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Was ist im Leben wirklich wichtig?

Familie & Freunde. Das Leben auskosten.

Montag war ein besonderer Tag: Meine Oma feierte ihren 90. Geburtstag.
Alles Liebe von hier, liebe Oma, wenn du das liest. :o)

Als ich morgens einen heliumgefüllten Ballon besorgen wollte, am liebsten mit der Zahl 90, schüttelte die Balloni-Mitarbeiterin den Kopf. Nein, die aufgedruckten Zahlen gehen nur bis 60. (Komisch, dabei werden die Menschen doch immer älter!) Kein Problem, wir schreiben was Sie wollen drauf. Das Ergebnis sah herrlich aus und ich bekam meine 90. Der junge Mann an der Kasse sagte: 'Oh, 90, das ist ja toll.' 'Ja, sagte ich, wissen Sie, was das Beste ist? Meine Oma ist auch noch fit dabei, die steckt mich mit ihrer Energie locker in die Tasche.' :o) 'Und wissen Sie, was das Allerbeste ist? Ich habe die Alt-Werd-Gene geerbt.'

Meine Urgroßtante wurde fast 100 Jahre alt, geistig fit. Sie konnte immer noch mit herrlicher Betonung Gedichte vortragen. Dieses Jahr lebten noch vier Geschwister meiner Oma, die sogar noch Auto fahren und sehr beweglich sind. Gute Aussichten! Danke, lieber Himmel. Ich nehme mir eine große Portion davon!

Ich hab' mich so gefreut, all die Gesichter von Großtanten, Großonkel, Großcousinen, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins, Partnerinnen und Partner, Großnichten und -neffen und natürlich meine Eltern, Geschwister und das strahlende Geburtstagskind zu sehen.

Meine Lieblingsbeschäftigung an so einem Tag: Drücken. Ich mag es, Menschen liebzuhalten. Ich brauche nicht viel Worte, um mich so mit den Menschen zu verbinden und zu zeigen: Du bist mir wichtig. Umarmungen können so viel transportieren: Wärme. Gefühl. Wertschätzung. Herzlichkeit. Befindlichkeit.

Meine Patentante hatte mit meinem Onkel ihr Wohnzimmer ausgeräumt, Tische und Stühle herbei geschafft, damit alle Platz fanden. Was für eine Meisterleistung. So konnte meine Oma zu Hause feiern (die drei leben unter einem Dach) und das war für alle natürlich ein besonderes Wohlgefühl. Als lebt in diesem Haus ein besonders guter Geist - neben und mit den liebevollen Menschen darin.

Ich lade an so einem Tag meine Energiereserven für Wochen, wenn nicht Monate auf. Meine Familie gibt mir Kraft. Einfach, weil sie da ist. Wie schön, dass ich meine Oma und meine ganze Familie hab!

Inmitten der Vorfreude auf die Geburtstagsfeier überraschte mich am Freitag die Nachricht, dass eine junge Frau, kaum älter als ich, im Koma lag. Ohne Vorzeichen erlitt sie letzten Donnerstag bei einem Friseurbesuch einen Schlaganfall mit Gehirnblutungen. Obwohl zufällig Rettungsassistentinnen im Salon waren, die direkt halfen und auch ein Arzt aus dem Haus gleich zur Stelle war, konnten sie nur bedingt helfen. 40 Minuten wurde sie reanimiert. Sie fiel ins Koma und am nächsten Abend wurde ihr Gehirntot festgestellt.

Ich mochte diese Frau sehr. Sie war von meiner Freundin Ariane eine gute Freundin. Ich kannte sie von gemeinsamen Aufstellungen, einer Weiterbildung und wir hatten einmal im Jahr netten Kontakt per Mail. Ich freute mich schon, sie eines Tages wieder zu sehen. Ein herzlicher, lebensbejahender, tiefsinniger und lieber Mensch. Und dann so plötzlich aus dem Leben gerissen. Wie kann das sein? Ich habe es immer noch nicht begriffen.

Ich finde, sterben gehört verboten. Keiner darf sterben. Meine Tante meinte, dann würde es langweilig und ja, dachte ich, es wäre ganz schön voll auf der Feier gestern gewesen, wenn keiner gestorben wäre. Wow! Wer alles da gewesen wäre.... Wenn ich mir das vorstelle. Toll!

Im Grunde genommen stirbt ja keiner. Die Seelen leben weiter. Nur ihre körperliche Hülle legen sie ab.

Bei älteren Menschen rechne ich eher mit dem Tod als bei jungen Menschen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich Freitag sagte, 'Nein, nicht D......', als ich Kerzen für sie anzündete. Dieser Schock, dass Menschen gehen, mit denen ich nicht rechne. Wann rechnet man schon damit?

Dieses Jahr war so ein Erlebnis, als eine sehr liebe und gesundheitlich fitte Großtante unerwartet einige Monate vor ihrem schwer an Krebs erkrankten Mann starb. Keiner hatte damit gerechnet, alle hatten auf ihren Mann geschaut. Der Schock für die Familie war groß, selbst ich, die sie nur einmal im Jahr sah, war sehr betroffen. Mutter und Vater in einem Jahr verlieren, puh, da rollen mir die Tränen.

Als ich meinem Mann von dem plötzlichen Tod der Bekannten erzählte, nickte er nur und sagte: 'Ich erlebe das jeden Tag. Für mich ist es Normalität. Im Monat habe ich im Kehrbezirk (er ist Schornsteinfeger) Kontakt zu ca. 400 Menschen. Da begegnen mir Todesfälle in jeder Woche auf die ein oder andere Weise. Zuletzt wunderte er sich, dass er nachmittags einen Termin in einem Haus hatte, wo er Jahre zuvor vormittags auf eine junge Mutter traf. Ein Mann öffnete diesmal und auf das Erstaunen meines Mannes erzählte er, dass seine Frau innerhalb weniger Wochen im letzten Jahr verstorben war.

Mich nimmt sowas wirklich mit. Ich habe nicht so viel Kontakt zu Menschen, die Todesfälle um mich herum kann ich an einer Hand abzählen. Und die meisten davon waren Menschen, die schon mehr als sieben oder acht Jahrzehnte lebten. Nun ist es meist zu früh, (Gesundheit voraus gesetzt) gleich wieviel Jahre gelebt sind. Doch gerade bei jungen Menschen wird mir meine eigene Sterblichkeit und die gleichzeitige Ungewissheit deutlich. Keiner weiß, wann er hinaus befördert wird.

In mir lösen solche Schockereignisse Nachdenklichkeit aus. Was ist wirklich wichtig im Leben? Da rücken so viele Dinge in den Hintergrund, die viel Aufmerksamkeit von mir bekommen und in den Vordergrund, da rücken die Menschen. Familie. Freunde. Verbundenheit. Gemeinschaft. Und die Frage: Habe ich wenn ich heute sterben müsste, wirklich die Dinge gelebt, die mir am Herzen liegen? Was fehlt noch? Was müsste ich erleben, damit ich mit einem guten Gefühl sagen kann: 'Ja, ich kann gehen.'?

Was ist im Leben wirklich wichtig?

Dieser Gedanke wird mich die nächsten Tage und sicher noch länger begleiten.

Auf das Leben! Darauf diesen Tag zu genießen.

Schön, dass Sie da sind und mich lesen. Ich wünsche Ihnen und mir einen guten Tag, eine große Portion Leben, Gesundheit und Freude!

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 04 November, 2014
Thema: Blog - 2014, 2. Halbjahr, Blog - Beziehungen
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