Seit wann bin ich so traurig? Was war da?' Das geht mal schnell, mal dauert es Stunden und dann weiß ich, was die Ursache für meine Stimmung ist. Meist bessert sich meine Stimmung schon dadurch, dass ich den Grund kenne.

Worüber ich traurig werde? Vor einiger Zeit war ich traurig, weil jemand eine berufliche Überfliegerphase hatte und ich dachte: "Der hat's gut. Warum passiert mir das nicht? Das will ich auch." Nein, (ich schüttel mit dem Kopf), das ist keine Mißgunst. Ich gönne Anderen ihr Glück. Es ist eher so, dass ich dann auf mich schaue und traurig bin, weil ich genau das in meinem Leben nicht finde und schmerzlich vermisse. Ja, es ist Neid. Ich lerne gerade zu all meinen Gefühlen zu stehen. Und auch Neid ist ein Teil meiner Gefühlswelt.

Doch ich werfe nur einen Scheinwerfer auf eine Stelle eines anderen Menschen und meine automatisch, alles andere wäre bei ihm auch so sonnig: "Der hat jetzt keine Probleme mehr, verdient jede Menge Geld und macht, was er möchte..."

Bei dem Anderen ist aber nicht nur Sonne, sondern auch Schatten, denn diese eine - glückliche - Sache ist eben nur ein Ausschnitt, ein Puzzlestein eines anderen Menschen. Wenn ich wirklich mit dem Anderen spreche und dadurch überall Licht mache, merke ich, dass es dem Anderen eben nicht nur gut geht. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, wenn auch andere als ich trage. Jeder hat sein Sonnenlicht und jeder seinen Schatten.

Ein Beispiel aus einem anderen Blickwinkel auf meinem derzeitigen Lebensabschnitt: Auch wenn ich viel Papier losgelassen habe, ist bei mir jetzt nicht "alles" in Ordnung und ich bin nicht überglücklich. Das eine Problem ist gelöst, aber andere sind noch da. Oder die Coaching- und Trainingsauszeit tut mir gut und ist wichtig, hat für mich aber keineswegs! den Geschmack einer glücklichen Urlaubszeit, in der alles wunderbar ist. Auszeit fördert vieles zu Tage, was durch die Tretmühle Alltag unterdrückt wurde, weil keine Zeit dafür da war. So kommen seelische Themen auf den Tisch, die jetzt bearbeitet werden können/müssen, weil ich dafür durch die Abwesenheit von der Arbeit mit Klienten überhaupt erst einen Kopf habe. Diese Aufarbeitung ist kein Zuckerschlecken.

So ist ein erster Blick auf die vermeintliche Sonnenseite nur ein Stück vom wahren Ganzen. Erst beim genaueren Hinschauen wird die Schattenseite offenbahrt. Wenn ich die ganze Geschichte kenne, möchte ich nicht wirklich tauschen. Auch der berufliche Überflieger hat seinen Preis zu zahlen, zum Beispiel mit zeitlichem Druck und Streß und verminderter Freizeit. Muss nicht, aber es kann so sein.

Mit diesem Wissen kann ich wieder gelassen auf mein Leben blicken und es gut finden, so wie es ist. Ich will kein anderes haben und die Traurigkeit oder schlechte Laune ist während dessen verflogen.

Herzensgrüße

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 12 August, 2009
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Ich darf das

Was? Traurig sein. Ich darf niedergeschlagen sein. Ich darf das Blöde, Unbequeme, Belastende, Einschränkende, Lähmende, Schwere in meinem Leben sehen. Und damit durch den Alltag gehen. Ich muss nicht immer die "Es-ist-alles-gut"-Lampe anschalten, die die dunklen Seiten vertreibt.

Traurigkeit, Schwere, Lähmung, Schmerz und Leid gehören zum Leben dazu. Sie sind ein Teil von mir und von der Welt. Ich darf traurig sein. Es ist nichts Schlimmes. Die schweren Seiten gehören zum Leben wie die Fröhlichkeit, die Leichtigkeit und das Lachen.

Auch wenn die Menschen lieber solche sehen, die fröhlich sind. Solche, die gesund sind und denen es gut geht. Warum? Wer in das Leid von anderen schaut, spürt selber Leid. Es tut weh, andere leiden zu sehen. Es ist so. Ich kann aber keinem sein Schicksal nehmen, seine Schmerzen ersparen, seinen Weg ebnen. Jeder hat seinen eigenen Weg zu gehen, mit all den leuchtenden und glücklichen Momenten und den dunklen und schweren Abschnitten. Und jeder hat ein Recht darauf, seine Prüfungen selbst zu meistern. Jeder darf das auf seine Weise.

Ich erlaube mir meine Traurigkeit. Sie gehört zu mir. Schön, dass du da bist. :o)

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 16 Juni, 2009
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Mir selbst näher kommen

In letzter Zeit häufen sich die Blogeinträge, wo es mir nicht so dolle geht. Fühlt sich zumindest so an. Toll finde ich das nicht, aber es ist im Moment einfach so. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich offener werde. Heute bin ich traurig, fühle mich wie gelähmt und komme nicht richtig in Bewegung. Ätzend! Ich mag das nicht besonders, aber es lässt sich nicht wegzaubern.

 

Tiefes Durchatmen. Menno! Ich möchte, dass es weg geht. Die Traurigkeit geht aber nicht. Da fällt mir die Geschichte der traurigen Traurigkeit ein. (Wenn Sie "traurige Traurigkeit" in eine Suchmaschine eingeben, werden Sie die Geschichte xfach finden). Die Geschichte erinnert mich an das Gute der Traurigkeit: Sie möchte mich mir selbst näher bringen, mir die ungeweinten Tränen zeigen. Tiefes Seufzen. Ja, das spricht mein Inneres an.

Vor einigen Jahren ergab sich diese Situation in einem meiner Workshops... Stop, vorher brauche ich hier beim Schreiben Musik. Etwas schweres, ehrliches, vielleicht Tracy Chapman oder Xavier Naidoo, die passen ziemlich gut in meine Stimmung. Aaah, schon besser. Normalerweise höre ich gar keine Musik. Aber jetzt, jetzt brauche ich sie.

Zurück zum Workshop. Ich neige dazu, mich selbst stark zu kritisieren und habe den Anspruch alles möglichst zur Zufriedenheit aller zu machen. Da ich sehr feinfühlig bin, bekomme ich nicht nur meine eigenen Gefühle mit, sondern auch die der Menschen, die mich umgeben, so auch die der Teilnehmer. Thema des Workshops war die berufliche Veränderung und da meldet sich der Kritiker ziemlich stark. Und ich spürte, wie der Kritiker an diesem Tag an uns allen nagte. Er lag förmlich in der Luft.

Ich hatte immer Angst, dass der Kritiker in mir noch riesiger wird, wenn ich ihm zuhöre, also: Je mehr Aufmerksamkeit er bekommt, je größer wird er. Ergo: Nicht beachten, nicht hinhören, missachten. Doch er war dennoch da und riesig groß, ohne ihm Aufmerksamkeit zu geben. Diese Theorie und Angst konnte also nicht stimmen.

Während der Übungen hatte ich Zeit zum Nachdenken und ich überlegte, was wäre, wenn ein Teilnehmer zum Workshopbeginn in den Raum kommen würde und ich als Leiterin würde ihn weder begrüßen, noch einen Platz anbieten, noch mit einbeziehen? Ein stiller, leiser Charakter würde vielleicht den Kopf einziehen und verschwinden. Ha, aber nicht der Kritiker. Dafür ist er viel zu groß und stark. Dieser Teilnehmer würde sich immer deutlicher bemerkbar machen, mich rütteln und schütteln und erst Ruhe geben, wenn ich ihn wirklich wahrnehme. Und das tat er gerade mit aller Kraft. Der Kritiker bedrängt mich, redet auf mich ein wie ein Wasserfall... Puh, das kann anstrengend werden.

Dieses Ignorieren würde ich niemals mit einem Teilnehmer machen. Gleich, wer kommt, ich würde ihn freundlich und offen begrüßen, Aufmerksamkeit schenken, mich kümmern, einen Platz anbieten, etwas zu trinken. Wie kann ich also so mit einem Teil von mir selbst umgehen? Morgens auf dem Weg zur Coachingwerkstatt war mir der Aufkleber auf einem vorausfahrenden Wagen aufgefallen: Das Ying-Yang-Zeichen.

Da machte es *Pling*: Es ist gar nicht ganz weiß (= nur gut), es ist auch nicht dreiviertel weiß und einviertel schwarz. Nein, genau die Hälfte weiß und die Hälfte schwarz. Das Gleichgewicht entsteht dadurch, dass beides gleich viel Aufmerksamkeit bekommt. Auch das Schwarze (Negative, Schwere, Kritische). Es hat seinen Sinn und seine Berechtigung!

'Kein Wunder, dass der Kritiker so laut schreit', dachte ich mir damals.

Mir wurde bewusst: Wenn ich ihm nicht zuhöre, wird er größer. So kam ich auf die Idee, dem Kritiker Raum zu geben. Ganz bewusst. Ich lud in einer Übung dazu ein, den inneren Kritiker zu malen und aufzuschreiben, was er zu sagen hat. Nachdem alle ihren Kritiker angeschaut, ihm Aufmerksamkeit gegeben hatten, ihn gefragt hatten, welche positive Absicht er hat und wie sie die für ihren Weg berücksichten könnten, kehrte Frieden in den Raum ein. Eine ganz andere Stimmung war da. Welch wertvolle Übung und Veränderung! Seit dem hatte diese Übung einen festen Platz in meinem Workshopplan. Denn nichts ist nur schlecht, auch der Kritiker hat seine gute Seite. Auch er hat mir/uns eine Botschaft mitzuteilen, die für den Lebensweg wichtig ist.

Damals begann ich ein Kritikertagebuch zu führen: Ich kaufte mir dafür eine schwarze (natürlich schwarz!) A4-Kladde ohne Linien. Ich nahm mir vor, meinem Kritiker jeden Morgen zehn Minuten zu geben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich begann auf der linken Seite mit einer Zeichnung. Ich habe einfach rausgelassen, was mir in den Kopf kam. Mal waren es nur Krickelkrackel, Farben, die ohne erkennbare Formen auf dem Blatt übereinander liefen, mal entstand eine Figur. Die unterschiedlichsten Seelenbilder fanden ihren Weg auf diese weiße Seite. Rechts daneben schrieb ich all die negativen, belastenden Gedanken auf, die mir in den Sinn kamen. Ohne Bewertung, ohne Zensur. Danach klappte ich das Heft zu und hatte für den Rest des Tages Ruhe. Aaaah, war das gut! Über ein Jahr schrieb ich das Kritikertagebuch (in der Collage einige Ausschnitte) und es wurde von Tag zu Tag besser. Nachher hatte ich das Gefühl, ich brauchte es nicht mehr. Ich habe vom Kritiker viel Gutes für mich erfahren.

Es ist ein Anteil in mir, der mir etwas sagen möchte. Der wichtig ist, genau wie die Traurigkeit und jeder andere nicht so lustige Anteil von mir. Es ist gut, dies gerade nochmal bewusst zu erkennen. Ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt, um dem traurigen Teil von mir Aufmerksamkeit zu schenken. Und mir selbst dabei ein Stück näher zu kommen. Und ich merke nach langer Zeit wieder - ohne eine Last auf meinen Schultern zu spüren: Mein Workshop war schon schön. :o) Der Kritiker ist gerade ganz still und nickt mir zu, hebt den Baumen hoch und lächelt mich an. Schön!

Ich wünsche Ihnen ein zauberhaft schönes Juniwochenende!

Anja Kolberg

PS: Hm, unten stehen zwei Schalen Erdbeeren und im Kühlschrank wartet Vanillejoghurt. Leckerschmecker. Und grüner Spargel. Oh, das wird ein Schlemmerwochenende! ... und der Hals ist zu 95% wieder okay. Schöööön!

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 05 Juni, 2009
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Nix passiert

Heute - nein schon einige Tage - tue ich mir selbst richtig doll leid. Es will nicht so richtig vorwärts gehen. Korrekt ausgedrückt: Es passiert nix. Zumindest offensichtlich nichts. Ich dümpel vor mich hin, was mich überhaupt nicht zufrieden stellt. Ich schlafe, surfe im Netz, spiele Gewinnspiele, gieße meine Blumen, schiebe Projekte von der einen Seite meines Schreibtisches auf die andere, schreibe Tagebuch, beantworte Mails, gehe zu meiner Freundin in den Blumenladen quatschen, mache lange Pause... nichts wirklich Produktives, wo mein Konto sich drüber freut. Zumindest nicht auf dem direkten Weg. Mein innerer Antreiber läuft Amok, aber mein Körper ist stärker. Er lähmt mich richtig. Buäh!

Und so bade ich in Selbstmitleid oder gieße es kübelweise über mir aus.

 

Nu ist die dicke Portion Selbstmitleid wider Erwarten nicht braun, eklig und klebrig, sondern beim Malen spürte ich: Sie ist helllila und fedrig leicht. Fast wie Zauberpuder. Und dies Zauberpuder tut meinem Körper und vor allem meiner Seele gut. Ach schnief, es gibt gerade nix schlimmeres, als dass es nicht vorwärts geht. Ich leide. Ganz ganz ganz ganz doll. Auf der anderen Seite leide ich wieder nicht, denn ich habe ja keine körperlichen Schmerzen, die Grundbedürfnisse (trinken, essen, zu Hause...) sind erfüllt. Also was stelle ich mich an?

Und genau da liegt glaube ich gerade das Problem: Ich mache mich selbst fertig! Ich verurteile mich selbst dafür, dass ich nicht so schnell vorwärts komme wie ich mir das wünsche. Und das verursacht seelischen Schmerz. Aua!

 

Das würde ich mir von keinem anderen gefallen lassen. Da würde ich zurück schlagen. Da ich es selbst bin, bringt mich das nicht wirklich vorwärts. Oder vielleicht zu einem Doppel-k.o.?

 

Hm. "Annehmen, was ist", kommt mir in den Sinn. Auch wenn es NICHT vorwärts geht, sondern stagniert. Mir fällt die Geschichte aus der Natur ein, die mir einmal erzählt wurde und mich so fasziniert hat, dass ich sie meinen Klientinnen erzählt habe, wenn sie auf ihrem Weg ins Stocken gerieten und darüber traurig waren. Zeit, sie mir selbst noch einmal zu erzählen:

Eine Kornähre wächst eine zeitlang ziemlich schnell in die Höhe. Und dann geschieht eine zeitlang gar nichts mehr. Hat sie aufgehört zu wachsen?

Es dauert eine Weile und dann auf einmal wächst sie rasend schnell weiter in die Höhe.

Was ist in der Zwischenzeit passiert? Die Knötchenbildung, die der Pflanze die nötige Stabilität verleiht, ohne die sie nicht so hoch wachsen könnte.

Was sagt mir das für mich? Gerade passiert ein wichtiger Prozess in mir selbst und meinem Leben: Alles setzt und vernetzt sich. Ich verarbeite vieles, bereite mich auf ein weiteres Wachstum vor. Was nach außen wirkt, als geschehe nichts, ist in Wahrheit ein wertvoller, stabilisierender und nötiger Schritt auf meinem Lebensweg. Und wenn dieser scheinbar lahme, mich lähmende Prozess abgeschlossen ist, geht es rasend schnell auf meinem Weg weiter.

Mir bleibt, was auch die Pflanze macht: Jeden neuen Tag begrüßen. Für meine Grundbedürfnisse sorgen. Da sein. Und alles andere die Natur machen lassen, den Dingen ihren Lauf lassen. Und das fällt mir - behaupte ich zumindest mal - viel viel schwerer als der Pflanze. Seufz. Aus diesem Zusammenhang, der vielen Menschen auf dem Weg der Veränderung begegnet, mir in meiner Arbeit als Coach unzählige Male und mir als Mensch in letzter Zeit in immer kürzeren Abständen, entstand diese Postkarte: "Zum richtigen Zeitpunkt fließt alles von alleine. Bis dahin: Genieße die Pause!", die an die schönen Seiten einer solchen Pause erinnert:

Link zum Webshop

Eigentlich ist dieser Schritt ganz einfach, wenn man es genießen kann. Warum ist alles Einfache meistens so schwer?

Grüße vom Lebensweg

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 27 Mai, 2009
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Ein grauer Donnerstag

Der Blick hinaus ist kein Motor für gute Laune: Grauer Himmel, Dauerregen. Bäh! Als diese Woche so herrlich die Sonne geschienen hat, stieg mein Gute-Laune-Barometer gleich nach oben.

Puh - und jetzt? Da sackt die Anzeige gleich nach unten ab.

Da muss ich mir für heute etwas ganz besonderes überlegen, damit ich bessere Laune bekomme. Also zuerst gehe ich mit Minu mal eine Runde an die frische Luft und genieße den Regen :o( - ich versuche es zumindest. Danach ist irgend ein stimmungsaufhellendes Getränk fällig. Heiße Schokolade mit Sahne? Kaffee mit doppelter Portion Milchschaum - oder gleich beides zusammen? Und dazu ein leckeres Brötchen mit Nussnougatcreme?

Ja, das ist glaube ich ein guter Einstieg. Damit steig das Barometer um ein paar Grad. Und vielleicht habe ich dann ja noch was nettes in der Post - das kann sogar einen Sprung auf dem Barometer nach oben bedeuten.

Klingt schon mal gut. Am Wochenende startet eine Ausbildung, an der ich teilnehme. Thema: Aufstellungen. Ich habe hier schon vielseitige Erfahrungen, Familienaufstellungen nach Hellinger, Aufstellungen mit Einzelpersonen, Aufstellungen, die in frühere Leben zurück gehen (spannend!) - und hier eben die Variante Freie Aufstellungen ohne Regeln. Wobei ich mit meiner Freundin Ariane auf dem Gebiet schon viel ausprobiert habe und wir uns auch nicht von festen Regeln haben abhalten lassen unser eigenes Ding zu machen. Kann also sein, dass ich das alles schon selbst gemacht habe. Mal sehen - ich lasse mich überraschen, habe auf jeden Fall große Lust darauf, neue Menschen kennen zu lernen, Neues zu erfahren... Denn das werde ich auf jeden Fall - vor allem über mich selbst. Ein Seminar habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Ja, dank der Vorfreude steigt das Gute-Laune-Barometer auch noch einmal.

Einen schööööööööönen Tag!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 05 März, 2009
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Ich weiß jetzt...

 

... was hinter der Wolke steckt, die mir gestern folgte.

Es sind die Gedanken an den bevorstehenden Zahnarztbesuch am Montag.

Ich habe schon ewige Zeiten keine Füllung mehr bekommen. Und mir graut vor Montag.

Immer wieder denke ich an den Termin. Klar, kann ich mich davon auch wieder ablenken. Aber der kommende Termin bleibt wie eine dunkle Wolke über mir, mal ist sie näher und mal weiter weg ...

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 09 Dezember, 2008
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Dunkle Wolke

 

Sie fiel mir heute früh beim Spaziergang auf. Eine dunkle Wolke über mir. Sie folgte mir und auch jetzt ist sie über mir. Blödes Ding! Sie macht mir schlechte Laune! Einfach so, dabei bin ich fröhlich aufgewacht, nicht mit dem linken Fuß aufgestanden. Blöde Wolke! Mensch!

Auch Beschimpfungen lösen sie nicht auf. Mist! Ich will gute Laune haben. Ich will, dass die Wolke weggeht. Tut sie aber nicht!

Dann muss ich wohl gerade mal mit ihr leben... Manno!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 08 Dezember, 2008
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Mal geht's rauf ...

 ... und mal geht's runter auf der Achterbahn. Montag ging's steil bergauf mit meinen Gefühlen. Saugut ging's mir. Voller Energie. Lust. Tatendrang. Ich dachte, das geht die ganze Woche so weiter... Irrtum.

Dienstag: Es ging steil bergab mit meiner Stimmung. Starke Kopfschmerzen überraschten mich während ich die Umsatzsteuer für das dritte Quartal fertig machte. Mist! Nachmittags lag ich im Bett. Erst gegen Abend bin ich aufgewacht um dann nach einer kurzen Pause wieder ins Bett zu gehen... So kann's gehen.

Heute früh habe ich dann erst mal die gesamte Erwartungslast, die ich mir auf die Schultern gelegt hatte - was ich alles tun wollte - wieder von meinen Schultern genommen. Ich habe mir gesagt: Dann geht's eben nicht. Letzte Woche war megaanstrengend, diese Woche darf es halblang gehen.

Und heute mittag geht es mir schon wieder richtig gut. Der Tatendrang ist zurück.

Wann war ich eigentlich das letzte Mal auf einer Achterbahn? Das ist doch schon Jahre her. Ich glaube im Phantasialand. Ich liebe es, wenn es rasch runter geht so richtig laut zu schreiben. Boah, macht das Spaß!

Viele Grüße!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 15 Oktober, 2008
Thema: Blog - 2008, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Traurig...

... bin ich über die Nachricht, dass Knuts Pfleger Thomas Dörflein gestern gestorben ist. Er war erst 44 Jahre jung! Traurig, weil ich ihm noch viele Jahre mit Knut und seiner Familie und seinen Freunden gegönnt hätte und ein bischen in Sorge, wie es dem jungen Eisbären gehen mag, der fortan die täglichen Besuche seines Pflegers vermissen wird. Weiß er, spürt er, dass sein Pfleger nicht mehr lebt? Doch nicht nur er wird den Ziehvater schmerzlich vermissen. Ich hoffe, seine Familie findet Trost. Jeder findet seinen Weg, mit diesem Verlust umzugehen.

Die Bilder wo Herr Dörflein mit Knut spielt, waren bisher ein Quell der Freude für mich. Jetzt schmerzen sie. Mist! Ähnlich wie Elton Johns Lied "Goodbye Englands Rose", bei denen mir schnell die Tränen kommen - denn ein bischen musste ich eben an den Tod von Lady Diana denken, der mir ähnlich nahe ging.

Warum passiert sowas? Es ist nicht fair.

Wobei ich davon überzeugt bin, dass es der Seele des Toten gut geht. Er ist gut versorgt, gut aufgehoben, in Gesellschaft mit den geliebten Menschen, die vor ihm gegangen sind. Schwierig ist es immer nur für die, die zurück bleiben.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 23 September, 2008
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Die innere Ordnung wiederherstellen

Heute war ein Tag, an dem nichts planmäßig verlief. So viele Erlebnisse, die mich nachdenklich gemacht haben, durcheinander gewirbelt, aus meinem inneren Plan geschmissen. Ich habe den Eindruck, völlig neben mir zu stehen. Gefühlt sieht das so aus:

 

Wenn ich die wichtigen, liegen gebliebenen Aufgaben erledigt habe, wird die äußere Ordnung langsam wieder hergstellt. Das Funktionieren hört auf und ich spüre intensiv: Ich bin immer noch neben der Spur. Höchste Zeit, auch meine innere Ordnung wiederherzustellen.

Ich brauche Rituale, um wieder zu mir zu kommen. So ein Ritual ist ein Moment der Stille. Nichtstun und Löcher in die Luft starren oder im Garten sitzen und inne halten. Etwas trinken. Atmen. Die Natur beobachten. Noch tiefer durchatmen. Seufzen. Die Gedanken ziehen lassen. Die Augen schließen. Mir Zeit geben. Schreiben.

Langsam kehrt Ruhe ein und mit ihr meine innere Ordnung.

 

Bei jedem Durcheinanderwirbeln merke ich mehr, wie gut mir die tägliche Regelmäßigkeit tut. Meine innere und äußere Ordnung.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 11 August, 2008
Thema: Blog - 2008, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Betroffen

Heute vormittag erhielt ich die Nachricht vom Tod des Autors Kurt Peipe. Sein Buch "Dem Leben auf den Fersen" hatte ich letzte Woche vorgestellt. Der unheilbar erkrankte Gärtnermeister hatte sein großes Anliegen, seinen 166tägigen Pilgerweg öffentlich zu machen, verwirklicht und starb am 8. August 2008. Dem Tag der Buchveröffentlichung.

Mich macht das betroffen. Ich hatte Hoffnung, dass er länger leben würde, noch viele glückliche Tage im Kreis seiner Familie verbingen würde. Um so tröstlicher ist der Gedanke, dass er seinen großen Traum, den Fernwanderweg von der deutsch-dänischen Grenze bis nach Rom zu wandern, letztes Jahr noch verwirklichen konnte. Trotz künstlichem Ausgang, trotz schwerer gesundheitlicher und konditioneller Einschränkungen. In diesem Moment begreife ich nocheinmal mehr, wie viel dieser Mann auf seinem Weg geleistet hat. Ich habe ihn nicht persönlich gekannt, nur sein Buch gelesen und dennoch geht mir sein Tod nahe.

Heute begegnet mir der Tod nicht zum ersten Mal. Ich habe heute früh einen Nachbarn gesehen, der neben seinem Hund auf der Kofferraumkante saß und weinte. Der Retriever war schon sehr alt, ich hatte ihn in letzter Zeit selten gesehen und dann sehr langsam und humpelnd. Es sieht so aus, als wäre er jetzt im Hundehimmel.

 

Wie schrecklich ist es, jemanden zu verlieren, den man liebt.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 11 August, 2008
Thema: Blog - 2008, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Schutzengel

Heute vormittag hatte ich ein längeres Telefongespräch. Ich habe Zeit verschenkt zum Zuhören. Vor Mittag kam das Geschenk unverhofft zur Einlösung. Mir fällt gerade auf, dass ich kurz zuvor ja im Blog etwas dazu geschrieben habe. Der Beschenkte kennt meinen Blog nicht. Zufall?

Bei dem Gespräch wurde mir wieder bewusst: Zuhören ist eine Kunst. Nämlich wirklich nur zuzuhören ohne Lösungen in kniffligen Situationen zu geben, ohne das Gespräch bewusst in eine bestimmt Richtung zu lenken. Zuhören und offen sein für das, was sich entwickelt.

Danach bin ich ein paar Sachen im nahen Supermarkt einkaufen gegangen. Auf dem Rückweg - es sind nur wenige Minuten zu Fuß - ließ ich das Gespräch Revue passieren. Es hat mich nachdenklich gemacht. Und dann auf einmal hatte ich das Bild vom Schutzengel im Kopf, das ich gerade gemalt habe und diese Worte: "Jeder von uns hat einen Schutzengel. Sie können die schwierigen Zeiten in unserem Leben nicht wegnehmen oder lindern. Aber unsere Schutzengel sind bei uns und bleiben bei uns, gleich wie dunkel es um uns herum wird. Und sie halten unsere Hand. Wir sind nie alleine, sie begleiten uns auf jedem Weg."

Ach, das hat so richtig gut getan. Ich hab mich ganz beschwingt gefühlt mit diesem Bild. Ich habe von dem Bild eine E-Card gemacht, einfach auf das Bild klicken, dann öffnet sich die Karte und sie können sie verschicken. Wenn Sie auf die E-Card-Seite sind, finden Sie sie ab sofort in der Rubrik: "Ermutigung und Zuversicht in schwierigen Zeiten".

Liebe Grüße!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 06 August, 2008
Thema: Blog - 2008, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Es gibt Tage, die sind wirklich...

... für die Tonne. Bei dem gestern hatte ich das Gefühl. Am Nachmittag, ich war noch gar nicht so richtig produktiv, wurde ich hundemüde und konnte die Augen gar nicht mehr am PC aufhalten. Also habe ich mich ergeben und mich ins Bett gelegt und zwei Stunden geschlafen. Danach war ich völlig durch den Wind. Ich habe mir selbst richtig leid getan. Danach ging es besser. :o)

Meinem Mann ging es gestern auch nicht supi, wir haben beide gemerkt, wie uns das Wetter zu schaffen macht. Diese Woche soll es heiß werden, sagte gestern jemand. Ich hoffe, jeder der das nicht verträgt, findet ein kühles Plätzchen, um es sich dort gut gehen zu lassen.

Diese Woche zählt die Kraft der kleinen Schritte. Halblang machen. Ansprüche runter. Wohlbefinden rauf.

Anja Kolberg

PS: Seelentröster und aufmunterer spielt da glatt die neue Serie "Doctors Diary", die Montag Abend auf RTL läuft. Eine Mischung aus "Bridget Jones", "Mein Leben und ich" und "Grey's Anatomy". Perfekte Unterhaltung. :o)

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 01 Juli, 2008
Thema: Blog - 2008, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Die Leere überwinden

Es gibt Situationen, da bin ich leer. Ich halte inne und weiß nicht, wo ich weiter machen soll. Zu viele Baustellen. Nichts, was mich wirklich anzieht. Vielleicht ist das der richtige Moment, um mich auszuruhen? All das liegen zu lassen, was ich tun müsste, was sinnvoll wäre oder doch etwas anpacken, damit ich mich anschließend besser fühle?

Gerade ist so ein leerer Moment. Ich könnte eine Menge tun und doch mache ich nichts. (Klar, ich schreibe gerade hier, das ist nicht nichts.)

Ich glaube wirklich, ich lege mich hin und gönne mir ein Stündchen im Bett. Begebe mich auf eine rosa Schlafwolke, träume vom Mond und den Sternen. Ich werde ganz müüüüde. Meine Beine sind gaaaanz schwer. Meine Arme werden ganz schwer.... Zzzzzzzzzzzz

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Samstag, 28 Juni, 2008
Thema: Blog - 2008, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Schöne Zeichen

Vor einigen Wochen hatte ich eine Sinnkrise, in der ich so manches in Frage gestellt habe. Ich habe mir eine Deadline gesetzt. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt nichts passieren würde, dann würde ich einen neuen Weg einschlagen. Ich bat um Zeichen.

Einen Tag vor dem Ablauf der Deadline bekam ich ein deutliches Signal, dass ich weiter machen soll auf meinem Weg. Ein Zeichen der Zuversicht, das mir neuen Auftrieb gegeben hat. Und am Tag selbst ein weiteres Zeichen. Das hat so gut getan. Ich fühle mich beflügelt und bin unendlich dankbar!

Für mich ein Signal, dass es etwas Größeres gibt, das über uns wacht, das uns stärkt und uns den Weg zum Licht zeigt, wenn wir zweifeln und es uns zu dunkel auf unserem Weg geworden ist.

DANKE!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 16 Mai, 2008
Thema: Blog - 2008, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Verständnis und Mitfühlen
als wirkliche Hilfe

Es gibt Zeiten, da läuft es nicht so wie ich das will. Das passt mir überhaupt nicht in den Kram. Gott sei dank ist heute nicht so ein Tag, weil ich sonst nicht darüber schreiben könnte. Ich wäre viel zu traurig, demotiviert, emotional. Heute ist ein Tag, an dem es mir gut geht. Heute blicke ich mit Gelassenheit auf die Zeit zurück, in der es mir nicht so gut ging. Es übermannt mich nur selten, aber wenn...

Puh, dann ist es heftig. Irgendwas ist völlig aus dem Ruder gelaufen, Hoffnungen wurden nicht erfüllt, Illusionen sind zerplatzt und die Realität zeigt ihre Fratze. Ein Gesicht, das ich mir schöner vorgestellt habe. Und wenn ich so enttäuscht bin, will ich am liebsten alles hinschmeißen. Nichts kann mich so richtig aufmuntern. Was mir dann hilft:

Ein schweigsamer (!) Mensch, der mir zuhört. Der aushalten kann, dass es mir schlecht geht, weil er innerlich weiß: 'Die Phase hat jeder mal und sie geht vorbei.' - das aber nicht so sagt. Wenn er dies nämlich so sagen würde, könnte es so ankommen, als würde er die Situation nicht ernst nehmen oder meine Gefühle abwerten. Also keine "Stell dich nicht so an, das geht vorbei."-Einstellung, sondern eine positive und zuversichtliche, die auch nicht in das andere Extrem, nämlich ängstliche "Hilfe, sie kommt nie wieder hoch." kippt.

Ein Mensch, der weiß, solche Situationen gehören zum Leben dazu. Der keinen auf "wird schon wieder" macht oder gleich einen Tipp parat hat (sinnlos, die habe ich nämlich alle (!) längst ausprobiert), sondern wirklich mitfühlt und sagt "das ist wirklich schlimm".

Bisher war es so, dass mir das die Freiheit gab, es auch anders zu sehen, so als würde der Gegenüber meine Gefühle akzeptieren, respektieren, bestätigen und mich damit beruhigen. Ich bin frei. Auch wenn es dann mit meiner Stimmung nicht gleich aufwärts geht, so ist doch eine Erleichterung spürbar.

Es fühlt sich an, als sei durch das Verständnis ein Stein von meinem Herzen genommen. Was kann es besseres geben in einem solchen Moment?

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 07 Mai, 2008
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Seelenzeit

Ich sitze am Schreibtisch und beobachte meine Gedanken:

 

Ich muss dies noch machen... Warum habe ich das noch nicht erledigt... Warum melden die sich nicht? So kann ich nicht weiter... Ich bin zu langsam...

Ich ärgere mich darüber, dass ich mehr Zeit brauche, meine Projekte umzusetzen, als mir lieb ist.

Ich erinnere mich an die Geschichte eines Besuchers, der mit einem Indianervolk auf Wanderschaft ging. Ohne erkennbaren Grund blieben die Indianer unterwegs immer wieder stehen. Auf seine Frage nach dem Warum antworteten sie: "Unser Körper ist schon hier. Aber unsere Seele ist nicht so schnell, sie ist noch nicht angekommen. Sie braucht noch Zeit. Wir warten auf sie."

Diese Erinnerung hilft mir, meine Ansprüche wieder herunter zu schrauben. Ja, mein Verstand kann schnell zu neuen Zielen reisen. Aber ich in meiner ganzen Person brauche einfach Zeit, um wirklich mit all meinen Teilen anzukommen. Meine Seele braucht Zeit!

Ich will die Zeit annehmen, die "es" braucht, um anzukommen. Geduld haben mit mir. Mir bewusst machen, dass die Seelenzeit eine andere ist als die meines Verstandes. Ich blicke auf mein Poster "Die Seele braucht Zeit." und komme herunter von meinem Anspruchsdenken. Besinne mich auf den nächsten kleinen Schritt, der vor mir liegt.

Einen zauberhaften Tag!

Ihre Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 23 April, 2008
Thema: Blog - 2008, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Gut getan...

 

... hat der genehmigte Schlechte-Laune-Vormittag. Denn im Rückblick war es gar nicht mehr. Schon als ich mir erlaubt habe, schlechte Laune zu haben, statt ständig so zu tun, als wäre meine Stimmung super, ging es mir besser. Muss ich mir merken!

Heute weiß ich gar nicht viel zu schreiben. Doch, per Post kam gestern die DVD "Zusammen ist man weniger allein" - der Bestseller verfilmt. Ich bin gespannt, wie der Film ist. Seit Weihnachten haben wir ein DVD-Leihabo. Und das macht richtig Spaß, weil mein Mann und ich gerne Filme schauen und dank einer langen Wunschliste ist für jeden was dabei. Mal was für uns beide (z.B. "Wo ist Fred?"), mal was nur für meinen Mann (da fällt mir natürlich kein Titel ein) und mal was für's Frauenherz, für mich (z.B. "Die Herbstzeitlosen" - der meinem Mann nachher aber auch gefallen hat).

So, heute mache ich weiter mit meinem Postershop. Einige ausgewählte Postkartenmotive und andere Lieblingsmotive werden Sie künftig als Poster bestellen können. Die Arbeit daran macht richtig Spaß!

Einen schönen Tag!

Anja Kolberg

PS: Bei der Erfüllung meiner Aufgabe am Montag (1/2 Stunde NICHTS tun) bin ich kläglich gescheitert. Maximal 1/4 Stunde habe ich geschafft. *grummel* Dann musste ich weglaufen. Puh, was für eine schwere Aufgabe. Wie Sie sehen, habe ich keine Meditationsroutine. Die Aufgabe gestern war besänftigend für mich: "Einfach mal Ruhe bewahren." Das habe ich geschafft! :o) Und heute? "Ich brauche einfach ein bischen Ruhe. Eine kleine Auszeit vom Alltag. Schau, wie lange es dir gelingt, nichts zu tun." O.k., das schaffe ich.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 09 April, 2008
Thema: Blog - 2008, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Tja...

Ein neuer Tag. Hm. Heute früh habe ich Anlaufschwierigkeiten.

Puh, so Tage sind immer mal wieder dabei, ohne dass ich ausmachen kann, woran es liegt. Genau so gut passiert es, dass ich aufstehe und ich fühle mich so energiegeladen, dass ich Bäume ausreißen könnte... Heute nicht. Gestern habe ich so gar nicht geschafft, was ich wollte. Vielleicht ist das der Sahneklecks auf meiner Stimmung.

Ich habe immer die Befürchtung, wenn ich sage: "Heute geht's mir mies." zu hören: "Geht schon wieder vorbei." Das macht mich rasend. Ich weiß es selbst. Aber ich will im hier und jetzt bleiben. Und da habe ich MIESE STIMMUNG! *räusper* Das im Umfeld auszuhalten ist schwer. Wenn mein Bruder mir am Telefon z.B. sagt, er hat schlechte Laune, versuche ich ihn immer aufzumuntern, damit es ihm besser geht. Aber wieso komme ich nicht drarauf, dass es auch gut tut, miese Stimmung zu haben? Ich fühle mich gerade in meiner miesen Stimmung "wohl". Nein, dass ist nicht der richtige Ausdruck. Es ist o.k. und ich weiß, es geht vorbei, aber jetzt ist es so. Ich tue anderen ja nichts, ihnen gegenüber bin ich freundlich. Nur ich in meinem kleinen Kosmos habe für mich miese Stimmung.

Ich sollte öfters mal die Sichtweise wechseln, das gibt schöne Erkenntnisse. Lieber Gott, lass mich anderen künftig bitte ihre miese Laune lassen, so lange sie die nicht über mich stülpen. Ob ich das schaffe?

Ich gehe jetzt erst mal mit Minu 'ne Runde spazieren. Mal sehen, was heute in der Post ist. Wissen Sie, wie selten "echte" Briefe in der Post sind? Mit echten Briefen meine ich handgeschriebene. Zum Geburtstag habe ich immer welche im Briefkasten, aber an 90% wenn nicht 98% der übrigen Tage im Jahr empfange ich nicht solche handgeschriebenen Schätze. Ich bin mir sicher, Ihnen geht es ähnlich. Seit ich 12 bin und in Bayern mit meiner Familie Urlaub auf dem Bauernhof gemacht habe, habe ich eine Brieffreundin. Ja, letztes Jahr hatten wir wohl silbernes Briefjubiläum. :o) Zwar schreiben wir uns im E-Mail-Zeitalter auch Mails, aber echte Briefe, die bekomme ich immer noch am liebsten. Handschrift, schönes Papier, Tinte... Davon sollte es einfach mehr geben!

Was habe ich heute gelernt? Ich erlaube mir heute einen miese-Laune-Tag.

Jetzt geht es mir schon ein bischen besser. Auf Minu, wir gehen spaziiiiiiieren!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 08 April, 2008
Thema: Blog - 2008, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Heute mal anders...

Ich bin unzufrieden. Nach den Glücksgefühlen und gestern dem Fertigstellen der Umsatzsteuer für das letzte Quartal (nicht wirklich eine kreative Arbeit) stellt sich Mißmut ein. Manchmal geht mir alles nicht schnell genug. Dann bin ich unzufrieden mit mir selbst. Auch die hübschen Frühlingsblumen im Kasten vor meinem Bürofenster helfen da nicht weiter. Ich sollte mal meiner schlechten Laune auf den Grund gehen. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an einen total bescheuerten Traum. Den habe ich wohl noch nicht abgeschüttelt. Ja, das ist wohl ein Grund.

Also, liebes Inneres: "War dieser Traum die Wirklichkeit?" "Nein." "Wie kann ich ihn dann loslassen? Soll ich mich schütteln?" "Versuch's."

Mir ist jetzt ein bischen schwindelig im Kopf, aber es geht etwas besser. "Reicht das aus?" "Ja."

O.k., das ist der eine Teil meiner schlechten Laune gewesen. Sie ist aber noch nicht ganz weg. "Hat es mit dem Wetter zu tun?" "Ja, heute drückt mir das trübe Wetter draußen auf die Stimmung." Vielleicht geht es ja besser, wenn ich mit Minu meine Runde an der frischen Luft gedreht habe. Die hält sich noch ganz still und ist froh, wenn sie etwas länger schlafen kann...

Aber es gibt noch einen Anteil. "Hat er mit den Glückwunschkarten zu tun?" "Nein." "Womit denn?" "Mit deinem Anspruch an dich selbst. Du willst immer, dass alles direkt perfekt läuft. Du erlaubst dir eigentlich keine Fehler. Und bevor alles anfängt, blockierst du dich schon." "Hm." "Klingt hart." "Ja, das ist es auch. Es fühlt sich doch nicht gut an, oder?" Ich seufze laut. "Nein, es fühlt sich deprimiert an." "Dann lass' deine Ansprüche los, Anja. Ich weiß, dass ist sehr sehr schwer. Gerade für einen Menschen wie dich, der alles möglichst gut machen will. Aber gerade aus Fehlern entsteht neue Kreativität und Freiheit. Gönn' dir die Freiheit, nicht direkt perfekt sein zu müssen. Das sind andere auch nicht. Meß' dich nicht mit Menschen, die schon Jahrzehnte im Geschäft sind und dann nicht alleine, sondern mit einer ganzen Mannschaft am Start sind. Bleib bei dir, gönne dir Experimente - die schief gehen können und gelingen, probiere dich aus. Das ist dein Weg." Ich atme tief ein. Ja, das tut gut. Ich fühle mich schon etwas leichter, befreiter.

Ich stelle mir vor, wie ich meinen Anspruch loslasse: Sicher mit Luftballons verschnürt lasse ich die Schachtel mit meinen Ansprüchen (Was ist da noch mal alles drin? Noch mehr als mein Anspruch: Ehrgeiz. Perfektionismus. Angst. Unsicherheit.) los. Von den Ballons und der Luft wird sie in die Höhe getragen. Immer höher zieht sie davon, bis sie - die Ballons platzen! Die Kiste explodiert in unzählige Funken in Regenbogenfarben. Wie schön! Damit habe ich gar nicht gerechnet. Schönes Bild. Ich lächle. Mir geht es besser!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 18 Januar, 2008
Thema: Blog - 2008, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Ungewollte Tipps und Ratschläge...

... sind etwas ziemlich überflüssiges!

Wie kommt ein Außenstehender darauf, einem zu sagen, wie man besser sein sollte, wie man besser fühlen sollte, wie man etwas anders machen sollte, wie man richtig ist? Ich empfinde dies als eine unverschämte Grenzüberschreitung. Wenn ich einen Rat (und das meine ich ohne das Wort "schlag") brauche, dann kann ich den Mund aufmachen und darum fragen.

Ich reagiere allergisch auf die Besserwissenden, diejenigen, die die Weisheit gepachtet haben und dein Eindruck haben, sie müssen ihre gewonnene Weisheit mit allen teilen. Menschen, die anderen vermitteln, nur ihr Weg sei der richtige und alle "Abtrünnigen" laufen ohne sie, ohne ihr Wissen in ein heilloses Chaos, ins Verderben. Oh Mann!

Eine Sache ist doch wohl allen "Abtrünnigen" klar: Wir fühlen uns wohl, so wie wir sind. Wir kommen klar. Wir sagen Bescheid, wenn wir Hilfe brauchen oder eine Info wollen. Bitte kümmert euch um euch selbst, ihr lieben Weisen des Alltags! Lasst uns einfach so sein wie wir sind und lasst uns unser Schicksal!

Anja Kolberg (langsam verpufft eine Wutspitze auf meiner Gefühlskurve)

PS: "Hybris" nannte dieses Verhalten übrigens einmal eine Ausbilderin - ich verstehe jetzt sehr gut, was sie damit meinte.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 11 Januar, 2008
Thema: Blog - 2008, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Schlawiner

Wow! Schon gestern Abend hat er mich bezirzt: Der Mond! Es ist ein Spiel von Wolken, Licht, Schatten - ich könnte unentwegt an den Himmel schauen und mich von ihm einhüllen lassen. Ist das schön!

Mein Tag startete heute mit schlechter Laune. Warum? Weil ich fast am Zebrastreifen mit Minu von einem Raser über den Haufen gefahren worden wäre. Mensch! Ich habe mich so erschrocken... Danach ging meine Laune ziemlich runter, habe ich gemerkt. Mein Tagebucheintrag war ziemlich mies. Ein Teil von mir versucht immer noch etwas Gutes am Tag, am Moment zu finden. Ging aber nicht. Heute ist mein schlechte-Laune-Tag und ich habe mir erlaubt, ihn zu haben.

Als ich heute Nachmittag Besorgungen machte, habe ich mich richtig vor mir selbst erschrocken, als ich mich im Spiegel gesehen habe: Nicht nur, dass ich meinen Bad-Hair-Day (meinen mieses-Haar-Tag) hatte, ich sah richtig schlecht gelaunt aus....

Meine Stimmung gehoben hat dann wieder der nette ältere Mann in der Waschstraße, der mir doch anbot, ich könne nicht nur das Waschprogramm individuell zusammen stellen, sondern ihn auch noch gratis dazu haben. *grins* War leider nicht Dr. Shepherd aus Grey's Anatomy, sonst wäre ich vielleicht - nein, natürlich nicht!

Alles Gute aus Köln

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 22 November, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Ein neuer Tag...

Träge liege ich vor ihm. Vor dem Morgen. Ich sehe die Sonne schon - Wolken reißen auf. Und ich sitze vorm PC, schaue mir den Himmel an und habe das Gefühl, innerlich noch zu schlafen. Doch, doch, alle Körperfunktionen sind o.k., sonst könnte ich ja hier nichts tippen. Aber innerlich, irgendwie schlafe ich da noch. Oder soll ich es die große Ruhe nennen? Ja, klingt besser. :o) Innerlich bin ich noch ganz entspannt. Tipptapp, da kommt Minu und klappert mit ihren Tatzen bzw. den Krallen über's Parkett. Draußen hat es gefroren. Als ich heute früh aufwachte, dachte ich: "Es ist Schneewetter." So hört es sich zumindest an und so sieht es aus. Keine Ahnung, wie ich das Hören und Sehen in Zusammenhang mit dem Wetter bringe. Ich erinnere mich gerade an einen Urlaub in Scheveningen, Holland mit meiner Familie. Ich war ungefähr 6 Jahre und habe ich mir mit meiner Cousine einen Spaß gemacht: Jeden Morgen habe ich aus dem Fenster geschaut und gesagt wie das Wetter wird. Erstaunlicherweise hat es funktioniert. (Nein, es war nicht morgens grundsätzlich blauer Himmel.) Nach ein paar Tagen kam mir das komisch vor und es funktionierte nicht mehr. Vielleicht hätte ich Wetterfee werden sollen?

Gestern durfte ich wieder einmal lernen zu reklamieren. Werkstatttermin. Sommerreifenwechsel. Als ich vom Platz fuhr, machte es: "Klack...klack...klack..." Sch....! Also bin ich eine Runde um den Block gefahren, dachte erst: 'Ich fahre nach Hause und lass meinen Mann mal hören.' Aber dann dachte ich: 'So ein Quatsch! Ich höre, hier stimmt was nicht. Ich fahre zurück und reklamiere.' Sie müssen wissen: Vor 3 Jahren bin ich vom Hof dieser Werkstatt gefahren und die Elektronik spielte verrückt. Als ich zurück zur Werkstatt fuhr und die Symptome beschrieb, machte der Werkstattmeister einen riesen Terz: 'Es hätte ja auch schon vorher sein können. Sie hätten gar nichts an der Elektrik gemacht....' Ich kann Ihnen meine Wut gar nicht beschreiben. Ich bin mir sicher, wenn ich ein Mann gewesen wäre, hätte er mir Glauben geschenkt. Naja, ich habe mich nicht beirren lassen und bin dann vom Werkstattmeister zurück an die Annahme und habe mich beim Filialleiter beschwert, denn der Meister war nicht nur unfreundlich, er hat mir auch nicht richtig zugehört. Denn der Mechaniker, das hatte ich gesehen, hatte was an der Elektrik gemacht, vorne und hinten. Der Fililalleiter sprach nochmal mit dem Meister, wutschnaubend schaute er hinten in den Kofferraum und siehe da: Der Mechaniker hatte hinten irgendwelche Steckverbindungen nicht wieder richtig zusammen gemacht, dadurch sponn die Elektronik. Auf einmal war der laute Meister ganz leise und hat sich entschuldigt (war aber sehr in den Bart gemurmelt). Ich hätte ihm am liebsten in den Allerwertesten getreten, weil ich mich von ihm überhaupt nicht ernst genommen fühlte. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah!

Na auf jeden Fall hatte ich diese Erinnerung im Kopf, als ich zurück in die Werkstatt fuhr. Aber diesmal ging alles ruckzuck: Zugehört. Wagen auf die Bühne. Wuchtgewicht war zu groß und rieb sich am Bremssattel, daher kam das Geräusch. Fehler behoben. Gute Fahrt. Na bitte, geht doch! (War zwar die gleiche Werkstatt, aber nicht der Kollege vom letzten Mal.) Ich habe gelernt: Es liegt nicht an mir. Ich höre auf mich, wenn etwas nicht stimmt, auch wenn ich nicht verstehe, was genau los ist. (Das erwarte ich fast von mir... unmöglich, ich interessiere mich Null für Technik.)

Jetzt ist aber Zeit, mit Minu eine Runde zu drehen. Die Post dürfte inzwischen im Postfach liegen und heute gibt es viel zu tun. Ich freue mich auf heute Nachmittag, da werde ich vor der Adventsausstellung in Schloss Loersfeld (siehe Blog am Mittwoch) einige Fotos schießen. Mal sehen, ob die Kamera dies bringt, wie ich mir die Fotos vorstelle, denn die Lichtverhältnisse werden nicht die besten sein und ich habe noch keinen externen Blitz.

Ich wünsche Ihnen und mir ein wunderschönes Wochenende und jeden Tag ein Kompliment (das kann man sich ja auch selbst geben, wenn man den Gatten nicht immer fragen will: "Sag mir mal was Nettes.")
Ich fange mal damit an: Sie sind eine wunderbare Leserin! Danke. Ich bin froh, dass Sie da sind, auch wenn ich Sie nicht sehen kann oder weiß, wer Sie sind. Schön, dass Sie da sind!

Tschüüüüß

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 16 November, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Manchmal...

... liegen große, neue Aufgaben oder Projekte wie ein unbezwingbarer Berg vor mir, dass ich am liebsten weglaufen würde. Mich verkriechen und warten, bis alles vorbei ist.

Geht nicht? Geht schon, aber ich bin nicht bereit mit den Konsequenzen zu leben. Also fange ich an. Schaufel für Schaufel, diese große Aufgabe in vielen kleinen Schritten abzutragen. Ich konzentriere meinen Blick auf jede einzelne Schaufel, die ich als nächstes in den Berg stecke, um wieder etwas von dieser riesigen Aufgabe abzutragen. Nicht nach oben gucken, wo ich sehe, was ich noch alles zu tun habe. Sondern auf meinen derzeitigen Schritt und immer wieder auf das, was ich schon geschafft habe.

Und dann funktioniert es. Schritt für Schritt. Step by step.

 

Übrigens hat dieses Weglaufen wollen nichts damit zu tun, dass ich das nicht kann. Nein, nein. Eher mit meiner Ungeduld oder einer Unsicherheit, ob alles klappt. Oder Zweifel, ob ich das kann und nicht andere es besser können. Ich finde, hier haben mir viele Männer etwas voraus: Sie denken nicht lange nach, verstricken sich nicht in Unwägbarkeiten, mögliche Gefahren, für und wider - nein, sie machen einfach. Schritt für Schritt. Manchmal kracht dabei etwas zusammen. Was soll's? Jeder macht Fehler, jeder erleidet Rückschläge, aber er kann nur Erfolge sammeln, wenn er wagt und bereit ist, diese Risiken einzugehen.

Und ich kann das auch. Also: Frisch voran!

Ihre Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 13 November, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Irgendwie...

... bin ich heute früh ziemlich geschafft. Trotz des schönen Wochenendes.
Müde bin ich. Trotz Sonnenschein und blauem Himmel.
Dabei hatte ich mir so viel vorgenommen für heute...

Also erst mal kleine Brötchen backen. Schritt für Schritt Ordnung schaffen, eine aktuelle Aufgabenliste erstellen, Prioritäten setzen, bei manchen Dingen Geduld haben, bei anderen genau darauf achten, dass es mir gut geht und ich sage, was ich will. Bei anderen Aufgaben 'Nein' sagen oder mich erst gar nicht ins Spiel bringen. Bei manchen Aufgaben ist ein kühler Kopf gefragt, Visionsfähigkeit und Risikobereitschaft.

Puh, und all diese Fähigkeiten habe ich. Ich muss sie nur anwenden. Aber das ist nicht immer leicht...

Jetzt bin ich wieder bei meinen kleinen Schritten und mit dem ersten fange ich jetzt an: Aufräumen - Ideen sortieren...

Sonne aus Köln!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 12 November, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Türe zu. Schlüssel...

... drinnen. Oh nein! Ich wollte nur eben die Zeitung kaufen gehen und nehme das Geld mit, aber den Schlüssel lasse ich liegen. Zu allem Überfluss habe ich noch den Backofen auf 200 Grad an und Brötchen zum Aufbacken darin. Sch.....

Also erst einmal zur Nachbarin, die mich freudig aufnimmt. Die über 80jährige Dame bietet mir einen gemütlichen Sessel und ihr Telefon zur Hilfe an. Zwei Schlüssel gibt es noch: Den einen hat mein Mann, der arbeiten ist und den anderen meine Schwiegermutter im benachbarten Ort. Die Telefonnummer von Schwiegermutter habe ich im Kopf, doch da ist nur der Anrufbeantworter. Die neue Handynummer meines Mannes habe ich zu Hause auf dem Schreibtisch, aber nicht im Kopf... Was tun? Ich sehe schon die Feuerwehr kommen, weil die Brötchen im Ofen zu brennen beginnen.

Und unsere Minu sitzt drinnen vor der Türe und kann außer freudig mit dem Schwanz wedeln auch nicht helfen... Warum haben wir ihr noch nicht beigebracht, den Backofen auszumachen? Grübel. Was tun? Keine einzige Nummer will mir einfallen, die meisten sind ja alle im Telefon gespeichert... Dann der rettende Einfall: Mein Schwiegervater arbeitet in einem großen Unternehmen in Köln, die Telefonnummer müsste im Telefonbuch stehen. Meine Nachbarin hat Gott-sei-dank eines zur Hand. Ich schmeiße sie zu Hause wegen der guten Quelle Internet immer gleich weg. Und wahrhaftig mein Schwiegervater hat die neue Handynummer meines Mannes. Welch ein Glück! Er würde sogar nach Hause fahren und den Schlüssel holen und zu mir bringen, wenn ich Guido nicht erreichen. So viele Engel um mich herum!

Wie war das noch mal mit Murphy's Gesetz? Nicht mein Mann ist dran, sondern seine Mailbox! Ich rieche förmlich den kokelnden Geruch der Brötchen. Gut, dass mir mein Schwiegervater in weiser Voraussicht auch noch gleich die Nummer von Guidos Chef mitgegeben hat. Den habe ich auch prompt am Telefon. Er weiß wo Guido ist und will ihn gleich nach Hause schicken. Puh! Mein Mann beeilt sich und rettet Minu und auch mich und den Ofen aus der misslichen Lage! Zugegeben, für die Brötchen war es zu spät. Was für ein Montag! Welch ein glückliches Ende! Wie schön, Menschen um mich zu wissen, die helfen, wenn Not am Mann ist!

Dabei wollte ich Ihnen doch eigentlich berichten, dass ich heute Morgen beim Spazieren gehen die ersten Kastanien gefunden habe.  

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 03 September, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Festbetoniert...

... ja, so fühle ich mich gerade. Und gefühlt sieht das so wie auf der Zeichnung aus. Ich weiß, was ich will und "kann" es einfach nicht machen. Geht nicht. Blödes Gefühl.

Ich bin nicht nur in Beton Marke "SUPERFEST" einbetoniert. Nein, auch noch festgetackert. Und ich stehe so stabil, dass ich noch nicht mal umkippen kann und mich so aus dem Staub machen. MENSCH!

Es ist wohl mal wieder Zeit, nach Innen zu schauen, hören, was mein Herz mir zu sagen hat...

Anja: Was ist los, Herz?

Herz: Nichts.

Anja: Warum fühle ich wie festgetackert, wie einbetoniert?

Herz: Das hat seinen Grund.

Anja: Darf ich auch wissen, welchen?

Herz: Ja.

Anja: Welchen Grund hat es?

Herz: Damit du nicht zu schnell vorwärts rennst, sondern im hier und jetzt bleibst.

Anja: Aber warum denn? Was habe ich denn davon?

Herz: Nun, es gibt im hier und jetzt noch etwas zu klären, zu lernen, zu lösen. Dann geht es weiter.

(Ich fühle eine mannshohe Ungeduld in mir aufbegehren.)

Anja: *räusper* *hm* *ja* Ich fühle mich damit aber nicht gut.

Herz: Ich weiß. Das gehört dazu.

Anja: Na toll!

Herz: (Stille)

Anja: Weiß du, was ich noch zu klären habe?

Herz: Ja.

Anja: Sagst du es mir auch?

Herz: Ja.

Anja: Was ist es denn?

Herz: Lernen, das anzunehmen, was im Moment ist. Und es zu genießen. Das Genießen ist wichtig. Nicht nur dunkel dreinschauen und mit dir und der Situation hadern. Nein, mach was draus.

Anja: Mach was draus. Mach was draus. Wie denn, wenn ich FESTGETACKERT bin?

Herz: Anja, ruhig! Wenn du das Glück im Kleinen findest, wird es dir besser gehen.

Anja: "Das Glück im Kleinen finden" - das klingt so abgedroschen.

Herz: Das mag sein, dass du das so empfindest. Erkenne den Wert, der sich dahinter verbirgt.

Anja: Der Wert dahinter. Mir fällt dazu ein: "Annehmen, was ist. Ich kann es doch nicht ändern."

Herz: Ja, richtig. Weiter so.

Anja: Das Glück im Kleinen... Das Glück im Kleinen... Was kann das sein? Das Beste aus der Situation machen.

Herz: Ja, auch das.

Anja: Fehlt noch was?

Herz: Natürlich!

Anja: Was denn?

Herz: Denk mal nach.

Anja: Hast du jetzt "Denk" gesagt? Nicht "Fühl"?

Herz: Ja sicher.

Anja: Annehmen was ist... Das Beste aus der Situation machen... Genießen fehlt noch.

Herz: Ja, richtig.

Anja: Wie kann ich die Situation genießen? Genießen, dass ich nicht weiterkomme, obwohl meine Ideen und Gedanken schon meilenweit von mir entfernt sind? Ich schon so genau weiß, wie es weitergehen kann, aber es geht einfach nicht. Die Situation ist schrecklich. Ich fühle mich schlecht. Habe ein schlechtes Gewissen.

Herz: Dennoch. Anja. Dennoch.

Anja: Dennoch soll ich die Situation genießen?

Herz: Ja, natürlich, Anja. Darum geht es. Du kannst dir nicht immer die Sonnenseite aussuchen. Es geht darum, dass du den dunklen Zeiten in deinem Leben möglichst viel Wärme und Licht gibst. Das Gute im "Bösen" sehen. Das ist wichtig. Das sollst du jetzt lernen. Dann geht es weiter, sei dir sicher. Es geht schnell weiter. Und mit viel viel Liebe.

Anja: Brauche ich lange, um das zu begreifen?

Herz: Anja. Hallo, deine Ungeduld ist wieder da. Du brauchst solange wie du dafür brauchst.

Anja: Hm. Nicht leicht.

Herz: Richtig. Aber wenn es leicht wäre, hättest du es ja schon längst getan. Dann müsstest du es ja nicht lernen. Und auf der anderen Seite ist es ganz leicht. Wenn du dich innerlich von deinen Ängsten, dem schlechten Gewissen und dem Blick nach außen frei machst, dann wird es dir leicht fallen, deine Pause zu genießen.

Anja: O.k., verstanden. Aber leichter gesagt als getan.

Herz: Ja, das stimmt.

Anja: Es ist also so viel Zeit da wie ich brauche?

Herz: Ja, aber das heißt nicht, dass du nicht an dir arbeiten sollst.

Anja: Klar. Lernen, dem Dunklen etwas Schönes abzugewinnen.

Herz: Ja, auch.

Anja: Und im Dunklen ein Licht entzünden.

Herz: Ja.

Anja: Annehmen was ist. Das Beste aus der Situation machen. Und im Dunklen das Schöne finden und dies mit Liebe und Wärme erhellen.

Herz: Ja, jetzt hast du es. Genau darum geht es. Darum fühlst du dich so unbeweglich im Moment.

 

Anja: Was ist Gutes an der Situation? Ich habe Zeit. Mir geht es gesundheitlich gut, weil ich keinen Streß von außen habe. Auch die finanzielle Seite habe ich gut im Griff und auch wenn die Ressourcen geschwunden sind, dafür waren sie da. Sie waren es wert. Und ich weiß, ich werde sie wieder auffüllen. Ich bin frei, außer mir selbst kann mir kein Mensch Druck machen. Ich kann morgens auf der Terrasse sitzen und meinen Milchkaffee schlürfen. Ich kann den Tag so gestalten, wie es mir gut tut. Meine Gedanken sind frei. Ich habe Zeit, Tagebuch zu schreiben. Ich habe noch viel mehr Freiheiten in dieser Zeit, die noch wie neue T-Shirts unbenutzt im Schrank liegen. Ich bin wirklich frei. Und die Freiheit ist mir sehr sehr wichtig.

Danke Herz, für deine Antworten.

Herz: Gerne.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 07 August, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Innere Stimme

Wie geht's?

Wie ehrlich darf eine Antwort auf diese Frage sein? Will ich oberflächlich bleiben oder wirklich in die Tiefe gehen?

Heute ist so ein Tag, da würde ich auf die Frage am liebsten ehrlich antworten: 'Danke der Nachfrage. Schlecht geht es mir.'

Und was will ich am liebsten darauf hören?

Gar nichts?

Jemand, der den Standard erwartet hat und das mit der Antwort: 'Das ist ja super.' zeigt?

Ich hätte am liebsten ein bischen Zuhören als Reaktion. Vielleicht ein 'hmmmm'. Sonst nichts. Keine (!) Mitleidsbekundungen, kein Verständnis, auf keinen Fall jemand, der sich Sorgen macht, einfach nur zuhören. Sonst nichts. Ich will auch nicht hören: 'Das wird schon wieder'. Das weiß ich selbst und hilft mir im Moment überhaupt nicht. Es macht mich eher wütend. Sorry, so reagiere ich manchmal. Räusper, wie gesagt: Heute ist alles nichts.

Heute ist so ein Tag, an dem gar nichts klappen will. Es geht weder vorwärts noch zurück. Nach oben schon mal gar nicht, eher nach unten. So Phasen habe ich immer wieder mal. Immer dann, wenn ich unzufrieden mit mir selbst bin. Wenn mein innerer Antreiber mal wieder über die Stränge schlägt.

Warum? Weil ich die "freie" Zeit, die ich mir nehme, gar nicht so nutze, wie ich es könnte. Ich mache einen Haufen sinnloser Dinge, die mich aber - zumindest auf den ersten Blick - nicht weiter bringen. Und das gefällt meinem inneren Antreiber überhaupt nicht. Wie ich das zu spüren bekomme? Schlechte Laune. Unzufriedenheit in Perfektion. (Na wenigstens klappt die Perfektion hier.)

Wie ich der Meinung meines Antreibers nach die Zeit nutzen sollte? "Schön" spazieren gehen. Mich bewegen. Was an meinen Projekten arbeiten. Und wenn das nicht geht, dann mich 'wenigstens' entspannen oder fotographieren gehen. Geht aber alles nicht. Nichts 'sinnvolles' geht.

Himmel, das Gute an solchen Tagen ist: Sie gehen vorbei. Ja, ich kapituliere. Wider Erwarten bin ich ein Mensch, der nicht so funktioniert, wie mein Antreiber das will. Die Peitsche schwingend steht er hinter mir, trifft mich aber nicht, weil ich mich in Luft aufgelöst habe. :o)

Danke für's Zuhören. Das tat richtig gut.

Die Anja

P.S. Zumindest habe ich heute 'etwas' geschafft: Diesen Blogbeitrag.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 04 Juni, 2007
Thema: Blog - 2007, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

So ein 'ich-weiß-nicht'-Tag...

... der ist heute. Bin nicht superglücklich - aber auch nicht unzufrieden. Nicht wirklich klar. Aber auch nicht unklar. Irgendwas dazwischen.

Ich mag so Tage nicht besonders. Aber sie gehören dazu. Also in Kauf nehmen und das Beste draus machen.

Zum Beispiel mit einem Eis auf der Terasse!

Yam!Yam!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 30 Mai, 2007
Thema: Blog - 2007, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Achterbahnfahrt im Leben

Kennen Sie "Himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübt"? Ich habe für diese Achterbahnfahrt der Gefühle wohl ein Dauerabo. Mal geht's mir blendend, mal bin ich down. Heute ist wieder einer der nicht so guten Tage. Mit Blick auf das PMS wundert mich das nicht...

Das innere Gleichgewicht finden und mich auf mich selbst konzentrieren fällt mir dazu als Lösung ein. Ich weiß, es gibt unzählige alternative Heilmöglichkeiten (Bachblüten, Homöopathie...), um schwankende Stimmungen in den Griff zu bekommen. Auf der anderen Seite bin ich Mensch und keine Maschine und die verschiedenen Gemütszustände haben auch ihre guten Seiten: Bin ich zu Tode betrübt, dann sehe ich die Dinge viel kritischer, was in manchen Situationen wirklich wichtig ist. Und in den Hochs bin ich sehr euphorisch und könnte die Welt umarmen, sehe unbegrenzte Möglichkeiten... Was wäre es langweilig, wenn alles nur noch im Gleichmaß abläuft? Achterbahnfahrt ist Leben!

Gestern haben wir einen Besuch im Zoo gemacht und den süßen kleinen Baby-Elefanten Marlar gesehen. Ist der putzig!

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle hat er auch schon hinter sich: Seine Mama ist Ende letzten Jahres gestorben.

Doch Hilfe ist da:

Die Tanten kümmern sich rührend um ihn. Wir konnten wunderbar beobachten, wie sie das kleine Elefantenkind beschützt haben. Das zu beobachten war sehr schön.

Der kleine Elefant läuft hier geschützt zwischen den drei großen Elefanten.

Die Karte des Tages? Ich habe mir eine Karte gewünscht, die mir heute hilft. Dann ziehe ich aus dem frisch gemischten Stapel eine. Welche kam?

"Mach's einfach. Alles wird gut." Mensch. Ich wollte eine andere haben. *Mist* Nachdem ich mich beruhigt habe, wird mir klar, dass ich scheinbar immer noch etwas nicht getan habe, was ich hätte tun sollen, richtig? "Richtig", sagt meine innere Stimme. Hm. "Was soll ich den einfach machen?" "Alles, handle und denk nicht so viel nach!" Grummel. Erwischt. Ich denke mal wieder zuviel nach. Es ist aber auch manchmal sooooo schwer.

Gut. Nützt nix. ... und irgendwie fange ich gerade an, ein paar Sachen abzuarbeiten. Das tut gut. Geht doch! Ich bin wieder 'ne Runde gefahren und meine Laune: Viiiiiiiel besser!

Winkewinke von der Achterbahn

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 14 März, 2007
Thema: Blog - 2007, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Montag-Morgen-Blues

Ich hatte ein richtig tolles Wochenende:

Samstag Abend haben wir Guidos Schwester und ihren Verlobten zum Abschlussball begleitet. 11 Jahre haben wir nicht mehr getanzt und uns sind wahrhaftig noch einige Tänze eingefallen. Ich habe zum Glück einen Mann, der gerne das Tanzbein schwingt. (Als wir uns frisch kennen gelernt hatten, feierte meine Freundin Maja Hochzeit. Nachdem Guido mit mir so lange getanzt hat, bis ich nicht mehr konnte, tanzte er mit den anderen Frauen und als die auch nicht mehr konnten, war der Bruder der Braut :o) drann...). Bis zum Tanzkreis haben wir es in der Tanzschule geschafft und dann wegen der zusätzlichen Belastung durch mein Abendstudium damit aufgehört. Hach, das hat richtig Spaß gemacht am Samstag! Vielleicht kommen wir ja wieder auf den Geschmack. Vor einer Woche war ich samstags mit meiner Freundin Martina in der Disco - Ü30-Party. Das hat so gut getan, zu tanzen. Zwei tolle Samstag Abende also. :o)

Gestern habe ich es mir im tollsten Sonnenschein im Garten gut gehen lassen. Der Bach plätscherte, die Vögel zwitscherten, auf der Nase sind einige Sommersprossen entstanden. Ich habe einige neue Entwürfe gemacht und zum Abschluss noch ein Stück Havanna-Torte mit meinem Mann auf der Terrasse gegessen. :o)

Aber heute morgen habe ich schlechte Laune. Einfach so! So ein Mist! Ich verstehe das nicht. Obwohl ich gut geschlafen habe. Obwohl draußen bombiges Wetter ist. Obwohl ich ein super Wochenende hatte. Obwohl ich mich heute nachmittag mit meiner Freundin Ariane treffe. Arg! Das ärgert mich maßlos! Ich will jetzt auch erst gar keine Tageskarte ziehen, sondern gehe erst mal mit Minu Gassi. Vielleicht hilft ja die frische Luft, das Vogelzwitschern, die Sonne... Inzwischen bin ich zurück, hatte zum Glück im Postfach das neue "Mein schöner Garten-Heft", mit dem ich mich erst mal auf die Terasse gesetzt habe. Milchkaffee und Schokobrötchen dazu und durch die neue Zeitschrift geblättert. Weiter geht's. Jetzt geht es schon ein bischen besser, aber so wirklich gut ist es noch nicht...

Also versuche ich es mit der Karte des Tages:

 

Ich ziehe wieder die Karte "Vertraue deinen Gefühlen!", die ich letzte Woche schon mal hatte. Ja, vielleicht ist es das: Mich nicht zu etwas heute vormittag zu zwingen, sondern zu akzeptieren, dass ich trotz all dem Positiven schlechte Laune haben darf. Und mir heute mehr Ruhe gönne, als ich mir geben will. Mir fällt bei einem Blick in den Kalender auf, dass ich diese Woche meine Tage bekomme und da brauche ich vorher immer mehr Ruhe. Die gebe ich mir selten, aber ich spüre, je mehr ich das mache, desto weniger Schmerzen habe ich.

Danke für den Hinweis!

Eine be-ruh-igte Anja Kolberg wünscht Ihnen einen zauberhaften Start in die Woche!

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 12 März, 2007
Thema: Blog - 2007, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Donnerwolken

"... es gibt so Dinge im Leben, die können von mir aus wegfallen", sagt meine verletzbare Seite. Zum Beispiel, wenn ich ein Projekt zeige und mir ein Feedback wünsche. Lob natürlich, aber das sage ich nicht. Und da mein Gegenüber - zum Beispiel mein lieber Mann - weder psychologisch geschult ist noch seine telepathischen Fähigkeiten ;o) einsetzt, sagt der, was ihm in den Kopf kommt und nicht das, was ich hören will...

Und er nennt all das, was ich alles besser machen kann. Sie glauben gar nicht, wie empfindlich ich dann bin. Ich wünschte ja, Kritik würde mich kalt lassen. Ist aber nicht so. Es fühlt sich an, als breche innerlich eine Welt zusammen, als trampelt einer auf einer kleinen Pflanze herum... Schnief. Grummel.

Bis ich mich von dem Schock erholt habe, brauche ich etwas Zeit... Bin ja selbst schuld, wenn ich frage, ohne konkret zu benennen, was ich hören bzw. nicht hören will. Und mir fällt auf, dass ich meinem Partner gegenüber manchmal auch so bin: Sehe alles, was nicht so toll ist, anstatt zu bestärken, was positives da ist, was mir gefällt und was alles schon geschafft ist.

Was ich meinem Mann gezeigt habe? Meine Strichzeichnungen. Die möchte ich nämlich als Postkarten-Serie auf den Markt bringen. Seit dem ich das plane, nehme ich sie genau unter die Lupe, statt wie vorher: Einfach zu machen. Warum frage ich auch nach? Klar, weil ich mir Bestärkung und Ermutigung wünsche.

Als ich mich beruhigt habe, frage ich konkret nach dem, was ihm gefällt. Und dann höre ich, dass das ganz viel ist. Mein Grummel löst sich unglaublich langsam auf. Mensch, so eine Kritik bleibt an mir kleben wie Harz. So richtig frei machen kann ich mich nicht. Weil ich perfekt sein will, es möglichst gut machen.

Ich erzähle meiner Freundin Martina davon und die sagt genau das, was mein Herz hören will: "Deine handgemalten 'Männeken' sind einfach perfekt. Eben weil sie unperfekt sind und die Zeilen von Dir aus dem Leben gegriffen sind und den Nagel auf den Kopf treffen." So langsam richtet sich das Pflänzlein wieder auf.

Ich wurde wieder einmal daran erinnert, wenn ich mir Feedback hole, genau zu sagen, was ich hören will und was nicht. Und auch daran, wie ich mit Feedback umgehe, das mir nicht gut tut. Ist es ungefordert? Hilft es mir weiter? Zieht es mich herunter? Wie nah lasse ich es an mich heran?

Kann ich differenzieren und sagen, dass es die Meinung des anderen ist, die konträr zu meiner sein darf und ich trotzdem weitermache wie bisher? Ich bleibe in meinem inneren Gleichgewicht, höre zu, lasse abprallen, was mir nicht gut tut und nehme auf, was mich weiter bringt. Soweit der Plan...

Ich wünsche Ihnen einen sonnige Tag und wenn störende Wolken am Himmel sind, dass sie bald vorüber ziehen oder sich auflösen.

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 05 März, 2007
Thema: Blog - 2007, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Jammern dürfen

Es gibt so Tage, da geht alles schief. So Tage, an dem Träume platzen. Der Leidensdruck wirklich nicht mehr zu ertragen ist. Das Fass überläuft. Und man einfach traurig ist. Leidet.

So Phasen im Leben kennt wohl jede/r. Was in so einem Moment hilft? Ein Mensch, der zuhört, mitleidet, da ist. Keine schlauen Kommentare kennt oder Tipps hat. Denn wer jammert, der will keine Lösung. Sondern leiden, traurig sein dürfen. Das ist für das Umfeld nicht leicht auszuhalten. Denn wer will schon, dass es dem Freund oder der Freundin schlecht geht? Da wird das kleine Helferlein in uns wach. Doch das kann seine Kraft nur dann entfalten, wenn der andere es auch haben möchte.

Die Kraft des freien Willens verhindert dann, dass das ungewollte Helferlein in uns aktiv wird. Es wirkt bei dem Jammernden nicht. Anzeichen? "Ja, ABER..." "NEIN, das geht nicht weil..." "Das habe ich doch schon versucht..." Achtung, wenn Sie solche Antworten hören, können Sie aufatmen. Das Helferlein in uns hat Pause. Gefragt ist dann die Kraft der Zuhörenden in uns. Oh, und das ist keine leichte Aufgabe. Sich mit Vorschlägen in Zaum halten. Puh! Und dennoch ist es das, was dem hilft, der leidet.

Aus der lösungsorientierten Beratung hat Prof. Lilo Schmitz der FH Düsseldorf dazu eine Strategie entwickelt:

  • Mitleiden. Energie herunter fahren. Sich gedanklich in die Lage versetzen.
  • Ist diese Phase abgeebbt: Was willst du jetzt machen?
  • Eventuell: Kann ich etwas für dich tun?

Meist reicht das Zuhören ohne Tipps, Ratschläge und Lösungen, damit man als Jammernde zur Ruhe kommt. Man fühlt sich ernst genommen, verstanden, angenommen. Mehr braucht es nicht. Ich will keine Tipps haben, wenn es mir mal schlecht geht. Die Lösung habe ich doch selbst! Und alle Ideen, die der andere mir geben will, habe ich auch schon gehabt. Aber das brauche ich in so einem Moment nicht. Was ich brauche ist Anerkennung, traurig sein dürfen, mal schlecht drauf sein dürfen. Und ein Gegenüber finden, das mir zuhört, wenn ich all das erzähle, was mich bedrückt.

Wohlwissend: Es geht vorüber. Nach der Nacht folgt der Tag. Und wenn man sich erlaubt (!) hat, auch mal schlecht drauf sein zu dürfen, sich zu verkriechen, sich selbst zu bemitleiden, vielleicht sogar jemanden findet, der einem "nur" zuhört, dann scheint am nächsten Tag auch wieder die Sonne!

Für mich ist es immer wieder eine große Herausforderung, zu begreifen, dass der Jammernde keine Lösung haben möchte. Aber je mehr ich hinhöre, desto sensibler werde ich und erkenne immer früher, was wirklich gebraucht ist. Wenn man mal jammern will (das selbst zu erkennen, ist ja auch schon was. Das Hauptanzeichen: Ich will keine Lösung!) hilft man seinem Gegenüber übrigens sehr, wenn man sagt: "Mir geht es nicht gut. Ich brauche jemanden, der zuhört und mir keine Tipps gibt. Könntest du das in der nächsten halben Stunde tun?"

Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, sich als Zuhörende zu schützen. Denn ein vorübergehendes Jammern ist o.k., aber ein zuviel Jammern verdirbt die Stimmung auf Dauer. Da ist es dann gut, HALT zu sagen, die Zeit einzugrenzen und sich dann um sein eigenes Seelenheil zu kümmern.

Jammern kann so gut tun!

Und ein Mensch, der zuhört, ist wirklich ein Geschenk!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 09 November, 2006
Thema: Blog - 2006, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Streicheleinheiten für die Seele

Tut das gut! Die ersten Pakete sind eingetroffen und die Rückmeldungen bringen mich zum Strahlen. Herrlich ist das. :o)

Danke schön!

Und gerade jetzt tun die Streicheleinheiten gut: Bei meinem Mann wurde ganz frisch Diabetes Typ I festgestellt. Der Schock ist inzwischen verdaut, heute war bereits der erste Termin mit der Diabetesberaterin. Zwei Diabetiker gibt es in unseren beiden Familien, da war mein Partner gut gewappnet. Und so gut es geht nimmt er es auch auf. Bewundernswert, denn es ist doch - zumindest am Anfang - eine große Umstellung, die ihn sein Leben lang begleiten wird. Wer will so eine Diagnose schon haben? Aussuchen kann man es sich nicht, aber das Beste daraus machen.

Da passt das schöne Zitat des Heiligen Franz von Sales, das mir heute eine liebe Kundin geschenkt hat, wunderbar: "Begegne dem, was auf dich zukommt, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung." Ich glaube, es lässt uns beide das Leben bewusster genießen.

Herzensgrüße aus Köln

Anja

Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 19 Oktober, 2006
Thema: Blog - 2006, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Warum...

... gibt es eigentlich so Tage, lieber Gott, wo sich scheinbar alles gegen einen verbündet?

Nein, ich will nicht schwarz sehen. Es gab heute auch Dinge, die haben wunderbar geklappt:

  • Mein Mann und ich sind von IKEA zum Preis "schnellster Kunde des Jahres" nominiert: Um 9.30 Uhr machte der Laden auf, um 9.40 Uhr waren wir schon wieder unterwegs - obwohl der Parkplatz um diese Uhrzeit schon brechend voll war. Das ist doch mal was, oder?
  • Auch gut geklappt hat das Einladen und Transportieren der frisch erstandenen Regale - dank an meinen lieben Schwiegervater Günther, der uns seinen VW-BUS geliehen hat. Sonst wäre es mit den über 2 Meter langen Paketen ganz schön brenzlig mit unserem Wagen geworden.
  • Gut geklappt hat auch das Aufstehen. Ja - trotz des Urlaubs bin ich wahrhaftig früh aus den Federn gekommen - im Urlaub haben wir es zum Schluss bis 10.30 Uhr geschafft (das klappt sonst das ganze Jahr über nicht).
  • Noch was? Ja, Minu war heute einfach zauberhaft süß! *drück* und mein Mann ebenso *drück auch* (ganz unter uns: Er hat es wirklich nicht leicht mit seiner ungeduldigen Frau. Ein Glück, dass er die Ruhe weg hat und eine Engelsgeduld mit mir...)
  • Und wirklich gut war auch das Gespräch mit der von mir beauftragten Rechtsanwältin aus Dresden (alles über's Internet - eine interessante Erfahrung) - die für mich die AGBs für den Webshop erstellt.
  • Ja, mir fällt wahrhaftig noch mehr ein: Der nette Mensch in der Druckerei, der mich mit Komplimenten versorgte, dass es auf einmal gar nicht mehr so schlimm war, dass die Kalender doch noch nicht komplett fertig waren, er mir aber anbot, eine Teillieferung zu schicken... (Die ich dann aber abgesagt habe, weil es hier im Büro einen kleinen Zwischenfall gab...)
  • Und im Baumarkt bin ich eben auch sehr nett von zwei jungen Männern beraten worden, um die richtigen Dübel und Winkel für die Regale zu bekommen. Ja, das war auch schön.
  • Und auch schön: Ich habe so liebevolle Mails von meinen Kundinnen bekommen. Das hat herrlich gut getan!
  • Meine Freundin hat just in dem Moment angerufen, gerade als die Welt zusammenbrach - und danach war es nur noch halb so wild. Es tut so gut, wenn Menschen einfach mitleiden! :o) Danke, Babsi!

Hey, die Liste ist ja superlang! Das klingt nach einem richtig tollen Tag! Ja, es ist wirklich immer die Frage, wie ich selbst bewerte, was mir wiederfährt oder aus welchem Blickwinkel ich es betrachte.

Jetzt zum nicht so angenehmen Teil des Tages:

  • Die Kalender sind noch nicht fertig. (Dabei habe ich darauf 2 Wochen entgegen gefiebert.) Aber Trostpflaster: Ich hätte ja einen Teil bekommen können.
  • Im Webshop muss noch etwas eingebaut werden, damit alles rechtlich sicher ist. (Himmel, was da alles zu beachten ist. Das macht es wahrlich nicht leicht, unternehmerisch tätig zu werden.) Trostpflaster: Die Software-Fa. hat sich heute noch gemeldet. Aber wieder einmal ist es so kompliziert (und ich bilde mir schon ein, gutes Wissen zu haben), dass mein IT-Engel wieder tätig werden muss. Mal sehen, ob er das Rätsel löst - es sieht bisher nicht gut aus. (Also eine einfach zu bedienendene Shopsoftware ist auch was tolles....)
  • Beim Anbringen des Packtisches bohrte mein Mann dann in das Warmwasserrohr... ein warmer Strahl ergoss sich in mein Büro. Damit war wieder ein Zeitplan über den Haufen geschmissen. Trostpflaster: Es ist gut, wenn man einen Freund mit Installationsfirma hat. Zwei Stunden später schon konnte er bei uns sein. Die Wand ist jetzt aufgestemmt (in einem Kunstbedarfshandel habe ich mal gesehen, dass so ein Loch in der Wand aufblieb. Sie haben dekorativ einen Rahmen darüber gehangen mit einer Plexiglasscheibe darin. Jedes Mal, wenn man die Treppe zum Dachboden hochgeht, kommt man jetzt an dem Wasserschaden-Bild vorbei. Könnte ich ja auch machen...) Ich bin aber wirklich allergisch gegen den Staub vom Aufklopfen der Wand. Ah, der ist so fein und verteilt sich in alle Ritzen... Oh Mann - das war dann eine Nummer zu viel für mich. Schnief...

Mein schöner Zeitplan ist damit über den Haufen geschmissen. So lange ich selbst es beeinflussen kann, ist es ja kein Problem, bin ich aber von anderen abhängig, geht es nicht mehr so einfach glatt... Und dann gibt es auch noch höhere Gewalt, die für Wasserspiele sorgt... Nun, ich will das Beste daraus machen. Es nützt ja nichts.

Ich bin jetzt wirklich müde und hoffe, dass sich am Mittwoch alles ganz leicht löst und alles wie am Schnürchen läuft. Bitte, lieber Gott!

Herzensgrüße aus Köln

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 02 Oktober, 2006
Thema: Blog - 2006, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Weiter machen...

Der Schock ist immer noch da. Es war wichtig für mich, gestern über den Tod des Freundes zu schreiben. Es musste einfach raus.

Eine meiner Freundinnen erinnerte sich bei einem Gespräch gestern an den frühen Freitod ihres Vaters und was es für ihr Leben bedeutet hat. Sie war damals so jung wie die Kinder von Ralf heute. Sie sagt, dass die Zeit sehr schwer für sie war, vor allen Dingen, weil auf einmal keiner mehr etwas mit ihr zu tun haben wollte. Heute weiß sie, wie wichtig der frühe Tod ihres Vaters für ihr Leben war und sie konnte ihm letztes Jahr endlich verzeihen.

Mir fallen die Phasen des Trauerns ein, die Elisabeth Kübler-Ross in ihrem letzten Buch "Dem Leben neu vertrauen" beschrieben hat "Nicht wahr haben wollen, Isolierung - Zorn - Verhandeln - Depression - Zustimmung" und beobachte, dass ich gestern davon einige durchlaufen bin.

Letzte Woche starb ein Onkel von mir, er war fast 80 Jahre, sehr schwer krank und lag im Koma. Dass er gehen durfte, war für alle eine Erlösung und jeder hat sie ihm gewünscht. Er konnte nicht mehr sprechen, reagieren, sich nicht mehr bewegen. Ein solcher Tod nach einem langen Leben mit einer Erlösung aus schwerer Krankheit ist für mich leichter zu begreifen als der Freitod eines jungen Menschen.

Mein Mann meinte gestern: "Ralf hat sich mit seinem freien Willen dafür entschieden, was ihn auch immer dazu bewegt hat. Das ist so." Ja, stimmt. Und als er mit seinem Freund telefonierte, meinte der "Ralf sitzt jetzt mit einem Engel auf dem Schoß auf einer Wolke. Ihm geht es gut." Ja, das klingt gut. Dennoch nimmt es die Familie und der Freundeskreis - die meisten Schornsteinfeger - unterschiedlich schwer auf. Es ist für die, die dableiben schwer. Mensch, was für ein Schock. Das wird wohl noch ein bischen dauern...

Heute war ich im Netz und fand die Seite www.kondolenz.info mit vielen Buchtipps und Zitaten. Eines gefiel mir besonders gut:

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Gestern Abend mussten wir uns unbedingt auf etwas positives konzentrieren, haben einen Film gesehen, der uns abgelenkt und auf andere Gedanken gebracht hat. Das hat gut getan. Ich will mich auf die guten Seiten konzentrieren und auf mein Leben, auch wenn Ereignisse nicht ohne Spuren bleiben. In einigen Jahren werden wir wissen, wofür diese Entwicklung gut war.

Von Herzen

Anja

Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 22 August, 2006
Thema: Blog - 2006, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

Den Schock verarbeiten

Der beste Freund meines Mannes rief heute Mittag an. Ich hörte nur wie mein Mann immer wieder laut "Oh Gott" sagte. Als er auflegte, sagte er mir fassungslos, dass sich der Bruder seines besten Freundes am Samstag erhängt hat. Der Schock sitzt tief. Ich kannte Ralf auch. Er war Mitte 30, geschieden, Vater von zwei Kindern, ebenfalls Schornsteinfeger. Immer wieder sehe ich sein Gesicht vor meinen Augen, wie er mich immer angegrinst hat. Es ist, als gerate die Welt aus den Fugen. Ich kann es nicht verstehen, nicht begreifen. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, einen solchen Weg zu gehen? Hätte man helfen können? Hätte... Ich habe das Gefühl, im Moment legt sich eine große Schwere über alles. Welch ein Leid für seine Familie. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es wahr sein soll.

Eine sehr traurige

Anja

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 21 August, 2006
Thema: Blog - 2006, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

So Tage...

Es gibt so Tage...

... da bin ich einfach niedergeschlagen und traurig. Einfach so, ohne Anlass. Grau ist dann schwarz und weiß ist grau... Irgendwie komme ich nicht so schnell weiter, wie ich unbedingt will. Alles ist sooooooo dooooooof....

Und dann kommt plötzlich eine Mail an mit liebevollen und anerkennenden Worten für etwas, das ich mache. Einfach so. Oder mir hält jemand die Tür auf und lächelt mich strahlend an. Einfach so. Oder ich telefoniere mit einem lieben Menschen, der mir sagt, dass er mich lieb hat. Einfach so. Oder ich bekomme ein Kompliment. Einfach so.

Und schon hüpfe ich aus meinem Loch heraus und mir geht es wieder gut. Eine solche Ermutigung ist so wichtig, tut so gut. Sie hat die Macht, Flügel zu verleihen, wo keine sind. Sie hat die Macht, Trübsal wegzupusten, wo dunkle Wolken waren. Sie hat die Macht, Hoffnung, Freude, neuen Schwung und Farbe zu wecken, wenn sie einfach mal durch so Tage verschwunden sind...

Ist das Leben schön!

Sonne aus Köln

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 07 Juli, 2006
Thema: Blog - 2006, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage

So graue Tage im Leben...

Es gibt so Tage im Leben, da scheint gar nichts so richtig zu klappen. Ich habe eine bestimmte Vorstellung wie bestimmte Dinge ablaufen. Die trifft nicht ein. Ich bin traurig und enttäuscht. Ich habe mich auf ein Gespräch gefreut und es läuft ganz anders, als ich mir das erhofft habe (wenn ich ehrlich bin: Ich hatte es schon befürchtet, wollte es aber nicht wahr haben). Ich möchte einen Ausflug machen und es regnet. Es gibt ja Tage, da macht es mir gar nichts aus. Anders ist das heute. Es ist so ein "himmelhoch-jauzend-zu-Tode-betrübt"-Tag. Eher der betrübte Teil davon. Hätte ich das gleich gewusst, dass der Tag so läuft, dann hätte ich das und das gemacht. Hätte... Hätte... Am liebsten würde ich mich verkriechen und schmollen und mich bemitleiden und ihn abhaken. Den Tag. Ist ja auch mal schön.

Aber am allerliebsten wäre mir natürlich, dass es doch noch ein schöner Tag für mich wird. Was könnte mir denn gut tun? Was brauche ich, um zufrieden zu sein?   Da fällt mir wahrhaftig nichts ein. Weiter schmollen? Nein. Ich versuch's mal mit einem inneren Dialog*:

Anja: Trauriger Teil. Warum bist du traurig?

Trauriger Teil: Weil es nicht so gelaufen ist wie ich das gerne wollte.

Anja: Was wolltest du denn?

Trauriger Teil: Dass die Person an mir das gleiche Interesse hat wie ich an ihr.

Anja: Und das war nicht der Fall?

Trauriger Teil: Nein.

Anja: Kannst du bei einem nächsten Kontakt etwas besser machen?

Trauriger Teil: Nein.

Anja: Was wäre dir am liebsten?

Trauriger Teil: Mir bessere Kontakte zu suchen.

Anja: Reicht das?

Trauriger Teil: Ja. Und die nicht guten Kontakte meiden.

Anja: Noch was?

Trauriger Teil: Ja, ich bin traurig, dass der ehemals gute Kontakt nicht mehr so ist wie früher. Das tut weh.

Anja: Hm. Kann ich etwas für dich tun?

Trauriger Teil: Ja, zuhören.

Anja: Was möchtest du mir denn noch erzählen?

Trauriger Teil: Mir fehlt etwas.

Anja: Was denn?

Trauriger Teil: Anerkennung.

Anja: Wie soll die aussehen?

Trauriger Teil: Interesse. Zuhören. Mich akzeptieren.

Anja: Akzeptieren, dass du einfach dazu gehörst?

Trauriger Teil: JA! Ich weiß, dass du mich nicht so sehr magst wie den positiven, fröhlichen, unbeschwerten Anteil in dir. Aber ich bin ein Teil von dir.

Anja: Das fällt mir wirklich schwer, dich anzuerkennen. Es tut mir leid, aber es ist so. Es ist immer leichter, fröhlich zu sein. Alles im Griff zu haben. Klar zu sehen. Zufrieden zu sein.

Trauriger Teil: Und dennoch bin ich da. Und wichtig.

Anja: Warum bist du wichtig?

Trauriger Teil: Weil ich dich aufmerksam mache.

Anja: Worauf?

Trauriger Teil: Auf die Dinge, die einfach nicht mehr stimmen. Dinge, die dir nicht gut tun. Dinge, die du ändern solltest.

Anja: Was soll ich ändern?

Trauriger Teil: Hör mehr darauf, worauf du Lust hast. Und wenn du kein gutes Gefühl hast: Lass es. Auch wenn dann ein ehemals intensiver Kontakt auseinander geht. Wenn jemand geht, darf jemand neues in dein Leben treten, der besser zu dir passt. Der zu der Person von heute passt und nicht zu der von vor x Jahren.

Anja: Das fällt mir schwer. Hm. Ich spüre, dass ich noch immer traurig bin - nein: UNZUFRIEDEN! Unruhig. Dann will ich den Teil mal in mir befragen:

Anja: Unzufriedener Anteil. Was ist los mit dir?

Unzufriedener Anteil: Ich bin ganz kribbelig. Es geht mir nicht schnell genug.

Anja: Was geht dir nicht schnell genug?

Unzufriedener Anteil: Die Postkarten fertig zu machen. Endlich mit den richtigen und wichtigen Projekten anzufangen. Statt dessen trödelst du! Das NERVT mich gewaltig.

Anja: Genau so fühle ich mich. Kann ich etwas daran ändern, damit du ruhiger wirst?

Unzufriedener Anteil: JAAAAA!!!!!!

Anja: Was denn?

Unzufriedener Anteil: Tu irgend etwas von den Dingen, die du unbedingt tun willst/musst, um weiter zu kommen. Pick dir nur eine einzige Sache aus der Liste der Dinge heraus, die du unbedingt tun willst. Und tu sie. Dann bin ich ruhiger und zufriedener. Du brauchst gar nicht viel zu machen. Nur eine Sache. Worauf du noch am meisten Lust hast. Und dann ist gut für heute.

Anja: Und wenn ich gar nichts mache?

Unzufriedener Anteil: Geht auch. Aber dann bleibe ich.

Anja: Mal sehen. (Blick schweift über den Schreibtisch.) Dann will ich das Angebot für die Postkarten überarbeiten. Ist das O.k.?

Unzufriedener Anteil: Ja, klar!

Anja: (atmet auf)

So, das mache ich jetzt. Und danach mache ich gar nichts mehr Produktives. Sondern erkenne an, dass es auch mal miese Tage geben darf. Schließlich scheint ja auch nicht jeden Tag die Sonne. Es darf auch mal ein mieser Tag sein, den ich in den Mülleimer werfen kann. Ich merke, ich komme wieder mit meinem Beitrag über die Geduld in Kontakt...

Ungeduldige Grüße!

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 24 Mai, 2006
Thema: Blog - 2006, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Innere Stimme


DUNKLE TAGE

Wenn der Blues kommt...
Wende in traurige Gedanken bekommen

KÖRPER + SCHMERZEN

So habe ich 40 kg abgenommen
Mehr Gesundheit in einem Jahr.

MICH SELBST ANNEHMEN

Mich selbst annehmen
Vergleichen ist das Ende des Glücks

INNERES KIND

Inneres Kind
Dicke Tränen trocknen

INNERE STIMME

Reden mit der inneren Stimme
Was tun, wenn die Angst übermächtig wird

PSYCHOLOGIE

Hilfe für die Seele
Hilfe für die Seele. Ende mit dem Tabu.

LOSLASSEN

Weniger ist mehr
Weniger ist mehr

ACHTSAMKEIT

Ganz bei mir sein
Frühlingsmärchen für die Seele

ZEIT FÜR MICH

Im Haus meines Herzens
Aufgeregt vor Termin. Zur Ruhe kommen.

DIE FRAU DAHINTER...

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