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Die Geschichte von der kleinen blauen Blume
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Wie bekomme ich eine Wende in traurige Gedanken?
Die Geschichte von der kleinen blauen Blume

Wenn dunkle Gedanken wie schwere Wolken am Himmel nicht verschwinden wollen - hilft vielleicht die Geschichte der kleinen blauen Blume für frischen Wind und andere Gedanken. (Ich hatte sie im letzten Newsletter im Herbst 2010 veröffentlicht, nun steht sie auch im Blog.)

Ein kleines blaues Blümchen steht auf einer Wiese, genießt die wärmenden Strahlen der Sonne. Es bekommt Besuch von einem Schmetterling. Mit ihm zusammen wiegt sich das Blümchen im sanften Wind. Weiße Schäfchenwolken wandern über den blauen Himmel. Vogelstimmen hallen vom nahen Laubwald über Grashalme, Spitzwegerich und Löwenzahn bis zu der kleinen Blume hin. Sie fühlt sich wohl bis sie beginnt, sich mit den anderen Pflanzen zu vergleichen und spürt, dass sie anders ist als all die Pflanzen um sie herum, die meist in großen Gruppen leben. Die blaue Blume fühlt sich einsam. "Kennst du eine Blume, die so ist wie ich?", fragt sie den Schmetterling. Der überlegt lange. "Nein, ich kenne keine wie dich.", sagt er und fliegt davon.

Die blaue Blume ist traurig. 'Ich will auch so sein wie alle anderen. Ich will nicht anders sein.', denkt sie und fühlt wie sich Tränen in ihrer Blüte sammeln. Dadurch wird ihr Kopf ganz schwer und hängt tief und tiefer hinunter.

So hängt sie mehrer Tage kopfunter in der Wiese. Der Rücken schmerzt, sie fühlt sich immer unwohler.

Da erblickt sie auf dem Boden zwischen den Grashalmen einen klitzekleinen Käfer, der ein wenig humpelt. An einem kleinen Stöckchen, das er über den Panzer trägt, hängt ein kleines Blätterbündel. Sie überlegt, was da wohl drin sein mag.

"Hallo", spricht sie ihn an. "Wer bist du?" "Ich bin der Trolle. Und wer bist du?" "Ich bin die Blues."

Der Käfer guckt neugierig nach oben: "Ich hab noch nie einer Blume ins Gesicht sehen können. Alle tragen immer den Kopf zur Sonne hingewandt. Brauchst du die Sonne nicht?" Die Blume überlegt erschrocken: "Doch, ich glaub schon, aber ich bin so traurig und darüber ist mir der Kopf so schwer geworden." "Warum bist du traurig?", fragt Trolle. "Weil ich mich so einsam fühle und ich mir jemanden wünsche, der fühlt wie ich und mich so mag wie ich bin." Trolle richtet sich auf, stemmt die Beinchen in seinen Panzer und guckt sich Blues genau an: "Magst du dich denn?" Blues merkt, wie ihr Kopf noch schwerer wird und weiter nach unten sinkt: "Nein", sagt sie traurig. "Warum magst du dich nicht?" "Weil, weil, weil... Ich weiß es nicht. Ich fühle mich einfach nicht gut. Alles fühlt sich um mich herum sinnlos an und leer." "Hm", hört der kleine Käfer zu und sagt dann: "Ich glaube, du hast Angst, Blues."

Blues guckt ihn erstaunt an und schüttelt ganz kräftig den Kopf: "Nein, das kann nicht sein. Wovor sollte ich denn Angst haben?" Trolle: "Du hast Angst, dass du nicht gut genug bist, so wie du bist."

Blues überlegt und spürt: "Ja. Das stimmt." Unbemerkt hat sie sich einige Zentimeter aufgerichtet, durch das Schütteln sind Wassertropfen von ihrem Kopf geflogen und er ist leichter geworden.

"Weißt du was?", brüllt Trolle von unten, denn jetzt hat er den Eindruck, die Blume kann ihn nicht mehr so gut hören. "Ja, was denn?", mit einem klitzekleinen Lächeln guckt Blues Trolle an. "Ich komm jetzt mal zu dir. Darf ich?" "Ja, gerne", freut sich die Blume und ruckzuck sitzt der Käfer auf ihrem Kopf. "Darf ich auf dir Wippen?" "Ja, wenn du magst." "Au ja, ich liiiiiiiiiiiiiiebe Blumenwippen!", jauchzt der Käfer, hält sich an den Blütenblättern fest und beginnt in dem weichen gelben Zentrum der Blume auf und ab zu hüpfen. Das bringt Blues zum Lachen und sie verliert immer mehr Tropfen, ihr Kopf wird leichter und leichter, richtet sich immer mehr auf und der Sonne zu. "Aaaaaah, war das schön!", grunzt Trolle und legt sich in das weiche Innere von Blues auf das gelbe Pollenbett und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. "Darf ich noch was liegenbleiben?", fragt Trolle. "Oh ja, das ist schön", seufzt Blues und gemeinsam verbringen sie viele Sonnenstunden an diesem Tag miteinander.

Während dessen hat die blaue Blume ganz vergessen, dass sie traurig und einsam war. Auch der Inhalt des Blätterbeutels ist nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur, dass sie sich deswegen getraut hat, ihn anzusprechen und so raus aus ihrem Tief gekommen ist.

Nachdem ich mir diese Geschichte ausgedacht und aufgeschrieben hatte, sah es in mir so aus:

Strahlende Gesichter. Was für eine schöne Wende! So steckt in jedem Tief auch die Chance für ein Hoch. Die beiden Teile gehören zusammen wie Ying und Yang. Wenn ich mitten in einem Tief bin, kann ich mir nur schwer vorstellen, bald wieder fröhlich zu sein. Hier habe ich erlebt, dass schon eine kleine Geschichte eine rasche Gemütsänderung bewirken kann...

Anja Kolberg

 © 11/2010 geschrieben von Anja Kolberg. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe gleich welcher Art verboten. Wenn Sie auf diesen Beitrag hinweisen möchten, können Sie einen Link hierhin setzen:
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Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 26 April, 2011
Thema: Blog - 2011, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage
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