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Liebesbrief an einen besonderen Hund.
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Ein Jahr ohne dich.
Liebesbrief an einen besonderen Hund.

ein jahr ohne dich

Liebe Minu,

gestern, am 25. Januar, jährte sich dein Todestag zum ersten Mal.

Wie haben wir nur geschafft, zwölf Monate ohne deine Anwesenheit, deine Anstupser, dein kuschliges Fell, dein süßes Gesicht und deine liebevolle Seele zu sein?

Rückblickend ist die Zeit im nu verflogen, unfassbar wie schnell. Die ersten Tage waren sehr schwer ohne dich. Du hast überall gefehlt. Von Woche zu Woche nahm der Schmerz an Intensität ab, unterbrochen von immer wieder sehr traurigen Momenten, wo ich an dich erinnert wurde. Zum Beispiel, als ich das erste Mal wieder eine Appenzeller Hündin sah.

Oder als wir die Transportbox aus dem Auto geholt haben, worin immer dein Platz war, direkt hinter dem Beifahrersitz. Dort hast du uns beobachten können und wir dich. Die erste Zeit war es schon schwer, in eine leere Box zu schauen. Noch schwerer war es aber, als die Box gar nicht mehr im Auto war. Wenn wir den Sitzplatz nicht im Sommer einmal gebraucht hätten, wäre die Box wahrscheinlich heute noch im Auto.

Gestern morgen wachte ich um vier Uhr auf und mir fiel deine letzte Nacht bei uns ein, wie schlecht es dir gesundheitlich ging, auch die letzten Wochen schon gegangen war. Doch immer wieder gab es sehr gute Phasen, wo wir dachten, jetzt haben wir es geschafft, du bist wieder stabil. Wir hatten auf ein weiteres Jahr mit dir gehofft. Doch es sollte nicht sein. Ich erinnerte mich in der Dunkelheit des Morgens im Bett liegend wie schwer du geatmet hast, ganz erschöpft vom Husten.

Uns wurde klar, ohne es aussprechen zu wollen: Du konntest einfach nicht mehr. Vorsichtig habe dich die Treppe hinunter getragen. Du wolltest am liebsten immer selbst laufen, doch gestern vor einem Jahr hast du noch nicht mal gestrampelt. Du bist sogar auf der weichen Matte im Eingang liegen geblieben, wo ich dich kurz abgelegt hab, um dir dein Geschirr anzuziehen und die Autotüre und deine Box zu öffnen. Niemals zuvor bist du einfach so liegen geblieben.

Nie vergesse ich wie du dennoch unter dem Vorhang hervorgeschaut hast, um zu erfahren, was ich draußen mache. Wie du dich dann von mir hast ins Auto tragen lassen und später hinein in die Praxis. Schwer war dein Körper.

Dein Körper war einfach müde. Wie furchtbar habe ich mir diesen letzten bewussten gemeinsamen Moment so viele Male vorher ausgemalt, wissend irgendwann kommt er. Wie leicht ist mir dann in der Realität die Entscheidung gefallen, dich gehen zu lassen. Weil klar war, es geht für deinen Körper nicht mehr weiter.

Mit 15 Jahren hat er viel geleistet und nun war seine Zeit gekommen. Es war leicht, dich gehen zu lassen, weil es eine Erlösung für dich war, eine Befreitung von deinem Leid. Du konntest einfach nicht mehr. Die meiste Lebenszeit - bis auf das Auf und Ab der letzten zwei, drei Jahre, wo du unter den Nebenwirkungen deiner Schmerzmittel gelitten hast, den Magenproblemen, der Arthrose in deinen Beinen - warst du gesund und fit. Doch selbst, als es dir nicht so gut ging, warst du fröhlich und hast noch eine Woche vor deinem Tod einen lustigen Tanz auf der Terrasse aufgeführt.

Minu hat Spaß

Wir sind so unendlich dankbar, dass du und genau du bei uns warst. Wir wären für dich durchs Feuer gegangen.

Du warst ein wunderbarer Freund für uns beide. Für dein Herrchen warst du einfach perfekt, für mich warst du auch eine Herausforderung, weil du deinen eigenen Kopf hattest. Dennoch habe ich dich über alles geliebt. Durch dich habe ich viel gelernt. Zum Beispiel "Nein" zu sagen oder auch mehr zu entspannen.

Es wird keinen Hund mehr geben, der so ist wie du. Denn du bist wie jedes Lebewesen einzigartig. Sei es wie du ausgesehen hast oder wie dein Charakter war. Du warst etwas ganz besonderes. Der erste gemeinsame Hund. Kein Kindersatz, aber ein ganz wertvolles Familienmitglied, das uns bedingungslos geliebt hat. Du hast uns so genommen wie wir waren.

Schau, jetzt wo ich über dich schreibe, laufen mir wieder die Tränen die Wangen hinab. Weil ich so viel Liebe fühle und Dankbarkeit und weil ich dich vermisse. Mir vorzustellen, deine Seele ist um uns, ist mein Versuch mich zu trösten. Aber dich wirklich hier bei uns zu haben, ist etwas ganz anderes - weil du wirklich körperlich noch da bist, quicklebendig. Doch das ist leider Geschichte.

Ich weiß, deine Seele ist umgezogen an einen anderen Ort und eines Tages werden wir uns wieder auf einer anderen Ebene begegnen. Bis dahin zeigst du uns deine Anwesenheit durch Erinnerungen, so wie vor einigen Tagen, als ein Hund vor mir her lief, dessen Krallen der Hinterpfoten etwas über den Boden schleiften, so wie bei dir in den letzten Jahren. Da habe ich voller Liebe an dich gedacht. Danke für diese Erinnerung.

Jetzt bin ich ganz verheult. Warum tut es so weh? Mir fehlt deine Energie. Mir fehlt der körperliche Kontakt, die Ablenkung, die Freude, die du uns gemacht hast.

Ja, klar könnten wir einen neuen Hund zu uns holen. Aber ich möchte das nicht. Einmal möchte ich so lange um dich trauern, bis es wirklich geheilt ist und mich davon nicht durch einen anderen Hund ablenken lassen. Dieser Weg wäre völlig ok, aber für mich nicht. Ich will erst mal "austrauern", bis es sich gut und stimmig anfühlt. Und wieder zu mir kommen, erleben wie der Alltag zu zweit ist.

Für uns als Paar eine neue Erfahrung, die wohl Eltern durchmachen, deren Kinder ausziehen. Nur Kinder leben anschließend weiter, Hunde werden gar nicht so alt, sie sterben. Dabei haben wir sie doch auch sehr lieb.

Die Verantwortung, für dich da zu sein, uns um dich zu kümmern, haben wir sehr gerne für dich übernommen. Aber ich habe mich selbst dabei aus den Augen verloren. Ich habe mich nicht genug für meine Bedürfnisse eingesetzt, nicht den Unfrieden aushalten wollen, wenn ich mich durchsetze, damit du zum Beispiel anderweitig betreut wirst und wir als Paar mal zwei Tage nur für uns sind. Da konntest du gar nichts für, das war meine Lernaufgabe, die ich nicht bewältigt habe.

Deswegen ist es jetzt erstmal für mich wichtig, meine Bedürfnisse wieder aufzufüllen und mich um mich selbst zu kümmern. Ehrlich gesagt, genieße es jetzt auch, mal wieder die erste Geige bei meinem Partner zu sein. Das klingt egoistisch und das ist auch wichtig und gut so.

Ein neuer Hund, er wäre auch ein neues Lernfeld für mich: Mich für meine Bedürfnisse einsetzen, den Unfrieden aushalten wenn es nicht nach dem Willen meines Mannes geht oder meinen inneren Unfrieden, wenn es nicht nach meinem Willen geht. Himmel, was waren wir unterschiedlicher Ansicht in Erziehung und medizinischer Versorgung!

Da tut es gut, erstmal Frieden zu haben.

Ein Hund bringt uns Themen, die wir anschauen und bearbeiten können. An manchen bin ich gewachsen, an anderen gescheitert. Mal sehen, wann ich bereit bin, das Lernen fort zu setzen. Mir ist dafür wichtig, mich wirklich ganz frei und voller Vorfreude zu fühlen, Lust auf gemeinsame Unternehmungen, Lust auf die Verantwortung und das Lernen, denn das hat ein neues Familienmitglied verdient.

Stolz bin ich, dass ich mich durchgesetzt habe, erst mal keinen neuen Hund zu wollen. Das war nämlich mein alleiniger Wunsch. Also - das ist doch mal ein guter Erfolg!

Für den Geburtstag meines Mannes vor einigen Wochen habe ich ein Fotobuch von dir gestaltet: 15 Jahre - über 500 Fotos und auch Blogzeichnungen - habe ich in drei Tagen ausgesucht, sortiert und in Form gebracht.

Ich wusste: Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es niemals mehr. Das war nochmal ein ganz intensiver Prozess, ein Revue passieren lassen, Tränen sind geflossen. Ich bin stolz darauf und es ist eine besondere Erinnerung geworden.

Dabei ist mir auch noch mal bewusst geworden wie oft ich im Blog über dich berichtet habe, dich gezeichnet, fotographiert.

Blogmodel Minu Skizze Hund kein Regen bitte

Mein geliebtes Blog-Model!

Ich schreibe diese Worte jetzt mit einem warmen Glücksgefühl an dich und diese besonderen gemeinsamen Jahre, meine Tränen sind getrocknet.

Ein Hund ist ein ganz wichtiger Freund, den wir sehr nahe an uns heran lassen, weil sie vorurteilsfrei sind und uns lieben wie wir sind. Wenn dieser wertvolle Begleiter wegfällt ist das so schlimm, als verlieren wir einen Menschen. Das versteht vielleicht auch nur der wirklich, der von einem Tier geliebt wurde und es verloren hat.

Ich habe so viel aus dieser Zeit gelernt, mir ist so viel bewusst geworden. Vor allen Dingen:

So schmerzvoll wie es war, so lebenswert war die intensive Zeit der Trauer auch. Sie war enorm wichtig für mich. Dein Abschiedsgeschenk. Wobei du nicht aufhörst, mich zu beschenken, denn du hast in meinem Herzen Geschenke gepflanzt, die wie kraftvolle Bäume empor wachsen.

Zum Beispiel wie deutlich ich durch dich erkannt habe: Tiere spüren Gefühle wie wir Menschen. Du hast mir gezeigt, dass du Schmerz fühlst, Freude, Wut, Angst und Quatsch machen kannst. Als ich diese Gefühle bei dir bewusst wahrnahm, sah ich sie auch in den Augen und im Verhalten von Kühen, Pferden, Schweinen und anderen Tieren. Und ich fragte mich: Wie kann ich auf die Idee kommen, das ganze Leben eines fühlenden Wesens für einen kurzen Genuss zu beenden, wenn ich auch anders satt werden kann? Der Anfang meines Weges, mich vegan zu ernähren.

Du hast mein Mitgefühl enorm geschult.

Du warst und bist ein großartiges Geschenk, das ich erst heute so richtig begreife und wertschätze. Heute viel mehr als zu der Zeit, wo du noch lebtest.

Ich liebe dich und danke dir von Herzen, dass du bereit warst, zu uns zu kommen und uns kostbare Jahre zu begleiten. Eines Tages werden wir uns wieder sehen. Bis dahin weiß ich, du bist an einem Ort, wo du frei bist, wo du laufen und springen kannst ohne Schmerz, wo du alles ohne Probleme essen kannst worauf du Lust hast, wo du spielen kannst mit deinen Freunden. Ein sehr schönes Bild!

Deine Anja

* * *

Im letzten Jahr hat mir geholfen die Trauer zu verarbeiten, in dem ich meine Gefühle, Erlebnisse, Gedanken aufgeschrieben habe. Wie es sich anfühlte, Minu gehen zu lassen und ohne sie zu sein. Wie die Entscheidung fiel, Minu einäschern zu lassen und warum wir uns dagegen entschieden, ihre Asche im Meer zu verstreuen, was unser erster Gedanke war. Wie es sich war, das erste Mal anderen Hunden zu begegnen. Welcher Trost uns durch Familie und Freunde zuteil wurde. Was ich durch unsere Appenzeller Sennenhündin gelernt habe und wofür ich dankbar bin. Was ich bis heute noch nicht von ihr weggeräumt habe.

Schreibend habe ich meine Trauer verarbeitet. Ich habe mir bewusst gemacht, was ich durch unsere Hündin lernen durfte, wie es mir bei den lieb gewonnenen Ritualen ohne sie ging.

Ob es mir gelingt, meinen Umgang mit der Trauer in einer Buchform zu veröffentlichen? Das würde ich mir wünschen, das Schreiben war und ist meine Art mit meinen Gefühlen umzugehen. Ich fände es schön, andere Betroffene und Interessierte mit in meine Trauererfahrungen zu nehmen, sie in ihrer Trauer um ihren geliebten Hund zu trösten, Mut zu machen und Hoffnung zu geben.

Mehr über meine Trauer um Minu und ihr Leben mit uns: Im Himmel. Drei Wochen ohne dich. Hier alle Hundegeschichten mit Minu: Blog - Hundemami 

Alles Liebe

Anja

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Samstag, 26 Januar, 2019
Thema: Blog - 2019, 1. Halbjahr, Blog - Hundemami
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