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Maus(e)tod?

Tatort: Unser Garten.
Tatzeit: Letzten Sonntag, 1.30 Uhr

Ein paar Stunden zuvor: Eine Mausefalle wird aufgesetzt. Mäuse nämlich flitzen des Nachts immer über unsere Terrasse. Wir wollen sie ins Feld umsiedeln. Missglückt ist Tage zuvor der Marshmallow-Köder. Nicht, weil er der Maus nicht geschmeckt hat, sondern durch den Regen so verklebt ist, dass die Maus ihn genüsslich auffuttern konnte, ohne dass das Türchen zufiel. Diesmal ist ein Stück Waffel unser Lockvogel.

1.30 Uhr: Wir kommen von einer Fete (im Bergischen - eine Freundin wurde 40 und ich habe gaaaanz viele Leute von früher wieder gesehen - das war toll!) und diesmal ist die Falle wirklich zugeschnappt. Ein winzig kleines Spitzmäuschen sitzt darin und putzt sich. Sieht süß aus. Direkt morgen früh bringen wir sie ins Feld.

Der Morgen danach: Guido will die Maus ins Feld bringen, während ich mit Minu unsere Runde drehe. Als ich auf die Terasse sehe, hockt mein Mann neben der Maus am Boden: "Ich glaube, sie liegt in den letzten Zügen." Entsetzen bei mir. Nein, wir wollten doch, dass die Maus lebt! Ich schaue mir die Maus an, die auf dem Rücken liegt und sich windet, sehr langsam in ihren Bewegungen. "Ob sie Bauchschmerzen hat, weil sie zuviel gefressen hat?" frage ich meinen Mann. "Glaube ich nicht." "Oder ihr ist zu kalt geworden", schließlich stand die Mausefalle auf den Holzkästen und da war es windig, kalt und nass und wir haben darüber natürlich nicht nachgedacht. Mist!

Was tun? "Weißt du was, ich hole eine Kiste und dann holen wir sie rein. Dort ist es etwas wärmer und vielleicht erholt sie sich ja." sage ich und laufe ins Haus. Mein Mann hebt das winzige Ding am Schwanz hoch und legt sie in die Kiste. Sie bewegt sich immer noch. Wir verschwenden nicht wirklich einen Gedanken daran, dass sie abhauen könnte, weil sie so schwach ist und kaum noch Leben zu sehen ist. Drinnen nehme ich etwas Küchenpapier, um sie ganz vorsichtig warm zu reiben. Ich habe keine Angst vor ihr, sie tut mir wirklich leid. Meinem Mann geht es ähnlich. Seit dem wir Minu haben, kann ich kein Tier mehr leiden sehen.

Die Rettungsaktion startet: Ganz vorsichtig streichle ich mit dem Papier über ihr Fell. Das scheint ihr gut zu tun. Dann fängt sie an zu zittern. Und was macht mein Mann? Ich höre den Wasserhahn laufen, dann legt er eine Wärmflasche unter die Kiste und wir starren gespannt auf die Maus. Sie hat noch ganz zarte Füßchen. Ist es vielleicht noch ein Baby? Die Wärme scheint ihr gut zu tun. Sie fiept ein bischen. Aha, Hoffnung keimt auf. Das Futter, das mein Mann noch in die Kiste legt, rührt sie zwar nicht an, aber sie bewegt sich immer mehr. Die Nase bewegt sie wie ein Ameisenbär. Süß! Sicherheitshalber stellen wir die Kiste wieder nach draußen, mein Mann legt die Wärmflasche darunter und ich baue darüber aus dem Küchenpapier ein Zelt.

Wir kommen auch gar nicht mehr auf den Gedanken, sie wieder in die Falle zu legen. "Sie bekommt eine Gnadenfrist und darf noch einige Zeit in unserem Garten bleiben" beschließen wir. "Vielleicht will sie auch zu ihrer Mutter zurück", grüble ich. Wir schließen die Türe und frühstücken erst einmal in Ruhe. Ich weiß gar nicht, wie oft wir uns die Finger waschen, aber das leidende Tierchen war uns wichtiger. Als wir danach wieder in die Kiste schauen, ist sie leer. Die Maus hat sich erholt und ist wieder unterwegs. Jetzt freuen wir uns richtig. Was für ein Erfolg.

Kitschig? Nein, nicht für uns, sondern ein unbeschreiblich warmes und gutes Gefühl.

Von der Mauserettungsfront

Anja & Team

Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 27 September, 2007
Thema: Blog - 2007, 2. Halbjahr, Blog - Garten - Herbst, Blog - Vegan werden und leben
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