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Mittwoch, 19 April, 2017

Diagnose. Kopf hoch. Renovierung. Bewegung. Zahn-OP. Glutenfrei. Zuckerfrei. Ergebnisse (Teil 2)

Hier die Fortsetzung meiner Erlebnisse der letzten Wochen... (Den Anfang finden Sie hier.)

Im Bioladen fand ich meine Lösung: 3-Korn-Flocken aus Buchweizen, Reis und Hirse von Spielberger Mühle. Das bereite ich mir morgens als Müsli zu. Es wird mit einer Pflanzenmilch aufgekocht. Erst nahm ich Mandelmilch, bis ich entdeckte, dass die normale auch mit Zucker versetzt ist. Also, wo überall Zucker drin ist... manchmal unter anderen Namen wie z.B. Saccharose oder Glukose.

Die ungezuckerte Variante der Mandelmilch schmeckte mir nicht, so landete ich beim Reisdrink, der durch die Verarbeitung natürlicherweise leicht süß schmeckt. Im Topf landen ebenso: Ein Apfel, klein geschnittene Trockenfrüchte, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam, geschrotteter Leinsamen, Kurkuma, etwas Pfeffer und ein Eßlöffel Kokosöl. (Samen, Nüsse, Kokosöl, weil Nährstofflieferanten. Kurkuma wirkt antientzündlich und soll mit etwas Pfeffer besser wirken. Ich habe mir halt meine eigene Mischung ausgedacht und gut vertragen.)

Wenn es kocht, wird die Platte abgestellt, der Topf bleibt drauf stehen. So kann es quellen. Nach kurzer Zeit - inzwischen ist die Küche aufgeräumt und der Tee gezogen - wird der Frühstücksbrei gelöffelt. Lecker. Es macht mich so satt, dass ich bis nach Mittag keinen Hunger habe. Erstaunlich, hatte ich sonst mittags mit meiner Brötchenvariante extremen Hunger, so dass mir fast schlecht war und ich aggressiv wurde. Das ist jetzt weg. :-) Angenehme Nebenwirkung.

Auf den Zucker zu verzichten, war schwerer und auch leichter als gedacht.

Zum einen habe ich ein Video gesehen, in dem eine junge Frau erklärt, was Zucker im Körper anrichtet. Das hat mir geholfen, zu verstehen, warum er nicht gut ist. (Ich weiß nicht mehr, welches Video das ist. Wenn ich es wiederentdecke, werde ich es verlinken.)

Dann habe ich angefangen, den Zucker wegzulassen. Gelesen, wo überall Zucker drin ist. Zum Beispiel auch in meiner Mandelmilch vom Frühstück. Das war keine Umstellung von heute auf morgen, sondern zog sich über einen längeren Zeitraum. Da ich durch das Müsli bis mittags so gut satt war, hatte ich kein Verlangen nach etwas Süßem. Das kommt bei mir abends erst auf. Wenn ich abends Zuckerhunger hatte, hab ich mir öfter einen Nachtisch aus Kakaopulver (pur, also ohne Zucker oder sonstwas) mit Chiasamen und Agavendicksaft als Süße und mit Pflanzenmilch gemixt. Das schmeckte erstaunlich lecker.

Zucker scheint einen Suchtfaktor zu haben. Am Anfang war es schwer, je weiter ich davon ab bin, desto leichter wird es. Schielte ich anfangs noch wehmütig zu ihm rüber, macht es mir inzwischen nichts mehr aus, wenn mein Mann abends Schokolade isst. Wenn ich bei Einladungen doch mal Zucker esse, ist es, als fängt die Gier von vorne an, wenn auch nicht so schlimm. Also zurück besinnen: Warum mache ich das eigentlich? Dann geht es.

Mein erster zucker- und glutenfreier Kuchen schmeckte. Es war leckeres Konfekt aus Haselnussmehl, Kokosflocken, Kakao, Kokosöl, Datteln. Wurde noch nicht mal gebacken, sondern einfach im Kühlschrank geparkt. Köstliche und sogar noch gesunde Leckerei. Schon weg, kein Foto mehr möglich. :-) Der Kuchen schmeckte auch meinem Mann, der meinte, es erinnert ihn an "Kalten Hund", allerdings ohne Butterkekse. Mit Süßkartoffeln hab ich auch schon eine Schokotorte probiert. Auch gut. An Ostern gab es eine rohe (also ungebackene) Erdbeer-Schokotorte mit Avocados, die unwahrscheinlich satt machte. Toll, wie viele Möglichkeiten es gibt!

Keine Frage: Meinem Mann schmeckt vieles nicht. Aber es gibt auch gemeinsame Nenner, die wir finden. Und dank der Rezeptplattform Chefkoch.de ist zur Gemüsekiste immer ein gluten-, zuckerfreies und veganes Rezept gefunden, das für meinen Mann mit Käse, Fleisch oder Ei aufgepimmt werden kann, wenn er es möchte. Wenn es Nudeln gibt, kochen inzwischen zwei Töpfe auf unserem Herd. Einer mit glutenfreien Nudeln, einer mit normalen Hartweizennudeln. Auch das geht.

Die Kompressionsstrümpfe waren eine Herausforderung. Frisch angezogen übten sie so einen starken Druck auf meine Beine aus, dass ich nur noch sauer und traurig war. Puh! Zudem schnitten sie schmerzhaft in der Kniekehle ein und sie rutschten... Kaum gebückt, spürte ich wie sie tiefer rutschten. Schnief. Das war eine heftige Zeit. Oben am Abschluss ist ein Silikonband eingelassen, das eigentlich dafür sorgen soll, dass sie an ihrem gewünschten Ort bleiben. Um auszutesten, ob sie fest sitzen bleiben, begann ich mich mehr zu bewegen, mittags kleine Spaziergänge zu machen. Kaum hatte ich die geänderten Strümpfe aus dem Sanitätshaus zurück, ging ich mittags eine Runde spazieren. Sie rutschten wieder. Zurück ins Sanitätshaus. Im nachhinein kann ich sagen: Wie gut, dass die Strümpfe rutschten (auch wenn mich das extrem nervte), so hatte ich einen Grund für die Bewegung und damit fing etwas wunderbares an. ;o) Hier lesen Sie mehr über meine Reise durch die Natur und Jahreszeit: Ich bin auf dem Weg. Vom Glück draußen zu sein. 

Ich sollte die Strümpfe eigentlich auch beim Sport anziehen, weil dies die Kompression verstärkt. Doch ich lief mir Blasen unter den Füßen (die Kompression quetscht die Füße etwas zusammen und an der Fußsohle entstand so eine Blase) und die Haut im inneren Oberschenkelbereich entzündete sich. Jeder Schritt war eine Qual. Ich stand irgendwann vor der Entscheidung: Entweder mit Walken aufhören und die Strümpfe tragen oder weiter Walken und Strümpfe in der Zeit weglassen. Für letzteres entschied ich mich.

Irgendwann war die Lösung für das Rutschen gefunden. (Zweites Haftband. Mehrfach mit der Maschine waschen, damit die Impägnierung raus geht. Von Hand waschen reicht nicht.) Die Strümpfe rutschen heute kaum mehr. Beim Sport lasse ich sie immer noch weg. Ich traue mich gar nicht mehr, es auszuprobieren, weil die Blasen und Schmerzen mich tagelang quälten.

Ich freue mich darüber, dass ich inzwischen an Beinumfang verloren habe. Das kommt schwarz auf weiß ans Tageslicht, wenn die Beine im Sanitätshaus ausgemessen werden. Das motiviert mich sehr.

Im Buch Lipödem las ich, wo Muskeln, da kein Speck. Muskeln bewegen die Venenpumpe und die Lymphe kommen in Bewegung. Auch diese Information motivierte mich, mich mehr zu bewegen. Nicht, dass ich das vorher nicht auch gewusst hätte, aber manchmal braucht es viele Steine, die ins Rollen kommen, damit es "Klick" macht.

So wurde aus der Test-Bewegungsrunde für die Kompressionsstrümpfe ein tägliches Ritual. Die Bewegung an der frischen Luft - genau was ich als Abwechslung zu der Schreibtischarbeit brauchte. Inzwischen gehe ich nahezu jeden Tag walken. Es tut mir gut und ich liebe es, die Veränderungen der Natur jetzt im Frühling zu beobachten.

Alles, was hilft und mir stimmig erscheint, probiere ich aus. Ich bürste meinen Körper morgens und abends trocken ab, um den Lymphfluss positiv zu beeinflussen, trinke auch dafür bis zu drei Tassen Steinklee. Ich höre meinen Physiotherapeuten und Ärzten gut zu, wenn sei mir Tipps geben und was andere Betroffene in Selbsthilfegruppen für gute Erfahrungen gemacht haben. So mache ich inzwischen auch Dehnübungen für meine Beine und Faszientraining. Ich brauche ich noch Zeit, dies in meinen Alltag zu integrieren. Derzeit fällt mir das Training mit der Faszienrolle schwer, weil ich nicht die Muskelkraft in den Armen habe, die ich dafür brauche. Dann mache ich es eben so gut ich kann. Irgendwann wird es besser werden....

* ~ *

Heute 19.4.2017

Seit der Diagnose sind fast vier Monate vergangen. Erstaunlich, was so eine "blöde" Diagnose in Bewegung bringen kann. Wie ein Uhrwerk haben sich alle Veränderungen ineinandergefügt. Die neue Zahnwurzel aus Keramik ist gut eingewachsen. Mit den Strümpfen habe ich mich inzwischen so gut es geht arrangiert. Bald gibt es eine Kombination aus Kniestrümpfen und Caprihose statt nur Oberschenkelstrümpfe. Sicher werde ich mich auch daran eines Tages gewöhnen. Immerhin gibt es sie jetzt in einer frischen Farbe: Dunkles Türkis. Da ich die Strümpfe besonders im Sommer tragen muss, wird das noch ein Abenteuer, die richtige und passende Kleidung zu finden, die nicht zu warm ist, nett aussieht, worin ich mich wohlfühle. Auch das werde ich noch schaffen.

Noch eine gute Nachricht: Ich habe als Nebenwirkung der Ernährungsumstellung und Bewegung inzwischen mehr als 15 kg abgenommen. Bei ehemals Kleidergrüße 52/54 ist das eine super Sache.

Für meine Gesundheit bleibe ich dabei. Mir ist wichtig, meinen Körper nicht mehr unnötig zu beschweren. Das gelingt mir, weil ich begriffen habe, warum das wichtig ist, ich also eine Motivation, einen Grund habe. Es motiviert mich auch, endlich Gewicht zu verlieren, ohne darunter leiden zu müssen. Klasse.

In der Broschüre eines Kompressionsstrumpfherstellers las ich, was Betroffene für ihren Körper tun können: Normalgewicht erreichen. Ein positives Ziel, das mir gefällt. Ja, das will ich auch: Mein Normalgewicht erreichen, auch wenn es Zeit brauchen wird. Mein anderes Ziel ist, die Strümpfe nicht lebenslänglich tragen zu müssen. Die Schulmedizin sieht keine Heilung für Lipödeme, bedeutet also auch die Strümpfe ewig tragen. Ich will mich damit nicht abfinden und will daran arbeiten, ganz gesund zu werden.

Es gibt noch andere Baustellen. Da meine Konzentrationsprobleme immer wieder auftauchen, will ich jetzt noch weiter schauen, was ich für mich tun kann, was dafür möglichen Ursachen sind. Mein Leidensdruck ist hoch, sonst würde ich mich nicht so engagieren und da die Ärzte keine Lösung haben, muss ich selbst aktiv werden, obwohl ich eigentlich nicht will.

So habe ich schon einiges in die Wege geleitet: Ich schaue mir das Thema seit Dezember psychosomatisch mit meiner Therapeutin an.

Die Entfernung des Zahns ist auch ein wichtiger Punkt. Einen weiteren wurzelgefüllten Zahn habe ich noch, der auch Probleme macht. Wenn das jetzt mit diesem Implantat gut eingeheilt ist, ist der auch nocht dran.

Nährstoffmangel ist auch eine mögliche Ursache. Doch in den letzten Monaten und Jahren habe ich viel aufgefüllt: Vitamin D3, K2, B12, andere B-Vitamine, Magnesium transdermal, Selen, Zink, Eisen, Omega 3, Progesteroncreme und jetzt für die Beine auch OPC. Alles hat einen Anteil an meinem Wohlbefinden. Hier bleibe ich weiter am Ball, wenn auch mein langfristiges Ziel ist, nicht mein Leben lang Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Jetzt ist es noch so und es ist ok für mich.

Im Herbst las ich von einem inzwischen verstorbenen Arzt wie wichtig es ist, alle Umwelteinflüse, alles, was auf unseren Körper einwirkt, zu untersuchen. So tauschte ich in meinem Büro meinen alten Laserdrucker (Ich bin ein Dinosaurierer) gegen einen Tintenstrahldrucker aus.

Ein anderer Hinweis: Auch, was ich auf meine Haut auftrage, kommt in meinen Körper. Also womit hat meine Haut Kontakt? Ich verzichte möglichst auf Kosmetika. Seit einer Kontaktallergie, die nach der Renovierung unseres Hauses ca. 1996 in meinem Gesicht auftauchte, schminke ich mich nicht mehr - aber es gibt noch mehr, das Einfluss nimmt.

Deo, Duschgel, Shampoo, Waschmittel. Das Deo habe ich durch Natron ersetzt, klappt super. Die Zahncreme durch eine Mischung aus Natron und Rügener Kreide. Auch prima. Ich habe eine zeitlang versucht, mit Kastanien die Wäsche zu waschen, aber das Thema ist wieder eingeschlafen, ebenso wie Reinigungsmittel selbst zu machen. Auch Shampoo und Duschgel sind zwar bio, vegan und tierversuchsfrei, aber könnten weit weniger Inhaltsstoffe haben. Gut, nicht alles geht auf einmal.

Jetzt ist wieder meine Schilddrüse und meine Ernährung dran. Was kann ich hier noch tun? Irgendwie scheint alles zusammen zu gehören. Hashimoto. Liplymphödem. Unterfunktionssymptome. Wechseljahresbeschwerden. Mögliche Nebennierenschwäche. Stress. Darm. Ich recherchiere weiter. Habe mich mit Mitochondrien beschäftigt. Ich brauche immer wieder Zeit, gerade bei meinem Nebel im Kopf, alles zu verarbeiten, daraus Schritte abzuleiten und sie langsam in meinen Alltag zu integrieren.

Manche Dinge sind schon zur Gewohnheit geworden wie das Walken oder der Verzicht auf Zucker und Gluten. Schwierig wird es für mich bislang nur bei Einladungen oder aus essen gehen. Auch das wird sich noch einspielen. Ich hatte auch schon Krisen und habe dann einige Esslöffel meiner noch übrig gebliebenen veganen Nusscreme genascht. Am nächsten Tag mache ich einfach weiter. Darauf kommt es an. Nicht das Hinfallen ist ein Problem, wichtig ist das Aufstehen und Weitergehen. Jeder Schritt zählt.

Erstaunlich wie viel ich schon ausprobiert und wieder verworfen habe. Ich bin auf dem Weg. Zu mir und meiner Gesundheit. 2017 habe ich mir vorgenommen, ist das Jahr meiner Gesundheit. Darauf konzentriere ich meine ganze Kraft.

Übrigens hat es sich so eingespielt, dass ich vom Schreibtisch aufstehe und irgend etwas anderes mache, wenn ich mich trotz bemühen nicht konzentrieren kann (und neuerdings auch Schwindel habe), was die Arbeit am Schreibtisch unmöglich macht. Entweder stelle ich die Waschmaschine an, räume die Spülmaschine aus, kraule unsere Hündin, lege mich kurz auf die Couch oder gehe walken. Das lenkt mich ab und meist wird es danach besser.

Himmel, ist das alles eine Detektivarbeit. Was ich in den letzten Monaten für Symptomtagebücher geschrieben habe... Irgendwann ist alles klar.

Irgendwann kommt der Tag, da bin ich gesund und frei und fit. Daran arbeite ich mit vollem Herzen.

Das war meine Geschichte der vergangenen Monate. Ich bin so froh, es jetzt endlich aufgeschrieben zu haben. HÜHPF!

Ihre Anja Kolberg

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