Sie befinden sich hier: Das 'Warum' ist entscheidend
Meine Ethik & die Folgen - Teil 5
« Frühlingsmonat März | Home | Wenn nicht jetzt - wann dann? »

Das 'Warum' ist entscheidend
Meine Ethik & die Folgen - Teil 5

Mein Verzichtgefühl auf altbekanntes Essen verschwindet mehr und mehr und flackert nur noch auf, wenn ich besonders appetitlich zubereitete Speisen mit Fleisch oder Milchprodukten sehe oder rieche... Doch das geht vorbei und neue Lebensqualität macht sich breit.

E-Card

"Wir haben in den letzten Wochen selten zweimal das Gleiche gegessen", bemerkte mein Mann, als wir abends Gemüseburger von Altnatura (haben uns beiden sehr gut geschmeckt) mit Backofenkartoffeln und Feldsalat (mit Essig-Öl-Senf-Pfeffer-Salz-Honig-Soße) auf dem Teller hatten.

Stimmt. Dabei gehöre ich nicht zu den Menschen, die am liebsten in der Küche stehen und die aufwändigsten Sachen probieren. Ich verbringe oft nur 1/2 Stunde Zubereitungszeit in der Küche und koche meist soviel, dass am zweiten Tag noch was zum Warmmachen übrig bleibt. Bisher schmeckte das meiste, was ich ausprobierte. Gott sei dank, muss ich sagen. Denn wenn's das nicht getan hätte, wäre es ein ganzes Stück schwieriger geworden. Obwohl:

Weil ich mich mit den Lebensbedingungen der Tiere beschäftigte und ein Mitgefühl für sie entwickelte, schaffe ich es, auf Käse, Ei, Wurst & Co. zu verzichten. Ich brauche mir nur vorzustellen, wie die Tiere vorm Schlachter warten und schon brauche ich das Fleisch nicht mehr. Oder ich denke an das Leben der Hennen in der Legebatterie oder an die flauschigen männlichen Küken, die auf riesigen Produktionsstraßen ihrem Schicksal entgegenfahren. Wie würde ich mich fühlen würde, wenn ich ein Kind hätte und es mir nach kurzer Zeit genommen wird, wie es den Kühen jedes Jahr erleben? Wie wichtig sind diese Lebensmittel dann noch?

Diese Gedanken helfen mir auf das zu verzichten, was mir schmeckt oder bisher schmeckte. Es gelingt mir nicht immer, denn bei fertigen Backwaren werde ich noch weich. Das ist ein Grund dafür, warum ich immer wieder neue Backrezepte ausprobiere, so dass ich immer weniger auf die Nachmittagssüßigkeiten aus der Bäckerei ausweichen muss. Das tolle: Ich finde immer wieder leckere Sachen.

Köstlichen Apfelkuchen zum Beispiel. (Wie in einem Kommentar unter dem Rezept angeregt, habe ich Rosinen, Walnüsse und Puddingpulver ergänzt.) Der Kuchen schmeckt prima. Ich würde nicht darauf kommen, dass darin weder Milch, noch Eier noch Butter enthalten sind. Auch meinem Mann hat er sehr geschmeckt.

Okay, ich musste auch schon Frösche küssen. Gar nicht lecker war ein Schoko-Bananenkuchen aus der veganen Vollwertküche. Das lag aber an meinen Fehlern und weniger am Rezept: In den Teig kamen getrocknete pürierte Datteln, ich nutzte Feigen, weil ich gar nicht auf die Idee kam, es handle sich um unterschiedliche Früchte... Und den Mandelmus für die Schokocreme machte ich selbst, beim Pürieren verbrannten die Mandeln. Ergebnis: Es schmeckte bitter. Wohlweislich belegte ich nur zwei Stücke vom Kuchen mit Bananen und dem Mus. Puh, was habe ich beim Probieren das Gesicht verzogen und mein Mann fands auch grausig. Ich werde den Kuchen nicht nochmal machen, wohl aber dem veganen Vollwertkochbuch, eine weitere Chance geben. Darin sind viele appetitanregende Fotos, die mich beim Blättern neugierig machten.

Wer weiß: Vielleicht handelt es sich bei dem geküssten Frosch doch um einen Prinzen? Ich habe es nur noch nicht erkannt?

Ich stehe mit meiner Unwissenheit nicht alleine da, das merke ich, wenn ich mich über meine Umstellung austausche: Mit einer Verkäuferin in der Bäckerei kam ich ins Gespräch, als ich ablehnte, diesmal etwas Süßes zu kaufen. Ich erzählte, ich habe diesmal selbst - ohne Ei, Milch und Butter - gebacken und sei auf dem Weg, Veganerin zu sein. Sie fragte, ob aus gesundheitlichen (würde jeder wohl sofort verstehen) oder aus anderen Gründen. Als ich ihr sagte, aus Mitgefühl, war ihre Reaktion: "Wieso? Kühe müssen doch gemolken werden? Es gibt doch extra Milchkühe." Ich berichtete ihr, obwohl ich neben einem Bauernhof groß geworden bin, war mir auch nicht klar gewesen, dass die Kühe für die Milch Nachwuchs bekommen müssen. Die Frau guckte betroffen und erzählte dann, dass ihre Tochter seit Jahren keine Milch mehr nimmt und zum Frühstück Haferflocken in Soja-Milch erwärmt (die von Alpro Soja würde ihr am besten schmecken) und dann noch Äpfel hinein schneidet und Zimt und Zucker darauf gibt. Leckere Idee!

Derweil macht mich die Milch-/Joghurt-/Käse-/Wurstwerbung immer wütender. Was werden wir mit Heile-Welt-Bildern für dumm verkauft!

Es kommt mir vor, als gäbe es zwei Welten: Die, in der ich bisher gelebt habe. Genug Wasser, genug zu Essen, gute Versorgung, Frieden, Alltag. Freiheit, soweit ich sie mir erlaube.

Die Parallelwelt: Menschen leiden unter Hunger, Durst, Krankheiten, unwürdigen Arbeitsbedingungen, Unterdrückung, Kriminalität und Krieg. Tiere werden in großen und kleinen Produktionsstätten tagtäglich ausgebeutet und getötet.

Das Kuriose: Die wenigsten von uns wollen, dass es in dieser Parallelwelt so zugeht (und es sie gibt). Warum gibt es sie dann noch? Vielleicht, weil vielen im Alltag die Zeit fehlt, wirklich hinzuschauen oder weil hinschauen weh tut und wir die Konsequenzen ahnen, die es hat, wenn wir hinschauen. Das Verlassen eines vermeintlich sicheren, bequemen und altbekannten Weges ist alles andere als leicht.

Deswegen ist das Warum entscheidend. Nur, wer eine Motivation hat, die aus dem Inneren kommt, ist bereit, einen neuen Weg einzuschlagen - mit allen Unannehmlichkeiten und Unsicherheiten, die uns auf dem neuen Pfad erwarten.

"Du kannst die Welt nicht ändern. Das bewirkt sowieso nichts. Du kannst den Tieren nicht helfen." So oder so ähnlich lauteten Reaktionen, die ich hörte. Ich sehe das anders. Ich möchte nicht länger in Lethargie verharren und mich dadurch innerlich abschneiden - wie ich es unbewusst lange getan habe. Ich möchte etwas tun, getreu dem Zitat von Gandhi.

Als Einzelperson trage ich einen kleinen Anteil dazu bei, dass sich die Welt verändert. Das empfinde ich besser als zu resignieren. Viele Menschen, die alle ein bisschen tun, haben Erfolg! Hier nur einige Beispiele:

  • Britische Bevölkerung wehren sich erfolgreich gegen den Bau einer Tierfabrik mit über 3700 Kühen - Meldung EU-Umweltbüro vom 17.2.2011 ist offline
  • Erfolg für Umweltaktivist/innen: Japanisches Industrieschiff bricht illegale Walfangsaison vorzeitig ab Bericht Focus
  • Weltweit größter Teehersteller stoppt vor Beginn einer neuen PETA-Kampagne alle Tierversuche für Tee [PETA Bericht offline]
  • "100 Millionen Menschen könnten zusätzlich ernährt werden, wenn die Industrieländer ihren Fleischverbrauch um nur 10% reduzieren würden. - An einem Tag, an dem wir uns vegetarisch ernähren, sparen wir bis zu 90 Badewannen voll Wasser. - Durch eine Reduktion des Fleischkonsums könnten der Klimawandel entscheidend begrenzt und die durch ihn verursachten Kosten um weltweit 20 Milliarden US-Dollar verringert werden. " Bericht auf halbzeitvegetarier.de, Webseite inzwischen offline

Jeder einzelne von uns hat also Macht. Deswegen beteilige ich mich weiterhin an Protestaktionen der Umweltverbände, Tierschutzorganisationen und schreibe Unternehmen an, um Änderungen anzustupsen. Heute zum Beispiel Hersteller von Mode in Übergrößen, damit auch sie künftig Kleidung nach GOTS-Standards produzieren und anbieten. Diese Standards sorgen für eine sozialverträgliche und umweltschonende Kleidungsproduktion.

Mir macht das so richtig Spaß! Ist ein bisschen wie Robin Hood spielen.

Es ist etwas in Bewegung. Ursprung dessen sind auch die vielen Verbraucher, die beim Einkauf genauer nachfragen, die Produkte aus der Massentierhaltung links liegen lassen oder sich mehr und mehr informieren. Die Zeitschrift Schrot & Korn, welche in vielen Bioläden kostenlos ausliegt und hier im Internet gelesen werden kann, finde ich sehr informativ (im Internet mit Bioladen-Suche).

In der Küche haben wir diese Woche Französische Zwiebelsuppe gekocht. Lecker! Mein Mann hat sich Käse in seine Suppentasse gerieben, ich habe dazu Brot mit Brotaufstrich gegessen. Die Suppe schmeckt auch am zweiten Tag noch toll. Einfach + vegan. Geschmeckt hat auch die Reis-Möhrensuppe (ca. 100 gr Reis und 300 gr geriebene Möhren mit 1,5 Liter Gemüsebrühe gar kochen, mit Gewürzen abschmecken).

Weiter geht's hier mit Geschmacks-Gewinn - Meine Ethik & die Folgen - Teil 6 

Trällernde Grüße aus Köln

Anja Kolberg

Wenn Sie diesen Beitrag verlinken möchten, nutzen Sie bitte diese URL: https://www.frauencoaching.de/archives/2011/03/entry_6657.html

Erstellt durch: Anja Kolberg am Sonntag, 06 März, 2011
Thema: Blog - 2011, 1. Halbjahr, Blog - Vegan werden und leben
Aktion