Freitag, 03 Mai, 2013
Herrlicher Schmöker: Der Wind der Erinnerung
Schon ewig hatte ich keinen Roman mehr gelesen. Nicht, weil ich nicht
lesen wollte, ich liebe gute Geschichten, sondern weil mich kein Buch
wirklich einfangen konnte. Als ich einige Tage in eine kleine Auszeit
nur für mich alleine fuhr, bekam ich gerade einen Schwung Bücher von
meiner Mutter zurück und ich fragte sie, welches sie mir empfehlen
würde. Sie tippte auf 'Der Wind der Erinnerung' und sagte, dass es sehr
schön sei.
Ich hätte es mir wohl nie selbst genommen, weil mich der Umschlag an eine Art Roman erinnert, für die ich nicht so empfänglich bin und auch der Text mich nicht gleich packte. Doch ich wollte ein Buch mit auf die Reise nehmen, hatte noch ein weiteres zur Auswahl. Also gab ich 'Dem Wind der Erinnerung' anderthalb Seiten Zeit. Wenn es mich bis dahin nicht packte, wollte ich es nicht weiter lesen.
Was soll ich sagen? Nach anderthalb Seiten wollte ich gar nicht mehr aufhören. Ehe ich mich versah, war ich schon fünf Seiten weiter, dabei hatte ich gerade keine Zeit zu lesen. Das Buch schaffte es gar nicht mehr mit auf die Reise, weil es so schön war, mich so gefesselte, las ich es in zwei Tagen aus - vor Beginn der Reise!
Für mich ist das etwas ganz kostbares, so ein Schätzchen zu finden unter all den vielen Büchern, die es zu lesen gibt. Kimberley Wilkins hat das geschafft und ich hätte gerne noch doppelt so viele Seiten in diesem 492-Seiten Roman gelesen. Meinen Dank und Glückwunsch an die Autorin Kimberley Wilkins!
Zum Inhalt von 'Der Wind der Erinnerung':
Es geht um das Leben zweier Frauen, die parallel erzählt werden und miteinander am Ende verbunden sind. Das eine ist die Geschichte von der jungen Australierin Emma Blaxland, einer berühmten Primaballerina aus gutem Hause, die in London lebt und nach einem schweren Sturz im Jahr 2009 vor dem Ende ihrer heißgeliebten Karriere steht.
Die andere Geschichte beginnt 1929 in Glasgow mit Beattie Blaxland, der Großmutter von Emma. Auch sie hatte wie Emma Träume. Beattie liebt die Mode, doch aufgrund fehlender Möglichkeiten und falscher Freunde gerät sie in andere Umstände, die ihr ein solches Berufsleben unmöglich machen. Auch wenn sie ihren verheirateten Liebhaber abgöttisch liebt, ist zur damaligen Zeit ein Zusammenleben unmöglich. Sie bekommt Schwierigkeiten zu Hause, wird von ihrer Mutter aus dem Haus geworfen, muss sich mittellos alleine durchschlagen und beschließt, das Kind gleich nach der Geburt zur Adoption frei zu geben. Doch plötzlich öffnet sich ein Schlupfloch: Ein Schiff nach Australien fährt ab und ihr Geliebter beschließt mit ihr zu fliehen.
Mehr möchte ich zum weiteren Verlauf nicht erzählen. Es warten viele Höhen und Tiefen auf Beattie zum Mitfühlen, Mitfreuen, Mitfiebern, Mitweinen. Richtig toll erzählt von der Autorin. Zum Schluss ging es mir etwas zu schnell. Ich hätte mir gewünscht, die Autorin hätte sich nach dem Lüften des Geheimnisses der Großmutter genau so viel Zeit gelassen wie all die Seiten zuvor. Da fehlte mir so viel an Stoff, der nicht erzählt wurde, es hätte glatt ein zweites Buch daraus werden können. Vielleicht wird es das ja? Für mich sind noch so einige Fragen zu klären. Übrigens fand ich zum Schluss den Umschlag herrlich stimmig und schön!
Titel: Der Wind der Erinnerung
Autorin: Kimberley Wilkins
ISBN:
978-3-426-65289-3
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen. Glückwunsch an die Autorin zum gelungenen Werk und an den Verlag zum guten Riecher. Mehr davon bitte!
Anja Kolberg
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Mittwoch, 01 Mai, 2013
Mai-Impulse
Grünes Erwachen überall. Der Mai ist da, welch eine Freude!
Ich lüfte wie jeden Monatsanfang die neuen Kalenderblätter und teile mit Ihnen meine Gedanken. Wenn Sie noch einen Kalender haben möchten, finden Sie am Ende dieses Artikels Infos.)
~ ~ ~ Tischkalender 'Ich gehe meinen Weg' ~ ~ ~
Foto: Luftig leichte Glöckchen und weiße Blüten einer wuchsfreudigen Clematis, die eine große Zaunwand in unserem Garten bewohnt. Auch dieses Jahr warten hunderte Glöckchen darauf, größer zu werden und zu erblühen. Ich liebe ihre Farbe und ! ihren Duft. Mein Mai-Highlight im Garten - neben den herrlichen Maiglöcken, die sich immer mehr ausbreiten. (Für alle Gartenliebhaber: Die Clematis heißt 'Clematis Montana Alexander'. Ich habe sie beim Clematisexperten Westphal bestellt.)
Affirmation: 'Ich mach's mir leicht.'
Ich neige zum Grübeln. Wenn ich eine Idee habe, gibt es einen Moment, wo ich noch nicht zuviel über sie nachgedacht habe und losstiefeln will. Das war zum Beispiel bei meinem ersten Buch so. Da wollte ich mit einer Bekannten morgens zur Buchmesse nach Frankfurt. Sie sagte ab. Ich entschloss mich, einen Entwurf für meinen Ratgeber mitzunehmen und setze mich kurzentschlossen hin und schrieb meine Ideen in einem Exposé auf. Den Ausdruck nahm ich eine Stunde später ohne viel nachzudenken mit auf die Messe und sprach drei Verlage an, ob sie Interesse hätten, mein Buch zu verlegen. Just so, wie Uta Glaubitz mir ihre Erfahrungen berichtet hatte.
Mein Mut wurde belohnt, ich ergatterte so nicht nur - nach der Messe, aber der Kontakt entstand dort - den Vertrag mit dem mvg-Verlag für mein Buch 'Die richtige Idee für Ihren Erfolg', sondern bekam auch den Kontakt zum Kösel-Verlag, wo mein zweites Buch 'Ab 40 reif für den Traumjob' entstand. Welch ein Erfolg! Ich hab's mir damals einfach leicht gemacht, hatte keine Zeit viel nachzudenken - weil ich ja noch nach Frankfurt fahren wollte - und hab mein Glück einfach probiert. Die Geschichte ist so toll, dass ich gleich wieder sprudelnde Glücksgefühle in mir spüre! (Die kann ich immer gut gebrauchen und genieße sie jetzt bewusst.)
Zu jedem Projekt gehört neben der Kompetenz auch das Quentchen Glück und Esprit - und das hatte ich damals. Und wissen Sie was das Beste ist? Es ist nicht verloren, auch wenn ich heute mehr grüble, plane, zögere als damals. In mir lebt immer noch das frische junge Ding, dass einfach losstiefelt, ohne zu viel nach dem Weg zu fragen. Denn wer zu viel nach dem Weg fragt, begegnet auch Menschen, die mit ihren negativen Erfahungen, Ängsten ausbremsen und Träume kaputt machen können. Dafür bin ich leider auch noch zu empfänglich.
Ich will wieder zur Unbekümmertheit zurück - die liegt übrigens in uns allen. Wir allen hatten Sie einmal, auch wenn sie vielleicht verschüttet ist. Sie ist reaktivierbar.
Die Devise für den Mai: Nicht lange nachdenken, sondern einfach mal machen!
~ * ~
~ ~ ~ Tischkalender 'Ein gutes Leben' ~ ~ ~
Foto: Frisch geschlüpfte Buchenblätter vor herrlichem Mai-Himmel. Welch eine Farbenpracht zwischen hellem Grün - meinem Lieblingsgrün - und dem Blau des Himmels. Da hüpft meine Seele Tango!
Text: 'Krisen & Entwicklung gehören zusammen.'
Die Gewissheit, eine Krise ist kein Ende, sondern ein Wendepunkt im Leben, hilft mir, schwere Zeiten durchzustehen, die immer mal wieder im Leben auftauchen. Eine Krise macht mich aufmerksam: Es stimmt etwas nicht, mein Inneres bedarf einer Veränderung, weil mir ein Teil des Lebens wie ich es gerade führe, nicht wirklich gut tut.
Manchmal ist es einfach zu schwer, Ursachen wahrzunehmen, schon frühzeitig etwas zu verändern, bevor es zu einer Krise kommt. Dann hilft zum Beispiel der Körper, in dem er sich blockiert und mich so zur Pause zwingt, um mir Zeit zu geben, nachzudenken und mich auch durch den Schmerz zwingt, mich zu ändern. Denn solange alles bequem und gemütlich weiterläuft: Warum ändern?
Ich musste (durfte?) solche Krisen schon öfter erleben. Mir fällt es nicht leicht, aus einem jahrelang eingeübten Muster auszubrechen. Ich habe zu Beginn meiner Selbstständigkeit viel zu viel gearbeitet. Weil es einfach Spaß machte. Endlich machen, was ich will! Ich konnte mich gar nicht bremsen und für eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit sorgen. Dann hatte ich einen Bandscheibenvorfall und weil ich immer noch nicht kürzer treten wollte, knockte mich ein zusätzlicher Hexenschuss völlig aus. Nichts ging wirklich lange, schon gar nicht am PC oder Schreibtisch sitzen. Ich musste was ändern.
Das habe ich auch. Danach ist mein Garten entstanden, ich reaktivierte meine Hobbies Malen und Fotographieren... Eine große Bereicherung für mein Leben und eine wunderbare Entwicklung, die aus der Krise heraus entstanden ist. Zum Zeitpunkt der Krise weiß ich aber noch nicht, wie sich alles verändert. In der Wiege liegt ja keine Gebrauchsanweisung fürs Leben bei... Und das lässt mich erst mal ziemlich wütend sein, zweifeln... bis sich langsam etwas neues entwickelt - wie sich ein Blatt am Baum von der Knospe zum großen stabilen Blatt mehr und mehr entfaltet. Rückblickend ist dann alles klar und einfach.
Deswegen dieser Satz 'Krisen & Entwicklung gehören zusammen.' Er erinnert mich zusammen mit den herrlichen Blättern daran, dass auch der heftigsten Krise eine Weiterentwicklung folgt, die gut ist. Der Satz macht mir Mut, ist Erinnerung und schenkt mir Hoffnung zugleich.
~ ~ ~
Ich wünsche Ihnen und mir einen herrlichen Mai voller sonniger Tage, Freude am Wachsen und Erblühen - eine Stärke der Natur, die in in allen liegt!
Von Herzen
Anja Kolberg
PS: Schreiben Sie mir eine Mail, wenn Sie noch einen Kalender kaufen möchten (Preis 10 € inkl. MwSt. zzgl. 3,50 € Versand in Deutschland, gegen Vorkasse). Sie können sich hier die beiden Kalender anschauen.
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Dienstag, 02 April, 2013
April - ein neuer Frühlingsmonat beginnt
Haben Sie die neuen Kalenderblätter* gelüftet? Hier stelle ich Sie Ihnen
vor:
Tischkalender 'Ich gehe meinen Weg'
Foto: Hornveilchen in einem von der Natur verzierten Tontopf.
Text: Ich erlaube mir zu scheitern.
Mein Impuls: Manchmal fange ich etwas Neues gar nicht erst an. Aus lauter Sorge und Angst vor dem Scheitern. So kommt es immer wieder zu 'perfektem Zögern'. Das 'nicht versuchen' gelingt mir optimal. Doch damit komme ich auf Dauer nicht weiter.
Das Kalenderblatt ermutigt mich, das Scheitern einzukalkulieren. Mir von vornherein erlauben, ein Vorhaben kann auch 'in die Hose gehen'. Selbst falls ich scheitern sollte, bekomme ich dafür Wertvolles: Die Erfahrung daraus. Das gute Gefühl, es versucht zu haben.
Schon oft habe ich mir gesagt: 'Ich probiere es einfach und wenn es nicht klappt, dann hab' ich es wenigstens versucht.' oder ich habe mich gefragt, was das schlimmste ist, das mir passieren kann und die Antwort war dann auch mal: 'Mehr als sterben geht nicht.' :o) Makaber, hat aber immer mal wieder gewirkt und mir die Angst genommen.
Nun bin ich kein Einbahnstraßen-Mensch, der einfach gestrickt ist. Ich kann mutig sein und losstiefeln und ich kann auch ängstlich sein und (perfekt) zögern. Der April ermutigt mich, es zu versuchen und mit mir liebevoll umzugehen, wenn es nicht klappt. Es ist einer von möglichen Ausgängen, der auch ok ist.
Tischkalender 'Ein gutes Leben'
Foto: Ein Strauß bunter Tulpen vor blauem Frühlingshimmel fotographiert.
Text: Schwäche zeigen ist eine Stärke.
Mein Impuls: Schwäche zeigen ist schwer. Wer das riskiert, erntet vielleicht Hilfe, die er nicht haben will, verliert vielleicht die Kontrolle, setzt ein perfektes Image aufs Spiel.
Darum ist Schwäche zeigen eine Stärke, denn nur diejenigen, die ihre (meist vorübergehende) Schwäche zeigen und um Hilfe bitten, nehmen all das in Kauf, zeigen sich verletzlich, um gestärkt aus einer Sache hervor zu gehen. Wer in einer schweren Lebensphase zeigt, dass er Hilfe braucht, zeigt sich damit stark. Denn er beweist, dass er gut für sich sorgt und Hilfe holt, wo sie gebraucht wird, statt ohne diesen Schritt unterzugehen.
Bitte hilf mir, zu unterscheiden, wann ich vielleicht zu früh aufgeben will, es noch selbst schaffen könnte und es wichtig ist, mich zu ermutigen und wann der richtige Zeitpunkt ist, mir Hilfe zu holen.
Einen zauberhaften April wünscht Ihnen und mir
Anja Kolberg
* Die hier gezeigten Kalenderblätter stammen aus meinen Tischkalendern (-> In der Vorstellung der Kalender finden Sie weitere schöne Impulse zu den einzelnen Monaten, die ich aufschreib, als ich die Blätter entwarf. Es lohnt sich, dort vorbei zu schauen. Viel Freude beim Stöbern.) Die Kalender können jedes Jahr - meist von November bis Januar - über meinen Webshop erworben werden. Wenn Sie sich für den Newsletter eintragen, werden Sie von mir an ihr Erscheinen erinnert.
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Samstag, 30 März, 2013
Kein Osterhase, aber lange Ohren, braunes Fell & weißes Bäuchlein
Am gestrigen, gemütlichen und faulen Karfreitag lag ich auf dem Sofa,
beobachtete den Schnee und blickte auf eine angrenzende Blutpflaume und
Tannen, die herrlich weiß bezuckert waren. Die Zweige der Tanne bewegten
sich plötzlich ziemlich stark. Das weckte meine Neugier und ich
entdeckte die Ursache. Sie auch?
Und, finden Sie den Grund? Moment, ich gehe mal näher mit der Kamera ran:
Sehen Sie das Eichhörnchen? Ich hatte große Freude zu beobachten, was es frisst (wohl die frischen Tannenknospen, Tannengrün) und wie es das macht. Sehen Sie hier:
Bei den Bildern höre ich förmlich wie es schmatzt und leise ein Liedchen singt, weil es so gut schmeckt. YamYam!
Nebenan in der Blutpflaume machte sich derweil eine Taube über ihr Festmal her: Frische Blütenknospen. Die müssen köstlich schmecken, denn viele Vögel haben sich daran die letzten Wochen erfreut. Die Taube hat ordentlich zugeschlagen, sie war da, bevor ich einschlief und danach auch noch. Ich glaube, sie hat mit vollem Bauch auch ein Nickerchen im Baum gehalten:
Ist es nicht toll, wie viele Blütenknospen in dem Baum sind? Prall gefüllt, sie warten nur noch auf die nächsten Sonnenstrahlen und deren Wärme. Ich habe an dem Anblick dieses Baumes große Freude, sind seine rosafarbenen Blüten doch mit die ersten, die rund um meinen Garten den Frühling anzeigen. Es sieht herrlich aus, wenn diese rosa Blütenwolke dann mit der Sonne und dem Himmel um die Wette strahlt.
Heute ist Ostersamstag, morgen schon der letzte März. Die ersten Wochen und Monate des neuen Jahres sind an mir vorbei gerast. Mein Mann und ich waren seit Beginn des Jahres mit einem unerwarteten Projekt konfrontiert, das viel Kraft und Zeit von uns gefordert hat. Jetzt sind wir froh, dass es langsam wieder ruhiger wird und wir - regelrecht - wieder zu uns kommen können. Darauf freue ich mich sehr. Ich bin stolz, was wir alles leisten können und wie gut wir zusammen im Sturm rudern und vorwärts kommen. Herausforderungen schweißen zusammen und machen stark. :o)
Ich wünsche Ihnen von Herzen ein wunderschönes Osterfest
Anja Kolberg
PS: Wenn Sie auf das Bild klicken, kommen Sie zu den E-Cards, wo Sie jede Menge Frühlingsfreude verschicken können.
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Freitag, 22 März, 2013
Willkommen, Frühling!
Lieber Frühling,
ich habe lange auf dich gewartet, weil dein Vorgänger - der Winter - diesmal so streng war, unerwartet hart (der sonnenärmste, dunkelste seit Beginn der Wetteraufzeichnung) und immer wieder anders als die Jahre zuvor. Noch nie hab ich es in Köln immer wieder so viel schneien sehen, so wie ich es nur aus meiner Heimat kenne. Seit 1992 wohne ich 'auf der anderen Rheinseite' und Schnee war hier eher ein Phänomen. Das hat sich seit ein paar Jahren geändert. Und weil es dieses Jahr so kalt war und nass und schneereich, war ich dessen so müde und ich hab mich so auf dich gefreut. Anfang März hast du dich schon mal gezeigt... und es fühlte sich wunderbar an: Die Wärme. Die Sonne. Der Gesang der Vögel dazu und das Sprießen in der Natur. Doch der Winter kam zurück... Ich hörte, der kälteste März seit zehn Jahren...
Mein mutig aufgesetzer Frühlingsblumenkasten vor dem Bürofenster musste abgedeckt werden, weil die Primeln den erneuten Kälteeinbruch nicht verkrafteten. Wir mussten doch wieder Schnee vom Bürgersteig entfernen und die Sonne war wieder für lange Zeit futsch.
Gestern. Gestern war es endlich soweit: Der Tag deiner Geburt: Frühlingsanfang. Beim Blick nach draußen dachte ich nur: Ach du dicke Schneeflocke!
Hier bei uns in Köln schneite es zwar nur zaghaft (im Osten dafür um so stärker), aber ein Frühlingsanfang war nicht zu spüren. Mist! Also schnappte ich mir die Kamera beim Spaziergang mit Minu, um bei grau verhangenem Himmel und Schneeschauer zu schauen, ob du wirklich nicht da bist. Und ich entdeckte Zeichen von dir überall:
Da blühten an einer freien Stelle doch schon Forsythien. An anderer Stelle stand ein Strauch voller Knospen:
Ich fand erste grüne Blättchen:
... und viele Knospen an dem schönen Kirschbaum, den ich in voller Blüte im Wandkalender präsentierte:
Im Blumenkübel auf meiner Terrasse zeigen sich zwischen Moos und Zwiebelgrün die ersten Krokusse:
Die Zierkirsche im Garten steht ebenfalls in dicken Knöpfen:
Eine Traubenhyazinthe zeigt sich auch:
Ganz zu schweigen von den Osterglocken und Tulpen, die ich im Herbst pflanzte und dessen Grün sich schon aus der Erde erhoben hat. Sie warten ab, bis die Sonne wärmend scheint, die Stimmung freundlicher ist. Darauf freue ich mich!
Mein Bambus hat den Winter nicht unbeschadet überstanden, er wird aber weiterleben, das zeigt er mir deutlich. Im Beet hat ein Feld voller Vergissmeinicht den Winter prima überlebt und zweigt sich mir nun erwartungsvoll:
Heute früh scheint endlich die Sonne. Es hat über Nacht gefroren, doch den Primeln im Blumenkasten macht es nichts mehr aus. Sie scheinen ein wenig abgehärtet. Alle Zeichen stehen auf Frühling, wenn er auch anders gestartet ist als erhofft, nämlich wieder mit Schnee und Kälte.
Gestern habe ich gedacht: Wenn ich an einen Menschen solch eine Erwartungshaltung stellen würde wie an den Frühling. Puh! Ich vergleiche ihn mir seinen Vorgängern von früheren Jahren, die ja so viel wärmer und schöner waren. Ich kann seine Ankunft nicht erwarten, weil sein Partner, der Winter, teilweise unerträglich war.
Ich überhäufe den frisch geborenen Frühling mit Erwartungen. Und das ist nicht fair. Dabei fehlt mir der Blick für seine wirkliche Schönheit, für sein wirkliches Wesen. Jeder Frühling ist einzigartig, auch du, Frühling 2013. Ich höre jetzt auf, Erwartungen an deine Temperaturen, Sonnenstunden, Wärme, Niederschläge zu stellen und nehme dich so wie du bist.
Ist es nicht genau so im Leben? Ich habe Vorstellungen - und es kommt völlig anders. Ich habe Erwartungen an den Winter und er hört und hört nicht auf mit seiner Kälte und Schneeschauern. Ich habe Erwartungen an mich selbst und eine Phase der Unzufriedenheit, eine Krise hört und hört nicht auf. Weil immer wieder etwas Unerwartetes von außen dazwischen kommt und Rückschläge. Wieder und wieder läuft das Leben anders als geplant. Es gibt Lichtblicke, aber keinen Durchbruch.
Der Frühling zeigt mir: Es ist alles da. Die Natur hat sich gewappnet und gestärkt im Winter, das zeigt sich an den Knospen, das erzählen mir die Vögel, das lässt die Sonne mich erahnen, wenn sie da ist. Und so viel mehr Pflanzen liegen noch geschützt unter der Erde, die ich noch gar nicht sehen kann.
So ist es auch in mir, in jedem von uns. Gleich wie lang eine Krise dauert, wie ungnädig sie ist und wie fest sie auch sitzt, wie unerträglich sich der vermeintliche Stillstand, das nicht vorwärts kommen, anfühlt: Auch in uns hat sich Kraft gesammelt, Vergangenes sortiert. In uns liegt auch ein gut bestelltes Feld voller Zwiebelblumen, Beete mit prächtigen Stauden, Bäume voller Knospen, die alle nur noch auf den richtigen Zeitpunkt warten, um zu erblühen, aufzuspringen.
Dann fühlt es sich erst an wie ein Wunder: Ich drehe mich um und plopp ist eine Blüte offen, die lange verschlossen war. Wie von selbst erblüht neues Leben, neue Ideen, Wege zeigen sich, die vorher verschüttet schienen oder noch gar nicht sichtbar waren.
Es passiert einfach, weil es an der Zeit ist. Wir werden gelassen sein, uns frei fühlen, voller Kraft, Klarheit und Leichtigkeit. Wir können es so sehr genießen, weil wir wissen, wie hart ein Winter sein kann.
Lieber Frühling, ich möchte üben, dich zu nehmen wie du bist und daran zu glauben, dass alles einen Sinn hat und ich eines Tages verstehe, wofür die schweren Zeiten gut sind. So wie der Winter gut ist, um Kraft zu sammeln, Neues vorzubereiten. Auch wenn ich das meiste nicht sehe, weil es in der Erde und im Inneren der Pflanzen stattfindet.
Ich wünsche Ihnen und mir einen herrlichen Frühling und die Hoffnung, dass alles gut wird. Das wird es.
Anja Kolberg
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