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Donnerstag, 02 September, 2010

Mit Schattenseiten l(i)eben lernen

Mir fällt es sehr schwer, meine Schattenseiten zu akzeptieren. Das ist mir gestern klar geworden.

Lehne ich etwas ab, zeige ich eine Kante statt eine Rundung meines Selbst. An diesen Kanten kann man sich stoßen. Ich möchte am allerliebsten von allen gemocht werden und dass sich keiner an mir stößt oder verletzt. Die größte Wahrscheinlichkeit, das zu erreichen, ist, dass ich den Wünschen der Anderen entspreche, ihnen nicht widerspreche, keine Kritik übe ...

Was passiert, wenn ich das wirlich mache?

Ich handle zwangsläufig gegen mich selbst. Die nach außen gezeigte Rundung, nämlich dass sich keiner an mir stoßen kann, führt dazu, dass sich die Kante nach innen wölbt. An dieser Kante stoße ich mich dann. Ich verletze mich, wenn ich "Ja" sage, obwohl es nicht für mich stimmt und ich meine Grenzen damit verletze. Ich mache die berühmte Faust in der Tasche, bin unzufrieden, sammle Wut in mir an. Das ist ein ganz blödes Gefühl in der Magengegend, wie ein fester harter Ball, der drückt und schmerzt. Aus dem Gesichtspunkt der Psychosomatik sind solche unterdrückten Gefühle alles andere als gut für die Gesundheit.

Doch wie damit umgehen, wenn ich Angst habe, anzuecken?

Atmen. Zu meinen Sonnen- und meinen Schattenseiten stehen. Mich selbst versuchen zu verstehen, auch wenn mich sonst keiner versteht. Mir die gleichen Rechte zugestehen, die ich anderen zugestehen würde. Ich wünsche mir von anderen,

  • dass sie ehrlich ihre Meinung sagen
  • dass sie "Nein" sagen, wenn ich sie um etwas bitte, es für sie jedoch aus welchen Gründen auch immer nicht stimmt. Und sie dies auch noch dann sagen können, wenn sie bereits "Ja" sagten, sich diese Entscheidung aber verändert hat.

Mir selbst möchte ich diesen Raum auch geben. Es fällt mir schwer, weil ich etwas anderes gewohnt bin, doch ich will es lernen. Auf diesen Willen kommt es an.

Mit dem Wissen um meine Schattenseiten und indem ich sie akzeptiere und traue, sie zu zeigen, fällt der Schleier meiner (Selbst-)Täuschung. Nämlich, dass ich ein Mensch bin, den alle immer lieben und toll finden. Ein Mensch, auf den man nie wütend ist, ein Mensch, der nie verletzt und sich immer korrekt verhält. Der Schleier, auf dem steht: "Ich bin nur gut." und "Ich tue keiner Fliege etwas zuleide." und "Mit mir kann man alles machen."

Dieser Schleier - ungelüftet - ist von übler Wirkung wie schon oben beschrieben. Absolut ungesund fürs Ich, nicht wirklich authentisch und unehrlich zu anderen. Wie der Wolf, der einen Schafspelz trägt und darin fast umkommt, weil er sein wahres Ich verleugnet, nur damit andere sich vor ihm nicht fürchten.

Klar gibt es auch viele sanfte Schafe, die aus Schutz einen Wolfspelz überziehen, damit sie in Ruhe gelassen werden.

Was bin ich? Weder Schaf noch Wolf.

Ich möchte will die Anja Kolberg sein und zeigen, die ich bin, die ich fühle. Mal sanft - mal kratzbürstig, mal widerspenstig und zickig - mal liebevoll, mal traurig und wütend, mal authentisch und mal unecht, mal grüblerisch, mal pingelig - mal großzügig, mal offen und einladend - mal ablehend, mal lustig - mal missmutig, mal glücklich, mal flirtend - mal schüchtern, mal zweifelnd, manchmal großartig - manchmal unausstehlich, mal klein - mal groß, mal weinend, mal schreiend, mal beleidigt - mal beleidigend, mal verletzt - mal verletzend, mal bunt - mal grau, mal ermutigend - mal zerstörend, mal ängstlich - mal mutig, mal kommunikativ - mal still und leise, mal liebend - mal hassend, mal zuverlässig - mal im Stich lassend, mal intuitiv und mal kopfgesteuert, mal zärtlich und auch mal grob, mal boxend und mal streichelnd, mal stark und mal schwach, mal professionell - mal unerfahren, mal zuvorkommend und auch richtig frech. Mal mich selbst kritisierend - und hoffentlich immer öfter mich selbst liebend.

Der Schleier ist gelüftet. Darunter ist kein runder Ball, sondern ein Mensch mit Sonnen- und mit Schattenseiten. Eine Frau mit Rundungen und mit Ecken und Kanten.

Es ist nicht leicht für mich, damit umzugehen, dass sich an meinen Kanten andere stoßen könnten, denn ich will andere keinesfalls verletzen oder ihnen Leid zufügen. Doch das lässt sich nicht vermeiden, so gerne ich es auch wegzaubern möchte. Jeder - ich und auch die Menschen, mit denen ich in Kontakt bin - lernt, mit den Ecken und Kanten der anderen zu leben.

Ich würde lügen, zu behaupten, es ist ein Klacks für mich, wenn mir andere einen Korb geben oder Kritik an mir üben, mein Handeln in Frage stellen. Doch nur mit der Beschäftigung und Auseinandersetzung mit diesem Thema lerne und erfahre ich, dass Kritik oder ein "Nein" keine Ablehnung meiner Person ist, sondern mein Gegenüber zu sich selbst, zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen steht. Spüren, geliebt zu werden, obwohl ich widerspreche, obwohl ich wütend bin, verletzend oder das Gegenteil von dem mache, was andere von mir erwarten.

Geliebt werden und dazu gehören, weil ich bin, wer und wie ich bin. Andere lieben, weil sie zu sich stehen und sich so zeigen wie sie sind, auch wenn das unbequem ist.

Atmen.

Ich traue mich immer mehr, ich selbst zu sein.

Anja Kolberg

Montag, 19 Juli, 2010

An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen

Es gibt so Tage im Leben, Mann o Mann, da ist wirklich nur unter größter Konzentration etwas Gutes dran zu finden. Heute habe ich das Gefühl, ich sitze in einem dicken, miesen, schweren Sumpf. Er hält mich fest, lässt mich nicht los. Richtig besch...en ist das!

 

Wie sich das anfühlt? Schwer. Hoffnungslos. Lähmend. Desillusionierend. Nie endend. Es macht wütend, traurig und hilflos zugleich. Bäh!

Wie ich da reingekommen bin? Keine Ahnung. Ich bin nicht in das Sumpfloch gelaufen. Auf einmal war ich da. Es war, als hätte ich auf einmal meine inneren Augen geöffnet und schwups ist der Sumpf da. Blöde!

Warum ist das so? Warum fühle ich mich so? Und warum jauchze ich nicht: "Super! Eine riesengroße Schlamm-Wellnessgrube. Hier kann ich mich treiben lassen und wohlfühlen, mich mit Schlamm einsuhlen, andere damit bewerfen. Herrlich!"

Ups. Vielleicht ist das ja schon die Lösung? Den Sumpf mit anderen Augen betrachten? Klar, ich bin diejenige, die die Situation bewertet und entscheidet, ob ich sie super oder doof finde. Vielleicht ist sie auch beides - superdoof? Nein, super und doof. Also gut und schlecht.

Schlecht, weil ich mich so mies fühle. Gut, weil ich die Situation anders betrachten und was gutes daraus machen kann.

Tja, und nun?

Erst einmal möchte ich akzeptieren, was ist und erkennen, dass es mir seelisch heute Nachmittag beschissen geht. So jetzt habe ich das Wort doch geschrieben. Musste raus. Ich kann mein Befinden nirgendwo richtig dran festmachen, ich weiß nicht genau, was es ist. Es ist eher ein Wollknäuel aus x verschiedenen Fäden. Fäden, die ich (noch) nicht erkenne. Fäden, die ich nicht sehen und nicht wissen will. Fäden, die ich einfach nicht anpacke. Fäden, die mir zuviel sind. Fäden, die mir tierisch auf den Keks gehen, die ich aber nicht ändern kann. Fäden...

Was es auch ist, es ist da. Nicht wegzudiskutieren oder wegzublinzeln oder wegzuzaubern. Aus meinem Inneren kommt ein "Doch!"

Anja: Du kannst es wegzaubern, innere Stimme?
Innere Stimme: Ja klar.
Anja: Dann mach mal.
Innere Stimme: Nö.
Anja: Wieso nö?
Innere Stimme: Weil ich nicht will.
Anja: Na toller Trick! Warum willst du nicht?
Innere Stimme: Weil du erst was daraus lernen sollst.
Anja: War ja klar. Was soll ich daraus lernen?
Innere Stimme: Rate mal.
Anja: Dass das Leben so ist. Dass es mal einen Sumpf für uns parat hat und mal ein heiteres Plätzchen mit Cocktail im Schatten?
Innere Stimme: So ähnlich.
Anja: Dass es darauf ankommt, wie ich mit solchen Situationen umgehe, was ich daraus mache? Dass ich einen Weg finde, dass es mir trotz dem Sumpf gut geht?
Innere Stimme: Ja genau!

Okay, das Ergebnis sieht so aus:

Ich habe mich zu einer Schlammschlacht entschlossen. Mit dem Sumpf spielen, das ist für mich das Beste, aus der Situation zu machen. Ich kann sie nicht ändern, nur meine Einstellung. Heute ist eben ein sumpfiger, schlammiger Nachmittag, mit schlechter Stimmung. So ist es, das Leben.

Attackeeeeeee!

Anja Kolberg

Dienstag, 01 Juni, 2010

So ist es manchmal...

Hallo Ihr lieben Menschen da draußen in der Welt!

Heute bin ich wegen Hundebauchweh ans Haus gefesselt, obwohl ich eigentlich ins Bergische zu meiner Familie fahren wollte... Schnief. Gestern hatte ich Muffins gebacken, die ich heute mitnehmen wollte. Die werde ich jetzt wohl alleine futtern oder einfrieren... Gut, nützt alles nichts. So ist es manchmal. Heute ist also mein Krankenschwester-Tag inklusive Pfötchenhalten und Bauchkraulen... Ah, jetzt hat sich unsere Minu mit einem Seufzer aufs Sofa geschmissen. Das sieht gut aus. Entspannung...

Seit letzter Woche beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema "Selbstsabotage" und komme so auch wieder in Kontakt mit den Emotional Freedom Techniques (EFT), einer Selbsthilfetechnik, die ich 2002 kennen gelernt habe. Es handelt sich dabei um eine routinierte Klopfakupressur bestimmter Meridianpunkte des Körpers mit dem Ziel, sich von belastenden Gefühlen zu befreien, Blockaden zu lösen und ins seelische Gleichgewicht zu kommen. Damals habe ich die Methode begeistert genutzt - in den letzten Jahren habe ich sie jedoch regelrecht vergessen... bis ich über die Recherche zu Selbstsabotage wieder dort landete. Innere Blockaden können mich davon abhalten, ein Ziel zu erreichen oder ein negatives Gefühl loszulassen. Also obwohl mein Kopf "ja" sagt und ich offensichtlich etwas ändern will, werde ich jedoch nicht aktiv, unternehme keine Schritte. Irgendwas hält mich innerlich davon ab, mein Ziel zu erreichen, freier zu werden.... Es ist, als würde ich gleichzeitig Gas geben und mit dem anderen Fuß eine Vollbremsung machen. Ich sabotiere mich selbst.

 

Beispiel: Ich nehme mir vor, abzunehmen und esse gleichzeitig genau wie vorher weiter. Natürlich gibt es da den inneren Schweinehund, die liebe Bequemlichkeit, die zu überwinden sind - doch daneben gibt es eben auch die innere Blockade, zum Beispiel, wenn ich in Wirklichkeit Angst davor habe, schlank und schön zu sein, weil ich dann nicht mehr von (bisher) Gleichgesinnten gemocht werde oder wenn ich gelernt habe, dass nur dicke Menschen eine starke Psyche haben oder... Vom Verstand her, weiß ich, dass meine inneren Annahmen nicht stimmen, denn um beim Beispiel zu bleiben, natürlich haben auch dünne Menschen eine starke Psyche. Doch in dem Moment wirkt in mir das, was ich irgendwann einmal für mich als wahr angenommen habe. Und diese Annahme arbeitet in meinem Unterbewusstsein gegen mein Ziel, schlanker zu werden. Da diese falsche Wahrheit dort schon sehr lange sitzt, wirkt sie stärker als ein noch so verlockendes Ziel... Solange, bis ich sie entdeckt habe.

Es dauert eine zeitlang, bis man einem solchen Mechanismus auf die Spur kommt. Einmal bewusst geworden, kann man sich aufmachen, die Ursachen - also die blockierenden Einstellungen/Überzeugungen/Erfahrungen aufzufinden und sie aufzulösen... Damit beschäftige ich mich gerade.

Viele Grüße von der bald ehemaligen Sabotage-Königin. :o)

Anja Kolberg

Samstag, 29 Mai, 2010

Verflixter Thron-Kleber!!!

Auf dem Thron pappt irgendein Klebstoff. Mist. Und scheinbar auch ein Betäubungsmittel, das mich dort wie ein hypnotisiertes Häschen verharren lässt.

Ich habe zwar den Entschluss gefasst, nicht mehr auf dem Thron sitzen zu wollen - dennoch dauert es ziemlich lange, bis ich merke: Ich führe schon wieder negative Selbstgespräche mit mir! Gut, zumindest stelle ich es irgendwann fest. Ich will mich ja ermutigen.

Doch was lässt mich dort verharren? Es scheint ein ganz fieser Kleber zu sein. Hält bombenfest und betäubt gleichzeitig meine Sinne...

 

Der Name des Superklebers: Gewohnheit.

Was jahrzehntelang (!) einstudiert wurde, übt ziemlich viel Kraft auf mich aus. Es ist gut, wenn ich mir dessen bewusst bin, dann bin ich nicht so schnell entmutigt in meinem Plan, diesen Thron loszulassen.

Ja, es braucht Zeit, Anja. Es gelingt dir mit Übung immer eher, deine negativen Selbstgespräche zu erkennen. Es wird dir Schritt für Schritt immer rascher gelingen, sie zu unterbrechen, vom Thron abzuhauen.

Was dann passiert? Der Kleber trocknet ein und lüftet aus. Seine Klebkraft lässt nach und auch seine betäubende Wirkung auf meine Sinne.

Ja!

Anja Kolberg

Donnerstag, 27 Mai, 2010

Ich will die Krone nicht mehr und auch nicht den Thron

Krone? Thron???

Ich bin Königin. Königin der Selbstsabotage. Auf den Titel, die Krone, den Thron habe ich keinen Bock mehr!

Es nervt, mich dabei zu beobachten, wie ich mich selbst klein mache, wie aus Kanonen kritische Sprüche auf mich feuere. Es ist zum Schreien! Aaaaaaaaaaaaaaaah!

Ich will das nicht mehr. Nein. Nein. Nein. Nein. ..... NEIN!

Sie wissen nicht was ich meine? Ich sabotiere mich selbst, in dem ich mir NICHT gut zurede und mich ermutige, sondern fies zu mir selbst bin, in dem ich mir zum Beispiel sage: "Das kann ich nicht. Ich darf das nicht. Das schaffe ich niemals. Andere können das, aber ich nicht......" Ich erkläre mir, warum etwas, das ich vorhabe, mir erträume, nicht geht - stehe mir im Weg. Was ich bei einem anderen Menschen niemals tun würde, mache ich bei mir selbst.

Das Problem an der ganzen Geschichte: Ich habe mir diesen Thron jahrzehntelang erarbeitet, unbewusst, jeden Tag wurde er ein bisschen massiver. Und was sich so manifestieren konnte, ist nicht mit einem Wimpernschlag oder der bloßen Willensäußerung verschwunden. Der Thron steht da - ziemlich massiv, die Krone sitzt fest. Was mich daszu bewogen hat, so zu denken? Automatische Gedanken, die aus Erfahrungen entsprungen sind, aus gelerntem und nicht überprüften, aus mangelndem Selbstbewusstsein...

Gut ist, dass mir dieses Verhalten bewusst ist. Das ist der Wendepunkt meiner Königinnen-Laufbahn - weg von der Selbstsabotage - hin zur Befreiung und Entfaltung meiner Persönlichkeit.

Ich will diesen Thron und diese Krone nicht länger haben. Ich will den Titel "Königin der Selbstsabotage" nicht länger tragen. Nachdem mir das klar geworden ist, habe ich die Möglichkeit zu handeln und mich auf den Weg zu machen, diese sabotierenden Gedanken durch positive Schritt für Schritt zu ersetzen. Zum Beispiel: "Ich kann das. Ich schaffe das. Ich kann, was ich probiere und übe einfach, bis ich eine wahre Könnerin geworden bin. Ich kann verwirklichen, was ich erträume. Ich gehe auf meinen Wunsch zu. Schritt für Schritt...."

Immer seltener sitze ich auf dem Thron, mache Ausflüge, lege meine Krone ab. Verliere sie vielleicht auf einem der Wege... Eines Tages sieht der Thron so aus:

Wo ich dann bin?

 

Ich gehe weiter auf meinem Weg. Befreit. Erleichtert. Und noch mehr ich selbst!

Anja Kolberg

Dienstag, 25 Mai, 2010

Es fehlt was...

Im vorigen Blogeintrag schrieb ich über das 'auf dem Weg stehen bleiben' und wie schwer es mir fällt. Als ich den Beitrag online las, fiel mir auf, das mir etwas fehlte: Nämlich so richtig traurig zu sein, dass es so ist wie es ist. Dem Ausdruck zu geben.

Das hole ich jetzt mal nach:

 

Da ist erst mal ganz viel Traurigkeit. Tränen.

 

Hoffnungsvoll die Frage danach, ob es überhaupt mal weiter geht.

Gefolgt von der Angst, was wenn nicht?

Schwups, kommt der Trotz in mir durch: Na und - dann bleibe ich eben stehen!

Sekundenbruchteile und die Wut ist da: Warum passiert mir sowas????? Warum habe ich es so schwer????

Daraus entwickelt sich Kraft...

... und ein Gefühl von Freiheit und das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Jetzt ist es besser. Jetzt fühle ich Frieden in mir.

Anja Kolberg

Den Mut haben, stehen zu bleiben

Ich finde es schwer, stehen zu bleiben. Inne zu halten. Anzunehmen, dass es auf dem Lebensweg gerade mal nicht weiter geht. Warum? Weil ich mich vergleiche. Mit anderen, die scheinbar leichten Schrittes ihren Weg gehen.

Es erfordert Mut, stehen zu bleiben. Mich anzunehmen wie ich bin. Mich lieb zu haben, obwohl ich nicht zu denen gehöre, die das tun, was ich u.a. gerade von mir erwarte: Auf dem Lebensweg vorwärts zu kommen. Ziele haben und sie erreichen. - Doch das bin nicht ich. Nicht im Moment. Das tut weh. Richtig doll sogar.

Ich will tun, was ich tun kann und mir zur Seite stehen und mich unterstützen: Ich bin okay, wenn ich stehen bleibe. Ich habe den Mut, das zu tun.

Anja Kolberg

Donnerstag, 20 Mai, 2010

Ich verändere mich

In der Verlagsvorschau des Droemer Knaur Verlags las ich in der Beschreibung des Buches "Eine kleine Philospohie vom Glück" (erscheint Oktober 2010 - hier vorbestellen) der Autorin Marie-Sophie Lobkowitcz, deren Buch "Ich werde da sein, wenn du stirbst" mich berührte und mir gut gefiel.

Klick zum Buch

In der Beschreibung ihres neuen Werkes steht: "Es gibt Menschen, die nie zu wirklichen Entscheidungen kommen. (...) Sie schlagen an jeder Weggabelung Wurzeln. Und je länger sie warten, desto schwieriger ist der nächste Schritt." Die Autorin erzählt von Menschen, die es dennoch geschafft haben, ihrem Leben eine Wende zu geben, und verrät ihre persönliche Philosphie vom Glück: "Wenn ich etwas tue, kann ich etwas falsch machen. Wenn ich nichts tue, mache ich alles falsch."

Ich bin einer dieser Menschen, die an Weggabelungen Wurzeln schlagen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Seufz. Ich brauche diese Zeit. Besonders deutlich zeigt das mein Blogbeitrag über die Entscheidung ein Geschäftstreffen abzusagen. Ich befreie mich aus altem Verhalten. Ich glaube, je mehr ich das mache, desto weniger zögere ich, desto mehr schwindet die Sorge nicht mehr geliebt zu werden - desto mehr werde ich zu der, die ich bin.

Anja Kolberg

Was mir nicht gut tut

Der letzte Beitrag "Manchmal ist es zum Schreien" - ist ein schönes Beispiel für das Kalenderzitat im Mai: "Ich lasse sein, was mir nicht gut tut."

... und dafür, dass die Umsetzung gar nicht mal so einfach ist. Denn wir haben ja einen Grund, warum wir die Dinge tun und nicht lassen. Bei mir war es gestern das Pflichtbewusstsein, doch mir fallen noch mehr Gründe ein, warum es mir schwer fällt, bestimmte Dinge sein zu lassen: Anstand, Ehrgeiz, Angst, nicht mehr gemocht zu werden und anzuecken, innere Sätze wie 'Absagen, das macht man nicht.' oder 'Das gehört sich nicht.' oder 'Was sollen denn die anderen denken....' Seufz. Die Liste könnte ich gefühlt endlos fortführen...

Gerade deswegen fällt es ja so schwer, die Dinge sein zu lassen, die mir nicht gut tun. Diese Regeln und auch Werte (Andere nicht verletzen) haben ihren Grund, warum sie da sind.

Ein Teil in mir gibt resigniert auf. Ich will keinen verletzen. Ich will nicht gegen Regeln verstoßen. Ich will brav und lieb sein und von allen gemocht werden. Also bleibt mir wohl gar nichts anderes übrig, als alles zu tun, was andere von mir wünschen, gleichgültig, ob es mir dabei gut geht oder nicht oder ob ich darauf Lust habe oder nicht.

 

Das fühlt sich ganz schön mies an, trostlos, sinnlos, lähmend.

 

Ich spüre wie beim Betrachten dieses Bildes Wut in mir hochsteigt, gemischt mit dieser Lähmung, doch nichts tun zu können. Mir kommen Worte wie Opfer und Hilflosigkeit in den Sinn.

Das kann es doch nicht sein!

 

Zeit für einen Austausch mit meinem Inneren.

Anja: Ja, was denn?

Innere Stimme: Anja, was machst du gerade?

Anja: Ich mache mich fertig.

Innere Stimme: Was meinst du?

Anja: Ich mache mich runter, warum ich etwas nicht sein lassen kann, dass mir nicht gut tut.

Innere Stimme: Warum machst du das?

Anja: Weil es sich nicht gehört, eine Verabredung abzusagen.

Innere Stimme: Warum nicht?

Anja: Weil ich zugesagt habe.

Innere Stimme: Warum hast du zugesagt?

Anja: Weil ich mich nicht getraut habe, 'nein' zu sagen.

Innere Stimme: Warum hast du dich nicht getraut, 'nein' zu sagen?

Anja: Weil ich zuerst Lust auf das Treffen hatte.

Innere Stimme: Jetzt hast du keine Lust mehr?

Anja: Es ist eine Mischung aus 'Vielleicht wird es mir gut tun. Es ist bestimmt schön, diese Menschen zu treffen.' und 'Ich kenne die Umgebung nicht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe Angst. Ich weiß nicht, was mich erwartet.'

Innere Stimme: Was ist das für ein Grundgefühl?

Anja: Unsicherheit und Angst.

Innere Stimme: Ich verstehe dich. Das ist keine gute Basis, um zu einem Treffen zu gehen.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Und nun?

Anja: Ich fühle mich verpflichtet, weil ich zuerst ja gesagt habe. Das ist nicht fair den anderen gegenüber, die das Treffen organisiert haben.

Innere Stimme: Ja, das stimmt.

Anja: Ich könnte schreien!

Innere Stimme: Dann schrei!

Anja: (halbe Lautstärke in Rücksichtnahme auf die Nachbarn) aaaaaaaaaaaaarg!

Innere Stimme: Du nimmst dich zurück. Warum machst du das Fenster nicht zu und schreist nochmal?

Anja: Ich schäme mich.

Innere Stimme: Würde es dir gut tun, zu schreien?

Anja: Oh ja!

Innere Stimme: Dann tu es auch. Denke mal nur an dich und das, was dir gut tun würde.

Anja: ... schließe das Fenster ... nehme all meinen Mut zusammen.... und schreie... sehr laut... Minu guckt verdutzt hoch... reicht noch nicht... schreie nochmal... das hallt ganz schön... reicht noch nicht... schreie nochmal... es wird leichter. Ich denke mal nicht an die Nachbarn und was die wohl denken mögen...grinse, weil ich an ihre Gesichter denke...

Innere Stimme: Wie geht es dir jetzt?

Anja: Ich fühle mich energiegeladen. Irgendwie besser.

Innere Stimme: Auf zu unserem ursprünglichen Thema. Das Treffen und deine Gefühle diesbezüglich.

Anja: (leise) ja.

Innere Stimme: Möchtest du darüber überhaupt noch reden?

Anja: Ja, natürlich. Es ist wichtig. Ich will nicht einfach meine Gefühle ignorieren, sie wegdrücken und pflichtgemäß das tun, was sich eigentlich doof anfühlt.

Innere Stimme: Bleiben wir bei dem Wort 'doof'. Warum fühlt es sich doof an?

Anja: Weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Weil ich nicht weiß, warum ich - was ich davon habe.

Innere Stimme: Spaß?

Anja: Ja, vielleicht, das weiß ich aber nicht.

Innere Stimme: Was könntest du denn davon haben?

Anja: Einen netten Abend. Unterhaltung.

Innere Stimme: Und das ist nichts?

Anja: Doch schon, aber ich habe keine Lust.

Innere Stimme: Manchmal gibt es doch auch Situationen, da hattest du erst keine Lust und dann war es ganz toll. Erinnerst du dich an die Karnevalsveranstaltung an deinem Heimatort, wo du viele Freunde von früher getroffen hast?

Anja: Hm.

Innere Stimme: War das nicht ähnlich?

Anja: Doch schon, nachher war ich froh. Es war schön.

Innere Stimme: Siehst du, vielleicht wird es hier ja auch so laufen.

Anja: (gequält) ja, vielleicht

Innere Stimme: Au weih, es geht dir nicht gut damit, oder?

Anja: Nö.

Innere Stimme: (seufzt) Anja, ich stehe zu dir, was immer du tun willst, gleich wie du dich entscheidest. Ich stehe zu dir.

Anja: Ich komme mir so unzuverlässig vor, wenn ich absage.

Innere Stimme: Nun ja, wenn du erst zusagst und dann absagst, dann ist das ja auch nicht zuverlässig. Das würde ja bedeuten, du sagst ja und tust es dann auch.

Anja: Ja eben. Ich will aber zuverlässig sein. Ich will lieb sein. Ich will glänzen. Brav sein.

Innere Stimme: Das, was du gerade sagst, fühlt sich ganz schrecklich an. In meinem Bauch krümmt sich alles zusammen. Was hast du davon, so zu sein?

Anja: Ich ecke nicht an und werde gemocht.

Innere Stimme: Das kannst du nur vermuten. Genau wissen kannst du das nicht.

Anja: Ja, stimmt. Ich vermute es, weil es eine Erfahrung von mir ist.

Innere Stimme: Was ist denn, wenn diese Erfahrung überhaupt nicht stimmt oder nur ein einziges Mal gestimmt hat und heute nicht mehr stimmt?

Anja: Ich weiß es nicht, du verunsicherst mich.

Innere Stimme: Es ist meine Absicht, das zu tun. Weil ich das, was dich zum Handeln bewegt, hinterfragen will. Du tust Dinge, obwohl du keine Lust darauf hast, obwohl du dich mies fühlst, weil du nicht nein sagen willst, weil du nicht anecken willst, weil du nicht willst, dass die Menschen schlecht über dich reden. Denn wer erst zusagt und dann absagt, der kann damit rechnen, dass die anderen über ihn reden, richtig?

Anja: Ja, richtig.

Innere Stimme: Du willst um jeden Preis geliebt werden.

Anja: Ja, will ich.

Innere Stimme: Das ist ungesund.

Anja: Wieso?

Innere Stimme: Du hast keine Lust, dorthin zu gehen. Du hast keine guten Gefühlen wegen des Treffens, richtig?

Anja: Ja, ich freue mich nicht richtig darauf. Bin unsicher.

Innere Stimme: Genau, und obwohl es dir nicht gut damit geht, willst du es trotzdem tun, richtig?

Anja: Ja, weil ich Angst habe, dass die anderen schlecht über mich reden oder schlecht von mir denken.

Innere Stimme: Du versuchst, Einfluss auf die Gedanken und Gefühle der anderen zu nehmen, in dem du dich möglichst so verhältst, dass du nicht aneckst, richtig?

Anja: Ja, stimmt. Weil ich gemocht werden will. Die anderen sollen eine gute Meinung von mir haben.

Innere Stimme: Weißt du, dass du darauf keinen Einfluss hast, was andere von dir denken?

Anja: (zögerlich nachdenkend) Ich weiß nicht.

Innere Stimme: Du hoffst das. Das ist aber nicht der Fall. Das einzige was du beeinflussen kannst, das bist du selbst. Deine Gedanken. Deine Gefühle. Dein Wohlbefinden. Du wirst die anderen so nehmen müssen wie sie sind, gleichgültig, was sie von dir denken.

Anja: Das tue ich doch auch.

Innere Stimme: Nicht wirklich, denn dann würdest du unabhängig von den Gefühlen und Gedanken der anderen handeln. Das tust du nicht, du versuchst, dich so zu verhalten, dass sie etwas bestimmtes von dir denken, nämlich was positives.

Anja: Ja, stimmt. (nachdenklich)

Innere Stimme: Und genau das ist ungesund, Anja. Es ist, als versuchst du durch dein Verhalten die Richtung des Windes zu bestimmen oder ob die Sonne scheint oder nicht. Ähnlich wie dem Spruch: "Wenn du deinen Teller leer isst, dann scheint Morgen die Sonne." Umgekehrt, wenn du es nicht tust, dann wird's regnen. Weiß du, was ich meine?

Anja: (schüttelt den Kopf)

Innere Stimme: Du glaubst, dass du Dinge beeinflussen kannst, die du nicht beeinflussen kannst. Zum Beispiel, durch dein Verhalten die Gefühle und Gedanken von anderen Menschen zu beeinflussen. Wenn du schön brav bist, dann finden dich die anderen dufte. Wenn du lieb bist, dann mögen dich die anderen. Wenn du aufisst, dann scheint die Sonne. Wenn du tust, was andere von dir erwarten, dann bist du lieb.

Anja: Ja, das glaube ich.

Innere Stimme: Und genau das ist das ungesunde. Du machst dich abhängig von den Gefühlen und Gedanken anderer. Verstehst du, warum das ungesund ist?

Anja: Weil ich das nicht beeinflussen kann, was andere denken?

Innere Stimme: Ja, du machst dich abhängig, du bist nicht mehr frei. Du machst dich zum Spielball der anderen. Nicht, dass die anderen das möchten, du bist dabei der entscheidende Punkt, nicht die anderen. Du lässt das zu, du machst dich abhängig. Du glaubst, nur, wenn die anderen dich lieben, dann bist du in Ordnung. Nur, wenn die anderen gut heißen, was du tust, dann bist du lieb. Nur wenn dir anderen deinen Plänen zustimmen, dann darfst du sie umsetzen. Siehst du die Abhängigkeit?

Anja: Ja, ich sehe sie. Es ist wie ein Band, dass ich einem anderen zuwerfe und der andere bestimmt, je nachdem wie er daran zieht, ob ich mich gut oder schlecht fühle.

Innere Stimme: Genau so ist es. Und der andere weiß größtenteils noch nicht mal von diesem Band.

Anja: Dabei muss ich gar nichts mit den Gefühlen des anderen zu tun haben.

Innere Stimme: Genau.

Anja: Wenn der andere schlechte Laune hat, denke ich 'Oh, was habe ich falsch gemacht?' und fühle mich mies. Die Laune des anderen muss aber gar nichts mit mir zu tun haben.

Innere Stimme: Ja genau. Ob der andere fröhlich ist oder schlecht gelaunt - die Gründe dafür liegen immer in dem anderen begründet. Darauf hast du keinen Einfluss. Es hat mit seiner Geschichte zu tun, mit seinen Werten, Regeln - vielleicht auch mit deinem Verhalten. Es kann sein, muss aber nicht. Das weiß nur der andere.

Anja: Also kann es auch sein, dass der andere sagt: 'Ich finde es klasse, dass du die Verabredung absagst und so gut für dich sorgst.'

Innere Stimme: Das kann natürlich sein. Aber der andere kann auch enttäuscht sein und sagen: 'Ich finde es schade, dass du nicht kommst. Ich habe mich so auf dich gefreut. Ich bin sauer, dass du so kurzfristig absagst, warum sagst du nicht gleich Bescheid?' usw.

Anja: Mir wird klarer, dass ich bisher versucht habe, durch mein Verhalten Einfluss auf den anderen zu nehmen. Und dass ich ein großes Bedürfnis habe, geliebt und gemocht zu werden.

Innere Stimme: Ja, weil du glaubst, nur dann okay zu sein. Du bist aber immer okay, gleich was du machst und sagst. Du bist auch okay, wenn du absagst oder wenn du nein sagst oder wenn du anderen auf die Füße treten musst.

Anja: Aber das will ich nicht.

Innere Stimme: Das weiß ich. Nur geht es manchmal einfach nicht anders. Wenn du eine Verabredung absagst, dann ist der andere vielleicht traurig oder sauer oder was auch immer. Der andere darf so reagieren und ist damit genau so okay wie du es bist. Ihr beide seid völlig in Ordnung. Eure Gefühle, Gedanken... Wichtig ist, dass du unabhängig von der Reaktion anderer - gleich wie die aussehen mag, ob positiv, negativ, gleichgültig.... - das tust, was sich für dich richtig anfühlt.

Anja: (denkt nach) So langsam verstehe ich.

Innere Stimme: Ich weiß, dass dir das schon lange klar ist und dass du die Systematik, das Muster kennst, das sich dahinter verbirgt: 'Wenn du dich so verhältst wie es mir gut tut, dann habe ich dich lieb. Wenn du aufmüpfig bist oder schwierig oder unbequem, dann habe ich dich nicht lieb.' So lautet das alte Muster, das hier in der Situation wirkt. Du kannst dich von dieser Last, diesem alten Muster befreien. Du darfst 'nein' sagen, wenn es dir damit besser geht. Du darfst absagen, wenn es dir nicht gut geht. Auch wenn es schön werden könnte, auch wenn es dir etwas geben könnte, auch wenn du etwas verpasst... Hör auf dein Herz und dein Gefühl. Das ist entscheidend. Du kümmerst dich um dich selbst, auf die anderen hast du keinen Einfluss.

Anja: PUH! Und nun?

Innere Stimme: Ich weiß es nicht. Wie geht es dir denn jetzt?

Anja: Etwas besser. Mir wird klar, warum es mir so schwer fällt, gut für mich zu sorgen, ich bekomme alleine bei dem Gedanken schon wieder Bauchweh. Das Kalenderzitat von diesem Monat 'Ich lasse sein, was mir nicht gut tut.' ist ein ganz schönes Paket.

Innere Stimme: Ja das stimmt. Herausfordernd und wichtig und tiefgreifend.

Anja: (atmet ganz tief durch). Ja. (guckt auf den nächsten Monat, dort steht: 'Ich erlaube mir, unperfekt zu sein.') Boah, das passt ja.

Innere Stimme: Ja, das passt prima. Wenn du gut für dich sorgst, kann es auch sein, dass du aneckst, andere vor den Kopf stößt und damit bist du nicht mehr so pflegeleicht wie bisher. Wenn "pflegeleicht, einfach zu handhaben, immer das 'richtige' tun" - perfekt sein bedeutet - was bedeutet dann unperfekt sein?

Anja: Na, wenn ich tue, was mir gut tut und zum Beispiel die Verabredung absage, obwohl ich vorher zugesagt habe, obwohl ich etwas verpassen könnte, obwohl andere sauer auf mich sein können (was ich ja in Wirklichkeit nicht weiß), obwohl die 'alte Anja' so etwas nie getan hätte... dann bin ich unperfekt.

Innere Stimme: Und, lohnt es sich, unperfekt zu sein?

Anja: Ja, weil alles andere gegen mich selbst geht. Ich will nicht länger funktionieren. Und ich will mich auch nicht länger abhängig machen von den Gefühlen und dem Wohlwollen anderer Menschen. Ich möchte so sein wie ich bin. Ich möchte so sein wie ich mich fühle. Ich möchte zu mir stehen und mich verstehen und zu mir halten, auch wenn ich unbequem bin. Ich erlaube mir, unperfekt zu sein. Ich erlaube mir, sein zu lassen, was mir nicht gut tut. Auch wenn ich damit das große Risiko eingehe, nicht mehr so gesehen zu werden wie ich mir das wünsche, nämlich lieb, nett, freundlich, verbindlich, zuverlässig, lustig, bequem, praktisch... Alles Werte und Tugenden, die auch einengen können. Ja, sie engen mich ganz aktuell ein.

Innere Stimme: Das fühlt sich gut an.

Anja: (atmet wieder tief durch) Ja, das tut es. Wenn auch gleichzeitig ein bischen komisch...

Innere Stimme: Das gehört dazu. Alles neue Verhalten fühlt sich komisch an, weil es neu ist. Es ist wie durch den Dschungel querfeldein statt auf der breiten bekannten Straße zu gehen. Das ist völlig anders, daran muss man sich erst mal gewöhnen.

Anja: Okay. (fängt wieder an zu grübeln) Was soll ich jetzt machen? Soll ich absagen oder nicht?

Innere Stimme: Das weiß ich nicht. Was möchtest du denn am liebsten?

Anja: Ich möchte zu Hause bleiben.

Innere Stimme: Dann hast du doch deine Antwort.

Anja: Aber es tut so weh.

Innere Stimme: Das stimmt. Das gehört dazu. Es gehört dazu, auszuhalten, dass du anderen vielleicht weh tust, sie enttäuscht. Ent-Täuschung bedeutet auch, den Schleier fallen zu lassen. Die Täuschung war, dass du so getan hast, als hättest du Lust, um den anderen zu gefallen.

Anja: Aber ich möchte die anderen nicht enttäuschen.

Innere Stimme: Du entscheidest. Du erinnerst dich, du kannst nicht beeinflussen, ob die anderen enttäuschst sind oder nicht, das bestimmen alleine die anderen.

Anja: Ja stimmt. Ich will den anderen nicht weh tun.

Innere Stimme: Ich weiß. Auch das kannst du nicht beeinflussen. Die anderen entscheiden, ob du sie damit verletzt oder ob sie Verständnis für dich haben oder oder oder.... All das ist okay. Das gehört nicht in deinen Machtbereich. Damit überschreitest du die Grenze des anderen. Lass den anderen ihre Gefühle. Kümmere dich nur um deine Gefühle. Das ist dein Hoheitsbereich.

Anja: Aber es ist so schwer.

Innere Stimme: Ja, das stimmt. Es ist schwer. Veränderung ist schwer.

Anja: Ich brauche noch Hilfe.

Innere Stimme: Welche Hilfe brauchst du?

Anja: Die Gewissheit, dass alles gut wird und dass ich das darf.

Innere Stimme: Gut, dann fragen wir die weise Achtzigjährige in dir um Rat.

Anja: Wird alles gut werden?

Achtzigjährige: Natürlich wird alles gut werden, Anja. Mach dir keine Sorgen.

Anja: Aber darf ich das denn, absagen?

Achtzigjährige: Natürlich darfst du das. Du darfst alles.

Anja: Aber was ist mit den Folgen?

Achtzigjährige: Was soll damit sein?

Anja: Verbaue ich mir damit nicht etwas?

Achtzigjährige: Ich kann dir nicht sagen, was gewesen wäre, hättest du dich damals anders entschieden. Ich kann dir nur sagen, dass es mir gut geht.

Anja: Also habe ich damals abgesagt?

Achtzigjährige: Dazu möchte ich nichts sagen, Anja. Ich will dir nicht die Entscheidung abnehmen. Das kannst du nur heute entscheiden. Im Alter sind einfach andere Dinge wichtig und ich habe heute andere Gefühle als früher. Heute sind deine aktuell, Anja, und die alleine zählen.

Anja: Ich möchte am liebsten schreien.

Achtzigjährige: Ja, du möchtest schreien, weil du beides willst: Du willst gut im Licht stehen und keinen Schaden hinterlassen. Doch beides geht nicht. Entscheide heute nach deinen Gefühlen, alles andere liegt nicht in deiner Hand. Vielleicht wirst du Ansehen verlieren, vielleicht wirst du Angst haben, vielleicht wirst du dich schlecht fühlen, vielleicht wirst du dich aber auch großartig fühlen, weil du dich ernst genommen hast, vielleicht wirst du Ansehen gewinnen... Das alles sind Blicke in die Zukunft, die dich jetzt nicht weiter bringen.

Anja: Warum nicht?

Achtzigjährige: Weil du die Folgen nie ganz abschätzen kannst. Einen Schritt nach dem anderen. Hör mal auf deine Lust und deine Freude: Hast du Lust, die Verabredung anzunehmen?

Anja: Nein, ich fühle mich aber schlecht bei diesem Gedanken.

Achtzigjährige: Warum?

Anja: Weil ich die anderen nicht verletzen will. Ich mag die anderen, aber ich fühle mich nicht freudig, wenn ich an das Treffen denke.

Achtzigjährige: Okay, jetzt hast du die Möglichkeit, über dein Wohlbefinden zu entscheiden. Denn das tust du, das ist deine Aufgabe: Gut für dich zu sorgen. Wenn du ganz frei wählen könntest, was würdest du dann am liebsten tun?

Anja: Nicht gehen, aber da ist auch die Neugier, was aus den anderen geworden ist.

Achtzigjährige: Es geht eben nicht alles, Anja. Du zahlst immer einen Preis für deine Entscheidungen. Du kannst nicht beides haben: Deine Neugier befriedigen und dich wohl fühlen.

Anja: (horcht auf) Wieso nicht?

Achtzigjährige: Sag du es mir.

Anja: Nun, wenn ich mich für das Treffen morgen präparieren könnte, so dass es mir gut geht, dann könnte ich mich wohlfühlen, würde allen anderen nicht auf die Füße treten, ich wäre geliebt und geschätzt, ich würde Neues erfahren, würde mir nichts verbauen...

Achtzigjährige: Du versuchst, zu funktionieren. Du versuchst, in ein Raster reinzupassen, dich dem anzupassen, was du glaubst, dass andere von dir erwarten. Genauso dass du glaubst, die anderen würden dich dann mögen. Es kann auch ganz anders sein, zum Beispiel, dass die dennoch denken: 'Was für eine doofe Kuh'. Nicht dass sie das tun, aber du kannst anderen nicht hinter die Stirn schauen und das willst du. Du willst kontrollieren.

Anja: Aua.

Achtzigjährige: Stimmt es?

Anja: Ja.

Achtzigjährige: Siehst du, das ist das Problem. Du willst kontrollieren, was nicht in deinem Machtbereich steht.

Anja: Grmpf.

Achtzigjährige: Es gefällt dir nicht.

Anja: Nein.

Achtzigjährige: Das ist okay und gehört dazu. Du darfst darüber traurig sein. Du darfst wütend sein. Du darfst Angst haben. Du darfst dir Sorgen machen. Alles ist okay. Du willst von mir die Erlaubnis haben, damit du nicht die Verantwortung tragen musst. Die bekommst du aber nicht von mir.

Anja: Na toll.

Achtzigjährige: Du bist wütend.

Anja: Ja! Ich finde das total blöde!

..................................

Nach dem Dialog habe ich all meinen Mut zusammen genommen und abgesagt. Es war sehr wichtig für mich, keine Ausrede zu benutzen, sondern über meine wirklichen Gefühle zu sprechen. Nach der Absage habe ich mich erst schrecklich gefühlt, dann war ich stolz, dass ich so auf meine Gefühle geachtet habe. Es fühlt sich immer noch komisch an, das darf es auch. Es ist für mich neues Verhalten, wirklich meine Gefühle und Bedürfnisse konsequent ernst zu nehmen. Neues Verhalten (Urwald statt breite Straße) fühlt sich komisch an.

Doch je öfter ich den Urwaldweg gehe, desto bekannter wird er für mich. Eines Tages gehe ich ihn blind. Dann ist es ein gewohntes Verhalten von mir, ohne Gewissensbisse gleich zu sagen, was ich fühle. Ja, das möchte ich: Noch ehrlicher zu mir selbst und anderen sein. Mich unabhängig von der Bewertung anderer machen. Auch zu den 'nicht so angesehenen' Gefühlen wie Unlust zu stehen und damit ganz zu mir zu stehen. Verständnis für mich haben. Mich wichtig nehmen. Mir erlauben, so zu sein wie ich bin.

Anja Kolberg

Montag, 17 Mai, 2010

Manchmal ist es zum Schreien

Ich stehe vor einem Glaskasten. Innendrin schwebt ein goldener Umschlag mit der Lösung. Die Anleitung, was ich tun muss, damit es mir besser geht, ich fühle mich nicht so dolle. Aber keine Möglichkeit an das goldne Ding ran zu kommen, es gibt weder ein Schloss noch eine Türe im Glaskasten. Schon alles untersucht. Genau an der Stelle möchte ich am liebsten laut schreien - aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Vor lauter Wut, weil ich nicht weiß, wie ich an den Umschlag komme.

... ein bischen Zorn scheint auch dabei...

... könnte auch der Schlachtruf einer Kriegerin sein! Hey, das gefällt mir, denn darin liegt ganz viel Kraft und Energie. Mit der könnte ich einem Karatekämpfer den Glaskasten in Einzelteile zerlegen und so an die Lösung kommen. ... aber Gewalt fühlt sich nicht gut an.

Wie kann ich damit umgehen? Der Schrei hat schon mal geholfen, meine Gefühle auszudrücken. Immer noch rot im Gesicht fühlt es sich jetzt schon ein bischen besser an.

An den Umschlag bin ich aber noch immer nicht rangekommen.

Ich vermute ja nur, dass sich darin die Anleitung zum "Wie es mir besser geht" befindet. Vielleicht ist es so. Vielleicht ist dieser Glaskasten aber auch nur ein Sinnbild für etwas. Er ist ja durchsichtig und ich kann den goldenen Umschlag sehen. Vielleicht ist der Kasten ein Sinnbild für mich selbst, der goldene Umschlag ein Hinweis auf mein Inneres und der vermutete Inhalt ein Sinnbild für die Lösungen, die in mir schlummern?

Das gefällt mir. Ich will doch die Lösung in mir selbst finden und nicht im äußeren. Das passt. Zeit für einen Dialog mit meinem Inneren.

Anja: Stimmt das Bild? Ist der Glaskasten mit dem goldenen Umschlag eine Metapher für mein Inneres und dass die Lösung in mir selbst liegt?

Innere Stimme: Natürlich!

Anja: Okay. Dann sag mir doch mal bitte, wie es mir besser gehen kann. Was kann ich tun? Was soll ich tun?

Innere Stimme: Halt, nicht so schnell. Du willst viel zu schnell vorwärts kommen. Das tut dir nicht gut. Du brauchst viel mehr Zeit. Die willst du dir aber nicht geben. Deswegen hast du auch so Kopfschmerzen.

Anja: Aha. Doof. Ich will jetzt aber die Lösung. Jetzt gleich will ich wissen wie es mir besser geht!!!!! Maaaaaaannnnoooooo!

Innere Stimme: Ich sehe dich schon wieder rot angelaufen schreien. Du bist unglücklich, dass es nicht so läuft wie du es gerne willst.

Anja: (mault) Ja und, was ist daran so schlimm?

Innere Stimme: Daran ist gar nichts schlimm. Es ist einfach so.

Anja: Ja und? Wie soll mir das bitte schön weiter helfen?

Innere Stimme: Du bist sehr angespannt.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Schau dich gerade mal um, ob dich etwas in deiner Umgebung stört.

Anja: Ja, das Fenster ist offen und der Straßenlärm und das Geräusch eines Kompressors nerven mich.

Innere Stimme: Dann mach das Fenster zu.

Anja: (wieder maulend) Ja gut, aufstehen ist aber lästig... so habe ich gemacht.

Innere Stimme: Ist es jetzt besser?

Anja: Nur ein bischen.

Innere Stimme: Was stört dich noch?

Anja: Der Rechner ist so laut.

Innere Stimme: Dann mach den PC aus.

Anja: Ja, dann kann ich hier aber nichts mehr schreiben und nicht mehr weiter arbeiten.

Innere Stimme: Ja und? Dann ist das jetzt eben so. Du kannst jetzt nichts mehr am PC schreiben und auch nichts anderes machen. Dafür gehen aber vielleicht deine Kopfschmerzen weg und du entspannst dich endlich. Das ist doch ein Grundproblem. Du sagst, du fühlst dich nicht gut.

Anja: Ja.

Innere Stimme: Aber die Lösung suchst du im Außen. Dabei liegt die Antwort so nah: Schau, was dir ganz konkret gut tut und was nicht. Was tut dir gerade nicht gut?

Anja: Das Rechnergeräusch.

Innere Stimme: Was würde dir jetzt gut tun?

Anja: Den Rechner ausmachen. Wärme, eine heiße Dusche, mich hinlegen, japanisches Heilpflanzenöl auf die Stirn.

Innere Stimme: Da hast du die Anleitung für die Lösung, Anja. So einfach - und offensichtlich auch gleichzeit so schwer - ist das. Die Welt geht nicht unter, wenn du jetzt den Rechner ausmachst. Du tust dir etwas Gutes, auch wenn sooooo viel liegen bleibt und du deswegen erst mal ein doofes Gefühl hast. Glaube mir, es wird sich auszahlen, dass du dir jetzt was Gutes tust, viel mehr als jetzt noch eine Stunde und noch eine Stunde und noch... hier zu sitzen und dich zu quälen. Kannst du das annehmen?

Anja: Ja. Na gut. Ich versuche es und mache den PC jetzt aus, stelle mich unter die heiße Dusche und bin mir eine ganz besonders liebevolle und umsorgende Mama.

Tschööööö

Anja Kolberg

Freitag, 14 Mai, 2010

Die große Wirkung der kleinen Schritte

Kennen Sie das Pareto-Prinzip? Es beruht auf den Erkenntnissen des italienischen Ökonoms Vilfredo Pareto. Der entdeckte Ende des 19. Jahrhunderts, dass 80% des Volksvermögens 20% der Bevölkerung gehörten. Diese 80/20-Regel fand sich in vielen Bereichen wieder: In einem Geschäft machen 20% der Waren 80% des Umsatzes aus. Bekannt ist die Regel auch aus dem Zeitmanagement, nämlich 20% der eingesetzten Zeit machen schon 80% des Ergebnisses aus.

Warum ich von dieser 80/20-Regel berichte? Weil sie mir zu Beginn von Projekten Mut macht, denn 80% vom Ergebnis beruhen auf 20% meines Einsatzes. Heißt: Die kleine Schritte am Anfang brauchen nicht viel Zeit, machen aber schon 80% meines Erfolgs aus. Es lohnt sich daher, loszugehen - kleine Schritte haben eine große Wirkung auf mein Gesamtergebnis!

Was nach dem Gehen der ersten kleinen Schritte auch noch passiert, ist ein Domino-Effekt - viele andere Dinge kommen dadurch in Bewegung - mein Projekt verselbstständig sich - die Kraft der sich in Bewegung setzende Dominosteine hilft mir ebenso!

Das ist ein fröhliches und sinnvolles kleine Schritte gehen!

Ihre Anja Kolberg

Montag, 10 Mai, 2010

Einen Schritt nach dem anderen

In meinem Leben kommt es vor, dass ich ungefähr weiß, in welche Richtung ich gehen will, aber keine Idee habe, wie ich dorthin komme. Ich sehe einfach nicht, wie es weiter geht, sehe den nächsten Schritt nicht. Meine Ungeduld wird stetig größer.

Hier meine ich nicht klar benennbare Ziele wie: "Ich will wissen, wie ein Motor funktioniert." oder "Ich will nach Paris.". Was ich meine sind eher leise und wertvolle Gefühlsziele wie "Ich will unabhängig von der Meinung anderer sein." oder "Ich will für mich gesund damit umgehen können, dass andere sauer auf mich sind." Dinge, wo ich nicht einfach im Internet suchen oder andere fragen kann, weil die Antworten und der Weg in mir selbst liegen und nur dort zu finden sind.

Bis mir überhaupt erst mal klar geworden ist, in welche Richtung ich gehen will, habe ich schon einen mächtigen Weg hinter mich gebracht. Vielleicht sehe ich den nächsten Schritt gar nicht, weil es erst mal an der Zeit ist, Pause zu machen. Den Rucksack absetzen.

Die Picknickdecke auf einer sehr schönen Stelle auf einer weichen Wiese ausbreiten. Dann aus dem Rucksack was zu trinken und was zu essen auspacken, um mich zu stärken. Inne halten. In die Ferne gucken. Auf den Weg schauen, den ich zurück gelegt habe. Den Moment genießen, wenn die Sonne mich an der Nase kitzelt. Innerlich zur Ruhe kommen. Im Rucksack kramen, ob da was drinn ist, das ich nicht mehr brauche und an dieser Stelle zurück lassen kann. Vielleicht ist ja ein kleiner Watzmann in der Tasche, der mich unnötig runtergezogen hat, den ich aber bisher brauchte. Den kann ich dann als schönen Wegstein an meinem Rastplatz setzen als Sinnbild für meinen Entwicklungsschritt und fortan leichter meinen Weg weiter gehen.

Habe ich an diesem Rastplatz so einige Zeit verbracht, vielleicht ein Nickerchen gemacht, mir die Zeit genommen, die ich brauche... vielleicht sogar noch ein bischen länger, um den Sternenhimmel an dieser Stelle meines Weges noch zu geießen... Vielleicht hat sich dann in der Zwischenzeit ein Teil meiner Ungeduld verflüchtigt, vielleicht hat sie im Stein Platz genommen. In mir hat sich einiges neu sortiert. Ich bin klarer geworden über meine Situation, über mich selbst.

Wenn ich spüre, es ist soweit, weiter zu gehen, dann schaue ich, was mein erster Schritt sein kann. Vielleicht geht der genau bis zu einem Busch, das passiert genau dann, wenn vor mir noch kein anderer den Weg gegangen ist, den ich gehen möchte. Und ich gehe diesen ersten Schritt. Schaue, wie ich mich fühle. Vielleicht entdecke ich dann hinter diesem Busch einen weiteren Schritt oder eine schöne Blume, die mich anlächelt oder ein Eichhörnchen, das vorüberhuscht und mir so einen Glücksmoment schenkt.

Und dann gehe ich den nächsten Schritt. Immer, das, was möglich ist. In dem Tempo, das geht. Einen neuen Rhyhtmus finden. Spüren, ob der Untergrund mich hält oder ob ich einen Umweg machen muss oder...

Einen Schritt nach dem anderen.

Anja Kolberg

Donnerstag, 06 Mai, 2010

Das Gute an Streit und Leid

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eine gute Seite an einem Streit gibt, zum Beispiel mit meinem Partner: Ich setze mich in der Zeit des Streits intensiv mit mir selbst und unserer Beziehung auseinander, schreibe viel Tagebuch, habe intensiven Austausch mit mir selbst wie sonst nie in 'guten' Zeiten. Mein Mann und ich sind, wenn das klärende, 'heilende' Gespräch zwischen uns stattgefunden hat, uns viel näher als Wochen und Monate zuvor. Wir haben uns ein wenig mehr kennen gelernt, das ist auch nach 18 Jahren Beziehung noch möglich und sind uns bestimmter Dinge bewusst geworden. Auch ich selbst habe mich noch mehr kennen gelernt. Das empfinde ich als eine schöne und wichtige Erfahrung und Entwicklung.

Auch im Leid, ich meine hier speziell das körperliche, liegt etwas sehr kostbares für mich, so ist meine persönliche Erfahrung: Die Erkenntnis, dass etwas in meinem Leben nicht stimmig ist und die Chance/der Impuls, mein Leben zu verändern. Die akute Situation ist für mich immer grausam, denn dann habe ich Schmerzen, ich kenne des Ausgang der Krankheit nicht, weiß nicht, wann es mir wieder besser geht, alles ist nur öd und grau und blöd und ungerecht...

Ist diese Phase jedoch vorbei, gewinne ich Hinweise auf meine Verhaltensweisen und auch Denkmuster, die nicht gesund sind und mit zu meiner Krankheit geführt haben. Das gibt mir die Chance, mich zu verändern. So ging es mir nach dem Brustkrebsverdacht, der mich im Sommer 2000 völlig unerwartet traf. Danach habe ich u.a. meine Teilzeitstelle gekündigt und mich in Therapie begeben, bei der deutlich wurde, dass ich mich viel zu wenig um mein Wohlbefinden gekümmert hatte. Ich begann daraufhin, meine Hobbies zu reaktivieren. Das Buch von Louise L. Hay über die psychosomatischen Gründe von Krankheiten war mir eine Hilfe. Ich hatte nach dem Verdacht alles auf den Kopf gestellt - und langfristig gewonnen: Mein Leben wurde reicher.

Ein Jahr später erwischte mich ein Bandscheibenvorfall, ich konnte mich noch gut bewegen, keine Gründe in der gut laufenden Selbstständigkeit auf die Bremse zu treten. Mein Körper schickte mir also noch einen Hinweis in Form eines Hexenschusses. Zusammen mit dem Bandscheibenvorfall war es mir kaum mehr möglich lange zu sitzen, geschweige denn zu gehen... Totalausfall. Gerade war mein Buch erschienen, Lesungen geplant... All diese Termine musste ich absagen, das war ein Schmerz für mich. Gefühlte Ungerechtigkeit pur... Ich konnte mich in dieser Zeit nur noch auf meinen Körper konzentrieren und in sehr kleinen Schritten vorgehen: Eine zeitlang Liegen, dann wieder etwas spazieren gehen, dann wieder sitzen... Von Tag zu Tag ging es Schrittchen für Schrittchen besser.

In dieser Zeit begann ich den Dialog mit meinem Körper, die Basis für meinen mir heute so wichtigen Austausch mit meiner inneren Stimme. Ich beschäftigte mich intensiver mit der Balance zwischen Arbeit und Leben, mietete ein externes Büro an, um mir die Trennung zwischen beiden Bereichen leichter zu machen. Vorher war ich so glücklich gewesen, in meiner Selbstständigkeit nach qualvollen Jahren als Angestellte endlich das zu tun, was mir wichtig war, dass ich sieben Tage in der Woche gearbeitet habe. Ein Ausgleich war kaum vorhanden. Durch die Signale meines Körpers kam ich diesem Missverhältnis auf die Spur. Es gab wieder arbeitsfreie Samstage und Sonntage. In der Woche nahm ich mir auch frei, im Coaching konzentrierte ich mich mehr auf die Arbeit mit der inneren Stimme, und in der beruflichen Veränderungsberatung legte ich den Focus auf die Wege abseits der glatten Karriereautobahn, hin zum Weg des Herzens.

All diese schmerzvollen Wegabschnitte waren rückblickend so wertvoll und wichtig für meinen Weg, für meine Arbeit als Coach, für mich als Frau und als Mensch. Unbestritten: All das zu sehen, war mir in der akuten Krisensituation nicht möglich, zu groß der Schmerz, die Unklarheit, die Wut... So ist das in solchen Momenten eben. Der kostbare Kern solcher Erfahrungen zeigt sich erst, wenn aus dem Samenkorn ein Pflänzlein gewachsen ist, das größer und größer wird und Blüten und eines Tages auch Früchte trägt.

 

Es tut mir gut, mir das immer mal wieder bewusst zu machen und mich daran in Krisenzeiten zu erinnern.

Anja Kolberg

Montag, 26 April, 2010

Vertrauen

 

Vertrauen
dass es besser wird
auch wenn noch rundherum alles grau
wenn kein Ende in Sicht

da ist doch die Ahnung
dass es anders sein kann

das Gefühl, ich bin noch immer getrennt
von meinem wirklichen Leben
von all der Lebendigkeit
dem Glück
dem Frieden
der bunten Fröhlichkeit
der grenzenlosen Liebe

da ist dieser Funke
Vertrauen und Hoffnung
in mir

wissend, ich bin
getrennt von all dem bunten
leben
doch das Leben ist stärker
als all die dicken Mauern
als alle Hürden, die mich
noch davon trennen
von meinem wirklichen Leben

das Leben ist stärker
überwindet die Mauern
gelangt ohne dass ihm
irgendetwas Einhalt bieten kann
zu mir

Darauf kann ich vertrauen.

Auf den Schwingen der Zeit
kommt das wirkliche Leben
leichtfüßig zu mir geflogen
durchbricht Mauern
findet Schlupflöcher
fliegt über Grenzen hinweg

Das Leben bin ich.
Ich bin das bunte Leben.
Ich bin das wirkliche Leben.
Das sich entfaltet
erblüht
wächst
erstrahlt.

Keine Mauer hält ewig.
Das Leben ist für mich.

Dieser Funke ist längst
eine Flamme
voller Licht und Wärme
bunt springt das Leben
und ich erwache
wie aus einem bösen Traum.

Ich lebe!
Mein Leben.
Mein wirkliches, erfülltes
und buntes Leben.
Meine Wirklichkeit.

Mich.

Anja Kolberg

Frieden in mir

 

Ein Moment der Stille
in mir
Frieden
Leichtigkeit
Ruhe

Ganz bei mir selbst
wächst die Zuversicht
auf ein Leben
in Freiheit
und Unabhängigkeit
in Liebe mit mir
bewusst, welche Liebe
um mich herum und in mir ist
und darauf wartet
gelebt zu werden

Freudige Glücklichkeit
Grenzenloses Austoben
und Ausprobieren

Mich finden
in mir
und in spielerischer Abgrenzung
zu meiner Umwelt

Vertrauen und Zuversicht
Hoffnung und Gelassenheit

Ich bin
einfach
Ich selbst

Anja Kolberg

Freitag, 23 April, 2010

Ich möchte das nicht

Mein Liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieblingssatz! Sie kennen die Kaffee-Werbung von Hape Kerkeling (als Gisela und Wolfgang)? Darin sagt sie immer: "Ich möchte das nicht!" Dieser Spruch ist mein neuer Lieblingssatz, immer, wenn ich etwas nicht will. Es war im Urlaub schon ein Runing Gag zwischen meinem Mann und mir, der auch damit anfing... Noch nie ist es mir so leicht gefallen, zu sagen, wenn ich etwas nicht will. :o)

Danke Hape Kerkeling!

Anja Kolberg

PS: Auf die Idee mit dem Satz bin ich übrigens gekommen, als ich Weihnachten beim Trash-Wichteln Tassen erstanden habe, die glatt wie Giiiiiiiselaaa-Tassen aussahen. :o)

Montag, 12 April, 2010

Ich finde Veränderung...

... verflixt schwer!

Es ist eine Sache, mir bewusst zu werden, wenn in meinem Leben etwas nicht gut für mich ist und ich die Gründe dafür verstehe. Doch damit ist noch nichts verändert. Denn die andere und für mich viel schwerere Sache ist, mein Verhalten zu ändern, so wie es gut für mich ist. Was über Jahre oder Jahrzehnte einstudiert wurde, ist eben nicht durch einen Fingerschnipp auf einmal weg. Das hätte ich natürlich gerne. Mein zweiter Vorname lautet nämlich Ungeduld...

Mark Twain wird dieses Zitat zugeschrieben, was sehr gut dazu passt: "Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinunterboxen, Stufe für Stufe."

Ein Beispiel: Ich sabotiere mich durch negative Selbstgespräche wie "Ich kann das nicht. Andere können das. Aber ich bin nicht gut genug." oder "Ich darf das nicht." Das bewusst werden, dass solche Gespräche überhaupt in mir stattfinden, ist ein erster wichtiger Schritt.

Dann kommt jedoch das, was mir so schwer fällt: Wenn diese automatischen Gedanken ablaufen, innerlich ein Warnblinklicht zu zünden, das ein "STOPP" in mir hervor ruft.

Inne halten und merken, was gerade passiert. Damit habe ich die Chance, den Automatismus zu unterbrechen und dann die negativen Gedanken in positive Gedanken umzuwandeln:

"Ich habe mich lieb. Ich bin gut genug. Ich kann das. Ich schaffe das. Ich lerne und darf Fehler machen. Ich bin eine gute Gesprächspartnerin. Ich bin begehrenswert."

Ich hoffe und vertraue darauf, dass es von mal zu mal leichter wird, meine negativen Gedanken zu bemerken, sie zu stoppen, umzuwandeln und ganz besonders, dass die positiven Gedanken auch einen Automatismus entwickeln. Durch diese liebevollen Gedanken stärke ich mich selbst, meine Lebensenergie, beflügle meine Ideen, werde zu meinem eigenen Fan. Das ist so wichtig!

Mit dem Herzen auf dem Weg

Anja Kolberg

Freitag, 09 April, 2010

Erwachsen werden

Verantwortung für mein Wohlbefinden übernehmen.

Unabhängig werden.

Gut für mich selbst sorgen.

Mich selbst glücklich machen.

Meine Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen.

Mir Aufmerksamkeit schenken.

Mich achten, wertschätzen und mich lieb haben.

All das zusammen bildet eine gute Grundlage, um zufrieden zu leben. Ab meinem vierzigsten Lebensjahr möchte das tun: Liebevoll und erwachsen mit mir umgehen.

Anja Kolberg

Donnerstag, 18 Februar, 2010

Mich ganz zeigen...

... das fällt mir schwer. Es wird zwar mit den Jahren leichter, aber ich habe immer noch Angst. Angst vor Bewertung, Angst davor, mich lächerlich zu machen, Angst, nicht ernst genommen zu werden oder wenn ich mich von meiner schwachen, traurigen Seite zeige, Ratschläge zu bekommen (die ich auf keinen Fall haben will!).

Das Problem dabei ist: Ich mache mich abhängig. Abhängig von dem, was von außen kommt. Wenn es gut ist, geht es mir gut. Ist es schlecht, geht es mir schlecht, dann zweifle ich an mir selbst, kritisiere mich, mache mich klein...

Ich wünsche mir, unabhängig von den positiven/negativen Reaktionen anderer meinen Weg zu gehen.

Zu mir zu stehen. Mich ganz zeigen wie ich bin: Meine Wünsche. Meine Hoffnungen. Meine Ängste. Meine Meinung. Meine Traurigkeit. Meine Verletzungen. Meine Wut. Meine Scham. Meine Ungeduld. Meine Stärken. Meine Talente wirklich leben. Meine Ideen verwirklichen. Das Leben führen, das ich mir erträume. Das ist mein Ziel und mein Wunsch.

Ich traue mich im mir möglichen Rythmus, ganz ich selbst zu sein und Verantwortung für mein Wohlbefinden, für mein Leben zu übernehmen.

Anja Kolberg

Dienstag, 09 Februar, 2010

Chaos-Zeit

Moin moin aus Köln,

Samstag war mal wieder Zeit für einen Anstrich in meinem Büro. Ich brauchte blau, einen Horizont, Weitblick. So kaufte ich schnellentschlossen hellblaue Farbe und strich die obere Hälfte einer Wand hellblau. Ich atmete auf. Es fehlte noch etwas, wenn ich auf diese Wand blickte, so mischte ich aus meinen Acrylfarben einen mittelblauen Streifen, der jetzt das grüne vom hellblauen trennt. Mit meiner Phantasie blicke ich von meinem grünen Standpunkt hinaus aufs Meer und sehe endlosen Himmel. Herrlich!

Die Lösung mit dem PC im Schrank ist nicht ideal, kann so nicht gut arbeiten. Mein Mann meint, ich arbeite in der Augsburger Puppenkiste. :o)

Da will also auch eine neue Lösung her. Die wird schon noch kommen. Wie heißt doch das Motto des Monats: 'Ich gebe mir die Zeit, die ich brauche.' Also darf hier im Büro Chaos sein. Im Chaos liegt die große Chance, dass etwas Neues heraus entstehen wird. Die Zeit gönne ich mir jetzt.

In dem hellblauen Teil wollte ich ein Wandtattoo-Zitat anbringen. Von den bestehenden (es gibt ja unzählige Onlineshops) konnte mich keines so richtig begeistern. Hm. Ein eigenes? Jaaaa!, hüpft mein Inneres. Mal sehen, was da so kommt...

Einen guten Spruch habe ich bei der Recherche gestern gefunden: "Ich bin eine Frau! Ich muss nicht wissen, was ich will." :o)

Grüße von der Perfektions-Entwöhnungs-Insel

Anja Kolberg

Montag, 01 Februar, 2010

Der Januar geht...

... und mit ihm das Kalenderblatt, das mir viel bedeutet hat: Die Buddhahände mit dem Text 'Ich verzeihe mir'. In den letzten Wochen habe ich festgestellt, wie oft ich mit mir hadere, nicht zufrieden mit mir bin.

Heute möchte ich zum Abschluss dieses besonderen Monats noch einmal ganz bewusst den Satz weiterführen:

Ich verzeihe mir, dass ich nicht so schnell vorwärts komme, wie meine Erwartungen an mich sind.

Ich verzeihe mir, dass ich nicht die perfekte Ehefrau, Hundemami, Tochter, Schwester, Tante, Freundin, Gesprächspartnerin, Patientin, Bekannte ... bin. Ich verzeihe mir, dass ich nicht so perfekt bin wie ich gerne wäre. Wie ich gerne wäre, um keine Fehler zu machen, die andere verletzen und damit mich selbst verletzen, weil ich mich darüber ärgere...

Ich versuche mich immer mehr so anzunehmen, zu akzeptieren und zu lieben wie ich bin, auch mit meinen Schattenseiten.

Danke Januar, du warst mir ein treuer Begleiter. Schön, dass du da warst.

Anja Kolberg

Montag, 04 Januar, 2010

Ins neue Jahr finden

Moin moin aus Köln.

Heute früh war ich schon um 6.30 auf, völlig ungewöhnlich für mich. Wenn mir vorher einer gesagt hätte, ich müsste Montag morgen um die Uhrzeit aufstehen, ich hätte spontan schlechte Laune gehabt. Ich brauche morgens ganz schön Anlaufzeit und dann noch im Dunklen aufstehen... Aber so freiwillig und spontan, weil ich nicht mehr schlafen konnte, ist super.

Ich versuche ins neue Jahr zu finden. Das fällt mir schwer. Einen neuen Rythmus entwickeln. Gerade nach intensiven Zeiten wie vor Weihnachten, wo ich mit dem Kalender beschäftigt war, kommt erst mal eine Umbruchsphase, in der ich mich neu orientieren muss. Das ist aber nicht nur in der Selbstständigkeit so, ich kenne das auch noch aus meiner Angestelltenzeit. Immer, wenn ein Projekt abgeschlossen war, zum Schluss waren meist viele Überstunden angefallen - folgte eine Leerlaufphase, bis das nächste Projekt begann. Mal ein paar Tage, mal eine Woche.

Gut an diesen Zeiten ist für mich, dass ich alles aufräumen und abschließen kann, was liegen geblieben ist. Herausfordernd ist für mich, diese Phase auszuhalten. Schnell und viel arbeiten kann ich gut, aber die Zeiten dazwischen, da werde ich ganz mit mir selbst konfrontiert. Heute mit meinen Zielen. Was will ich eigentlich? Wo soll es hingehen? Heute bin ich mit diesen Fragen überfordert.

Also kümmere ich mich um die Bereiche, die ich leisten kann: Aufräumen. Buchhaltung.

Das sind meine ersten Schritte im neuen Jahr.

Anja Kolberg

Dienstag, 28 Juli, 2009

Frieden schließen

Frieden schließen? Gab es denn Krieg?
Ja.
Mit wem?
Er tobte in mir. Ein leiser psychologischer Krieg mit Schwelbränden, mit dem diffusen Gefühl der Unsicherheit.
Um was ging es?
Frühere Arbeitsstellen, auf denen ich nicht glücklich war und das verbundene Gefühl damit.

Und damit hast du Krieg geführt?
Nicht mit den Arbeitsstellen, sondern mit mir selbst. Ich habe mich kritisiert, angegriffen, verletzt.

Wofür?
Zum Beispiel, dass ich überfordert war, es mir aber nicht eingestehen wollte, sondern die Aufgaben und Situationen irgendwie meisterte. Doch das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist das Gefühl, das bei mir selbst zurück bleibt. Ich habe versagt. Ich war nicht gut genug. Oder auf einer anderen Stelle war ich sehr alleine und klammerte mich an Versprechungen einer besseren Zukunft. Dafür habe ich viel in Kauf genommen. Zuviel. Ich habe mich gewehrt und fühlte mich deswegen schuldig, weil ich für mich eingestanden bin. Das sind die Gefühle, die mit mir Krieg geführt haben.

Was ist daran so schlimm?
Es bleibt ein Versagensgefühl zurück oder ein Ich-bin-nicht-gut-genug-Gefühl oder ein Warum-bin-ich-nicht-wie-x-oder-y-dann-wäre-alles-anders-gelaufen.

Aber das ist doch schon so lange vorbei. Du bist seit über zehn Jahren selbstständig.
Die Gefühle überdauern die Zeit.

Du hast von Frieden gesprochen.
Ja, Frieden in mir. Frieden mit den Gefühlen, die ich habe. Ich habe beim Himmeln der vielen Ordner auch die Unterlagen zu den Arbeitsstellen durchgeschaut und Notizen gefunden, die mich daran erinnert haben, wie schwer es mir manchmal erging. Ich denke schnell an das zurück, wo ich mich nicht gut gefühlt habe. Natürlich auch an das Gute, die netten Kollegen, Chefs, aber das andere ist stärker und hinterlässt in mir ein Gefühl der Unsicherheit.

Ist das jetzt nicht mehr so?
Ich habe all die Notizen in Frieden losgelassen und fühle mich seit dem freier. So frei, dass ich mir sogar wieder vorstellen kann, einen Job als Angestellte anzunehmen. Mir ist noch mal ganz deutlich geworden wie ich mich z.B. damals angestrengt habe, einem Idealbild zu entsprechen, das mir nicht entsprach. Das war nicht ich und das bin nicht ich. Wie der Schwan, der sich als hässliches Entlein fühlt. Ich war gut genug, nur im falschen Teich, nämlich im Ententeich statt auf dem Schwanensee.

Jetzt sehe ich die Überforderung und nehme mich dafür in den Arm und höre Lycinda sagen: "Mensch, das war ganz schön heftig. Wie gut, dass du dich davon gelöst hast. Du brauchst dir das nie wieder anzutun. Sei wie du bist. Es ist gleich, welche Art der Arbeit du machst, Anja. Wichtig ist, dass du dabei glücklich bist."

Es gibt noch etwas, das anders geworden ist: In den letzten Jahren habe ich meine beruflichen Wünsche und Träume in die Tat umgesetzt. Ich fühle mich dadurch erfüllt und getragen. Falls ich wieder angestellt arbeiten gehen würde, ich hätte gar nicht mehr den hohen Anspruch an meine Arbeit, mich zu erfüllen. Dafür habe ich meine Selbstständigkeit, mein Schreiben, meine Printprodukte, meinen Blog. Mit dieser Sicht bin ich einen Schritt auf meinem Weg voran gekommen.

Herzensgrüße vom Weg der Wandlung

Anja Kolberg

Dienstag, 07 Juli, 2009

Nicht gegen dich - sondern für mich

Wenn in mich hineinhorche, ganz ehrlich zu mir bin, meine Bedürfnisse wahrnehme und ihnen Raum geben möchte, hat das Konsequenzen.

Zum Beispiel "Nein" zu sagen zu anderen Menschen. Das ist nicht leicht, wer bekommt schon gerne eine Absage? Das tut dem anderen vielleicht weh und wer tut schon gerne anderen weh, insbesondere wenn man will, dass einen alle lieb haben?

Letzten Endes ist es eine Entscheidung, wem man weh tut - sich selbst, weil man seine Bedürfnisse missachtet oder vielleicht einem anderen, weil er eine Absage bekommt und dadurch verletzt sein könnte. Doch das muss nicht unbedingt sein, vielleicht freut sich der andere auch für mich, weil er erlebt, dass ich gut für mich sorge und sich daran selbst Beispiel nimmt. Vielleicht ist er selbst froh, dass es so gekommen ist.

Vielleicht bekommt eine Beziehung aber auch einen Knacks. Vielleicht heilt dieser Knacks schnell oder langsam, möglicherweise auch garnicht. Wahrscheinlich redet der die Absage erhielt mit anderen über seinen Schmerz. Ich muss damit leben, dass über mich gesprochen wird. Ich muss damit leben, dass der andere mich vielleicht nicht mehr so lieb hat wie vorher, als ich alles mitgemacht habe.

Das sind Herausforderungen auf dem Weg zu mir selbst.

Wichtig ist: Es ist keine Entscheidung gegen den Anderen, sondern eine Entscheidung für mich. Was der andere aus dieser Entscheidung macht, liegt nicht in meiner Macht. Ich habe darauf keinen Einfluss.

Mir bleibt nur eins: Gut für mich selbst zu sorgen.

Anja Kolberg

Mittwoch, 24 Juni, 2009

Ich habe Angst,

wenn ich hier im Blog nicht jeden Tag etwas schreibe, verliere ich LeserInnen. Ich setze mich unter Druck.

Dabei gibt es keinen offensichtlichen Grund. Ich bekomme zum Beispiel kein Geld für das Blogschreiben wie Redakteure von Zeitungen ein Honorar bekommen. Das Schreiben und Illustrieren wie auch die E-Cards mache ich ohne einen finanziellen Ausgleich. Was, das wird mir gerade bewusst, eine ganz schöne Leistung ist. Denn es erfordert nicht nur eine funktionierende Basis wie Software, einen Platz im Internet, eine funktionierende Kamera, Ideen, sondern vor allen Dingen Zeit und Aufmerksamkeit, das alles zu tun.

Warum mache ich mir dann so einen Streß? Ursprünglich habe ich die Seite frauencoaching.de ins Leben gerufen, weil ich meine Leistungen als Coach und Trainerin im Internet präsentieren wollte. Doch da ich derzeit kein Coaching und auch keine Workshops anbiete, wo ist da der Streß? Ein Webtagebuch (Blog - ausgesprochen übrigens "Block") ist für viele interessant, wenn dort regelmäßig etwas passiert. Bringt ein Klick auf eine Seite nichts Neues, schläft der Kontakt ein, die Leserzahlen sinken. Vielleicht liegt es daran: Ich weiß nicht, ob ich wieder einsteige, aber wenn, dann möchte ich nicht von Null auf anfangen. Nicht ganz loslassen, was ich mir in zehn Jahren aufgebaut habe. Also auch durch regelmäßig Neues auf meiner Seite einen Interessentenkreis halten und aufbauen.

Ich habe also Angst, dass mir in Zukunft etwas fehlen könnte. Dass nicht genug für mich da sein wird, wenn wieder der richtige Zeitpunkt gekommen ist, aktiv zu werden. Ich spüre, dass mir dieser Druck, den ich mir selbst mache, nicht gut tut. Damit nehme ich mir die Lust und die Leichtigkeit.

Was wäre, wenn ich mich ganz frei davon mache und tage- oder vielleicht wochenlang nicht schreibe? Und dann wieder mehrmals in der Woche, vielleicht sogar täglich mehrmals? Immer dann, wenn es mir danach ist, zu schreiben und wenn nicht, es zu lassen. Dann würde ich ganz bei mir und bei meinen Bedürfnissen bleiben und nicht mit meiner Aufmerksamkeit bei möglichen Erwartungen von Außen sein, die vielleicht gar nicht existieren oder bei möglichen Konsequenzen, die vielleicht niemals eintreffen oder gar nicht wichtig sind, weil das Leben eine andere Wendung nimmt.

Mit dem Druck, regelmäßig zu bloggen, bin ich nicht alleine. Eine Bloggerin schrieb häufig über ihre Erlebnisse im Buchhandel (köstlich!). Im Frühjahr kündigte sie an, dass sie nur noch selten schreiben würde und sich vom Druck befreien möchte. Ich konnte diese Entscheidung gut nachempfinden und habe den RSS-Feed ihrer Seite abonniert (das ist eine kostenfreie Benachrichtigung, wenn ein neuer Artikel erschienen ist. Wer mehr darüber erfahren möchte, hier der Link zu Wikipedia. Meinen Feed finden Sie ihn hier.) So ist Freiheit da und der Kontakt bleibt bestehen, ohne ständig enttäuscht zu werden, dass nichts Neues auf der Seite steht.

Warum blogge ich?

Ich schreibe, weil ich von meinem Lebensweg erzählen möchte. Dass ich nicht perfekt bin, kein Supermensch, sondern Angst habe, unsicher bin und meine Träume dennoch verwirklichen möchte. Ich lerne mehr und mehr auf mich selbst zu hören, mir zu vertrauen, meine Bedürfnisse wahrzunehmen und sie mir zu erfüllen. Ich lerne zu mir selbst zu stehen, gleich was ich fühle, gleich wie es mir geht und welchen Weg mein Inneres auch wählen wird. Das ist ein Abenteuer. Und daran möchte ich andere teilhaben lassen. Und ihnen so Mut machen, zu sich selbst zu stehen und ihren Weg zu gehen.

Heute lasse ich meine Angst los und lerne, einmal mehr zu mir zu stehen. Ich möchte trainieren, mich von dem Druck zu befreien, täglich im Blog zu schreiben und werde künftig noch stärker meinem Gefühl folgen: Passt es oder passt es nicht? Ich möchte Vertrauen haben, dass das Leben es gut mit mir meint und gut für mich gesorgt ist, gleich wieviele Leserzahlen ich durch gähnende Leere in meinem Blog verliere.

Herzensgrüße

Anja Kolberg

Montag, 30 März, 2009

MoinMoin

 

Seufz. Diese Zeitumstellung! Heute bekomme ich die Kurve nicht. Gar nicht. Null. Weniger als Null. Okay. Stimmt nicht. Ich bekomme die Kurve, brauche aber länger als sonst. Ich darf das. Ich erlaube mir das.

Vor einer halben Stunde war hier noch strahlend blauer Himmel. Warme Sonnenstrahlen. Jetzt ist der Himmel wieder bewölkt, die Sonne futsch. Dennoch bekam ich einen Vorgeschmack auf die unglaubliche Wärme dieser Strahlen. Hm. Herrlich! Oh ich freue mich so auf die wärmeren Tage - nicht auf die heißen. Für die heißen braucht es auch noch einige Monate. :o)

Ich habe eine suuuuuuper Woche hinter mir. Bis auf Freitag hatte ich jeden Tag dieser Woche Besuch. Das war schön! Bis auf Samstag, da waren wir zu acht, war immer nur eine Person zu Besuch. Das gute daran: Ich hatte Zeit für meinen Besuch.

Ich war vorher und während dessen nicht mit Vorbereitungen/Versorgen beschäftigt und während mein Gast da war, hatten wir Zeit, miteinander zu quatschen. Das war schön entspannt! Je mehr Menschen zusammen kommen, desto lauter wird es, desto stressiger ist es für mich selbst, habe ich festgestellt.

Es hat mir so gut gefallen, dass ich überlege, ob ich das nächstes Jahr wieder so mache: Eine ultimative Geburtstagsfeierwoche!

Was gibt es sonst neues? Die Ausbildung in Freien Aufstellungen, die ich im März an zwei Wochenenden belegt habe, war eine Freude für mich. Ich hatte dazu schon einen Blogbeitrag vorbereitet, dann aber gelassen, weil es zu intensiv, zu anstrengend für mich wurde. Fakt ist: Aufstellungen machen mir einen riesigen Spaß. Sie sind intensiv, tiefgreifend, emotional, klärend, lustig, traurig, aktiv, kreativ - für mich die ganze Palette. Ich habe schon überlegt, ob ich diese Form in meine Arbeit einbauen möchte. Auch wenn meine innere Betriebswirtin gleich leuchtende Augen bekommt, braucht das Kind in mir immer noch Zeit. Und die will ich ihm weiterhin lassen. Die Zeit, die es braucht, um wieder starten zu können und auch die Freiheit zu lassen, ganz nein zu weiteren Coaching und Workshops zu sagen. Obwohl ich mir das auf der anderen Seite so gar nicht vorstellen kann, aber wer weiß. Es macht mir wirklich viel viel Freude, mit Menschen zusammen zu sein und zu arbeiten, doch das kann ich auch anders als im Beruf erleben. Mal sehen. Ich lasse mein inneres Kind wie gesagt weiter in Ruhe und gebe ihm den Freiraum, den es braucht.

Ich hatte im Klientennewsletter oder hier im Blog oder im öffentlichen Newsletter glaube ich von meinen inneren Teamsitzungen erzählt, oder? Eine innere Teamsitzung ist eine Zusammenkunft meiner inneren Anteile. Vor der Coachingauszeit hatte ich bei einer solchen Teamsitzung gesehen, dass Coach und Trainerin im Bett liegen und gar nicht mehr aufstehen wollen. Auch das war ein Entscheidungsgrund für die Auszeit. Im Frühling letzten Jahres lagen die zwei immer noch im Bett, aber meine innere Schriftstellerin war ganz unruhig und wollte aktiv werden. Das ist sie ja auch. :o) Und in einer Teamsitzung davor wollte die Fotografin in mir endlich eine Chance haben. Auch sie hat die Chance bekommen. Ende letzten Jahres oder war es Anfang diesen Jahres habe ich nochmal nach meinem Team geschaut. Coach und Trainerin saßen inzwischen im Bett und lagen nicht mehr. Oh, ein Fortschritt! Und nach dem letzten Aufstellungswochenende habe ich einen Blick auf mein Team geworfen und bin erstaunt: Coach und Trainerin saßen nicht mehr im Bett, sondern liefen herum. Ich war erstaunt, wieder ein Fortschritt. Eigentlich, denke ich gerade, könnte ich nochmal eine Teamsitzung einberufen. Dazu brauche ich nur einige Minuten Konzentration und meine Augen zu schließen. Ich beobachte meine Inneren Anteile und das gibt mir Rückschlüsse auf ihr Befinden. Ich erinnere mich gerade an viele Sitzungen, in denen sich mein inneres Kind ganz schüchtern hinter einem Tischbein versteckte und gar nicht raustraute. Wie geht es dem Kind jetzt? Ich schließe die Augen und schaue mal nach, insgeheim wünsche ich mir, dass es auf dem Tisch tanzt. Mooooment, ich schaue nach, ob das stimmt...

Der Raum ist leer, wirkt wie ein schwarz-weiß-Bild. Ich sehe einen großen Tisch und unterschiedliche Stühle, die kreuz und quer um den Tisch stehen. Stille im Raum, das Fenster steht auf, Vögelgezwitscher, Sonnenschein kommt herein. Ich will gar nicht in dem Raum bleiben, es zieht mich nach draußen, zur Sonne hin. Ich gehe zum Fenster und lehne mich in den Fensterrahmen und schaue hinaus. Atme tief ein, genieße die frische Luft.

Ich nehme mir einen Stuhl, schiebe ihn zum Fenster, ich habe gar keine Lust, nach der Türe zu suchen. Ich steige auf den Stuhl, klettere ins Fenster und setze mich mit den Beinen baumelnd in den Fensterrahmen. Meine Füße berühren fast das Gras unter mir. Ich genieße die Wärme der Sonnenstrahlen und den Duft und den Klang des Frühlings, lehne mich an den Rahmen, schließe die Augen und bleibe so einfach bei mir. Ich spüre, dass ich gar nicht nach meinem inneren Team schauen will, sondern einfach dort bleiben, wo ich bin.

Gut, das akzeptiere ich jetzt so. Ich werde jetzt noch ein Bild/Bilder für den Blog malen (während ich das schreibe, existiert nur der Text und das Huhnfoto, sonst noch nichts), um ihm mehr Farbe und Illustration zu geben und dann werde ich herunter gehen in die Küche und Brötchen zum Aufbacken in den Ofen legen, die Spülmaschine ausräumen, die Küche aufräumen und dann zu Mittag essen. Der Montag nachmittägliche Termin mit meiner Psychotherapeutin ist auf morgen verschoben. Ich denke über ein zweites Buch nach. Und heute früh beim Spaziergang mit Minu spürte ich ganz deutlich: "Fang an zu schreiben, Anja. Fang mit dem zweiten Buch an!" Dem Impuls möchte ich folgen. Ich habe eine neue Idee, aber sie ist noch nicht fertig ausgereift. Aber vielleicht muss sie das ja auch nicht. Bei meinem ersten Buch hatte ich die Anfangsszene klar im Kopf und sonst nichts. Der Rest der Geschichte ist beim Schreiben entstanden. Dieses mal habe ich keine Anfansszene, aber mir ist eine Person sehr klar und ihre Lebensumstände, ihre Träume und Hoffnungen. Vielleicht brauche ich keine Anfangsszene, dachte ich mir heute morgen, sondern ich fange mit dem an, was ich weiß. Was wäre, wenn ich es mir nicht kompliziert, sondern einfach mache? Das klingt gut.

Vom Verlag habe ich immer noch keine Nachricht. Am Freitag habe ich mit einer Autorin telefoniert, die in meinem Wunschverlag einige Bücher veröffentlicht hat. Sie hat mir meine Ungeduld etwas genommen und mich ermuntert, noch etwas zu warten. Ich glaube auch, dass die Verlage sehr viel zu tun haben und seufz, es ist schwer, geduldig zu sein. Mir wäre am liebsten gewesen, ich gebe das Buch ab und bekomme innerhalb weniger Tage ein Feedback. Irgendwie brauchte ich dieses Feedback, um eine Bestätigung für mich zu bekommen, dass ich es kann, das Schreiben. Ja, ich weiß, dafür brauche ich die Rückmeldung des Verlages nicht. Aber ich wünschte sie mir. Ich wünschte mir dieses Feedback als Bestärkung meiner Lust am Schreiben. Gleich, ob ich schon zwei Bücher bei zwei Verlagen veröffentlicht habe. Jetzt habe ich nach acht Wochen noch immer kein Feedback bekommen. Und ich fühle immer stärker in mir diese Lust aufkommen, auch ohne dieses Feedback an meinem nächsten Buch zu schreiben. Verschwenderisch meinem inneren Antrieb zu folgen und nicht so sehr meinen innerern Zensor auf den Plan zu rufen, meine Perfektion, dieses strenge und starre in mir. Nein, ich möchte auf dem Tisch tanzen und die Funken fliegen lassen...

Einen zauberhaften Tag!

Anja Kolberg

Dienstag, 17 März, 2009

Mit Unfrieden klar kommen

Wenn ich mich FÜR MEINE Bedürfnisse entscheide, kann das eine Entscheidung gegen die Bedürfnisse von anderen sein. Dann kann Unfrieden aufkommen. Wenn ich mich verändere, sind die Menschen in meinem Umfeld automatisch mit meiner Veränderung konfrontiert, weil es auch Auswirkungen auf ihr Leben hat.

Ich finde es in solchen Situationen nicht leicht, zu mir zu stehen und den Unfrieden in den anderen auszuhalten, den ich dann zu spüren bekomme. Denn mir ist es natürlich am liebsten, wenn mich die anderen toll finden, mich mögen, gut heißen, was ich tue, weil dann Frieden ist. Und wenn ich diesem Idealbild nicht mehr entspreche und ich an deren Bequemlichkeit kratze, dann ärgern die anderen sich natürlich und versuchen vielleicht auch, mich mit ihren Reaktionen umzustimmen. Mir würde es im umgekehrten Fall genau so gehen.

Eine Herausforderung, trotz Gegenwind zu mir zu stehen und dem wichtigen Weg zu folgen: Meine Bedürfnisse achten und sie mir erfüllen.

Anja Kolberg

Montag, 16 März, 2009

Geduld

Es ist und bleibt eine schreckliche Übung für mich: Geduld haben! Himmel, ist das schwer. Als Widder, Aszendent Löwe (zwei mal Feuer) geht es eben eher nach vorne als besinnlich auf der Stelle zu bleiben und abzuwarten, bis es endlich weiter geht.

Huäh!

Wo ich Geduld haben muss? Zum Beispiel wegen meines Buches. Das Manuskript ist beim Verlag und ich warte auf ein Feedback. Seit sechs Wochen. "Das ist doch noch nicht lange", prophezeite mir eine andere Lektorin. Schniiiiiiief!

Beim Wetter brauche ich auch Geduld. Alles werden in der Natur - der Frühling - das Wachsen des Grüns, das Erblühen und Gedeien im Garten braucht Zeit. Mehr als ich mir wünsche. Ich scharre schon mit den Hufen und setze mich derweil mit der Winterjacke auf die Terrasse, um meine morgendliche Tasse Kaffee zu trinken... Seufz!!!

Warum ich ungeduldig bin? Weil mir diese Dinge so viel bedeuten. Gelassenheit kann ich gut an den Tag legen, wenn mir die Dinge nicht so wichtig sind. Ich schaffe es aber nicht, hier loszulassen und locker zu sagen: "Och, das wird schon." Es wird auch schon werden, aber mein ganzer Körper schreit, weil er es kaum mehr abwarten kann und dieser Zustand ist wie in einem Feuer zu brennen. Nicht, dass ich weiß wie das ist, aber so stelle ich es mir vor.

Ich will jetzt keine Gelassenheit, keine Geduld, kein Loslassen. Ich will eine Antwort. Aber so funktioniert das Leben leider nicht. Wir bekommen selten das, was wir wollen, sondern vielmehr das, was wir brauchen. So, und was ich brauche, ist scheinbar eine weitere Lektion in Geduld üben. SCHREI!!!

Wenn ich einst als gänzlich weißhaarige - hoffentlich dann weise - Frau an meinem Lebensabend an einem Märztag nach draußen blicke: Werde ich dann irgendwann sagen können: "Ach, der Frühling, der kommt schon. Ich genieße jetzt erst noch die letzten davon schleichenden Wintertage." Seufz. Ja, vielleicht habe ich die Lektion bis dahin gelernt. Aber richtig sicher bin ich mir nicht. Wäre auch o.k., wenn nicht, dann wäre ich eben auch mit 98 noch eine kribblige, ungeduldige und vor Energie strotzende Frau! Jaaaaa!

Schönen Tag!

Anja Kolberg

PS: Heute früh sah ich an der Hecke am Alten Friedhof hier in Junkersdorf das erste Grün, die ersten Blättchen. Und das tränende Herz in einem der unzähligen Kübel auf meiner Terrasse hat auch schon die ersten Blätter. Es wird... es wird...

Dienstag, 03 März, 2009

Wo begrenze ich mich selbst?

 

Auf unserem Weg kommt es vor, dass uns Situationen nicht zum ersten Mal begegnen. Vielleicht eine Herausforderung, an der wir gescheitert sind. Eine Prüfung, die nicht gelungen ist. Ein Gespräch, das aus dem Ruder gelaufen ist. Eine Arbeit/ein Projekt, welches missglückt ist. Ein Kontakt mit unbefriedigendem Ausgang. Der Versuch von einem Herzenswunsch zu erzählen, der nicht gehört werden wollte. Menschen, die uns unsere Träume nicht zutrauten. Meinungen, von denen wir uns von unserem Weg haben abbringen lassen. Eine Tür, die sich nicht geöffnet hat. Eine Bitte, die nicht gehört wurde. Eine verpasste Chance.

Dieses Erlebnis hat etwas bei uns hinterlassen. Eine Wunde. Einen Schmerz. Eine Erinnerung.

Und dann kommt der Tag, da begegnet uns eine ähnliche Situation noch einmal. Wir haben die Wahl: Erinnere ich mich an den unbefriedigenden Ausgang und halte ich daran fest? Begrenze ich mich, in dem ich sage: "Ich habe es schon einmal oder schon so oft probiert - warum sollte es jetzt klappen?" Und lasse dabei außer acht, dass sich die Welt inzwischen verändert hat: Die Rahmenbedingungen. Die Menschen, mit denen ich damals zu tun hatte. Ich mich selbst, die Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Die Wunde, die blieb und mich verändert hat. Meine Einstellung. Ich bin gewachsen, die anderen sind gewachsen. Die Welt hat sich gedreht, die Zeit ist eine andere.

Was wäre, wenn ich einen kühnen Versuch wage? Mich nochmal traue, mir und dem Leben eine Chance gebe?

Vielleicht stelle ich dabei fest, dass meine Angst die größte Hürde war und ich die Situation jetzt bewältigen kann.

Anja Kolberg

Montag, 02 März, 2009

Mich wiederfinden

Nach dem Abschluss großer Projekten wie dem Roman oder der Kalenderveröffentlichung brauche ich Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Es dauert, bis alles was liegen blieb, aufgearbeitet ist, sich der Alltag einstellt und ich in meinen gewohnten Rhythmus zurück gefunden habe.

Und dann wird mir bewusst, welche Lücke das Projekt in meinem Tagesablauf hinter lassen hat. Ich weiß nicht, wie mein Weg weiter gehen soll. Ich bin unzufrieden mit mir selbst, zweifle, habe schlechte Laune, x Ideen und keine rechte Lösung - eine schreckliche Phase (die nicht tagelang anhält, mich aber immer mal wieder "überfällt"). Mir fehlt es dann an Orientierung.

Was mir in solchen Situationen wirklich weiter hilft, ist in mein Tagebuch zu schreiben. Der Dialog mit meiner inneren Stimme oder mit einem bestimmten Anteil von mir, den ich ganz gezielt anspreche wie beispielsweise mein Herz, meinen Verstand, das innere Kind oder wie heute die weise alte Frau in mir. In diesen Dialogen erhalten ich Antworten. Es sind nicht immer die Antworten, die ich mir erhoffe (oder mein Verstand), aber die Antworten, ich brauche, um weiter gehen zu können.

Diese Konzentration auf mich selbst, ganz bei mir selbst zu sein - auch das ist ein Stück vom Glück für mich.

Anja Kolberg

Freitag, 20 Februar, 2009

Eintauchen in frühere Zeiten

Seit Samstag bin ich abgetaucht. Abgetaucht in Tagebücher, Fotoalben, Kisten mit Erinnerungen und Taschen voller Fotos. Das hat mir richtig gut getan und mir sind dadurch viele Sachen bewusst geworden. Eine Sache hat mich besonders gefreut: Wir sehen heute alle viel interessanter aus als früher. Keine Milchgesichter mehr sondern pures, spannendes Leben.

Und es ist schön, das Leben.

Anja Kolberg

Montag, 16 Februar, 2009

Weißt du noch?

Das waren Worte, die ich Samstag Abend oft gefragt habe. Mensch, war das ein schööööööööööööööööööööööner Abend! So viele waren zu der Wiedersehens-Karnevalsparty der katholischen Jugend nach Ommerborn gekommen. Zwanzig Jahre hatte ich viele nicht gesehen. Es hat mir soooo viel Freude bereitet, mich mit den Freunden von früher zu unterhalten. Mir ging es so richtig gut, ich bin regelrecht aufgeblüht! Und mein Hippie-Kostüm mit der Megabrille hat mir mächtig Spaß gemacht.

An dem Abend ist mir bewusst geworden, dass ich mich anders verhalte, je nach dem in welcher Umgebung ich mich befinde und mit welchen Menschen ich mich unterhalte. Als schlüpfe ich in andere Rollen. Auf der Party war ich glaube ich eine ganz schöne Quasselstrippe. :o)

Schön! Wissen Sie, was das Beste ist? Mein Gewicht spielte weder für mich noch für die anderen eine Rolle. Es war, als sei alles beim Alten und wir hätten uns vor einer Woche das letzte Mal gesehen.

Ich freue mich, dass die Organisatoren vor haben, das Treffen alle fünf Jahre statt finden zu lassen. Die Idee finde ich spitze!

Fröhliche Grüße aus Köln

Anja Kolberg

Dienstag, 03 Februar, 2009

Der Schatz im Monster

Erinnern Sie sich an meine Blogbeiträge Es ist nicht da...es ist nicht da... und Was passiert, wenn man das Monster küsst... ? Hier die Fortsetzung:

Jetzt kann ich erzählen, was das für eine Aufgabe war, von der ich geschrieben habe:

Mein Buch korrigieren. Ich hatte mir vorgenommen, das Buch nach einigen Monaten Reifezeit im Januar zu korrigieren. Das gab mir die Gelegenheit, den Tischkalender 2009 zu gestalten und anzubieten. Nach Neujahr sollte es losgehen. Aber was war? Nix. Mir fiel ständig eine neue Ausrede ein und fand immer wieder etwas, das noch wichtiger war.

Ich war traurig, sah mein Manuskript mittags im Esszimmer liegen und liegen und der Januar verstrich. Positiver Druck musste her. Am Freitag, den 23.1. habe ich - wohlweislich erst nach Feierabend, um Vorlauf zu haben - eine Mail an die Kontaktperson in meinem Lieblingsverlag geschickt. Ich habe von meinem Mansukript geschrieben und um die Info gebeten, wer aus dem Lektorat zu ständig wäre. Nach dem Absenden der Mail war mir richtig übel. Ich war total aufgeregt und habe mich allen ernstes gefragt, welcher Teufel mich denn da geritten hat. Es wurde ernst - jetzt gab es kein Ausweichen mehr. Ich war aber auch sehr froh, dass ich mir so einen positiven Stresspunkt gesetzt habe, um endlich in Bewegung zu kommen und mein Herzprojekt zur Nummer eins zu machen.

Insgeheim hatte ich gehofft, die Antwort käme im Laufe der Woche, um dann mit der Korrektur fertig zu sein. Pustekuchen! Schon Sonntag erhielt ich eine Antwort. (Yeah! und Oh!)

Gut, dass ich Samstag mit dem Korrigieren begonnen hatte, die Woche arbeitete ich konzentriert und mit viel Freude an meinem Manuskript ... Freitag Abend war ich fertig! (YEAH!!!) Samstag erstellte ich noch ein Konzept (eine Zusammenfassung für den Verlag mit Marketinginformationen) und am Nachmittag, als ich ein richtig gutes Gefühl hatte, weil einfach alles stimmte, habe ich die Mail an die Lektorin geschickt und bot mein Manuskript mit fünf Sätzen zum Inhalt an.

Ich kann kaum in Worte fassen, was das für ein Glücksgefühl war. Endlich habe ich meinen Roman fertig! Ich habe es wahrhaftig aus eigenem Antrieb geschafft! Jahrzehnte (!) träume ich schon davon, das zu tun. Wie oft habe ich gezweifelt und jetzt geschafft! Und das ohne einen Verlagsvertrag wie bei den Sachbüchern zuvor (was automatisch zu einem zeitlichen Druck führt, den ich aber ganz bewusst nicht haben wollte.)

Die Krönung: Am Montag Morgen hatte ich die Antwort der Lektorin im Eingangsfach. Inhalt klingt interessant, ich könne das Konzept und die ersten 30 Seiten vom Manuskript schicken!

Ich bin so glücklich und befreit! Unfassbar!

Ich habe alles in meiner Macht liegende getan, jetzt heißt es Geduld bewahren. Das werde ich auch noch schaffen.

Ich bin soooooo froh!

Das kann passieren, wenn man das Aufschiebemonster küsst.

Anja Kolberg

Montag, 26 Januar, 2009

Was passiert, wenn man das Monster küsst...

Am Wochenende habe ich dem Aufgabenmonster [ich beziehe mich auf den Blogbeitrag "Es ist nicht da...es ist nicht da..."] aufmerksam zugehört. Das hatte Folgen...

Ich habe Dinge angepackt, die ich schon länger vor mir hergeschoben habe. Das war eine große Überwindung für mich. So wie ein Monster zu küssen. Da weiß man ja auch nicht: Schmeckt es? Tut es weh? Piekst es? Verwandelt es sich? Ist es langweilig? Was passiert danach? Es ist Utopie, zu glauben, das hätte keine Folgen!

Ich habe Steine ins Rollen gebracht, die mir auf der Seele lagen. Zum Beispiel eine Karte für eine Karnevalsparty zu bestellen. Nichts besonderes? Für mich schon. Denn es ist eine Jugendlichen-Ehemaligen-Party, in der Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin. Wo ich gaaaanz viele Menschen aus meiner Teenagerzeit wiedertreffen kann. "Clubraum" hieß der Kellerraum, den uns die Kath. Kirche zur Verfügung gestellt hatte und in der wir Jugendlichen uns 2 mal die Woche trafen und viel viel Spaß hatten.

Da ich nicht mehr im Bergischen wohne, sehe ich sie auch nicht auf Schützenfesten oder Polterabenden, wo man sich sonst dort trifft. Ich spüre jetzt schon wieder die Aufregung. Freudig aufgeregt ist das nicht, sondern mit vielen Fragezeichen aufgeregt. Die meisten habe ich seit 20 Jahren nicht gesehen. Und ich bin nicht mehr so schlank wie damals. Ich kann auch schreiben: Einige Kleidergrößen später. Für mich liegt die Herausforderung darin, zu mir zu stehen, auch wenn ich nicht mehr so aussehe wie damals. Das fällt mir sehr sehr schwer. Lieber wäre ich weggelaufen, einfach nicht dahin gegangen. Aber ich glaube, dass es mir sehr gut tut, zu der Party zu gehen. Weil da so viele Menschen sein werden, die ich mag. Ich verbinde so viele positive und schöne Erlebnisse mit damals. Erste Liebe, gaaaanz viel Quatsch, Feten, Karnevalssitzungen, die wir selbst veranstaltet haben. Ja, eine schöne Zeit.

Auch die anderen haben sich verändert, sind nicht stehen geblieben in ihrem Äußerem, nicht mehr so wie damals. Ich habe Angst davor, was die anderen zu meiner Figur sagen, was sie fragen. Ich weiß: Je mehr ich zu mir selbst stehe, desto leichter ist es. Der erste Schritt zur Heilung ist: Zu mir stehen. Mich zu lieben und zu akzeptieren wie ich bin. Ich bin gut so - auch in Kleidergröße 54.

Früher war ich immer im Doppelpack mit meiner Schwester, die ein Jahr älter ist als ich, unterwegs. Sie kann nicht, auch mein Bruder kann nicht. Ich bin also ohne "Schutzschilde", hinter denen ich mich verstecken kann, unterwegs. Auch das ist eine Herausforderung für mich...

So was kann ins Rollen kommen, wenn man das Monster küsst. Ich lerne etwas sehr wichtiges für meinen weiteren Weg. Zu mir stehen, auch wenn ich nicht mehr die bin, die ich mal war.

Ich habe aber nicht nur einmal, sondern mehrmals geküsst. Unter anderem ist dadurch bei einem Herzensprojekt ein Zeitdruck entstanden, den ich so haben wollte, damit ich daran endlich weitermache. Mir fielen nämlich immer wieder Ausreden ein, warum ich daran nicht weitermachen kann. Und an der Fertigstellung des Projektes arbeite ich diese Woche auf Hochtouren. Was ich meine? Ich schaffe es nicht, das jetzt hier zu sagen, weil ich mir dann noch mehr Streß mache. Wenn ich Ergebnisse erzielt habe, werde ich darüber berichten.

Eine schöne Woche!

Die Monsterküsserin

Freitag, 23 Januar, 2009

Es ist nicht da...es ist nicht da...

Manchmal schiebe ich eine unangenehme Aufgabe vor mir her, weil ich Angst habe sie zu erledigen. Das hat meistens damit zu tun, dass ich mich überwinden muss, über meine üblichen Verhaltensweisen hinauswachsen und etwas Neues tun, vielleicht auch etwas Altes, das ich schon ewig nicht mehr getan habe und das Gefühl dafür verloren, ob ich es kann oder nicht. Ich bausche diese Aufgabe auf, als sei sie ein Monster, unmöglich sie zu erledigen. Ein Ungeheuer - unbewzingbar.

Ich muss mir nur fest genug einreden, die Aufgabe ist gar nicht da. Ich brauche mir nur die Augen zu halten - und zack sehe ich sie gar nicht mehr. Das Monster ist weg. So wie eine Mail, die ich lösche, um sie nicht zu beantworten oder in irgendeinen Ordner verschiebe. Oder einen Anruf, den ich nicht wage, weil ich nicht weiß, was dann passieren kann. Oder ein Kontakt wegen etwas, das mir eigentlich Spaß macht, Himmel - ich aber nicht weiß, soll ich... soll ich nicht...

 

Das Gute am Verstecken ist zunächst: Ich bekomme Aufschub, vielleicht Ruhe, die ich brauche. Aber die hält nicht lange an. Spätestens wenn ein Termin mit der Aufgabe verbunden ist, wird das Monster immer größer.

 

Mir wird immer mulmiger, es ist nicht so, dass mich das kraftvoller macht. Das Monster versteht die Welt nicht mehr. Denn es wurde von mir zum Monster gemacht und ist gar keines. Es wird immer größer, um sich bemerkbar zu machen, damit ich ihm endlich zuhöre, endlich Aufmerksamkeit schenke, statt immer wieder wegzuschauen. Es zu ignorieren.

Wenn ich meine Angst überwinde und mich dem Ungeheuer zuwenden, merke ich: Es ist gar nicht schlimm. Vielleicht erzählt mir das Monster dann, dass es traurig ist, weil ich es nicht beachte. Zum Beispiel, weil es in der Aufgabe darum geht, mir etwas Gutes zu tun, vielleicht einen weiteren Schritt auf MEINEM Weg zu mir selbst zu gehen oder etwas loszulassen, das mir nicht gut tut. Je mehr ich mich mit dem Monster beschäftige, desto mehr wird mir bewusst, dass es eigentlich kuschlig und lieb ist.

So sind die Lernaufgaben für's Leben meistens: Sie lösen unangenehme Gefühle aus - doch wenn ich sie bezwungen habe, entdecke ich den riesengroßen Schatz: Die Möglichkeit mehr ich selbst zu werden!

Anja Kolberg

Freitag, 09 Januar, 2009

Auf der Suche nach der Vergangenheit

Mich haben die Geschichten von früher schon immer fasziniert. Wenn meine Oma erzählte, dass sie früher mit Eimern raus zum Brunnen mussten, um Wasser zu bekommen. Die Flucht von Köln ins Bergische. Das Leben damals. Die Träume. Der Schmerz.

So habe ich angefangen, den Stammbaum der Familie meiner Oma zusammen zu tragen. Das ist so interessant. Und meine liebe Oma und ihre Cousine tragen all die noch fehlenden Daten zusammen. Sie rufen bei der Gemeinde an, bei Standesämtern und dann bekomme ich liebe Anrufe, handgeschriebene Briefe von ihnen mit den Daten.

Das ist so eine Freude. Ich fühle mich damit reich beschenkt.

Zeit zu hüpfen!

Anja Kolberg

Montag, 08 Dezember, 2008

Vertrauen

 

Es gibt Zeiten im Leben, da bleibt mir nichts anderes übrig, als zu vertrauen.

Wissend, ich habe alles in meiner Macht stehende getan. Es ist an der Zeit, Geduld zu haben und zu warten. Die Dinge geschehen lassen. Geduld zu haben, fällt mir als Widder sehr schwer. Am liebsten will ich die Ergebnisse bestimmen können oder zumindest wissen, wie es weitergeht.

Aber das kann ich nicht. Ich kann zwar weit schauen, aber ich sehe keine Details, weiß nicht, was konkret vor mir liegt. Also: Loslassen. Vertauen. Abwarten.

Und in der Zwischenzeit vor allen Dingen eines tun: Gut für mich sorgen. Schöne Dinge tun - wie eine neue E-Card basteln:

Anja Kolberg

Mittwoch, 29 Oktober, 2008

Chancen

 

Heute spüre ich nochmal Dankbarkeit für die schmerzhafte Erfahrung am vergangenen Wochenende und dem, was sich dadurch für mich entwickelt hat. Ich habe angefangen, meine negativen Gedanken zu beobachten. Und mir vorgestellt, dass ich sie loslassen kann wie ein Kleid, das ich ablege. Mich frei machen kann von Dingen, sie mich nichts angehen, nicht in meiner Macht stehen.

Mich konzentriere auf mich und darauf, mich glücklich zu machen, statt es von anderen zu erwarten. Mich zu wertschätzen, statt zu hoffen, das mich jemand wertschätzt. Mich zu lieben, statt zu glauben, ich bin nur dann wertvoll, wenn mich jemand anderes liebt. An meine Träume und Wünsche zu glauben, statt zu meinen, nur wenn andere das auch gut finden, ist es o.k., dann darf ich sie verwirklichen. An meine kühne Vision zu glauben, statt zu bangen, dass sie mir jemand anderes kaputt treten kann. Ich kann mich beschützen, mir den Halt, die Kraft und die Zuversicht geben, die ich brauche. Zu mir zu stehen, statt mich immer wieder zu hinterfragen und zu kritisieren.

Ich liebe mich. Ich glaube mir. Ich vertraue mir. Ich wertschätze mich. Ich bin frei und glücklich. Ich mache eine gute Arbeit. Ich bin eine gute Freundin, eine gute Tochter, eine gute Partnerin, eine gute Enkelin, eine gute Schwester, eine gute Schwiegertochter, eine gute Nichte, eine gute Schwägerin, eine gute Cousine, eine gute Nachbarin, eine gute Hundemama, eine gute Autorin, eine gute Fotographin, ein guter Mensch. Ich - einfach so, ohne dass ich mich anstrengen muss, etwas beweisen muss, einfach weil ich bin. Ohne dass ich mich mit anderen vergleichen muss. Ich bin so gut zu mir, zu meiner Seele, zu meinem Geist, zu meinem Körper, zu meinem Umfeld wie ich im Moment sein kann.

Ich darf Fehler machen. Ich darf lernen. Ich darf mich überschätzen. Meine Meinung ändern. Romantisch sein. Die rosarote Brille tragen. Mal alles zu positiv und mal alles zu negativ sehen. Ich darf stehen bleiben und Rückschritte machen. Ich darf auf Irrwegen laufen und ein Risiko eingehen. Ich darf verlieren und verletzt sein. Ich darf "nein" sagen und gut für mich sorgen.

Gerade fühle ich mich richtig gut.

Anja Kolberg

Montag, 27 Oktober, 2008

Mein So-Sein

Wie sehr akzeptiere ich mich selbst? Verurteile ich mich dafür, dass ich nicht so bin wie andere mich gerne hätten oder ich nicht so bin wie ich mich gerne hätte?

Letzte Woche habe ich über meinen Ausflug nach München (Teil 1 und Teil 2) berichtet. Etwas sehr persönliches von mir, das mir aber so wichtig war, dass ich es öffentlich machen wollte, diese Seite von mir zeigen wollte. Auch wenn es nicht mit den Themen zu tun hat, die geläufig oder lustig sind und jedermann ansprechen. Sie haben mit dem Tod zu tun, mit Kontakt zu Verstorbenen, mit Tabus.

Sollte ich diese Seite von mir verstecken oder mich zeigen? Sollte ich offen wie ein Kind ohne über die Folgen nachzudenken, von mir, meinen Interessen, meinen Abenteuern erzählen? Ganz zu mir stehen?

Ich habe mich dazu entschlossen, ganz zu mir zu stehen, auch zu der Seite in mir, die von dem Thema "Das Weiterleben der Seele nach dem Tod" fasziniert ist. Auch wenn das ein sensibles Thema ist.

Freitag Abend erreichte mich die Mail einer Leserin, die ausführlich beschrieb, dass sie meine Interessen nicht akzeptierte. Zuerst war ich geschockt, ich fühlte mich abgelehnt, verletzt, nicht so gelassen wie ich bin. Ich hatte Angst, meine Atmung wurde flacher. Ich fühlte mich sogar schlecht, schuldig (Wie konnte ich nur über "so etwas" schreiben?) und ziemlich missverstanden. Ich verurteilte mich selbst für das, was ich geschrieben hatte und wollte den Artikel schon ändern, doch mein Inneres hielt mich davon ab. Dann wollte ich mich per Mail wehren, mich rechtfertigen, mich erklären, zurück schlagen. Doch auch davon hielt mich mein Inneres ab.

Wirklich gut getan hat mir der Austausch mit meinem Mann, der zu mir steht, auch wenn ich mich mit solchen Themen beschäftige. Danke!

Und wunderbar warm und liebevoll war auch der Blick auf unseren Hund Minu, die zu mir kam, als ich mich mies fühlte, mich abschleckte und sich von mir streicheln ließ. Mir wurde bewusst: "Egal, was ich sage, egal woran ich glaube - mein Hund liebt mich. Dieses Tier urteilt nicht über mich. Sie liebt mich. Sie lässt mich denken, was ich denken will.

Selbst wenn ich sie ungewollt verletze (ich habe Minu schon mal in Unachtsamkeit auf den Fuß getreten und war völlig bestürzt), dann kommt unsere Minu schwanzwedelnd an und ist mir nicht böse. Sie liebt mich. Das ist ein unglaubliches Geschenk!

Samstag am späten Abend bekam ich einen steifen Hals, der immer stärker wurde. So stark, dass ich mir heute früh das Büchlein von Louise Hay schnappte und nachschlug, welche psychosomatischen Gründe sie zu "Steifem Nacken/Nackenprobleme ..." geschrieben hatte. Ich las von "der Weigerung, andere Seiten einer Angelegenheit zu betrachten. Sturheit. Unbeweglichkeit." und davon, dass ich in Sicherheit bin.

Mir wurde bewusst wie sehr ich diese Leserin dafür verurteilte, dass sie diese Meinung hatte. Also verhielt ich mich doch genau so wie sie. Das wollte ich nicht. Ich wollte ihr ihre Meinung lassen ohne sie dafür zu verurteilen.

Durch Zufall stieß ich auf die Seiten von Byron Katie und "The Work". Ich hatte schon von ihrem Buch und ihren Fragen gehört, aber bislang passte es einfach nicht für mich, mich damit zu beschäftigen. Ich sah mir Videos ihrer Arbeit an, druckte mir Arbeitsblätter aus und notierte meinen Glaubenssatz:

"Ich bin nur dann o.k., wenn andere mich, mein Verhalten, meine Gefühle, meine Interessen, mein Handeln, mein Nicht-Handeln, meine Ideen wertschätzen und akzeptieren."

Auf die Frage, ob das wahr ist, sagte mein Inneres gleich "Nein". Und mir wurde bewusst, wie sehr ich anderen Menschen Macht gebe, wie ich mich abhängig mache von deren Meinung. Ich spürte in meinen Körper und fühlte meine flache Atmung bei meinem Gedanken, meine Angst, meine Fluchtgedanken. Ich spürte eine tiefe Lähmung.

Mir wurde klar, dass ich auf diesem Wege vermeide, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen.

In ihrem Arbeitsblatt ruft die Autorin dazu auf, den Glaubenssatz in verschiedener Weise umzuwandeln und so entstanden folgende Sätze:

Ich respektiere mich nicht, wenn andere mich nicht respektieren. (Was tue ich mir bloß an?)

Ich respektiere die Meinung des anderen nicht, ich denke nur, das was ich denke, ist richtig.

Sie hat mich respektiert und gewertschätzt, in dem sie mich ernst genommen und mir ihre Meinung geschrieben hat.

Meine Einstellung, mein Denken hat mich verletzt. Ich habe mich verurteilt, weil ich anders bin als die Norm.

Schon während der Beschäftigung mit meinem Glaubenssatz reduzierten sich die Nackenschmerzen. Wenn ich mir vorstelle, ich lebe ohne diese Bewertung/Einstellung mein Leben, dann sehe ich folgende Bilder:

Unendlich weite grüne Wiesen, Hügel und Täler, Wälder, blauer Himmel mit Schäfchenwölkchen und eine Anja, die fröhlich über die Wiese hüpft. Ich wäre frei, würde machen, wozu ich wirklich Lust habe und wäre wirklich ich selbst.

Auch wenn ich Freitag Abend in meinem ersten Schock nichts positives an dieser Leserreaktion finden konnte und es einfach nur weh tat, so sehe ich heute den Sinn darin und auch in den darauf folgenden Nackenschmerzen. Ohne den deutlichen Hinweis meines Körpers hätte ich mich nicht so intensiv damit beschäftigt.

Jetzt sage ich ja zu mir und meinen Interessen.

Ich bin so.

Ich bin gut so.

Ich bin richtig.

Ich darf so sein.

Und andere sind auch genau so richtig wie sie sind.

Anja Kolberg

Freitag, 01 August, 2008

Erfüllung

 

Ich sollte öfter mal schreiben/sagen, was ich will... :o)

Sie sehen mich sehr froh, denn viele meiner Wünsche haben sich erfüllt. Zum Beispiel den Schokoriegel, den habe ich mir selbst gekauft, im Garten erblühte eine meiner Lieblingsduftrosen, als ich die Füße am Nachmittag in den Teich hielt, umwehte mich ein kühler Wind, mein Bruder rief an und wollte mir einen Wunsch erfüllen: Er hat mir sein Ohr geschenkt. Mein Mann kam von der Arbeit nach Hause, ich erzählte von meinen Rückenschmerzen und er begann wie von selbst die Stelle zu massieren (macht er sonst nicht so einfach...) und am nächsten Morgen lag eine Überraschung vor meiner Türe...

Schön!

Gestern früh war ich dagegen ziemlich ausgenockt, weil mein Bildschirm seinen Geist aufgegeben hat. Nichts konnte ich am PC machen. Das führte dazu, dass ich oben ins gekühlte Schlafzimmer ging und geschrieben habe. Gestern Abend waren es dann zwölf Seiten. Wow! Gestern Nachmittag fand mein Mann eine Lösung für den nicht mehr funktionierenden Bildschirm: Seine Mutter hatte noch einen gebrauchten und den habe ich mir bei Schwiegereltern abgeholt und ... er läuft!

Ein supi-Tag war gestern. Deswegen grinse ich auch über beide Backen.

So, jetzt müssen Minu und ich raus in die Hitze. Ich will gar nicht, denn mir läuft das Wasser jetzt schon übers Gesicht, obwohl ich frisch aus der Dusche komme. Sie merken: Es ist Zeit für einen Wunsch. Lieber Petrus, bitte lass es draußen abkühlen, ohne große Unwetter, sanft und stetig. :o)

Ein traumhaft schönes Wochenende mit einem XXL-Wunschpaket für Sie!

Anja Kolberg

Mittwoch, 30 Juli, 2008

Heute möchte...

...ich bitte einmal die ganz große Geschenkpackung. Ein Rundum-Sorglos-Paket mit Streicheleinheiten, einem schweigsamen, ratfreien Menschen, der mir aufmerksam und interessiert zuhört, eine duftende Rose, einen Fruchtsaft, einen Riegel Schokolade, eine Massage für meinen schmerzenden Rücken und meine wehen Füße und eine Bestellung im Shop. Vom Himmel wünsche ich mir eine kühle Brise und eine Überraschung, die mich so richtig zum Strahlen bringt. Ich wünsche mir auch einen Fortschritt beim Schreiben, der mich von der Hitze-Blockade erlöst.

Ja, ich merke, wenn ich das alles bekommen habe, geht es besser.

Anja Kolberg

... ich merke, ich bin noch nicht fertig. Mein inneres Kind hat noch viel mehr Wünsche: Ein Geldgeschenk, das mich ein paar Sorgen vergessen lässt, einen Wintergarten, eine Antwort von dem Verlag in Berlin, ein leichtes Lösen alter Denkmuster, einen Urlaubsgutschein für 3 Wochen Dänemark.

Die Kleine atmet auf. "Sind das alle Wünsche oder hast du noch mehr?" frage ich sie.

"Nö, reicht erst mal", sagt sie und beginnt zu spielen.

Montag, 21 Juli, 2008

Alles ist gut

In Zeiten, wo wir uns selbst hinterfragen, an uns arbeiten, fühlen wir uns vielleicht ein bischen geschüttelt. Wie ein Grashalm, der vom Wind bewegt wird und sich dann wieder einpendelt. Seit einigen Wochen mache ich eine Therapie. Und nach dem Termin heute habe ich dieses Gefühl des Pendelns. Ich fühle mich ernstgenommen in all meinen inneren Anteilen, gewertschätzt. Ich fühle mich wahrhaftig und merke, wie ich gerade nachpendle, vielleicht eine neue Haltung finde.

Ich fühle mich gut. Alles ist gut. Ich bin da und ganz.

Das innere Kind in mir will schreiben, malen, einfach fließen lassen was kommt. Es will keine Lektorin, die die Beiträge kürzt oder sagt: "Zu unwichtig. Zu nichtssagend. Unklar. Weg." Nein, heute lasse ich einfach stehen, was aus mir heraus fließt. Bild und Text.

Und es ist gut so wie es ist.

Anja Kolberg

Montag, 14 Juli, 2008

Etwas Neues beginnen

Es braucht keinen perfekten Plan, um etwas Neues in Bewegung zu setzen. Kleine Dinge können große Dinge in Bewegung bringen.

Ein Minischritt. Ein Anruf. Eine Mail. Ein zufälliges Zusammentreffen. Der Geistesblitz auf der Achterbahn. Das wertschätzende Verhalten eines anderen Menschen sich selbst gegenüber, das mich selbst beflügelt, es ihm ähnlich zu tun. Ein Blogbeitrag. Ein neues Verhalten einfach mal ausprobieren. Ein Film. Eine Schnecke am Wegesrand. Etwas "Verrücktes" tun, in die Rolle eines anderen schlüpfen, sich eine Perücke aufsetzen.

Mit Spaß und Leichtigkeit beginnen.

Anja Kolberg

Mittwoch, 11 Juni, 2008

Eine Türe öffnen

 

Wenn wir die Türe für einen neuen Raum in unserem Leben öffnen, wissen wir nicht, was darin auf uns wartet. Wird es die richtige Wahl sein? Wird es mich auf meinem Weg weiter bringen? Ein bischen schummrig darf einem dabei ruhig sein, Aufregung, Neugier, Ungewissheit.

In einem solchen Moment hilft mir der Dialog mit meiner inneren Stimme. Sie gibt auf meine Fragen klare Antworten und sagt mir "Mach das!" oder schreit laut "Nein!" Doch mit der Motivation aus dem Inneren heraus alleine öffnet sich keine neue Türe: Jetzt heißt es mutig hingehen und die Türe öffnen. Haben wir uns den Raum ausgiebig angeschaut und uns darin aufgehalten, wissen wir, ob es der richtige neue Lebensraum für uns ist - oder ob es besser ist, weitere Türen zu öffnen. Solange bis unser Herz ein "JA!" hüpft! (Ich stelle mir gerade ein durch die Gegend hüpfendes, ein 'JA' tanzendes Herz vor.)

Jeder Schritt bringt uns weiter auf unserem Weg. Und sei es, weil wir genau wissen, was wir künftig nicht mehr wollen. Alles trägt dazu bei, unseren eigenen Weg zu finden.

Anja Kolberg

Montag, 09 Juni, 2008

Kurios...

... was ich manchmal Träume. Diese Nacht war ich noch mal in der Schule... Es war Abschlusstag und wir konnten einen Dozenten aufsuchen, der uns die Zukunft voraussagen konnte. Ich hatte schon eine Liste, was ich alles fragen wollte, fand aber einfach den Raum mit dem richtigen Dozenten nicht. Alle anderen Räume waren besetzt. Und dann bin ich aufgewacht. Grummel!

Ich hätte gerne die Weissagungen gehört! Nun muss ich ohne klar kommen. :o)

Anja Kolberg

Dienstag, 27 Mai, 2008

Alles einfache ist gut

Auf das Motto des Tischkalenders bin ich die letzten Tage mehrfach gestoßen.

Es tut mir gut, daran erinnert zu werden, dass was da ist, reicht. Dass ich mich nicht noch über alle Maßen anstrengen muss, um ein Ziel zu erreichen. Dass ich meine Erwartungen an mich selbst herunter schrauben darf, weil ich gar nicht 150% geben muss (meine das aber geben zu müssen, damit es gut ist).

Das ist so herrlich entspannend. Befreiend. Erleichernd.

Alles einfache ist gut.

Anja Kolberg

Mittwoch, 21 Mai, 2008

Etwas Eigenes...

... auf die Beine zu stellen, ohne einen Mentor, ohne Vorbild - ist eine Herausforderung.

Warum? Weil die nötige Sicherheit fehlt: Welcher Preis ist der Richtige? Welche Qualität? Was sind die richtigen Einkaufsquellen? Wie funktioniert der Vertrieb/Verkauf? Welches Geschäftsmodell funktioniert und welches nicht? Die Routine und die Sicherheit, die man z.B. während einer Lehre vermittelt bekommt, ist ein großer Schatz. Ein Schatz, den man erst zu schätzen weiß, wenn man in einen Bereich vorstößt, bei dem diese Orientierung fehlt.

Etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, hat auch seinen Vorteil. Nämlich es genau so zu machen, wie man es selbst will. In dem Rhythmus, der stimmig ist. Vielleicht völlig neue Wege zu beschreiten, bei dem ein "Lehrherr" vielleicht gesagt hätte: "Funktioniert nicht!" oder "Das macht man nicht!".

Wer sich selbstständig macht und in die Fußstapfen einer langen Tradition tritt, kann darin weiter gehen. Oder sich Schritt für Schritt aus dem Alten befreien, in dem man sich immer wieder fragt: "Will ich das wirklich so machen? Stimmt es für mich?" Das bedeutet auch, Neuland zu betreten, etwas zu wagen, Fehler und Rückschläge einzukalkulieren.

Völliges Neuland zu betreten, was immer dann der Fall ist, wenn man z.B. nach einer beruflichen Neuorientierung in ein völlig neues aber faszinierendes Berufsfeld wechselt, ist ein Abenteuer. Ein Auf und Ab. Ein Pfad, der nicht ausgetreten ist, wo die Regeln nicht bekannt sind, die heimlichen Gesetze, die über Jahrzehnte gewachsenen Netzwerke. Ein Pfad, auf dem Gefahren lauern - aber auch wunderschöne Glücksoasen. Ein Pfad, auf dem man sich selbst finden kann, seine Grenzen austesten, wachsen und ein Stück mehr man selbst werden.

Ein Hoch, auf alle, die es wagen, ihren eigenen Weg zu gehen und selbst dann nicht aufgeben, wenn es schwierig wird.

Anja Kolberg

Montag, 28 April, 2008

Meine Schwester

Wir sehen uns selten. Und wenn, dann tut es einfach gut. Warum?

Ich kann sagen, was ich will und habe keine Angst, ich werde für meine Gedanken verurteilt.

Ich weiß: Egal was ich tue, egal was ich anhabe, egal wie ich aussehe oder mein Umfeld, egal welche Entscheidungen ich treffe, egal wie ich bin - es ist o.k. für meine Schwester. Das ist ein großes Geschenk. Vertrauen. Glück. Entspannung. Und es ist schön zu wissen, das es ihr umgekehrt genauso geht.

Wir verstehen uns ohne Worte. So vieles ist klar und selbstverständlich. Es tut gut, so eine große Schwester zu haben. Halt im Leben.

Drück dich, Nicole!

Anja

Dienstag, 01 April, 2008

April April - der macht...

... was er will. Mein Rückschluss: Ich mache auch, was ich will. Zumindest fange ich mal diesen Monat damit an.

Letzte Woche war ich völlig zu Unrecht auf meinen Göttergatten sauer. Er wollte 'ne Pizza bestellen und ich nicht. Ihm zu Gefallen habe ich zugestimmt, was zur Folge hatte, dass ich ziemlich angesäuert war. Die Pizza schmeckte mir nicht wirklich... Als er wissen wollte, was los ist und ich es ihm sagte, konnte er nicht verstehen, warum ich denn nicht für das, was ich wollte, gekämpft hätte. So wichtig wäre ihm das mit der Pizza gar nicht gewesen, es wäre für ihn auch o.k. gewesen, wenn wir irgendetwas gekocht hätten. Er forderte mich eindringlich dazu auf, das nächste Mal für das zu kämpfen, was ich haben will.

Das gefällt mir. Und nehme es mir als Motto für diesen Monat: Kämpfen für das, was ich haben will. Nein, damit meine ich nicht das Essensthema am Abend. Es gibt so manches, wo ich nicht wirklich tue, was ich will. Weil ich - wahrscheinlich ohne dass es sein muss - Rücksicht auf andere nehme. Ich will diesen Monat versuchen, nur bei mir zu bleiben. Auch wenn ich Gegenwind spüre. Auch wenn ich die einzige bin, die das will. Auch wenn es Umstände macht. Auch wenn ich damit rechnen muss, dass jemand sauer auf mich ist... Nicht für mein Gegenüber denken, wie es ihm/ihr damit gehen könnte. Jedem sein eigenes lassen. Jeder achtet auf sich selbst. Und ich achte auf mich und stehe für mich ein.

"Einfach" (was für ein un/passendes Wort, denn spontan finde ich es Null einfach, aber ich kann es mir ja "Einfach-Denken") machen, was ich will!

Und der Monat April und das Kalenderblatt des Tischkalenders 2008 helfen mir dabei:

Denn darauf steht: "Was braucht deine Seele heute, um froh zu sein?" Jeden Morgen, stelle ich gerade fest, werde ich so an mein Motto für diesen Monat erinnert. Was brauche ICH, mein Innerstes heute, um froh zu sein? Das gefällt mir. Ich freue mich wie sehr das Kalenderblatt zu meinem heutigen Blogbeitrag passt. Es hat sich einfach entwickelt! Schön!!!

Wobei ich anmerken möchte und das werde ich diesen Monat auch so handhaben: Eigentlich war das Kalenderblatt dafür gedacht, jeden Morgen in mich hineinzuhorchen, was ich brauche. Was sind meine Bedürfnisse? Mich fragen. Und die Antwort lautet heute auf diese Frage: Fotographieren! Das macht meine Seele heute froh! O.k., das werde ich tun, habe ich schon länger nicht mehr einfach so gemacht...

Anja Kolberg

Mittwoch, 26 März, 2008

Ich bekomme ein Gefühl für mich

Seit dem ich im Blog dazu aufgerufen habe, dass Sie mir schreiben, freue ich mich fast täglich über Ihre Rückmeldungen. Das sind wunderschöne Geschenke.

Warum? Weil ich ein Gefühl für mich bekomme. Ein Gefühl, wie ich - denn ich stecke ja in diesem Blog - bei Ihnen ankomme. Wie meine Texte ankommen, meine Gefühle, meine Ideen. Was ich besonders gut kann. Was mein Schreiben bei Ihnen auslöst.

Das ist wunderbar. Es ist, als würde ein Haus von außen verputzt. Es steht schon länger da. Ist stabil. Trocken. Gibt den Bewohnern Schutz und Lebensraum. Und durch Ihr Feedback bekommt es eine Außenfassade.

Das fühlt sich gut an. Tut mir gut. Macht mich schöner. Weil ich höre: Ich bin schön. Das, was ich von mir zeige, hat eine Wirkung.

Es ist wie eine Wohlfühldusche für mein Selbstbewusstsein. Ich werde durch die Außensicht von Ihnen meiner Selbst bewusst. Das ist einfach toll! Ich fühle mich mehr. Bin sicherer. Fühle mich noch wohler.

Was kann es schöneres geben?

Anja Kolberg

Dienstag, 29 Januar, 2008

Huhu!

Hallo da draußen. Ich hisse die weiße Fahne. Im Moment übermannt mich die Arbeit.

Das schöne: Die Dooooopelkarten sind da. Und sie sind schööööön! Die neuen Goldstücke wollen in den Shop eingepflegt und verkaufsfertig bearbeitet werden. Und die Fotos für die Bilddatenbank sind immer noch nicht fertig... und... und...

Meine Aufmerksamkeit spielt Pingpong zwischen all den Aufgaben und Verlockungen. Ich muss mich konzentrieren, damit ich geschafft bekomme, was ansteht, auch, weil ich ein paar Tage wegfahren will. Deswegen habe ich zwei Entscheidungen getroffen: Den Shop nehme ich bis 25.02. aus dem Netz, so kann ich die neuen Artikel in Ruhe einpflegen. Ich werde auch einge Zeit nicht bloggen. Da es hier auf der Seite ja vieles zu entdecken gibt, vielleicht eine interessante Alternative. Ich schätze, am 18.2. geht es im Blog weiter. Bis dahin eine gute Zeit.

Anja Kolberg

Dienstag, 11 Dezember, 2007

Luft holen!

Der Dezember hat es in sich! Gefühlte zwei Monate stecken in einem. Irgendwie läuft die Zeit doppelt schnell habe ich den Eindruck... Sie auch? Von einer lieben Kundin bekam ich dieses Zitat von Victor Levin gemailt:

"Genieße Deine Freiheit und gib deiner Seele Raum zum Atmen."

Ja, das gefällt mir. Ich atme direkt durch. Wie schafft man es, in einer so "dichten" Zeit, wie sie gerade ist, mit all den Terminen, Besorgungen ruhig und gelassen zu bleiben? Durchatmen. Luft holen.


Ich liebe es, das Fenster zu öffnen, mich auf der Fensterbank aufzustützen und so ein paar Minuten die Seele und Gedanken baumeln zu lassen.

Auch wenn unten auf der Straße die Autos vorbeirasen - ein Moment abschalten ist es allemal.



Auch meine geliebten Rituale am Abend verschaffen mir eine Pause: PC aus. Kochen. Kaminofen an. Essen. Durchatmen. Zur Ruhe kommen. Berieseln lassen. Einer Kerze beim Brennen zuschauen.

Dann macht mir die Hektik des nächsten Tages weniger aus.

Pausengrüße aus Köln

Anja Kolberg

PS: Jetzt denke ich gerade an den heißen Nuß-Nougat-Kakao, den ich mir gestern gemacht habe. Das ist nicht nur Pause für den Bauch, sondern auch für meine Seele. :o)

Dienstag, 20 November, 2007

Komische Zeit

... manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr: Da muss ich warten, warten, warten, loslassen, Geduld haben, weil ich auf Entscheidungen und Reaktionen anderer Personen warte. Und dann - ganz plötzlich - und innerhalb von wenigen Stunden erledigt sich alles an einem Tag! Wow - Wahnsinn!

In solchen Momenten überlege ich, ob es an mir selbst liegt (habe ich vielleicht irgendeinen Schritt unternommen, der dies ausgelöst hat - wäre ja schön, wenn ich es reproduzieren könnte) oder ob irgendwelche himmlischen Konstellationen (Mond? Astrologie?) dazu führen, dass es einfach fluppt. Hm. Grübel. Bekomme ich jetzt keine Antwort drauf, aber ich freue mich über so viel Bewegung. Endlich, ich bin doch soooooo ungeduldig!

Viele Grüße

Anja Kolberg

Donnerstag, 18 Oktober, 2007

Mich öffnen

... ist immer schwer. Warum? Weil ich verletzt werden kann. Weil ich Angst vor Ablehnung habe. Jeder, der ungewöhnliche oder neue, andere Wege beschreitet, geht in der Regel nicht in großen Gruppen. Nicht alleine, es gibt immer Wegbegleiter und das tut so unendlich gut.

Es ist ein Geschenk, zu wissen, dass es immer Menschen gibt, die zu einem stehen, egal was passiert im Leben. Egal, was ich glaube, egal, was ich mache. Egal, wie anders ich bin als andere, wie anders ich mich fühle. Anders als die Norm.

Für mich ist das meine Familie. Verständnis zu fühlen und angenommen zu sein so wie ich bin, ist eines der größten Geschenke, die man einem anderen Menschen machen kann.

Ich erfahre das und das ist ein wunderbares Gefühl des Aufgehoben seins. Ein Schutzwall aus Liebe.

Herzensgrüße von einer mit Sonnenstrahlen beschienenen

Anja Kolberg

P.S.: Das Bild ist wieder eine E-Card.

... noch was, mir fällt ein Zitat ein, das ich in meinem Ab-40-Buch aufgeschrieben habe:

Erschrecken wir nicht,
anders zu denken,
anders zu sein,
die Dinge einmal anders anzupacken,
anders zu reden,
anders zu schreiben,
einen neuen Ton in den Umgang
mit anderen bringen,
kurz NEUES zu tun.

Emil Oesch

Mittwoch, 10 Oktober, 2007

Das schwarze Schaf

Waren Sie das schwarze Schaf in Ihrer Familie? Haben Sie immer gemacht, was Sie wollten und Ihnen war schnurzpiepegal, was die anderen dachten oder wollten?
Ich hatte nicht den Mumm dazu, obwohl ich ziemlich frech war. Ich war ein weißes Schaf in einer weißen Herde. Noch heute ist es eine Herausforderung für mich, aus den üblichen Regeln auszubrechen, um meinen Weg zu gehen. Ich vergesse es oft, trotte einfach mit oder erlaube es mir nicht, anders zu sein. Ich will es aber. Ich will kein weißes braves Lämmchen mehr sein!

Beim Bummeln ist mir dann ein kleines schwarzes Schaf in die Finger geraten. Das war's! Eine Erinnerung daran, dass ich mir immer öfter erlaube, das schwarze Schaf zu sein. An mich selbst zu denken und an das, was ich tun will, statt auf das zu hören, was die anderen wollen (wollen könnten...) Blos, um nett und brav zu sein. ... und zur Herde dazu zu gehören. Pah! Mit dem schwarzen Schaf an meinem Schlüsselanhänger gehört das der Vergangenheit an. Jawohl!

Mäh! aus Köln

Anja Kolberg

P.S. Das Bild ist eine E-Card ... vielleicht gibt es ja bald eine Herde schwarzer Schafe, dann will ich aber ein weißes sein. :o))

Dienstag, 11 September, 2007

Von der Erwartung einer Zustimmung...

Wenn ich etwas vorhabe und weihe andere Menschen ein, weil ich mir Zustimmung wünsche, kann das ganz schön nach hinten losgehen. Nämlich dann, wenn die Reaktionen eben nicht so sind, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich wollte keine Diskussion, keine Anregungen, sondern einfach: "Toll, mach' das." vom anderen hören.

Es ist ja nicht so, als hätte ich mit den Folgen dieser Art der Zustimmungserheischung (was für ein Wort!, es trifft es aber ziemlich gut) nicht schon Erfahrungen gesammelt. Welche? Nun, dass ich anschließend an mir zweifle, dass ich mich ärgere überhaupt gefragt zu haben und dass ich manchmal aus Trotz doch das mache, was ich ursprünglich wollte, blos um dem anderen kein Recht zu geben (da rennt der Widder in mir gerne mit dem Kopf gegen die Wand, um seinen Willen zu bekommen).

Daraus könnte ich ja eigentlich lernen und es lassen oder direkt sagen: "Schau dir das mal an. Bitte keine Anregungen, sag nur einfach "Schön ist das geworden". Aber wie blöd komme ich mir denn dabei vor? Auf der anderen Seite ist es ja das, was ich wirklich will und könnte mich auf diese Art vor den nicht gewünschten Reaktionen schützen. Ich muss zugeben, derjenige, der gefragt wird, hat wenig Chancen, es richtig zu machen. Oh weih!

Warum frage ich denn überhaupt? Hm, weil ich unsicher bin oder auch weil es mir mordsmäßig gut gefällt und ich es anderen stolz zeigen will. Ja, ich sehe gerade das Kind in mir, dass etwas schönes gebastelt hat und es den anderen stolz zeigt. Ja, das bin ich.

Heute ist es meine Aufgabe, mich von den Reaktionen der anderen wieder zu lösen, um zu mir selbst zu kommen. Was gefällt mir? Was möchte ich verändern und was genau so lassen? Will ich wirklich eine Anregung übernehmen? (Ich muss lachen, weil mein Inneres laut "NEIN" schreit. Da habe ich die Antwort schon.)

Es geht mir eben noch besser, wenn ich eine Zustimmung höre. Nein, ich bin nicht der Mensch, der sich über Gegenwind freut oder Lust auf Diskussionen hat und die Dinge nicht persönlich nimmt. Ach, wäre ich doch davon befreit. ("Warum?" fragt mein Inneres. "Das ist ein wichtiger Teil von dir. Es ist gut so wie es ist. Es hat einen Grund, warum du um Zustimmung hoffst. Es würde deine Energie potenzieren. Manchmal ist auch gut, wenn nicht zu viel fremde Energie im Sinne positiver Zustimmung hinzu kommt. Warum? Damit es deines bleibt.")

Ja. Gut. Werde ich denn niemals die coole Frau sein, die sich die Meinungen anderer unbeteiligt anhört und sie einfach stehen lassen kann und dann doch ihr eigenes Ding macht? ("Doch", höre ich aus dem Off. "Das wirst du ganz bestimmt. Aber jetzt bist du noch in der Phase des Lernens und sammelst wichtige Erfahrungen, die es dir möglich machen, eines Tages diese klare Abgrenzung zu schaffen oder nur noch zu fragen, wenn du offen für die Meinung der anderen bist, statt enttäuscht zu sein, wenn nicht die "richtigen", von dir erwarteten/erhofften Antworten kommen. Das alles ist richtig so wie es ist, Anja. Du bist auf dem Weg!")

Juuut (wie der Kölner sagt), dann will ich mal weiter machen!

Herzlich aus Köln

Anja Kolberg

Mittwoch, 29 August, 2007

Wie geht's?

Mir? Mir geht es heute richtig gut! Ich liebe die kühle Frische später Sommertage am Morgen. Tau liegt auf den Wiesen, auf den Blumen. Die Sonne darf strahlen, was das Zeug hält. Und das macht sie gerade - mitten in mein Büro! :o)

Wer selbstständig ist, weiß um die Gefahr, sich selbst auszubeuten. Viel mehr zu arbeiten, als man dies - zumindest meistens - als Angestellte gemacht hat. Ich kenne dieses "kein Ende finden" nur zu gut. Dazu gehört die Arbeit bis spät in die Nacht, am Wochenende, bei externen Terminen Übernachtungen in Hotels, Reisezeiten während der Freizeit, die Fachbücher im Urlaub, das Telefonat am Abend und muss ich nicht auch noch zu einer Netzwerkveranstaltung hin... Das externe Büro in Köln-Zollstock hat mir vor ein paar Jahren geholfen, "gesunde" Bahnen zu ziehen. Und als ich dann mit meinem Büro zurück in unser Haus ging, war es viel leichter, einen zeitigen Feierabend zu finden.

Dennoch ist es immer wieder eine Herausforderung, gerade wenn ich in kreativen Hochphasen bin, einen Absprung zu schaffen. Gut ist, dass ich inzwischen weiß, wie gut mir ein regelmäßiger Feierabend bekommt. Die Ruhe am Abend, der PC ist ab 18 Uhr aus - gilt auch für meinen Partner, wir haben hier eine gemeinsame Deadline gefunden - dann kochen, essen, Gassi gehen und zum Schluss gemütlich auf die Couch (ja, bin ein Couch-Junkie) legen und meine Lieblingsserie schauen oder einen Film... Was auch immer. Das ist das, was mir gut tut. Dann bin ich ausgeglichen und kann abschalten. Und ich bin stolz auf mich, dass es mir immer öfter gelingt, schon vor meiner selbst gesetzten Feierabendzeit von 18 Uhr den PC auszumachen.

Raustreten aus dem Hamsterrad, das ich mir selbst geschaffen habe. Zum Beispiel für ein kurzes Nickerchen oder eine gemütliche Lesestunde (lese gerade wieder ein guuuutes Buch) oder worauf mein Herz auch immer Lust hat ... Diese Zeiten sind herrlich. Es ist ja ein gewaltiger Unterschied, ob man nur weiß, dass man diese Freiheit hat oder ob man sie auch wirklich nutzt!

Als ich noch (un)glückliche Angestellte war, dachte ich immer: Wenn ich endlich die Arbeit mache, die ich wirklich liebe, dann bin ich gesund und es geht mir supergut. Und die Selbstständigkeit ab 1999 machte mir einen Mordsspaß (was für ein Wort!). Endlich konnte ich tun, was ich wollte. Unglaubliche Energien wurden freigesetzt. 7 Tage die Woche habe ich gearbeitet. Die Quittung kam dafür insbesondere 2001, als ich einen Bandscheibenvorfall bekam und weil ich immer noch nicht eingesehen habe, dass ich weniger arbeiten sollte (schließlich waren gerade mein Bücher erschienen) anschließend einen Hexenschuss. Meine Theorie war also ein gewaltiger Irrtum gewesen!

Egal wie freudvoll die Arbeit (angestellt oder selbstständig) ist: Solange keine Balance herrscht und ich für einen Ausgleich sorge, geht es gegen meinen Körper. Damit meine ich nicht Sport, den habe ich immer noch nebenbei gemacht. Sondern die kleinen Freiheiten und die Regelmäßigkeiten herauszufinden, die ich brauche, um eine Basis zu schaffen, die mich stützt und stärkt. Dazu gehört es auch unbedingt, Entscheidungen zu treffen, was ich nicht (mehr) tun will. Die letzten Jahre war ich wirklich damit beschäftigt, mir ein gesundes Balance-System einzurichten. Nicht leicht, denn viel Arbeiten ist ja in unserer Gesellschaft sehr angesehen. Und dann war da immer noch die Sorge, wenn ich weniger arbeite, habe ich weniger Geld in der Tasche.

Die Frage ist, ob ich mit mehr Geld (und einem erschöpften Körper) glücklicher bin. Meine Erfahrung ist: Nein. In diesem Jahr sind mein Partner und ich mit so wenig Geld ausgekommen wie noch nie zuvor. Und es war ein sehr glückliches und erfülltes Jahr! Ich habe den Eindruck, dass ein solides Fundament gebaut worden ist, eine Erfahrung, die mich stärker sein lässt als jemals zuvor. Und das ist ein großartiges Gefühl der Sicherheit!

Herzlich

Anja Kolberg

Montag, 20 August, 2007

Her mit dem...

... Zaubertrank, der es mir ganz leicht möglich macht, all' meine Probleme zu beseitigen. Ja, so einfach würde ich es mir am liebsten machen. Problem entdeckt - ein Schlückchen vom Lösungszaubertrank, der jederzeit griffbereit auf der Feuerstelle vor sich hin blubbert. Das wäre mal eine Erfindung!

Zum Beispiel einen Zaubertrank dafür, dass ich mich fortan auf mich selbst statt auf andere konzentriere. Dass ich mir nur meine Gedanken mache und nicht auch noch die von anderen. Den anderen ihr Schicksal lasse und mich voll und ganz mir selbst widme. Hey - damit hätte ich genug zu tun!

Oder das Mittelchen dafür, damit ich mich ans Ruder meines Schiffes setze und mir genüsslich überlege, auf welchem Meer ich damit glücklich werden kann. Und mich durch nichts in meinem Vorhaben erschüttern lasse! Gleich wie stark der Wind bläst oder wie hoch die Wellen schlagen. Stark, konzentriert und überzeugt stehe ich am Steuerrad.

Und dann noch was dafür, dass ich endlich davon überzeugt bin, dass ich gut bin wie ich bin und mich selbst, meine Gefühle, Ideen, mein Handeln oder Nicht-Handeln, meine Gedanken nicht ständig hinterfrage.

Wo wir gerade dabei sind: Toll, wenn ich per Schwingen des Zauberstabes meinen Körper, mein Aussehen nicht nur so akzeptiere wie sie sind, sondern auch noch runherum super finde!

Wenn alles so einfach wäre, dann wären diese Mittelchen der Umsatzschlager. Aber so einfach ist es nicht. Mit dem Schielen auf die perfekte und einfache Lösung verbaue ich mir den Blick für die kleinen Erfolgserlebnisse, Glücksmomente, Fortschritte und Möglichkeiten. Also weg mit diesem Aberglauben!

DAVON kann ich mich frei machen - und Luft bekommen für etwas wichtigeres:

Das Leben, wie es jetzt ist - mit all seinen Unzulänglichkeiten und Herausforderungen - annehmen und akzeptieren wie es ist. Und es genießen. Denn genau jetzt ist es richtig, so wie es ist!

Herzlich!

Anja Kolberg



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