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Freitag, 15 Dezember, 2017

Türchen 15: Ob das wirklich klappt?

Ich teilte meine Beobachtungen mit und fragte den Nachbarn, ob er vielleicht mit mir gucken würde, ob da irgendwas in der Kellerdecke zu sehen wäre. Wir gingen in den Keller, machten Licht und ich fand die Stelle, worüber sich mein Schlafzimmer befand. Wahrhaftig, da etwas in die Holzdecke eingelassen, es sah aus wie eine Luke. "Super, da wäre ich nie drauf gekommen. Gut, dass Sie gefragt haben!" sagte ich zum Nachbarn.

"Hoffentlich ist sie nicht abgeschlossen." Ich überlegte: "Und genau da steht das Doppelbett drauf, ein Stuhl und der Koffer. Aber wir können ja mal probieren." Ich drehte an dem Knopf. Sie war nicht abgeschlossen. Der Nachbar, viel größer als ich, versuchte die Klappe über seinem Kopf mit der Hand anzuheben. Immerhin, einen kleinen Spalt ließ sie sich öffnen. Allerdings war das ziemlich hoch und wegen dem darauf stehenden Gewicht kaum zu heben.

"Wir brauchen was, um etwas dazwischen zu stecken, damit es nicht immer wieder zugeht." meinte mein Begleiter. Ich fand schmale Holzbalken, die wir dazwischen klemmten. Hm, zu schmal und von oben viel zu viel Gewicht, um reinzukommen. Würde das überhaupt gehen: Das schwere Bett hochheben? 

"Wissen Sie was, ich brauche was stabiles, wo ich mich draufstellen kann, dann gucke ich mal", sagte ich. Ich fand zwei Böcke und in der Garage eine Schaltafel. Der Platz unter der Luke war eng, aber es passte. Ich stellte mich gebückt auf das gebaute Podest und wollte mit Kopf, Nacken und Schultern die Klappe in die Höhe stemmen. Mit aller Kraft drückte ich dagegen und konnte wahrhaftig das Gewicht von Bett, Stuhl und Koffer bewegen. Der Spalt war jetzt ca. 30 cm hoch, dass ich theoretisch durch klettern könnte. Allerdings war es auch etwas gefährlich, zum Beispiel, wenn ich abrutschte und mir die Luke mit dem Gewicht auf den Nacken schlug. Ich musste ja die ganze Zeit das Gewicht von oben halten. "Das könnte gehen", freute ich mich. "Ja, aber sie brauchen was zur Absicherung, damit sie sich nicht verletzen", entgegnete mein Helfer. 

Er wollte sich in der Garage nach was passendem umsehen. Ich versuchte mit der Hand über die Luke zu greifen und die inzwischen herunter gepurzelte Wäsche zur Seite zu schieben, damit der Ballast leichter wurde. Ich hörte wie nebenan Glasflaschen auf den Betonboden gestellt wurden.

Aber wie sollte ich da hochkommen? Der Höhenunterschied zwischen dem Podest und dem Fußboden in der oberen Etage war zu hoch. Ich hätte nicht genug Kraft, um mich selbst dort hochzuheben und das Gewicht auf der Luke hochzustemmen. Mein Mann wohl wahrscheinlich, aber der war ja noch draußen auf dem Balkon.

"Jetzt brauche ich nur noch eine Leiter, damit ich seitlich an der Wand hochklettern kann. Ich gucke mal", sagte ich. Während ich suchte, kletterte der Nachbar auf die Böcke, wuchtete Luke, Bett & Co. hoch und klemmte einen leeren Wasserkasten unter das angehobene Bett, so dass es gesichert war und ich nicht am Nacken oder Bauch gequetscht würde, sollte ich abrutschen und das ganze Gewicht auf mich fallen. Ungefährlich war es nicht. Doch das war mir egal. Ich wollte da rein. Ich wollte alles versuchen, um da endlich wieder rein zu kommen und meinen Frieden zu haben. 

Im Keller fand ich eine Trittleiter. Die stellte ich gegen die Wand neben die aufgebauten Böcke. Ich hielt mich oben fest und mit den Füßen kletterte ich Schritt für Schritt auf der Leiter empor, während ich die Luke mit Kopf und Schultern gegen den Druck von Bett und Stuhl weiter hochdrückte und so mit meinem Körper höher kam. Irgendwann war ich so weit, dass ich mit dem Fuß auf den Teppichboden gelangen konnte und zog mich Zentimeter für Zentimeter durch den schmalen Spalt hoch. Irgendwann war ich drin und die Luke schlug zu. Es hatte geklappt! Ich war wahrhaftig rein gekommen!!!! 

Aus eigner Körperkraft hatte ich es geschafft und dank Hilfe von außen. HÜPF!

Voller Glückseligkeit öffnete ich meinem Mann die Terrassentüre, der es kaum glauben konnte. Minu kam freudig auf mich zugeschlaufen. Schnell schloss ich die Haustüre auf und rannte wieder in den Keller. Der hilfsbereite Nachbar hatte schon angefangen, alles wegzuräumen. Heilfroh bedankte ich mich für seine Hilfe und bekräftigte nochmal, dass wir es ohne seine Hilfe nicht geschafft hätten, weil ich gar nicht auf die Luke gekommen wäre. Erst durch seine Frage sei ich darauf gekommen.

Er wünschte uns noch einen schönen Urlaub. Ich fragte nach seiner Adresse, damit ich mich bedanken könne und er kam mit hoch. Dort schilderten wir ihm den Hergang ausführlicher, weil er verständlicherweise nicht verstand, wie wir uns ausgeschlossen hatten, da es ja üblich ist, dass sich Terrassentüren wieder aufschieben lassen, solange man sie nicht von innen abgeschlossen hat. Wir zeigten ihm die verhängnisvollen "dänischen Schnappschlösser", die heutzutage so sicherlich nicht mehr gebaut werden.

Nach dem Urlaub schickten wir ihm und seiner Familie ein Dankeschön. Einige Zeit später erhielten wir eine süße Karte, worauf die beiden meinten, dass das kleine abendliche Abenteuer auch ihre Urlaubserinnerungen bereichert hätte und ihre Kinder fänden die Geschichte superspannend. :-))

Was bin ich froh, dass Hilfe da ist, wenn wir sie brauchen und ich danach frage. Was bin ich froh, dass wir so einen glücklichen Ausgang erleben durften. Was bin ich froh, dass ich als Kind im Stall die schmale, an der Wand befestigte Leiter durch ein schmales Loch auf den Heuboden klettern musste, um für die Tiere im Stall Heu runter zu werfen. All das konnte ich jetzt nutzen! 

Wie verrückt war unser Erlebnis? Terrassentüren, die sich nicht von außen öffnen lassen, obwohl sie nicht abgeschlossen waren. Wie oft war das an diesen Türen schon passiert? Wie viele Situationen sind uns eingefallen, wo man draußen auf dem Balkon steht und die Türen zum Wohnraum zuzieht. Was, wenn hier alte Leute urlaubten, die können nicht mal eben vom Balkon springen. Was ein Glück, dass die Nachbarn noch wach waren und so vertrauensvoll, mir zu öffnen, mitzukommen und zu helfen.

Danke, lieber Himmel, danke! 

Morgen geht es hier ab 12 Uhr weiter mit Türchen 16: Warum passierte das alles? Die Ursache finden. Hört es dann endlich auf?

* * * Bisher erschienen:

Der Adventskalender ist gestartet - mit Verlosung

Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß

Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen?

Türchen 7: Es tut sich was. Hoffnung. War das denn immer schon so? Hochsensiblität.

Türchen 8: Die Chancen im Unglück entdecken – Entscheidung

Türchen 9: Die Stärke der Natur und wie kommen wir da blos wieder raus?

Türchen 10: Festgefahrene Situation

Türchen 11: Und nu? Helfer in der Not.

Türchen 12: Die nächste Prüfung überrascht uns am Abend

Türchen 13: Wie kommen wir da wieder rein? 

Türchen 14: Hilfe von außen muss her. Aber wer und wo? 

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Donnerstag, 14 Dezember, 2017

Türchen 14: Hilfe von außen muss her. Aber wer und wo?

Von wo konnte denn Hilfe kommen, wo war ein Haus bewohnt? Zwei Häuser unterhalb von uns brannte noch Licht. Wer weiß wie lange noch. Es war ja schon spät am Abend und wenn wir wirklich irgendwo anrufen müssten, wäre wohl je früher je besser. Ich hatte dort ein Auto mit deutschen Kennzeichen gesehen, also keine Schwierigkeit, mich verständlich zu machen.

Ich hatte wenigstens Schluffen an. Ich könnte runter laufen (und war in dem Moment froh, dass ich einen BH anhatte.) Auf den Balkon würde ich nicht mehr so leicht von außen klettern können. Es war für Minu besser, wenn mein Mann oben blieb.

Vielleicht hatten die Nachbarn ein Handy. Ich sprach mein Vorhaben mit meinem Mann ab und rannte die dunkle Straße herunter. Ich konnte den Eingang nicht sehen, wusste vom Vorbeigehen, dass wie bei uns ein schweres Holztor Eingang und Einfahrt begrenzte. Ich versuchte das ca. 1,20 hohe Tor zu öffnen. Keine Chance, es war so dunkel, ich konnte nichts sehen. Es nützte nichts, ich musste drüber klettern. Meine Füße fanden den Boden nicht, mein Hintern schon. Aua. 

Wo war die Haustüre? Es war zu dunkel, ich fand sie nicht. Beherzt klopfte ich gegen das mit Jalusien verhangene, erhellte Fenster. Nichts passierte. Nochmal. Eine junge Frau zog die Jalusien nach oben, neben ihr ein kleines, etwa drei Jahre altes Mädchen. Ich sah wie sie etwas nach hinten sagte, dann öffnete sie das Fenster. "Guten Abend, verzeihen Sie die Störung. Danke, dass Sie aufmachen. Wir brauchen Hilfe", sagte ich gleich. "Wir haben uns ausgeschlossen und kommen nicht mehr rein." "Oh nein, warten Sie, ich mache Ihnen die Türe auf." Ich hörte wie sich eine Tür öffnete, das Außenlicht ging an und sah nun auch den seitlich gelegenen Eingang. Die Frau hatte das Kind auf dem Arm, hinter ihr erschien ein junger Mann, der gerade eine Pfanne abtrocknete. 

"Wir haben ein Problem. Wir haben uns ausgeschlossen und kommen nicht mehr ins Haus rein. Es ist alles abgeschlossen. Wir haben nichts dabei. Kein Handy, auch keine Telefonnummer von der Agentur. Nichts." Die Frau fragte: "Wissen Sie denn, wo Sie gebucht haben?" Mir fiel in dem Moment nicht ein wie die Agentur hieß. "Draußen am Zaun ist bei uns am Briefkasten ein Schild mit der Nummer der Agentur. Haben Sie vielleicht ein Handy und eine Taschenlampe, damit wir dort anrufen können?" (Voller Vertrauen, dass dort ein Anrufbeantworter lief und eine Notfallnummer angegeben war. Es gab auf jeden Fall eine in der Hausmappe, aber an die kam ich ja nicht ran...)

Der junge Mann stimmte zu, nahm Handy und Taschenlampe und folgte mir. Wieder auf dem Grundstück sagte ich meinem Mann, dass der junge Mann freundlicherweise mitgekommen wäre und wir nun nach der Nummer schauen und bei der Hausverwaltung anrufen würden. Der Nachbar sah das offene Garagentor. "Können Sie nicht von der Garage aus ins Haus?" Ich verneinte, da wäre kein Zugang, alles nur der Bereich des Hausbesitzers ohne Aufgang nach oben.

Halt. Als wir das Bett in meinem Schlafzimmer verschoben hatten, waren mir doch Metallschienen in einer Ecke auf dem Teppich aufgefallen. Ich hatte mich gefragt, was wohl darunter verborgen war. Vielleicht war ja da ein Zugang zum Obergeschoss? 

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Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Mittwoch, 13 Dezember, 2017

Türchen 13: Wie kommen wir da wieder rein?

Der Gedanke: Ist das wahr? Haben wir uns wirklich ausgeschlossen? war Realität. Um uns herum war es dunkel. Das Wohnzimmer hell beleuchtet. Wir guckten uns um. Auf dem Balkon standen vier Stühle, eine Liege, ein Tisch und ein Kasten Bier.

Da war nichts, das uns half, reinzukommen. Wir guckten runter. Dunkelheit. Es blieb uns gar nichts anderes übrig, als vom Balkon zu springen. Mein Mann fand meine Idee alles andere als gut, weiß er aufgrund seines Berufs als Schornsteinfeger doch wie gefährlich das ist. Mir war das egal, irgendwas musste passieren und ich hatte die Tür zugezogen. Ich kletterte an der Stelle über das Balkongeländer, wo ich vermutete, dass statt Steinen unter mir der Hang mit Rasen war und wo es nicht ganz zwei Meter bis zum Boden waren. Ich wollte es einfach probieren.

Ich versuchte an der Hauswand mit dem Fuß Halt zu finden. Nichts. Fand ich denn sonst irgendwo Halt? Nein. Ich musste loslassen. Meine Oberarme sind nicht so kräftig, dass sie mich halten können, so dass ich mich hätte hängen lassen und so langsam runter gekommen wäre. Also lies ich los. 

Und landete auf dem Rasen, fiel nach hinten auf den Po und Rücken. Ein Uffff entfleuchte mir. Der Aufprall schmerzte, kurzer Check: Alles noch heile. Ein Glück. Also auf und weiter.

Um zu sehen, ob die Haustüre vielleicht doch nicht abgeschlossen war wie von meinem Mann befürchtet, lief ich erst mal ums Haus. In den letzten Tagen war die Türe bei Wind öfter aufgesprungen, deswegen hatten wir sie abgeschlossen und den Schlüssel stecken lassen, falls unsere 14jährige Hündin Minu mal schnell musste und wir dann nicht lange nach dem Schlüssel suchen brauchten.

Ich kletterte im Dunklen die Treppe zur Eingangstüre hoch. Abgeschlossen.

Dann suchte ich die Fenster ab, doch nirgendwo war ein Fenster offen. Ich lief auf die andere Seite des Hauses. Das Badfenster konnte ich erkennen, es war gekippt in ca. 3 Meter Höhe, doch viel zu hoch und so klein wie ein Blatt Papier. Keine Chance, da rein zu kommen.

Ich ging zurück zum Parkplatz, worüber der Balkon trohnte und teilte meinem Mann mit, dass wir nichts offen gelassen hatten. Der fluchte und raufte sich die Haare. Für den Bruchteil einer Sekunde stellte ich mir vor, dass wir wieder oben drin und alles gut gegangen wäre, ohne Probleme und stundenlangen Aufwand.

"Guck mal, ob du was in der Garage findest, irgendeinen Draht, vielleicht kann ich damit die Schiebetüre öffnen", fiel ihm ein. Mit aller Kraft hob ich das zum Glück nicht abgeschlossene schwere Garagentor in die Höhe. Mit der Hand tastete ich nach einem Lichtschalter. Gefunden. Ich suchte die Räume nach Werkzeug ab. Fand zwei Schraubenzieher und eine Lampe mit längerem Kabel. Zum Glück war neben dem Tor gleich die Steckdose für die Waschmaschine. Dort schloss ich die Lampe an, gab sie und die Schraubenzieher durch das Geländer nach oben.

Ich sah mich unten um. Theoretisch könnten wir beide zur Not im Keller übernachten. Hier war es warm und trocken. Ich sah eine Leiter, mit deren Hilfe mein Mann sicher nach unten kommen könnte. Nicht auszudenken, er würde runter springen und sich wie vor einigen Jahren das Bein brechen. (Er erzählte mir später, dass er versucht hätte, mit beiden Beinen aufzukommen, was gefährlicher gewesen wäre als dass was ich gemacht hatte: Mich einfach fallen lassen.)

Aber wenn wir nicht mehr auf dem Balkon wären, wie sollte das mit Minu oben gehen, die sicherlich irgendwann Panik bekommen würde, wenn wir nicht wieder auftauchen würden. Sie hätte die Bude zwar nicht auseinander genommen, dafür war sie schon zu alt, aber es wäre kein gutes Gefühl gewesen. So war es gut, dass sie ihr Herrchen durch die Scheibe anschauen und hören konnte, wenn auch nicht helfen. ;o)

"Die Schraubenzieher sind zu dick. Ich brauch einen Draht." Wieder den Keller durchsucht. Da Kleiderbügel aus der Reinigung. Ich reichte zwei durch die Brüstung nach oben. Von oben ein fluchen. Er sagte, es würde nicht ans Schloss kommen. Sch.... 

Was nun? Noch länger probieren? Die Zeit schritt voran...

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Dienstag, 12 Dezember, 2017

Türchen 12: Die nächste Prüfung überrascht uns am Abend

Am nächsten Tag versuchte ich, den Lärm der Baustelle umzudeuten, mich selbst zu hypnotisieren, damit mir die Geräusche nicht mehr so viel ausmachten. Versuche, mich zu beruhigen.

Das war mir bei den ersten nachbarschaftlichen Bauarbeiten schon mal gelungen, als viele tagelang eine Schicht der Wand zu unserem Haus mit Boschhammer und per Hand abgeschlagen wurde. Damals hatte ich mir vorgestellt, meine Zähne würden von kleinen Zwergen bearbeitet, die diese Geräusche machten. Das geht immer eine ganze zeitlang gut. Es durfte nur nicht zu lange und auf Dauer gehen oder neue Stressoren dazu kommen, dann kippte die Wirkung meiner Hilfe.

Beim Frühstück habe ich meinen Mann gebeten, laut Musik aufzulegen, die wir beide mögen und die uns vom Baulärm ablenkt. Später habe ich über die Kopfhörer Musik gehört. Ansonsten habe ich mich in Dankbarkeit geübt, mich für all das Gute bedankt, um das Energiefeld zu verbessern und in Resonanz mit etwas positivem, statt negativem zu gehen.

Wir machten einen Ausflug nach Loekken, spazierten mit Minu zur Mole, ließen uns den Wind um die Nase wehen und genossen das schöne Dänemarkgefühl von Freiheit.

Und Freitag gegen eins war Wochenende. Endlich! Die Handwerker hatten Hammer, Kreissäge und Stemmeisen weggelegt und würden uns bis Montag in Ruhe lassen. HÜHÜPF!

Jetzt konnten wir uns entspannen und die Naturgeräusche genießen!

Es war ziemlich kalt draußen und windig. Also machte ich es mir drinnen vor den großen Terrassenfenstern mit Blick auf das Meer gemütlich. Der Sichtschutz lenkte den Blick wunderbar. Ich bereitete mir einen Bananen-Schokodrink zu, stellte die beiden Korbsessel zusammen, legte mir ein Kissen in den Rücken und schnappte mir "Halali", das neue Buch von Ingrid Noll. Jaaaaaaa: Lesen! Das herrliche und so sehr ersehnte Urlaubsgefühl stellte sich wieder ein. Nun fühlte ich mich ungestört, sicher und geborgen und entspannte von Minute zu Minute mehr. Ich atmete auf und ein und aus ...

Freitag Abend frischte der Wind auf. Es war kurz nach 20 Uhr, unser Wohnzimmer hell erleuchtet. Der Fernseher lief. Minu lag in ihrem Körbchen. Draußen war es dunkel und laut. Der Sichtschutz klapperte immer lauter. „Sollen wir den Tisch noch davor schieben, damit es besser hält?“, fragte ich meinen Mann. Der nickte. Ich zog mir Schluffen an, mein Mann wollte nichts an die Füße ziehen, gut ja, ein T-Shirt zog er über. 

Da draußen Mückenschwärme die letzten Tage vor unserem Fenster schwebten und die von Licht magisch angezogen werden, zog ich die Glastüre am Balkon zu, damit uns nicht noch mehr im Wohnraum ärgerten. Wir stellten den Tisch vor den Sichtschutz, brrr frisch, schnell wieder rein in das gemütliche Wohnzimmer und weiter Fernseh schauen. Ich wollte die Türe aufziehen.

Es ging nicht. Sie war verschlossen. Das konnte doch nicht sein! Nein! Von drinnen guckte uns Minu an. Wir versuchten die Türen mit den Händen offen zu schieben. Keine Chance. Die andere Seite probiert. Es ging nicht. Keine der vier Glastüren war von außen zu öffnen! Das darf nicht wahr sein! Was war diesen Urlaub nur los?! 

Da standen wir auf dem Balkon, ich in Jogginghose, Schluffen und T-Shirt (zum Glück auch mit BH...). Mein Mann in kurzer Hose, Shirt, nackten Füßen. Kein Handy dabei, keine Telefonnummer von irgendwem, nix. Rundherum Dunkelheit. Hier in der Einsamkeit gibt es keine Straßenbeleuchtung. Keine Außenbeleuchtung. Unter uns irgendwo in ca. 1, 80 bis 2,20 Meter war der Boden.

Der Wind brauste laut und kalt ums Haus. Weiter oberhalb war ein Haus hell beleuchtet, auf der Terrasse johlten junge beschwipste Dänen in Bademänteln. Wer sollte uns hier rufen hören? 

Diese Situation fühlte sich so schräg an. Wir stehen draußen in der Dunkelheit, ausgeschlossen, drinnen hell erleuchtet ginge der Urlaub weiter.

Morgen geht es hier ab 12 Uhr weiter mit Türchen 13: Wie kommen wir da wieder rein?

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Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Montag, 11 Dezember, 2017

Türchen 11: Und nu? Helfer in der Not.

"Da muss noch was festeres drunter", so der ältere Herr. Aber was soll das hier am Strand sein? Mein Mann machte sich mit ihm auf die Suche. Ich krabbelte noch weiter unter das Auto. Der Sand war ganz fest um das Rad und in den Radkasten rechts und links gepresst. Langsam wurde es frei. Mein Mund war trocken, ich konnte kaum schlucken.

Doch ich hatte den Antrieb, da wieder raus zu kommen, so lange die Flut noch weit weg war, Licht vorhanden und vor allen Dingen Menschen, die uns helfen konnten – das taten sie alleine durch ihre wohlwollende, positive Präsenz. Alle eingebrachten Ideen wurden umgesetzt und ausprobiert. Minu war ganz ruhig in ihrer Transportkiste. Wahrscheinlich die ruhigste von uns allen. 

Mein Mann kam mit einem großen Betonstück wieder, (wie hatte er das blos tragen können?), auch der nette Helfer brachte Beton mit, was wohl von den Bunkern abgebrochen war. Die wollten sie unter das rechte Vorderrad legen. Wir buddelten, was das Zeug hält. Reicht nicht, noch tiefer. Ich wollte den Unterboden vorne noch weiter frei legen, weil ich Angst hatte, wir würden uns den beim Rausfahren aufreißen. Nein, das würde nicht passieren, wir würden hoch kommen, keine Gefahr. Ich glaubte einfach den Menschen um mich herum.

Wir könnten es probieren. Ich solle wieder fahren, weil mein Mann mehr Kraft zum Schieben hätte, dann die Heckklappe aufmachen, dann könnten sie alle von hinten schieben und ich sollte links runter Richtung Meer fahren, da wäre fester Boden. Wir schauten uns die Stelle links an, ja müsste gehen. Vorne rechts unter dem Reifen lagen die Betonstücke drunter, hinten standen die drei Senioren und mein Mann. 

"OK, jetzt Gang rein uns los!" Das machte ich vorsichtig. Erst bewegte sich der Wagen nicht, dann ein wenig und dann fuhr ich aus der Kuhle raus, Richtung Wasserkannte. Ich stoppte gar nicht erst, sondern fuhr noch einige Meter weiter, so dass der Wagen wirklich wieder festen Boden unter sich hatte. Hinter mir hörte ich ein Jubeln und sah glückliche Gesichter. Ich stoppte den Wagen, mehrere schwere Betonblöcke waren mir vom Herzen gefallen. WAS FÜR EIN GLÜCK!

Ich lief sofort zu unseren Helfern zurück, hob die Arme und umarmte einen nach dem anderen. Die kölsche Herzlichkeit bekamen sie körperlich zu spüren.

"Vielen Dank, dass Sie uns geholfen haben. Ohne Sie hätten wir das nicht geschafft. Sie sind unsere Engel." Ich sagte, wir würden nie wieder an den Strand fahren. Die eine Dame guckte lachend: "Ach wieso, das kann doch mal passieren. Gestern haben wir auch einem geholfen, der sich festgefahren hatte." :-)

Auf dem Rückweg nach Noerre Lyngby, wo wir auf den Strand aufgefahren waren, fuhren wir mit so großer Vorsicht wie möglich, der Boden wurde mit den Augen abgesucht. Das Gefühl, dann endlich wieder Asphalt unter den Reifen zu haben: Unbeschreiblich sicher! Es war offensichtlich nichts am Auto dran. Wir hatten das Abenteuer unbeschadet überstanden. HÜPF!

Am ersten Supermarkt hielten wir an, um etwas zu trinken zu kaufen. "Weißt du, worauf ich jetzt richtig Lust hab? Auf Fritten!" Auf keinen Fall hatte ich nach der Anstrengung noch Lust, zu Hause etwas zu kochen. Mein Mann auch nicht. Wir waren von oben bis unten voll Sand. Das Auto innen und außen voller weißen Körner. Jetzt musste diese Belohnung sein. Wir fanden gleich einen Parkplatz neben einem Imbiss in Loekken, konnten draußen in der Sonne mit Minu sitzen und unseren Schock bei Fritten, für meinen Mann mit Bratfisch verdauen.   

Zu Hause steckte ich unsere Sachen in die Waschmaschine, die für mich so wichtig war, damit ich meine Kompressionswäsche alle zwei Tage waschen konnte. Wir machten den frisch erstandenen Sichtschutz auf dem Balkon fest. Anschließend wuschen wir uns den Sand aus den Ohren. Durchatmen. Was für ein Tag!

Rückblickend (heute am 2. Advent 2017 in Köln, wo ich diesen Text für die Veröffentlichung überarbeite und illustriere) bleibt ein schönes Gefühl zurück. Es war aufregend und so berührend, wie uns geholfen worden war und wir auch offen für Hilfe waren.

Es wäre für meinen Geschmack völlig ausreichend gewesen, wenn wir ab da keine Aufregung mehr gehabt hätten. Doch es sollte anders sein...

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Sonntag, 10 Dezember, 2017

Türchen 10: Festgefahrene Situation

Mein Mann lenkte auf den Sandberg zu. Wir kamen einige Meter weit, dann drehten die Reifen drehten durch und der Wagen bewegte sich keinen Centimenter mehr weiter. Ohoh.

Rückwärtsgang. Der Wagen bewegte sich auch in diese Richtung nicht, die Reifen drehten weiter durch. Schluck. Wir gucken uns an. Passierte das gerade wirklich? Wir steckten im Sand fest!

Ich stieg aus, um es mit Schieben zu probieren. Keine Chance bei dem schweren Wagen. Hoch oben auf der Klippe saßen zwei Männer und beobachteten uns. Ich hörte, wie einer von denen sagte: "Jetzt haben sie sich festgefahren." Ja, stimmt. Vielleicht hätte ich das auch gesagt, wenn ich da gesessen hätte. So Kommentare als selbst Betroffene zu hören, sind in dem Moment nervig und schon gar nicht hilfreich. (Gut, die andere Seite mal zu erleben.)

Am Auto spazierten zwei Seniorinnen mit ihren Hunden vorbei. Mit vereinter Kraft würde es vielleicht klappen, hoffte ich. Ich fragte die beiden Frauen: „Wir haben uns festgefahren. Könnten Sie vielleicht mit schieben?“

Sofort stimmten die Urlauber – es waren auch Deutsche - zu. Eine der Frauen rief noch ihren Gatten herbei. Wir gaben uns alle Mühe, doch auch zu vier Schiebenden bewegte sich der Wagen nicht. Wäre auch zu schön gewesen.

Der Senior meinte, wir müssten die Reifen freibuddeln, so kämen wir nicht raus. Der älteren Dame neben mir, mit rotem Haar, Brille und mit zwei Dackeln, sagte ich, während ich mir die Jacke auszog: "So ein Mist. Ich habe gelesen, wir können hier entlang fahren. Doch es gibt keinen Ausgang mehr in Loekken und jetzt das, oh nein." Sie meinte, man hätte hier bisher auch fahren können, die Brücke wäre erst vor kurzem kaputt gegangen.

Meine innere Sorgen-Maschine war angesprungen. Sie arbeitet in Milisekunden alle möglichen Szenarien durch: Angst, da nicht selbst rauskommen. Womöglich einen Abschleppwagen besorgen müssen. In dieser verlassenen Gegend sicherlich keine Sache von fünf Minuten, ganz zu schweigen von den Kosten. Es war schon später Nachmittag. Und was, wenn die Flut kam? Wie hoch stieg die hier?

Mein Mann und ich schmissen uns in den weichen Sand, um die Situation von unten zu begutachten. Die Sonne brannte. Der Sand war zum Glück trocken. Weiterhin kaum Wind. Der Wagen war vorne unten auf dem Strand aufgesetzt und die Reifen im Sand eingegraben. Wir versuchten, die Vorderreifen mit der Hand frei zu schaufeln. Eine der Damen fragte, ob wir nicht etwas zum Buddeln dabei hätten. Eine Schaufel oder so. Normalerweise gehören wir ja zu den Eichhörnchen unter den Urlaubern und haben alles mögliche dabei. An einen Klappspaten haben wir bisher nicht gedacht. Wir überlegen, ihn künftig auf die Liste zu setzen. :-)

Ich suchte den Wagen ab und fand eine feste Parkscheibe aus Kunststoff und den Eiskratzer. So lagen und knieten wir zum Teil zu fünft um die Front des Autos im Sand. Ist das nicht toll, wie sich die Senioren einfach so einbrachten? Mehrfach sagte ich ihnen wie froh ich war, dass sie da waren. Alleine die moralische Unterstützung täte so gut!

Es war unglaublich viel Sand vorne um das Auto und die Vorderreifen hatten sich tief eingegraben. Der Motorraum lag unten auf. Ich hörte wie der Mann fragte, ob wir ein Abschleppseil dabei hätten, worauf mein Mann entgegnete, das ginge nicht, weil wir einen Automatikantrieb haben, deswegen hätten wir auch kein Abschleppseil dabei. Mir wurde anders - müssten wir sogar einen Kranwagen bestellen? Und wie sollte der hier in der Gegend zu finden sein?

Wir buddelten weiter. „Haben Sie nichts zum Unterlegen dabei?“ fragte der Senior. Wir haben nur durchgehende Fußmatten, die befestigt sind. Mein Mann fand aber mein Kniekissen, das ich für Fotos immer dabei hatte, wenn ich mich auf den Boden knie, um einen schöneren Aufnahmewinkel zu bekommen. Sonst war da nichts im Auto. Wir legten es rechts unter den Reifen. Eine der Frauen hatte die Idee, nicht an der Motorhaube zu schieben, sondern die Fenster aufzumachen, damit wir an den Türholmen schieben konnten und wir so keine Beule in die Haube bekämen. Gute Idee! Daran hätten wir in der Aufregung nicht gedacht.

Die Matte lag unter, ich setzte mich ans Lenkrad. Die Kraft meines Mannes war beim Schieben besser genutzt. Ich versuchte den Rückwärtsgang, gab vorsichtig Gas und alle schoben. Der Wagen bewegte sich nicht, die Reifen drehten durch. Motor wieder aus. Mein Mann zog das angefetzte Kniekissen weg. (Oben ein Foto, das ich zu Hause von dem guten Stück machte, bevor ich es in den Müll verabschiedete.)

Wieder kein Erfolg. Würden wir da ohne einen Abschleppwagen wieder rauskommen? Und rechtzeitig vor der Flut? Hatte der Wagen Schaden genommen durch das Aufsetzen und konnten wir mit ihm wieder nach Hause fahren?

Glauben Sie mir: In diesem Moment dachte ich, wie klein dagegen das Problem der Baustelle doch ist und versprach mir - wenn wir aus der Situation heile wieder rauskommen würden - zu üben, sie mit allen Unannehmlichkeiten anzunehmen.  

Morgen geht es hier ab 12 Uhr weiter mit Türchen 11.

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Der Adventskalender ist gestartet - mit Verlosung

Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß

Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen?

Türchen 7: Es tut sich was. Hoffnung. War das denn immer schon so? Hochsensiblität.

Türchen 8: Die Chancen im Unglück entdecken – Entscheidung

Türchen 9: Die Stärke der Natur und wie kommen wir da blos wieder raus? 

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Samstag, 09 Dezember, 2017

Türchen 9: Die Stärke der Natur und wie kommen wir da blos wieder raus?

Wir kamen an einem Campingplatz vorbei, wo wir ein stabilen Sichtschutz, verstärkt mit Besenstilen fanden. Eigentlich ein Windschutz für den Strand. Wir würden ihn am Balkongeländer befestigen. Der nette Verkäufer schenkte uns die passende Kordel dafür. Super. Das ging ja flott!

Dann also auf nach Noerre Lyngby. Dieser Ort nördlich von Loekken liegt an der Steilküste. Zugänge zum Strand gibt es nur über steile Treppen (solange sie denn stehen und nicht durch Sturm, Unterspülungen, Landwegbruch unbrauchbar werden) oder über die geteerte Straße in der Ortsmitte zum Meer hinunter. 2008 urlaubten wir in diesem Ferienort.

Das hübsche rote Häuschen, das wir damals in Noerre Lyngby bewohnten, stand 2008 gut 25 Meter weg von der vielen Meter hohen Steilküste. Eine grandiose Aussicht war es von da oben auf das Meer. Besonders der Blick von der Haustüre gen Sonnenuntergang über dem Horizont der See hatte es mir angetan. Diese einmalig Stimmung von "nach Hause kommen", "ankommen", "bei mir selbst sein" fing ich in einem Foto ein. Heute weiß ich: Das wird es so nicht wieder geben. Das Foto ziert den Kalender Auf dem Weg zu mir selbst im Dezember 2018. Hier können Sie es sich anschauen und sogar nach Hause holen.

Neben uns befand sich ein mit dicken Steinen eingefasster alter Friedhof, der gerade bei Nebel, den wir im Februar oft hatten, so herrlich mystisch aussah.

Es gab an der Abbruchkannte bizarres zu sehen, wie diese abgebrochene Straße oder diese leeren Hinweisschilder:

Am Strand fanden wir damals Gebäudeteile von Häusern, die sich die Natur geholt hatte.

Ein bisschen mulmig war es schon, da oben zu wohnen, wenn es auch noch 25 Meter waren. Neben uns das süße schwarze Häuschen stand bedenklich näher am Abgrund:

Wir waren neugierig: Wie würde es jetzt - neun Jahre später - dort aussehen? Stand das schwarze Häuschen noch? Wie hatte sich die Küste verändert.

2017 standen wir an der Stelle, wo wir in unserem roten Haus gewohnt hatten. Das Haus und große Teiles des Grundstückes waren verschwunden! Nur noch Teile des Fundamentes waren zu sehen. Es war wohl abgerissen worden, bevor es hinunter kippen konnte. Was für ein komisches Gefühl, dass jetzt die Abbruchkante da war, wo wir mal schliefen. Auch der Friedhof war zur Hälfte vom Meer geholt worden. Klar, das kleine schwarze Haus war auch nicht mehr da und weitere, die damals noch auf Fotos zu sehen waren.

In den letzten Jahrzehnten waren viele Hundert Meter Steilküste dem Meer zum Opfer gefallen, damit auch Kirchen, Höfe und viele Ferienhäuser. Jetzt also auch das hübsche rote Holzhaus, in dem wir damals wohnten. Komisches Gefühl.

 

Wir wollten uns die Steilküste unten vom Meer aus anschauen und fuhren - wie auch hier in Noerre Lyngby üblich und erlaubt - mit dem Auto runter zum Strand.

Ich hatte in Touristeninformationen gelesen, dass wir von Noerre Lyngby im Norden bis nach Loekken gen Süden am Strand entlang fahren konnten. Dann würden wir Richtung unseres Ferienhauses fahren und konnten die Strandabschnitte bis Loekken sehen. Von Loekken aus ginge es auch noch weiter in den Süden bis nach Groenhoj, wo wir urlaubten, aber das wollten wir nicht machen.

Die Strecke führte kilometerlang am türkisfarbenen Meer vorbei.

Auf der anderen Seite die Steilküste. Kaum Menschen, nur ein paar Autos auf dem so breiten, flachen und festen Sandstrand. Es war später Nachmittag, herrlich warm, die Sonne schien, kaum Wind.

Rund 8 km fuhren wir an der scheinbar ewig gleichen Küste entlang bis wir kurz vor Loekken die ersten Bunker passierten. Diese Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg säumen die Nordseeküste in Dänemark. Mal stehen sie am Strand, weil sie von der Steilküste runtergefallen und freigespült wurden, was wirklich keine Augenweide ist, mal sind sie versteckt in den Dünen, inzwischen von Gras und Sand überwachsen.

In Hirtshals ganz im Norden, gibt es sogar ein Bunkermuseum, weil an dieser strategisch wichtigen Stelle wohl sehr viele Betonklötze im Boden liegen. Groenhoej und Loekken südlich haben keine Bunker am Strand stehen. Nördlich von Loekken stehen sie aber, freigespült, mit Graphiti besprüht und ein wenig unheimlich.

Hier sehen Sie welche rechts im Bild. Die beiden Fotos stammen von Februar 2008. Ein bisschen verschwinden sie im winterlichen Licht vor der Steilküste:

Auf dem folgenden Foto ist deutlicher zu erkennen, was das für Riesen sind. Positiv ist wohl, dass sie heute dem Schutz der Küste vor der Stärke der Natur dienen.

Im September 2017 auf dem Weg nach Hause passierten wir die Stelle mit den vielen Bunkern am Strand mit dem Auto. Die Breite des Strandes nimmt an dieser Stelle stark ab, ist nur noch wenige Meter breit. Wir waren gezwungen durch ein höheres Stück Sand zu fahren, um zum Ausgang nach Loekken zu kommen.

 

Der Sand hatte sich an dieser Stelle durch den Wind aufgetürmt und war nicht so fest und ebenerdig wie das ganze Stück zuvor. Sollten wir weiter fahren und es riskieren oder umkehren? Fünfzehn Minuten waren wir bestimmt am Strand entlang gefahren. Geschätzte 300 Meter hinter der Enge musste die Ausfahrt nach Loekken sein.

Mein Mann fuhr los. Die Reifen verloren den Halt auf dem feinsandigen, sehr trockenen Untergrund, die Reifen drehten leicht durch, das Auto rutschte und kippte etwas Richtung Meer ab. Eine Schrecksekunde, doch wir kamen durch.

Puh, Glück gehabt. Mein Herz pochte. Jetzt nur noch raus.

Wo war denn der Ausgang? Wir sahen große Sandkipper, die für Küstenschutzmaßnahmen Sand von der einen Seite Loekkens zur anderen brachten. Deren Reifen sind so hoch ist, dass gefühlt zwei Menschen übereinander stehen müssten, um die Reifenspitze zu erreichen.

Die Kipper fuhren durch das Meerwasser. Warum fuhren sie nicht näher zur Küste durch den Sand? Wir suchten mit den Augen den Ausgang und sahen dann, dass wir erst einen Fluss passieren mussten und eine Brücke über diesen führte. Wenige Meter weiter war klar: Die Brücke zum Ausgang war gesperrt!

Bestimmt dreizig Zentimeter tief war der Abgrund davor, der Sand war weggebrochen. Das vom Regen ablaufende Wasser hatte einen tiefen Graben in den Untergrund gebuddelt. Da konnten wir nicht drüber fahren. Und nun? (In Noerre Lyngby bei der Strandauffahrt hatte kein Hinweis gestanden, dass die Ausfahrt in Loekken gesperrt ist.)

Sollten wir auch durch die Wasserkannte fahren wie die Lkw? Das sah gefährlich aus, wir wussten nicht, ob der Boden uns hielt. Ich bin beim Spaziergang an der Wasserkante mal knietief im Sand versunken, weil der kleinsteinige Boden darunter unterspült war. Wie hoch war das Meerwasser? Wenn es den Unterboden des Autos umspülte war das Salzwasser sicherlich nicht gut für die Karrosserie. Doch eine andere Möglichkeit gab es nicht. Wir kamen hier nicht raus.

Wir beschlossen zu drehen und wieder zurück nach Noerre Lyngby zu fahren. Das bedeutete, dass wir wieder durch die Sandwehe mussten. Von dieser Seite aus war der Weg darüber etwas steiler und auch feinsandiger, nicht so fest wie auf der anderen Seite. Wir konnten nicht so gut Schwung holen. Oh nein. Würden wir das schaffen?

Morgen geht es hier ab 12 Uhr weiter mit Türchen 10: Festgefahrene Situation

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Freitag, 08 Dezember, 2017

Türchen 8: Die Chancen im Unglück entdecken – Entscheidung

Ich wollte die Walkingrunde nutzen, um in Ruhe nachzudenken, womit ich mich am wohlsten fühlte und eine Entscheidung finden. Mein Mann überließ mir die Entscheidung. Dafür eignet sich das Gehen durch die Natur wunderbar.

Eine Herausforderung wie ich sie gerade im Urlaub erlebte, bot auch Chancen. Nämlich nach innen zu schauen und zu heilen, was verletzt ist. Das geht besonders dann gut, wenn die Wunden aufbrechen.

Vielleicht ging es auch darum, etwas mehr zu lernen, den Lärm im Außen zu lassen und zu üben, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ziel: Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen erlangen.

Das klang eigentlich toll.

Die Flucht-Walkingtour war eine reine Freude: Ich passierte Waldabschnitte zwischen weiter Heidelandschaft.

Die meisten Häuser in dieser Gegend hatten begrünte Dachflächen,

auf manchen wuchsen sogar kleine Tännchen.

Ein Weißdorn stand am Wegesrand voller roter Früchte.

Eine Bank mitten in der Landschaft,

daneben ein Buchregal. Wie klasse!

Und dann fand ich den Weg Richtung Meer. Ich erklomm über einen schmalen Pfad einen kleinen Berg, den 43 Meter hohen Oernbjerg (Adlerberg).

Von dort aus ergab sich ein toller Blick über das Gebiet und die Jammerbucht:

Sieht ein bisschen aus wie in Auenland, wo die Hobbits wohnen. :-)

In herrlich hügeliger und grüner Landschaft ging eine steile Treppe Richtung Meer.

Hier in der Natur und Stille war ich einfach froh und glücklich. So viele wundervolle Eindrücke. Zwei Stunden war ich unterwegs gewesen und es hatte mir einfach gut getan!

Während dieses Walkings am Donnerstag Mittag war mein Entschluss gereift: Ich wollte im Haus bleiben und wie von meinem Mann vorgeschlagen einen Sichtschutz kaufen, um etwas privater sein zu können und auch weniger konfrontiert mit der Baustelle. Ich wollte, wenn ich es nicht mehr aushalte, Kopfhörer tragen, bzw. wir würden die Musik im Haus zum Beispiel beim Frühstück aufdrehen, um die Geräusche zu übertönen. Und ich wollte üben, meine Gedanken besonders im Haus immer wieder auf positive Impulse zu lenken.

Damit die Vorstellung "Drei Wochen nur Lärm" erträglicher wurde, wollte ich die Zeit in Abschnitte aufteilen. Das Wochenende, wo Ruhe auf der Baustelle war, wollte ich möglichst im Haus bleiben und das tun, was ich mir so ersehnt hatte: Schlafen, Faulenzen, Lesen, Schreiben, aufs Meer schauen. Und während der anderen Zeit möglichst viel unterwegs sein, bis die Handwerker Feierabend hatten. Zum Beispiel bummeln, einige Sehenswürdigkeiten anschauen, wenn das Wetter passte am Strand picknicken und lesen. Wenn mein Mann Lust hatte, mit ihm zusammen, sonst eben alleine. Und natürlich viel walken zu gehen.

Und als letzte Option, nur im Notfall, aber sie zu haben, war wichtig: Wenn es ganz unerträglich würde, wirklich früher abzureisen. Wenn Bedürfnisse und Pläne über den Haufen geschmissen werden, ist das herausfordernd. Gut, dieser Urlaub sollte also eine besondere Herausforderung des Schicksals sein. Ich war bereit sie anzunehmen.

Alleine, als ich die Entscheidung für mich gefunden hatte, ging es mir schon etwas besser. Mein Mann war auch froh, dass kein Umzug anstand. Minu war es glaube ich wurscht. :-)

Die deutsche Agentur wollten uns, obwohl wir nicht erneut buchten, die 10% als kleine Wiedergutmachung erlassen - sei es für den Sichtschutz oder ein Fluchtfrühstück außerhalb. Alleine deren Zuhören, Mitüberlegen und Mitgefühl hatte gut getan.

Wir beschlossen am späten Nachmittag, einen Ausflug zu machen, nach einem Sichtschutz Ausschau zu halten und einmal auf dem Weg wollten wir nach Noerre Lyngby fahren, wo wir im Februar 2008 Urlaub in einem Häuschen an der Steilküste gemacht hatten. Jo, und damit rutschten wir wenige Stunden später ins Abenteuer.

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Donnerstag, 07 Dezember, 2017

Türchen 7: Es tut sich was. Hoffnung. War das denn immer schon so? Hochsensiblität.

Als wir Donnerstag morgen von der Besichtigung der Ausweichquartiere in der Nähe zurück kamen, entdeckten wir einen weiteren Gesellen auf der Baustelle. Auf einmal ging es vorwärts. Sie hatten schon auf der zweiten Dachfläche mit dem Abriss der Bedachung begonnen. Hatte der Anruf vielleicht doch etwas bewirkt und der Chef einen weiteren Mitarbeiter zur Baustelle geschickt? Vielleicht würden sie doch eher als in drei Wochen fertig und wir hätten noch eine Woche wirklichen Urlaub? Hoffnung keimte auf.

Ich floh erst mal wieder vor dem Lärm, schnappte mir meine Walkingstöcke und ging los. Als Ziel für mein Walking hatte ich mir eine Gegend etwas weiter entfernt ausgesucht, wo in einer Heidelandschaft auch ein freies Haus stand. Auf dem Weg dorthin hörte ich Bagger arbeiten. Also war auch dort keine wirkliche Ruhe. Ein großer mit Dreck beladener Lkw fuhr auf der schmalen Straße an mir vorbei.

Mir wurde klar: Es gibt keine Garantie, in dem anderen Haus auch Ruhe zu haben. In gar keinem Haus.

Wie war das vorher in Dänemark Urlauben gewesen?

Ich meine mich zu erinnern, dass wir 2005 im Bjerregard (ein Ferienhausgebiet viel weiter südlich an der dänischen Nordseeküste in der Nähe des Ringkoeping Fjord) in der Nachbarschaft auch Bauarbeiten ca. zwei Häuser weiter hatten. Doch mit etwas mehr Abstand als jetzt und nicht in der Blicklinie. Es hatte mir damals nichts ausgemacht, zumindest erinnere ich mich nicht daran.

Was war der Unterschied zu heute?

Der Unterschied waren die Belastungen, die ich von 2011 bis 2015 durch die beiden Sanierungen in der Nachbarschaft erfahren hatte. Das hatte tiefe Wunden in mir hinterlassen. Ich war nach den zweiten Bauarbeiten ausgebrannt, müde und hatte lange Zeit durch den Lärm keine Ruhe und Regeneration gefunden. Dementsprechend sensibel reagierte und reagiere ich, wenn dieses wichtige Bedürfnis in Gefahr gerät.

Die führten dazu, dass mein Stresssystem sofort bei Baulärm auf Hochtouren lief. Dazu bin ich hochsensibel, nehme Stress (aber auch schöne Dinge) intensiver wahr. (Über meine Hochsensiblilität habe ich hier ausführlicher berichtet.)

Ich übe, mich nicht mit anderen zu vergleichen oder dafür zu verurteilen, dass ich so empfindsam bin. Zum Beispiel statt "Sei doch wie dein Mann, der macht sich nichts draus." mir zu sagen: "Ich bin genau wie ich bin in Ordnung. Jeder ist anders. Jeder hat woanders seine Stärken und seine Schwächen. Das ist ok so." oder statt: "Warum bist du so empfindlich. Stell dich nicht so an." mir zu sagen: "Ich darf empfindsam sein. Es ist völlig in Ordnung, dass mir die Situation zu schaffen macht." Zwei Möglichkeiten von unzähligen.

Eigentlich hatte sich das Thema in den letzten Urlauben immer stärker an mich heran geschlichen:

2015, vor zwei Jahren zum Ende der zweiten Bauphase in unserer Kölner Nachbarschaft - zu dem Zeitpunkt war ich völlig ausgelaugt und mit den Nerven am Ende, der Nachbarin auf der anderen Seite ging es ähnlich - hielt ich im Urlaub die Luft an, ob wirklich wie mir von der damaligen Vermietungsagentur versichert wurde, keine Bauarbieten im Ferienhausgebiet seien. Es gab dort wirklich keine Bauarbeiten, allerdings kam immer sonntags ein Däne zu seinem Haus und renovierte das Dach.

Da das aber relativ weit weg war, ich es hören, aber nicht sehen konnte, gelang es mir, dies auszublenden und mich immer wieder auf mich konzentrieren.

Letztes Jahr, 2016, in der 70er Jahre Ferienhaussiedlung am Meer renovierten alle Besitzer mehr oder weniger ihre Häuschen. Doch da hörte ich mal kurz ein Schleifen, dann wurde gestrichen, was ja nicht zu hören ist. Das zu sehen, macht mir nicht so viel aus, wie es zu hören. (Es gibt Streßpunkte bezogen auf unsere Sinneskanäle, wo man besonders empfindlich ist. Bei mir sind es Geräusche, bei anderen was sie sehen oder riechen...).

Diese Arbeiten dauerten ein paar Stunden und es war vorbei. Auch die großen Bagger am Strand oder die Sägearbeiten an einem oben gelegenen neuen Ferienhaus konnte ich ausblenden. Es war erträglich, wenn auch nicht schön.

Bis eines samstags, ich genoss gerade die über dem Meer untergehende Sonne auf unserer kleinen Terrasse in unserem blauen Haus, da polterte ein voll beladener VW-Bus den Kiesweg herunter, fuhr ganz knapp an unserer Terrasse vorbei und bremste neben dem grünen Haus neben uns. Es stiegen zwei Erwachsene, drei kreischende Kinder und ein bellender Hund aus. Die Lautstärke änderte sich schlagartig von Naturgeräuschen zu High Live.

Der Mann begann sofort mit einem Hochdruckreiniger das Haus von außen zu reinigen. Dahin war die Abendstimmung. Ich war froh, rein gehen zu können, auch wenn wir durch die dünnen Holzwände die Arbeiten noch bis spät in die Dunkelheit hören konnten. Am nächsten Tag, einem Sonntag, ging es gleich in der früh weiter: Der Rasen wurde gemäht, das Haus gestrichen. Wie sollte ich das aushalten? Die vierzehn Tage lang (2017 dachte ich darüber: Welch ein Luxus!) hatte ich es genossen, auf der Terrasse zu sitzen, dort zu frühstücken, zu lesen und aufs Meer zu schauen. Und nun?

Es widerstrebte mir, mich von dem Krach nach drinnen vertreiben zu lassen. Auf keinen Fall wollte ich meinen Glücksplatz an der frischen Luft mit Blick aufs Meer hergeben. Ich zog mir Kopfhörer an - womit ich mich normalerweise gar nicht konzentrieren kann, doch mit einer noch nie gehörten Musik (einer Mischung aus Entspannung und Techno würde ich es beschreiben - funktionierte es wunderbar - und schrieb mir stundenlang meinen ganzen Frust von der Seele. Schaute nach innen, fand einen verletzten Anteil und arbeitete mit ihm, schenkte ihm Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig war mir durch das Gesetz der Anziehung klar, dass es gut war, mir gute Gedanken wegen der Baustelle zu machen und keine negativen. So schwer das ausgerechnet in einer solchen Situation auch ist. Am Nachmittag war ich müde geschrieben und mein Mann, Minu und ich machten einen Ausflug zum Leuchtturm. Ich wünschte mir, die Nachbarn wären dann weg, alles nur eine Fata Morgana gewesen. Die Kinder waren im Schulalter, sie mussten ja auch zur Schule.

Als wir zurück waren, sahen wir keinen Bus mehr vor dem nicht mehr grünen, sondern jetzt roten Haus neben uns stehen. Stille. So laut wie die Wikinger über uns hergefallen waren, so leise waren sie gegangen. Ich war so unendlich erleichtert und dankbar. Mein Urlaubsglück war wieder hergestellt!

Soweit die Erfahrungen in den vergangenen Urlauben mit Renovierungen oder Baulärm. Es waren Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was uns in diesem Jahr wiederfuhr und Winzigkeiten im Gegensatz zu dem, was die mehrjährigen Bauarbeiten der Nachbarn in Köln an Spuren bei mir hinterlassen hatten. Irgendwie habe ich rückblickend das Gefühl, ich wäre wie von oben geleitet, von Jahr zu Jahr wieder mit etwas mehr Lärm beschallt worden, um zu üben, wieder mit solchen Belastungen umzugehen. Dieses Jahr war wirklich die Meisterarbeit. :-)

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Mittwoch, 06 Dezember, 2017

Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen?

Zunächst einmal wünsche ich Ihnen einen schöööönen Nikolaus!

Klick zu den E-Cards

(Bild ist eine E-Card. Einfach draufklicken, aussuchen und jemandem eine Freude machen. Ist kostenlos.) 

Weiter gehts mit den Erlebnissen in Dänemark:

Als wir von unserem Strandbuggy-Picknick am Strand Dienstag späten Nachmittag nach Hause kamen, hatten die Arbeiter zum Glück Feierabend. Aufatmen. Wenn die Arbeiten vorüber sind, kann ich mir meist nicht vorstellen, warum der Lärm so stressig für mich ist. Ach, war vielleicht doch alles nicht so schlimm?

Doch innerlich fand ich keine Ruhe. Das Problem war ja nicht wirklich weg, nur weil nebenan Feierabend war. Und langsam war klar: Das war keine 2-Tages-Baustelle nebenan. Das dauerte länger und schlich sich in meine Urlaubsfreude herein. Was hatte ich denn für Handlungsmöglichkeiten?

In der Hausmappe las ich unter Lärmbelästigung: "Während sie Urlaub machen, geht das Leben in Dänemark weiter. Es kann deshalb durchaus sein, dass sie Lärm von Baustellen, Restaurants, Flugzeugen, Autos, Motorbooten, Landwirtschaft, Militärübungen u.a. hören können. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Urlaubsgäste dafür Verständnis haben, das wir dafür keine Verantwortung übernehmen können." Diese Aussage hinterließ bei mir einen fahlen Geschmack.

Abends schrieb ich an die deutsche Vermittlungsagentur und schilderte die Situation, auch wenn ich wusste, dass sich die dänische Agentur vor Ort aus der Verantwortung zieht. Mir war einfach wichtig mitzuteilen, wie es mir ging und für meine Bedürfnisse einzustehen.

Mittwoch Morgen ging der Baustellenalltag weiter mit dem ganzen Programm. Die Handwerker hatten die Musik aufgedreht. Gefühlt kamen die zwei Mann nicht vorwärts. Von den acht Dachflächen war gerade eine einzige abgerissen, die Dämmung entfernt und ein Regenschutz aufgetackert. Der Kompressor lief.

Ich fühlte mich auf dem Balkon - wo wir hätten wieder so schön frühstücken können - überhaupt nicht mehr wohl, sondern beobachtet und beobachtend. Ständig mit der Baustelle beschäftigt, da von dort Krach kommt und sie genau auf der Höhe sind, wo sie uns in die Wohnung gucken konnten. Das war das Gegenteil von Erholung für mich.

Selbst hinter dem Haus hörte man sie wirken. Meine Laune sank in den Keller. Ich war im Schockzustand und in alten Verletzungen aus den Bauphasen der Nachbarschaft in Köln gefangen. Musste ich meine Herzenswünsche des auf dem Balkon Lesens und Schreibens an den Nagel hängen? Selbst im Haus bei geschlossenem Fenster war all das Wirken zu hören. Dafür waren wir 950 km gefahren? Musste ich den ganzen Tag über Kopfhörer Musik hören, um bei mir sein zu können? Oder den Tag über fliehen, bis die Arbeiten gegen Abend ruhten? Was für ein furchtbares Gefühl, mich "zu Hause" nicht wohlzufühlen. Der Gedanke, bei schönem Wetter nicht mehr draußen essen zu können, sondern nur noch drinnen, war unerträglich.

Mein Mann fand die Baustelle auch nicht toll, aber wiederholte, dass ihm der Lärm nichts ausmachte. Er als Handwerker fand sie eher interessant. Was ihm was ausmachte, war dass ich damit Stress hatte. Was sollte ich tun? Ich fuhr mit dem Auto zum Strand, wollte dort den Wagen abstellen, walken gehen und mich dann vielleicht etwas neben das Auto in die Campingstühle setzen und lesen bzw. schreiben.

Im Auto änderte meinen Plan. Ich fuhr zur dänischen Vermietungsagentur vor Ort in Loekken und erzählte dort von der Situation und wie unglücklich ich damit sei. Man wollte sich mal schlau machen, wie lange das denn ginge. (Ich spreche kein Dänisch und wäre selbst mit Englich mit der Situation - auch wegen dem inneren Stresspegel - an meine Grenzen gestoßen.)

Danach ging es mir ein klitzekleines bisschen besser. Es hatte einfach gut getan, etwas zu unternehmen. Aktiv zu werden. Danach fuhr ich zum Strand, zog mich um, erklomm die hohe Düne, vor der ich geparkt hatte und genoss eine grandiose Aussicht über das Meer und das Dünengebiet. Hach, war das schön hier!

Danach walkte ich bis zu den Strandhäuschen in Loekken, was ungefähr 6 km eine Strecke waren. Wow, toll, dass ich das geschafft hatte! Ich war stolz auf mich.

Zurück am Auto wollte ich eigentlich mit dem Campingstuhl etwas Lesen. Das neue Ingrid Noll Buch hatte ich dabei. Doch es war kühl und zu windig, um draußen zu sitzen. Ich probierte es drinnen, doch im Auto fühlte ich mich wie eingesperrt. Also Zähne zusammen beißen und zurück ins Haus.

Dort erwartete mich die Nachricht der dänischen Vermietungsagentur, dass die Bauarbeiten für drei Wochen (= genau unsere Urlaubszeit) geplant seien. Der Chef der Baufirma hätte aber gesagt sie würden versuchen, leiser zu arbeiten (witzig). Die gute Nachricht sei noch, dass sie freitags um eins Feierabend machen würden und wir dann ja das Wochenende Ruhe hätten. (Unfassbar! Durchatmen, sonst platzt du gleich, Anja) Ansonsten schrieb die Frau, sie könne nichts weiter für mich tun und verwies auf den oben zitierten Passus. Mitgefühl? Lösungen? Nein. Ich war wütend, enttäuscht, traurig.

 

Mein innerer Kümmerer wurde aktiv. Ich überlegte, was ich für mich tun könnte.

Wäre ein anderes Haus eine Lösung? Gleich wie es ausging, es war einfach wichtig für mich, alles zu versuchen, damit es mir besser ging und gut für mich und meine Bedürfnisse einzustehen.

Ich schrieb nochmal an die deutsche Agentur, die uns das Haus vermittelt hatte, von denen ich noch nichts gehört hatte und fragte, ob es möglich sei, dass wir nach einer Woche in ein anderes, ruhigeres Haus umziehen und uns ein Teil der für die drei Wochen gezahlten Miete erstattet würde. Kurz darauf klingelte mein Handy, eine freundliche Mitarbeiterin der deutschen Agentur teilte mir ihr Mitgefühl mit, hörte sich meine Idee an und sagte, sie wolle schauen, welche Häuser frei wären. Sie wären bereit 10% des gezahlten Hauspreises zu erstatten, wenn wir erneut buchen würden.

Mit der dänischen Agentur, wo das Haus unter Vertrag ist, wollte sie zumindest über eine Umbuchung sprechen. Sie vermutete aber, dass es keine Erstattung geben würde, da jedes Haus einem anderen Eigentümer gehört und unserer ja nichts für die Baustelle seines Nachbarn könnte.

Keine super befriedigende Antwort. Aber wie gut hatte alleine das Mitgefühl, das Zuhören und Kümmern getan.

Im Internet recherchierte ich nach Hausalternativen. Ich sah mir die abends eingetroffenen Vorschläge der Agentur an. Mein Mann und ich diskutierten hin und her. Es war für mich kein Urlaub, sondern ein Alptraum. Es machte mir puren Stress, hier zu sein. Schwierig war, dass wir genau das optimale Haus gefunden hatten: Toller Meerblick, nah zum Strand, ein abgeschlossenes Grundstück, Waschmaschine, W-Lan ...

Keines der noch freien Häuser konnte da mithalten. Es war heftig, nochmal ein Haus voll zu bezahlen, wo wir unseren Urlaub ja schon bezahlt hatten. Donnerstag morgen sahen wir uns zwei Häuser in der Nähe an. Das eine lag unscharmant nur mit Blick auf eine Straße, weit ab vom Meer und das andere in einem Waldgebiet. Der Blick ging nur wenige Meter in schäbige Tannen hinein. Außerdem hörte man von dort die Schnellstraße und irgendwo hörte ich Bagger. Seufz. Abgeschlossen waren die Grundstücke auch nicht.

Was war die richtige Lösung?

Im Haus bleiben und den Baulärm irgendwie versuchen auszuhalten, Kopfhörer tragen, mehrere Stunden am Tag wegfahren (statt da zu bleiben und das zu tun, was ich eigentlich wollte: Lesen, schlafen, schreiben, aufs Meer schauen), vielleicht einen Sichtschutz kaufen, damit wir etwas mehr Privatsphäre hatten? Oder packen, das Haus reinigen, uns auf das neue Haus einstellen, Stress mit Minu haben, weil sie vielleicht ausbüchsen will, den Meerblick missen? Oder ganz nach Hause fahren? Die Zeit drängte nach einer Entscheidung, wenn wir wirklich das Haus zum Wochenende wechseln wollten.

Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass mir am Nachmittag die Baustelle so was von egal wurde...

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Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

PS: Heute hatte ich auch ein Glückserlebnis. Prof. Dr. Ingrid Gerhard vom Netzwerk Frauengesundheit hat meine Tischkalender empfohlen. Sie glauben gar nicht wie sehr ich mich darüber freue. Ein Geschenk für mich!

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Dienstag, 05 Dezember, 2017

Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß

Ab 7 Uhr am Dienstag war der Urlaubsschlaf beendet. Die Handwerker warfen große Platten vom Dach in den Container. Ich habe in den Bausituationen zu Hause gelernt wie wichtig es ist, in solch stressigen Momenten, wo ich nicht so leicht davon laufen kann, meine Aufmerksamkeit auf Schönes zu richten. Also brachen wir mit Minu zu einem Spaziergang durch die schöne Dünengegend auf.

Dieser alte und scheinbar verlassene Bauernhof hatte eine tolle Ausstrahlung:

Am Wegesrand entdecken wir tolle Blüten:

Oben der rote Klee oder diese rot-grünen Perlen:

Wicken in gelb:

und in lila:

Hornveilchen:

Margeriten:

Lungenkraut:

Schafsgarbe:

Und natürlich die unglaublich gut duftenden Kartoffelrosen, die in großen Büschen überall an der Küste anzutreffen sind. An ihnen habe ich so oft es geht gerochen, weil diese Düfte sich beruhigend auswirken. Hier gab es sie in weiß

und in pink:

Löwenmäulchen:

Strand-Grasnelken:

Glockenblumen:

Was für ein schöner Ausflug durch die Natur. Die wilden Blüten anzuschauen, durch die bewachsene Hügellandschaft zu gehen, hat einfach gut getan.

Zurück am Haus wollten wir allem Baugedöns zutrotz auf dem Balkon Frühstücken.

Keine gute Idee. Während wir da saßen, wurde viel Material per Lkw angeliefert und vor unserem Haus parkte ein Tanklaster und brachte uns Öl. Urlaubsatmosphäre? Nein. Die Hoffnung einer einwöchigen Baustelle, so dass wir noch zwei Wochen wirklichen Urlaub hatten, schwand dahin.

Ich musste weg von dem Krach. Also fuhr ich in die nächst größere Stadt, das ca. 30 km entfernte Hjoering (ca. 25.000 Einwohner). Auch größere Städte haben meist die typischen anderthalbgeschossigen Häuser, rote Ziegeldächer, oft dicht an der Straße stehend. Ich bummelte durch die Fußgängerzone, wo es auch zweigeschossige und höhere Häuser gab.

Wie schon sonntags in Loekken fand ich schöne Klamottenläden, die typischen Gebrauchtwaren- oder Antikgeschäfte, Sportgeschäfte, Cafés, Restaurants, sogar ein Shoppingcenter mit Deko- und Einrichtungswaren. Doch charmanter fand ich das kleinere Loekken.

Hjoering war schnell angeschaut. Besonders schön fand ich diese alte Hausfassade. Ich hätte Museen oder Parks anschauen können, aber darauf hatte ich keine Lust. Und nun? Zurück in den Krach ins Ferienhaus? Nein. Ich fuhr nach Loekken, wo ich sonntags ein Geschäft mit Strandzubehör und Drachen gesehen hatte. Ob die vielleicht so faltbare Strandstühle hatten, die ich am Tag zuvor am Strand gesehen hatte?

Die freundliche Verkäuferin zeigte mir einen klappbaren Stuhl aus Holz, der mit Stoff bezogen war. Allerdings saß man darauf so gut wie auf dem Boden. Das würde uns keine Freude machen, davon wieder aufzustehen. Oh schade, das war gar nicht, was wir suchten. Ich sagte ihr, wir suchten etwas höheres wie Stühle. Sie guckte mich einen Moment an, sagte so was verkaufe sie nicht im Laden, aber sie hätte da vielleicht etwas für mich.

Ich solle mal mitkommen. Sie lies den Laden unbeaufsichtigt und ging mit mir durch die schmale Gasse hinter das Haus. Da standen zwei faltbare Campingstühle wie ich sie mir vorgestellt hatte. Von Sand überzogen, leichter Rost am Rahmen (was hier bei der salzigen Luft schnell passiert) und voll funktionsfähig. Zwei Urlauber hätten die Stühle da gelassen.

Sie wären kostenfrei, ich könne sie so mitnehmen. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Damit ließe sich selbst bei starkem Baustellenlärm die Zeit am Meer tagsüber verbringen. Ich musste nicht noch lange suchen, wo ich genau so Stühle in der Gegend finden konnte. Da war mir einfach so eine klasse Lösung geschickt worden! Hüpf! Ich schleppte die Stühle zum Auto und fuhr erfreut nach Hause.

 

Meinen Mann lud ich am Nachmittag zum Picknick am Strand ein. Es war trockenes Wetter und wenig Wind. Wenn wir nicht auf dem Balkon in Ruhe sitzen und das Meer genießen können, dann dort in jedem Falle. Dann könnten wir auch Minus Wagen ausprobieren. Wir hatten für Minu einen Strandbuggy gekauft. Letztes Jahr konnte sie weite Strecken nicht mehr gehen und wir mussten unsere Spaziergänge oft abbrechen.

So kam mein Mann auf die Idee, einen faltbaren Strandbuggy mitzunehmen, darin könne Minu sitzen und wir weiter spazieren gehen. Gedacht, gemacht. Wir hatten so viel Spaß alleine bei dem Gedanken und als wir zu Hause den Buggy ausprobierten guckte Minu ganz freudig.

Also auf zum Strand! Es war herrlich gleich in der Nähe der Wasserkannte im Windschatten des Autos zu sitzen. Etwas trinken und essen, das Meer beobachten, klasse.

Die Krönung war dann Minu, die wie die Queen im Wagen saß und sich über den Strand ziehen lies.

Es fehlte nur noch, dass sie winkte.

In diesem Moment dort am Strand war ich einfach glücklich. Der Himmel hatte mir diese Strandstühle beschehrt und wir wären wohl nicht mit dem Auto zum Picknick an den Strand gefahren, wenn uns die Baustelle von unserer genialen Aussicht auf dem Balkon vertrieben hätte. So konnten wir ganz nach am Wasser eine schöne Zeit verbringen. Pech und Glück können so nah bei einander liegen.

Guckt sie nicht einfach zufrieden?

Soviel für heute vom Meer.

Hier geht es weiter mit Türchen 6: Türchen 6: Aktiv werden. Wie kann ich mir beistehen?

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Der Adventskalender ist gestartet - mit Verlosung

Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt 

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Montag, 04 Dezember, 2017

Türchen 4: Die erste Prüfung beginnt

Am ersten Montagmorgen unseres dreiwöchigen Urlaubs wurde ich gegen sieben Uhr von seltsamem Krach geweckt und dachte unser Hund würde etwas anstellen. Stand auf. Minu schlief seelenruhig. Ich ging den Geräuschen nach. Unterhalb von uns stand ein riesiges Ferienhaus. Männer bauten darum mit Geklapper und Geschepper ein Gerüst auf. Ein weißer Lieferwagen mit Aufschrift "Tournemester" (Schreinermeister) stand davor. Konnte das wahr sein? Eine Baustelle?

Seit dem zu Hause in Köln ab 2011 neue Nachbarn die beiden direkten Reihenhäuser neben uns jeweils weit über ein Jahr sanierten - nicht zur gleichen Zeit, sondern mit einem Abstand von ca. anderthalb Jahren, bin ich davon richtig geschädigt. Die von 1926 stammenden Häuser wurden komplett erntkernt bzw. zum Teil abgerissen und wieder aufgebaut. Das bedeutete Baulärm von Montag früh um sieben bis Samstag abend. Noch nicht mal sonntags war Ruhe, weil die Inhaber dann aktiv wurden.

Während dessen versuchte ich in meinem Homeoffice zu arbeiten oder sonntags zumindest Ruhe zu finden. Wofür ich anfangs noch gute Lösungen hatte, damit umzugehen, fand ich nachher keine Ruhe mehr.

Es war nur noch schädigender Stress für meine Gesundheit wie ich heute weiß. Ein Teil meiner Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und Ausgebrannt sein der letzten Jahre hat meiner Meinung nach genau mit dem Baulärm zu tun. Dauerstress über einen so langen Zeitraum führt zum Ausbrennen der Nebennieren. Das ist nicht so schnell wieder behoben. Kein Spaß für den Körper. Früher hat mir Baulärm nichts ausgemacht. Ich habe es gar nicht so stark wahr genommen wie jetzt. Da hatte ich diese Erfahrung auch nocht nicht gemacht.

Seit dieser Erfahrung reagiere ich auf Baulärm, besonders an meinem Wohnort: Mein Herz rast, ich bin innerlich unruhig, mir wird heiß und kalt, der Hals geht zu, die Stimmung in den Keller, meine Nacken- und Rückenmuskulatur verspannt sich und ich kann mich nicht mehr konzentrieren oder mit meiner Aufmerksamkeit bei mir sein, geschweige denn entspannen. Stress pur. Also das Gegenteil von Urlaub und Erholung.

Beruhigende Prognosen stellten wir erst noch an, während wir am ersten Tag noch oberhalb der Baustelle auf dem Balkon frühstückten. Ausgerechnet rechts Richtung Meerblick, unterhalb vom schönen Sitzplatz entstand die Baustelle. Ach, vielleicht muss ja nur die Regenrinne neu gemacht werden oder was am Dach repariert. Das Gerüst sprach jedoch für einen Umfang von mehr als einem Tag. Vielleicht eine Woche?

Ich dachte erstmal: Ich lenke mich ab. Es gibt hier noch so viel zu gucken und vielleicht war das alles ein kurzer Schreck und die Baustelle wieder weg, wenn ich zurück nach Hause komme. Mein Mann hatte Rückenschmerzen und wollte sich ausruhen - ihm machte der Baulärm nichts aus. Ich musste raus. Im Haus kam ich gar nicht zur Ruhe. Also fuhr ich alleine 9 km am Strand mit dem Auto entlang.

Den nächsten Ort konnte ich so gut erreichen. Das Wetter war traumhaft. Ich wollte mir die in Blockhus ebenfalls am Strand stehenden weißen Badehäuschen mal aus der Nähe anschauen.

Herrlich sahen die weißen Würfel vor dieser Kulisse aus.

Die Häuschen sind ganz unterschiedlich eingerichtet. Mal praktisch, mal schnuckelig.

Und in unterschiedlichem Zustand. Manche zeigen Rostspuren, das Holz ist verwittert, in andere möchte man gleich einziehen. :-)

Am Strand hatte ich Urlauber gesehen, die mit Campingstühlen neben dem Auto saßen, etwas tranken, den Ausblick genossen.

Wäre das auch etwas für uns? Falls ich im Haus nicht mehr entspannen könnte, zumindest hier am Strand sitzen und entspannen? Doch woher Campingstühle bekommen? Ich versuchte, mich so gut es ging, während meines Ausflugs abzulenken, mich auf die schöne Natur zu konzentrieren und mir Gutes zu tun.

In einem Supermarkt in Blockhus sah ich einen ähnlichen veganen Brotaufstrich wie ich ihn verwende. Beruhigend, falls ich nicht genug dabei hatte. Für meinen Mann fand ich wieder eine Süßigkeit zum Nachmittagskaffee. Den könnten wir auf der Terrasse bei dem tollen Wetter jetzt genießen!

Als ich zurück kam, war das Gerüst aufgebaut und ein großer Container geliefert worden. Die Handwerker hatten begonnen, das Dach abzureißen. Das sah aus, als würde es mehr als eine Woche dauern. Was tun? Ich versuchte irgendwie die Fassung zu bewahren. Meine Stimmung sank in den Keller. Ich hatte Sorge, gar keine Ruhe finden zu können. Deswegen waren wir doch hierhin gefahren.

Den Tee versuchte ich in der Sonne zu genießen, während nebenan eine Plane aufs Dach geschlagen wurde. Ein Handwerker mit einem Hilfsarbeiter, der so gar nichts von der Arbeit zu verstehen schien, auch die Sprache nicht, waren die einzigen auf der Baustelle. Mein Mann, selbst Handwerker, fand es hoch interessant, dies zu beobachten. Ich fands furchtbar und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich fühlte mich so in meinem Urlaubsfrieden, meinen Plänen gestört. Was tun?

Ich musste wieder weg. Da das Wetter sonnig war, brach ich zu einem Ausflug an den Strand auf. Ich wollte mit den nackten Beinen durchs Wasser laufen. Etwas, das ich einfach liebe! Hm, tat das gut!

Ich hatte Freude den rasend schnellen Strandläufern zuzusehen, wie sie versuchen, den flachen Wellen davon zulaufen. So putzige Vögel:

Als ich zurück zu unserem Ferienhaus kam, hatten die Handwerker Feierabend. Die vom Wochenende so geschätzte Stille war wieder hergestellt. Ein Segen. War das mit der Baustelle wirklich so schlimm? Doch kaum blickte ich aus dem Fenster dorthin, ging es mir wieder mies. So sah der Sonnenuntergang vom Balkontisch am Montag Abend aus. Zum Glück verdeckt der rechts stehende Nadelbaum den größten Teil der Dachflächen.

Ein Teil von mir wollte das alles nicht wahrhaben. Ich bin jetzt (3.12.) beim Korrigieren und Illustrieren des in Dänemark geschriebenen Artikels froh, dass ich vor Ort Schritt für Schritt eine Lösung entwickelte, wie ich mit der Situation umgehen konnte, damit es mir möglichst gut ging. Eine enorme psychische Leistung. Da solche Störungen und Herausforderungen immer wieder im Leben passieren können, war es mir auch wichtig, hier im Blog darüber zu schreiben. Vielleicht finden Sie sich darin wieder und können etwas für sich mitnehmen. Ich brauche es auch als Erinnerung für ein nächstes Mal.

Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich am Donnerstag der ersten Woche dachte: "Die Baustelle ist mir doch wirklich piepegal, wenn wir hier nur wieder rauskommen." Zum Ende des Urlaubs habe ich begriffen, was ich davon hatte, dass diese Baustelle und noch viel mehr Abenteuer dort oben passiert sind. Daran möchte ich Sie teilhaben lassen - und an der Schönheit der Natur und dass in jedem Grauen auch ein Geschenk für uns liegt.

Hier geht es weiter mit Türchen 5: Pech und Glück liegen nah beieinander. Wilde Blüten und Strandbuggyspaß 

* * *

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Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken 

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Sonntag, 03 Dezember, 2017

Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken

Am ersten Sonntag wollte ich beim sechs Kilometer entfernten Ferienhausvermittler Bescheid geben, dass bei uns ein Wasserschlauch draußen defekt war. Und wo ich schon im Städtchen Loekken war, guckte ich mir gleich mal die Kleinstadt an. Loekken hat rund 1500 Einwohner (ist viel für für dort oben, es gibt nur wenige Städte) und liegt gleich am Meer.

Ganz typisch für Dänemark: Die anderthalbgeschossigen Häuser, Bürgersteige, die direkt am Haus vorbei führen. Besonders schön finde ich die gelb getünchten Häuser mit den roten Dächern. Irgendwie macht das bei jedem Wetter gute Laune.

Am Fuß der Dünen fand ich dieses alte, reetgedeckte Fischerhaus. Hatte was märchenhaftes.

Besonders gut gefällt mir die Fußgängerzone in Loekken, die wirklich etwas besonderes ist. In dieser Kombination (Nähe Meer, schöne Geschäfte dicht beeinander, Supermärkte, Gastronomie, einfach und gut überschaubar, gut erreichbar, genügend Parkplätze) habe ich das bisher selten in Dänemark gesehen. (Ribbe und Tonder können noch mithalten.) Viele Geschäfte hatten sonntags geöffnet. Tolle Klamotten- und Dekoläden, Bernsteingeschäfte, Sportartikel ... Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst rein sollte:

Den Dänen sagt man ja einen besonders stilsicheren Einrichtungsgeschmack nach.

Eine Bonbonmanufaktur gibt es auch. Man kann hier zuschauen, wie die Bonbons per Hand und Maschine gerollt werden und wer mag gleich nebenan kaufen:

Im Mittelpunkt reiht sich ein Lokal mit Außengastronomie an das nächste. Auch etwas besonderes. Ich kann mir gut vorstellen, was hier im Sommer los ist!

Richtung Strand gibt es eine Surfstation und ein Surfcafe:

Loekken ist auch bekannt für die Fischerboote, die an den Strand gezogen werden:

Die Fischer verkaufen fangfrischen Fisch direkt vom Boot aus.

Auf der weit ins Meer reichenden Mole machen es sich viele Möven gemütlich und man hat eine tolle Sicht auf die Küste:

Minu mag die Seeluft. Hmmmmm, riecht so interessant nach Fisch und Meer:

Bekannt ist der Ort auch für die hübschen weißen Badehäuschen (485 gibt es), die während der warmen Monate am Strand stehen. Im Herbst werden sie in geschütztere Bereiche gebracht. Auf dem Foto sieht man, dass einige schon abtransportiert wurden. Von innen sind ganz individuell mit Tisch, Stühlen oder Bänken, auch einer Küche ausgestattet. Übernachten darf man darin leider nicht.

Es gibt im Ort einige Supermärkte. Im ersten fand ich gleich ein tolles Gemüse- und Obstsortiment. Sogar ein langes Regal nur mit Bioprodukten:

 

Super, mein Essen war gesichert. :-)

 

Mit einem Teilchen für meinen Mann und super Laune kehrte ich ins Ferienhaus zurück. Wir genossen eine Tasse Tee und Kaffee auf dem Balkon und gingen mit Minu am Strand spazieren, wo die Sonne sooo schön unterging:

 

Ich war so beglückt und dankbar, an so einem schönen Ort sein zu können, das Ferienhaus gut ausgesucht, toller Meerblick. Endlich hatten wir Urlaub! Endlich Ruhe, Entspannung und Natur. Ich war so reif dafür. Mit einem guten Gefühl schlief ich Sonntag ein.

... und dann kam der Montag.

Morgen geht es hier ab 12 Uhr weiter mit Türchen 4.

* * *

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Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang? 

Bis morgen,

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Samstag, 02 Dezember, 2017

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang?

Am ersten Abend ging ich mit Sportschuhen und Stöcken hinunter zum Meer. Ob ich hier walken könnte? Zu schön die Vorstellung, an der Wasserkannte entlang zu laufen, die Meeresluft einzuatmen, die Küste zu erkunden. Die Luft war angenehm, der Wind kam vom Land, daher kaum Wellen. Auch wenn dadurch der typische Meeresduft nicht wahnehmbar war: Hmmmm, ich war endlich am Meer!

Zu meiner Freude eignete sich dieser Strand hervorragend zum Walken. Wir hatten schon Strände, wo der Sand in kleinen, weichen Hügeln war, die bei jedem Schritt nachgaben, so dass die Beine wegrutschen oder wo viele große und kleine Steine waren. Alles schön, aber nicht gut zum Walken. Hier war der Strand fest. Die Walkingstöcke versanken nicht im Sand, der Boden gab nur leicht nach. Prima!

Als ich einige Zeit unterwegs war, bemerkte ich im Augenwinkel etwas Schwarzes im Wasser. Ich guckte genauer hin und sah einen schwarzen Kopf im Wasser, der immer mal wieder auftauchte. War das wie im letzten Urlaub wieder ein Surfer? Ich guckte genauer hin. Nein, es war definitiv kein Mensch mit oder ohne Surfbrett im Wasser. War es etwa ein Seehund?

Meine Begeisterung für Robben hat eine Geschichte: 2002 waren wir an der Nordsee in Holland in Ferien. Ich war mit Rückenschmerzen in Urlaub gefahren. Die Matratze in der Ferienwohnung war so weich, also Gift für meinen Rücken. Nachts war ich deswegen mehrere Stunden wach, setzte mich an den Esszimmertisch, schrieb etwas, legte mich für eine Stunde auf das Sofa, welches ein wenig fester war. Ich konnte nicht lange liegen, nicht lange sitzen.

Als ich morgens um sechs Uhr an der Deichkannte entlang spazierte, traurig, dass ich keine Ruhe und keinen Schlaf fand und im Urlaub Schmerzen hatte, tauchte plötzlich wenige Meter neben mir im Wasser eine Robbe auf und guckte mich mit ihren großen Augen an.

Ich war so überrascht. Glück durchflutete mich und

Sofort änderte sich meine Stimmung. Ich habe gesungen und war fröhlich. Ich habe die Robbe nach dieser Begegnung nicht wieder gesehen, aber sie hatte mich aus meinem Tief raus gerissen und von da an wurde es auch ein klein wenig besser mit dem Rücken. Noch heute wird mir warm ums Herz, wenn ich an diese Begegnung denke. Ich liebe Tiere!

Deswegen suche ich nach Robben in freier Wildbahn. Ich möchte dieses Glück wieder empfinden.

Um mir nun gerade am Strand sicher zu sein, dass ich keine auf dem Meer schaukelnde Möve falsch deutete, wollte ich die Robbe fotographieren. Ich holte mein Handy raus und versuchte, sie - oder was ich für eine Robbe hielt - auf der großen Fläche des Meeres einzufangen.

Keine Chance, der Kopf war schon wieder weg, es war dämrig und die Aufnahmen verwackelt. Hatte ich mich geirrt? Robben sind in Dänemark am Limfjord und der Ostseeküste zu sehen, seltener an der Nordsee, wo wir urlaubten. 2016 sind wir lange am Limfjord entlang gefahren, weil im Reiseführer stand, dort seien die Meeresbewohner zu sehen. Keine einzige zeigte sich uns.

Über die Freude am Meer und den schwimmenden Begleiter hatte ich gar nicht gemerkt wie es dunkler geworden war. Die Küstenlinie aus den hohen Dünen – also riesigen mit Gras bewachsenen Sandhaufen - sah in der Dämmerung vom Meer völlig gleich aus. Wo war der Ausgang zu unserem Haus?

Die Entfernung von der Wasserlinie bis zu den nicht sichtbaren Pfaden über die Düne zu den Ferienhäusern war so weit voneinander entfernt, dass es schwer zu erkennen war. Ich hatte mir die Zeit gemerkt, wann ich losgelaufen war und an welcher Stelle ich gedreht hatte, also war klar, wo ich ungefähr wieder hin musste. Aber war ich in gleichem Tempo gewalkt und ich hatte doch auch Pause gemacht. Ich hatte noch nicht mal die Adresse unseres Hauses im Kopf. Wie sollte ich, falls ich an der falschen Stelle durch die dunkeln Dünen musste, zwischen all den Häusern unseres finden?

Unruhe stieg in mir auf und ich walkte schneller. Zum Glück hatte ich mein Handy eingepackt, aber von der praktischen Ortung über Google Maps noch überhaupt keine Ahnung und auch nicht unser Haus als Standort eingepflegt. Als Notlösung fiel mir ein, meinen Mann anzurufen und ihn zu bitten, mit dem Auto zum Strand zu fahren und Blinkzeichen zu geben, damit ich eine Orientierung hätte. Aber eigentlich wollte ich das alleine schaffen. Also suchte ich erstmal weiter. Meine Augen sind nicht mehr die besten bei Dunkelheit. Räusper.

Irgendwann entdeckte ich einen weißen Masten und erinnerte mich, dass ein solcher an unserem Ausgang gestanden hatte. Ich hatte den Weg gefunden. War ich erleichtert!

Am nächsten Tag traf ich ein älteres Ehepaar mit zwei süßen Hunden am Strand. Wir unterhielten uns in beidseits schlechtem Englisch einfach wunderbar. Die Frau erzählte mir, dass eine Bekannte in ihrem Haus übernachtet hatte und auch gleich am ersten Tag am Strand entlang spazierte und in einer kleinen Imbissbude etwas essen ging, um dann fest zu stellen, dass sie nicht mehr wusste, wohin sie musste. Sie bestellte sich ein Taxi, was hier bei den weiten Anfahrtswegen wohl sehr teuer gewesen war.

Die beiden machten mich deswegen auf die Strandausgangsnummern aufmerksam. (Unten ein Bild aufgenommen am Tag bei Sonnenschein aus relativer Nähe.) Kleine, grüne Schilder mit durchnummeriereten Zahlen, die gleich am Dünenfuß stehen. Gut, wenn man sich diese gleich beim ersten Betreten des Strandes merkt. In den Feriengebieten tauchen die hilfreiche Pfade zum Strand über die Dünen mit grünen "Sti Strand" Schildern auf.

Dass die Küstenlinie in weiten Strecken so ähnlich aussieht, hatte ich noch in keinem Urlaub vorher gehabt.

Vermutlich macht sie vielen Neuankömmlingen zu schaffen, nachher merkt man sich bestimmte Fixpunkte wie eine besonders hohe Düne oder einen Wasserlauf, der zum Strand führt oder wie ich den Flaggenmast. Doch wenn es dunkel ist - bei dem breiten Strand - muss man auch die Hinweisschilder erst mal finden und die Zahlen erkennen können. Was für ein Abenteuer!

Als ich auf dem Weg hoch zu unserem Haus unterwegs war, lachte ich mich erstmal erleichter schlapp über mein Abenteuer und dachte, dieser kleine Schreck wäre jetzt genug für den Urlaub gewesen. Wäre da nicht dieses komische Gefühl gewesen.

Weiter mit Türchen 3: Türchen 3: Schöner Bummel-Sonntag in Loekken 

* * *

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Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus 

* * *

Bis morgen,

Ihre Anja Kolberg

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Freitag, 01 Dezember, 2017

Der Adventskalender ist gestartet - mit Verlosung

Mittwoch, 11. Oktober 2017. Es ist halb sieben am Morgen in der Jammerbucht, Nordwestjytland, Dänemark. Stockduster ist es noch. Das Meer rauscht. Der Wind kommt vom Meer und transportiert das stete Brechen der Wellen den Hang hinauf in unser Ferienhaus.

In zwei Tagen werden wir nach Hause fahren, zurück nach Köln. Drei Wochen Urlaub sind vorbei. Seit 2003, seit dem unsere Hündin Minu da ist, verbringen wir in Dänemark unsere Ferien. Es ist das erste Mal in den 14 Jahren, dass ich mich wieder auf Zuhause freue und nicht traurig bin, wieder vom Meer wegfahren zu müssen. Noch nie hatten wir einen so abenteuerreichen Urlaub. Unfreiwillig.

So sehr habe ich mich auf unseren einzigen Urlaub gefreut. Wir waren einfach urlaubsreif. Lesen wollte ich drinnen oder draußen mit Blick auf das Meer wie im letzten Jahr. Neben zwei Romanen hatte ich ein Fachbuch im Gepäck, das ich im letzten Urlaub begonnen hatte, durchzuarbeiten. Herrlich, endlich dafür wieder Zeit zu haben. Ich wollte mit mir selbst arbeiten, schreiben und auch entspannen. Soweit meine Vorfreude und Pläne.

Die ersten zwei Tage waren vielversprechend und dann änderte sich unser Urlaub und ich zweifelte, dass sich meine Hoffnungen überhaupt erfüllen könnten.

Unsere Urlaubserlebnisse - und wie sich zum Schluss wirklich wunderbar erfüllte, was ich mir wünschte, nur völlig anders als gedacht - habe aufgeschrieben. 24 Beiträge sind daraus entstanden, die ich im Advent veröffentliche. Jeden Adventstag einen - immer ab 12 Uhr online. Mein etwas anderer Adventskalender - meine kleine Glücksgeschichte in diesem Jahr, aus der ich viel für mich mitnehmen konnte - beginnt heute.

Auch Glück für Sie: Das Beste zum Schluss - eine Verlosung!

Zum Ende des Adventskalenders, am 24.12. stelle ich Fragen, die Sie leicht beantworten können, wenn Sie eifrig mitgelesen haben. Die richtigen Antworten nehmen an einer Verlosung teil:

1.-3. Preis: Ein Tischkalender 2018 Ihrer Wahl

4.-8. Preis: Ein Minikartenset Ihrer Wahl (Auswahl in meinem Shop.).

Einsendeschluss wird der 31.12.2017 sein. Sie haben also auch Zeit, alles in Ruhe zwischen den Jahren durchzulesen.

Los geht's mit Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

Viel Freude!

Ihre Anja Kolberg

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Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus

915 km fuhren wir Ende September gen Norden bis an die Spitze Dänemarks in die Jammerbucht. Gegen halb vier von Köln losgefahren, kamen wir gegen 14.30 Uhr am Meer an. Bis auf einen winzigen Stau und eine Umleitung waren wir dieses Jahr gut durchgekommen.

Unser Lebensmittelpunkt für die nächsten drei Wochen lag leicht erhöht an einem Hang. Vom Balkon und Wohnraum aus schauten wir über die Dünen und wenige Ferienhäuser hinweg auf das Meer, fast 90 Grad im Blickwinkel von links nach rechts.

Der hinter der schützenden Düne liegende Strand war flach und menschenleer. Ungefähr 150 Meter von dem mit Strandhafer bewachsenen Sandhügel begann erst die Wasserkannte. Autos dürfen hier über den festen Strand fahren.

Was von Dänen wie Urlaubern genutzt wird. Zum Beispiel, um ein Picknick am Strand zu machen, zum nächsten Ort zu fahren, die Hunde auszuführen oder das Paragliding-Equipment zu transportieren.

Obwohl Autos fast die ganze Jammerbucht am Strand fahren dürfen, ist es in unserer Urlaubszeit nicht zu gefährlichen Situationen zwischen Fußgängern und den fahrenden Autos gekommen und ein großer Parkplatz war der Strand auch nicht. Das mag im Sommer anders sein.

Ein Steinhaus war in diesem Jahr unser Zuhause. Eigentlich typisch für die Vermietung sind Holzhäuser, von innen wunderbar gemütlich - dänisch hygellig - eingerichtet, von außen schwarz, rot, blau, grau, grün angestrichen. Die Fensterrahmen meist in weiß. Ein Geschoss hoch, dann gleich das Dach drauf. Viele haben Elektroheizung und einen mit Holz zu befeuernden Kaminofen. So gemütlich ist der bei usseligem Wetter, wenn das Feuer brennt und den vom kalten Wind abgekühlten Körper aufwärmt. Wir sind damals hier auf den Geschmack gekommen und haben zu Hause auch einen Kaminofen eingebaut.

Dieses Jahr war alles etwas anders, so hatten wir keinen Kaminofen, sondern eine Ölheizung. Wir wohnten im ersten Stock, über uns ein Flachdach, unter uns ein in sich geschlossener Keller mit Heizungsraum, Abstellräumen vom Vermieter und der Waschmaschine, die wir nutzen konnten. Wenn man das Garagentor aus Holz nicht mit Schwung und beiden Armen öffnete, war es kaum in die Höhe zu bekommen, so schwer war das Material.

Der Keller verschwand zur Hälfte im Hang. Dadurch, dass wir in der ersten Etage wohnten, ergab sich der grandiose Meerblick von dort oben.

Ein Holzzaun, Heckenrosen und Holunder umliefen das Grundstück. Wir hatten einen gepflasterten Parkplatz und herrlich weichen Rasen ums Haus. Das geschlossene Grundstück war praktisch für den Urlaub mit Hund, wir konnten Minu so frei laufen lassen. Auch Rasen oder die gepflasterte Fläche am Haus waren untypisch, da viele Holzhäuser direkt an der Nordsee auf wilden Naturgrundstücken ohne sichtbare Grenzen standen. Was nun schöner ist, ich kann mich nicht entscheiden. Beides hat etwas für sich.

Hinter dem Haus gefand sich am Eingang ein kleiner Innenhof, der ebenfalls mit einem schweren Schiebetor geschlossen war. An der Mauer machten unzählige Schnecken Rast. Herrlich der Blick bei der Ankunft auf ihre Gehäuse. Entschleunigung pur.

Süß mit Nachwuchs:

Viele Eigenarten der Ferienhäuser waren wir durch unsere zehn Aufenthalte in Dänemark schon gewohnt.

Die Schlafzimmer waren meist so eng, dass man kaum ums Bett gehen konnte. Einen Kleiderschrank zu haben: Glückssache. Diesmal war der einzige, eintürige Schrank schon mit Staubsauger und Putzutensilien vollgestellt. Wir schoben deswegen das Bett so in die Ecke, dass es nur über eine Seite erreichbar war. Dafür ergab sich Platz für einen Stuhl, worauf der offene Koffer – unser Kleiderschrank – Platz fand. Typisch in den Ferienhäusern: Statt Schrank Hakenleisten an der Wand. Praktisch!

Steckdosen haben hier meist einen eingebauten An- und Ausschalter. So kann das Elektrogerät eingesteckt bleiben und durch den Steckdosenschalter bedient werden. Das haben wir zu Hause - mittels aufgestecktem Adapter - bei einigen Geräten inzwischen übernommen.

Als ich die runde Papierleuchte über dem Esszimmertisch anmachen wollte, fand ich keine Möglichkeit, sie anzuknipsen. Erst als wir dem Kabel der Deckenleuchte folgten, entdeckten wir den Lichtschalter ganz unten in der Raumecke, etwa 5 cm oberhalb des Fußbodens neben der Steckdose. So ungewöhnlich waren hier die Lösungen. :-)

Ich war so glücklich, als ich unsere Aussicht sah und als wir begriffen, dass wir Minu wirklich frei laufen lassen konnten. Klasse! Bald waren die mitgebrachten Lebensmittel verstaut und für alles einen Platz gefunden.

So verlebten wir nach der Ankunft zwei ganz tolle Tage - bei Sonnenschein, mit Essen auf dem das Haus an drei Seiten umlaufenden Balkon. Die Vögel zwitscherten, das Meer rauschte. Wunderbar.

Diese Ruhe hatte ich gesucht und sie bringt mich herrlich runter und ganz zu mir. Ich freute mich auf viele Tage auf dem Balkon zu sitzen und zu schreiben, auch auf der Liege mit Blick aufs Meer zu entspannen, den Wellen zu lauschen - alternativ drinnen vom Esszimmer aus bei Regen und Wind. Ich mag es, nur die Natur zu hören, keine Musik, Stille. Welch ein Glück, da sein zu dürfen!

Nach dem ersten Abendessen auf dem Balkon ging ich das erste Mal an den Strand walken …

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang? Kommen Sie mit mir ans Meer!

* * *

Bisher veröffentlicht:

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Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus 

Türchen 2: Das erste mal am Strand - wo ist der Ausgang? 

* * *

Viel Freude beim Lesen!

Ihre Anja Kolberg

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Dienstag, 28 November, 2017

9 Dinge, die gegen Novemberblues helfen

Grauer Himmel, Regen und Kälte. Tage, an denen es nicht richtig hell wird, sind Dünger für den Novemberblues. Im Idealfall ist es auch noch Montag, die Straßen überfüllt, die Finger werden selbst bei bollernder Heizung nicht warm - so wie an diesem Tag, wo ich diesen Artikel schreibe. Die Stimmung könnte besser sein. Was tun?

Hier 9 Dinge, die mir helfen, um dem November-Stimmungstief ein Schnippchen zu schlagen:

1. Schönes zum Rausgucken vor dem Fenster

 

Ich habe die Blumenkästen vor dem Fenster neu bepflanzt. Bei der Floristin meines Vertrauens fand ich das Minibäumchen, Zapfen, Christrose, Silberdraht (der kleine Busch rechts vor dem Bäumchen) und Moosplatten.

Das Rehkitz aus gestanztem Blech hatte ich schon vor einiger Zeit erstanden. Zusammen ergibt alles eine wunderbare Winterlandschaft. Ich freue mich schon auf den Anblick, wenn Schneeflocken darauf liegen.

Nun freue ich mich - gleich bei welchem Wetter - wenn ich aus dem Fenster gucke oder wenn ich nach Hause komme und dorthin blicke.

* ~ *

2. Licht hilft bei Dunkelheit

Die Adventslichter habe ich einfach schon im November aufgehangen. Mit Lichtern geschmückt zaubert der beleuchtete Blumenkasten auch bei einem sehr trüben Nachmittag ein Lächeln auf mein Gesicht. Überhaupt brauche ich Licht - denn Licht vertreibt Dunkelheit.

So erhellt ein Licht-Wasserfall unsere Küche und knipst in mir ein Licht an. Auch Kerzenschein tut mir einfach gut.

Klick zur E-Card

(Das Kerzenbild ist eine E-Card: Klicken, in der Übersicht etwas nach unten scrollen, Karte aussuchen und verschicken.)

* ~ *

3. Was Warmes trinken

Ecard

Ich mag Tee. Gerne frische Pfefferminze aufgeschüttet, Ingwer frisch gerieben, eine heiße Zitrone aus frisch gepresstem Saft oder ein leckerer Biofertigtee, am liebsten mit einem Spruch am Beutelchen. Wenn der Dampf nach oben steigt, ich meine Hände an der Tasse wärme .... hm, da spüre ich wie ich ruhiger werde ... und gar nicht mehr an das Wetter draußen denke.

Das Teebild oben ist übrigens eine meiner vielen E-Cards. Einfach auf das Foto klicken, verschicken und jemand anderem eine Freude bereiten.

* ~ *

4. Mit netten Menschen treffen

Wenn ich mich mit meinen Herzmenschen treffe, wenn wir erzählen, verfliegt die Zeit im nu und das Wetter ist auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Das tut soooooooo gut!

* ~ *

5. Was aus der Natur nach drinnen holen:

Klick zur E-Card

Vor einigen Jahren holte ich mir all die Blüten und Blätter aus meinem Garten hinein, die sich noch zeigten. So wohltuend war diese Pracht. Der November kann auch richtig schön sein. Vor einigen Tagen holte ich mir die letzten Rosen ins Büro. "Parole", so heißt diese große Duftrose, blühte noch wunderbar auf und duftete herrlich:

Wenn ich was Schönes auf dem Schreibtisch habe, worauf ich schauen kann, geht es mir schon besser. In einem Glas habe ich Lavendelblüten gesammelt. Zwischendurch zerreibe ich einige Blüten und der Duft des Lavendels macht mich auch froh.

* ~ *

6. Arbeit, die dem Herz gut tut!

Ein Hingucker auf dem Schreibtisch ist auch mein Tischkalender. Die stimmungsvollen Fotographien und tiefsinnigen Texte tun mir einfach gut. Deswegen mache ich sie ja. :-)

Einmal im Jahr öffne ich meinen Webshop zum Verkauf der Kalender. Gerade jetzt ist es wieder soweit - seit Anfang November 2017 sind die Tore geöffnet bis 6. Januar 2018. Die Kalender werden sehr gerne verschenkt und mit den Jahren (ich gestalte und verkaufe sie seit 2005) hat sich eine Gruppe Menschen zusammen gefunden, die jedes Jahr wieder bestellen. Mein ganz großes Glück und mein Highlight in den dunklen Monaten. Ich liebe den Kontakt zu den Bestellerinnen, habe große Freude am Packen der Pakete und bei dem Gedanken, wie sie bei den Menschen in Deutschland und auch Europa ankommen. Manche Kalender reisen durch die Geschenke bis nach Afrika und Australien.

* ~ *

7. Raus in die Natur

Es gibt Tage, da verkneife ich mir selbst das Walken: Heute, Montag ist es um die 5 Grad, kalter Wind, es regnet an einem Stück. Aber sonst war ich an den meisten Tagen seit Mitte Januar in diesem Jahr draußen. Die Natur steigert meine Stimmung - auch im November. Ich fühle mich danach einfach wohl, erfrischt und der Kopf ist wieder frei. Natürlich bin ich auch froh, dass ich meinem Körper etwas gutes getan habe.

Hier ein paar Eindrücke vom bunten Novemberwald in Köln.

* ~ *

8. Hyggelig machen

Wenn's draußen fies wird, wird's drinnen gemütlich: Wir fahren seit 2003 nach Dänemark in Urlaub. Das momentane In-Wort "hyggelig" - es sich gemütlich, heimelig machen, das aus Dänemark stammt, ist uns daher gut bekannt. Als im Okober der kalte Wind ums Ferienhaus pfiff, wurde mir klar warum das für die Dänen so wichtig ist: Weil es draußen am Meer oder in der kargen Landschaft einfach sehr ungemütlich werden kann. Da ist die Wärme des Kaminofen drinnen ein Traum. (Eine lange heiße Dusche oder Bad tun es auch.) Ebenso schöne Deko. Kerzenschein. Eine gemütliche Couch.

Der Kaminofen ist meine Lieblingswärmequelle im Winter. Sie gibt mir Energie und Ruhe zugleich. In Dänemark sind wir auf den Geschmack gekommen und haben uns vor ich glaube 14 Jahren selbst einen zugelegt. Das Dezemberbild vom "Seelenglück" Tischkalender 2018 zeigt übrigens das Feuer darin:

Klick zum Kalender

* ~ *

9. Gute Filme und Serien anschauen

Ich mag die historischen Jane-Austen-Filme sehr und finde es wahnsinnig gemütlich, mir diese an fiesen kalten Tagen - ganz gemütlich auf der Couch - anzuschauen. Das Wetter muss dabei genau so sein!

Hier habe ich eine Liste meiner Lieblingsserien und Filme - als Geheimtipp für trübe Tage gemacht. Im Moment habe ich keine schöne neue Serie, aber das kann ja noch kommen!

* ~ *

Das waren meine Lieblingshilfen bei Novemberblues.

... und bald ist der November vorbei!

Ganz liebe Grüße

Ihre Anja Kolberg

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Lieblingsserien und Filme - Geheimtipp für trübe Tage

Genau das richtige an trüben Tagen ist eine gute Unterhaltung. Ich mag gerne lustige Filme schauen oder richtig gute Serien und Historische Filme, am liebsten englische. Hier eine Sammlung meiner Lieblingsfilme und -serien (mit Link zu Amazon):

Jane Austen's Stolz & Vorurteil - in Langfassung - mit Colin Firth (schmacht! Die Seeszene....) - geschrieben 1813 von Jane Austen, mehrfach verfilmt. Dies hier ist meine Lieblingsversion. (Mag an Colin Firth und Jennifer Ehle liegen.) 5 Töchter hat die auf dem Land lebende Familie Bonet und die sind auf Bräutigamsuche. Zwei wohlhabende Junggesellen tauchen auf, doch die dickköpfige Elisabeth findet Marc Darcy unausstehlich.
Ebenfalls gefällt mir "Emma" mit Gwyneth Paltrow und "Mansfield Park" von Jane Austen, die auf der DVD ebensfalls befindliche Verfilmung von "Stolz und Vorurteil" mit Keira Knightliy gefällt mir nicht so gut wie die obige Version mit Colin Firth. Und "Sinn und Sinnlichkeit" mit Hugh Grant war auch sehr schön. Historisch. Schöne Kleider. Englisches Landleben. Eine Liebesgeschichte. Das ist die Mischung, die ich mag und die trifft auf die zuvor genannten zu.

Passend dazu die moderne und lustige Adaption von Stolz und Vorurteil: Schokolade zum Frühstück mit der grandiosen Renée Zellweger, Hugh Grant und Colin Firth. Die tapsige Singlefrau Brigdet sucht den Mann fürs Leben. Doch das ist schwerer als gedacht, wenn auch gleich zwei spannende Kandidaten auftauchen. Teil 2: Am Rande des Wahnsinns (im Bonusmaterial unter Marcs Favoriten interviewt Bridget Jones Colin Firth und spricht ihn auf die sexy Lake Szene aus "Stolz und Vorurteil" an - einfach klasse!) und der dritte und letzte Teil: Bridget Jones Baby. Hier wird Hugh Grant durch "McDreamy" Patrick Dempsey ersetzt.

Downton Abbey - viele Jahre unsere Highlight-Gemütlichkeitsstunden um die Weihnachtszeit. Wenn ich schon die Erkennungsmelodie höre, schalte ich auf einen wunderbaren Ruhe-Entspannungs-Vorfreude-Modus. Sechs Staffeln und Weihnachtsspecials sind erschienen. Die englische Adelsfamilie Crawley besitzt ein großes Anwesen. Im unteren Stockwerk, wo die Küche und Wirtschaftsräume sind, arbeiten ihre Angestellten, wo so manche Intriege gesponnen wird (nicht so mein Ding, aber es gehört wohl dazu). Wir erfahren vom Leben beider Welten und mit zunehmender Staffel wie die Unterschiede der Schichten immer mehr verwischen. Eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist "Granny", gespielt von Maggie Smith. Wenn Sie diese Serie noch nicht gesehen haben: Sie Glückliche! Dann können Sie sich auf viele schöne Stunden freuen. Ich wünschte, ich hätte das noch vor mir.

Larc Rise to Candleford: Ende des 19. Jahrhunderts beginnt für Laura der Ernst des Lebens. Von ihrem kleinen und einfachen Dörfchen Larc Rise reist sie zu einer Verwandten ins kleine Städtchen Candleford, wo sie beim Führen der Postfiliale hilft. Toll, das Land- und Stadtleben zu damaliger Zeit miterleben zu können. Unterhaltsam und - natürlich - was fürs Herz! Staffel 1 und Staffel 2 sind auf Deutsch erhältlich. Die folgenden Staffeln 3 und 4 wurden leider nicht mehr synchronisiert, sind nur auf Englisch und als Import aus England erhältlich. Ich habe mir die Dritte Staffel noch geholt, doch ist es recht mühsam ohne super Englischkenntnisse anzuschauen. Vielleicht werden sie noch synchronisiert. Das wäre toll!

Elisabeth Gaskell's Cranford beschreibt das Leben von älteren Singledamen im verschlafenen englischen Örtchen Cranford um 1840. Herrliche Kostüme, unterhaltsame Geschichten rund um die Menschen und den Ort im Wandel der Zeit. Ich habe die Zeit mit diesen Damen soooo genossen und war traurig, dass es viel zu schnell vorbei ging. Seufz. Soooo schön!

North & South - stammt auch aus der Feder Elisabeth Gaskells und erzählt die Geschichte der im Süden Englands behütet aufgewachsenen Pfarrerstochter Margaret, die ihrem Vater in den ärmeren Norden folgt, wo die sozialen Unterschiede spürbar sind. Margaret schlägt sich auf die Seite der Arbeiterfamilien und hat fortan den attraktiven Fabrikbesitzer als Feind. Ein wunderbarer Einblick in Englands Geschichte. Toll erzählt. Und natürlich - auch was fürs Herz!

The Paradise - erzählt im Viktorianischen Zeitalter (ca. 1837-1901) die Geschichte der jungen Denise, die vom Land in die Stadt kommt, um bei ihrem Onkel im Textilgeschäft zu arbeiten, bis gegenüber das erste Kaufhaus "The Paradise" eröffnet wird. Das schwächt das Geschäft ihres Onkels und so muss sich Denise eine neue Arbeit suchen. Sie versucht es im Paradise. Wieder einmal spannende und unterhalsame Einblicke in frühere Zeiten. Nicht so gut wie die oberen Serien und Filme. Dennoch gut. Staffel 1 + 2

Call the Midwife - Staffel 1 - 5 - handelt von den Hebammen im Nonnatus-Haus in Londons Armenviertel in den 1950er Jahren. Zusammen mit Nonnen sind die jungen Frauen Ansprechpartnerinnen bei Schwangerschaft, Geburten und Säuglingspflege und wir blicken mit ihnen den den Alltag der Frauen zur damaligen Zeit. Interessant & sehr unterhaltsam.

Schon oft hatte ich etwas über die Gilmore Girls gehört, mich aber nie für die Serie interessiert. Bis letzten Herbst. Erst war es schwer reinzukommen - und dann hoffte ich, diese Serie geht ewig weiter. So schön ist es, wenn sich bei der Melodie das Zuhausegefühl einstellt und die Vorfreude steigt, was die chaotische alleinerziehende Mutter Lorelai und ihre süße Tochter Rory wieder anstellen, ob sich der Vater von Rory und Lorelai endlich wieder bekommen oder doch der Caféhausbesitzer Luke das Rennen macht? Wir erleben wie Rory größer wird, die erste Liebe... und wie es mit den vielen anderen Einwohnern des (immer jahreszeitlich geschmückten) kleinen Städtchens Stars Hollow weiter geht. Einfach anschalten und wohlfühlen! Von mir aus könnte es noch unendlich viele weitere Staffeln geben. Staffel 1 - 7 und die 2016 nach vielen Jahren Pause erschienene 8. Staffel. Bei der ist besonders spannend, wie sich die Schauspieler weiter entwickelt haben (Lorelais Darstellerin war leider beim Schönheitsdoc) und was mit den Charakteren nach all den Jahren passierte. Schöner Abschluss - oder doch kein Abschluss für immer?

Soweit meine Liiiiieblingsfilme, die mir zu solchen Zeiten einfach gut tun. Einige andere Filmtipps in dieser Kategorie Film-Tipp 

Ich wünsche Ihnen unterhaltsame Stunden

Anja Kolberg

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Dienstag, 21 November, 2017

Novemberwald

Nebel liegt auf dem See. Ich nehme Sie mit auf den Walk durch den Novemberwald in Köln:

 

Kalt sind die Finger, wenn ich beginne mit Walken. Deswegen habe ich die erste Zeit Handschuhe an. Das tut gut. Und ganz wichtig in den letzten Tagen: Einen Schal, der den Nacken wärmt. Nach einer halben Stunde ist mir meist so warm, dass ich die Handschuhe ausziehen kann und die windfeste Jacke öffnen.

Was sehe ich in meiner Zeit draußen?

 

Am Decksteiner Weiher grasen immer größere Gruppen von Kanadagänsen. Wie lange werden sie noch hier sein? Werden Sie Richtung Süden aufbrechen? Die süßen kleinen Küken sind inzwischen stattliche Erwachsene geworden. Ich kann sie nicht mehr von ihren Eltern unterscheiden.

Viele Bäume haben ihre Blätter bereits verloren. Innerhalb weniger Tage sind manche Bäume entkleidet und zeigen ihr wunderbar verzweigtes Astsystem:

Die Kronen von den Kastanienbäumen sind fast leer geputzt. In großen Haufen auf den Alleen sind die Blätter gesammelt. Besonders Kinder und Hunde haben an diesen weichen Hügeln ihre Freude.

Jetzt beginnt die Zeit der Buchen. Ihr Laub scheint am längsten hängen zu bleiben und färbt sich von Karamell bis Zitronengelb. Besonders, wenn die Sonne gegen die Blätter scheint, wird es eine kleine Farbexplosion:

In spiralförmigen Bewegungen fällt das Laub vom Himmel.

 

Die Wege sind voller bunter Blätter. Besonders schön sieht es aus, wenn Tautropfen auf der Rückseite der Blätter sichtbar werden:

 

Es gibt Tage, da macht das Walken durch den Novemberwald Spaß, selbst bei Regen. Am Sonntag bin ich neue Wege gegangen und war sogar anderthalb Stunden unterwegs. Wow! Aber wenn die Wege matschig sind, der Wind kalt, der Himmel grau, die Autobahn durch die fehlenden Blätter auf den Bäumen lauter am Decksteiner Weiher zu hören ist - dann fällt es mir schwer, mich zu motivieren, meine Runde zu drehen.

So brauchte ich letzte Woche das erste Mal seit bestimmt einem halben Jahr wieder Musik, um mich während des Walks zu motivieren. Mit einer guten Unterhaltung geht die Zeit dann wieder im nu vorüber.

Gestern bin ich nicht gegangen, es war mir einfach zu usselig, dazu noch Terminstress. Nein, ich habe mir eine kreative Pause am Tisch mit dem Formen einer Figur gegönnt. Dazu Tee, warme Heizung, schönes Kerzenlicht und Meditationsmusik. Das war auch gut.

 

Bisher war die Zeit draußen immer prima, um meine Stimmung zu verbessern. Vorher das Gesicht eher ernst, anschließend fröhlich und rosige Wangen. Ich sehe immer etwas auf meiner Runde, das mich erfreut: Ein schöner Blick auf den See, die Begegnung mit einem Hund, der kurze Plausch mit anderen, die unterwegs sind, ein schöner Gedanke. Wieder zu Hause bin ich froh, dass ich gegangen bin.

Und das werde ich auch jetzt machen. Obwohl ich hier im gut geheizten Büro schon kalte Finger habe, obwohl es draußen regnet und es nur 11 Grad sind. Ich ziehe mir meine Walkinghose an, schnappe mir eine Regenjacke und eine warme Fleecejacke, Stöcke und Schuhe - und gehe los. Ich bin dankbar, wie spürbar fit ich geworden bin. Treppen komme ich mit ruhigem Atmen hoch, wo ich vorher in der 5. Etage noch mit Schnaufen ankam. Toll, so kleine Veränderungen zu spüren. So, jetzt aber los!

Ihre Anja Kolberg

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Freitag, 27 Oktober, 2017

Neuigkeiten - Urlaubsbericht als Adventskalender - Start Kalenderverkauf am 28.10.2017 - Kaufmöglichkeiten - Neu im Shop

Ein sonniges Hallo aus Köln!

Was in der Zwischenzeit so los war. Urlaubsbericht als Adventskalender

Die letzten Wochen sind dahin gerast. Nach den herrlichen zwei Wochen Ferien bei meiner Großmutter im späten Sommer folgten intensive Büroarbeit für die Shoperöffnung und Urlaubsvorbereitungen.

Danach haben wir wieder einmal Dänemarks Nordseeküste besucht. Ich wünschte mir für diese Zeit so sehr Erholung und wollte an mir selbst arbeiten.

Mein Plan ging auf, aber völlig anders als geplant. Und weil dieser Urlaub so ereignis- und erkenntnisreich war (hoffe, beim nächsten Mal wird es ruhiger) wurde daraus ein langer Bericht für den Blog. Ich habe ihn in 24 leicht konsumierbare Einzelstücke aufgeteilt. Und im Advent wird jeden Tag ein neuer Teil der Geschichte hier erscheinen: Wenn einer eine Reise tut ...

Die letzten zwei Wochen ging es mit voller Kraft daran, den Webshop für die Eröffnung vorzubereiten. Nun sind die Kalender gepackt. Schöne Briefmarken eingekauft. Die neuen Kalender im Shop eingepflegt und viele weitere Schritte unternommen. An was man als Shopbetreiberin so alles denken muss ... ein Menge!

Am Samstag, den 28. Oktober ist es endlich soweit: Der Kalenderverkauf in meinem Webshop Einfach anders startet.

Zur Eröffnung gibt es ein Präsent für Sie: Wenn Sie bis einschließlich Montag, den 6. 13. November 2017 (verlängert!) bestellen, erhalten Sie sechs Geschenkkarten im Wert von 3 Euro von mir geschenkt!

So sehen die neuen Tischkalender aus:

Klick zur Kalendervorstellung von: Tischkalender Auf dem Weg zu mir selbst

Auf dem Weg zu mir selbst. Tischkalender 2018

Seelenglück. Tischkalender 2018

Ich freue mich auf Ihre Bestellung. Zum Shopstart werde ich die Kalender verlinken, dann können Sie sich die Seiten genau anschauen.

Die Kalender gibt es auch bei Amazon zu kaufen. Hier die Links:

Sie können also über meinen Webshop bestellen und über Amazon. Was ist der Unterschied?

  • Amazon verschickt, wenn Sie an Prime teilnehmen, die Kalender kostenlos.
  • Wenn Sie nicht an Prime teilnehmen, jedoch noch andere Produkte bei Amazon direkt kaufen, liefert Amazon ab 29 Euro Warenwert versandkostenfrei. Ich versende ab 50 Euro versandkostenfrei.
  • Die Kalender kosten bei Amazon 12 Euro inkl. MwSt., in meinem Webshop 11 Euro inkl. Mwst.
  • Sie erhalten in meinem Webshop mehr Produkte, zum Beispiel Minikarten, Verwöhnpaket, Impulse, Geschenkkarten. Diese gibt es nur bei mir und nicht bei Amazon.
  • Die Sendungen, die ich in meinen Webshop für Sie packe, sind einfach besonders. Schon der Karton macht Freude beim Empfang und der Inhalt auch. Mit Liebe und kleiner Überraschung gepackt. Sie haben während des Bestellprozesses direkt Kontakt mit mir via Mail. Diese Individualität und Besonderheit gibt es nicht bei Amazon.
  • Ich kann mir vorstellen, dass Amazon schneller verschickt als ich und die Zahlungsbedingungen sind bei Amazon bei vorhandenem Kundenkonto schon hinterlegt. Lastschriften sind dort möglich. Das geht bei mir nicht. Ich biete Überweisung und Paypal per Vorkasse an.

Warum biete ich die Kalender über Amazon an?

Weil ich, so wie ich den Webshop mit dieser Individualität betreibe, an meine Grenzen stoße. Ich liebe den Mailkontakt mit meinen Kundinnen, die Pakete so zu packen, dass es Freude macht, die Ware auszupacken, Bildchen auf den Karton zu malen, schöne Briefmarken auszusuchen, mich per Mail auszutauschen. Das macht einfach Spaß. Allerdings komme ich an meine Leistungsgrenzen. Ich kann keine Masse machen. Und will es auch nicht.

Deswegen habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, wo ich mehr Menschen ansprechen kann, ohne selbst proportional mehr Arbeit zu haben. Amazon bietet mir die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen, mehr Menschen anzusprechen und verschickt die Ware direkt an die Kunden. Das ist eine große Arbeitserleichterung für mich. Es gibt unterschiedliche Ansichten über den Internetriesen. Ich versuche die Vorteile für mich als Einzelunternehmerin zu nutzen. Es ist mein Ziel mit den Kalendern mehr Umsatz zu machen, das ist über Amazon möglich. Zu schön wäre es, wenn ich davon wirklich leben könnte. Dann wären Ressourcen für weitere Produkte da, fürs Schreiben, für Investitionen in Technik, für Marketing, für weitere Verkaufsplattformen. Das ist jetzt der erst Schritt und ich freue mich, dass ich ihn geschafft habe.

Fühlen Sie sich frei, dort zu bestellen, wo Sie mögen: Bei mir im Shop ist es persönlich und individuell. Sie werden nicht viele Sendungen wie meine bekommen. :o) Bei Amazon ist es neutral und bequemer.

Klick zum Shop

Neu im Shop

Dieses Jahr gibt es die Impulse und auch das Verwöhnpaket zum Verschenken. Im Verwöhnpaket sind beide Kalender und die monatlichen Impulse enthalten zu einem 3 Euro günstigeren Preis als beim Einzelkauf. Für die Monatlichen Impulse liegt eine neue schicke Gutscheinkarte bei. Sieht klasse aus, finde ich. :-) (Tut gut, auch auf sich selbst stolz zu sein.) Verwöhnpaket anschauen

Der Webshop öffnet am 28. Oktober 2017 und wird am 6. Januar 2018 schließen. Anschließend wird es die Kalender 2018 weiter über Amazon zu kaufen geben. Ich biete dieses Jahr keinen Schlussverkauf an. Als besonderes Geschenk gibt es Geschenkkarten gratis zur Bestellung dazu, wenn Sie bis 6. 13.11.2017 bestellen. (verlängert) :-)

Bei den Geschenkkarten ist auch diese Karte dabei, die Sie sonst nur in Verbindung mit dem geschenkverpackten Kalender erhalten:

Gruß von Lilo

Am 28.10.2017 geht es los! Ich freue mich auf Ihren Besuch und den Kontakt mit Ihnen! Klick zum Shop

Ganz herzliche Grüße

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg
Thema: Blog - 2017, 2. Halbjahr, Shop

Mittwoch, 25 Oktober, 2017

Ich bin ein Eichhörnchen - und sammle schöne Momente. Durch den Herbstwald walken

Es macht Freude, durch den bunten Herbstwald zu walken. Die Temperaturen sind zwischen 10 und 20 Grad. Genau nach meinem Geschmack. Gut, dass die heißen Tage vorbei sind.

Kann es schöner draußen zu dieser Jahreszeit sein? Blauer Himmel, Sonnenstrahlen, buntes Laub. Nach unserem Urlaub an der See startete ich früh am Morgen voller Vorfreude auf den bunten deutschen Herbst. Wo wir waren, gab es kaum Laubbäume und hier - welche eine Pracht.

Überrascht wurde ich gleich mit dem Start eines Heißluftballons in der Nähe meines Parkplatzes an der Gleuler Straße.

Was für ein Erlebnis, das Ausbreiten und Aufblasen der Hülle miterleben zu können.

... und dann hob er ab in den Himmel. Ein besonderer Moment für mich. Ich könnte mir nicht vorstellen, mitzufahren, ich vermute, die Höhe würde mir schon Herzrasen beschehren, aber es anzusehen, war beeindruckend.

Ganz beseelt ging ich dann los und spürte: Diesen besonderen Moment, wo ich den Ballonstart habe beobachten können, würde ich so gerne festhalten. Wie schnell ist er vorbei gegangen. Aber wie? Und dann hatte ich die Idee:

Ich bin ein Eichhörnchen. Ich sammle keine Nüsse, sondern schöne Momente. Und das war ein solcher Moment, der in meiner innere Schatzkammer aufbewahrt wird. Wie schön, dieser Gedanke!

Beschwingt ging ich weiter. Genoss die Aussicht auf den Decksteiner Weiher, in dem sich die bunten Bäume und das Blau des Himmels spiegelten.

Spürte die Wärme der frühen Sonnenstrahlen auf meinem Rücken und hörte das Rascheln der trockenen Blätter unter meinen Füßen. Ein Traum.

Der Morgentau auf den Wiesen machte mir meine Schuhe nass, doch der Spaziergang durch das Gras war es wert, glitzern die Tropfen in der Sonne doch wie tausende Edelsteine.

Beobachtete das Fallen einzelner Blätter bei kleinen Windböen. Es sah aus, als schneit es Blätter.

Die auf den Wiesen weidende Schafe geben ein stimmungsvolles Bild ab. So gemütlich wie sie in der Sonne liegen, sich wärmen und auf dem Gras kauen, als wäre es ein gut schmeckender Kaugummi.

So viele schöne Momente, die meine Seele froh machen. Auch wenn es regnet oder bedeckt ist, mag ich draußen walken gehen. Dann schauen sich die wenigen Spaziergänger und Sportler eher in die Augen, man nickt sich aufmunternd zu. So schön das Gefühl, etwas für mich zu tun - für meinen Körper und meine Seele. Denn nach dem Walken bin ich oft viel besser gestimmt als zu dem Zeitpunkt wo ich aus meinem Auto steige.

Soweit die Eichhörnchen-Momente bei meinem Walken. Es ist mir gelungen, den Staffelstab nach dem Urlaub wieder aufzunehmen. Ein Glück. Einfach weiter machen und nicht lange nachdenken. In diesem Sinne hoffe ich, dass es mir immer wieder so gelingt und wenn nicht, dass ich nach einer längeren Pause den Anfang wieder schaffe.

Ich wünsche Ihnen von Herzen viele schöne Momente in unserer farbenfrohen Natur

Anja Kolberg

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Dienstag, 17 Oktober, 2017

Buchvorstellung: "Halali" von Ingrid Noll

Hurra, ein neuer Roman von Ingrid Noll. Der wollte mit nach Dänemark an die Nordsee fahren und dort verschlungen werden. Ein vergnüglicher Zeitvertreib waren die viel zu schnell verstreichenden Stunden mit ihm!

Ich habe schon sehr sehr lange keinen Roman mehr gelesen, weil ich mich nicht konzentrieren konnte und ich so schnell abgelenkt bin. Ein heftiger Sturm, gegen die Scheiben klatschender Regen, eine nach drinnen geholte bequeme Sonnenliege mit Decke und einer heißen Tasse Tee - und dieses wunderbare Buch schafften dann die Wende: Ruckzuck war das Buch durch. Ich mag Bücher, die nicht allzu dick sind, dieses hat 320 Seiten. Als ich es ausgelesen hatte, war ich traurig, dass die Geschichte zu Ende erzählt war, so gerne hätte ich mit Holda noch Zeit verbracht.

Die Geschichte: Ihrer Enkelin Laura erzählt die 82jährige Holda von ihren Erlebnissen als junge Frau in den frühen 50er Jahren. Als Kind aus der Eifel in die große Stadt Bonn gekommen findet sie eine Anstellung als Sekretärin im Innenministerium und privat ein winziges Zimmerchen zum Schlafen. Mit ihrer Kollegin Karin beobachtet sie Merkwürdiges und von Neugier getrieben geraten beide in Gefahr. Es wäre kein typischer Ingrid Noll Roman, wenn es nicht auch einem Mann an den Kragen geht.

Ein herrlicher Satz: "Wir schwiegen eine Weile und gruselten uns."

Ingrid Noll selbst beschreibt ihr Buch so treffend wie es besser nicht sein kann: "Kein üblicher Agentenroman, vielmehr eine Zeitreise und eine Geschichte über das Lebensgefühl junger Frauen in den fünfziger Jahren."

Meisterlich wie die Autorin regionale Begriffe, Arbeitsleben, Musik, Essen, Kleidung, Ausdrucksweise sowie Lebensart und gesellschaftlichen Regeln der Nachkriegsjahre mit einer spannenden Geschichte verknüpft. Ein unterhaltsamen Zeitgemälde! Danke, liebe Ingrid Noll, dass Sie schreiben! Bitte weiter so! Anja Kolberg

Autorin: Ingrid Noll
Titel: Halali
ISBN: 978-3-257-06996-9
Verlag: Diogenes

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Freitag, 22 September, 2017

Herzgold - Zeit bei meiner Familie

Ich möchte von vielen schönen Tagen berichten, die ich bei meiner Familie verbringen konnte. Nicht oft öffnen sich solche Zeitfenster, wo wir an den Ort und zu den Menschen zurück kehren können, wo wir Kind waren. Glücklich und unbeschwert.

Drei Teile sind daraus geworden:

Onkel und Tante nahmen eine Auszeit an der See. So war ich mit meiner anderen Tante in der Zeit bei meiner Oma. Sie ist 92 Jahre und wer meinen Blog schon gelesen hat, weiß wie wichtig sie mir ist. Ein wenig besorgt war ich vorher wegen der Pflege, die meine Großmutter inzwischen braucht, ob ich das wirklich schaffe, auch wenn ich nicht alleine war. Vor vier Jahren, als ich das letzte Mal bei ihr in Ferien war, ging es ihr noch richtig gut. Ich habe zwar gekocht, aber sie hat die Wäsche noch gemacht und war noch munter zu Fuß unterwegs. War ich früher diejenige, der sie eine Wärmflasche gemacht hat, wenn ich Bauchweh hatte, so habe ich das jetzt für sie gemacht.

Die 14 Tage bei meiner Großmutter sind im nu verflogen. Mit säckeweise Herzgold bin ich zurück gekommen. Unbezahlbar waren die gemeinsamen Stunden. Die Pflege meiner 92jährigen Oma fiel mir leichter als gedacht. Ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden. Wir waren ein tolles Team: Oma, meine Tante, unser Nachtwächter ;o) (Mann von meiner Tante) sowie zehn Hühner und ein Hahn. Wir haben uns gegenseitig gut getan.

Als Abendvertreib - Oma kann kein Fernsehen mehr gucken - habe ich 62 Fotoalben durchstöbert. Ich bin dabei auf Bilder gestoßen, die ich auch im Rahmen meiner Recherche für die Familienchronik noch nicht gesehen hatte - unter ihnen auch wunderschöne schwarz-weiße Fotographien wie diese drei:

  • Vermutlich zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende - ein Pferd mit Planwagen steht vor einem verschieferten zweistöckigen Bauernhaus. Daneben einige Männer in Arbeitskleidung, ein weiteres Pferd wird von einem Mann gehalten. Links im Bild zwei Frauen in langen schwarzen Kleidern mit langer weißer bzw. schwarzer gestärkter Schürze, zwischen ihnen ein Kleinkind.
  • Auf dem frisch abgeernteten Getreidefeld eine Brotzeit: Männer und Frauen in Arbeitskleidung sitzen auf einem Pferdewagen und davor auf dem Boden. Ein Mann steht in der Mitte des Bildes mit Pfeife im Mund, die Hand in die Hüfte gestemmt. Neben ihm liegt ein Mann auf mit Stroh bedeckten Boden, vor ihm eine große weiße Emaillekaffeekanne und ein Korb mit Essen. Im Hintergrund Wiesen, Hügel, Obstbäume, Wald.
  • Ein Liefer-Lkw mit Aufschrift "Butter Eier Import" steht ca. 1920 vor dem Fachwerkhaus, in dem mein Großvater aufgewachsen ist. Junge Männer und Frauen posieren um das Gefährt., sitzen auf dem Führerhaus, den Radständen und stehen daneben.

Alle drei Zeitdokumente sind so toll, ich würde sie mir glatt vergrößern und aufhängen. Immer leichter fällt es mir, die Kleinigkeiten auf den Fotos wahrzunehmen, das damalige Leben zu lesen. Was für ein spannendes "Stöbern in der Vergangenheit" wie Oma es so treffend benannte. Wann ergibt sich schon mal die Gelegenheit, so viele Alben in Ruhe durchzuschauen? Meine Großmutter kannte die meisten Fotos und obwohl sie nicht mehr gut sehen kann, konnte sie mir meist sagen, wer darauf zu sehen ist.

Was kann ich noch aus dem Füllhorn der Erlebnisse berichten? Ich fand ein altes Liederbuch, brachte es mit runter ins Wohnzimmer. Früher wurde viel in ihrer Familie gesungen, wenn sie abends zusammen saßen, erzählt meine Oma immer wieder. Ich las vor, welche Titel ich fand und Oma sagte fast jedes Mal: "Das kennen wir doch" und stimmte das Lied an. Die meisten Texte kannte sie noch und es war beeindruckend, wie sie die Melodie hält. Weder meine Tante noch ich konnten mithalten. Dieser Gesangsabend hat meiner Oma besonders gut gefallen.

Mehrmals hat sie das Schlaflied "Wer hat die schönsten Schäfchen" gesungen und - was mich ganz besonders freut - ich habe es auf Video aufgenommen. Oma hatten wir vom Rollstuhl in einen großen Ohrensessel umgesetzt, sie trägt ihr weißes Haar in einer ganz kurzen frechen Frisur, weil die Dauerwelle im dünnen Haar nicht mehr hält. Über ihre Beine hatten wir eine dunkelblaue Decke gelegt und über den lilafarbenen Pullover trägt sie wie immer eine wärmende, graue selbstgestrickte Stola.

Sie saß da wie die perfekte Märchenoma und ich war ganz beglückt, dann auch noch das Video mit dem Schlaflied aufnehmen zu können. Sie hat es extra nochmal in die Kamera gesungen, damit ich es meinen Cousinen und Cousins, ihren Urenkeln und meinen Tanten schicken kann. So haben wir alle eine wundervolle Erinnerung. Ich habe beim Filmen ganz still da gesessen, mir sind die Tränen die Wangen herunter gelaufen, so liebevoll und goldig war das. Ebenfalls aufgenommen habe ich ihr endlich Abendgebet, das sie immer für die Enkel betet. Bisher hatte ich es nur in Bruchstücken gehört und war nie schnell genug mit dem Video.

Können Sie nachempfinden, warum ich mich so reich beschenkt fühle? Bei Oma kann ich einfach sein. Ich bin - obwohl ich in die Rolle der Helfenden rutschte und 47 Jahre alt - einfach Enkelin und fühle mich grenzenlos wohl. Welche ein Geschenk! Ich bin dem Himmel so dankbar, dass ich diese Zeit mit ihr und auch meiner Tante erleben durfte. Ich könnte noch stundenlang weiter schreiben. So viel gibt es zu erzählen. Im Kalenderentwurf für 2019, den ich nächsten Sommer machen werde, ist sicherlich ein Bild aus dem wundervollen Garten dabei. Seufz. So schön!

Wie das Kalenderblatt von September 2017 stimmt: "Herausforderungen machen mich stärker." Ich fühle mich jetzt sicherer, neuen Herausforderungen zu begegnen. Ich habe das Gefühl, ich kann Dinge leisten, die ich mir vorher nicht zutraute. Das alles noch als Zugabe. Was für ein Glücksfall!

Ich freue mich nun auf den am ersten Oktober beginnenden Verkauf der Kalender in meinem Webshop. Auf die neuen Titel können Sie sich schon freuen. Sie heißen: "Seelenglück" und "Auf dem Weg zu mir selbst." Wer die Kalender vorher kaufen möchte, findet sie schon bei Amazon. Einfach "Kalender Anja Kolberg 2018" eingeben und sie werden aufgerufen. Hier die beiden nächsten Artikel:

Herzliche Grüße von einer glücklichen

Anja Kolberg

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Der schöne Garten

Während meines Aufenthaltes bei meiner Familie habe ich auch die Zeit im wunderschönen Garten genossen. Seit den 50er Jahren, als meine Urgroßeltern ihn anlegten, ist er stetig gewachsen und hat sich verändert. Als mein Onkel und meine Tante das Haus von meinen Großeltern übernahmen haben die beiden weiter daran gearbeitet und daraus ein Schmuckstück gemacht, wo die Seele staunt und atmet. Ich sehe und spüre, dass sie Freude an der Arbeit im Garten haben. Der Gemüsegarten ist heute noch an der gleichen Stelle wie vor über 60 Jahren.

Für mich ist es ein besonderer Ort. Die Geräusche, die Düfte, die Stimmung, alles ist mir aus meiner Kindheit vertraut. Ich fühle mich dort wohl und kann einfach sein. Ein großes Glück.

Im ersten Artikel Herzgold - Zeit bei meiner Familie fanden Sie ja schon einige Blüten aus dem Garten - hier einige weitere Impressionen und vom Raum drumherum:

An den Garten grenzen viele Wiesen mit einigen Pferden. Weiteroberhalb beginnt der Wald.

Nebenan auf der Weide steht ein alter Apfelbaum.

Überall stehen Stauden, wie dieser Sonnenhut oben am Hühnerpirk.

Clematis rankt mit wildem Wein an einem Bogen empor.

Diese Aster hält sich gut und lange in der Vase und säht sich selbst aus. Ich habe Samen mit nach Hause genommen.

Am Himmel waren immer wieder Greifvögel zu sehen und vor allen Dingen zu hören. Ein toller Klang. So viel Himmel sehe ich in Köln selten. Die Vögel bei ihrem Flug zu beobachten, war toll.

Morgens lies ich die Hühner raus, gab ihnen Wasser und tagsüber manchmal Leckereien, auf die sie unruhig warteten. Sie machen so beruhigende Geräusche. Abends lies ich sie wieder in den Stall bzw. waren sie schon drinnen. Es gab Futter und frisches Wasser und ich sammelte die Eier ein.

Toll, die unterschiedlichen Farben. Beliebtes Spiel am Abend: Eierbingo. Wer errät wieviel Eier die Hühner gelegt haben. :-)

Drei Teiche hat mein Onkel in all den Jahrzehnten angelegt. In einem blühte diese herrliche Seerose.

Jede Morgen machte ich eine Kanne Tee - mit Quellwasser aus dem Wald und frischer Pfefferminze aus dem Garten. Auf der Wiese war frischer Breitwegerich, den ich so gegessen habe. Der schmeckt unglaublich gut. Mehr vom Gaumenschmaus erzähle ich hier: Naschen aus dem Landhausgarten.

Viel Freude!

Anja Kolberg

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Naschen aus dem Landhausgarten

Hier der dritte und letzte Teil des Berichts von meinem Landurlaub:

Ein großer Gemüsegarten verwöhnte unseren Magen. Hier Pflücksalat und Schnittlauch.

Frischer Mangold. Lecker! Daraus habe ich dieses Gericht gemacht:

Mangold in der Pfanne geschmort mit einer Tomate, Rosinen und gerösteten Mandelkernen. Dazu Reis.

Jeden Morgen naschte ich die frisch erblühten Kapuzinerkresse-Blüten. Süß, scharf, würzig.

Rote Beete. Die Blätter eignen sich - zusammen mit Banane bestens für einen grünen Smoothie. Allerdings wird der dann aufgrund der Mischung von rot und grün...

... braun wie Cappucchino. Oma und Tante probierten auch mal mutig davon. :-)

Aus der Knolle und Apfel entsteht ein köstlicher und gesunder Salat:

Soße: Olivenöl, Pfeffer, Salz, Zitrone, Agavensirup.

 

Leibspeise in den letzten Wochen: In der Pfanne kurz geschmortes Gemüse. Hier Paprika, Tomate, Zucchini, Zwiebel und Möhre. Am liebsten mag ich Zucchini, Tomate und Banane. Lecker!

 

Ein Teil vom Kräuterbeet. Der Löwenzahn ganz unten ist ein prima Nährstofflieferant und wegen seiner Bitterstoffe besonders gesund. Auch er kam in den Smoothie:

 

Hier habe ich Melone als Obst dazu genommen. Lecker!

 

Ganz schön grün und gesund und lecker!

 

In einem Heft fanden wir ein Rezept von Möhrenpesto. So frisches und tolles Grün wie im Garten werde ich in Köln nicht bekommen. Also ausprobiert.

 

Sieht toll aus, oder? Möhrengrün wurde mit gerösteten Mandeln, Öl, Pfeffer und Salz püriert.

Das waren einige Eindrücke von meiner wundervollen Zeit mit Oma, Tante, Onkel, Hühnern und Garten auf dem Land. Ich bin so dankbar und glücklich, dass ich diese Zeit erleben konnte. Für nix in der Welt ist sie aufzuwiegen. Das war meine Sternschnuppe in diesem Jahr.

Hier die anderen beiten Teile:

Mehr Land- und Gartenberichte gibt es in der Rubrik Blog - Garten & Natur 

Viel Freude beim Stöbern

Ihre Anja Kolberg

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Sonntag, 20 August, 2017

Einfach weiter gehen - den Sommer überstehen

Im Frühling war ich unsicher, ob ich es schaffen würde in den heißen Sommermonaten weiter möglichst täglich walken zu gehen. Das Problem: Wenn es zu warm ist, schmerzen meine Beine. Sie werden schwer und schwellen an. Dann habe ich überhaupt keine Lust, zu gehen. Bislang war ich mittags um den See gegangen, immer dann wenn ich gerade eine Pause von der Arbeit brauchte und Erholung vom Sitzen am Schreibtisch. Und mittags im Sommer ist es nunmal besonders warm ...

Hier in Köln fühlt es sich die letzten Tage nach Frühherbst an, die Gänse am Weiher üben den Formationsflug gen Süden, der erste für mich typische herbstliche Morgentau benetzte die Wiese. Die noch kommenden heißen Tage sind also gezählt. Und wissen Sie was? Ich habs wahrhaftig geschafft und eine Lösung gefunden, im Sommer das Walken nicht aufzuhören. Das war nämlich meine Befürchtung: Wenn ich meinen Rhythmus unterbreche, wird die Hürde wieder anzufangen zu hoch und ich höre auf, meinem Körper durch die Walkingrunde Gutes zu tun.

Wie ich das geschafft habe, trotz Hitze weiter zu gehen? Ich bin morgens früh gegangen. Erst mit dem Hund eine Runde Gassi gegangen. (Ich nehme sie nicht mit zum Walken, weil sie die weite Strecke mit 14 Jahren nicht mehr schaffen würde und ich durch ihr intensives Schnüffeln, das eine gefühlte Ewigkeit dauern kann, auch null Spaß dran hätte.) Dann raus an den Weiher. Die Morgensonne ist selbst das große Stück ohne Schatten um sechs oder sieben Uhr noch erträglich und angenehm. Die waldigen Abschnitte eine herrliche Abkühlung. Ich bin so stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe und eine Lösung entwickelt, die für mich praktikabel ist.

So viel Schönes und Interessantes erlebe ich jeden Tag, wenn ich draußen in der Natur bin: Kleine flauschige Küken von Gänsen und Enten betrachten. Kleine Gänschen die versuchen wie die Großen Grasshalmspitzen zu naschen und dabei in die Höhe hüpfen...

Schnecken mit unglaublich interessanten Gehäusen beim Kreuzen des Weges beobachten. Hunde beobachten - da geht mir das Herz auf - und mich kurz mit ihren zweibeinigen Begleitern austauschen, wenn es passt. Den Ruf des Greifvogels über den Bäumen hören. Anderen ein Kompliment für ihr hübsches Outfit machen und so Freude bereiten oder die gleichen Gesichter sehen und grüßen. Die Wolken am Himmel und die Schattenspiele der Sonne auf dem Weg beobachten:

Die Schwäne auf dem See zählen. Bei 50 habe ich aufgehört:

Walking bei Sommerregen geht auch. Er tut nicht weh, ich bin abwaschbar und es macht echt Spaß, dann draußen zu sein. Beim letzten Mal bin ich bis auf die Unterhose nass geworden. Ich sage Ihnen: Ich fühlte mich wie eine Abenteuerin. :-)

Und zu naschen gibt es auch einiges. Warum Superfoods und künstliche Nahrungsergängzungmittel übers Internet bestellen, wenn ich das natürlichste, frischste und beste direkt am Wegesrand pflücken und direkt verspeisen kann? Gerade habe ich schwarze Holunderbeeren direkt vom Baum probiert. (Holunderbeeren können zu Erbrechen, Magen-Darmbeschwerden führen. Deswegen vor dem Verzehr kochen, wenn viele gegessen werden. Mehr hier.) In den letzten Wochen habe ich zum Beispiel die Fruchtstände vom Spitzwegerich probiert, Kleeblüten, die intensiven Blüten der Schafsgarbe, mich an Brennesseln gepiekst und mich nicht davon abbringen lassen, deren Spitzen und Samen weiter zu pflücken und zu essen.

Besser kann es doch nicht sein, als meinen Körper mit Wildkräutern zu versorgen! Natürlich schaue ich, dass die mir bekannten Pflanzen weit ab der Straße stehen, in einer Höhe sind, wo sie nicht von Hunden angepinkelt worden sind oder dass keine Tiere mehr drauf rumkriechen. Der Geschmack der Wildkräuter ist oft sehr intensiv. Bitter vor allen Dingen - und gesund.

Mir fällt auf, wie viel mehr ich Düfte wahrnehme. Das hat nicht immer was positives. So ist es zum Teil eine echte Herausforderung weiter zu atmen, wenn an mir jemand vorbei joggt, der von einer riesigen Parfüm- oder Deowolke umgeben ist. Gut, dass das auf die meisten Menschen nicht zu trifft. Ebenso lässt sich der Zigarettenqualm noch wahrnehmen, selbst wenn kein Raucher mehr zu sehen ist, der ihn hinterlassen hat. Dafür freut sich meine Nase über den Duft der Blüten, an denen ich schnuppere.

Zum Beispiel die große Gruppe von "Großem Heinrich" der am Wegesrand unzählige Bienen, Hummeln und Schmetterlinge anzog.

Meinen Beinen geht es immer besser. Deswegen habe ich ja mit dem Walken nach gefühlten 16 Jahren wieder angefangen. Sie schmerzen weniger und das ist ein ganz großes Glück. Zudem habe ich auch gut abgenommen. Dazu werde ich in einem anderen Beitrag berichten.

In diesem Sinne: Bis bald!

Ihre Anja Kolberg

P.S.: Hier berichte ich über meine anderen Walkingerfahrungen und warum ich damit angefangen habe: Blog - Körper & Schmerzen. Einfach runterscrollen, sind von aktuell nach älter sortiert.

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Freitag, 18 August, 2017

Das Arbeitsleben ist bunt

Gerade sprach ich mit einer Supportmitarbeiterin. Zum Schluss fragte sie, ob sie noch etwas für mich tun kann. Ich sagte: "Ja, bitte das Wetter in Köln ändern. Heute regnet es ununterbrochen." "Oh, damit kann ich ihnen nicht dienen, hier in Irland regnet es auch den ganzen Tag." Ein wunderbares Gespräch über Irland entwickelte sich. Diese Frau aus Deutschland lebt und arbeitet seit sieben Jahren auf der Insel. Ist das nicht ein Traum? Ich wollte schon lange so gerne mal dorthin, wenn ich an die grüne Natur denke, geht mir das Herz auf. Sie gab mir Tipps für einen grünen Urlaub, einfach klasse.

Ist es nicht toll wie bunt die Arbeitswelt heutzutage ist?

Vor einiger Zeit hatte ich zufällig Kontakt mit einer ehemaligen Klientin. Ich rief eine Servicetelefonnummer an, schilderte mein Anliegen und auf einmal fragte mich die nette Dame am Telefon "Haben Sie Frauencoaching gemacht? Ich glaube ich kenne Sie." Ich war verdutzt, fragte nach dem Namen und zack erinnerte ich mich an meine Klientin. Wie toll war dieser Zufall!! Sie lebt und arbeitet heute auf Mallorca. Es war wie ein Sechser im Lotto, dass ich sie am Telefon hatte. Einmal weil sie eigentlich Pause gehabt hätte und zum anderen, weil in einem Callcenter ja nicht nur eine Person arbeitet, also an genau sie zu kommen, war wirklich etwas besonderes. Nach den vielen Jahren treffen wir uns so wieder! Ein besonderer Glücksmoment für uns beide, wir haben uns so gefreut.

Auch sie ist ein Beispiel dafür, dass Arbeiten heutzutage nicht mehr nur in Deutschland im "Nine-to-five-Job" (also täglichen Job von morgens neun bis abends fünf) möglich ist. Unsere Arbeitswelt ist viel bunter und vielseitiger geworden. Arbeiten statt im Büro in Stadt xy ist heute von zu Hause ("Homeoffice") aus möglich. Auch arbeiten im Ausland aus - zum Beispiel als "Freelancer" (wenn man zum Beispiel eine Dienstleistung anbietet wie Webseitengestaltung, was alles übers Internet abgewickelt werden kann) oder als Mitarbeiter eines deutschsprachigen Callcenters ist keine Seltenheit mehr. Das nur ein Bruchteil der beruflichen Lösungen, die heute möglich sind.

Viele Türen stehen uns heute offen, anders zu arbeiten, so wie es zu unseren Wünschen passt. Und das finde ich wunderbar. Ich spüre, wie sich mein Herz weit öffnet und die Flügel ausstreckt, Energie und Freude an diesen Möglichkeiten tankt!

Ich fände es wunderbar, eine zeitlang im Ausland zu leben und zu arbeiten. Das könnten einige Monate sein oder auch ein Jahr. Was mich daran reizt? Vor allen Dingen die Natur. Ich liebe die Urlaubszeit in Dänemark. Die Nähe zur Nordsee, Stürme, die am Himmel vorbei segelnden Möven, die salzige Luft, die Stille und Einsamkeit sind genau mein Ding. Die Vorstellung, dort länger als drei Wochen Urlaub zu sein und frei zu arbeiten, erfüllt mich mit Glück. Also zu schreiben oder Menschen übers Internet zu coachen, zu begleiten.

Spannend fände ich auch, eine längere Zeit in England zu leben, um besser Englisch sprechen und verstehen zu können. Warum? Weil ich spüre, dass ich hier eine Grenze habe, die mir den direkten und leichten Zugang zu viel Wissen blockiert. Zum Beispiel auf englischen Webseiten recherchieren, englische Fachliteratur zu lesen (ohne direkt abzubrechen, weil ich es so anstrengend finde) oder auch Videos, Vorträge usw. anzuschauen oder gar an Workshops auf Englisch teilzunehmen, ohne auf eine Übersetzung angewiesen zu sein. Die Ursprache ist eben immer noch etwas anderes als die deutsche Übersetzung.

Ich spreche und verstehe nicht so gut Englisch wie ich möchte. Ist einfach so. Ich hatte Schulenglisch, war glaube ich eine zwei, bis zur zehnten Klasse und dann im Abendstudium zur Betriebswirtin zwei Stunden pro Woche Fachenglisch. Auch wenn ich da eine eins hatte, sagt das nix über meine praktische Erfahrung aus. Beruflich habe ich kein Englisch gebraucht und wenn, dann war ich eher gehemmt, als frei fließend zu sprechen. Und das hätte ich gerne anders. Ich glaube, dafür wäre es gut, eine zeitlang in England zu leben und im Idealfall dort stark in Kontakt mit Menschen zu sein, um die Sprache zu üben und meine Hemmungen zu verlieren. Das wäre eine große Bereicherung für mich.

Soviel zu meinen Träumen. Sie mir bewusst zu machen und auszusprechen ist ein wichtiger Schritt.

Einen beschwingten Tag aus Köln

Anja Kolberg

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Freitag, 11 August, 2017

Hineingepresst & ausgebrochen

Hineingepresst in eine Form,
damit wir passen.
Hineingepresst in eine Form
ohne das Leben ganz zu atmen.
Hineingepresst,
um zu Funktionieren.
Hineingepresst in eine Form,
damit ihr uns aushalten könnt.

Hineingepresst.
Wo ist mein Atem
Wo ist mein Leben
Wo ist mein Ich

Hineingepresst in eure Form
nicht meine

Dringeblieben.
Nicht ausgebrochen.
Um dazu zu gehören.
Gemocht zu werden.

Unglücklich.
Unzufrieden.

Zeit die Form zu verlassen
Euch zu konfrontieren
mit meinem Ich
Euch zuzumuten,
mich auszuhalten
Und wenn nicht ihr,
dann andere die passen
zu meinem ganzen Ich.

Ich bin bereit für
eure Reaktionen
und auch die Freiheit
auszuhalten.

Bleib
halt still
sei ruhig
sei brav
hör auf
zu sein
wie du bist

Du bist zuviel
zuviel für mich
mehr als ich aushalten kann
Mehr als die Regeln geben

Geh in die Form
sei schön brav
dann muss ich auch nicht raus
aus meiner

Ich will nicht mehr
Teil dieser Form
noch irgend einer anderen sein
Mich zwängen
Mich zwingen
was ich nie war
was ich nicht bin
will leben
atmen
fließen
sein
raus mit meinen Gefühlen
raus mit meinen Gedanken
endlich ich
ganz und gar ich

Es ist Zeit

raus aus der Form
raus aus der Strenge
raus aus dem alten Leben

Wagen
zu leben

Wagen
zu sein

Ganz und gar ich

Rücksichtlos
Ich

Frei sein
ich selbst sein
ganz und gar
mich selbst leben
mich selbst lieben

Keine Fragen
Antworten.
Keine Zweifel
Sicherheit.
Keine Angst
Wut Energie Bewegung.
Ich
ganz ich
ohne Zweifel
Vertrauen.

Nicht zu viel für dich
nicht zu viel für mich
genau richtig!

Keine Kontrolle.

Ich.

Für das wilde Kind in uns allen. Raus aus der Form. Rein in die Freiheit.

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Mittwoch, 26 Juli, 2017

So sein wie ich bin.

Am liebsten hätte ich Gewissheit, wie mein Leben weiter verläuft. Sicherheit, für jede Situation mit einer perfekten Lösung gewappnet zu sein. Doch leider funktioniert das Leben nicht so. Zumindest meines nicht. Keine Kontrolle.

Die einzige Kontrolle, die ich habe, ist die über mich selbst. Für mein Wohlbefinden zu sorgen, so gut ich es kann. Auch das klappt nicht immer, meine Gedanken und meine Phantasie - was alles passieren könnte - gehen gerne mit mir durch - nicht in die positive Richtung. Dann wünsche ich mir die coole Gelassenheit derjenigen, die sich keine Gedanken machen.

Ich verarbeitete vor einiger Zeit ein Problem, das mich sehr beschäftigte, erzählte meinem Mann davon. Er guckte mich mit großen Augen an und meinte nur: 'Da denke ich schon lange nicht mehr drüber nach. Das habe ich längst abgehakt. Wenn du jetzt nicht mehr davon angefangen hättest, hätte ich nicht mehr dran gedacht.' Na prima! So einfach hätte ich es auch gerne. Mein Kopf funktioniert aber nicht so. Und damit muss ich wohl klar kommen, wohl auch weil das Problem mich mehr betraf als meinen Partner.

Mich akzeptieren - so wie ich bin. Mit all dem Grübeln, Reflektieren. Das hat ja auch sein Gutes, nämlich eine Tiefsinnigkeit, zu der mich meine Nachdenklichkeit führt. Eigentlich ist das spannend, gar nichts schlimmes dran zu finden, wenn ich es nicht als solches bewerte.

Ich kann nicht erwarten, dass andere Verständnis dafür haben, wie ich ticke. Dass andere sich meine Gedanken machen. Dass andere so funktionieren, wie ich das gerne hätte. Aber ich kann das tun. Verständnis für mich haben. Mich mit meinen Sorgen beschäftigen, mir gute Gedanken machen. Für mich da sein.

Ich bin für mein Wohlbefinden verantwortlich. Wenn ich liebevoll mit mir umgehe, tun das andere auch bzw. ich bin davon nicht mehr abhängig.

Wenn ich nicht mehr die Kontrolle über alles haben will, mir verzeihe schwach zu sein, Fehler zu machen, Ängste und Sorgen haben zu dürfen, können andere auch lockerer werden. Loslassen.

Einem anderen ganz nahe sein. Wagen, geliebt zu werden. Zulassen, dass jemand mein wahres Ich sieht mit all meiner Verletzlichkeit. Ohne Sicherheit, ob der andere mich liebt wie ich bin oder mein wahres Ich ablehnt.

Ich kann mich verstellen, in der Hoffnung, dem anderen dann zu gefallen. Aber will ich so leben? Nein, will ich nicht. Ich will geliebt werden, so wie ich bin. Das erfordert Mut. Mut, mich so zu zeigen, wie ich wirklich bin. Offenheit, geliebt zu werden, so wie der andere es kann, nicht so wie ich es möchte.

Vor allen Dingen braucht es die Liebe von mir selbst zu mir - gleich wie ich bin.

Anja Kolberg

P.S. Diesen Text schrieb ich im November 2015. Heute fand ich ihn wieder. Ich hätte ihn gestern geschrieben haben können. Hier jetzt auch für Sie. Vielleicht finden Sie sich selbst darin wieder.

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