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Gibt es etwas Gutes an diesem Wetter?

Das frage ich mich gerade. Es ist düster draußen. Windig. Der Himmel dunkelgrau schattiert. Etwas freundliches kann ich auf den ersten Blick nicht entdecken. Ich sehne mir Sonne herbei und Wärme.

Wofür ist das trübe Novemberwetter gut? Wofür?

Es kommt auf keinen Fall wie im Sommer Energie von außen auf mich zu. Keine lauen Sommertage, die mich nach draußen bringen, in den Garten, in die Sonne und mein Herz erwärmen und mein Gemüt erhellen.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe das Gefühl, dass mir das trübe Wetter Energie nimmt. Klar, ausgerechnet auch noch Montag morgen.

Nochmal die Frage: Was kann das miese Wetter für einen Sinn haben?

Ich schaue mich um: Ich sehne mich nach Licht und Wärme. Das einzige Licht, was mich erhellt, ist das, das durch das Fenster auf meinen Schreibtisch fällt. Es ist offensichtlich zu wenig, sonst würde es mir besser gehen. Also, erste Maßnahme: Schreibtischlicht an. Dann die schönen Wandlichter über meiner Packstation. Zu guter Letzt die Kerze in meinem grünen Gesteck. Ah, schon besser.

Kalt ist mir. Trotz kuschliger lila Fleecejacke. Ist die Heizung an, Anja? Nein. Also: Heizkörper aufdrehen, auch neben an in dem Raum. Es ist heute besonders wichtig für mich, dass es kuschlig ist. Moment, ich stehe eben auf und mache das. Das dauert jetzt etwas, aber dann wirds mir kuschlig warm.

Duft. Mir fehlt ein guter Duft. Ich reibe eines der Salbeiblättchen aus dem Gesteck zwischen meinen Fingern. Nein, die riechen nicht mehr. Ich stehe jetzt auf und wasche die Schale aus und lege frische Kräuter darauf. Moment...

Das sieht hübsch aus. Weniger als beim letzten Mal, dafür haben die Stiefmütterchen eine besonders intensive Farbe. Sieht toll aus. Obwohl sie frisch gepflückt sind, riechen Salbei aus dem Garten und Lavendel nicht mehr gut, ihnen fehlt wohl ebenso die Wärme der Sonne. Pfefferminze und Zitronenmelisse duften intensiv, als ich die Blätter zwischen meinen Fingern reibe. Hm. Ein Augenschmaus und eine Dufterinnerung, wenn ich mir meine Schale anschaue.

Es fehlt aber wirklich noch Duft. Der dauerhaft ist. Ich erinnere mich an das Räucherzeug, das mir mein Vater geschenkt hat. Oh, da sind schöne Düfte bei. Ich wähle den Reiki-Duft. Ah, er entfaltet langsam seine Kraft.

Hier im Raum ist es jetzt schon merklich wärmer. Was fehlt noch, damit es mir gut geht? Heißer Kakao! Obwohl ich schon heißen Tee getrunken habe, ein heißer Kakao, im Idealfall noch mit einer Sahnehaube - das wär's jetzt. Ich mach mir das mal eben. Bin gleich wieder da...

Ah, noch besser. Der Kakao ist inzwischen halb ausgetrunken. Hm, war der lecker. Ich habe oben auch noch Schokostreusel und gehackte Mandeln draufgestreut und wie einen Nachtisch gelöffelt. Was für eine Leckerei. Hmmmmm!

Hier im Raum ist es jetzt wohlig warm und hell. Es duftet angenehm. Mein Gaumen wurde verwöhnt. Ich blicke auf ein wunderschönes Gartenarrangement. Fehlt noch was?

Ja! Musik? Ja! Normalerweise höre ich kaum Musik. Aber jetzt täte mir etwas klangvolles ganz gut. Da fällt mir das Lied "Light my fire" von Wil Young ein. Wenn ich das Lied einmal im Ohr habe, bleibt es da meist den ganzen Tag... Dann mag ich noch die meditative Klaviermusik von Claus Rank ("Musik, weil ich fühle", Lieblingstitel: "Morningdew"). [Die CDs sind nicht mehr erhältlich. Der begabte Musiker Claus Rank ist leider inzwischen verstorben.]

Hm, mit der Musik wird es noch besser. Fehlt jetzt noch was zum Glücklich sein?

Ja! Was? Etwas schönes für meine Seele. Liebevolle Worte, die mich zum Strahlen bringen.

Ok. Mich selbst zum Strahlen bringen. Ich versuch's: "Anja, ich habe mich lieb. Ich bin wertvoll und wichtig für mich. Ich mache mir Freude und Mut."

Geht das in die richtige Richtung? Ja.
Reicht es? "Nein", antwortet mein Herz.
Was wünschst du dir noch? "Das du mir verzeihst, dass ich nicht so schnell bin und vorwärts komme wie ich sein könnte."
Ich verzeihe mir, dass ich nicht so schnell vorwärts komme, dass ich nicht schon da bin, wo mein Verstand mich sieht. Ich versuche meine eigene Geschwindigkeit anzunehmen.

Besser? "Ja", sagt mein Herz.
Fehlt noch etwas? "Ja."


Was fehlt noch? Mein Herz atmet tief durch: "Ich bin nicht perfekt. Ich schaffe es einfach nicht. Du machst mir aber Druck, alles zu schaffen, in der vorgegebenen Zeit. Das ist einfach zu viel für mich."
Ja, das stimmt. Ich bin ungnädig mit mir selbst. Ich vergleiche mich mit anderen und bin einfach unzufrieden, wenn es nicht so schnell vorwärts geht wie es gehen könnte. Nicht so schnell und leicht wie andere das - so glaube ich - schaffen. Dann fühle ich mich klein und schlecht.

"Oh Anja", sagt mein Herz, "es schmerzt mich, das zu hören. Wärst du anderen gegenüber auch so hart wie dir selbst gegenüber?"
Nein, wäre ich nicht. Ich würde anderen die Zeit lassen, die sie brauchen. Ihnen wünschen, dass sie liebevoll mit sich selbst sind und anerkennen, dass es manchmal eben nicht so schnell geht wie andere Anteile in einem selbst das wünschen.

"Warum gibst du dir selbst nicht diese Liebe?", fragt mein Herz.
Weil es so schwer ist, liebevoll zu mir selbst zu sein. "Ja", seufzt mein Herz, "das fühle ich."

- Wir beide schweigen eine Weile. -

"Weißt du was?", fragt das Herz mich. Was? frage ich. "Ich habe dich genau so lieb wie du bist, Anja", lächelt mein Herz mich an. "Obwohl du weicher zu dir selbst sein könntest. Obwohl es dir manchmal noch schwer fällt, liebevoll mit dir selbst umzugehen und dir zu verzeihen, wenn es nicht so läuft wie du es dir wünschst. Ich sehe, wie sehr du dich entwickelt hast. Das gibt mir ein warmes und glückliches Gefühl. Ich glaube an dich und daran, dass du es Schritt für Schritt schaffen wirst, immer noch liebevoller mit dir selbst umzugehen."

Ich bin zu Tränen gerührt. Das fühlt sich gut an. In mir selbst ist es jetzt licht und hell. Tränen der Rührung fließen hinab und tun mir so gut.

Ich bin erfüllt von einem stimmigen Gefühl.

Das Wetter draußen erinnert mich jetzt an Momente, wenn ich ungnädig mit mir selbst bin, quengle, unzufrieden bin. Und ich entdecke die vielen besonderen Schattierungen des Graus in den Wolken. Es sieht phantastisch aus.

Ja, vielleicht ist dafür das Novemberwetter gut: Um in mir selbst ein Licht zu entzünden. Mir selbst Gutes tun. Mir selbst Energie zu spenden. Mir selbst eine liebevolle, aufmerksame, verständnisvolle und ermutigende Mutter zu sein. Seufz.

Ja, das fühlt sich gut an.

Von Herzen

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 16 November, 2009
Thema: Blog - 2009, 2. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage
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