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Mut zum Größenwahn. Für Frauen.

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Dieses herrliche Zitat schickte mir eine nette Studentin, mit der ich mich per Mail austausche. Es hat mir so gut gefallen, dass ich daraus eine E-Card erstellt habe. Beim Foto konnte ich mich zwischen einer leeren Wäscheleine mit einigen Klammern und diesem Bild einer im Wind über dem Meer segelnden Möwe erst nicht entscheiden. Dann fand ich die Wäscheleine zu klischeehaft.

Ich hoffe, die Karte gefällt Ihnen/dir - ebenso wie mich der Text direkt angesprochen hat.

Sind wir Frauen größenwahnsinnig? Eher nein. Wir spielen zwar in Politik, Unternehmen und Medien eine immer größere Rolle, aber von einem Größenwahn sind wir noch so weit entfernt wie mal auf dem Mond zu spazieren. (Nicht weil wir nicht zum Mond können, sondern es weder wollen, noch uns erlauben dass das für uns möglich ist. Ich spreche hier sicherlich nicht für alle Frauen, denn es gab schon Frauen im All. Nur noch nicht auf dem Mond.)

Größenwahn verstehe ich in dem Zitat weder als psychische Krankheit - sich also für jemand Berühmten zu halten, noch als den Eifer andere in ihren Leistungen zu übertreffen. Ich verstehe es als Idee, weg vom mich selbst klein machen hin zur wahrhaftigen Größe, zum Ausleben der inneren Möglichkeiten und zum Greifen nach den Sternen.

Unser Bereich ist traditionell die Familie, das Versorgen, gestalten, ordnen. Hier zeigt sich mein Größenwahn vielleicht ein wenig, wenn ich an meinen Anspruch denke, möglichst alles perfekt zu haben, keine Fehler zu machen. Ist überholt, habe ich abgelegt bzw. bin in manchen Bereichen noch dabei. Wer unangemeldet bei uns klingelt, darf sich über Staub auf den Möbeln, Hundewolle auf dem Boden, Flecken auf der Spüle und keine penible Ordnung freuen. Einzig an meinem schlechten Gewissen 'das geht doch nicht, wie sieht es hier aus, was bist du für eine 'Haus'frau?' muss ich arbeiten. Ich bin keine Hausfrau. :o)

Bei meiner Mama habe ich was anderes gelernt. Sie macht die Hausarbeit gerne, bügelt auch die Küchentücher. Jede Woche wurde zu Hause geputzt, es war und ist immer aufgeräumt. Ich hab' noch nie gerne geputzt oder gebügelt. Das Bügeleisen hängt eingestaubt über dem Bügelbrett am Kellerabgang. Ich falte die Wäsche nur ('streichle' sie glatt nach dem Vorbild einer Freundin) und falls mal eine Bluse oder ein Hemd dabei ist, gönne ich ihnen und mir einen Besuch in einer Reinigung.

Auch kochen gehört nicht zu meinen Favoriten. An letztem will ich arbeiten. Den Rest mache ich/wir, wenn Besuch angemeldet kommt :o) oder wenn es mir zu dreckig wird. Oder mein Mann, wenn es ihm zu schmutzig ist ... da er Schornsteinfeger ist und täglich mit Russ - also viel Dreck - konfrontiert wird, kommt das seeeehr selten vor. Was haben wir uns früher wegen diesem Thema gestritten. Unterschiedliche Ansprüche prallten aufeinander. In 22 Jahren Beziehung habe ich eine große Lockerheit von meinem Mann angenommen. Er nimmt es nicht genau. Und ich lies meine Ansprüche immer mehr los.

Es gibt keinen jede-Woche-wird-geputzt-Rhythmus mehr. Natürlich freuen wir uns beide, wenn es frisch geputzt ist. Das brauchen wir aber nicht, um uns wohl zu fühlen. Putzfrau wäre schön, ist aber nicht vorhanden. Noch nicht? :o) Solange muss ich damit leben, dass es 'knüsselig' (nicht so tippitoppi) bei uns ist. Ich gehe einfach nicht im Schrubben auf. Da liege ich lieber auf der Couch und lese. Es gibt wichtigeres für mich. Ich brauche eigentlich nur noch dazu stehen: Nein, bei uns kann man nicht vom Boden essen. Es sei denn, Sie wollen das und melden sich an. :o)

 

Dieser Spruch - jetzt passt das Wäscheleinen-Bild doch - hing bei uns zu Hause im Flur. Mir hat der Spruch immer schon gut gefallen und er entspannt so herrlich.

Zurück zum Größenwahn außerhalb des Haushalts. :o)

Der passt zu einem Blogartikel, den ich gestern begonnen habe:

Wo ist die Bremse?

Ich bin nicht die 'Ich geb Gas - ich will Spaß!'-Type, obwohl ich das reizvoll finde.

Als ich so 14/15 war, sind meine beiden Geschwister und ich rüber zu meinem Onkel gelaufen, um sein neues (relativ leichtes, kleines) Motorrad zu bewundern. Wir durften uns sogar draufsetzen und auf der Wiese einige Meter fahren. Meine Schwester und mein Bruder waren Feuer und Flamme, probierten aus, fuhren eine Runde.

Was mache ich, als ich auf dem Zweirad Platz nehme? "Wo ist die Bremse?" Nicht nach dem Gas oder der Kupplung frage ich. Nein, wo ist die Bremse.

Ich finde das fast sympthomatisch für viele andere Situationen in meinem Leben. Ich schaue zuerst: Wo sind die Grenzen? Wo die Fallstricke? Was darf ich, was darf ich nicht?

Statt einfach loszustiefeln und unbedarft zu gucken und zu probieren. Ich habe viel zu viel Angst, jemandem auf die Füße zu treten, ein Gesetz zu überschreiten, etwas falsch zu machen. Mannomann. Tiefes Seufzen. Beim Motorrad-Ausprobieren war mir das 'Ding' höchst suspekt. Ich dachte daran, was mir alles passieren könnte oder dem neuen Gerät, wenn ich einfach mal losdüse...

Auf der einen Seite ist es gut und wichtig, den 'rechten' Weg zu beschreiten. Auf der anderen Seite: Kann es der richtige Weg sein, wenn dadurch die Kreativität, der Unternehmergeist und die Lust aufs Neue ins Stocken gerät?

Für mich sind die Rechtstexte im Webshop so ein Ding. Rechtstexte machen mich müde. Am liebsten würde ich es mit einfachen Worten handhaben. Es gibt aber viele gesetzliche Regelungen, wo Texte vorgegeben sind. Also: Genau damit auseinander setzen und das strengt mich an. Weil ich es richtig machen will und ja nichts falsch machen.

Als Laie kann ich gar nicht alles überblicken, deswegen habe ich mir Hilfe vom Händlerbund geholt, worüber ich rechtssichere Texte bekomme, Beratung wie ich den Webshop so einrichte, die Produkte so beschreibe, dass an alles gedacht wird. In erster Linie ist das zum Schutz der Verbraucher (was ich sehr wichtig finde und wofür ich mich gerne ins Zeug lege) und in zweiter Linie zum Schutz vor Abmahnungen (deren mögliche Höhe macht mir Sorge und blockiert mich in meinem Schaffensprozess). Wäre schön, wenn der Gesetzgeber diesbezüglich auch die Unternehmerinnen schützen könnte.

Manchmal lähmen mich neue Regelungen (dieses Jahr gab es wieder große Veränderungen, weil auf EU-Ebene angepasst wurde) so sehr, dass ich gar keinen Bock mehr habe.

... und dann schaue ich mir die Kalender und Karten an, denke an meine Schaffensfreude, das Feedback meiner lieben Kundinnen und Kunden und weiß wieder, warum ich das gerne mache und gehe weiter auf meinem Weg. :o)

Im Bereich Gesetze/Verwaltungskram fehlt mir vielleicht ein wenig Größenwahn oder besser die Unbedarftheit und Lockerheit, weil ich zuerst schaue, was ich alles beachten muss, statt einfach zu machen und loszustiefeln. Da ich eine Eine-Frau-Unternehmung bin, ganz schön viel Aufwand für mich alleine. Trotz professioneller Dienstleister, die mich unterstützen.

Mit den Lebensjahren lernt man immer mehr Regeln kennen und was passieren kann und das bremst natürlich die Kreativität und Freude... Wie beim Motorradbeispiel aus meiner Jugendzeit: Ich schaue erst nach der Gefahrenabwehr, statt das Gas aufzudrehen und mich auf die Fahrt zu freuen. :o) Ein bisschen mehr Gas und weniger Bremse könnte nicht schaden.

Was ich mir wünsche und was auch glaube ich am besten zum obigen Größenwahn-Zitat und Bild passt, ist der Gedanke und Hinweis, doch mal weit zu schauen. Mein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen und klein-klein zu denken, sondern größer, weiter nach oben zu schauen, wo die Möwe hinschauen kann. Wenn ich ein Ziel habe, das größer und konkreter ist als 'ich mache jetzt mal was', dann werde ich auch dorthin kommen. Wenn ich immer nur Nudeln mit Soße koche, gibt es immer nur Nudeln mit Soße.

Schaue ich mir aber ein interessantes, neues Rezept an, dann gewinne ich Lust, was Neues auszuprobieren und komme ganz woanders hin, wie die zauberhafte Ratte im Zeichentrickfilm Ratatouille, die davon träumt eines Tages Chefkoch im besten Pariser Restaurant zu sein. Ihre Reise ist einfach herrlich, ermutigend und belebend.

Also, wo ist mein Größenwahn? Wo ist meine kleine süße Ratte in mir, die große Träume hat?

Das gute, den Schatz, den wir Frauen in uns tragen: Wir können nicht nur Träume: Wir können auch die Umsetzung!

Wir können planen, ordnen, sauber arbeiten, vorausschauen, ans Team denken.

Was ist mein Traum, wenn ich ganz weit schaue wie die Möwe?

Dann verdiene ich mit dem Schreiben, mit meinen Texten, Bildern, Fotographien meinen Lebensunterhalt. Dann habe ich viele Bücher veröffentlicht, auch Seminare gegeben und Coachings. Schritte auf dieses Ziel hin habe ich schon unternommen. Und auch Erfolge erzielt, wie die beiden Sachbücher, die 2001 bei Kösel und mvg erschienen sind oder meine Kalender, mein Blog, meine Monatlichen Impulse, meine Workshops und vielen Coachings. In den letzten Jahren habe ich mich auf einen Bereich stärker konzentriert. Erfahrungen gesammelt. Mich weiter entwickelt. Mal sehen, wo und wie es genau weiter geht. Ich will mich heute nicht festlegen, weil es mich stresst. Deswegen habe ich auch nicht: Ich will Bestseller-Autorin sein geschrieben. Ach, warum eigentlich nicht?

Eine glückliche Anja Kolberg

Direktlink dieses Artikels, um darauf zu verweisen:
https://www.frauencoaching.de/archives/2014/10/entry_6865.html
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Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 24 Oktober, 2014
Thema: Blog - 2014, 2. Halbjahr, Blog - Mich selbst annehmen
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