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Ich sage "Nein", wenn ich es fühle.
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Impuls für den September
Ich sage "Nein", wenn ich es fühle.

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Treffender könnte das September-Kalenderblatt für mich persönlich nicht sein. Ich spüre wie unendlich schwer es mir fällt, wirklich "Nein" zu sagen, wenn ich ein "Nein" fühle, es ist wie mich durch ein Nadelöhr zu zwängen. Überhaupt erst einmal zu erspüren, dass das knubblige Gefühl, das Unwohlsein, meine Reaktionen auf eine Frage, einen Befehl, eine Erwartung, eine Bitte ein innerliches "Nein" bedeutet. Wer viele Jahre oder Jahrzehnte den Erwartungen der Menschen in seinem Umfeld entsprochen hat, wer immer "Ja" sagte, auch wenn er es lieber nicht getan hätte, wer Angst hat vor den Reaktionen der Anderen auf ein "Nein", wer fürchten muss, deswegen nicht mehr geliebt zu werden, Ärger zu bekommen und weggestoßen oder gemieden zu werden, wer gegen langjährige Regeln verstößt, hat Erfahrungen gemacht, die diesen neuen Weg des "Nein" schwer machen.

Schwer heißt nicht, dass es nicht geht.

Schwer heißt für mich, mit dem leben zu können, was ein ausgesprochenes "Nein" auslösen kann. Doch ebenso schwer ist auch ein "Ja", dass sich wie ein "Nein" anfühlt und gegen die inneren Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle ausgesprochen wird. Der Ärger wird geschluckt und schlummert dort im Körper und sucht sich sein Ventil: Schlechte Laune. Kopfschmerzen. Traurig sein. Wut. Niedergeschlagenheit. Und Ersatzbefriedigungen: Essen. Kaufen. Rauchen. Trinken. Spielen...

Gesund ist das Gegenteil. Gesund ist es "Nein" zu sagen, wenn ich es fühle.

Ein "Nein" von einem Menschen, der immer "Ja" gesagt hat, kann beim Gegenüber Unverständnis auslösen. Die anderen werden vor den Kopf gestoßen, sind damit konfrontiert, dass es nicht mehr so bequem und einfach weitergeht wie bisher. Das ruft Gefühle beim Gegenüber hervor: Entsetzen. Wut. Beleidigt sein. Panik. Angst. Entrüstung. Ärger. Traurigkeit. Selbstzweifel...

Es sei denn, das Umfeld kann damit umgehen, dann ist das "Nein" akzeptiert und willkommen. Dann keimt Verständnis auf und das Gefühl, selbst "Nein" sagen zu dürfen. Wenn diese Kultur jedoch nicht existiert, gibt es eine Veränderung im oft lange bestehenden System und die ist für alle am System beteiligten (Familie, Freundeskreis, Kollegen...) bewusst oder unbewusst spürbar. Es verändert sich was am gewohnten Ablauf. Veränderung, die von außen und nicht von uns selbst kommt, ist oft schwer anzunehmen, besonders wenn sie lieb gewonnene Gewohnheiten, Bequemlichkeiten oder jahrelang bestehende Regeln in Familie, Freundes- oder Kollegenkreis berührt.

Mit all dem kann ich rechnen, wenn ich mich traue, ein "Nein" auszusprechen, das ich fühle, statt es wie gewohnt runterzuschlucken und zu nicken.

Zu sehen, dass es einem anderen nicht gut geht, weil er mit seinen Reaktionen auf mein "Nein" zu kämpfen hat - das ist Gefühlshorror für mich. Lieber soll es mir schlecht gehen, als dass es einem Menschen, den ich gerne habe, wegen meiner Ablehnung schlecht geht. Ich merke jedoch, dass ich nicht mehr gegen mich selbst handeln kann. Das bedeutet auch, mit all dem umgehen zu lernen, was mein neues Verhalten auslöst.

Einfach ist der Weg nicht. Deswegen kommt die Blüte der Echinacea zu Hilfe. Diese Gartenstaude ist eine Heilpflanze und stärk die körperlichen Abwehrkräfte, das Immunsystem. Auf der seelischen Ebene wirkt sie wie im Buch "Blütentherapie und Naturerfahrung" zu lesen ist, so: "Kernintegrität; Fähigkeit, sich zu sammeln und die Sammlung aufrecht zu erhalten, besonders bei ernsthafter Herausforderung; Würde bewahren."

Ich bin gerade sehr berührt, wie dies alles zusammen passt, denn als ich den Kalender im vergangenen Jahr entwarf, fügte meine Intuition Text und Bild zusammen. Jetzt erfahre ich in der Praxis wie die Herausforderung des "Nein" und die stärkende Wirkung der Echinacea, die auf dem Kalenderblatt für September abgebildet ist, zueinender passen. Ich schließe die Augen, halte mein Gesicht für einen Augenblick in die Morgensonne, die in mein Büro scheint und genieße diesen für mich besonderen Moment.

Ich interpretiere den Text so: Die Pflanze hilft mir dabei, zu mir zu stehen, die Gesamtheit meiner Gefühle wahrzunehmen und bei mir zu bleiben, auch wenn es schwer wird, wirklich zu mir zu stehen und mich zu verstehen, wenn es Gegenwind gibt. Ich bewahre mir meine Würde, meine Integrität mir selbst gegenüber.

Das "Nein" ist ein wertvoller Schritt auf dem Weg zu mir selbst. Wirklich zu mir stehen, authentisch und gesund zu leben.

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass es mir von Mal zu Mal leichter fällt, zu mir zu stehen und "Nein" zu sagen und meinem damit konfrontierten Gegenüber die Freiheit zu lassen, dass er darauf reagieren darf, wie es für ihn stimmig ist - ob laut oder leise, traurig, beleidigt, wütend, strafend, drohend oder mit einem wohlwollenden Nicken akzeptierend.

Ich wünsche Ihnen und mir einen zauberhaften September

Ihre Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 01 September, 2010
Thema: Blog - 2010, 2. Halbjahr, Blog - Monatliche Impulse
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